Monte Cassino, sechstes Jahrhundert: Benedikt von Nursia will in seine Mönchsregel schreiben, dass Wein nicht für Mönche taugt. Dann sieht er zwei Brüder ein Tongefäß ins Haus tragen und gesteht ihnen doch eine Hemina am Tag zu, rund einen Viertelliter. Heiko erzählt die Geschichte dahinter: die Wüstenväter und ihren Weinverzicht, Römer an der Mosel, Bischöfe als christliche Erben des römischen Gutsherrn, Kolumbans Landklöster und den Messwein als Umweg – und warum wir bis heute glauben, im Mittelalter sei aller Wein Klosterwein gewesen.
Marcel bringt drei Weißweine aus Lagen und Rebsorten mit Römerbezug mit: den Elbling von Stephan Steinmetz von der Obermosel, den Piesporter Goldtröpfchen von Ansgar Clüsserath und das Große Gewächs aus der Brauneberger Juffer von Fritz Haag. Dazu alles, was man über Moselwein wissen muss: warum der Elbling nur angeblich eine Römerrebe ist, was 1985 bei der Flurbereinigung unter dem Goldtröpfchen auftauchte und warum Moselweine um 1900 teurer waren als Bordeaux.
Das ist Teil eins. In der nächsten Folge krempeln die Zisterzienser die Ärmel hoch. Bis dahin: eine Hemina pro Tag. Cheers.
Elegant, säuregetrieben: Großes Gewächs vom blauen Devonschiefer, apfelig und deutlich nach Schiefer in der Nase, am Gaumen Pfirsich, Würze und nasser Stein, lebt von der Säure und bleibt lange. Für Heiko der leckerste des Abends und „geiles Zeug vielleicht“, Marcel ist „super Fan“ des Mineralischen – mit 32 € ein geiler Wein.
Sehr gute Getränke, die weder Alltag noch Lebensliste sind. Der Wein oder Spirit für den besonderen Anlass: Gästeessen, Jahreswechsel, Vernissage-Eröffnung.
Eleganter Sommerwein aus der Römerlage mit der größten Kelteranlage nördlich der Alpen: hellgelb, Honig und Steinobst in der Nase, am Gaumen zitrisch-frisch und schmelzig. Offiziell feinherb, wirkt aber eher trocken – Marcel findet ihn „sehr lecker“, Heiko spürt mit jedem Schluck mehr Honig, aber „definitiv nicht nur One-Glass-Territory“.
Zechwein, macht Spaß: die angebliche Römerrebe von der Obermosel, sehr hell, frisch und apfelig mit etwas Zitrus, straffe, fast perlige Säure und grüner Apfel. Kein Wein zum Philosophieren, sondern zum Füße-Hochlegen – für Heiko ein „guter, knackiger Alltagswein“, für Marcel „für 8 Euro sehr geil“.
Muss man mal probiert haben, um das Genre, eine Region oder einen Stil zu verstehen. Nicht zwingend geschmackliches Highlight, sondern Bildungswert.
Kein Getränk in dieser Kategorie.
5
One-Glass-Territory
Interessant, ein Glas lohnt sich, aber dann ist es auch gut. Oft bei aromatisch intensiven, süßen oder ungewöhnlichen Sachen.
Kein Getränk in dieser Kategorie.
6
Not My Cup of Tea Drink
Hat uns nicht so überzeugt. Das Getränk kann handwerklich gut sein, aber hat uns an dem Tag nicht so abgeholt.
Kein Getränk in dieser Kategorie.
Hintergrund zur Folge: Mönche und Wein – wie der Wein ins Kloster kam
Mönche, die in ihren Klöstern den Weinbau durch das dunkle Mittelalter retten – dieses Bild hält sich hartnäckig. Der erste Teil unserer Doppelfolge zum Klosterweinbau geht der Frage nach, wie der Wein überhaupt zu den Mönchen kam und was an der Rettungsgeschichte dran ist. Im zweiten Teil folgen dann die Zisterzienser und das Kloster Eberbach.
