1788 schickt Großbritannien eine Flotte – die First Fleet – ans andere Ende der Welt: elf Schiffe, fast 1.500 Menschen, an Bord Sträflinge – und Rebstöcke. Denn Wein war für die britische Elite kein bloßes Getränk, sondern ein Symbol für Zivilisation und imperiale Größe. Marcel bringt vier australische Weine mit, vom roten Sparkling Shiraz über einen gereiften Hunter-Sémillon und einen kühlen Gippsland-Pinot bis zum kräftigen Barossa-Shiraz aus der deutschesten Ecke Australiens. Heiko erzählt die Geschichte dahinter: überfüllte Gefängnisse im georgianischen England, die schwimmenden Prison Hulks auf der Themse, 252 Tage auf See bis zur Botany Bay – und die Schattenseiten für die Menschen, die dort längst lebten. Dazu alles, was man über Weinbau in Australien wissen muss: warum fast alles unter Schraubverschluss steckt, was Shiraz mit der französischen Syrah zu tun hat und wie aus der Strafkolonie Australien das fünftgrößte Weinland der Welt wurde. Cheers, mate.
Hintergrund zur Folge: First Fleet und die Kolonialisierung Australiens
Am 20. Januar 1788 erreichte eine Flotte aus elf Schiffen nach 252 Tagen auf See die Küste Australiens. Rund 15.000 Seemeilen von London entfernt, weiter weg als jede Kolonie, die Großbritannien bis dahin gegründet hatte. An Bord: fast 1.500 Menschen, die meisten von ihnen Sträflinge. Und, kaum zu glauben, im Laderaum zwischen Werkzeug und Proviant: Weinreben. Diese Folge erzählt, wie aus überfüllten englischen Gefängnissen eine Strafkolonie am anderen Ende der Welt wurde – und warum ausgerechnet der Wein dabei eine erstaunlich große Rolle spielte.
Volle Gefängnisse und schwimmende Kerker – warum England eine Strafkolonie Australien „brauchte“
Die Strafkolonie in Australien entstand nicht aus imperialer Vision, sondern aus der Not: Das britische Staatssystem wusste im späten 18. Jahrhundert nicht mehr, wohin mit seinen Gefangenen. Die Ursachen lagen in der sozialen Krise des georgianischen England, also derselben Welt, in der auch die Gin-Epidemie wütete. London wuchs explosionsartig, Armut und Kriminalität nahmen zu, und die Politik reagierte nicht mit Sozialmaßnahmen, sondern mit härteren Strafen. So füllten sich die Gefängnisse, die zur Hälfte in privater Hand lagen und in denen Wärter daran verdienten, Gefangene für Zelle, Essen und Alkohol zahlen zu lassen. Der Reformer John Howard berichtete nach seinen Besuchen, seine Kleidung habe so heftig gestunken, dass er die Kutschenfenster offen lassen musste.
Die traditionelle Lösung war die Deportation, und das Ziel hieß über Jahrzehnte: Amerika. Zwischen 1717 und 1775 wurden rund 40.000 Menschen über den Atlantik verschifft und dort an Plantagenbesitzer weiterverkauft – eine, wie man schon damals sagte, rechtlich verkleidete Form der Sklaverei. Mit der amerikanischen Unabhängigkeit 1776 brach dieses System jedoch über Nacht zusammen.
Als Übergangslösung diente der Hulks Act von 1776: Ausrangierte Kriegsschiffe ohne Masten, die sogenannten Prison Hulks, wurden auf der Themse vor Anker gelegt und mit Häftlingen belegt. Diese schwimmenden Kerker waren überfüllt, feucht und von Typhus durchseucht, und sie wurden vor allem deshalb zum politischen Problem, weil Abgeordnete sich über den Gestank in ihren Wahlkreisen beschwerten und Seuchen fürchteten.
Verurteilte wurden auf ausrangierten Schiffen auf der Themse inhaftiert Quelle: State Library of New South Wales via National Library of Australia
In dieser Lage begann ein weit entfernter Kontinent plötzlich interessant zu wirken. James Cook hatte die Ostküste Australiens 1770 kartiert und für die Krone beansprucht; der Naturforscher Joseph Banks, damals an Bord, schilderte die Gegend später in optimistischen Farben: gutes Klima, fruchtbarer Boden, eine Kolonie, die sich binnen eines Jahres selbst versorgen könne. Doch niemand überprüfte seine Angaben. Treibende Kraft hinter dem Projekt war Innenminister Thomas Townshend, besser bekannt unter seinem Adelstitel Lord Sydney.
Wein als imperiales Programm
Versteht man die First Fleet jedoch nur als Strafexpedition, übersieht man etwas Entscheidendes: Von Anfang an war das Projekt auch ein wirtschaftliches und kulturelles Experiment, in dem Wein eine überraschend zentrale Rolle spielte. Schon in den Planungsdokumenten taucht die Idee auf, in New South Wales eine Weinindustrie aufzubauen. Der Grund liegt tief in der britischen Kultur des 18. Jahrhunderts, denn Wein war für die britische Elite nicht einfach ein Getränk, sondern ein Symbol. Großbritannien besaß keine eigene Weinbautradition. Wein war teuer, importiert und damit den Herrschenden vorbehalten. Er stand für Zivilisation, für die verehrte Antike, für das römische Imperium, das dem britischen als Vorbild diente.
Dazu kam eine handfeste wirtschaftliche Überlegung. Frankreich, Spanien und Portugal betrieben Weinbau bis in ihre Kolonien hinein, wo Weinberge an wichtigen Stützpunkten die Schiffe versorgten. Wein war hier Teil der imperialen Infrastruktur. Genau deshalb war er von Beginn an Teil des kolonialen Projekts, nicht nur als Genussmittel für die Offiziere, sondern als politisches Programm. Der Gedanke dahinter: Eine Kolonie, die Wein anbaut, ist keine bloße Strafanstalt, sondern der Anfang einer zivilisierten Gesellschaft.
Die First Fleet und die Reise ans Ende der Welt
Den Auftrag, diesen Ort aufzubauen, erhielt ein eher wenig glanzvoller Mann: Captain Arthur Phillip, Sohn eines deutschen Sprachlehrers aus Frankfurt, von der Marine oft auf Halbsold gesetzt und ohne großes gesellschaftliches Gewicht. Qualifiziert hatte ihn eine bemerkenswerte Leistung: Einige Jahre zuvor hatte er 400 portugiesische Sträflinge ohne einen einzigen Todesfall über den Atlantik nach Brasilien gebracht. Das überzeugte die Regierung, denn das Unternehmen war logistisch enorm. Vier Gefangene teilten sich einen Schlafplatz von der Größe eines Doppelbetts, die Unterdecks hatten kein Licht und bei geschlossenen Luken fehlte im Sturm sogar der frische Sauerstoff. Auf einem der Schiffe verfärbten sich die Holzwände und die Uniformknöpfe schwarz von den Ausdünstungen.
Die Route folgte den etablierten Handelswegen der Zeit. Erster Halt war Teneriffa, wo man Wasser, Lebensmittel und Wein einkaufte. Wein zu kaufen war für die First Fleet wichtig, einerseits für die Medizinkisten der Schiffsärzte, andererseits weil Phillip persönlich darauf bestand, die Besatzung zu versorgen. Das Fehlen solcher Vorräte, so sein Argument, könne im schlimmsten Fall eine Meuterei auslösen. Über Rio de Janeiro, wo man frisches Obst und Gemüse gegen Skorbut an Bord nahm, erreichte die Flotte das Kap der Guten Hoffnung. Dort, am wichtigsten Versorgungsstützpunkt zwischen Atlantik und Indischem Ozean, nahm Phillip nicht nur Weinfässer an Bord, sondern erwarb auch die ersten Weinreben für Australien – allerdings ohne jede botanische Planung, ohne Winzer an Bord und ohne Vorstellung davon, welche Sorten im Klima von New South Wales überhaupt gedeihen würden. Man nahm, was verfügbar war.
Die Route der First Fleet führte über Teneriffa nach Rio de Jaineiro. Von dort zum Kap der Guten Hoffnung und weiter nach Australien.
Nach insgesamt 252 Tagen und über 13.000 Seemeilen erreichte die Flotte die Küste, und gemessen an den Zuständen waren mit 48 Toten erstaunlich wenige Menschen gestorben. Wer sich unter den Deportierten das „Worst-of“ der englischen Gefängnisse vorstellt, irrt allerdings. Die überwältigende Mehrheit der zwischen 1787 und 1868 rund 160.000 Verschifften waren gewöhnliche Kleinkriminelle aus den Armenvierteln – darunter eine 70-jährige Frau, die einen Käse gestohlen hatte, ein Mann, der zwölf Gurkenpflanzen zertreten hatte, und sogar Kinder wie ein elfjähriger Junge, der ein Seidenband und ein paar Strümpfe entwendet hatte. Keine Mörder, keine Revolutionäre, sondern meist Menschen, die aus Not gestohlen hatten.
Ankunft der First Fleet und die Menschen, die schon da waren
Der erste Landeplatz, die Botany Bay, entpuppte sich rasch als Enttäuschung und nicht als das, was Joseph Banks versprochen hatte: schlechter Boden, eine offene, ungeschützte Bucht, flaches Wasser. Lieutenant Clark notierte nach fünf Tagen, wenn man hier bleiben müsse, werde in einem Jahr keine Seele mehr am Leben sein. Phillip erkundete daraufhin die Küste nach Norden und fand einen tiefen, gut geschützten Naturhafen, den er zu Ehren des Innenministers Sydney Cove nannte – dort, wo heute das Opernhaus und die Harbour Bridge stehen.
Die Briten landeten aber natürlich nicht auf einem leeren Kontinent, der nur darauf wartete, von Europäern besiedelt zu werden. Als die First Fleet ankam, lebten in Australien seit Zehntausenden von Jahren Menschen, und es gab nicht einfach nur „die“ Aborigines, sondern schätzungsweise mindestens 300.000 Menschen, die sich auf verschiedene Clans aus rund 250 Nations mit eigenen Sprachen, Mythen und Ritualen verteilten. Rund um Sydney Cove lebten die Eora, an der Botany Bay der Gweagal-Clan der Dharawal-Nation. Als eines der Schiffe vorbeisegelte, schwangen Männer am Ufer ihre Speere und riefen „Warra, Warra“. Die Europäer verstanden es als „Geht weg“, während die heutige Dharawal-Community es eher mit „Ihr seid alle tote Geister“ übersetzt.
Was die europäischen Beobachter zutiefst verwirrte, war das Verhältnis dieser Gesellschaften zum Land. Es gab kein Privateigentum, aber eine ausgeprägte Territorialität, keine Könige und keine Priester. Die Briten verstanden Besitz als etwas Vermessbares, das man kaufen, verkaufen und einzäunen konnte. Für viele Aboriginal-Gesellschaften jedoch war die Landschaft Teil einer spirituellen Ordnung, die oft unter dem Begriff „Dreaming“ zusammengefasst wird: Geschichten der Ahnen, die Ursprünge von Tieren, Pflanzen und Bergen, Regeln des Zusammenlebens, eingeschrieben in das Land selbst. Nahm man ihnen dieses Land, nahm man ihnen nicht abstraktes Eigentum, sondern ihre verkörperte Geschichte und damit ihre Identität. Das verstanden die Briten nicht – oder wollten es nicht verstehen.
Alkohol wiederum war den Aborigines gänzlich unbekannt und existierte außerhalb ihrer kulturellen Erfahrungswelt, ohne Regeln oder Geschichten, die ihm einen Platz zugewiesen hätten. Bis heute zählt Alkohol daher auch zu den zerstörerischsten Hinterlassenschaften der Kolonialisierung – ein Muster, das sich auch bei den First Nations in den USA und Kanada zeigt.
Bennelong – zwischen zwei Welten
Anfangs hoffte Phillip auf friedliche Beziehungen und wies sogar an, in Eintracht mit den Einheimischen zu leben – zugleich aber ließ er ihre Zahl erfassen, um zu berechnen, wie sie „zum Vorteil der Kolonie genutzt werden könnten“. Als sich der erhoffte Kontakt nicht einstellte, griff er zu drastischeren Mitteln und ließ Aboriginal-Männer entführen, um ihre Sprache und ihr Verhalten zu studieren. Der erste war Arabanoo, der zwar am Tisch des Gouverneurs sitzen durfte, sich aber konsequent weigerte, Alkohol anzurühren, und wenige Monate später an den Pocken starb.
Der bekannteste dieser Gefangenen war Bennelong. Er begriff schnell, wie die Briten funktionierten, lernte Englisch und bewegte sich geschickt zwischen beiden Welten. Anders als Arabanoo entwickelte er eine Vorliebe für Wein und schob Spirituosen weg, wenn er stattdessen Wein bekommen konnte – was die Kolonisten prompt als Zeichen von „Zivilisierbarkeit“ deuteten. Wenn er trank, stieß er an, wie man es ihm beigebracht hatte, „auf den König“, und die Historikerin Julie McIntyre weist auf die bittere Ironie hin: Bennelong wusste nicht, dass die Briten damit zugleich auf jenes Empire anstießen, das gerade begann, sein Land zu besetzen. Nach einer Phase der Flucht und wechselhafter Beziehungen wurde er zu einem wichtigen Vermittler zwischen den Eora und den Siedlern. 1790 ließ Phillip für ihn eine Hütte auf dem später nach ihm benannten Bennelong Point errichten, dem heutigen Standort des Opernhauses. 1792 reiste Bennelong mit Phillip nach London, wo er etwa drei Jahre lebte.
Wie man ihn dort sah, zeigt ein Porträt von 1802, ein Kupferstich, der in einem geographischen Kompendium zwischen Berichten über Ozeane und fremde Völker erschien. Bennelong also buchstäblich als geographisches Exponat katalogisiert, dargestellt in der Kleidung eines britischen Gentlemen, was die Inszenierung des „zivilisierbaren Wilden“ als vermeintlichen Beweis britischer Überlegenheit dokumentiert.
Quelle: National Museum Australia
Der lange Weg zum australischen Wein
Während die Kolonialisierung Australiens mit Zwang und Gewalt Gestalt annahm, wurden zugleich die ersten Reben gepflanzt. Anfang 1791 notierte Watkin Tench stolz die ersten zwei Trauben aus dem Garten des Gouverneurs – ein hübscher Moment, aber im Grunde der Auftakt zu einer langen Geschichte des Scheiterns. Der Grund war strukturell: In Großbritannien gab es schlicht keine Winzer. Niemand in dieser Strafkolonie wusste wirklich, wie man Reben schneidet, wann man erntet oder wie man Wein macht, und die europäischen Anleitungen setzten Wissen voraus, das man nur von erfahrenen Nachbarn lernen konnte. Ein hessischer Söldner namens Philip Schaeffer taufte seine Farm optimistisch „The Vineyard“, gab aber nach enttäuschenden Jahren wieder auf. Zwei französische Kriegsgefangene, die Weinbauerfahrung behaupteten, produzierten am Ende nur wenige Gallonen eines so schlechten Weins, dass sich kein Muster nach London schicken ließ. Auch die Söhne des einflussreichen Kolonisten John MacArthur, die eigens durch Frankreichs Weinregionen reisten und Reben mitbrachten, scheiterten zunächst – hatten aber die richtige Erkenntnis: Man musste von denen lernen, die es konnten.
Der Durchbruch kam durch zwei Entwicklungen. Zum einen durch den schottischen Agrarstudenten James Busby, der in Frankreich Weinbau studiert hatte und akribisch Hunderte Rebsorten direkt aus europäischen Weinbergen sammelte. Seine zentrale Einsicht war, dass sich Reben je nach Klima und Boden völlig unterschiedlich entwickeln und man testen, beobachten und anpassen muss. Seine Sammlung wurde in den Botanischen Gärten in Sydney einquartiert und von dort an Siedler in der ganzen Kolonie verteilt.
Zum anderen kamen ab 1837 deutsche Winzerfamilien ins Land. Zunächst sechs Familien, gegen den Widerstand einer Regierung, die eigentlich nur britische Einwanderer förderte. Ihr Einfluss war enorm: Zwischen 1831 und 1860 kamen über 120.000 Briten und nur rund 8.300 Deutsche nach Australien, doch gerade Letztere brachten das praktische Fachwissen mit, das jahrzehntelang gefehlt hatte. Sie wussten, wie man Reben schneidet, wann man erntet und wie man Wein macht. Im Hunter Valley nördlich von Sydney kamen schließlich alle Stränge zusammen: passendes Klima, Busbys Rebsorten, deutsches Fachwissen und engagierte Pioniere. Ab 1830 besteht dort eine ununterbrochene Weinbautradition, was das Hunter Valley zur ältesten heute noch genutzten Weinregion Australiens macht.
Die verkosteten australischen Weine
Heute schlagen wir einen Bogen von der ältesten noch genutzten Weinregion des Kontinents bis zu einer echten australischen Eigenart, die man so kaum erwartet. Vier Weine kommen ins Glas, und fast alle davon unter Schraubverschluss. Das hat einen simplen Grund: In Australien wächst keine Korkeiche. Kork müsste also teuer importiert werden – und beim Wein hat sich der Schrauber längst als gleichwertige, oft sogar bessere Lösung durchgesetzt.
Weinbau in Australien – ein Überblick
Bevor es ins Glas geht, lohnt der Blick auf die Landkarte. Australien ist mit rund 7,7 Millionen Quadratkilometern fast so groß wie Europa, doch die gesamte Bevölkerung von etwa 27,7 Millionen Menschen würde mehrfach in Deutschland passen. Wirtschaftlich wird das Land nicht vom Wein definiert – Kohle und Gas dominieren, Wein macht nur einen Bruchteil des Exports aus. Trotzdem ist Australien das fünftgrößte Weinland der Welt, mit rund 145.000 Hektar Rebfläche und etwa 2.500 Winzern. Charakteristisch ist die starke Konzentration: Die zwanzig größten Produzenten stehen für rund 70 Prozent der Produktion, noch ausgeprägter als in Kalifornien.
Angebaut wird vor allem im kühleren Süden, grob zwischen dem 30. und 40. Breitengrad. Auf Europa übertragen läge das etwa zwischen Marokko und Sizilien. Rund die Hälfte der Produktion stammt dabei aus South Australia, gefolgt von New South Wales und Victoria.
Geografisch geordnet wird das über die sogenannten Geographic Indications, ein gestuftes System aus Zonen, Regionen und Subregionen; die wichtigste Ebene sind die 65 Regionen wie Barossa, Hunter Valley oder McLaren Vale.
Bei den Rebsorten liegt Rotwein knapp vorn, allen voran Shiraz, gefolgt von Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinot Noir, bei den Weißweinen Chardonnay, Sauvignon Blanc und Sémillon. Ein Detail mit Bezug zu unserer Reblaus-Folge: South Australia, Western Australia und Tasmanien blieben von der Reblaus bis heute größtenteils verschont.
Sparkling Shiraz – die australische Eigenart
Der erste australische Wein ist zugleich die erste Provokation: roter Schaumwein oder auch Sparkling Shiraz. Was in Europa als Kuriosität gilt, ist in Australien fest etabliertes Kulturgut. Der Sparkling Shiraz entstand vermutlich um 1893 und wurde bis 2010 meist als „Sparkling Burgundy“ verkauft, bis das Weinhandelsabkommen zwischen der EU und Australien solche geliehenen europäischen Namen beendete. Rund 80 Prozent der Produktion werden im Land selbst getrunken, traditionell zum Weihnachtsfrühstück oder zum Truthahn.
Dowie Doole – Moxie Sparkling Shiraz
Im Glas haben wir den Dowie Doole Moxie Sparkling Shiraz: dunkelrot, mit Aromen von Brombeere und dunklen, würzigen Früchten, im Geschmack Kirsche und Beeren mit feiner Süße und zarter Perlage – halbtrocken, bei 13,5 Prozent Alkohol, für 22,90 Euro. Die Geschichte hinter dem Namen: Moxie wurde Ende der 1990er für einen US-Importeur entwickelt, „Moxie“ ist amerikanischer Slang für eine junge, zielstrebige Person mit Schneid. Die ersten Container waren in den USA jeweils binnen drei Monaten ausverkauft, bis ein Brief kam: „Moxie“ war dort bereits als Softdrink-Marke geschützt. Ein bereits abgefüllter, verschiffter Container musste also kurzerhand umgeleitet werden, und über den Überseewein-Importeur Martin Apel wurde Deutschland zum neuen Hauptmarkt – heute werden rund 90 Prozent des Moxie hierzulande verkauft.
Das Weingut selbst, 1995 im McLaren Vale südlich von Adelaide gegründet, ist eine Boutique-Kellerei mit rund 60 Hektar, die aus dem Frust entstand, die eigenen Trauben zu fremden Kellereien karren zu müssen. Man wollte die Kontrolle vom Weinberg bis zur Flasche. Der Stil gilt als nachhaltig, biodynamisch und etwas eleganter als der australische Mainstream, mit einem „little rebel spirit“.
Wir finden der Sparkling Shiraz passt wunderbar zu einer Vernissage-Eröffnung oder besonderen Momenten!
Der zweite australische Wein ist der leichteste des Abends, meist nur elf bis zwölf Prozent Alkohol, und zugleich einer der außergewöhnlichsten Weißweine der Welt. Der Tyrrell’s Vat 1 Sémillon stammt aus dem Hunter Valley nördlich von Sydney, Australiens ältester Weinregion, wo die ersten Reben schon in den 1820ern gepflanzt wurden. Auch hier ein Reblaus-Bezug: Dank sandiger Böden und relativer Isolation blieb das Hunter Valley weitgehend verschont, und der Sémillon steht bis heute auf wurzelechten, seit 1923 gepflanzten Reben.
Das Hunter Valley ist eigentlich ein Paradox: subtropisch, heiß, feucht, mit Regen zur Lesezeit. Auf dem Papier also ein miserabler Ort für feinen Weißwein. Die Lösung, die den ganzen Stil erst schuf, war die sehr frühe Lese, bevor Fäule und Regen kommen, bei niedrigem Zucker: wenig Alkohol, viel Säure. Bruce Tyrrells Credo zum Sémillon lautet schlicht, man solle „das verdammte Ding einfach in Ruhe lassen“ – kühle Gärung im Edelstahl, kein Holz, keine malolaktische Gärung. Die eigentliche Magie passiert in der Flasche: Jung wirkt der Wein karg, zitrusfrisch und fast neutral, mit den Jahren entwickelt er Toast, Honig, Wachs und Petrolnoten.
Das Hunter Valley ist das älteste heute noch genutzte Weinregion Australiens
Tyrrell’s lässt den Vat 1 erst nach rund fünf Jahren frei, Spitzenflaschen halten zwanzig Jahre und mehr; unser 2018er steht mit acht Jahren gerade an der Schwelle zu diesen Sekundäraromen. Im Glas zeigt er sich blassgelb, einladend frisch, mit grünem Apfel und Holunder, spritziger, lebendiger Säure und einer würzigen Stachelbeernote. Der Schraubverschluss ist hier übrigens kein Sparzwang, sondern Absicht: Hunter-Sémillon ist empfindlich, Kork führte früher oft zu Oxidation.
Das Weingut Tyrrell’s ist eine der ältesten Weinfamilien des Landes, 1858 vom Engländer Edward Tyrrell in Pokolbin gegründet und bis heute in Familienhand, inzwischen in fünfter Generation. Der Vat 1 – benannt nach dem Fass, dem „Vat“, in dem er reift – ist mit rund 5.500 Medaillen und über 330 Trophäen der meistausgezeichnete Weißwein Australiens und gilt als Maßstab für seinen Stil.
Der Tyrrell’s Vat 1 Sémillon hat enormen Trinkfluss und die Flasche war ruck, zuck leer. Ein australischer Wein für große Momente, ganz ohne Verkopftheit.
William Downie Bull Swamp Pinot Noir – das kühle Gegenbild
Der dritte australische Wein ist das radikale Gegenbild zum warmen, industriellen Australien: ein kühler Pinot Noir von einem Mann, den andere als Meister des Pinot verehren, der sich selbst aber eher als Bauern denn als Winzer versteht. Und während wir sonst fast nur Schrauber im Glas haben, schwört William Downie für seine Terroir-Pinots ausgerechnet auf echten Kork. Sein Weingut in Gippsland an der Südküste Victorias, östlich von Melbourne, ist das Extrem-Gegenteil der großen Kellereien: rund sechs Hektar, ausschließlich Pinot Noir, nach dem Prinzip „Trauben in den Tank, das war’s“. Gippsland ist etwa so groß wie die Schweiz, hat aber nur rund fünfzig Erzeuger und ist Teil der kühlen „Pinot Coast“.
Der William Downie Bull Swamp 2022 stammt von 1981 gepflanzten Reben auf alten roten Vulkanböden, ohne Bewässerung, in Umstellung auf biologischen Anbau. Downie sieht sich als Weinbauer. Der Keller macht für ihn nur etwa zehn Prozent der Arbeit aus. Er ist mit Pferden im Weingarten unterwegs, liest von Hand, sortiert mit Vater und Mutter am Band, vergärt spontan mit wilden Hefen, ohne Temperaturkontrolle und ohne Zusatzstoffe, und baut in gebrauchten französischen Barriques aus, unfiltriert und kaum geschwefelt.
Im Glas ist der Wein für einen Pinot erstaunlich dunkel, mit Erdbeere, Maulbeere, Tomate und einer würzig-ledrigen Note, saftig und kirschig am Gaumen, mit einer spitzen Säure, die ihn spannend macht, spürbaren, aber nie aufdringlichen Tanninen und einer feinen erdig-mineralischen Frische. 69 Euro.
Der Weg dahin ist ungewöhnlich. Downie kam ohne familiären Bezug zum Wein, spielte zunächst Bass in einer Rockband und scherzt, er sei Winzer geworden, weil er nach sieben Jahren noch immer ein miserabler Bassist gewesen sei. Wein und Schallplatten, sagt er, seien sich ähnlich: Beide versuchten, die Essenz eines Ortes zu einem bestimmten Zeitpunkt einzufangen, um sie später wieder erlebbar zu machen – womit wir wieder bei Terroir und „Sense of Place“ wären.
Prägend war seine Zeit beim legendären Kult-Winzer Phillip Jones von Bass Phillip, dem „Romanée-Conti der südlichen Hemisphäre“. Downie half dort zwei Jahre, bis es zum Streit kam und Jones ihm einen brutalen Abschiedssatz mitgab: Er habe kein Talent für Wein und solle sich einen anderen Job suchen. Nun, es kam anders: Downie ging für einige Jahre ins Burgund und leitete dort nach dem plötzlichen Tod von Romain Lignier die Weinherstellung der Jahrgänge 2004 und 2005 – ein junger Australier, der Grand-Cru-Burgunder macht. Zurück in Australien gründete er sein eigenes Label und wurde 2006 „Young Winemaker of the Year“, eine späte Genugtuung. Heute konzentriert er sich ausschließlich auf Gippsland und ausschließlich auf Pinot.
Der William Downie Bull Swamp macht nicht Burgund, sondern Downie. Man muss diesen Pinot nicht kennen, weil er beeindrucken will, sondern weil er, wenn man sich für Pinot Noir interessiert, einfach spannend ist.
Barossa Shiraz – der australischste Wein aus der deutschesten Ecke
Der letzte Wein bringt eine schöne These mit: Der australischste aller Rotweine kommt ausgerechnet aus der deutschesten Ecke des Landes. Das Barossa Valley wurde ab den 1840ern von deutschen Lutheranern besiedelt, vor allem aus Schlesien und Preußen, die vor religiöser Verfolgung in die junge Strafkolonie South Australia flohen. Bis heute ist das sichtbar – in Ortsnamen wie Krondorf oder Seppeltsfield, in lutherischen Kirchen und sogar im „German cake“, einer Art Streuselkuchen.
Der Name deutsch, Flora und Fauna eindeutig australisch: Die Straße nach Seppertsfield Quelle: Wikimedia, Fairv8
Der Nietschke Jack Organic Barossa 2024, gemacht vom Weingut Kalleske, ist ein verlässlicher Evergreen fürs Geld: erst sehr fruchtig mit schwarzer Johannisbeere und dichter Dunkelbeerigkeit, dazu Leder, eine animalische Note und Zedernholz, am Gaumen konzentriert, saftig, mit netter Säure und griffigen Tanninen – 14,5 Prozent Alkohol, 14,95 Euro.