Die frühen Mönche und der Verzicht auf Wein
Kloster und Alkohol gehören für uns heute selbstverständlich zusammen, von der Klosterbrauerei bis zu den ummauerten Weinbergen des Burgund. Geht man aber weit genug zurück, an die Anfänge des christlichen Mönchtums, stößt man auf das Gegenteil: Wein galt dort als etwas, dem ein Mönch zu entsagen hatte.
Wüstenväter und Askese
Die Formen des Mönchtums, die für die weitere Geschichte prägend wurden, entstanden im dritten und vierten Jahrhundert im östlichen Mittelmeerraum, in Ägypten und Syrien. Die ersten Mönche waren Einsiedler, die sich in die Wüste zurückzogen, um allem zu entsagen, was das weltliche Leben ausmachte. Schon das Wort verweist darauf: Mönch geht auf das griechische monachos zurück, abgeleitet von monos, allein. In diese Welt des Verzichts passte der Wein schlecht, und für viele strenge Asketen gehörte es selbstverständlich dazu, ihn als sichtbares Zeichen der Selbstbeherrschung zu meiden.
Bemerkenswert ist das, weil die Ablehnung in gewisser Spannung zur eigenen Religion stand. Wein ist im Neuen Testament auffallend präsent und nach Wasser das am häufigsten erwähnte Getränk. Jesu erstes Wunder ist die Verwandlung von Wasser in Wein, und beim Abendmahl wird der Wein zum Blut Christi. Wie selbstverständlich der Verzicht für die frühen Mönche dennoch war, zeigt eine beiläufige Bemerkung des Athanasius von Alexandria. Um 360 verfasste der Bischof eine Lebensbeschreibung des Antonius, der als „Vater aller Mönche“ gilt. Dass Antonius auf Fleisch und Wein vollständig verzichtete, schreibt Athanasius, müsse er eigentlich gar nicht erwähnen, denn das hätten schließlich auch andere Asketen getan.
Die Benediktsregel und die Hemina Wein
Anders als die Wüstenväter war Benedikt von Nursia ein Mann des Maßes, einer, der Extreme bewusst mied. Er lebte etwa von 480 bis 547 in Italien, gründete das Kloster Montecassino und verfasste eine Mönchsregel, die zur Grundlage des klösterlichen Lebens im gesamten lateinischen Europa wurde. Dafür trägt er den Ehrentitel „Vater des abendländischen Mönchtums“.
Im vierzigsten Kapitel der Benediktsregel geht es um den Wein, und man merkt dem Text die Verlegenheit an. Eine der wichtigsten erhaltenenen Handschriften ist der Codex Sangallensis 914, um 820 in St. Gallen geschrieben. Es gibt ältere Abschriften (die älteste stammt aus England um 700 und liegt heute in Oxford), aber der St. Galler Codex gilt als textgeschichtlich verlässlichste Fassung, weil er direkt auf eine Handschrift von der Reichenau zurückgeht, die entstand, als Karl der Große sich die Regel aus Montecassino kommen und buchstabengetreu kopieren ließ.
Dort heißt es:
Tamen infirmorum contuentes inbecillitatem, credimus eminam vini per singulos sufficere per diem.
Mit Rücksicht auf die Schwäche der Schwachen, so Benedikt, genüge also eine Hemina Wein täglich für jeden. Die Hemina ist ein altes römisches Maß und entspricht ungefähr einem Viertelliter (genauer: ca. 0,27 Liter). Wenig später wird Benedikt noch deutlicher: Zwar lese man, Wein passe überhaupt nicht für Mönche, aber weil die Mönche seiner Zeit sich davon nicht überzeugen ließen, solle man sich wenigstens darauf einigen, nicht bis zum Übermaß zu trinken. Und wo ein Kloster einmal nicht genug Wein habe, sollten die Mönche zumindest nicht murren.
Das ist ein Schritt weg vom asketischen Ideal der Wüste, hin zu einem Zugeständnis an menschliche Schwäche und Lebensumstände. Ein monastisches Gut, das selbstverständlich zum Kloster gehört, ist der Wein für Benedikt aber noch nicht. Er bleibt ein geduldetes Übel.
Wenn der Verzicht auf Wein im frühen Mönchtum so hoch angesehen war, wie wurden ausgerechnet Klöster später zu bedeutenden Weinproduzenten? Die Antwort beginnt nicht im Kloster, sondern bei den Anfängen des Weinbaus im westlichen Europa.
Die ersten, die den Weinbau nach Westen trugen, waren die Phönizier, die großen Händler des östlichen Mittelmeers. Auf ihren Handelsrouten gelangte er nach Nordafrika, auf die westlichen Mittelmeerinseln und bis nach Südspanien, wo mit Gadir, dem heutigen Cádiz, wahrscheinlich gegen Ende des 9. Jahrhunderts vor Christus eine der frühesten phönizischen Städte im äußersten Westen entstand. Aus diesem Netz erwuchs eine eigene punische Welt mit Karthago als Zentrum. Wie angesehen deren landwirtschaftliches Wissen war, zeigt der Gelehrte Mago, der ein 28 Bücher umfassendes Werk über Landwirtschaft und Weinbau verfasste. Nach der Eroberung Karthagos 146 vor Christus ordnete der römische Senat eigens eine lateinische Übersetzung an.
Der zweite Strom kam von den Griechen, die um 600 vor Christus im heutigen Marseille die Kolonie Massalia gründeten und die Rebe an die Südküste des heutigen Frankreichs brachten (wobei dort schon zuvor etruskischer Wein ankam, wie Amphorenfunde an der Küste zeigen).
Die Römer erfanden den Weinbau also nicht. Bei ihrer Expansion trafen sie vielerorts auf bestehende Weinkulturen, zuerst in Spanien nach dem Sieg über Karthago, dann in Gallien. Sie systematisierten dieses Wissen, schrieben es nieder, richteten die Produktion stärker auf große Märkte aus und trugen die Rebe überall dorthin, wohin sie expandierten – genauer gesagt: was sie eroberten. Anfangs versorgte Italien die Provinzen mit Wein, doch mit der Zeit wurden diese selbst zu bedeutenden Produzenten. So kam der Weinbau auch an Rhein, Mosel und in die Pfalz, also genau dorthin, wo später die Klöster stehen sollten.
Ausonius und die Mosella
Wie selbstverständlich der Weinbau an der Mosel im 4. Jahrhundert war, zeigt ein berühmtes Gedicht. Um 371 schrieb Ausonius, römischer Dichter und hochrangiger Mann am Kaiserhof in Trier, die Mosella, ein Lobgedicht auf den Fluss. Darin beschreibt er in zahlreichen Versen die mit Reben bepflanzten Steilhänge und die Arbeit der Winzer an der Mosel.
Das Neumagener Weinschiff – ältester Weinort Deutschlands
Der Weinhandel an der Mosel ist archäologisch sogar noch früher belegt. Das Neumagener Weinschiff ist eine 2,81 Meter lange Sandsteinskulptur aus dem frühen 3. Jahrhundert, gefunden in Neumagen an der Mosel und heute im Rheinischen Landesmuseum Trier ausgestellt. Sie war Teil des Grabdenkmals eines wohlhabenden Weinhändlers, der sich mit einem Schiff voller großer Fässer darstellen ließ – in Erinnerung bleiben wollte er also mit seinem Beruf. Auf diesen Fund stützt Neumagen bis heute den Anspruch, der älteste Weinort Deutschlands zu sein.
Ein dunkles Zeitalter für den Wein?
Das gängige Bild geht ungefähr so: Das Römische Reich zerfällt, die Barbaren fallen ein, Europa versinkt in den „Dark Ages“, und der Weinbau liegt brach, bis die Mönche ihn in ihren Klöstern bewahren und wiederbeleben. So einfach ist das allerdings nicht.