Dahinter steht eine fast romanhafte Familiengeschichte: 1838 segeln zwei Schiffe Richtung Australien, an Bord der „Zebra“ Samuel Johann Nietschke, an Bord der „Prince George“ Johann Georg Kalleske, beide preußische Pionier-Weinbauernfamilien. Und 1968, 130 Jahre später, heirateten ihre Nachkommen John Kalleske und Lorraine Nietschke.
Die Familien lieferten fast 150 Jahre lang nur Trauben an die großen Kellereien, bis die Brüder Troy und Tony Kalleske 2002 ihren eigenen Wein gründeten – dasselbe Motiv wie bei Dowie Doole, der Wunsch nach Kontrolle bis zur Flasche. Troy Kalleske studierte Önologie in Adelaide, dem „Geisenheim Australiens“, sammelte unter anderem bei Penfolds Erfahrung und führt heute einen der ersten biodynamischen Betriebe des Barossa.
Wir finden der Nietschke Jack Organic Barossa ist ein verlässlicher Evergreen, der im Regal nie fehl am Platz ist, wenn man konzentrierten Shiraz mag.
Die Rebsorte Shiraz
Shiraz ist die wichtigste Rebsorte im Weinbau Australiens und stellt rund ein Viertel aller Reben. Ursprünglich stammt sie aus der französischen Rhône, wo sie (als Syrah) ebenfalls am meisten angebaut wird. Erstmals erwähnt wurde sie 1780, ihre Elternsorten sind die heute fast ausgestorbenen Mondeuse Blanche aus Savoyen und Dureza aus der Ardèche, beide aus den französischen Alpenausläufern. Als eine Art Ur-Großmutter gilt übrigens der Pinot – der damit im heutigen Glas gleich zweimal vertreten ist, einmal direkt und einmal als Vorfahre. Nach Australien kam die Sorte 1832 durch James Busby, der ihren Ursprung fälschlich in der persischen Stadt Shiraz vermutete.
Shiraz ist wärmeliebend und spät reifend, braucht also viel Sonne, weshalb Australien natürlich ideal passt. Spannend ist, wie unterschiedlich dieselbe Traube je nach Klima ausfällt: In der kühlen nördlichen Rhône wird sie pfeffrig und elegant, im warmen Barossa dagegen dunkelfruchtig, üppig und konzentriert. Typisch sind Aromen von Leder, Lakritz, schwarzen Früchten und dunkler Schokolade, dazu mittlere bis kräftige Tannine und eine eher moderate Säure, die den saftigen Charakter erklärt. Guter australischer Shiraz kann problemlos zehn bis zwanzig Jahre reifen und wird klassischerweise in amerikanischer Eiche ausgebaut.
Transkript zu Die First Fleet und die Kolonialisierung Australiens | Im Glas: Australischer Wein
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Marcel
0:02:10
Moin, moin.
Heiko
0:02:11
Ja, hallo und herzlich willkommen zur mittlerweile zwölften Episode von Geschichte im Glas.
Marcel
0:02:17
Verrückt.
Heiko
0:02:18
Verrückt, verrückt. Oder G’daymate, wie man in Australien sagen würde.
Marcel
0:02:23
Was ist G’daymate? G’daymate. Oh Gott, das ist wirklich ein…Du hast den australischen Dialekt direkt…
Heiko
0:02:29
Ich habe es mir aber auch vorher nochmal angehört, tatsächlich.Ein bisschen streberhaft. Denn geografisch bewegen wir uns heute im Vergleichzu unserer letzten Folge, jedenfalls so aus europäischer Perspektive, gar nicht so weit weg.Wir bleiben jedenfalls fast in derselben Zeitzone wie Japan und rutschen quasiso ein Stück weiter nach unten auf der Karte, nach Australien.Denn heute soll es um die First Fleet und die Kolonialisierung des australischenKontinents durch die Briten gehen.Getränketechnisch wird es heute aber wieder etwas klassischer,denke ich, denn wir trinken diesmal wieder Wein, oder Marcel?
Marcel
0:02:58
Heute trinken wir wieder Wein. Und ich weiß nicht, wie es dir geht,aber Australien habe ich tatsächlich bisher nicht so oft im Glas gehabt.
Heiko
0:03:06
Oder wie Marcel sagen würde, noch nicht so viel auseinandergesetzt mit dem Wein.Nee, ich tatsächlich auch nicht.Also generell bin ich meistens sehr, oder was heißt meistens,so oft haben wir es noch nicht gemacht, das sollten wir vielleicht häufigermanchmal machen, so Überseeweine, sage ich mal.Ich bin in der Vergangenheit eher auch zugegebenermaßen, weil es sich auch aus,ökologischen Gründen irgendwie komisch ist, den Wein erstmal um die Welt zufliegen, deswegen bleibe ich da meistens auch in Europa. Aber ja,bisher, wenn man dann doch nochmal was anderes kriegt, dann war es dann schon auch häufig dann gut.
Marcel
0:03:33
Ja, wir schlagen heute eine Brücke. Ich meine, du hast mir ja auf jeden Fall auch wieder…Zumindest ist ein Keyword gegeben, nämlich…
Heiko
0:03:42
Hunter Valley, habe ich sie, glaube ich, zumindest gesagt. Und generell einfachso australischer Wein, Semillon.
Marcel
0:03:50
Ja, genau. Dementsprechend auch Weine aus den ältesten Weinregionen dort unter anderem.Aber vielleicht auch das, was man mit Australien typischerweise verbindet.Vielleicht was so eine Eigenart auch ist. Kängurus.Ich meine jetzt so weintechnisch. und was man vielleicht nicht so erwartet aufden ersten Blick, wenn man so an Australien denkt.Ich habe mal wieder eine Karte mitgebracht, dass wir uns einmal kurz daraufeinstimmen und ein bisschen Orientierung haben, was wir heute trinken.
Heiko
0:04:17
Okay, das ist unser erstes Bild in der Galerie. Auch auf die Gefahr,mich zu wiederholen, das ist wie immer in unseren Shownotes auf Instagram inder Galerie oder jetzt je nach Podcast-App auch in der App angezeigt.
Marcel
0:04:29
Oder man kann dort klicken. Genau, wir trinken heute vier Weine,heute mal wirklich nur vier.Trotzdem genug zu erzählen und es gibt heute auch eine Bandbreite.Wir trinken nämlich einmal einen roten Schaumwein, ein Sparkling Chirass aus den McLaren.
Heiko
0:04:47
Sparkling Chirass, das klingt ja direkt spannend.
Marcel
0:04:49
Ja, wir trinken einen Weißwein, was wiederum auch heute glaube ich zum warmenWetter passt, einen Simeon aus dem Hunter Valley.Wir trinken einen Good Old Pinot Noir aus Gipsland. Hätte man vielleicht jetztnicht unbedingt mit Australien verbunden vielleicht so.Und einen klassischen Chiraz, was man glaube ich wiederum sehr mit Australienverbindet und aus dem Barossa Valley.Dementsprechend gucken wir uns diese vier Weine heute an oder trinken die auch.Heute gucken wir sie nur an.
Heiko
0:05:19
Heute bleiben wir nüchtern.
Marcel
0:05:21
Genau, wir haben hier so zwei ikonische Weine dabei für den ganz besonderenAnlass. Die gucken wir uns dann nur an.Die wollte ich einfach mitbringen, weil man die, glaube ich,vielleicht mal getrunken haben muss.Und wir ja gerne auch im Podcast diese Weine mal im Glas haben.Und ja, aber vielleicht auch noch mal welchen, was man so zum Wochenende mal trinken könnte.Was so ein bisschen die Herausforderung war, ist, dass Australien tatsächlich eher nur Schrauber hat.Also ich habe die bestellt und festgestellt, ups, alles nur Schrauber.
Heiko
0:05:53
Also mit Schrauber meinst du Flaschen mit Schraubverschluss.
Marcel
0:05:55
Schraubverschluss, genau. Weil normalerweise mache ich das ja oft mit meinemDevice und kann dann so ein Glas probieren und dann ist ja vielleicht noch einbisschen Zeit dazwischen.Da muss ich mir nicht so viele Gedanken machen, aber diesmal war es ein bisschendie Challenge, weil ich dann natürlich die Weine auch nicht so früh trinkenkann, sondern die sollen ja auch noch frisch bleiben.
Heiko
0:06:12
Ist das Zufall gewesen oder hat das wirklich einen Grund, dass das alles Schraubverschlüssesind in Australien? Oder waren das halt irgendwie zufällig die Weine,die du halt rausgesucht hast?
Marcel
0:06:20
Also am Anfang habe ich noch gedacht, das ist Zufall. Ich meine,ich habe überhaupt auch gar nichts gegen Schraubverschlüsse,weil Schraubverschlüsse kann auch voll okay sein. Aber hatten wir in letzter Zeit super selten.Es hat tatsächlich der Grund, dass es in Australien keine Kork-Eichen einerseitsgibt, was dann nahe liegt, dass man das vielleicht nicht unbedingt importiert.Und andererseits kosten die ja auch dementsprechend ein bisschen was.und wenn man dann einen Kork reinmacht, das schon 1 Euro kostet,das heißt dann dementsprechend sind die Weine, die schon einen teuren Exportpreishaben, nochmal ein bisschen teurer.
Heiko
0:06:46
Ergibt Sinn.
Marcel
0:06:48
Wir haben heute aber nicht nur Schrauber, sondern tatsächlich auch eine Vielfalt.Nämlich auch zwei mit Korken dann tatsächlich.Die haben es dann doch ins Setup geschafft heute. Und ich habe gedacht,wir können direkt mal einen öffnen.Und zwar könntest du uns den Sparkling Shiraz eingießen.
Heiko
0:07:02
Wow.
Marcel
0:07:03
Und insofern gleich mal eine Provokation, weil ich weiß nicht,wie dir roter Sprudel eigentlich bekannt ist.
Heiko
0:07:12
Also ich hatte schon mal einen und da war ich aber damals überrascht,dass es gibt sozusagen, und fand den aber erstaunlich gut, wenn ich mich richtigerinnere. Ich weiß nicht mehr den ganzen Kontext.Aber ich weiß noch, dass ich das überraschend interessant, also was heißt überraschendinteressant, ich fand den auf jeden Fall ganz interessant.
Marcel
0:07:27
Ist auf jeden Fall nicht so super üblich. Ich meine, wir haben es durchaus auchin Europa, aber man findet es erstmal kurios vielleicht.Aber tatsächlich ist das eine eigene australische Tradition,der in Australien entstand, so um 1893 und wurde am Anfang, und zwar eine ganzeWeile noch als Sparkling Burgundi verkauft.
Heiko
0:07:48
Sparkling Burgundi.
Marcel
0:07:49
Genau. Das hat stattgefunden bis 2010 und dann gibt es das Weinhandelsabkommen,was mit der EU-Kraft getrieben ist.
Heiko
0:07:56
Achso, wahrscheinlich Sparkling Burgundy.
Marcel
0:07:58
Burgundi.
Heiko
0:07:59
Ja, ja, ja, sorry, ich habe es gerade gar nicht selber, nicht ganz genau.
Marcel
0:08:02
Also, genau, also der sprudelnde Burgunder.
Heiko
0:08:06
Ja, ja, jetzt schneide ich es.
Marcel
0:08:09
Ja, und generell wird ja eher auch wirklich in Australien getrunken, getrunken.Da eigentlich ein Großteil, nämlich 80 Prozent. Und es ist halt so eine etablierteTradition zum Weihnachtsfrühstück.Wenn es so Traditionen gibt, oder zum Truthahn, fand ich irgendwie ganz nett.
Heiko
0:08:26
Zum Weihnachtsfrühstück, okay.
Marcel
0:08:28
Klar, warum nicht? Genau.
Heiko
0:08:30
Also ich kann auf jeden Fall sagen, mich wundert es auch ehrlicherweise nicht.Also nicht jetzt mit dem Smarging, aber mit dem Weihnachtsfrühstück,weil die Australier, die ich bisher so kennengelernt habe, vor allem so aufReisenden, waren alles sehr, sehr trinkfest. also Australier,scheinen dem Alkohol nicht abgenalltzu sein. Das kann ich zumindest stichprobenartig sozusagen bestätigen.
Marcel
0:08:54
Die Anekdote. Wir trinken Doe-Dule, den Moxie Sparkling Chiras.Ich dachte, wir können ihn ja direkt mal Cheers.
Heiko
0:09:06
Wahrscheinlich wirklich Cheers. Wahrscheinlich wirklich auch noch,würde ich jetzt mal sagen, genau. Ich weiß nicht. Ja.
Marcel
0:09:12
Riecht?
Heiko
0:09:14
Der trinkt.Also man riecht jetzt natürlich nicht das Sparkling raus, aber man riecht erstmal wie ein Rotwein. Wenn ich jetzt die Augen verbunden hätte,würde ich wahrscheinlich nichts sehen, würde ich nicht sehen, dass der sprudelt.
Marcel
0:09:24
Riecht aber ziemlich, ich finde der riecht sehr lecker, also wirklich sehr fruchtig.
Heiko
0:09:29
Ja genau, also fresh wäre das, was wir gerade sagen. Irgendwie riecht der,auch wenn das jetzt wieder so ein Anglizismus ist, aber der riecht irgendwie frisch.
Marcel
0:09:37
Ja, irgendwie so nach dunklen Früchten, Brombeeren oder so.
Heiko
0:09:40
Und nach irgendwas Sommerlichem auch so ein bisschen. Aber vielleicht auch,weil du, das können wir vielleicht auch sagen, was ja bei Sparkling auch passt,aber vielleicht nicht unbedingt bei Rotwein, das ist ja gekühlt jetzt auch.Das macht den Ganzen natürlich auch nochmal ein bisschen…
Marcel
0:09:52
Ja, ist gekühlt. Der ist so bei 10 Grad am besten.
Heiko
0:09:59
Süß?
Marcel
0:10:00
Das ist halbtrockener.
Heiko
0:10:01
Ah, okay.
Marcel
0:10:07
Also ich finde den ganz lecker.
Heiko
0:10:11
Mir ist er, glaube ich, tatsächlich ein Ticken zu süß, ehrlich gesagt.Ich glaube, so als Appetrieff jetzt zum Einstieg so ein kleines Gläschen funktioniertganz gut. Aber dadurch, dass er mir jetzt schon ein bisschen süß ist,weiß ich, wir hatten es wieder, wahrscheinlich müssen wir jetzt nicht ein direkten zweites Glas machen.Dafür ist doch dieses halbtrockene sehr steil.aber trotzdem hat er was.
Marcel
0:10:30
Irgendwie interessant der hat super was beeriges, finde ich,ich finde schon eher wie Kirsche auch.
Heiko
0:10:37
Ne ja, also ich muss gestehen, ich schmecke auch eher Kirsche als die Beere die du gerade sagst.
Marcel
0:10:44
Und die Babels sind super fein also die Perlarsch also jetzt.
Heiko
0:10:49
Wo ich so ein paar Schlücke nehme schmeckt schon eines, kann man ja.
Marcel
0:10:53
Ich hatte den letzten Mal.
Heiko
0:10:53
Tatsächlich am Anfang war man zu erschlagen von der Süße aber wenn man jetztein paar Stücke genommen hat, dann setzt sich das so ein bisschen,das war so unerwartet. Irgendwie habe ich jetzt da nicht so was zu tun.
Marcel
0:11:03
Wir haben sonst immer ehrt. Ich hätte dich vorher fragen können.
Heiko
0:11:06
Nö, aber eigentlich auch gut so.
Marcel
0:11:08
Ich hatte letztes Mal zu Pizza, das ging. Echt, ja?
Heiko
0:11:12
Kann ich mir gerade noch gar nicht so vorstellen, ehrlicherweise.Ich finde es generell durch dieses Sparking, finde ich gar nicht so,das assoziiere ich nicht mit Essen, sondern eher vorher, wie gesagt,so ein bisschen eher als Aperitivo.
Marcel
0:11:25
Es gibt eine ganz nette Anekdote zu dem Wein, was vom Weingut erzählt wird sozusagen.Der Moxie wurde für einen US-Importeur ursprünglich entwickelt und Moxie heißtso viel, also so US-Lang und das heißt so viel wie für so eine junge,zielstrebige Person mit Schneid.es wird da so gesagt, also es steht zu dem Wein dazu also von der Bedeutungher she knows what she wants and she knows how to get it also so,das ist so ein bisschen der Namensursprung,Und es wurde ja entwickelt, dann…
Heiko
0:11:58
Also übersetzt, sie weiß, was sie will und sie weiß, wie sie es kriegt.
Marcel
0:12:02
Genau, ja.
Heiko
0:12:03
Das ist quasi die Zielgruppe für diesen Wein?
Marcel
0:12:05
Nee, die Bedeutung des Namens sozusagen.
Heiko
0:12:07
Achso, Moxi ist das.
Marcel
0:12:08
Die junge, zielstrebige Person sozusagen.
Heiko
0:12:10
Ah, okay, okay, okay.
Marcel
0:12:11
Der Wein wurde entwickelt und wurde in Container in die USA geschickt und wurdeinnerhalb von drei Monaten direkt ausverkauft. Also es war von Anfang an gleichein direkter Erfolg gewesen.und da sollte schon der zweite Container direkt verschifft werden und war fertigam Hafen, sollte losgehen.Da bekam das Weingut einen Brief aus den USA und mit einer Mahnung,dass bitte dieser Wein anders benannt werden sollte, weil es schon eine Softdrinkmarkegibt in den USA, die heißt Moxie.Damals war die, glaube ich, noch unabhängig. Mittlerweile gehört das Coca-Cola.Und das hat tatsächlich dafür gesorgt, dass man den Container,der am Hafen stand, umleiten musste.Und der wurde dann nach Deutschland umgeleitet. Da gab es einen Importeur,der war schon ready. Es gab da Connections sozusagen für.Der hieß Martin Appel und der ist so bekannt für Import von Überseewein.Und das war der Anlass dafür, dass dieser Wein prinzipiell der Hauptmarkt istfür diesen Shiraz. Also 90 Prozent werden tatsächlich in Deutschland verkauft.
Heiko
0:13:14
Ach, witzig.
Marcel
0:13:15
Also es hat eine sehr…
Heiko
0:13:18
Das heißt, ich gehe davon aus, man kann den hier kaufen. Offensichtlich,das schließe ich daraus. Offensichtlich kann man den hier…
Marcel
0:13:23
Ja genau, den kann man hier kaufen. Link ist wieder natürlich am Buy,gibt den auch recht häufig.Wir sind jetzt hier, wie gesagt, bei den australischen Weinen kriegt man natürlichim Supermarkt auch welche für 6, 7 Euro oder so.Heute bei den Weinen, dem Wein auch ein bisschen, sag ich mal,gerecht zu werden, haben wir auch australische Preise.Ne aber der kostet 22,90 Euro ist finde ich noch also so wo man sagt vielleichtzu einem Weihnachtsfrühstück kann man das schon machen,Ja, und es ist tatsächlich wirklich ein Chirass. Also ich komme später auchnochmal zu, was so ein bisschen besonders an dem ist, dass die,also eigentlich normalerweise ist ein Chirass, wenn man draußen Sparkling macht,super krass, nicht so zugänglich.Man muss sehr viel Zucker reinmachen. Das ist bei dem eigentlich gar nicht,also das ist halbtrocken und das ist glaube ich ungewohnt für uns,weil wir immer sehr trocken trinken.Aber normalerweise wird da richtig viel Zucker reingemacht.Die haben einen Fass, wo die quasi jeden Jahrgang seit den 90er Jahren immer noch reinkippen.Und dadurch, dass du quasi so einen Vintage-Fass hast mit allen Jahrgängen gemischt,sind die Tannine weniger hart.Und dadurch kann man prinzipiell weniger Dosage, also den Zucker, reinkippen.Und dadurch ist der nicht ganz so süß. Also wir haben heute einen Vertreter,der irgendwie auf eine Art und Weise natürlich typisch für Australien ist,aber weniger süß, als es vielleicht dann auch als Aperitif oder wie auch immer getrunken wird.Und wir haben auch hier die Methode Champignore.Also natürlich heißt das dann nicht so, weil es ist ja nicht die Champagne.Aber es ist halt auch in der Flasche.Gegärt sozusagen. Hatten wir mal beschrieben in einer anderen Folge.
Heiko
0:14:59
Genau, und auch in der letzten Folge war die eine Sparkling-Sake,war ja auch die Methode Champignore.
Marcel
0:15:05
Stimmt, ja. Wir haben ein relativ kleines Weingut. Also klein für Australien.Ich komme nachher noch mal ein bisschen zu ein paar australischen Fakten mit 60 Hektarn.Da wirst du dich natürlich wieder fragen, wie groß das ist.
Heiko
0:15:19
Ich kann das auch nicht. Ich merke es mir auch nicht. Wie viele sind das? 60 Hektar?
Marcel
0:15:23
Es war diesmal schwer, aber Disneyland in Kalifornien ist ungefähr gleich groß.Oder ein bisschen größer als die Vatikan. Damit kann ich mehr was sagen.
Heiko
0:15:33
Disneyland in Kalifornien weiß ich nicht, wie groß das ist. Aber ein bisschengrößer als Vatikan. Damit kann ich was anfangen als Historiker. Mit so einem Vergleich.
Marcel
0:15:41
Die gibt es tatsächlich noch gar nicht so lange. Wir werden nachher noch malzu ein paar älteren Weingütern kommen.Die wurden erst 1995 gegründet, aber die haben eine typische Geschichte.Also die kommen jetzt hier südlich von Adelaide und da haben zwei,also der Banker Norm Duhl und der Architekt Drew Dury den Namen geformt.Aber prinzipiell war das schon eine Familie, die vorher Trauben gemacht hat.Und die hatten mit der Zeit über die Jahrhunderte oder über die Jahre sozusagenFrust, dass sie eigentlich mal die Trauben zu den Kellereien karren mussten.und haben dann gesagt, okay, wir machen das jetzt mal selber.Dann haben wir einfach selber mehr Kontrolle vom Weinberg bis nachher in die Flasche.Und der Winzer, und dann steigen wir gleich in die Geschichte ein,der das gerade macht, Chris Thomas. Da hängen wir auch ein YouTube-Video anbei, wo er diese Anekdote erzählt hat. Das war halt direkt von dem,natürlich australisch im Englisch.Der hat das Weingut gekauft von den beiden und hat auch Önologie studiert inAdelaide, was so ein bisschen das Geisenheim von Australien ist.Also es wäre immer ganz gut, wenn man so diese Referenz in Deutschland hat.Aber es gibt es in Australien auch.Und ja, macht seit dem oder seit 2008 dann Weine für dieses Weingut.Und war unter anderem auch in Burgund und hat dort gelernt.Dementsprechend gibt es, werden wir noch sehen, gibt ja immer die Referenzenzurück nach Frankreich und so. Auch hier haben wir das bei diesem Weingut.
Heiko
0:17:03
Auch das wird uns heute nochmal beschäftigen, sozusagen.
Marcel
0:17:06
Zum Schiras kommen wir später nochmal. mal. Deswegen würde ich sagen,steigen wir jetzt mal in die Geschichte ein.
Heiko
0:17:11
Ja, im Jahr 1787 im 28. Regierungsjahr von König George III.Da schickte die britische Regierung eine Flotte an das andere Ende der Welt.Elf Schiffe, fast anderthalb tausend Menschen, rund 15.000 Seemeilen entferntvon London, weiter entfernt als jede Kolonie, die Großbritannien bis dahin gegründet hatte.
Marcel
0:17:31
Was war der Grund?
Heiko
0:17:35
Kannst du mich erstmal ausreden lassen? Du bist aber ungeduldig.Das war die sogenannte First Fleet, die erste Flotte.Und das Ziel war ein Kontinent, über den man fast gar nichts wusste.1770, also 17 Jahre vorher, hatte James Cook an der Ostküste Australiens angelegt.Ein paar Wochen dort verbracht und die Küste kartiert.
Marcel
0:17:54
James Cook kennt man ja.
Heiko
0:17:55
Genau. Und wie es sich gehört, hatte er, also wie es sich gehört in Anführungsstrichennatürlich, hatte er auf einem Felsen vor Cape York die britische Flagge gehisstund den Kontinent für die britische Krone beansprucht.Standesgemäß mit ein paar Musketensalven.
Marcel
0:18:09
Cape York.
Heiko
0:18:09
Beziehungsweise eigentlich gar nicht so standesgemäß, denn standesgemäß wärenKanonensalven gewesen, aber die Kanonen hatte er ein paar Wochen vorher überBord werfen müssen, als das Schiff auf einen Riff aufgelaufen war.Deswegen musste er das mit Mosketensalven für die Krone beansprachen.
Marcel
0:18:22
Aber gleich auch, also Cape York sozusagen, wird ja immer dann auch so benannt.
Heiko
0:18:26
Genau, es wird dann direkt wie irgendwas aus der Heimat benannt,genau. Anschließend segelte er jedenfalls weiter.Tja, und seitdem war eigentlich kein britisches, oder nicht nur eigentlich,auch uneigentlich, kein britisches Schiff zurückgekehrt.17 Jahre lang lag diese Küste im Prinzip unerforscht da, bis sich die britischeRegierung plötzlich entschied, genau dort eine Kolonie und nicht nur irgendeineKolonie, sondern eine Strafkolonie zu errichten.Und das allein sagt schon viel darüber aus, wie verzweifelt die Lage in Englandinzwischen geworden war.Denn die Kolonie, die entstand vor allem deshalb, weil das britische Staatssystemim späten 18. Jahrhundert keine Ahnung mehr hatte, wohin mit all seinen Gefangenen.Die Ursachen dafür, die lagen mitten in der sozialen Krise des georgianischen Englands,der selben Welt, über die wir ja auch in unserer Folge zur Gin-Epidemie eigentlich gesprochen haben.
Marcel
0:19:19
Also wir bewegen uns in der gleichen Zeit.
Heiko
0:19:20
Ja, London wuchs explosionsartig, Armut und Kriminalität nehmen zu,Gin als billiger Rausch, Mittel des Vergessens, wird überflutet die Straßenund auch da hatten wir ja,dass die Politik nicht mit einer Sozialpolitik oder so reagiert hat,das haben wir in der Gin-Folge ausführlich behandelt, sondern eigentlich nurmit mehr Strafe und noch mehr Härte.Und so überflutete eben in dieser Zeit nicht nur Djinn die Straßen,sondern eben auch Häftlinge die Gefängnisse.
Marcel
0:19:43
Stimmt, das fühlt sich gar nicht so gut.
Heiko
0:19:44
Ja, da ist wieder direkt der Kontext. Nur die Gefängnisse selbst waren selbstauch wirklich katastrophal in dieser Zeit. Die Hälfte befand sich sowieso inprivater Hand. Also in privater Hand.Und Werther verdienten hier Geld damit, Gefangene auszunehmen.Also man musste Miete zahlen für die Zellen. Und auch man zahlte für das Essen,für den Wasser, für Bettzeug, für Alkohol, namentlich natürlich,vor allem auch Gin, bis es dann irgendwann, wir hatten das in der Folge,sogar verboten wurde, zu verkaufen im Gefängnis.
Marcel
0:20:12
Also in Deutschland kriegst du ja quasi alles bezahlt und deswegen sagt manja auch eigentlich, dass es relativ teuer ist, zu inhaftieren.Man sich ja überlegen müsste, ob man jemanden im Verhältnis hat.
Heiko
0:20:19
Also ich glaube, das ist nicht, das war nur die damalige Zeit.Heute würde es anders sein.Ja, ja, ja, ja, das war einfach nur ein anderes Weltbild. Also auch damals wardas, glaube ich, in anderen Ländern nicht so groß anders. In England war das System besonders.
Marcel
0:20:30
Aber sie waren ja prinzipiell auch alle arm und mussten trotzdem,oder viele waren dann vielleicht auch arm, die dann reingerutscht sind und musstentrotzdem noch selber bezahlen.
Heiko
0:20:36
Genau, das ist das Problem, denn wer Geld hatte, der konnte vielleicht halbwegskomfortabel in so einem Gefängnis einsetzen und wer arm war,der verrottete buchstäblich.Der Reformer John Howard, der reiste in den 70er, also 1770er Jahren durch englischeGefängnisse und veröffentlichte danach seinen Bericht in The State of Prisons.Und er schrieb, seine Kleidung habe nach den Gefängnissen so heftig gestunken,dass er die Kutschenfenster offen lassen musste und die Seiten seiner Notizbüchermusste er am Kamin erstmal so auslüften, bevor er sie überhaupt benutzen konnteund nachlesen konnte, was er eigentlich geschrieben hatte.Und die Lösung, also es gab schon einen gewissen Aufschrei in Anführungszeichen,also es hat schon was im Prinzip bewirkt vielleicht, also wenn man das,ein bisschen übertrieben ist, aber die Lösung des britischen Staates,die war erstmal simpel, nämlich wegschaffen. Also Deportation.Bereits seit 1597 gab es im Prinzip Gesetze, die hartnäckige Müßiggänger,so hieß es, ins Ausland verbanden und ab 1717 wurde das dann im Prinzip systematischausgebaut. Und wohin wurden Häftlinge wohl vorwiegend deportiert? Was denkst du Marcel?Also vor der Kolonialisierung Australiens? Hast du da eine Idee?
Marcel
0:21:41
Irgendwahrscheinlich zu den englischen Inseln, die irgendwo so…
Heiko
0:21:46
Was ist denn eine besonders große englische Kolonie gewesen in der Zeit?
Marcel
0:21:50
Direkt dort?
Heiko
0:21:51
Nee.
Marcel
0:21:52
Also USA dann?
Heiko
0:21:53
Richtig, also die gab es ja noch nicht, sondern es war da noch die britischeKolonie, Amerika. Also vor der Unwärmung, genau.Bereits kleinere Vergehen bedeutetensieben Jahre Amerika und auf Gnade umgewandelte Todesurteile 14 Jahre.
Marcel
0:22:06
Aber vielleicht noch mal kurz die Frage, die wurden dann dort inhaftiert oder einfach nur dort?
Heiko
0:22:09
Ja genau, auch das kommt. Denn jetzt auch Gefängnisaufseher,also die mussten da nicht inhaftiert, sondern quasi arbeiten,leben, ihre Strafe abarbeiten sozusagen.
Marcel
0:22:19
Das war schon organisiert, das war jetzt nicht, geh auf ein Schiff und dann good luck.
Heiko
0:22:23
Ja, also mehr oder weniger. Was organisiert war,war dann eher die zusätzliche Ausbeutung dieses Systems, nämlich Gefängnisaufseher,die daraus auch wiederum ein Geschäft machten, denn sie verkauft sozusagen Verurteiltean Schiffseigner, die dann die Gefangenen wiederum an Plantagebesitzer weiterverkauften.Damals wurde das schon so formuliert, im Prinzip eine rechtlich verkleideteForm der Sklaverei. Also eigentlich wurden die da auch als Sklaven dann hingeschickt,da wurde es ein bisschen halt verkleidet und ein bisschen anders aufgemacht war.Zwischen 1717 und 1775 Ich muss gleich nochmal eine Frage stellen.
Marcel
0:22:57
Konnten die sich das aussuchen? Weißt du das? Also ob die nach in die USA odernach britischer Kolonie Amerika?
Heiko
0:23:07
Nein, nein, nein. Wenn du verurteilt warst, konnte ein Urteil lauten,und sieben Jahre Amerika sozusagen.Und so wurden dann zwischen 1717 und 1775 rund 40.000 Menschen über den Atlantiktatsächlich verschifft.Tja, aber was passierte dann, 1775, 1776?
Marcel
0:23:27
Da gab es irgendwas, was in Amerika passiert ist. War der Bürgerkrieg da?
Heiko
0:23:30
Nee, der war 100 Jahre später eben noch nicht. Es war die amerikanische Revolution,also die Unabhängigkeit. Also das, was du eben schon meintest,USA. Also ab dann gibt es plötzlich die United States of America.Es ist eben nicht mehr britische Kolonie.Über Nacht bricht im Prinzip mit dieser Unabhängigkeit der Vereinigten Staatendas gesamte System zusammen.Und die Ironie ist ja so ein bisschen, Amerika lehnte dann quasi als eigenständigerStaat weitere Deportierte ab, obwohl seine Wirtschaft ja eigentlich tief inder Sklaverei verwurzelt war.Der pragmatische Grund, wenn man so will, in Anführungszeichen war,Zehntausende versklavte Afrikaner kamen ja jährlich nach Amerika weiterhin.Das heißt, man brauchte eigentlich nicht noch weiße Sträflinge aus England. So traurig das klingt.
Marcel
0:24:08
Die wahrscheinlich auch nochmal einen anderen Anspruch hatten oder wahrscheinlichauch nochmal anders behandelt worden sind.
Heiko
0:24:17
Und die Lösung für Großbritannien,War dann zunächst der sogenannte Hulks Act von 1776.Eigentlich als temporäre Maßnahme gedacht, bis die rebellierenden Kolonien ebenin Amerika besiegt wären. Da dachte man noch, das schafft man schon irgendwie schnell.Aber wie wir wissen, kam es ja anders und die gibt’s heute noch.Hast du schon mal von Hulks gehört? Kommt dir der Name zufällig bekannt vor?Ich meine jetzt nicht den Superhelden-Marvel-Charakter natürlich.
Marcel
0:24:45
Stimmt, genau. Oder Hulk Hogan.
Heiko
0:24:47
Genau, auch den nicht. wahrscheinlich nicht. Ich zeige dir und unseren Hörernund Hörern mal ein Bild, das nächste Bild in unserer Galerie und dann wirstdu wahrscheinlich verstehen, was sie gemacht haben. Vielleicht kannst du einmalsagen, was du auf diesem Bild siehst.
Marcel
0:25:00
Es ist ein sehr düsteres Bild, wo Schiffe zu sehen sind, wahrscheinlich in einemHafen, aber ich wüsste jetzt nicht, was die dort…
Heiko
0:25:07
Exakt, aber das zeigt eigentlich, also genau darum geht es.Die sogenannten Hulks sind nämlich ausrangierte Kriegsschiffe ohne Masten,also quasi keine Schiffe, die nicht mehr schifffähig sind, also fahrfähig sind,die man jetzt quasi auf der Temse vor Anker legt, um Häftlinge dort unterzubringen.Da schiebt man quasi, also man packt die erstmal auf Schiffe auf die Temse.
Marcel
0:25:25
Also gerade so wie beim Wein, wo man schon mal den Wein verschifft hat,um erstmal schon mal ready zu sein. Mal gucken mal, wo es hingeht.
Heiko
0:25:33
Ja, wobei, die sind wirklich, die können nicht mehr, also die sind da nur vorAnker, die sind nicht, man kann nicht mehr schiffen. Ja, das sind einfach alteSchiffe, die nicht mehr fahrtauglich sind.Da werden die jetzt halt einfach unter wirklich unwürdigen Zuständen auf der Temse gehalten.Und bis 1790 stieg die Zahl der Gefangenen dort um etwa wirklich 1000 pro Jahrund du kannst dir vorstellen eben, dass die Zustände ja nicht sonderlich gutwaren, diese Schiffe waren im Prinzip schwimmende Fieberherde,sie waren überfüllt, sie waren feucht, sie waren voller Typhus und Gestank und,was nicht alles für Krankheiten und deswegen wurden sie dann zum politischen Problemen.Natürlich nicht. Auch das haben wir in der Gin-Folge gehört,weil man sich vielleicht über die menschenunwürdigen Zustände an Bord Gedankenmachte, weil man vielleicht dachte, das ist ja vielleicht irgendwie blöd,wenn man Gefangene unmenschlich behandelt.Nein, das Problem war eher, Abgeordnete beschwerten sich über den Gestank inihren Wahlkreisen und man hatte einfach die Angst vor Seuchen,die dann sich von den Hulks auf die Hauptstadt ausbreiten könnten.Also es war eine rein komplett egoistische Diskussion, die sozusagen da entstand.Man machte sich jetzt weniger Sorgen um die Menschen an Bord dieser Schiffe sozusagen.
Marcel
0:26:34
Ja, kennt man ja irgendwie auch in einer Art und Weise, auch wenn irgendwo sich,entsteht, Menschenansammlungen sind, die man nicht haben möchte,weil die auch irgendwo anders hin verbannt sozusagen.
Heiko
0:26:50
Genau, anstatt die Ursachen oder so zu lesen. Also da geht es nicht um die Menschenan sich, sondern eigentlich um die eigenen Interessen.Und das ist es sozusagen, was die Behörden schließlich zur Entscheidung getriebenhat. Und irgendwo in diesem Moment beginnt dann Australien plötzlich interessant zu wirken.Als James Cook 17 Jahre zuvor eben Australien für England beanspruchte,war auch ein junger Naturforscher namens Joseph Banks an Bord.War so ein wohlhabender Gentleman, der sich quasi in diese Expedition praktischeingekauft hatte, weil er Pflanzen sammeln wollte.Das ist vielleicht auch ein ganz netter Bezug wieder zu unserer Reblaus-Folge,ehrlicherweise, weil wir da ja über diesen globalen Pflanzenverkehr genau indieser Zeit, also auch da bewegen wir uns jetzt wieder in ähnlicher in dieserZeit, gesprochen haben.Und Banks brachte auch wirklich 30.000 Pflanzenproben nach England zurück,darunter über 1.000 bis dahin unbekannte Arten und so weiter.Und deswegen erhielt auch die Bucht, in der James Cook an Land ging,den Namen Botany Bay, die hieß dann so und heißt so.Als nun jedenfalls dann aber ein Parlamentsausschuss eben nach einem Deportationszielsuchte, als Ersatz für Amerika sozusagen oder als Ersatz für die Hulks vor allem,da war dieser Joseph Banks einer der wenigen Männer, die überhaupt aus eigenerErfahrung über Australien sprechen konnten.Und Banks schilderte die Gegend in erstaunlich optimistischen Farben.Er sagte, das ist ein gutes Klima, fruchtbarer Boden, reichlich Süßwasser,auch genug Fisch und eine Kolonie, die könne sich dort innerhalb eines Jahreseigentlich selbst versorgen.Das Problem war allerdings, niemand überprüfte seine Behauptungen.Man schickte keine neue Expedition, man verschickte kein Vermessungsschiff,keine wissenschaftliche Untersuchung, man glaubte ihm einfach.Eine treibende Kraft hinter dem Ganzen war so unter anderem natürlich der britischeInnenminister. Das ist ein gewisser Thomas Townsend.Der Name sagt dir jetzt wahrscheinlich erstmal nichts.
Marcel
0:28:30
Ich habe zumindest den britischen Namen schon mal mit Townsend gehört.
Heiko
0:28:32
Ja, Townsend ist glaube ich aber eher so ein bisschen Müller.Du wirst jetzt nicht explizit den, aber du kennst ihn vielleicht,oder ihn nicht persönlich, aber ein Name, den ich dir gleich nenne,wird dir gleich bekannt vorkommen.Denn seit 1783 war er als Baron auch Teil des britischen Hochadels und als solchertrug er einen Titel und zwar Lord Sidney.Und da bei Sidney klingelt es dann wahrscheinlich, nach ihm ist diese Stadtdann benannt worden, beziehungsweise die Bucht.Ja und als am 20. Januar 1788 die First Fleet eben nach 252 Tagen auf See besagteBotany Bay erreichte, da waren nicht nur Gefangene an Bord der Schiffe,sondern tatsächlich auch Weinreben.Und zwar mit dem Ziel, in der neuen Strafkolonie eben auch eine Weinwirtschaft zu etablieren.Wieso, weshalb, warum und wie erfolgreich das wirklich war, das hören wir gleich,würde ich sagen, nachdem wir den nächsten Wein aus dieser Strafkolonie getrunken haben.
Marcel
0:29:31
Ja, und da trinken wir jetzt direkt einen Wein, der auf dem Keyword basiert,was du mir gegeben hast. Nämlich einen Wein von Tyrell, nämlich ein Simeon, Vat One Simeon.Es ist tatsächlich Australiens meist ausgezeichneter Weißwein aus einer Sorte,die eigentlich auch über 100 Jahre lang ihren eigenen Namen nicht kannte.Und es wird jetzt der leichteste Wein des Arms sein. Der hat normalerweise eherunter, locker unter 12 Prozent, diesmal sind wir bei 12 Prozent,weil der Jahrgang gerade etwas trocken war.Und der wird im Gegensatz zum ersten auf jeden Fall knochentrocken sein.10 Millionen, wir hatten da auch schon mal drüber gesprochen vorher.
Heiko
0:30:12
Man sieht es nicht, aber ich schmunzle schon. Und schon als ich dir das gesagthabe, hatte ich so eine Mischung aus schlechtem Gewissen und Schadenfreude.Denn, das musst du jetzt natürlich auch erzählen.
Marcel
0:30:23
Im Kontext Bordeaux hatte ich einige weiße Bordeaux getrunken und da ist der Simeon auch in Cuvées,sehr häufig vertreten und auch sehr dominant und ich hatte einige getrunkenund der hat einfach so krass nach Salbe geschmeckt, so nach medizinischer Salbe,was mir auf jeden Fall nicht so schmeckt.Man bezeichnet es jetzt auch als Lanolin, so Schafswachs oder so wachsig-artig.Und ich hatte jetzt natürlich dann auch Respekt vor. Ich habe gedacht,aber lass uns das doch einfach mal probieren.
Heiko
0:30:51
Ja, ich weiß nur, um das nochmal auszuführen, dass ich mal bei einer Weinprobewar. Und da gab es nämlich auch ein Bordeaux, der hieß Berliner Witzsporn, glaube ich.Und das war ein Weißwein, ein Semillon. Und da hatte ich noch ein Foto gemacht,hat dir geschickt und meinte, der wird dir bestimmt schmecken.Da wusste ich es noch nicht. Und da hattest du mir nämlich gesagt,ich weiß nicht, Semillon, der schmeckt immer nach Salve. und dann bin ich beider Recherche hier zu Australien und ich drauf auf Semillon und Hunter Valleyund so gestoßen und da dachte ich, vielleicht muss er da jetzt mal durch.
Marcel
0:31:17
Also ich glaube, dass das Thema nochmal stärker durchkommt, wenn der Semillonim Holz ausgebaut wird, wird der hier nicht und wenn er vielleicht auch mitSauvignon nochmal in Kombination ist, das ist ja ein bisschen ähnlich zum Sauvignon.Insofern weiß ich nicht, wie es sich heute verhält, aber ich hatte bisher dieseSalbige bisher noch nicht so.Was bei dem Wein Spannend ist es nicht so ein Sofortwein sozusagen,also der wird jetzt nicht produziert und dann kannst du ein Jahr später trinken, also,jungen Weißwein trinken, sondern der wird jetzt bei von Tyrell selbst erst nachfünf Jahren meistens rausgelassen und dann kann man ihn erst kaufen und derhält sich auch sehr lange.Das heißt, so 15 oder über 20 Jahre ist gar kein Problem bei dem.Wir haben jetzt einen von 2018 und mit dem Alter ist er auf jeden Fall schonan der Schwelle, wo es eher so Sekundäraromen gibt.Wenn ich jetzt sage, ab fünf Jahre, fällt dir noch ein Wein ein?
Heiko
0:32:12
Ja, also es hatte sofort was geklingelt, aber ich komme gerade nicht.Ich weiß nämlich noch, wir hatten in einer Folge das, wo ich dann auch zurückgerechnethabe, ob das jetzt gerade quasi der erste ist, den man hätte trinken könnenund so war irgendwie so. Aber ich weiß leider nicht mehr, was das genau ist.
Marcel
0:32:23
War der Brunello?
Heiko
0:32:24
Ach ja, genau. Aus unserer Italien-Folge.
Marcel
0:32:27
Genau, aus der Weinfensterfolge. Das Besondere bei diesem Wein ist,dass der sich nochmal weiterentwickelt in der Flasche. Also der sieht kein Holz, sondern Stahl.Und über die Zeit in der Flasche entwickelt er nicht nur dieses frische,fruchtige, sondern entwickelt nochmal so Sekundäraromen, die eigentlich hier schon kommen sollten.Ich fand gestern waren sie jetzt nicht so da.Unter anderem auch das Salvige kann durchaus kommen. War jetzt an der Stelle noch nicht so.Und wir haben tatsächlich hier auch wieder einen Schrauber, was ja so ein bisschen ungewöhnlich ist.Aber tatsächlich war es bei diesem Wein auch so, dass der das nicht macht,weil er dann günstiger wird, sondern weil er einfach auch Oxidation,also da ist es einfach vorgekommen, dass der einfach Oxidation hatte unter einem Kork.und es ist ja ein bisschen empfindlicher gegen und unter einem Schrauber kanner einfach länger reifen.
Heiko
0:33:25
Ja, das ist doch so. Ist das nicht auch eh…Irgendwo bin ich mal drüber gestolpert, dass Korken und Schraubverschluss imPrinzip keinen Unterschied macht, was die Qualitättheoretisch angeht von dem Wein, aber die vermeintlich guten Weine einfach nocheinen Korken drauf machen, eher aus Marketing-Sicht, weil man das so damit assoziiert,weil man damit eher die besseren Weine assoziiert.
Marcel
0:33:45
Genau, weil so Schraubverschluss natürlich gleich im Kopf irgendwie so.Genau, mit so einem Supermarkt.
Heiko
0:33:51
Nur deswegen, eigentlich istes jetzt nicht so, dass es wirklich ein Qualitätsmerkmal theoretisch ist.
Marcel
0:33:54
Nee, das stimmt. Ich meine, Korken lässt schon noch mal ein bisschen,also da passiert ja schon auch was mit der Zeit.
Heiko
0:33:59
Dadurch, dass so ein bisschen mehr Luft wahrscheinlich noch rankommt.
Marcel
0:34:02
Aber ja, in dem Fall haben wir es sogar, dass der reift unter einem Schraubverschluss.Auch hier, wie beim Sparkling Burgundy, haben wir hier auch eine Anlegung aneuropäischen Namen sozusagen. Also der hieß eine ganze Zeit lang der HunterRiver Riesling oder der Hunter River White Burgundy oder Chablis.Bis in die Mitte der 80er Jahre. und dann hat man irgendwann rausgefunden,dass das eigentlich der Simeon ist.Ja, und wir haben, also du wirst ja noch mal wahrscheinlich drüber sprechen,dass jemand da auch Reben mit nach Australien gebracht hat.In dem Fall ist es der James Busby.
Heiko
0:34:38
Ja, auf den komme ich. Ja, auf den komme ich.
Marcel
0:34:40
Der komme ich später auch noch mal drauf zurück.
Heiko
0:34:42
Ja, perfekt. Das ist doch wieder, ergänzen wir das doch wieder,ausgezeichnet. Das ist doch gut. Wollen wir jetzt mal hier ein bisschen an denWeinen gehen, bevor er warm wird?
Marcel
0:34:49
Er ist so blass. ein bisschen grünlich.
Heiko
0:34:52
Ein bisschen trübgrünlich, also hat was von einem ja.
Marcel
0:34:56
Grünen Apfel, ein bisschen.
Heiko
0:34:58
Aber also, ja, sehr blass eher, ja.Hui.Der riecht jetzt anders, als ich erwartet habe. Der riecht jetzt nicht wie so,so einen typischen Weißwein, den man sonst so riecht.
Marcel
0:35:13
Ich finde, der hat mich so ein bisschen an Silvana irgendwie erinnert.So ein bisschen dieses Gemüsige.
Heiko
0:35:19
Ich hätte jetzt irgendwie was Muffiges.
Marcel
0:35:20
Muffiges?
Heiko
0:35:21
Ich habe jetzt irgendwie vom Nase her was Frischeres erwartet.
Marcel
0:35:24
Echt? Ich finde den tatsächlich frisch.
Heiko
0:35:26
Echt, ja?
Marcel
0:35:28
Kann ich mal kurz in deinem Glas…
Heiko
0:35:30
Vielleicht ist es mein Glas?
Marcel
0:35:34
Deiner ist tatsächlich schon ein bisschen, warum auch, du hast dir den früher eingegossen?
Heiko
0:35:38
Ungefähr gleich eingegossen, aber ich habe ihn schon mehrfach geschwenkt.Vielleicht ist das der Trick.
Marcel
0:35:43
Ich habe ihn noch gar nicht geschwenkt.
Heiko
0:35:46
Ja, der riecht wirklich, komisch, der riecht in deinem Glas wirklich ein bisschenanders aus. Das sind auch die gleichen Gläser.
Marcel
0:35:49
Oder?
Heiko
0:35:50
Ich habe ihn sehr viel geschwenkt, während du erzählt hast, weil ich die ganzeZeit dachte, wir trinken.
Marcel
0:35:53
Also der ändert nochmal seinen Charakter natürlich, wenn der wärmer wird undein bisschen mehr Luft bekommt. Insofern passt das schon. Aber das ist so schlimm.zwei Gläsern unterschiedlich ist.Ich weiß, ich habe bei mir tatsächlich eher noch so ein bisschen dieses abfliege,fast so ein bisschen Holunder.Für mich riecht der Frisch und ich habe Bock, den zu trinken, wenn ich den rieche.
Heiko
0:36:13
Dann trinken wir den doch jetzt auch mal. Ja.
Marcel
0:36:17
Ich frame das jetzt nicht.
Heiko
0:36:23
Eine sehr, sehr, sehr angenehme Säure. Aber auch einen etwas herausfordernden,nachgeschmackfähig, also ein bisschen da ist schon irgendwie was dran.
Marcel
0:36:35
Der bleibt auf jeden Fall, der bleibt…
Heiko
0:36:37
Genau.
Marcel
0:36:41
Er hat so eine frische, spritzige Säure auf jeden Fall.
Heiko
0:36:44
Und schon auch ein bisschen apfellig.
Marcel
0:36:47
Und ich fand, ich habe ein bisschen Stachelbeere gehabt.
Heiko
0:36:51
Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals in meinem Leben eine Stachelbeere gegessen habe.
Marcel
0:36:57
Da waren die am besten nicht. Du kannst sie am Supermarkt kaufen,da sind sie meistens immer ein bisschen enttäuschend.
Heiko
0:37:05
Da muss ich jetzt wirklich klingen. Ich wüsste jetzt nicht, wie eine Stachelbeereschmeckt. Dann kann ich dir nicht sagen, ob ich das damit…Deswegen kann ich damit nichts assoziieren, ehrlicherweise.
Marcel
0:37:13
Aber ich finde, das, was so ein bisschen hinten bleibt,hat für mich auf jeden Fall so was Stachelbeeriges.
Heiko
0:37:21
Das ist vielleicht das, was ich meine. Und deswegen konnte ich ihn vielleichtauch nicht zuordnen, weil mir der Geschmack jetzt nicht bekannt vorkam.
Marcel
0:37:27
Weil der hat nicht auf jeden Fall dieses…Also man sagt eigentlich, mit der Zeit kommt was Toastig-Honiges raus.Hat der jetzt nicht. Hatten wir, glaube ich, mal einen anderen getrunken,der hat super krass nach Honig geschmeckt. Das finde ich bei dem irgendwie nicht so.Und auch nicht dieses wachsig-Lalolinige habe ich irgendwie bei dem gar nicht bisher.
Heiko
0:37:46
Lalolinig?
Marcel
0:37:48
Also sagt man zu diesem Typus, was ich mit Salbe assoziiere.Also so dieses Schafswachs.
Heiko
0:37:56
Wort kannte ich nicht.
Marcel
0:37:58
Ja, der ist für mich super frisch. Also obwohl der jetzt schon acht Jahre aufdem Buckel hat, ist der, also man sagt so schon nach der Zeit,so nach sieben, acht Jahren sollte da eigentlich so Sekundäraroma hinkommen,ist für mich der sehr frisch.Aber es kann sein, es war aus einem sehr trockenen Jahr, dementsprechend hatder 12 Prozent, was für den ungewöhnlich ist.Also trocken meint so, es war ein trockenes Jahr, dementsprechend hat der daviel Zucker und dann mehr Alkohol als gewöhnlich, dementsprechend hat er sichvielleicht ein bisschen anders im Glas entwickelt, genau.Weil die Region selbst, das Hunter Valley in New South Wales,ist ja so die älteste Weinregion.Oder du sagst gleich nochmal, oder eine der ältesten.
Heiko
0:38:36
Es ist die, jetzt greife ich kurz vor, ich sage es auch nur kurz am Ende.Es ist quasi nicht die älteste im Sinne von die erste, wo was versucht wurde,aber es ist die älteste, wo noch immer angebaut wird.
Marcel
0:38:48
Okay, dann haben sie es zwischendurch noch woanders geantwortet.Okay, dann die älteste aktive Weinregion.Wir sind so nördlich von Sydney hier. Hast du ja eben auch schon gesagt.Diese Bucht ist wahrscheinlich dann auch nördlich von Sydney.
Heiko
0:39:00
Also Sydney ist in der Sydney Cove sozusagen. Achso Bottom, die ist weiter südlichsozusagen. Da hat es halt nicht geklappt. Also sag ich euch,die fahren dann noch weiter.
Marcel
0:39:09
Aber wir sind nördlich von Sydney und nördlich heißt ja für uns eigentlich Kälter,aber in dem Moment ist man ja eher in der Äquator.Das heißt, es wird dort subtropischer, feuchter, mehr Regen und das heißt,zur Lese ist da auch öfters mal, also wenn du typischerweise ernten würdest, fängt es an zu regnen.Und das ist eigentlich nicht so der beste Platz, wenn man so auf dem Papier guckt, für so Weißwein.Was man da aber macht ist, dass man diesen Wein tatsächlich früher liest,als üblich, bevor halt dieser Regen und die Fäule sozusagen startet.Und darum hat der gar nicht so viel Zucker und hat auch noch viel Säure.Und darum hat der auch so eine gewisse Frische und Spritzigkeit,die man ja wahrnimmt im Glas.Und dementsprechend hat er auch was eher von einem Riesling,finde ich. Also jetzt im Vergleich zu den Bordeaux-Semillons,die ich getrunken hatte oder wo die in der Cuvier waren.Du hast ja gerade die Reblos erwähnt. Da wurde ja zumindest die Region auf jedenFall auch weitestgehend verschont, weil die halt so sehr sandig ist und derSemeion mag das gerne sozusagen. Dementsprechend sind das auch tatsächlich nochwurzelächte Reben hier.Also auch das ist was, was glaube ich in Australien häufiger verbreitet ist.Da wirst du auch nochmal drauf kommen, wenn ich dein Gesicht richtig interpretiere.
Heiko
0:40:21
Also nur kurz, aber jetzt vielleicht auch nicht mehr. Also mehr hätte ich jetztauch nicht gesagt, außer dass es so ist.
Marcel
0:40:29
Ich hatte noch gar nicht gesagt, dass der Wein ist ja schon ein ikonischer Wein.Sprich, wir haben jetzt ein lockere 40 Euro im Glas.Weil es tatsächlich die Benchmark für Simeon…
Heiko
0:40:43
Ja, ich sehe auch auf dem Etikett, der hat alle möglichen Preise gewonnen.Sehe ich hier eine Gold Medal und noch irgendwie eine Gold Medal.Das ist Simeon 2023.
Marcel
0:40:53
Das ist der Wein mit den meisten Auszeichnungen in Australien.Der hat 5500 Medaillen bekommen.
Heiko
0:40:58
5.500.
Marcel
0:40:59
Wie viele Medaillen im Wein gibt es denn?
Heiko
0:41:01
Oder sind es nur australische Medaillen oder ist es schon auch global zumindest?
Marcel
0:41:05
Das, also ich weiß, also ich nehme an, das sind auch global,also es ist halt ein eigener Stil und dieser Wein ist halt ein sehr typischer Vertreter davon.Also den gibt es auch schon eine Weile, den gibt es seit den Anfang der 60erJahren, diesen Vet 1 Simeon.Und ja, ich wollte den einfach mal mit dabei haben, weil er einfach,wenn man Simeon trinkt, sozusagen, dass derjenige ist, der oft erwähnt wird.
Heiko
0:41:29
Also Australien, wenn es um Australien geht?