„Völkerwanderung“ und Kontinuität
Schon der Begriff „Völkerwanderung“, der für diese Zeit nach wie vor gebräuchlich ist, wird in der Forschung heute nur noch mit Vorsicht und meist in Anführungszeichen verwendet. Die Vorstellung, ganze Völker hätten geschlossen ihre Sachen gepackt und seien quer durch Europa gezogen, gilt als überholt. Die neuere Forschung, vor allem die sogenannte Wiener Schule um Herwig Wolfram und Walter Pohl, beschreibt diese Gruppen eher als bewegliche, gemischte Verbände, deren Zusammensetzung und Identität sich ständig neu formierte, oft um einen erfolgreichen Anführer herum.
Man spricht eher von einer Zeit der Ethnogenese: „Völker“ entstehen in dieser Zeit also eigentlich erst – man diesen Begriff überhaupt verwenden will. Häufiger greift man auf den lateinischen Begriff gentes zurück. Bewegt hat sich durchaus jemand, aber es war kein simpler Austausch einer Bevölkerung durch eine andere.
Für den Wein ist entscheidend: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die neuen politischen Herren den Weinbau grundsätzlich ablehnten oder systematisch zerstörten. Wein blieb ein wertvolles Konsum- und Prestigegut, und in vielen Regionen wurde er über den politischen Umbruch hinweg weiter angebaut. Das heißt nicht, dass sich nichts änderte. Fernhandel, Produktionsmengen und Besitzverhältnisse konnten massiv einbrechen oder sich verschieben. Aber die Mönche mussten den Weinbau keineswegs überall aus jahrhundertelanger Brache retten; gerade in den alten Weinregionen trafen sie vielfach auf bestehende Weinberge und vorhandenes Fachwissen.
Getragen wurde diese Kontinuität zunächst von den Menschen vor Ort – von Landarbeitern, Pächtern und Winzern, deren Namen uns die Quellen fast nie verraten. Auf der Seite des Besitzes gab es die ganze Zeit über weltliche Eigentümer, Adlige und wohlhabende Laien, die wir heute nur schlechter sehen. Und natürlich gab es da auch die Kirche, allerdings zunächst nicht in Gestalt der Klöster, sondern der Bischöfe.
Bischöfe als „Erben“ der römischen Gutsherren
Ein Bischof im frühen Mittelalter war kein weltabgewandter Asket, sondern ein weltlicher Großer. Er bewirtete Gäste, unterhielt ein Gefolge und hatte Rang und Repräsentation zu wahren. Die Wurzeln dafür reichen in die römische Oberschicht zurück, die die Tradition der rusticatio pflegte: den Rückzug aus der Stadt auf das eigene Landgut, die villa. Dort empfing man Gäste, las und schrieb – und die villa war zugleich ein Wirtschaftsbetrieb, auf dem man den Ackerbau und insbesondere den Wein beaufsichtigte. Der Weinbau galt als eine der vornehmsten Aufgaben des Landguts und als Statussymbol der Oberschicht.
Im Lauf der Spätantike wurde diese Oberschicht christlich, ohne ihre Traditionen abzulegen. Im Lauf der Spätantike wurde diese Oberschicht christlich, ohne ihre Traditionen abzulegen. Anschaulich zeigt das ein Gewölbe voller Weinranken in Santa Costanza in Rom, mit einem Ochsenkarren, der die Lese abtransportiert, und einer Kelter, in der zwei Figuren Trauben stampfen. Nichts daran ist genuin christlich, das Bildprogramm ist ganz römisch – so sehr, dass man den Bau noch in der Renaissance für einen Bacchustempel hielt. Tatsächlich handelt es sich um ein spätantikes Mausoleum aus der Mitte des 4. Jahrhunderts, das gewöhnlich Constantina zugeschrieben wird, einer Tochter Konstantins des Großen. Also genau der Familie jenes Kaisers, unter dem das Christentum von einer verfolgten zu einer tolerierten und zunehmend geförderten Religion wurde; Konstantin selbst ließ sich kurz vor seinem Tod 337 taufen.