Marcel
0:41:31
Australische Simeon als so Stil, also als eigener Stil. Weil der ja doch einbisschen sich unterscheidet.Mit Tyrell haben wir ja eine der ältesten Weinfamilien Australiens.Die wurden 1858 vom Engländer Edward Tyrell in Polkobin gegründet.Und ist bis heute auch ein Familienbetrieb. Was wiederum, ich komme gleich nochmalzu Australien und wie es da so aufgestellt ist. eher untypisch ist,dass man so Familienbetriebe haben, die auch nicht so riesengroß sind.Insofern, wir haben hier zwar 137 Hektar, was eigentlich vergleichsweise schongroß ist, wenn wir es jetzt wiederum mit anderen vergleichen,die wir bisher so getrunken haben.Also, es ist auf jeden Fall der größte Weinbetrieb heute im Glas.Aber eigentlich ist es immer noch ein Familienbetrieb von Australien eigentlich relativ klein.Die haben heute noch eine alte Holzhütte von damals im Betrieb,Also von 1858. Das ist auch, glaube ich, das älteste Gebäude,was im Weinbau noch heute verwendet wird. Deswegen passt es so interessant,dass es da noch die aktivste Weinregion ist.Wir haben halt irgendwie so eine lange Historie. Wird geführt von Familien inder vierten und fünften Generation. Heute macht es der Bruce Tyrell und diemit den Kindern, Chris, Jane und John.Ich hatte gerade gesagt, 137 Hektar bedeutet ungefähr so anderthalb MillionenFlaschen, die sie so exportieren und das auch dann in 30 Ländern weltweit.Also dann Australien exportiert schon oder dieser Wein wird auf jeden Fall auch schon exportiert.Der heißt ja Vet Number One, so könnte man jetzt ja fragen. Warum?Das hatte so einen Hintergrund, dass die damals einfach so eine Fässer hatten,die nummeriert waren und da, wo dann.Ein Wein sozusagen gelagert wurde, nach den Fässern wurde es nachher benannt.Das war in den 60er Jahren. Die hatten einfach so eine numerierten Weinfässer.Und deswegen gibt es zum Beispiel auch ein Chardonnay, der heißt dann Chardonnay Vette 47.Und das beim Simeon ist in dem Fall ja kein Holzfass, aber ist dann einfach Vette Nommarmon.Schauen wir uns Australien einmal an. Wie ist eigentlich der Weinbau in Australienaufgebaut? Du hast dich ja vielleicht auch im Rahmen der Recherche ein bisschen damit beschäftigt.Ich wollte mal so einen ganz groben Überblick geben, was man da eigentlich soerwarten kann oder was kann man da so mitnehmen?So für die Vorstellung, ist Australien größer als Europa oder nicht?
Heiko
0:43:53
Ich würde jetzt sagen, ein bisschen kleiner vielleicht, aber nicht viel.
Marcel
0:43:57
Genau, 75 Prozent von Europa ungefähr. Aber die Bevölkerung an sich ist ja nicht so groß.
Heiko
0:44:03
Die Idee ist sehr klein, weil es ja auch hauptsächlich nur an der Küste mehroder weniger sich konzentriert.
Marcel
0:44:10
Ja, also die Bevölkerung sind knapp 28 Millionen.Die würde eigentlich locker auf die Fläche von Deutschland passen.Insofern ist Europa schon…
Heiko
0:44:19
Ja, natürlich, weil Deutschland hat 84 Millionen auf unserer Auslandfläche von Deutschland.
Marcel
0:44:23
Ja, genau. Aber Deutschland ist ja auch nur ein Teil von Europa.Das heißt, Australien ist schon prinzipiell sehr groß.Aber Wein ist auf jeden Fall nicht, was Australien wirtschaftlich definiert,sondern die haben eigentlich einen anderen, also was sie so normalerweise exportieren,wo sie eigentlich Geld mitmachen.Wein ist ja auch eine ziemlich starke Welt, also wirtschaftlich sehr stark.
Heiko
0:44:42
Ich weiß, dass die auf jeden Fall, weil ich mal auf Reisen, wie gesagt,sehr trinkfeste Australien gefunden haben, die in Minen gearbeitet haben.
Marcel
0:44:49
Das heißt, was irgendwas…
Heiko
0:44:51
Also die haben richtig krasse Storys erzählt. Die haben…Muss ich jetzt hier nicht quasi ausführen, aber die arbeiten,jetzt meinst du auch so zwei Wochen, arbeiten die da in den Minen sozusagen undhaben auch gesagt, sie wissen, dass sie deswegen wahrscheinlich nicht alt werdenund hatten keinen richtigen Wohnsitz, weil sie da in zwei Wochen,kriegen sie einen Haufen Asche für diese zwei Wochen, kriegen Wohnung, Logis und,Essen und danach reisen sie rum und da habe ich sie deswegen getroffen und dahaben die halt wirklich auch, deswegen haben die auch völlig auf den Putz gehauen,weil die sagen, wir genießen jetzt das Leben, solange es noch geht und danngehen wir nochmal für zwei Wochen wieder runter und dann haben sie wieder zwei Wochen frei und,deswegen vermute ich, um jetzt den Bogen wieder zu schließen,das wird irgendeine Mineralien oder so sein.
Marcel
0:45:26
Die sie exportieren. Tatsächlich Kohle und Gas ist das, was Australien Wirtschaftoder Export sozusagen ausmacht.Wein macht dann nur 0,4% aus am Gesamtexport. Also wirklich.
Heiko
0:45:36
Das ist ja wirklich vernachlässigbar. Die Wirtschaft würde nicht zusammenbrechen,wenn keiner mehr australischen Wein kauft.
Marcel
0:45:42
Okay, und jetzt kommt eine Frage auf Basis dieser Fakten.An welcher Stelle steht Australien im Sinne von wie viel Wein angebaut wirdweltweit? Wir haben ja schon einige Kandidaten.
Heiko
0:45:53
Naja, wir hatten ja schon mal so einige. Also wir hatten auf jeden Fall natürlichItalien, Frankreich, Spanien, Kalifornien und Deutschland.Ich meine, das Ding ist, Australien ist wie gesagt auch sehr,sehr viel Outback, da wird kein Weinberg sein. Das heißt, die Fläche kann auchgar nicht so groß sein, weil ich glaube, das meiste ist gar nicht bebaubar.
Marcel
0:46:13
Denkst du, okay, dann größer als Deutschland oder kleiner als Deutschland?
Heiko
0:46:15
Kleiner.
Marcel
0:46:16
Nee, größer tatsächlich.
Heiko
0:46:16
Trotzdem, ach krass.
Marcel
0:46:18
Also wir haben 145.000 Hektar, was dann ungefähr anderthalb Mal Deutschland fast ist.Und damit wird es auch zum fünftgrößten Weinland der Welt.
Heiko
0:46:27
Okay, das hätte ich jetzt wirklich nicht gedacht.
Marcel
0:46:29
Nee, erwartet man nicht jetzt. Aber es ist halt auch einfach wahnsinnig groß,und 60 Prozent gehen auch tatsächlich in den Export.
Heiko
0:46:35
Ja, das verzerrt vielleicht auch wieder, das ist wieder dieser typische Fallvon, dass man so auf eine Landkarte guckt und das verzerrt dann vielleicht auchwieder so, weil so riesig, finde ich, sieht es da jetzt auch nicht aus.
Marcel
0:46:43
Ja, es wird ja auch nicht überangebaut. Aber er ist halt auch ein eigener Kontinent.
Heiko
0:46:46
Und dann wird es auch noch nicht mal überangebaut. Trotzdem.Ach ja, verrückt. Also hätte ich nicht gedacht.
Marcel
0:46:51
60 Prozent werden exportiert. Vor allen Dingen UK. Gut, mit der Geschichte,was wir gerade gehört haben, macht das ja total Sinn.USA, Ja, China tatsächlich, aber da ist es auch ein bisschen on-off.Also je nachdem, ob da gerade das, sag ich mal, unterdrückt wird oder wiedergefördert wird. Also sind da Strafzölle drauf oder nicht.Und tatsächlich auch Japan. Ist mir auch aufgefallen, tatsächlich in Japan,dass es doch öfters mal australische Weine gab. Macht aber auch sinnvoll.
Heiko
0:47:15
Ja, also der Transport dahin ist sicherlich auch ein bisschen schneller alsüber den Rest, über den ganzen Globus.
Marcel
0:47:21
Wir haben 2500 Winzer und die konzentrieren sich fast alle oder viel auf den Südosten sozusagen.Wenn du jetzt nochmal die Karte aufmachst, da sind ja die Weingebiete.Wenn man sich das jetzt mal so vorstellt, also man sieht ja da,also die Grauen sind sozusagen die Weingebiete, die verschiedenen.
Heiko
0:47:39
Diese, nochmal, weil ich es immer noch so ungeklärt habe, weil auch hier siehtes nicht aus, also diese Grauen, das bisschen, was ja wirklich nur ein Bruchteilvom gesamten Kontinent und vom gesamten Land ist, ist trotzdem anderthalbmalso viel wie das Weinbaugebiet von Deutschland.
Marcel
0:47:52
Wir haben es ja im Süden, habe ich gerade gesagt. Und wie gesagt,man hat das immer im Kopf so, dass der Süden eigentlich wärmer wird,aber genau das ist ja das Gegenteil. und Australien verbindet man es warm.Dementsprechend muss man etwas südlicher gehen, um,ein bisschen die Kühle auch zu haben, um Wein outbauen zu können.Wenn wir uns jetzt aber mal vorstellen, wir übertragen die Breitengrade geradeauf Europa, beziehungsweise auf die Nordhubkugel jetzt in unseren,Längengraden, sag ich mal so, dann bewegen wir uns hier zwischen Marokko undSizilien, beziehungsweise Südspanien.Und das ist ja schon ein Gebiet, wo man sagen würde, das ist eigentlich trotzdem noch sehr warm.Also wir haben jetzt hier keinen Bugund, sag ich mal, oder kein Deutschland.Wir haben im Bundesstaat South Australia 50% der Weinproduktion.Danach kommen noch New South Wales und Victoria. Also wirklich,wirklich fokussiert auf den Südosten.Und natürlich gibt es auch in Australien so ein Orientierungssystem, die GIs.Und das sind jetzt nicht die amerikanischen Soldaten, sondern die Geographic Indications.und da gibt es wieder auch so einen groben Orientierungsrahmen,den man hat. Es gibt nämlich einmal die Zones, dann gibt es die Regions unddann gibt es die Subregions.Und wir haben insgesamt so 28 Zones. Das sind dann eher so größere Weinbaugebiete,die jetzt dann sowas, wie wir nachher noch im Glas haben, sowas wie Gypslandsozusagen. Das ist einfach so ein größeres Gebiet.Und wenn man jetzt sagen kann, okay, da gibt es jetzt irgendwie nochmal besondereEigenheiten und das wird ein bisschen spezieller, dann sind wir in den Regions.Das ist dann sowas wie das Barossa oder das Hunter Valley oder das McLaren Vale.Also das ist eigentlich das, was meistens dann irgendwo mit auf der Flasche steht.Und wenn es dann nochmal spezieller wird, wenn man sagt, okay,in einer Region können wir nochmal unterscheiden, zum Beispiel im Hunter Valleykann man da nochmal unterscheiden zwischen Upper Hunter Valley und dem,was ein bisschen flacher gelegen ist.Das heißt, es gibt nochmal Subregions. Die Subregions gibt es aber sehr selten.Also das Hauptding, wo man eigentlich in Australien gucken, müsste,sind diese Regions und Hub-Regions dann wirklich, wenn es speziell wird sozusagen.Es gibt auch noch eine Ebene da drüber, habe ich jetzt nicht nochmal extra erwähnt, Super-Zone.Die spielen aber an sich nicht so eine Rolle.
Heiko
0:50:11
Das erinnert mich ein bisschen mit Kalifornien.
Marcel
0:50:13
Ja, ja, ja.Das ist prinzipiell aber eine Ebene, die ist irgendwie nicht wahnsinnig bedeutend.Wir haben, also was verbindest du mit Australien? Kängurus.
Heiko
0:50:25
Ehrlicherweise, also Chiras habe ich ja mal mit Australien verbunden.Also jetzt durch die Recherche bin ich dadurch natürlich auf den Million geschossen,dass das scheinbar eigentlich sogar das Hauptding eher sogar ist oder bin ich da irgendwie.Aber eigentlich habe ich persönlich, wie sage ich jetzt, nicht mega mit auseinandergesetztvorher, aber habe ich, wenn dann Chiras gedacht an Australien?
Marcel
0:50:42
Das ist auch die typische Rebsorte. Wir haben tatsächlich Rotwein, 55 Prozent.
Heiko
0:50:46
Ah, sogar doch mehr, okay.
Marcel
0:50:47
45 Prozent Weißwein, also ein bisschen mehr Rot. Ich hatte jetzt ursprünglichauch gedacht, ich habe es mehr mit Rot assoziiert sozusagen.Genau, und die dominierende Rebsorte ist dann Chiraz. Aber wir haben auch CabernetSauvignon, Merlot und Pinot Noir.Und das sind ja alles bekannte Vertreter, die wir ja auch aus Europa kennen.Chiraz jetzt in dem Falle nicht so, kommen wir ja später, glaube ich, nochmal zu.
Heiko
0:51:08
Es ist doch Syrah hier in Europa, heißt halt nur anders.
Marcel
0:51:11
Heißt nur anders, genau. Und beim Weißwein haben wir dann und vielleicht ausdeinem aus zwölf Folgen Geschichte im Glas, welche Weißweinsorte ist die typischste,wenn du vielleicht an Kalifornien noch denkst.
Heiko
0:51:25
Jetzt die typischste global gesehen, oder?
Marcel
0:51:28
Welche könnte in Australien sehr viel sein?
Heiko
0:51:30
Achso, nicht Semillon offensichtlich.
Marcel
0:51:31
Okay. Nee, genau.
Heiko
0:51:33
Welchen Weißwein hatten wir denn in Kalifornien?
Marcel
0:51:36
Wir hatten eine Anekdote. Ja.
Heiko
0:51:41
Nee, jetzt traue ich nicht.
Marcel
0:51:42
Also Chardonnay einfach als die.
Heiko
0:51:44
Ja, ABC, Anything but Chardonnay.
Marcel
0:51:46
Ja, genau, deswegen dachte ich dann.
Heiko
0:51:47
Habe ich nicht getraut gar nicht. Habe ich gesagt, wenn ich jetzt was Falsches dann.
Marcel
0:51:51
Genau, ansonsten noch Sauvignon Blanc, Grauburgunder Pinocry und Simeon istnatürlich auch dabei, aber jetzt nicht die Top-Top.
Heiko
0:51:57
Ah, okay. Aber ich glaube in den Hunter Valley ist die dann halt dafür wiederum.
Marcel
0:52:01
Genau, in den Hunter Valley.
Heiko
0:52:01
Deswegen bin ich, glaube ich, in der Recherche, deswegen hatte ich dir das mitgegeben,weil da bin ich in der Recherche drauf gestolpt, stoßen durch das Hunter Valley.
Marcel
0:52:07
Ja, genau. Die ist einfach so sehr dominant dort.
Heiko
0:52:11
Okay, Großbritannien stand also im späten 18. Jahrhundert vor einem handfesten Problem.Überfüllte Gefängnisse, das alte Deportationsziel Amerika nach der Unabhängigkeitweggefallen und die improvisierten Hulks auf der Thämse wurden zum politischen Ärgernis.Die Lösung war ein Kontinent, über den man kaum etwas wusste.Australien. Und so erreichte die First Fleet eben im Januar 1788 nach über achtMonaten auf See die Botany Bay.Und wenn man die First Fleet aber nur als Strafexpedition versteht,übersieht man etwas Entscheidendes.Von Anfang an war dieses Projekt nicht nur ein logistisches oder strafrechtlichesUnterfangen, es war auch eine Art wirtschaftliches und vor allem kulturelles Experiment.Und in diesem Experiment spielte Wein eine erstaunlich zentrale Rolle.Schon in den Planungsdokumenten taucht die Idee auf, in New South Wales,das ja heute ja noch der Bundesstaat rund um Sydney heißt, du hattest das jaauch schon erwähnt als Namen, schon in diesen Planungsdokumenten taucht ebendie Idee auf, dort eine Weinindustrie aufzubauen.Warum das so ist, führt uns im Prinzip tiefer in die britische Kultur des 18.Jahrhunderts. Wein war in der Elite Großbritanniens nicht einfach ein Getränk,es war eigentlich ein Symbol.Großbritannien, das hatte ja keine heimische Weinindustrie.Großbritannien ist jetzt nicht bekannt für ihren Wein.Kein einziger britischer Einwohner lebte im Prinzip in der Nähe eines Weinbergs.Und während in den typischen Weinländern Europas ja auch Bauern Wein trinkenkonnten und Wein tranken, weil das halt ein bisschen üblicher war,war in Großbritannien Wein im Prinzip grundsätzlich teuer, weil importiert unddamit eben auch irgendwie elitär.Bier und Gin, das tranken die Massen. Wein tranken sozusagen eher die die Herrschenden.
Marcel
0:53:49
Aber zu der Zeit gab es keinen Wein.
Heiko
0:53:52
Du meinst ja, jetzt gibt es da irgendwo Weinanbau sozusagen.
Marcel
0:53:55
Sagen.
Heiko
0:53:56
Das war jetzt aber nicht üblicherweise.Wein wurde in der Zeit dann deswegen auch verknüpft mit klassischen Vorstellungenvon Zivilisationen, mit dem antiken Rom und Griechenland und mit dem,was es bedeutete, eine kultivierte Gesellschaft zu sein.Wir bewegen uns heute ja auch quasi, also nicht heute heute,sondern heute thematisch, so gerade in einer Zeit, in der man ja die Antikeauch durchaus verehrte und im Selbstbild so ganz viel darauf zurückgriff.Das hatte man ja auch dann bei den Vereinigten Staaten von Amerika,George Washington und so, das ist ja sehr, sehr, sehr viel auf auch so Römischund so weiter, so das Kapitol und so, also man griff ja sehr,sehr viel auf die Antike zurück,und das römische Imperium konnte ja auch ein bisschen so als das Vorbild fürdas britische Empire dienen, ja und dazu kam auch eine konkrete wirtschaftlicheÜberlegung, so Frankreich, Spanien, Portugal, ja, das sind so die etablierten globalen Mächte neben,UK, die hatten ja Weinindustrien, die sich bis in ihre Kolonien erstreckten,an wichtigen Handelsstützpunkten, Stützpunkten versorgten Weinberge,so Handels- und Kriegsschiffe, so Wein war einfach ein Teil der imperialen Infrastruktur.Und ja, vielleicht gab es da deswegen auch so eine Art Minderwertigkeitskomplexvon Großbritannien. Irgendwie Wein musste man irgendwie auch haben sozusagen.Und genau deshalb war Wein von Anfang an Teil des kolonialen Projekts.Nicht nur eben als Genussmittel so für Offiziere, sondern wirklich als politischesProgramm. Die Vorstellung war, eine Kolonie, die Wein anbaut,die ist eben nicht bloß Strafanstalt, sie ist im Prinzip der Beginn einer zivilisierten Gesellschaft.Und den Auftrag, diesen Ort aufzubauen, den bekam allerdings ein eher wenigelitärer Mann, sag ich mal, nämlich Käpt’n Arthur Philipp.Das war jetzt kein großer imperialerVisionär, er war auch jetzt kein besonders charismatischer Held.Er war der Sohn eines deutschen Sprachlehrers aus Frankfurt tatsächlich,fast vergessen von der Marine, oft so ein bisschen auf Halbsoit sogar gesetzt,hatte eine gescheiterte Ehe und hatte jetzt kein besonders hohes gesellschaftliches Gewicht.Aber er brachte einen Punkt in seinem Lebenslauf mit, der ihn für genau dieseMission qualifizierte.Denn einige Jahre zuvor hatte er 400 portugiesische Sträflinge ohne einen einzigenTodesfall über den Atlantik nach Brasilien transportiert.Das kam nicht so oft vor, wie man sich vorstellen kann und genau das überzeugtedann die Regierung. Denn das Unternehmen Australien war logistisch…Eigentlich auch irgendwie absurd, wenn man so will. Ja, elf Schiffe.
Marcel
0:56:13
Ich wollte nochmal sagen, also es war ja so, dass sie ja vorher wirklich janicht da waren. Es war ja wirklich, James Cook war da und dann keiner und manplante dann von dem Ausgangssitz.
Heiko
0:56:24
Und dann ist es halt so weit weg wie kaum irgendwas anderes sozusagen.Und dann sollen da jetzt elf Schiffe hin, fast 1500 Menschen,vier Gefangene mussten sich wirklich einen Schlafplatz von der Größe so eines Doppelbettes teilen.Die Unterdecks hatten keine Bullaugen, keine Beleuchtung. Denn Kerzen und Laternenwaren aus Feuergefahr auf so einem Schiff natürlich verboten.Bei Sturm, wenn die Luken geschlossen wurden, gab es nicht mehr wirklich frischenSauerstoff. Dazu kamen Hitze, Ratten, Wanzen, Läuse, Schaben so aus dem Holzwerk.Insgesamt so ein gährender Sud aus Meerwasser, Urin erbrochenem und so totem Getier.Auf der Alexander, wirklich, das ist so eines der Schiffe, dieser Elfschiffe,da wird berichtet, dass die Holzwände und auch sogar die Knöpfe auf den Offiziersuniformenso von den Ausdünstungen wirklich schwarz verfärbt waren.
Marcel
0:57:09
Okay, krass. Also ich meine, die Hitze-Geschichte kann ich heute nachvollziehen.
Heiko
0:57:12
Heute ist wirklich auch heute australische Hitze hier in Berlin, das stimmt.
Marcel
0:57:15
Aber die in den Gestank, Gott sei Dank, nicht.
Heiko
0:57:17
Noch nicht, wenn ich jetzt noch weiter schwitze. Und je nachdem,wie viel wir noch trinken, wird das erbrochen. Nein, Quatsch.Also und deswegen brauchte man jemanden, der quasi, also das sind ja keine gutenVoraussetzungen, um besonders viele Menschen Leben nach Australien zu bringen.Und deswegen war das halt besonders qualifiziert, war er so qualifiziert,weil er das schon mal geschafft hat, sozusagen.
Marcel
0:57:36
Kommt es wahrscheinlich noch drauf, warum er das geschafft hat?
Heiko
0:57:40
Nö.
Marcel
0:57:41
Hat er sich einfach empathisch darum gekümmert und allen genug gegeben?
Heiko
0:57:46
Ja, das kann ich, also er hat zumindest wirklich, also da komme ich gleich drauf,er hat zumindest auch dafür, oder auch schon mit James Cope,aber auch kurz danach so ein bisschen rausgefunden hat, dass man halt vernünftigeErnährung braucht, ums Korbut und so weiter aufschifft.Genau das war das, Also das war das, ich glaube, James Cook tatsächlich daserste Mal, dass man, deswegen kam der auch überhaupt das erste Mal so weit,weil er so rausgefunden hat, wie man das schafft, sozusagen einfach mit vernünftigenNährstoffen und ein bisschen.
Marcel
0:58:08
Also man könnte zuspitzen und sagen, erstunken ist noch niemand.
Heiko
0:58:12
Nee, genau.
Marcel
0:58:12
Aber Essen braucht man auf jeden Fall.
Heiko
0:58:14
Und vor allem nicht nur einfach Essen, nicht einfach irgendwas zu essen,weil du kannst, also verhungert werden die nicht.
Marcel
0:58:18
Vitamina.
Heiko
0:58:19
Genau, du brauchst halt wirklich vernünftige Nährstoffe. Genau, genau, genau.Und deswegen gibt es, also nicht nur deswegen, aber deswegen gibt es innerhalbder Route sozusagen einen Ort, wo auch solche Nahrungsmittel auch an Bord geholtwurden. Die Route der First Fleet, die habe ich jetzt auf einer Karte mitgebracht.Das ist das nächste Bild in unserer Galerie und das kannst du dir und das könntihr euch nebenbei anschauen. Also du musst das jetzt nicht beschreiben,einfach so während ich erzähle, könnt ihr das so ein bisschen nachvollziehen, wo die lang sind.Und die erste Etappe, die führt die Flotte erstmal südwärts entlang der europäischenAtlantikküste und dann zu den Kanarischen Inseln und zwar nach Teneriffa,das ist so ein klassischer Zwischenstopp im Prinzip der damaligen Seefahrt einfach.
Marcel
0:58:54
Bevor man den Atlantik knöcke.
Heiko
0:58:55
Genau, genau. Und war einfach Teil der etablierten Handelsroute.So ein Ort, wo man eben Wasser, Lebensmittel und eben auch Wein tatsächlich nachkaufte.Und Watkins Tensch, das ist einer der, sage ich mal, so schreibfreudigsten Offiziere dieser Flotte.
Marcel
0:59:07
Ich muss das kurz nochmal fragen, weil es ja sehr nahe liegt.Und ich glaube, man würde sich jetzt einfach fragen, du sagst Wein nachtanken sozusagen.Aber eigentlich haben die ja keinen Wein getrunken in England.Eigentlich müsst ihr doch Gin in Massen auf dem Board…
Heiko
0:59:21
Nee, weil man eben, gerade die Offiziere und so, Wein ist was elitäres.
Marcel
0:59:24
Wein hat man schon getrunken.
Heiko
0:59:25
Und dazu komme ich auch gleich, auch als Medizin tatsächlich,der Schiffsarzt hat Wein verlangt sozusagen. Weil wir hatten das ja immer wiedermal, dass Wein auch als Medizin gilt und als Desinfektion.
Marcel
0:59:35
Also einfach nur, weil die Leute, die das war organisiert haben,also der höheren Schicht oder der elitären Schicht angehört haben,war das quasi Gesetz plus das Medizinische.
Heiko
0:59:44
Genau, genau. Und also er hat, also Tatsache hat Captain Philipp auch danachquasi, er hat es durchgesetzt, dass er das bekommt. Dazu komme ich gleich auchspäter nochmal ganz kurz.Und es gibt so, das habe ich jetzt nicht mit drin, aber es gibt tatsächlichso eine Rum-Rebellion in Australien und es wird vielmehr eher Rum getrunken,und man vermutet, dass es auch ein bisschen damit zu tun hat, weil eben,Wein am Anfang sozusagen nicht nachgeschickt wurde und so weiter und deswegensich so ein Parallelmarkt entbieten kann.Aber das führt jetzt so ein bisschen zu weit. Grundsätzlich hat man schon Weinfür die Reise an Bord geholt, sozusagen auch wirklich für die Offiziere.Für die Offiziere, nicht für die Striebe. Nein, nein, nein, nein.Natürlich war das für die Offiziere.
Marcel
1:00:19
Und für die Soldaten und Matrosen. Nahrung, aber nicht so, also Wein, wo kommen wir da hin?
Heiko
1:00:22
Genau, exakt, exakt. Also für die Medizinkoffer und für die Offiziersmesse, wenn man so will.Genau, und Watkins Trench eben, einer dieser Offiziere, der notiert die Preiseauch auf Teneriffa, so trockene Weine für 10 bis 15 Pfund pro Pipa,ich sag da jetzt gleich was, Süße,waren erheblich teurer, so für den besten, den sogenannten London Particular, zahlte man 15.Ein Pipa, das ist so ein historisches Weinfassmaß, je nach Herkunft ein bisschenanders, aber hier wahrscheinlich so irgendwas zwischen 420 und 470 Litern sozusagenund 10 Pfund entsprechen heute so etwa 2000 Pfund, das war jetzt,so die Preise, die man da aufbieten musste in Teneriffa.Welche Rebsorten sie jetzt da kauft, das ist allerdings nicht bekannt, weil,also deswegen, also du sprichst schon dafür, ich meinte ja schon,der beste war ein London Particular, da weißt du ja auch nicht,was das für ein Wein ist, aber das hat die Briten nicht so interessiert,das war einfach, der wurde benannt nach dem, was in London eben besonders gefragt war,denn die Briten vielleicht auch, weil sie eben keine historische eigene Weinkulturbesaßen, die beschrieben ihre Weine einfach für gewöhnlich nicht Rebsorten,sondern eher so nach Farbe oder, ja, so wie, also sie haben einfach gesagt Weißwein,Rotwein, Hellerwein, Rosé.Vielleicht noch ihr Herkunftsland oder zumindest den Boden, der sie hervorbrachte,so französische Weine, spanische Weine, Rheinweine, ungarische Weine,griechische Weine, kanarische Weine und so weiter.Höchstens vielleicht mal sowas wie Portwein oder ein Madeira-Wein,Burgunder oder Champagner kannte man noch, aber das reichte Briten offenbarals Bezeichnung. Aber egal welcher Rebsorten es nun war, ein Wein zu kaufenwar eben wichtig für die First Fleet.Das haben wir jetzt eben schon einbisschen diskutiert. Zum einen eben für Medizinkisten der Schiffsärzte.Das Thema begegnet uns, wie gesagt, ja immer wieder auch in unseren Folgen,dass das so ein bisschen was Apothekerhaftes auch hat, was Medizinisches.
Marcel
1:02:04
Ja, weil du sagst, das reicht den Briten. Also ich meine, das ist ja auch jetzt,wenn du in eine Bar gehst, ist es jetzt auch manchmal nur Rotwein.Das ist jetzt nicht unbedingt auch immer differenziert.
Heiko
1:02:17
Das stimmt, das stimmt. Aber ja, Arthur Phillip hatte eben zudem persönlichdarauf bestanden, dass die Besatzung mit Wein aber auch, du hattest erwähnt,auch schon durchaus Spiritosen versorgt wurden, er hatte einfach die Sorge,dass das Fehlen solcher Vorräte im schlimmsten Fall zu einer Meuterei führen könnte.So man muss denen schon irgendwie, wenn man schon so lange unterwegs ist,Alkohol geben und dann zumindest den Offizieren wahrscheinlich Wein und dieSpiritosen vielleicht eher für die einfacheren Matrosen.Ja, von Teneriffa aus ging es dann erstmal weiter nach Rio de Janeiro.Das klingt vielleicht im ersten Moment wie ein Umweg, aber tatsächlich keinUmweg, weil da sind Passatwinde und so weiter. Der typische Weg Richtung indischenOzean ist tatsächlich erstmal über den Atlantik, weil die Winde dich da einfacherhintreiben, als wenn du da erstmal direkt den Runterweg fährst.
Marcel
1:03:02
Stimmt, die sind ja Nordhalbkohol und Südhalbkohol unterschiedlich.
Heiko
1:03:05
Deswegen ist es so ganz üblich eigentlich, dass du erstmal über den Atlantikund dann wieder zurück in diese Richtung fährst.Und die Flotte benötigte quasi auch einfach, das hatten wir jetzt auch vor diesergefährlichen Etappe, die dann über den südlichen Ozeanführte, wirklich riesige Mengen auch an frischen Lebensmitteln,um eben Skorbut und so weiter vorzubeigen und deswegen füllte man dann in Rioeben wichtige Vorräte auf, wie natürlich Trinkwasser, aber vor allem eben frischesFleisch, Obst, Gemüse und so weiter, also genau das, was wir eben schon erzählt haben.Ja und danach erreichte die Flotte eben schließlich auch erstmal das Kap derguten Hoffnung in Südafrika. Das war so der wichtigste Versorgungsstützpunktdann der europäischen Seefahrt wirklich zwischen Atlantik und dann dem IndischenOzean, wenn es dann weitergeht.Und hier gab es auch bereits eine etablierte Weinindustrie tatsächlich.
Marcel
1:03:48
Ich wollte gerade sagen, ich habe im Intro natürlich zugehört,dass du erwähnt hast, am Cup der Guten Hoffnung wurden die Weinreben.
Heiko
1:03:54
Genau, hier hat man dann wirklich, also man hat in Teneriffa sozusagen Wein,fertigen Wein einfach zum Konsumieren gekauft, aber hier am Cup der Guten Hoffnungkam Philipp eben wirklich,auch wirklich die ersten Weinreben mit rein und hat, die wird dort gekauft,die der dann nach Australien mitbringen wollte.
Marcel
1:04:11
Sprich, wir müssen irgendwann natürlich noch einmal nach Südafrika gehen,weil das ist ja um die Lücke hier auch schon zu schließen.
Heiko
1:04:17
Absolut, absolut. Genau, weil mit Weinfestern alleine kann man natürlich keineeigene Weinindustrie aufbauen, da braucht man Rebsorten und deswegen hat erda welche eingesammelt.Allerdings geschieht auch das wieder so ohne klare botanische oder so agronomische,also so landwirtschaftliche Planung.Es gibt keine Winzer an Bord, es gibt keine systematische Auswahl von Rebsorten,keine Vorstellung davon, welche Pflanzen im Klima von New South Wales überhauptfunktionieren könnten.Auch hier sind deswegen keine Rebsorten überliefert, weil die britischen Offizierewahrscheinlich eh keine Ahnung hatten, was sie da kaufen. Man nahm halt,was irgendwie verfügbar war.Es gibt, aber die habe ich jetzt bewusst nicht mitgenommen, es gibt so jetztim Nachhinein von Historikern oder Weinforschern so im Rückgriff Versuche zusagen, was da vielleicht dabei sein könnte, weil es das damals gab und was es da gab.Aber das ist alles eher Spekulation, deswegen habe ich das bewusst rausgelassen.Tja, und dann begann eben die letzte und vielleicht auch wirklich die härteste Etappe.Aber nach insgesamt 252 Tagen eben und über insgesamt 13.000 Seemeilen erreichtendie elf Schiffe der First Fleet unter dem Kommando von Arthur Phillip die Küste Australiens.Und so makaber es klingt, in Anführungsstrichen nur 48 Menschen waren gestorben,was man angesichts der Zustände wahrscheinlich sogar wirklich als Erfolg verbuchen muss.Diese Verbrecher, die da eben an Bord waren, die waren jetzt also bereit,die Kolonie zu gründen. und an der Stelle frage ich dich mal,was denkst du, was waren das so für Verbrecher, die unter diesen grausamen Umständenso ans andere Ende der Welt verschifft wurden?
Marcel
1:05:42
Gin braune Menschen. Nee, keine Ahnung. Wahrscheinlich nicht irgendwas.Oder warte mal. Doch, ich glaube, ich habe irgendwann schon mal gehört,es waren auch so Mörder und so, ne?
Heiko
1:05:52
Tja, man denkt vielleicht so ein bisschen an Schwerverbrecher,Mörder und Vergewaltiger, so das Worst of der englischen Gefängnisse.Die Realität war tatsächlich eine andere.
Marcel
1:06:01
Gras.
Heiko
1:06:01
Eine 70-jährige alte Frau zum Beispiel, die einen Käse gestohlen hatte.Ein Landarbeiter, der eine lebende und eine tote Hände geklaut hatte.Ein Mann wurde deportiert, weil er zwölf Gurkenpflanzen in einem Gemüsegarten zertreten hat.Und selbst Kinder waren dabei. Ein elfjähriger Junge wurde für ein Schleifenbandund ein paar Seidenstrümpfe.Oder eine 13-jährige Holzschuhmacherin wurde deportiert, weil sie ein Kleidund eine Haube gestohlen hatte.
Marcel
1:06:23
Okay, ich hatte heute einen Podcast noch gehört, wo es um Wirtschaftsverbrechen ging.Und da war irgendwie so ein Intro, dass ja eigentlich in jedem Menschen einegewisse Art von Kriminalität steckt.Also auch so kleinere Sachen. Es ging wirklich um Gelegenheitskriminalität.Ja genau, es ging um Wirtschaftsverbrechen, aber im Prinzip ja,dass eigentlich jeder Mensch davon sozusagen betroffen ist, wo er ihn nicht frei machen kann.Und es klingt ja jetzt wirklich eher nach diesen kleinen, wie man sagt, Kavaliersdelikten.Also jetzt mal Gurken zertrampeln.Könnte ich theoretisch auch auf jeden Fall.
Heiko
1:06:55
Ja, also wirklich nicht nur das, sondern die überwältigende Mehrheit im Prinzipder zwischen 1787 und 1868 dann rund 160.000 Deportierten waren wirklich gewöhnliche,Kleinkriminelle aus den armen Vierteln englischer und irischer Städte.Es waren kaum oder im seltensten Fall waren es Mörder und es waren auch keinepolitischen Revolutionäre, sondern wirklich hauptsächlich junge Männer und Frauen,die eigentlich aus der Not heraus gestohlen hätten, weil sie sonst verhungertwären vielleicht oder weil sie halt sonst keinen Strümpfer hätten oder so.
Marcel
1:07:21
Ja, aber das ist witzig. Also ich kannte die Story natürlich,dass Australien aus Gefängnisinsassen besiedelt worden, also wieder,oder wie sagt man, kolonialisiert worden ist sozusagen.Aber ich hatte auch mal eher dann andere Verbrechens…
Heiko
1:07:35
Genau, man denkt es, weil das ist ja wirklich, also wenn du so lange und soweit weg bist, dann denkst du ja wirklich, das muss ja wirklich was Schlimmes.Deswegen ist das so krass eigentlich auch.
Marcel
1:07:43
Das sind eigentlich Banalitäten, könnte jeder sein sozusagen.Und wenn dann da damals so harte Hand war in UK, um das alles unter Kontrolle zu bekommen? Ja, okay.Ja und am 20.
Heiko
1:07:56
Januar 1788 landeten die Schiffe der First Fleet dann jedenfalls eben in besagterBotany Bay an, aber sie stellten recht schnell fest, dass es überhaupt nichtso ist, wie Joseph Banks versprochen hatte.Der Boden war schlecht, die Bucht offen und ungeschützt, das Wasser flach,es war kein guter Hafen, es gab nicht wirklich genug oder geeignetes Baumaterial,wenig fruchtbares Land.Und wie wir im Code Opener schon gehört haben, schrieb Lieutenant Clark dannnach fünf Tagen, wenn wir hier bleiben müssen, wird in einem Jahr keine Seele mehr am Leben sein.Captain Philip erkundet deswegen auch ein bisschen mehr die Küste nach Nordenund fand dann eben einen tiefen, weit besser geschützten Naturhafen und nenntihn dann Sydney Cove, zu Ehren eben des Mannes, der die ganze Deportation organisiert hatte, Lord Sydney.Und der Ort eben, wo heute die berühmte Sydney Opera und die Sydney HarbourBridge stehen, so die Wahrzeichen der Metropole.Und hier konnte er nun die Gründung der Strafkolonie erklären und anfangen, seinen Wein anzubauen.Und ob das so gut geklappt hat, wie er sich das eventuell vorgestellt hat,das würde ich sagen, hören wir gleich.
Marcel
1:08:58
Kommen wir zum nächsten Wein. Ich habe währenddessen noch den zweiten Wein weitergetrunken und fand den durchaus sehr passend und sehr lecker.
Heiko
1:09:05
Ich habe den ja auch zwischendurch noch ein Gläschen davon genommen.Ich weiß gar nicht, ob du das gesehen hattest.
Marcel
1:09:10
Ja, du hast es ja auch nochmal nachgegossen. Ich auch, genau.
Heiko
1:09:15
Ich wollte es eigentlich erst am Ende zum Fazit sagen, aber wenn du jetzt daseh sagst, ich muss gestehen, im ersten Glas war ich mir noch nicht ganz so sicher,wie ich ihn finde und dann beim zweiten Glas war ich mir noch nicht ganz sosicher, wie ich ihn finde und dann beim zweiten Glas war ich mir gedacht,doch, schon hat es schon was. Ich musste mich erst so ein bisschen mehr drauf halten.
Marcel
1:09:27
Genau, wir waren jetzt bei zwei kühleren Vertretern. jetzt kommen wir zu einem Pinot Noir.Und zwar bei Nummer 3 ist von William Downey, der Bull Swamp aus dem Jahr 2022.Und wir sind jetzt bei einem radikalen Gegenbild zum warmen und industriellenAustralien. Ich habe vorhin einen Fakt unterschlagen, nämlich dass die Top 20Weingüter in Australien 70% des Exports ausmachen.Was krass ist, weil du hast eigentlich in Australien damit eigentlich nur Giganten.Wir haben vorhin gesagt, dass Australien größer ist als Deutschland vom Wein.
Heiko
1:10:02
Also mit Top 20 meinst du von der Größe her?
Marcel
1:10:04
Top 20 Weingüter machen 70% des Exports.
Heiko
1:10:07
Genau, aber Top 20 von der Größe, nicht Top 20 der Qualität oder so.Die 20 Größten exportieren auch 70 Prozent.
Marcel
1:10:13
Das heißt, eigentlich faktisch, glaube ich, was man hierzulande dann am häufigsten trinkt.
Heiko
1:10:19
Ist halt auch aus den Massen oder aus den großen Weingütern.
Marcel
1:10:23
Also sowas zum Beispiel wie Yellowtail oder sowas. Das sind einfach die ganzGroßen und das ist eigentlich das typische Australien. Und das kriegst du imSupermarkt natürlich auch.
Heiko
1:10:30
Ja, die können natürlich auch in einer größeren Masse produzieren.Und deswegen kriegt man auch im Supermarkt schon für 6, 7 Euro eigentlich einenaustralischen Wein. das ergibt total Sinn.
Marcel
1:10:37
Genau, und hier haben wir tatsächlich dann eher super klein und eher kühl,was man nicht unbedingt natürlich mit Australien verbindet und auch nicht Also kühl.
Heiko
1:10:46
Wirklich klimatisch. Ich dachte, ein Rotwein ist gekühlt.
Marcel
1:10:52
Und ein Pinot Noir, was man vielleicht auch, wie gesagt, nicht,also Pinot Noir wissen wir ja, so Burgund und so weiter, das ist jetzt schoneher nicht so eine sehr warme Region.Auch in Kalifornien war es eher kühler gewesen, wo der wächst,genau. Und wir haben hier einen Mann, der sich eher als Bauer, als als Winzer sieht.
Heiko
1:11:07
Witzig.
Marcel
1:11:08
Und um hier auch gleich nochmal einen Bogen zu schlagen zum Chiraz,wo wir gleich nochmal zu kommen werden, haben wir einen Pinot hier,der vermutlich die Urgroßmutter des Chiraz auch mit ist.Also nicht direkt die Eltern sozusagen, wir reden ja immer über Eltern,aber zumindest irgendwo…
Heiko
1:11:24
Okay, also genetisch sind die Rebsorten verwandt.
Marcel
1:11:26
Genau, also die Urgroßmutter, genau.Und wir haben ja gesagt, wir haben fast alle Schrauber. In dem Falle haben wirjetzt einen Kandidat mit tatsächlich einer Kork-Eiche.Und ja, weil der Downy so auf Terroir schwört und auf Pinot,haben wir hier tatsächlich auch echten Korken in der Flasche.Ja, ich hatte gerade gesagt, er ist eher klein und klein heißt dann wirklich auch sechs Hektar.Und das ist mega klein. Also wir hatten, glaube ich, in Italien in der Chianti-Folge,den Wein, den du auch danach dir nochmal bestellt hattest zum Pizzaessen,mit dessen Namen mir gerade nicht einfällt.
Heiko
1:12:03
Der ist Zink.
Marcel
1:12:04
Zink, ja genau, der ist Zink. Genau, das war, glaube ich, in einer ähnlichen Größe.Also ich glaube, das waren vier Hektar oder zwei Hektar oder so.Ja, das hat sie ja irgendwie.
Heiko
1:12:13
Glaube ich, von ihrem Vater geschenkt bekommen, zu irgendeiner Geburtstag oderwo sie sich ein bisschen was tun wollte.
Marcel
1:12:18
Also super klein. Dementsprechend haben wir natürlich hier auch einen anderenPreis wieder im Glas. Bei so einer Größe ist es natürlich öfters mal so.Wir sind jetzt in Victoria, also ganz im Süden.Und wir sind in Gypsland, was eher so eine Zone ist als eine Region.Ja, so südliche Küste, das ist so östlich von Melbourne. Das hat man vielleichtschon mal auf einer Karte gesehen.Diese Region selber ist ähnlich groß wie die Schweiz, so um die 40.000 Quadratkilometer.Also wieder ist es auch mal krass so von den Dimensionen. Wir haben jetzt hierfast ein ganzes Land als eine Weinregion.Aber prinzipiell wird hier auch gar nicht viel angebaut. Wir haben eigentlichnur 50 Erzeuger auf 250 Hektar Rebfläche.Also auch das, also Riesenregionen, aber eigentlich wird da gar nicht so viel Wein angebaut.Und wir sind hier wirklich im Pinot-Land. Also gerade die Region,Gypsland ist Teil der Pinot-Küste sozusagen, weil wir halt einfach milde Sommer haben und kühle Winter.Und dann würde ich sagen, lass uns das Glas doch mal… Ja, wir haben…
Heiko
1:13:25
Achso, ja, von der Farbe her schon…dunkel.
Marcel
1:13:30
Ja, also auf jeden Fall ein bisschen dunkel.
Heiko
1:13:33
Ja, aber er hat so einen trüben… Das ist ein bisschen trüb.
Marcel
1:13:37
Ja. Ich finde, auch das erste Malim Glas war, der wirkt fast ein bisschen gealtert, so von der Farbe her.Also nicht was Braunes drin, aber so leicht.
Heiko
1:13:47
Ja, ich weiß, was du meinst. Ich glaube, das meine ich mit diesem Trüben.Es ist so dunkel, es ist jetzt aber nicht so ein stechendes Rot oder so.Er hat so einen erdigen Touch. Gott.huch, riecht. Was ist das? Ist das ein bisschen tomatig?
Marcel
1:14:05
Ich bin mir jetzt gerade auch, ich weiß nicht, ob das Glas jetzt gerade,aber der hat eigentlich schon auch ein sehr, also der hat auf jeden Fall wastypisches Pinot, also heute ein bisschen schwierig.
Heiko
1:14:18
Ja, also ich finde irgendwie, ich weiß nicht warum, irgendwie hat das was Tomatiges.
Marcel
1:14:21
Ich lasse es auch mega beschlagen.
Heiko
1:14:24
Ja gut, dann probieren wir mal.
Marcel
1:14:26
Was Tomatiges. Also ich finde, der hat schon was Beeriges auch.
Heiko
1:14:29
Ja, nee, also vom Normalen, aber ich wollte jetzt das nennen,was für mich jetzt ein bisschen ungewöhnlicher in der Nase gerade war.
Marcel
1:14:35
Ich habe tatsächlich einen Geruch gehabt, der, also hast du vielleicht auchnoch gar nicht gegessen, weiß ich nicht, Maulbeeren?
Heiko
1:14:43
Wahrscheinlich auch nicht.
Marcel
1:14:44
Also ich habe so getrocknete Maulbeeren oder auch Maulbeeren hatte ich auf jedenFall schon mal so, die sind noch mal ein bisschen anders als dieses typischBeerige, die sind noch mal so ein bisschen tiefer, dunkler oder wie es Okay.
Heiko
1:14:55
Probieren wir aber mal. Genug gerochen.Ja.
Marcel
1:15:05
Wir haben auf jeden Fall so eine Säure. Säure, ja. So eine spitze Säure fast.
Heiko
1:15:14
Ich finde auch,ich finde, er schmeckt auch ein bisschen Tomat. Er schmeckt, wie er riecht.
Marcel
1:15:19
Tomatisch. Hatte ich gar nicht.
Heiko
1:15:23
Aber nicht so eine frische Spanisch-Tomate. Eher wie so eine…
Marcel
1:15:28
Eikon, wow.
Heiko
1:15:29
Nee. Eher wie so eine, also diese Cocktailtomaten.
Marcel
1:15:35
Ah, also meinst du ein bisschen, vielleicht ein bisschen auch,die schon ein bisschen reif ist, ne?
Heiko
1:15:39
Ja, genau. Also ich meine jetzt nicht wie eine Tomate, nicht nur eine Tomatensauceoder so, sondern eher diese, genau so eine reife…
Marcel
1:15:45
Aber ist schon ein bisschen weicher schon, ne? Ja, ja, ja. Okay, das check ich.
Heiko
1:15:49
Weißt du, was ich meine?
Marcel
1:15:49
Das check ich, ja. Mhm.Mhm.Ja, okay, witzig, ja. Der ist aber auch schon auch saftig, so,das ist jetzt nicht irgendwie so, ist auch kein, ist jetzt auch nicht kompliziertoder so, der ist auch schon wieder so, also Also den ersten Schluck.
Heiko
1:16:09
Glaube ich, durch diese Säure, die schon da ist, aber so nach zwei,drei Stunden hat man sich dann auch daran gewöhnt und dann ist der nicht mehr so kompliziert.
Marcel
1:16:21
Man braucht ein bisschen auch für den, finde ich. Es ist aber kein Kopfwein oder so.
Heiko
1:16:26
Nee, das nicht. Bin mir noch nicht ganz sicher, ob es voll meinen Geschmack trifft.Aber interessant ist auf jeden Fall, es schmeckt schon.
Marcel
1:16:35
Meine Mission ist ja ein bisschen, dass wir auf jeden Fall immer auch Pinotsaus Regionen trinken, um einfach so den Vergleich zu haben zum Burgund.
Heiko
1:16:41
Ja, und eigentlich bin ich ja, ich mag ja Pinot Noir, deswegen habe ich mich,als du gerade gesagt Pinot, da habe ich mich sehr, sehr drauf gefreut und derirgendwie, vielleicht war es dann auch die Erwartungshaltung,deswegen hat er mich jetzt noch nicht so komplett geflayert.Ich dachte, oh geil, Pinot Noir, der wird mich jetzt bestimmt umhauen.Ich glaube, vielleicht hatte ich da jetzt gerade ein blöder,also die Messler hat er zu hochgesetzt sozusagen, weil es ein Pinot Noir ist.
Marcel
1:17:00
Das ist wie gesagt halt schon ein bisschen mehr auf der Säure und ich glaube,dass die, wo sehr viel Säure ist, glaube ich, bist du auch nicht so der größte Fan.Ja, also das ist auf jeden Fall nicht dieses Berige oder auch was wir bei denPinots hatten aus dem Burgund. Die waren ja dann oftmals berig oder so weiter.Der ist jetzt schon eher so Kirscher.
Heiko
1:17:19
Wie Tomatik. Genau, ich glaube, ich mag beim Pinot eben vor allem dieses Berigeund wenn dann auch noch Holz, Wenn es ja noch ein Holz drin ist und Beere,dann ist halt meins. Das habe ich hier beides nicht.
Marcel
1:17:29
Man hat ja auch nicht so krasse Tannine oder so. Ja, genau. Es passt aber prinzipielleigentlich auch zu der Philosophie so ein bisschen.Und Downy sagt nämlich, Traum in den Tank, das war’s.
Heiko
1:17:41
Okay.
Marcel
1:17:42
Also er sieht sich eher so ein bisschen, dass er die Arbeit im Keller,Quatsch, nicht im Keller, sondern im Weinberg macht oder im Weingarten und nichtim Keller. Also im Keller ist quasi eigentlich, da macht er sehr wenig.
Heiko
1:17:54
Das Spannende ist ja wirklich echt auch anders als vieles, was wir bisher soirgendwie hatten, wo man schon sagt, da kommt nach der Ernte super viel nochirgendwie was da gemacht wird.
Marcel
1:18:01
Ja, ja.
Heiko
1:18:02
Oder nach der Lese.
Marcel
1:18:03
Er macht wirklich so Hauptinvest halt wirklich im Weinberg und ist dann auchmit Pferden dann nur unterwegs.Im Keller selber hat er gar nicht so viel Investment sozusagen.Er sagt auch, dass er da eigentlich gar keine Lust hat, sich so wahnsinnig mit auseinanderzusetzen.
Heiko
1:18:20
Also deswegen, ah, das passt auch, weil du meinst, er setzt sich als Bauer,nicht als Winzer, weil er auch sagt, ich mach das auf dem Weinberg,ich bin da ein Bauer und ich pflanze an und danach muss der Wein halt irgendwie,schmeckt er wie er schmeckt sozusagen.
Marcel
1:18:30
Weil das halt so ein bisschen dieses Terroir oder Sense of Place einfach trägt,dass es wirklich darum geht, was kommt aus diesem Boden, aus meiner Region raus sozusagen.Und ich mache gar nicht so viel wirklich im Keller.Es gab so eine Anekdote, die ja irgendwie erzählt hatte, dass er sich mal eineneue Presse gekauft hatte.Die alte war so aus den 80er Jahren.Die hat er eigentlich nur ausgewechselt, weil die einfach zu gefährlich warund die dann tatsächlich einfach auch zu einem Unfall hätte führen können.Und das war der einzige Grund, warum er sich die Presse zugelegt hat. Wenn wir jetzt mal so,jetzt muss ich wieder an Italien denken und den Agianico, da war es so,ich habe diese Presse, weil ich möchte möglichst wenig Oxidation und so weiterhaben, ist hier quasi eine ganz andere Philosophie im Glas.Ist auch irgendwie alles von Hand gelesen, er sortiert.Trauben sozusagen mit seiner Mutter und mit seinem Vater. Also sehr klein, familiär.Im Keller dann auch nur wilde Hefen, Spontangehrung.Er hat nicht mal Thermometer, also wirklich was einsetzt.Er setzt auch nichts dazu. Also das ist wirklich reiner Pinot.Auch kaum geschwäfelt. Das ist vielleicht so ein bisschen wieder,also es geht schon ein bisschen in die Richtung Naturwein.Und Holz passt auch. Ich finde es jetzt so nach zwölf Folgen, Heiko.Wir haben ja auf jeden Fall Holz auch, aber es ist halt Ich habe eine Lernkurve.
Heiko
1:19:51
Sozusagen. Das ist ja schon mal gut.
Marcel
1:19:55
Wir haben halt ein gebrauchtes französisches Barrique. In dem Moment irgendwie,also dadurch, dass es gebraucht ist, ist da nicht sehr viel Neuholzgeschmacksozusagen jetzt im Weinen drin.Das ist, wie du auch gesehen hast, ja unfiltriert. Auch nicht viel Schwefel,was es dann so ein bisschen, es ist nicht funky, es schmeckt nach Pinot,aber es ist ein eigener Stil.Das Weingut oder der William Downey ist ein interessanter Typ.Fand ich mega cool. Für mich wieder so ein bisschen ikonisch.Ich habe auch gar nicht gesagt, dass dieser Wein tatsächlich auch wieder,ja, der kostet 69 Euro. Der ist auf jeden Fall schon wieder auf einer Ebene,wo man sagt, das ist sehr…
Heiko
1:20:36
Also dann muss ich, jetzt haben wir kein Judgment of Paris heute gemacht,aber dann muss ich sagen…Also er schmeckt schon, aber ich weiß nicht, ob ich quasi, also wenn ich mirden für 69 Euro kaufe, ob das der Wert wäre, also du weißt, was ich meine sozusagen.Also so sehr schmeckt er mir nicht, das zeigt wieder, dass das jetzt nicht unbedingtder Preis ist, der das irgendwie ausmacht, sondern am Ende einfach der Geschmack auch das entscheidet.
Marcel
1:20:59
Da muss ich direkt auch eine Anekdote von ihm erzählen, was ich wieder coolfand. Er hat gesagt, er macht so einen Joke mit seinen Freunden.Er hat so ein neues Weinbewertungssystem erfunden.Und das heißt entweder eins oder null. Also entweder du riechst dran und dutrinkst und es schmeckt gut oder du stellst ihn weg.Finde ich eigentlich irgendwie ganz spannend, weil wir ja doch,also ich meine, das kann man auch immer mal überlegen. Du sagst immer,du trinkst, das wäre jetzt irgendwie kein zweites Glas oder so.Das, glaube ich, trifft es ganz gut.
Heiko
1:21:32
Ja, es trifft so ähnlich. Ichfinde, wegstellen ist vielleicht auch übertrieben. Es gibt schon Weine…Die würde ich jetzt nicht wegstellen, aber trotzdem muss ich mich jetzt nicht,reinlegen. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ja,ich checke das zumindest, was er damit mal aussagen will.