Im 5. Jahrhundert verlor die weströmische Reichsverwaltung zunehmend an Durchgriff, und die städtischen Institutionen veränderten sich, ohne über Nacht zu verschwinden. An Gewicht gewann nun der Bischof. Neben anderen lokalen Großen übernahm er Aufgaben weit über die Seelsorge hinaus: Er vermittelte in Konflikten, vertrat seine Stadt gegenüber Herrschern, verwaltete große Vermögen, wirkte an der Rechtsprechung mit und organisierte Fürsorge. Weil der Staatsdienst im zerfallenden Westreich an Attraktivität verlor, strebten die Söhne der römischen Elite zunehmend in die hohen Kirchenämter und brachten ihre Bildung, ihre Netzwerke und ihre Erfahrung aus der römischen Ämterwelt mit.
Der Weinbau war also lange vor den Klöstern da und verschwand in vielen alten Weinregionen auch mit dem Ende des Weströmischen Reiches nicht. Getragen wurde er von den Menschen in den Weinbergen und auf der Besitzerseite von weltlichen wie kirchlichen Grundherren, unter denen zunächst die Bischofskirchen herausragen. Die Mönche treten als Weinproduzenten erst später auf den Plan.
Messwein und Kirche – wie der Wein zu den Mönchen kam
Erst jetzt treten die Klöster stärker auf die Bühne des Weinbaus. Der Weg dorthin führt über einen Umweg: über die Frage, wer in der frühmittelalterlichen Kirche für die Versorgung mit Messwein zuständig war – und über eine Bewegung, die ausgerechnet aus dem Ideal der Weltflucht hervorging.
Kolumban und die Landklöster
Um 591 kam der irische Mönch Kolumban mit einer Handvoll Gefährten auf den Kontinent. Dahinter stand eine für das irische Mönchtum typische Idee, die peregrinatio: das Pilgern in der Fremde. Man verließ die Heimat bewusst und für immer, gab alles Vertraute auf, und schon dieser Verzicht galt als Askese. Die Klöster, die Kolumban gründete, lagen nicht in den alten Bischofsstädten, sondern in ländlicher, teils abgelegener Landschaft am Rand der Vogesen.
Von diesen Gründungen ging eine ganze Welle weiterer Klöster aus, getragen unter anderem vom fränkischen Adel. Ein Familienkloster erledigte mehreres zugleich: Es war Ausdruck von Frömmigkeit, versorgte die nachgeborenen Söhne und Töchter und markierte einen sichtbaren Machtanspruch in der eigenen Gegend. Viele dieser Klöster entstanden auf Adelsgütern und wurden mit Adelsgütern ausgestattet. So wurden aus Gemeinschaften, die aus dem Ideal der Weltflucht hervorgegangen waren, dauerhafte Zentren von Besitz, Patronage und politischem Einfluss, eng vernetzt mit Königen, Adel und Bischöfen. Manche wurden zudem in die Seelsorge und die kirchliche Erschließung ihres Umlandes einbezogen. Der Mönch, der sich von der Welt abgewandt hatte, saß nun mittendrin.
An dieser Stelle setzt der Historiker Franz Staab an. Für ihn ist die Seelsorge der entscheidende Umweg, über den die Klöster überhaupt intensiver mit dem Weinbau in Berührung kamen. Für die Versorgung des Gottesdienstes und damit für den Messwein war zunächst die bischöflich organisierte Kirche zuständig. Ein Bischof konnte aber nicht in jedem Winkel seines Bistums präsent sein. Sobald gut ausgestattete Landklöster seelsorgliche Aufgaben übernahmen, konnten sie auch diese Versorgung übernehmen – und tatsächlich waren es im 7. Jahrhundert gerade Bischöfe, die viele der neuen benediktinisch-kolumbanischen Klöster gründeten oder förderten.
Nach Staabs Modell wurden die Mönche also nicht zu Weinbauern, weil sie eine besondere Leidenschaft für Rebstöcke entwickelten. Der Weinbau wuchs vielmehr aus ihrer Einbindung in Seelsorge, Grundherrschaft und bischöflich geförderte Kirchenstrukturen heraus. Damit lässt sich die Kontinuitätslinie weiterziehen: von der spätantiken grundbesitzenden Oberschicht über die Bischofskirchen zu den großen Landklöstern, die zu neuen kirchlichen Trägern einer viel älteren, sehr weltlichen Tradition wurden.