Marcel
1:21:44
Seine Geschichte ist spannend. Er ist jetzt nicht so der typische Vertreter.Wir hatten ja vorhin jemanden auch, der so im Geisenheim von Australien war.In dem Falle ist das nicht so und es gibt auch keinen starken Familienbezug.Er hatte einfach schon früh Interesse im Wein, aber ohne Familie Connection.Sein Vater war Ingenieur.Er machte jetzt nicht irgendwie Wein. Aber er hatte in seiner Region,also im Jypsland unten gesehen, dass eigentlich immer mehr Wein angebaut wurde.Also es ist jetzt nicht, wie wir gehört haben, jetzt vollgepflastert mit Wein.Aber links und rechts hat er dann mal gesehen, dass da auf jeden Fall auch irgendwieWeinreben entstanden. Da wurde was Neues angepflanzt.Und in dem Moment wurde da auch Interesse geweckt. Und er hatte seinen Vaterauch mal eine gute Flasche Wein zu Weihnachten gekauft.Finde ich irgendwie ganz interessant. Das ist so aus seinem Taschengeld.oder wie so seinem Vater was Gutes tun. Also war da irgendwie schon früh irgendwie so gehuckt.Er hatte dann nach der Schule in einem Alkoholshop gearbeitet und da war auchirgendwie klar, dass es dann Richtung Wein gehen sollte. Da meinte nämlich der,der ihn angestellt hatte, lass uns doch lieber mit Wein beschäftigen,weil mit Schnaps kann man jetzt auch nicht so viel Geld machen.
Heiko
1:22:54
Er hat wirklich einen sehr, sehr pragmatischen Bezug zu Wein.Es geht um Geld machen, es geht um…
Marcel
1:23:00
Nee, der Besitzer dieses Alkohol-Shops.
Heiko
1:23:03
Ach so, ach so.
Marcel
1:23:03
Er selber war schon eher so, dass er sich auch für sein letztes Geld einfacheinen guten Wein gekauft hat.
Heiko
1:23:09
Ah, okay, okay, okay.
Marcel
1:23:10
Und was ich gerade gesagt habe, eins oder null, ich glaube, er war schon so,dass er sagt, okay, er kauft sich das, aber die kann man auch mal in den Ausgusskippen, wenn es dann nicht schmeckt.Also selbst wenn es das letzte Geld ist, dass man die Zeit nicht mit schlechtem Wein findet.
Heiko
1:23:22
Und in Australien in den Ausguss zu kippen, heißt ja, dass es in die andere Richtung fließt.
Marcel
1:23:26
Genau, genau.Was aber jetzt so ein bisschen Biografie ausmacht und wo auch ein ganz schönesBild da ist, was er irgendwie so mitgeprägt hat, dass er eigentlich mal Bassistin einer Rockband war, die mal mit den Hoodoo Gurus gespielt haben.Ich kenne sie nicht, aber es scheint so eine australische Band zu sein,die man irgendwie kennt.Hoodoo Gurus, so wie so Rock, also eher so klassisch. Ich glaube nicht,was du irgendwie hörst, wo man angehört hat.Und er hat mal einen Job gemacht, dass er Winzer geworden ist,weil es nach sieben Jahren immer noch nicht geklappt hat mit der Musik und erimmer noch Shithouse-Bestplayer war.Also er konnte scheinbar, also er hat gern Musik gemacht, aber sein Talent diesbezüglichwar dann nicht so groß, dass das dann irgendwie geklappt hat.Er spielt heute wieder in der Band so, einfach aus Spaß an der Freude.Also dieses Musikthema ist irgendwie so da. Und es zeichnet sich auch in einemZitat aus, was er irgendwie gesagt hat, was ich irgendwie auf eine Art und Weisesehr schön finde und irgendwie, wie gesagt, seine Biografie sehr spannend finde.Wenn man darüber nachdenkt, was Wein eigentlich im wahrsten Sinne des Wortesausmacht, dann geht es darum, die Essenz eines Ortes zu einem bestimmten Zeitpunkt einzufangen.Damit man dieses Gefühl für den Ort und diesen Zeitpunkt in der Zukunft,wann man möchte, wieder erleben kann. Irgendwie ganz cool.
Heiko
1:24:38
Poetisch auch, das ist schön.
Marcel
1:24:42
Bei einer Schallplatte ist es genau dasselbe. Man versucht einen Auftritt,einen bestimmten Tag, einen bestimmten Ort so originalgetreu und wahrgetreufestzuhalten, dass jemand diesen Auftritt an diesem Ort zu einem anderen Zeichenpunktseiner Wahl in der Zukunft noch einmal erleben kann.Ein bisschen anders würde ich auch sagen, aber es geht eher um das,ich würde es übertragen in dieses Gefühl, wie wir bei Fleetwood Mac ja auch hatten.
Heiko
1:25:03
Aber bei Fleetwood Mac ist ja genau das Gegenteil. Die haben ja eben super vielzusammengegangen. Die haben erst irgendwie so eine Basis geschaffen,aber dann ganz viel zusammengeschnitten und es ist ja eben nicht nur ein Moment eingefallen.
Marcel
1:25:13
Ja, aber die Zeit schon.
Heiko
1:25:15
Also den gesamten Zeitraum. Das Album hat den gesamten Zeitraum.
Marcel
1:25:17
Das stimmt.
Heiko
1:25:18
Aber das Lied an sich ist nicht an einem Mal aufgenommen und das fängt das sozusagenan, sondern das wurde dann sehr, sehr fast schon wissenschaftlich zusammengestückelt.Aber ja, okay, wenn du es auf die gesamte Produktionsspanne ziehst, ja, aus dem Sicht, ja.Aber das mit, so wie er den Wein beschreibt, finde ich tatsächlich, das gefällt mir. Mhm.
Marcel
1:25:38
Er hat, wie gesagt, ein Interesse für Wein gehabt und hat sich auch beworbenfür so ein Wein-Fellowship,und musste in dem Rahmen so einen Aufsatz schreiben und da hat er dannein Weingut angeschrieben zu der Zeit, was sehr berühmt war oder ist nach wie vorBase Phillip heißt es und da ist sehr bekannter Winzer, nämlich Philip Jones,so ein bisschen das Romani Conti der südlichen Hemisphäre, sprich da bezahlstdu auch deine paar hundert bis tausend Euro für einen Wein.
Heiko
1:26:06
Bei Romanikon sind wir auf jeden Fall eher bei ein paar tausend bis neun.
Marcel
1:26:09
Ja, aber es ist auf jeden Fall für Pinot in Australien ist das sozusagen das Äquivalent.Und er hat ihn öfters mal angefragt, ist irgendwie so abgeblitzt,hat dann mal gesagt, okay, kann ich dir irgendwie helfen beim Rebenschneiden für einen Tag.Hat dann irgendwie geklappt und dann haben sie zusammen Mittag gegessen undhat dann einen Job da bekommen und hat dann zwei Jahre tatsächlich da geholfen, Wein zu machen.Dann gab es einen Streit und dann hat der Joe, also der Philipp Jones gesagtzu ihm, du hast kein Talent für Wein, du solltest ja einen anderen Job suchenund das hat ihn dann später jahrelang verfolgt.Also ich meine, da gibt es ja immer wieder so, dass man quasi eine Aussage bekommtfür jemanden und dann irgendwie ein paar Jahre später stellt sich raus,dass man eigentlich viel besser als derjenige ist oder zumindest auf jeden Falleine Passion für den Job hat und den auch irgendwie gut ausführen kann.
Heiko
1:27:00
Ja, ich meine vor allem, also es kann ja genau zwei Sachen auslösen.Entweder wirst du dadurch total verunsichert und hörst auf oder machst nichtsmehr oder du wirst dadurch eher angespornt und motiviert.
Marcel
1:27:11
William Downey oder auch Bill Downey, wie er genannt wird, ist dann auch tatsächlichein paar Jahre nach in Burgund gegangen. Das war 2001.Also wie gesagt, das Weingut ist auch noch gar nicht so wahnsinnig alt,sondern auch relativ jung.und ist dann immer zu einem anderen Weingut in Australien zurückgegangen.Es gab irgendwie so eine Partnerschaft.Das Weingut in Australien hieß De Bortoli und der ist dann halt zu bekannteren,Domains da in Burgund auch gegangen, zum Beispiel Romain-Lignier und hat dortimmer mal wieder Wein gemacht.Also er ist quasi im australischen Winter nach Burgund und ist im australischenSommer wieder zurückgekommen und hat dann immer abwechselnd Wein gemacht.Und es hat sich sozusagen so ergeben, dass er dann auch als Romain-Lignier dortplötzlich starb, wurde er zurückgeholt und gefragt, ob er die Weinproduktion dort übernimmt.Und er hat auch zusammen mit dem australischen Weingut dort einen Wein gemacht.Das heißt, es war auch ein junger Australier, damals Ende 20er Jahre,wo er dann auf jeden Fall einen Grand Cru Burgund gemacht hat. Tatsächlich.Dann ist er zurückgekommen und hat 2003 angefangen, sein eigenes Label zu machen.Hat parallel noch bei De Bottoli als Senior-Weinmaker gearbeitet und wurde dannirgendwann auch Young-Weinmaker of the Year.Und es war dann für ihn so eine Genugtuung. Auf jeden Fall.Seit 2006 hat er dann eine eigene Farm, die Gwendolyn-Farm. Und ist heute dannder Pinot-Purist, wie wir ihn jetzt im Glas haben.Ich glaube, das ist der quasi, es ist eine sehr eigene Art von dem Pinot.Er hat auch noch mal andere Arten, die ich irgendwie leider nicht bekommen.Ich wollte den einfach mal ausprobieren. Er macht tatsächlich auch nur Pinot,also hat sich wirklich beschränkt darauf.
Heiko
1:28:51
Wirklich Purist.
Marcel
1:28:53
Ja, weil es auch in der Region typisch ist. Er geht auch gar nicht davon aus,dass es irgendwie Pinot ihn interessiert, sondern einfach, er möchte einfachdie Region transportieren und macht tatsächlich auch andere Sachen.Also er macht irgendwie auch Obst, Käse, Joghurt, Schweine, Lämmer,also mit seiner Frau zusammen von dieser Farm. Und ja, also ist auf jeden Fall,ein Vertreter für Terroir.Auch wenn der dir jetzt nicht so zusagt, fand ich den Charakter Wilhelm Downeyauf jeden Fall sehr spannend.
Heiko
1:29:20
Absolut. Und ich finde auch den Charakter des Weins spannend,auch wenn er jetzt nicht komplett meinen Geschmack trifft. Aber als Wein undals Charakter finde ich den trotzdem sehr interessant. Auf jeden Fall.Und irgendwie passend zu der Geschichte zu ihm. Ich weiß auch nicht, das passt irgendwie.
Marcel
1:29:33
Ja.
Heiko
1:29:34
Für die britische Elite war Wein also nicht bloß ein Getränk,sondern ein Symbol für Zivilisation und imperiale Größe.So war der Weinbau von Anfang an Teil des Kolonialprojekts in New South Wales.Auf dem langen Weg nach Australien am Captain Arthur Phillip am Kap der gutenHoffnung eben die ersten Reben,an Bord, allerdings ohne jede botanische Planung, ich hatte das gesagt.Tja, und nach 252 Tagen auf See erreichte die Pforte schließlich die Küste,wo sich die blühenden Versprechungen über das Land aber eben rasch als Illusionerwiesen und Phillip erst nach Norden ausweichen musste, um eben in Sidney Coveeinen geeigneteren Hafen zu finden.Bis hierhin haben wir diese Geschichte fast ausschließlich aus der,oder was heißt fast, eigentlich ausschließlich aus der Perspektive der Briten erzählt.Überfüllte Gefängnisse, elende Schiffe, verzweifelte Verwaltungsbeamte und Häftlinge,die wegen gestohlener Butter oder zertretener Gurkenpflanzen ans andere Endeder Welt verschifft wurden.Und natürlich hat das alles so mit, du hast ja jetzt auch gerade wieder so einbisschen lächeln müssen, so mit genügend historischem Abstand hat das auch vielleichtwas leicht Absurdes, auch wenn das natürlich eigentlich irgendwie traurige undkrasse Geschichten sind.So oder so dürfen wir aber eines nicht vergessen, die Briten landeten natürlichnicht auf einem leeren Kontinent.Australien war kein unbeschriebenes Land, das nur darauf wartete,entdeckt zu werden. Als die First Fleet 1788 ankam, lebten dort bereits seitzehntausenden von Jahren Menschen.Und es gab auch nicht die Aborigines, so aus einer eurozentristischen Perspektiveneigen wir ja bei allem immer gerne zu Pauschalisierung,sondern es lebten dort schätzungsweise mindestens 300.000 Menschen,die sich auf so unzählige Clans aus etwa 250 Nations verteilten,alle mit eigenen Sprachen, jeweils eigenen Mythen und Ritualen,rund um Port Jackson, also Sydney Cove, lebten zum Beispiel die Eora,und an der Botany Bay wiederum der Gvergal-Clan von der Darabal Nation,und die sahen die Schiffe der First Fleet natürlich kommen und als eines derSchiffe, die HMS-Series an Point Solander vorbeisegelte, schwangen Männer amUfer ihre Speere und riefen zwei Worte, zwar Vara Vara.Die Europäer hielten das für eine Warnung, so geht weg, geht weg.Moderne Linguisten, beziehungsweise im Prinzip die heutige Darawal-Communitymit ihren Wissensträgern, die übersetzen das aus dem Darawal mittlerweile aberanders. Varawarawai bedeutet wohl eher sowas wie, ihr seid alles tote Geister.
Marcel
1:31:53
Ich muss kurz noch mal die Zahl reflektieren. 300.000 sozusagen Ureinwohner,wo wir in Japan waren, war es ja wahrscheinlich fast die gleiche Zeit,wo wir die Millionen in Edo, in Tokio hatten, oder?
Heiko
1:32:09
Ja, aber ich weiß noch nicht, ob das ganz vergleichbar ist, weil natürlich auch,also erstens natürlich die schon, jetzt klingt das so ein bisschen blöd,das ist natürlich irgendwie,zivilisatorisch in Anführungsstrichen, weil wir haben ja auch gesagt,dass gerade so Urbanisierung und so weiter dann auch und wissenschaftlicherFortschritt natürlich dann auch zu Bevölkerungsexplosionen führen kann und,um das nicht irgendwie falsch interpretierbar zu machen, das ist natürlich auchAustralien, wir hatten es eben ein absolut lebensfeindliches Land eigentlich,wo auch generell, auch heute ja noch im Vergleich zu der Größe nicht so viele Menschen leben.Ich meine, du hast, was hattest du gesagt, 27 Millionen Australier,das ist immer noch weniger, als heute in Tokio leben, alleine in Tokio.
Marcel
1:32:48
Ja, es war schon immer auf jeden Fall auch dünner besiedelt.
Heiko
1:32:52
Und es muss auch sagen, es sind mindestens 300.000, also die Schätzungen geheneinfach so ein bisschen untereinander, aber es dürften unter einer Million sein, aber trotzdem eben,und es waren Nomaden und die teilten sich eben in verschiedene Clans auf unddie waren auch noch mal in Nations und so weiter, Also so ergibt sich im eigenen Bild.
Marcel
1:33:08
Also Nations wirklich jetzt?
Heiko
1:33:10
Ja, also so spricht auch heute, man sagt ja auch zu den amerikanischen Urhebenheute First Nations und auch die,quasi jetzt in hindsight sagen von sich, so an Aborigine Nations sozusagen,Darabal Nation, das ist einfach so ein Begriff, der sie für die,die sich selbst sozusagen identifizieren.Auch wenn das der Begriff Nation natürlich auch eigentlich ein geborgter sozusagenBegriff ist aus der europäischen Geschichte, aus dem Latein in dem Fall.
Marcel
1:33:34
Also wahrer, wahrer, die toten Geister.
Heiko
1:33:36
Ihr seid alles tote Geister, genau. Die Aborigines verwirrten die europäischenBeobachter zutiefst und zwar genau eben dort, wo ihre eigenen Kategorien eigentlichversagten. Sie hatten kein Privateigentum, aber trotzdem eine sehr,sehr ausgeprägte Territorialität.Sie hatten keine Könige, sie kannten keine Priester, keine Sklaven.Die ältesten Genossen, zwar Respekt so als Träger von Wissen und Mythos,aber sie hatten eigentlich keine Autorität wirklich über Erwachsene,die ihre Initiationen vollzogen hatten.Und die große Frage sozusagen, die die Europäer und in dem Fall die Briten ebennicht beantworten konnte, was band diese Menschen so tief an das Land,wenn es eigentlich gar kein Eigentum war?Und denn die Briten verstanden Besitz eben ja als etwas sehr Vermessbares.Ja, Land konnte gekauft werden, eingezäunt werden, verkauft werden.Für viele Aborigine-Gesellschaften war die Beziehung zum Land aber eine völligandere, oder für alle Aborigine-Gesellschaften war eine völlig andere Landschaft,war eben nicht bloß Territorium, sondern wirklich Teil,einer spirituellen Ordnung, die so oft unter dem Sammelbegriff so Dreaming beschrieben wird.Das sind so Geschichten der Ahnen, Ursprünge von Tieren, Pflanzen,Flüsse, Berge, das ganze Zusammenleben, was geregelt wird.Das ist eigengeschrieben in die Landschaft selbst.Wenn man ihnen also das Land nimmt, dann nimmt man ihnen nicht einfach ein abstraktesEigentum, wie wir das so verstehen.Man nimmt ihnen einfach die verkörperte Geschichte, so einen Ort ihrer Mythenund damit eigentlich ihre komplette Identität.Das muss man sich einfach irgendwie wirklich bewusst machen.Also es ist sowieso schlimm, jemanden das Eigentum zu klären,aber das ist wirklich nochmal krasser dort sozusagen, durch dieses komplettandere Kultur sozusagen, ein anderes Verständnis von Land.
Marcel
1:35:14
Das habe ich tatsächlich auch schon öfters mal gehört, also es gibt sowohl dieLandmarks, die es so gibt, dass die sehr auch, also man sagt es bei uns heilig, aber es ist heilig.
Heiko
1:35:23
Aber es trifft fast nicht, es ist eigentlich noch mehr als das sozusagen.
Marcel
1:35:27
Aber auch so Gegenden, die später, weiß nicht, es gibt unglaublich so auch eineUran, wo so Uranverseuchte Regionen sind, weil das damals so abgebaut wordenist, wo es auch so ein, wie hast du es gerade gemacht?Ich sage gerade so Landmarks, aber so quasi an die Landschaft,also was einfach wichtig ist für die ganze Identität, wo dann einfach auch niemandmehr hingehen konnte, was aber heute also einfach nochmal ein ganz,ganz krasses Problem ist für die genau, für die,Genau, absolut.
Heiko
1:35:57
Und das verstanden die Briten einfach nicht. Ich meine, es ist halt ein komplettanderes Konzept oder sie wollten es zumindest natürlich auch nicht verstehen,das muss man natürlich auch sagen.Und Wein spielte tatsächlich schon in den frühen Kontakten mit den Aboriginesoder mit den Clans oder Nations, mit denen sie Kontakt hatten,eine eigene, eigentlich auch sehr, sehr aufschlussreiche Rolle, wenn man so will.Entweder als Geschenk tatsächlich, aber auch als Diplomatiemittel und durchausals Test sozusagen auf Zivilisierbarkeit in Anführungsstrichen.Philip Gidley King, das ist auch einer der britischen Offiziere,der berichtet zum Beispiel später, er habe zwei Aborigine-Männern Wein angeboten.Beide nahmen einen Schluck, spuckten ihn aber auch sofort wieder aus,was dann von dem Briten als Zeichen der Rückständigkeit gedeutet wurde.
Marcel
1:36:42
Weißt du zufällig, ob es irgendwie sowas, also alkoholische Getränke auch?
Heiko
1:36:46
Nee, eben nicht. Alkohol war für Aborigines komplett unbekannt,beziehungsweise mehr noch eigentlich als unbekannt. Es existierte außerhalbihrer gesamten kulturellen Erfahrungswelt.Der Psychologe Craig Sunrocke, der in der heutigen Aborigine-Gemeinschaftenarbeitet, hat das so formuliert.Europäer, die besitzen ein tief verankertes kulturelles Verständnis von Alkohol.Woher kommt er? Welche Regeln gelten vielleicht für ihn? Welche Geschichtenauch seine Grenzen sozusagen abstecken? Auch wenn natürlich die Grenzen vonMenschen auch weiterhin überschreiten sozusagen.Aber in den Aborigine-Gesellschaften gab es nichts Vergleichbares.Es gab keinen kulturellen Rahmen, keine Geschichten, keine Warnungen,eben gar kein Platz dafür in diesem Dreaming, was ich eben schon gemeint habe.Und deswegen gilt heute noch Alkohol als quasi das eigentlich die zerstörersteoder eine der zerstörersten Hinterlassenschaften der britischen Kolonialisierung Australiens.Und auch das kennen wir ja eigentlich von woanders. Bei den First Nations,genau, in den Native Americans in den USA und in den Kanada ist Alkoholismusund auch Rausch trinken heute wirklich überdurchschnittlich verbreitet im Vergleichzum Rest der Gesellschaft.Und das ist in Australien auch so quasi. Also das ist quasi im Vergleich zueiner weißen oder kolonisierten Gesellschaft sagen heute noch überdurchschnittlichmehr Alkoholiker in den Aborigine-Gemeinschaften. Das ist quasi das Erbe davon noch.
Marcel
1:38:02
Also dann würde ich mal eine Frage aufmachen für die nächsten Episoden oderim Verlauf von Themen, die wir noch streifen.Also dass es jetzt nicht überall in der Welt sozusagen eine Rolle spielt.Okay, haben wir jetzt irgendwie kennengelernt. Ich weiß gar nicht,ob wir das vorher jetzt schon mal so hatten, weil bisher war der Kontext immer,dass es irgendwie immer eine Rolle gespielt hat.
Heiko
1:38:22
Irgendwo war immer Alkohol, ja.
Marcel
1:38:23
Also auch jetzt in Japan, was ja dann nicht, also nicht das Westliche und nichtdas Europa und so weiter und auch China und so weiter, da war ja quasi auch Alkohol bekannt.Wäre jetzt für mich mal so die Frage, ob das, also wo das überall sozusagendie Wurzeln hatte oder ob das auch andere Substanzen gab, die wiederum eineRolle eingenommen haben von dem Effekt von Alkohol.
Heiko
1:38:45
Von Rausch. Ja, ja, ja. Anfangs hoffte Captain Philip durchaus noch,man könnte irgendwie friedliche Beziehungen zu diesen lokalen Gruppen aufbauen. Ja. ja.Das klingt natürlich irgendwie erstmal nett, aber was das für die Kolonialistenin der Regel bedeutet, können wir uns auch denken.Zumal er gleichzeitig auch die Anweisung gab, die Zahl der Aborigines zu erfassen,um direkt zu berechnen, wie sie zum Vorteil der Kolonie genutzt werden können.Und als die Aborigines, oh Wunder, sich auch nicht so sehr auf den Kontakt einlassenwollten und sich dann nicht so sehr quasi unterordnen wollten,wie er sich das offenbar vorstellte, griff er dann auch relativ schnell zu drastischen Mitteln.Aborigine Männer wurden dann nämlich einfach entführt, um so Sprache und Verhalten zu studieren.Der erste von ihnen war Arabano. Ich weiß jetzt ehrlicherweise nicht.
Marcel
1:39:39
Ob ich das korrekt ausspreche.
Heiko
1:39:41
Entführt? Wohin? Auf einer der Schiffe sozusagen oder in die Kolonie sozusagen. der gegründet wurde.Philipp behandelte ihn aus seiner Sicht sogar aus seiner Sicht ausgesprochenhöflich. Er durfte mit am Tisch sitzen.Allerdings weigerte sich Araber nur konsequent Alkohol anzurühren.Watkin Tench, den hat mir vorhin schon mal, der schrieb, er habe Wein und Spirituosennur beschnuppert und sich dann mit sichtbarem Widerwillen abgewandt.Ja und wenige Monate später und auch das ist natürlich ein System,was wir jetzt häufiger schon, wenn wir über Kolonialismus gesprochen haben,er starb ja an den Pocken, weil natürlich die Briten auch ihre Krankheiten mitgebracht haben.Später wurde Benelon gefangen genommen und Benelon, der verstand recht schnell,wie die Briten funktionierten. Er lernte Englisch, bewegte sich recht geschickt,so zwischen beiden Welten und entwickelte offenbar auch so eine Vorliebe für Wein.Jedenfalls merkte er zumindest, wenn man ihm verdünnten Rum anbot und schob die Spirituosen weg.wenn er stattdessen Wein bekam aber quasi nahm er das an und trank,was dann natürlich direkt also was heißt natürlich, aber so nach dem was ichbisher erzählt habe, was dannvon den Briten direkt als Zeichen des Fortschritts gedeutet wurde und so,als Zivilisierbarkeit so da haben wir das Wort wieder so, ah guck mal der trinktWein, offensichtlich kann man die zivilisieren wenn er,ihn dazu bringt Wein zu trinken das ist wirklich krass,Und wenn er Wein trank, stieß er auch an, wie man ihm beigebracht hatte,nämlich auf den König, weil man stieß es natürlich auf den König an und dieHistoriker Julie McIntyre, die weist auch auf irgendwie so die bittere Ironiebeziehungsweise so die koloniale Tragik hin, weil.Benelong wusste natürlich nicht, dass die Briten beim Trinken auf den Königim Prinzip ja auf das Empire anstoßen, also jene Macht, die im Prinzip geradebegann sein Land zu besetzen und sie auszubeuten.
Marcel
1:41:17
Weißt du zufällig, was der Trinksprot oder was das, was halt nicht schier istoder so, weißt du das zufällig nicht mehr?
Heiko
1:41:23
To the King wahrscheinlich. Oder To the King. Oder God Save the King wahrscheinlich. Stimmt.Nach einigen Monaten gelang Benelon die Flucht und in der Folge blieb das Verhältniszwischen ihm und den Kolonisten wechselhaft und auch angespannt.Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen tatsächlich, also auch mal so Angriffemit Speeren auf den Käpt’n und so weiter.Dann wiederum auch zu Phasen der Annäherung, also es ist alles so ein bisschenambivalent und trotz dieser Konflikte entwickelt sich Benelon durchaus,Dann natürlich auch aufgrund seiner englischen Sprachkenntnisse zu so einemwichtigen Vermittler zwischen den Eora und den britischen Siedlern.Bereits 1790 auch lässt Arthur Philip für ihn so eine kleine Hütte auf dem späterund heute noch sogenannten Benelong Point errichten, das ist der Ort,an dem heute das Sydney Opera House tatsächlich steht, der auch jetzt noch BenelongPoint heißt, da hat er eben eine Hütte noch errichtet.Und 1792 reist Benelon auch gemeinsam mit Philipp nach Großbritannien,wo er etwa drei Jahre in London lebt und nach seiner Rückkehr in die Koloniesich so ein bisschen zwischen beiden Welten weiterhin bewegt.bleibt so eine bedeutende Figur innerhalb der Eora, anfangs zumindest.Gleichzeitig war sein Verhältnis zu den britischen Siedlern einfach sehr,sehr ambivalent und weiterhin so von Spannungen geprägt. Ich habe mal als nächstesBild noch ein Porträt von Benelong mitgebracht. Das musst du jetzt auch nicht beschreiben.Das könnt ihr euch einfach währenddessen anschauen. Das ist das nächste Bild in unserer Galerie.Und der Kontext, in dem dieses Bild veröffentlicht wurde, das sagt eigentlichschon alles aus. Es handelt sich nämlich um einen Kupferstich von Samuel Neal,Erschienen 1802 in George Alexander Cooks Werk Modern and Authentic System of Universal Geography.Das ist ein geografisches Kompendium und da ist Benelon eben eingeordnet zwischenBerichten über Ozeane, Küsten und so fremde Völker.Er wurde also wirklich buchstäblich eigentlich als geografisches Exponat,katalogisiert eigentlich und es zeigt ihn bezeichnenderweise auch in der Kleidungeines britischen Gentleman und allein dadurch, ich weiß nicht,wird einem auch direkt irgendwie ganz,anders irgendwie, weil das Portrait eben genau diese Inszenierung des,ja in Anführungsstrichen, zivilisierbaren Wilden so als Beweis der britischenÜberlegenheit zeigen soll und dokumentiert undals wäre das noch nicht schlimm genug, steht dann darunter auch Portrait ofBenelong, a native of New Holland, who after experiencing for two years theluxuries of England returned to his own country and resumed all his savage habits,also auf Deutsch Portrait von Benelong, einem Ureinwohner von New Holland,der nachdem er zwei Jahre lang den Luxus Englands genossen hatte,in sein Heimatland zurückkehrte und all seine wilden Gewohnheiten,wieder aufnahm. Tja.Binalong stirbt 1813 und man muss dazu sagen vom Alkohol gezeichnet tatsächlich,also da haben wir es leider auch wieder und auch recht vereinsamt.Ja und während diese Begegnungen und Konflikte und Gewaltakte diese frühen Jahreder Kolonie prägten und die britische Kolonialisierung des Landes mit Zwangund Gewalt wirklich konkrete Formen angenommen hat ganz offensichtlich,aber begann sie zugleich damit die ersten Reben in Australien zu pflanzen.bevor wir uns, also anders kriege ich jetzt keinen besonders guten Übergangehrlicherweise hin, wir haben es wieder, manchmal ist es einfach irgendwie schwierig,wenn man auch die wichtigen ernsten Themen irgendwie da thematisiert.
Marcel
1:44:40
Gehört ja dazu, also ich meine, auf der einen Seite,Also feiern wir ja quasi die Weine, die von dort aus kommen.Aber das ist ja nun mal die harte Geschichte.
Heiko
1:44:51
Genau, und ich finde einfach, es ist wahrscheinlich nicht zielführend,jetzt den Wein nicht zu trinken sozusagen.Aber ich finde, es gehört dann trotzdem dazu, die Vergangenheit und die Schattenseitendieser Vergangenheit entsprechend nicht unerwähnt zu lassen.Aber ich würde sagen, bevor wir uns jetzt den langen und wirklich schwierigenWeg Australiens zu gutem Wein anhören, ertrinken wir nochmal quasi das Ergebnisdieses langen und schwierigen Weges, den vierten und letzten Wein,glaube ich, den du heute mitgebracht hast.
Marcel
1:45:17
Genau. Wir trinken jetzt nämlich den Nitschke, Jack Organic Barossa.Und weil du gerade schon lachen musstest, weil es klingt wie Nietzsche.Wir haben jetzt den australischsten Rotwein vom Namen, haben wir ja am Anfangschon festgestellt, den man haben kann, nämlich ein Chirass gleich im Glas.Und der kommt aber ausgerechnet aus der deutschesten Ecke von Australien.Und ohne, ja, vielleicht ohne preußische Auswanderer, die da tatsächlich auch gelandet sind?
Heiko
1:45:46
Das wird gleich eine große Rolle spielen, die deutschen Auswanderer nach Australien.
Marcel
1:45:51
Gäbe es vielleicht diesen Barossa Shiraz in der Art und Weise nicht.Man muss sagen, dass dieser…
Heiko
1:45:56
Also Spoiler-Alarm sozusagen, ohne diese deutschen Auswanderer gäbe es wahrscheinlichkeinen dieser Wanderer heute. Aber dazu kommen wir gleich.
Marcel
1:46:01
Okay, okay. Man muss sagen, ich glaube, wenn man Shiraz bestellt und meint,ist es wahrscheinlich auch wirklich der typische Ja, gerne, gerne,gehst du was ein, Heiko? Kannst du aufschrauben, ja.Und zwar ist der so ein bisschen wiederum auch archetypisch,wie wir gerade den Simeon-Glas gehabt haben, ist der Barossa Schiras auf jedenFall steht für seine Art und Weise. Also nicht unbedingt den,den wir jetzt haben, das ist einfach einer…Das Barossa Valley, wie gesagt, ist eine auf jeden Fall bekannte Weinregion,die man kennt in Australien, wurde ab den 1840er Jahren von deutschen Lutheranern besiedelt.
Heiko
1:46:39
Die Literaten.
Marcel
1:46:41
Lutheraner. Vor allen Dingen aus Schlesien und Preußen, die,vielleicht erzählst du das gleichauch nochmal, aber vor allen Dingen vor religiöser Verfolgung flohen.
Heiko
1:46:50
Achso, ne, da komme ich nicht mehr.
Marcel
1:46:51
Und dann in die junge Kolonie South Australia quasi angelandet sind.Also eine andere Ecke auf jeden Fall, als wir jetzt die ganze Zeit unterwegswaren. Also jetzt du, geschichtlich auf jeden Fall.Bis heute sieht man da auf jeden Fall deutsche Ortsnamen. Sowas wie Kroendorf,Lobetal oder Seppelsfield.Klingt sehr deutsch und wenn man da mal so reinzoomt in der Nähe von Adelaide,sieht man auf jeden Fall diese deutschen Namen dort.Wir haben dort auch so lutheranische Kirchen auf jeden Fall.Und wir haben auch so einen typischen German Cake, fand ich irgendwie interessant.Und zwar den Streuselkuchen, wie man bei uns so kennt. Heißt da nur dann Streuselkuchenoder so. Ich weiß nicht, wie man genau ausspricht.Genau. Den Wein, den wir trinken, ist sogar eine Ramontische Story.Also du hast von Schiffen erzählt, nur dass wir jetzt, glaube ich,ein paar Jahrzehnte weiter nach Zukunft springen, nämlich 1838.Es sind zwei Schiffe von zwei deutschen Familien dort gelandet,die nicht direkt Wein gemacht haben, aber 130 Jahre später geheiratet haben.Und das, was sie verbindet, haben wir…
Heiko
1:48:07
Ach so, also die Nachfahren wahrscheinlich, oder?
Marcel
1:48:09
Die Nachfahren. Sie waren einfach Langewittig.Einfach Langelebende. Ja, genau.Aber es gibt irgendwie… Ich finde interessant, dass man halt in den Weingüternauf jeden Fall die Story so mitbekommt, die du ja auch irgendwie heute erzählst,dass das irgendwie dann, man kommt einfach mit Schiff an und irgendwie verbindetsich das später dann, ja.
Heiko
1:48:32
Also anders kannst, also heute aber anders kam man halt auch anders nicht,du hast halt eine Insel aus Rhein sozusagen.
Marcel
1:48:38
Ja, das, ja klar, eigentlich ist es sehr logisch.
Heiko
1:48:41
Also jetzt kannst du hinfliegen, aber vor der Flugära konntest du nicht andersals mit Schiff ankommen, aber ja.
Marcel
1:48:47
Ja, aber ich glaube drei, also auf jeden Fall drei der vier Weine sind tatsächlichaus der Zeit begründet, das meine ich halt.Also das ist einfach auch eine Historie darin gibt, auch wenn man sich irgendwelchepickt, dass man dann nicht nur die jungen Weingüter hat. Ich glaube,Kalifornien war ja dann doch alles sehr, sehr, sehr jung.Also Tradition spielt eine Rolle. Lass uns doch einfach mal…
Heiko
1:49:07
Ja, also 100% Shiraz, ne?
Marcel
1:49:10
Ja.
Heiko
1:49:11
Der riecht direkt gut und auch direkt irgendwie ein bisschen klassischer.
Marcel
1:49:15
Ja, ich finde, der riecht auch wieder sehr fruchtig und erinnert ein bisschenan den ersten, glaube ich, vom Geruch, glaube ich, so das erste.
Heiko
1:49:22
Ja, ich meine, es war ja auch ein Shiraz.
Marcel
1:49:23
Das ist eigentlich schon Sinn.
Heiko
1:49:26
Aber ja, fruchtig, so ein bisschen kirschig.
Marcel
1:49:30
Dunkel auf jeden Fall.
Heiko
1:49:32
Ja, genau, aber wenn dann die dunkle Kirche.
Marcel
1:49:33
Also ich habe irgendwie so, also ich weiß nicht, ob das so schwarze Johannisbeere,auch das gab es im Garten damals. Bei mir auf jeden Fall.Auch jedenfalls ein bisschen dichter. Also gegenüber Pinot auf jeden Fall.Das ist sehr viel schwerer.Ich finde auch so ein bisschen Leder, animalischer, so wieder.Man hat was Holziges.ist für mich so Sedan-Holz.
Heiko
1:49:56
Ja, also mir riecht der gut, wollte ich sagen. Der riecht für mich.
Marcel
1:50:01
Ich habe natürlich das Highlight aufgehoben.
Heiko
1:50:04
Probieren wir mal.Ja, das ist geil. Das schmeckt einfach wirklich gut.
Marcel
1:50:13
Ja, siehst du halt mal wieder das Judgment auf Heiko.
Heiko
1:50:16
Ja, aber es ist auch wieder das System, es schmeckt schon auch wieder klassischerals jetzt heute davon. Also so ein bisschen, das trifft halt einfach auch mein Geschehen.
Marcel
1:50:24
Also schmecken ist dunkelbeerig, finde ich.
Heiko
1:50:30
Ja.
Marcel
1:50:31
Der ist sehr konzentriert.
Heiko
1:50:34
Er hat auch eine Säure. Aber viel mehr im Hintergrund.
Marcel
1:50:37
Das ist eher nett. Man hat auf jeden Fall Tannine, die so greifen.Man hat wieder so ein bisschen das Saftige.Was fand ich, beim ersten hat man auch was Saftiges, was aber Richtung Süß ging,aber das ist eher so das ist dein Style, ne?
Heiko
1:50:51
Ja, das ist mein Style.
Marcel
1:50:54
Wie der Good News ist, das ist quasi der der günstigere.
Heiko
1:50:59
Finde ich gut.
Marcel
1:51:00
Genau, der kostet 14,95. Ich glaube, das wäre für mich so ein guter Evergreen.den man einfach der passt.
Heiko
1:51:10
Evergreen trifft auch so irgendwie ganz gut und ich finde es dann ja auch bei14 Euro der ist jetzt nicht der ist jetzt, ich habe jetzt geil gesagt,aber er ist jetzt natürlich nicht irgendwie, der bleibt jetzt nicht ich werdejetzt wahrscheinlich in drei Wochen nicht sagen, boah den noch aber für jetzt,schmeckt einfach wirklich gut Ja.
Marcel
1:51:27
So ein bisschen die Kategorie kann man einfach mal zwischendurch kaufen undman weiß mal was man hat Genau.
Heiko
1:51:30
So Bock auf den Rotwein, ohne dass der jetzt irgendwie verkauft, dann machst du den auf Ja.
Marcel
1:51:35
Apropos Kopf, ich glaube, der geht schon in den Kopf. Der hat auf jeden Fall 14,5 Prozent.
Heiko
1:51:40
Oh gut, das trinke ich mal nicht ganz so schnell.
Marcel
1:51:46
Ist aber trocken auch. Das hatten wir jetzt ja auch nicht immer im Glas heute.Also zumindest der andere Chirass war auf jeden Fall ja mit der Dosage und dem Zucker etwas höher.Erzähl ich vielleicht nochmal was oder weiß nicht, vielleicht nochmal kurz holzmäßig.Schmeckt man, glaube ich, vielleicht auch.
Heiko
1:52:02
Aber jetzt nicht dieses so vanillig, also jetzt nicht diese,welche Eiche war das nochmal, die so vanillig hat?
Marcel
1:52:07
Ja, amerikanisch.
Heiko
1:52:08
Amerikanisch, die schmecke ich jetzt nicht so also ich finde es schmeckt jetztnicht so krass vanillig.
Marcel
1:52:13
Nee, also auch gut, wir haben tatsächlich hier so eine Mischung französisch,amerikanisch neuen gebraucht, also wir haben ein bisschen Holz wir haben aber nicht,die typische Vanille, aber ein bisschen vielleicht auch, also man merkt aufjeden Fall auch einen Einschlag ich hatte auch andere noch probiert und ichglaube das ist auch sehr typisch Australien, würde ich jetzt mal behaupten,so auch wieder super, schwer, dicht, sehr holzig.Ja, aber da ist für mich die, also ich, für mich ist da irgendwie so die Grenze,wenn es halt dieser Marmeladen Holzwein geht, auch da ist für mich beim Glasschluss,bei dem kann ich auf jeden Fall ein Glas mehr trinken.
Heiko
1:52:52
Ja, auf jeden Fall.
Marcel
1:52:54
Vielleicht nochmal zum Weingut, der,Also heißt der Nitschke sozusagen die Weinfamilie selber, ist die Familie Kaleske,beziehungsweise sind eigentlich zwei Familien, wie ich gesagt habe,die ja dann irgendwann geheiratet haben.Heute heißen sie Kaleske, die damals in zwei verschiedenen Schiffen einmal amBord der Zebra, da ist der Samuel Johann Nitschke und am Bord der Prinz George,der Johann Georg Kaleske,ja in Australien angelandet sind.Und die sind aus Preußen ausgewandert. Es waren beides Familien,die dann auch Wein angebaut haben.Vermutlich deckt sich das eventuell mit deiner Geschichte gleich.So habe ich dich gerade so ein bisschen verstanden.Die machten das Barossa einfach zu ihrer neuen Heimat. Und ja,zwei Familien, die irgendwie schon immer dort Weintrauben angebaut haben.Aber die quasi Vereinigung hat dann 1968 stattgefunden, wo der John KaleskeLorraine Nitschke geheiratet hat.Und es gibt irgendwie eine nette Anekdote von der Lorraine. Die war nämlichdie schnellste Weinflückerin Australiens gewesen und hat viermal den nationalenTraumpflückwettbewerb gewonnen,und hält bis heute den Titel, weil einfach dieser Wettbewerb in den 80er Jahrenda war und den gab es dann irgendwann nicht mehr.
Heiko
1:54:12
Achso, sie hält einfach den Titel, weil keiner… Achso, ja, komm mal.
Marcel
1:54:16
Vorher waren sie dann 149 Jahre nur Traumbauern gewesen und das wieder ein bisschendie Klammer zum ersten Wein.Da war es ja auch so, dass die jahrelang eigentlich nur Trauben angebaut haben,aber eigentlich Wein nur wirklich zu Kellereien geliefert haben,also nicht selber gemacht haben.Kann man sich ja vorstellen, bei diesen, sag ich mal, wo wir den Kontext vorhinhatten, mit den Top 20 Produzenten, die 70% ausmachen, brauchst du natürlichsehr viel Weingüter, also da einfach, wo Wein angebaut wird,die einfach nur liefern und jetzt selber kein Wein machen.Und angefangen mit eigenen Wein haben sie nämlich erst 2002,was wiederum sehr jung ist.
Heiko
1:54:51
Du meintest ja gerade noch so eigentlich alles historisch. Ja,aber es hat eine Klammer.
Marcel
1:54:55
Die es so fein angebracht hat. Also es wurde schon Wein aus ihren Traumen gemacht,nur haben sie es halt nicht selber gemacht.In der siebten Generation haben sie angefangen, Troy und Toni Kaliske,haben angefangen Wein zu machen.Und auch der Troy hat ähnlich wie beim ersten Wein Önologie in Adelaide studiert.Also da sind wir wieder im Geiselheben.
Heiko
1:55:16
Und hatten wir nicht auch bei einem der Weine, und da bringe ich jetzt was durcheinander,schon mal jemand, der ursprünglich erstmal schon die Trauben quasi hatte unddann später gesagt hat, genau, der hat auch die gleiche Geschichte,so Trauben gemacht und dann irgendwie gesagt, ne, dann kann ich ja vielleicht auch den Wein machen.
Marcel
1:55:29
Also Doi Doi, genau. Und Chris Thomas war dann später der, der auch Önologie studiert hat.Sie waren unter anderem gewesen, oder eher jetzt bei Penfolds,was auch so ein sehr berühmter australischer Rotwein ist.Vielleicht, wenn man den mal hört oder so, 600 bis 800 Euro kostet der Weinoder die ersten Jahrgänge.
Heiko
1:55:49
Ich hab das Gefühl, ich hab schon mal von gehört, aber nee, bei denen reist Klasse nicht.
Marcel
1:55:53
Also die ersten Jahrgänge, da bezahlst du dann auch irgendwie 60.000 Euro.Also das ist jetzt schon wieder eine andere Nummer.
Heiko
1:56:00
Portokasse.
Marcel
1:56:01
Er wurde später auch Weinmaker of the Year. Also ist auf jeden Fall jemand…den man im Glas für bezahlbar hat. Auf jeden Fall, der auch natürlich was kann.Heute hat dieser Betrieb circa 50 Hektar.Und da sind wir wieder eher, für Australien ist das eigentlich gar nicht so groß.Das ist eigentlich relativ klein. Ja, und der Name Jack, also steckt der NameJack Organic Barossa, ist einfach der Great Uncle Jack, nachdem es benannt worden ist.
Heiko
1:56:30
Ist das ein Naturwein, weil du Organic oder ist es einfach Organic?
Marcel
1:56:33
Das ist einfach Bioziele.
Heiko
1:56:34
Okay, okay.
Marcel
1:56:36
Auch für Australien sehr früh biozertifiziert. Wir hatten ja gerade den anderenWein gehabt, der ist glaube ich gerade im Prozess dabei, das umzustellen.Die waren jetzt schon fast 20 Jahre dabei.
Heiko
1:56:48
Also fast seit Anfang an, wenn die das erst seit 2002,machen?
Marcel
1:56:56
Ja, also die Trauben wurden sogar vorher schon umgestellt.Kommen wir nochmal kurz zum Chiras, was ja die wichtigste Rebsorte von Australienist. Das ist ungefähr ein Viertel der Reben, sind sozusagen Chiras-Reben.Das ist eine Rebsorte, wie du schon richtig gesagt hast, Syrah,die eigentlich von der Rhone kommt.Also in Frankreich auf jeden Fall heimisch ist und dort wird sie auch am meistenangebaut. Also wir haben den Syrah am meisten in Frankreich und dann kommt aberauch schon Australien als nächstes.
Heiko
1:57:26
Ansonsten Chiras, also Kalifornien gibt es das auch?
Marcel
1:57:29
Alles so eine neue Welt. Also Kalifornien, aber auch Südafrika gibt es Chiras.Meistens wird es dann Chiras bezeichnet, wenn der Stil auch so ein bisschenähnlich ist. Also Syrah, oder wir haben es ja dann eher auch in Cuvées an der Rhon.
Heiko
1:57:48
Ja, so mit Merlot und so dann da wahrscheinlich.
Marcel
1:57:51
Da ist es auf jeden Fall nochmal ein anderer Stil. Also an der Rhon haben wires eher so ein bisschen kühler ausgebaut.Das heißt, es ist eher so ein bisschen eleganter. Es ist vielleicht auch so,so ein bisschen pfeffrig, während es in Australien oder auch in Südafrika oderKalifornien eher konzentrierter ist und eher so fruchtbetont,wie wir es jetzt hier auch im Glas haben.
Heiko
1:58:11
Ja, aber ich finde, also er ist fruchtbetont, aber ich finde jetzt nicht süßfruchtig sozusagen.
Marcel
1:58:16
Ja, aber wir haben, den haben wir glaube ich nicht mehr zusammen probiert.Ich hatte in der Kalifornien-Folge auch einen Syrer von der Nebelküste durchgeführt,Den habe ich dir, glaube ich, nicht erzählt. Der war eher wirklich kühl,also in der kühlen Region.Der war einfach überhaupt gar nicht fruchtig. Der war eher so super krass schokoladig,sehr, sehr trocken. Da war fast gar keine Frucht da.
Heiko
1:58:41
Aber mir fällt auch gerade ein, dass du, wenn du fruchtig sagst,ich glaube, das muss ich noch lernen, dass du dann auch wirklich,also wenn was ich eher beerig sage, ist für dich auch fruchtig,weil das natürlich die Beer, ja, ja, ja, ja. Jetzt bei mir war fruchtig wiederwas anderes. Ich assoziiere mit fruchtig was anderes.
Marcel
1:58:53
Naja, okay, kann sein.
Heiko
1:58:55
Das hatte ich schon mal, dass ich deswegen verwirrt war, weil du immer fruchtiggesagt hast. Fruchtig ist für mich, assoziiere ich mit was Süßerem irgendwie.
Marcel
1:59:00
Ja, witzig. Okay, diese Assoziation mit diesen Fruchtigen war auch in Japan.Wenn du da sagst fruchtig oder irgendwie sowas, dann ist es sofort süß.
Heiko
1:59:08
Ja, das ist bei mir auch. Deswegen war ich gerade, deswegen meine ich so,das finde ich jetzt nicht, aber du meinst eher so mit fruchtig in dem Fall beerig sozusagen.
Marcel
1:59:14
Ja, wenn eine Frucht im Vordergrund steht. Wenn eine Kirsche,eine Beere oder sonst was. Ja, ja, ja.
Heiko
1:59:18
Ich hatte das Missverständnis glaube ich vor ein paar Folgen schon mal,aber jetzt erinnere ich mich.
Marcel
1:59:23
Ja, so vom Geschmack haben wir jetzt hier auch eher so ein, also wenn man jetztnicht die Frucht im Vordergrund hat, nämlich eher so die dunkleren Früchte,schwarze Früchte vielleicht, eher so ein Leder, so eine Lakritze oder auch einedunkle Schokolade und so.Also ich bin immer schwer dann irgendwie in einem Wein auch eine Schokoladezu sehen, aber ich finde gerade ein bisschen schade, dass wir den eigentlichgetrunken haben, dann würdest du glaube ich sofort checken, was ich meine mit Schokolade.Aber wir hatten schon mal, doch, wir hatten schon mal einen afrikanischen Ja.
Heiko
1:59:49
Ich glaube, ich kann mir auch wirklich vorstellen, was du meinst.Also einmal war ja so schmeckt und auch so ein Wein, wo eine dunkle Schokolade einfach passt zu essen.
Marcel
1:59:56
Wir hatten schon mal tatsächlich einen getrunken, der hieß glaube ich ähnlichsogar, das war wie ein südafrikanischer Wein.
Heiko
2:00:02
Achso, jetzt nicht im Podcast.
Marcel
2:00:03
Sondern privat. Der war super krass schokoladig gewesen.
Heiko
2:00:07
Ich erinnere mich glaube ich auch.
Marcel
2:00:09
Und wir haben natürlich ein bisschen Tannine auf jeden Fall in dem Wein auch,was ja glaube ich auch etwas ist, was du magst.Die Säure ist eher moderat, also nicht wie beim Agianico, wo es ja da schonein bisschen kräftiger war.Und der australische Shiraz kann auf jeden Fall gut altern, kannst du auf jedenFall 10, 20 Jahre gut mal liegen lassen.Und man baut ihn halt auch gerne in amerikanischer Eiche aus.Genau, ich hatte ja noch erwähnt, dass wir über James Busby nochmal sprechen,den du jetzt auch nochmal erwähnt hast.
Heiko
2:00:38
Gleich, ja, im letzten Teil sozusagen.
Marcel
2:00:40
Der kam, also es war ein Schotter, der kam irgendwie nach Australien.Was jetzt nur, ich weiß nicht, ob du das erwähnst, aber wir sagen ja jetzt zudem Wein Shiraz und nicht Syrah.Tatsächlich dachte man damit zu dem Zeitpunkt, dass der Ursprung der Sorte einfachin der persischen Stadt Chiras ist.Und deswegen heißt der einfach Chiras, weil es zu dem Zeitpunkt so war.Und dann kam es rüber, es hieß die ganze Zeit lang so.Später stellte sich das anders raus, nämlich die Elternsorten sind eigentlichaus Frankreich, nämlich aus der Savoyen, was dann eher so in die Alpenregion ist.Also man weiß, du sagst ja auch mal geschichtlich, kann es noch irgendwo andersherkommen und so weiter, aber wenn man es ampelografisch betrachtet,also weinhistorisch betrachtet oder genetisch betrachtet, sind es auf jeden Fall,die beiden Sorten Montuse Blancheund Turesa, also aus französischen Alpenausläufern, wo der Wein herkommt.Also in der Nähe von der Rune tatsächlich auch.Und nicht aus Persien. Auch wenn es da immer nahe Verwandte gibt,gibt es immer so viele Herkunftstheorien für so Wein, aber genetisch ist es zumindest bestätigt.
Heiko
2:01:51
Ich habe zum ersten Mal das Wort ampelografisch gehört, aber tatsächlich parallel kurz geguckt.Also das ist einfach, für alle, die es genauso wenig wissen wie ich,kommt von griechisch Ampel aus Weinstock und Graphain beschreiben ist wirklichdie Lehre der Rebsortenkunde.
Marcel
2:02:04
Ja. Kommen wir denn jetzt zu den Deutschen? Jetzt kommen wir schon James Bunn.
Heiko
2:02:08
Alles, was ich angekündigt habe, kommt jetzt. Wirklich, versprochen.Vorab aber noch zur Einordnung, bevor wir weitermachen. Angesichts natürlichdes Schwerpunkts unseres Podcasts werde ich mich jetzt thematisch auf die Versuchedes Weinbaus konzentrieren.Aber ich will zumindest nicht verschweigen, dass in der gesamten Zeit da auchjetzt nicht wirklich besonders rosige Zustände geherrscht haben.Sowohl gegen die Aborigines als auch gegen die Häftlinge, die ja nach und nachweiter nach Australien deportiert wurden. Das ist ja nicht nur mit der FirstReset, das hat ja nicht aufgehört, sondern das ging ja fast ein Jahrhundert lang.Da wurde teils wirklich mit extremer Brutalität vorgegangen.Und zwischenzeitlich gab es dann Hungersnöte, Elend, weil Ernten verrottetenund Versorgungsschiffe auf sich warten ließen.Also das soll hier nicht unerwähnt bleiben. Gleichzeitig macht das Ganze vielleichtsogar umso absurder, dass man trotzdem so viel Energie darauf verwendete,eigentlich Wein anbauen zu wollen, wenn man so viele andere Probleme hatte oderso viel Energie eigentlich hatte, um da,sowohl die Häftlinge als auch die Aborigines zu unterdrücken und zu ermorden.Anfang des Jahres 1791 jedenfalls schreibt Watkin Tensch, den haben wir jetztschon häufiger gehört heute, Zitat, am 24.Januar wurden im Garten des Gouverneurs zwei Trauben geschnitten,gewachsen aus Reben, die drei Jahre zuvor vom Kap der guten Hoffnung gebracht worden waren.Die Trauben waren schön, die Beeren von mittlerer Größe aber gut ausgeprägtund ihr Geschmack intensiv und köstlich.Das klingt nach einem Erfolg, oder? Wie ein verheißungsvoller Anfang.Nun, es war eher eine Momentaufnahme im sehr kleinen Rahmen.Was jetzt beginnt, ist nämlich eigentlich eine ziemlich lange Geschichte des Scheiterns.Die erste Figur in dieser Geschichte ist auch ein Deutscher,auch wenn wir das eigentliche erst kommen, aber die erste Figur in dieser Geschichteist ein Deutscher, nämlich Philipp Schäfer.Es ist ein hessischer Söldner, der einfach auf der falschen Seite des amerikanischenUnabhängigkeitskriegs gekämpft hat und 1790 dann mittellos in New South Walesankam, nachdem sein Transportschiff Schiffbruch erlitten hatte.Ursprünglich sollte er eigentlich als Aufseher für Streiflingsarbeiter eingesetztwerden, aber sein Englisch war zu schlecht.In einem Gespräch, was offensichtlich trotzdem irgendwie funktionierte,mit Philipp erwähnte er, also mit Captain Philipp, dass das Gut seiner Familiein Hessen-Hanau am Rhein auch einen Weinberg umfasste und das reichte.Und Philipp wies ihm deswegen 1791 140 Acres, also etwa 56 Hektar Land am ParramattaRiver zu und Schäfer nannte seine Farm optimistischerweise The Vineyard.
Marcel
2:04:38
Du müsstest jetzt ja den Vergleich aufmachen, wie groß sind sie.
Heiko
2:04:41
Du hast vorhin doch 60 Hektar war ungefähr so groß, ein bisschen größer als der Vatikan.
Marcel
2:04:44
Genau.
Heiko
2:04:45
Also jetzt ist es ein bisschen kleiner als der Vatikan wahrscheinlich.Ja, aber schon von Anfang an.
Marcel
2:04:49
Nee, nee, ist immer noch größer. Der Vatikan ist irgendwie um die 40, ein bisschen über 40.
Heiko
2:04:54
Aber schon von Anfang an machte Schäfer eine nüchterne Bestandsaufnahme.Der Boden sei im Vergleich zu den fruchtbaren Rheinufern einfach sehr schlecht.
Marcel
2:05:02
Aber wir sind jetzt immer noch im Hunter Valley was?
Heiko
2:05:06
Ne, wir sind noch gar nicht im Hunter Valley, das ist alles noch da im SydneyCove sozusagen, da wo sie angefangen haben einfach,und er versucht es trotzdem, brachte so ein paar halbwegs brauchbare Erntenzustande aber 1797 dann nach einigen enttäuschenden Jahren mit schlechten Böden und kranken Rebenverkaufte er The Vineyard für 140 Pfund, der Name des Anwesens blieb irgendwiebestehen, also es hieß Fighter The Vineyard, allerdings wurden die Weinberge nicht weitergeführt,Aber das Scheitern dieser frühen Versuche oder seines Versuchs war eigentlichauch kein individuelles Versagen, sondern eigentlich ein strukturelles Problem.
Marcel
2:05:39
Aber er war ja schon Soldat, also eigentlich hatte er ja auch nicht so viel.
Heiko
2:05:42
Genau, aber seine Familie, er sagte ja, seine Familie hatte einen Weinberg inHessen und das reichte Philipp, dass man meint, dass er vielleicht Weinbauern,aber nur bei seiner Familie. Das heißt, du sagst ja, wo soll er das Wissen herhaben und genau das ist das Problem.Das ist eben nicht sein Versagen, das ist einfach ein strukturelles Problem.nicht nur er, sondern grundsätzlich in Großbritannien gibt es keine Winzer.Niemand auf diesen Schiffen, niemand in dieser gesamten Kolonie wusste wirklich,wie man Reben schneidet, wann man vielleicht mal erntet, wie man einfach Wein macht.Die europäischen Weinbauanleitungen, die man hatte, man hat ja schon irgendwiewas gehabt, aber die setzten irgendwie voraus, dass man ja von bestehenden Weinbergenlernen konnte, von erfahrenen Nachbarn, von Praktiken, die man kennt,von so einer Weinbautradition einfach, aber das gab es einfach nicht.Tatsächlich gibt es auch schon französischen Beobachter in Australien,der dann später beschreibt, quasi, dass auf der Regierungsfarm wirklich,also auf der Farm von der Regierung, die Reben einfach nicht geschnitten wurden,weil einfach niemand vor Ort wusste, wie man das eigentlich macht.Und in dieser Lage griff jetzt Gouverneur Philip Giddly King dann zu einer ungewöhnlichenLösung. Er ließ nämlich zwei französische Kriegsgefangene holen.Wir sind jetzt im Krieg mit Napoleon.Großbritannien und viele andere Länder Europas sind mit Napoleon im Krieg.Und er ließ eben zwei französische Kriegsgefangene holen und zwar Ante Landrienund François de Riveau angeblich aus dem Loirtal die behaupteten Erfahrungenim Weinbau zu haben und im Tausch gegen ihre Freiheit sollten sie in der Kolonie Wein produzieren.Zumindest der erste Gedankengang ist, okay wir brauchen jemanden der weiß wie man das tut.London war erstmal begeistert. Der britische Innenminister setzte große Hoffnungin die beiden und finanzierte breitwillig die nötigen Werkzeuge und alles, was man so braucht.Sechs Sträflinge wurden als Hilfsarbeiter zugeteilt. Große Pläne für staatlicheWeinberge wurden gemacht. Das Ergebnis, 40 Gallonen Wein, so schlecht,dass nicht mal irgendein Muster nach London geschickt werden konnte.King machte dann die Dürre verantwortlich und versprach, die Bemühungen fortzusetzen.Aber einer der beiden Franzosen kehrte schnell heim, sobald er konnte.Und der andere blieb zwar, aber er machte am Ende wohl zumindest einen ganzbrauchbaren Pfirsich-Cider in Stand von Gutemwein.
Marcel
2:07:49
Okay, ein Cider.
Heiko
2:07:52
So, aber 1815 enden dann die Napoleonischen Kriege und jetzt ist es wieder einfachermöglich, nach und vor allem durch Europa zu reisen. Und das machen jetzt endlichauch wirklich ein paar Australier.Und das haben wir jetzt heute schon gehört und das haben wir immer wieder inunserem Podcast gehört. Winzer, die gezielt vor allem nach Frankreich reisen, um dort zu lernen.und auf diese Idee kommt man jetzt tatsächlich auch endlich in Australien.
Marcel
2:08:14
Aber das ist ja dann noch zu einer Zeit, wo das richtig mit Aufwand verbunden war.
Heiko
2:08:17
Ja, absolut. Du musst ja erstmal die ganzen Tausende von Seemeilen wieder zurück und hoffen.
Marcel
2:08:22
Dass du überlegst. Also in beide Richtungen.
Heiko
2:08:23
Ja. Tatsächlich ist es aber so, es gab John MacArthur, das ist ein einflussreicherKolonist, der war aber zu der Zeit, also das führt jetzt zu weit,wegen anderen Sachen sowieso, so im Exil in England, weil er in Australien daso eine Revolution, also nicht eine Revolution ist, übertrieben,aber da angeeckt ist und so weiter.das führt er zu weit, aber grundsätzlich war er eh schon in Europa und er schickteseine Söhne James und William auf eine Studienreise durch die Weinregion Frankreichs und der Schweiz,Sie nehmen dann auch Weinreben mit, zum Beispiel aus der Gros Routier im Rontaloder aus der Côte d’Or, das wir auch aus unserer Begrundfolge kennen.Und der daraus in Australien gewonnene Wein entsprach einmal mehr nicht in Erwartungen.William MacArthur schrieb später, Zitat, obwohl die Reben gut wuchsen,schien der Weinberg ein Fehlschlag zu sein.Und da wir die Ursache nicht kannten, waren wir fast geneigt, das Ganze aufzugeben.Aber, soweit kann man sagen, der richtige Schritt war zumindest getan.Man hatte zumindest erkannt, dass man jetzt auf jeden Fall irgendwie von denenlernen muss, die wissen, was man tut und nicht einfach irgendwie Wein anbaut. Und es wird schon.Und der große Durchbruch, und jetzt kommen wir endlich dahin,wenn man so will, kam letztlich durch einen schottischen Agrarstudenten namens James Busby.Genau, Busby reiste tatsächlich gezielt nach Australien, nachdem er in FrankreichWeinbau studiert hatte und das erste englischsprachige Weinbauhandbuch seinerZeit geschrieben hatte, tatsächlich.Und Basbio reiste vorher durch die Weinregion Frankreichs und auch Spaniens,interessanterweise, und sammelte akribisch Rebstecklinge, hunderte Sorten,direkt aus den Weinbergen. Seine zentrale Erkenntnis war nämlich,Reben entwickeln sich je nach Klima und Boden völlig unterschiedlich,Surprise, surprise. Und man kann nicht einfach irgendeine europäische Rebsortenehmen und einfach erwarten, dass sie so wie sie ist in Australien wächst.Und da dasselbe einfach ergibt. Man muss irgendwie testen, man muss beobachten, man muss anpassen.Man muss einfach schauen, was funktioniert und was muss man da irgendwie andersmachen. Also sammelt er einfach so viele Sorten wie möglich erstmal,um die dann nach Australien mitzunehmen. Ein Teil der Sammlung…
Marcel
2:10:22
Also wir hatten ja vorhin den Doni, der dann sagt, mir ist die Rebsorte egal,ich mache einfach das, was hier funktioniert.
Heiko
2:10:28
Genau, aber das wusste man halt.
Marcel
2:10:29
Ja, jetzt eher bei ihm weiß man es inzwischen.
Heiko
2:10:31
Damals wusste man nicht.
Marcel
2:10:32
Hat man irgendwas angebaut.
Heiko
2:10:33
Zumal die Briten ja, wie gesagt, am Anfang, die wussten ja nicht mal,welche Rebensorte sie da haben. Die haben einfach da irgendwas angebaut.
Marcel
2:10:38
Ja, aber das ist eigentlich super essentiell. Also war ja auch meine Türkei-Erfahrungin dem Sinne, wenn du quasi gar nicht die lokale Community hast,wo du einfach mal hingehen kannst, oder wie wir es in der Österreich-Folge hatten,in einem Dorf, kann man einfach mal fragen.Ich habe jetzt gerade das Problem, was kann ich da machen? Wenn das nicht da ist, ist es…
Heiko
2:11:00
Du brauchst einfach jemanden, der weiß, was er tut. Ein Teil von Busbys Sammlungenging auf der Reise zwar verloren, das Schiff hatte nämlich Probleme so und einigeStecklinge überlebten den Transport nicht, aber hunderte Reben kamen wirklichan, wurden im boternischen Garten in Sydney einquartiertund von dort dann an Siedler und Farmen einfach in der ganzen Kolonie verteilt.Und das war wirklich der Moment, in dem Australien erstmals wirklich systematisch,nicht über Weinbau nachtrag, sondern eigentlich den Weinbau ausprobierte.Und gleichzeitig geschieht etwas, das genauso wichtig war, aber eben wenigerbekannt. Und jetzt kommen wir zu dem anderen, worüber wir schon gesprochen haben,nämlich die deutschen Winzerfamilien.Es hatte nämlich einen langen politischen Kampf gebraucht, um sie überhaupteinreisen zu lassen. Die britische Regierung förderte nämlich eigentlich nurbritische Einwanderer.Aber Edward MacArthur, der Sohn von den MacArthur, die ich vorhin schon erwähnthatte, der argumentierte, erfolgreich ohne qualifizierte Winzer würden alleInvestitionen in Weinbau wirklich scheitern.und das sei kein Problem, dass die Kolonisten einfach selbst verursacht hätten.Es gäbe in Großbritannien einfach keine Winzer.Deswegen brauchen wir einfach Ausnahmeregelungen. Wir brauchen jemanden,der weiß, wie man Beine anbaut.
Marcel
2:12:04
Und dann hat man sich die Preußen und die Schleswig-Holfe.
Heiko
2:12:07
Also generell Deutsche einfach. Also ich glaube mit den Franzosen war es haltwirklich immer noch schwierig. Es war ja wirklich kurz nach den Napoleonischen Kriegen.Und deswegen hat man geschaut, wer kann denn noch so? Und dann waren wir uns bei den Deutschen.Und 1837 kommen wirklich sechs deutsche Familien nach New South Wales.Das ist Johann Stein, Johann Wenz, Georg Gerhard, Johann Justus,Kaspar Flick und Friedrich Seckold zusammen mit ihren Familien insgesamt erstmal 28 Personen und die Bedingungen für sie waren vergleichbar attraktiv.
Marcel
2:12:32
Weißt du, woher die kamen?
Heiko
2:12:34
Nee, das weiß ich nicht. Aber es wird schon vor allem eher so aus dem Rheingau,also da, wo man schon auch…Es waren schon wirklich gededizierte Winzerfamilien, nicht irgendwelche Deutschen.
Marcel
2:12:43
Also nicht wie ihr, wenn ich gerade Preußen…
Heiko
2:12:44
Genau, es war schon wirklich jemand, wo du warst, also die wirklich dediziertdeswegen angeworben wurden sozusagen.Man bekam auch, oder sie bekamen fünfjährige Verträge, sie bekamen Lohn,Unterkunft, Landnutzung und so weiter, Schulbildung für die Kinder und nachAblauf der Vertragszeit sollten sie und durften sie dann auch Pächter werden,also man machte es denen auch attraktiv nach Australien zu kommen.Und diese, nicht nur diese, sondern generell die Deutschen machten dann einen,ich sag mal, unverhältnismäßig großen Unterschied.Zwischen 1831 und 1860 kamen über 120.000 britische Migranten nach Australienund nur etwa vergleichsweise wenige 8.300 Deutsche, aber gerade diese hatteneben den entscheidenden Einfluss auf den Weinbau.Also diese wussten, wie man Reben schneidet, sie wussten, wann man erntet,sie wussten, wie man einfach Wein macht. Und das, was in den jahrzehntelangenVersuchen immer gefehlt hatte, wirklich das praktische Fachwissen,das man eben nicht aus Büchern lernen kann, das brachten diese deutschen Familien vor allem mit.Und in den folgenden Jahren wurden deswegen einfach weitere deutsche Fachkräfte angeworben.Winzer, Küfer, Kellermeister, manche kamen aus dem Elsass, damals noch Deutsch,manche aus dem Rheinland, manche auch aus Württemberg.so, das sind so die Regionen, wo man die deutschen Familien angeworben hatteund die verteilten sich dann über die gesamte Kolonie und arbeiteten dann aufeben australischen Gütern von eben den MacArthur’s zum Beispiel oder sowas wie Lindemans, Windhams.
Marcel
2:14:03
Lindemans habe ich sogar schon mal.
Heiko
2:14:04
Also die dann irgendwie immer noch so Namen sind, die man da mit dem australischen Weinbau assoziiert.Und im Hunter Valley, jetzt kommen wir kurz dazu, eben nördlich von Sydney,da kamen einfach all diese Stränge zusammen.Man hatte hier dann geeignetes Klima, Man hatte Busbys Rebsortensammlung,man hatte deutsches Fachwissen und engagierte Pioniere und so ist eben,und so schließt sich vielleicht so ein bisschen der Kreis auch zu unserer heutigen Folge und,zu unserem heutigen Wein, den wir auch getrunken haben,das Hunter Valley ist, wie ich schon vorhin sagte, zwar nicht der erste Ort,an dem Australienreben gepflanzt wurden, das war eben Sydney selbst.1788 direkt. Aber es ist eben die erste Region, in der der Weinbau wirklich,erfolgreich wurde, wirklich Früchte trug, buchstäblich, kontinuierlich,generationenübergreifend.Deswegen, du hattest ja schon gesagt, von diesen ganzen historischen Rahmen,die wir auch diese Weine haben, die wir heute getrunken haben und dann einfachauch nach und nach mit wachsender Qualität.Ab 1830 gibt es wirklich eine ununterbrochene Verbindung zwischen Weinbau undLand im Hunter Valley, was quasi das Valley, wie gesagt, nicht zur ersten,aber eben zur ältesten, heute noch genutzten Weinregion kontinuierlich gesehen Australiens macht.
Marcel
2:15:14
Ja, passt ja. Also 1838 war ja tatsächlich auch die Zeit, wo diese Schiffe gerade von.
Heiko
2:15:21
Dem letzten Wein… Genau. Und ja, jetzt an der Stelle wollte ich jetzt eigentlichabschließen mit einem abschließenden Detail mit Rückgriff auf unsere Reblaus-Folge,denn einige der ältesten Rebstöcke, aber das hattest du jetzt schon anfangsverraten im Hunter Valley,stehen noch heute auf Wurzelstöcken aus dieser Kolonialzeit,weil sie die Reblaus überlebt haben.Ja, jetzt wollte ich dich fragen, warum, aber das hast du ja schon verraten. Es sind die Sandböden.
Marcel
2:15:45
Es sind die Sandböden und ich glaube, es ist nicht nur ein Dahn-Phänomen derSandböden, sondern die Reblaus ist auch an anderen Stellen nicht hingekommen,weil es ist, also teilweise kam das dann auch ein bisschen, also die Reblaus war auch in Australienund auch, ich glaube sogar ähnliche Zeit, also auch in dem Rahmen war sie da,aber sie haben es doch sehr gut isolieren können.Und das waren nicht immer nur die Sandböden, sondern es gibt auch im Westenselber auch Ecken, wo es zum Beispiel keine Reblaus gab, weil es ist einfachein bisschen konsequenter Maßnahmen ergriffen.Ja, spannend. Also natürlich wieder historisch,Auf eine Art und Weise schwere Kost. Aber das gehört ja dazu.Und spannend, wie sich die Fäden wieder zusammengezogen haben,sozusagen aus beiden Ecken.Also das, was du erzählt hast, findet sich in den Weinen dann wieder.Also das ist natürlich keine Überraschung, aber ich finde es immer…
Heiko
2:16:40
Ich finde das auch immer sehr, sehr cool, einfach, dass, wie gesagt,du losziehst und deine Weine geschieht, ich losziehe und meine Geschichtsgeschirche mache.Vielleicht ist es nicht überraschend, aber ich finde es trotzdem irgendwie gut,dass wir bisher, dass ich dann irgendwie wirklich wie so Puzzleteile immer sehr, sehr gut ergibt.Kommen wir zum Fazit.
Marcel
2:16:57
Würde ich sagen. Und nochmal probieren. Lass uns nochmal probieren und lassuns auch nochmal so ein klares Ding, glaube ich, mal festlegen,wie man die heutigen Weine so einordnen kann. Was möchtest du nochmal am Glas haben?
Heiko
2:17:11
Also jetzt so grundsätzlich weiß ich schon, oder weiß ich schon jetzt so,nachdem ich alle getrunken habe, war jetzt auch keinem Scheint mir der Letzteam besten Geschmack zu haben, aber deswegen brauche ich den jetzt nicht direkt nochmal.Ich finde, glaube ich, würde einmal gerne durchaus den davor, den roten,und den weißen, weil den finde ich, also jetzt ist natürlich,ich bin gespannt, vielleicht ist es auch blöd, weil ich jetzt nochmal so mischeund nochmal zurück zu weiß gehe, aber ich fand das vorhin super interessant,dass ich da, während du erzählt hattest, hatte ich mir noch ein zweites Glasvon dem weißen, von dem Semillon eingegossen,und während beim ersten, den zwar interessant, aber noch nicht so,Da wusste ich noch nicht, was ich davon halten sollte. Fand ich dann beim zweitenGläschen hat er mir echt wirklich gut geschmeckt. Deswegen würde ich den gernenochmal probieren, den Simillon.Aber eben jetzt auch so nach dem eben nochmal so im direkten Vergleich,auch den roten davor, auch schon nochmal im Vergleich zu 15 Euro versus 68 Euro.Jetzt mich dann doch nochmal im direkten Vergleich gespannt,ehrlich gesagt. Vielleicht ist jetzt auch was Psychologisches.Schmeckt mir der 68 Euro ein, weil ich gleich plötzlich besser,seit ich die beiden Unterschiede kenne. Nein, Spaß.
Marcel
2:18:14
Naja aber ich glaube es ist ja nicht immer also wir haben ja meist also wirhaben ja auch oft können jetzt.
Heiko
2:18:18
Hast du mir wirklich drei weine eingegossen also wo das ist das ist der von der letzte.
Marcel
2:18:24
Und das ist der der vorletzte der ok das ist ja genau du wolltest ja noch malim vergleich hatte ich gerade verstanden also erst nicht aber dann hattest dudavon gesprochen und deswegen habe ich so eingegossen.
Heiko
2:18:34
Ja du fühlst mich hier wieder haben.
Marcel
2:18:38
Ja, was ich gerade sagen wollte, ist, manchmal hat, also wir haben ja gelernt,dass er auf jeden Fall ja ein,sehr begrenztes Platz hat sozusagen und ich glaube einige Weine,die er macht, er hat auch einen Wein tatsächlich für, glaube ich,um die 30, den ich hätte auch gern probieren wollen, wo er quasi im Zentrum steht, dass er,wirklich wenig mitmacht und er teilweise, glaube ich, auch so,wie er arbeitet, tatsächlich wieder auf eine Art und Weise kostendeckend arbeitet, also,bei dem 69-Euro-Wein, das kostet in Australien ja vielleicht auch nochmal einbisschen anders, wenn du es exportierst, ist es schon ein anderer Preis und so.
Heiko
2:19:12
Also die verdienen ja auch mehr, also generell ist ja auch mit kleinen.
Marcel
2:19:14
Also wenn du nicht so viele Hektar hast, das ist ja auch nochmal ein anderes Ding.
Heiko
2:19:16
Ja, aber auch so ist quasi, das ist so, also in Australien ist generell allesteurer sozusagen, aber sie verdienen auch mehr Geld, also das ist quasi,wenn man auch auf Reisen oder so ist, für die ist überall, wo sie hinreisen, alles günstig.
Marcel
2:19:29
Echt, ist das so?
Heiko
2:19:30
Also der australische Dollar sozusagen ist einfach.
Marcel
2:19:35
Der ist aber nicht so.
Heiko
2:19:36
Ja, aber es ist trotzdem, ich kenne Wirtschaftsjahr, aber offensichtlich sind ja quasi,Hamburg ist auch teurer als Berlin, ist auch Australien generell teurer alsin Deutschland, aber man verdient auch mehr, so wie man in Hamburg.
Marcel
2:19:48
Wir haben ja vorhin gesagt, so 21 Millionen, nee.
Heiko
2:19:51
27 Millionen, 28 Millionen Einwohner.
Marcel
2:19:52
Ja, genau, aber es ist ja trotzdem einer der Top-Wirtschaftsmächte der Welt.Also obwohl es weniger besiedelt ist als so manche andere Nationen auf jeden Fall.
Heiko
2:20:02
Okay, aber jetzt genug von Australien, lass uns nochmal in den Wein.Ich würde einmal kurz, weil ich eben rot, würde ich direkt einen Vergleich mitdem Ich habe immer noch dieses Tomatige in der Nase.
Marcel
2:20:17
Der ist einfach ein bisschen, also wenn man weiß, worauf man sich einlässt,das ist ja vielleicht auch mal so der Punkt, das ist jetzt kein,super einfacher, sondern das ist halt einfach ein Pinot, der auf eine bestimmteArt und Weise gemacht wurde.
Heiko
2:20:31
Also ich,finde ihn gut, aber ich muss trotzdem, glaube ich, gestehen,also rein subjektiv schmeckt mir der andere einfach besser, obwohl er halt wenigerkomplex ist, ich finde ihn jetzt auch nicht super komplex, aber vielleicht trotzdemweniger, also klassischer einfach schmeckt.Vielleicht ist auch das der Grund und auch günstiger ist und so weiter.
Marcel
2:20:50
Wie gesagt, es ist ja auch wirklich eher Richtung Naturwein auch.
Heiko
2:20:53
Achso, welcher jetzt?
Marcel
2:20:55
Der Downy.
Heiko
2:20:58
Achso, ja genau. Achso, du willst mir wieder sagen, Heiko, du trinkst ja Naturwein nicht so gerne.
Marcel
2:21:02
Nee, einfach vom Stil her ist er nicht klassisch.
Heiko
2:21:07
Der schmeckt schon auch gut. Okay, und jetzt nochmal den weißen.
Marcel
2:21:12
Ich bin bei dem Pinot, Also ich würde, wir haben andere Pinots getrunken,er ist interessant, ich finde ihn spannend als Persönlichkeit,ich würde gerne nochmal andere von ihm trinken, ehrlicherweise so,aber es ist bei mir auch so, dass ich sage, es ist jetzt kein,wo ich mir jetzt die ganze Zeit ein Glas nach dem anderen einschenke,da finde ich andere Weine hier so eher trinkbarer.Das ist glaube ich schon, wo man sagt, okay, ich habe ein Interesse an Pinot,ich will mir das irgendwie mal unterschiedliche Regionen der Welt anschauen.
Heiko
2:21:40
Genau, ich glaube, das trifft es eigentlich ganz gut. Es ist eher so,man trinkt ihn, weil man wirklich interessiert daran ist, wie dieser Pinot indieser Art und Weise, wie er ihn erstellt, aus dieser Region schmeckt und nicht,weil ich sage, ich habe jetzt einfach Bock auf einen geilen Rotwein oder so.Nee, das trifft es eigentlich ganz gut.Okay, dann nochmal kurz den Sémillon.Doch.
Marcel
2:22:02
Der ist, ich finde.
Heiko
2:22:04
Es ist einfach auch irgendwie frisch und passt jetzt auch irgendwie zum Wetter.Es macht irgendwie Spaß, den zu trinken.
Marcel
2:22:12
Finde ich auch. Wie gesagt, den haben wir zwischendurch nochmal nachgegossen.Das ist auf jeden Fall der Kandidat, wo man sagt, geil, gieb es mal nochmal ein.Jetzt so, wenn wir es vielleicht nochmal kontextualisieren Richtung,wir hatten ja schon Riesling im Glas und so weiter. Also ich glaube,es ist auch eher wiederum für den besonderen Anlass, wenn man sagt,okay, mich interessiert vielleicht auch mal diese Rebsorte oder wie Australien schmeckt.
Heiko
2:22:33
Ja, aber ohne, dass er jetzt zu verkopft ist. Nee, gar nicht.Aber er ist jetzt auch nicht irgendwie der ganz klassische Alltagswein,den man mal eben einfach so reingießt, aber er ist jetzt auch nicht super verkopft.
Marcel
2:22:46
Den kann man gut wegdrinken.
Heiko
2:22:48
Das ist jetzt kein Hauswein sozusagen. Okay.Achso, du wolltest generell alle nochmal so ein bisschen einordnen.
Marcel
2:22:54
Genau, und der erste, der Sparkling, ist durchs Süße schon oder ein bisschen,oder das Halbtrockene, was ja ein bisschen unüblicher ist, ein bisschen spezieller.Ich finde aber, ich glaube, der Stil an sich, ich verstehe, warum der sehr populärist, ehrlicherweise, weil ich glaube, den kann man wie gesagt,22 Euro ist jetzt auch nicht mal super günstig, aber den kann man zu so einem besonderen Anlass…
Heiko
2:23:18
Einmal das, du meintest ja auch, ich finde, also du hast jetzt gesagt,Vor allem in Deutschland ist es höchst Abnehmerland.Du hast jetzt wahrscheinlich nicht die Region oder die Städte,weil ich finde, er schmeckt auch nach Berlin einfach, ehrlicherweise.Weil dieses, kann mir das so richtig, doch, ja, irgendwie schon,weil das, auch wenn man sich das angeht, irgendwie das so.
Marcel
2:23:34
Hast du auch die Flasche, ne?
Heiko
2:23:35
Ja, ich glaube, da ist noch ein bisschen Marketing einfach bei.
Marcel
2:23:37
Du kannst ja die Flasche nochmal.
Heiko
2:23:40
Also da sind halt auch, das ist irgendwie, das sieht irgendwie fancy aus.Du hast halt irgendwie lauter Frauenkörper, aber also ich finde auch,also in Es hat diverse Frauen im Körper, alle sowohl was den Körperbau angeht, als auch ihre Posen.Ich finde, das wirkt so Empowerment-mäßig.Pink ist vielleicht jetzt dann ein bisschen ein Schritt zu weit,ehrlicherweise. Aber auch Moxie.Ich kann mir das richtig vorstellen, so eine Berliner Vernissage oder so als Empfangssparkling.Wo du halt nicht sagst, wir wollen jetzt nicht nur typischen Champagner oderMoet. Sondern das ist unser Empfangs, das ist ein bisschen fanziger einfachals der, auch wenn Mouet natürlich eigentlich fanziger ist, aber du weißt,was ich meine. Das ist was anderes als ein Champagner oder ein Sekt sozusagen.
Marcel
2:24:28
Ja, aber du hast ja die Methode, also du hast quasi Champagner-Methode,es ist rot und damit bleibt ja auch viel mehr im Kopf. Also ich kann,der funktioniert glaube ich für einige Anlässe wirklich gut.Würde ich jetzt mal sagen.
Heiko
2:24:41
Also fand ich, also beim ersten Schluck hat er mich da, damals sag ich schon,so lange wie wir schon wieder reden, ist schon damals, aber vorhin,kurz, falsch wusste ich, da dachte ich, boah, der ist süß und ich glaube auch,ich würde auch da, ehrlicherweise würde ich vielleicht nicht ein zweites,ganzes Glas trinken, aber wenn ich den irgendwo als Empfang kriege,so da passt es schon irgendwie gut, wenn ich danach dann noch irgendwie,vielleicht noch mit so dem Helmgläschendurch die Kunstausstellung wandere und mir die Statuen angucke oder die Bilder,dann kann man den gut dazu trinken.
Marcel
2:25:07
Ja.
Heiko
2:25:09
Okay.
Marcel
2:25:09
Damit machen wir den Sack heute zu.
Heiko
2:25:10
Ich denke, damit machen wir das Weinfass zu. Das war unser heutiger Schluckaus der Geschichte. Mehr Geschichte?
Marcel
2:25:18
Gibt es ja beim nächsten Mal. Du hast eben schon einen Teaser gegeben.Du hast über Pfirsichseider gesprochen.
Heiko
2:25:24
Ja, mehr verraten wir aber nicht zunächst, Volga.
Marcel
2:25:27
Genau, bis dahin. Also bis dahin. Cheers.Tschüssi Korski.
Heiko
2:26:09
Bis zum nächsten Mal. Aber ich finde, nach zwölf Folgen kann man das auch nochnicht genau wissen, wie wir eigentlich anfangen.
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