Warum der Messwein (als Erklärung) nicht reicht
Der Messwein erklärt allerdings nur den Einstieg, nicht die Dimension. Zwar war Wein für jede Messe vorgeschrieben, doch der rein liturgische Bedarf war erstaunlich gering. Da die Gläubigen im Mittelalter nur selten kommunizierten – oft nur an den drei Hauptfesten Weihnachten, Ostern und Pfingsten – und der Wein später ohnehin dem Priester vorbehalten blieb, reichten wenige Schlucke pro Messe aus. Eine Weinproduktion von vielen Hunderttausend Litern erklärt der liturgische Bedarf also keineswegs. Genau in dieser Größenordnung bewegten sich aber manche Klöster.
Mönche, Gäste und Liturgie brauchten Schätzungen zufolge nur einen kleineren Teil des angebauten Weins. Ein erheblicher Überschuss stand für Abgaben, Tausch und Verkauf zur Verfügung. Das ist kein frommer Kellermeister, der andächtig seinen Messwein zieht, sondern ein großer grundherrschaftlicher Weinbetrieb, tief eingebunden in die Wirtschaft seiner Region.
Der Messwein bietet – folgt man Staab – eine plausible Erklärung dafür, warum die Landklöster im Frühmittelalter überhaupt in den Weinbau hineingezogen wurden. Groß wurde der klösterliche Weinbau aber, weil Wein ein wertvolles Wirtschaftsgut war.
Und wer arbeitete in den Klosterweinbergen?
Zum Bild vom Klosterwein gehört fast automatisch der Mönch, der in der Kutte zwischen den Reben steht. Für die großen Klosterweinberge des Frühmittelalters trifft das allerdings kaum zu – und die Gründe dafür liegen in der Ordnung des Klosters selbst.
Die Benediktsregel schreibt zwar ausdrücklich die Arbeit mit den eigenen Händen vor, doch diese Arbeit ist der geistlichen Ordnung des Klosters untergeordnet. Und Weinbau ist eine ausgesprochen arbeitsintensive Kultur. Reben verlangen kontinuierliche, planbare Präsenz: Geschnitten, gebunden und gelesen wird, wenn die Rebe es verlangt, nicht wenn gerade Zeit ist. Der Tag eines Benediktinermönchs war dafür denkbar ungeeignet, denn er war durch das Stundengebet zerschnitten – acht Gebetszeiten, über Tag und Nacht verteilt. Das Gebet hatte absoluten Vorrang. Kapitel 43 der Regel verlangt, beim Zeichen zum Gottesdienst sofort alles aus der Hand zu legen und herbeizueilen, wenn auch mit Ernst: „Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden.“
Für etwas Garten- und Landwirtschaft unmittelbar beim Kloster war das kein Hindernis, für größere Weinberge schon. Zumal diese selten neben der Klosterkirche lagen. Klösterlicher Besitz war Streubesitz, oft kilometerweit entfernt, manchmal Tagesreisen. Deshalb, so argumentiert Franz Staab, machten die Arbeit andere. Ein großer Teil der Weinberge war ohnehin verpachtet; die Pächter wirtschafteten auf eigene Rechnung und leisteten Abgaben an das Kloster. Und selbst die Weinberge, die das Kloster offiziell selbst bewirtschaftete, bearbeiteten abhängige Bauern, die ihm Frondienste schuldeten. Der Mönch war Grundherr, nicht Winzer.
Die Winzer, die tatsächlich in den Reben standen, arbeiteten zudem längst nicht nur auf klösterlichem Boden. Neben dem Weinbau der Klöster gab es die ganze Zeit einen weltlichen: adlige Besitzer, aber auch Weinstädte und Winzerdörfer mit eigenständigen Winzern, denen ihr Land oft selbst gehörte. Der Weinbau war nie eine rein klösterliche Angelegenheit.
Dass es uns trotzdem so vorkommt, als sei im Mittelalter aller Wein Klosterwein gewesen, hat mit dem zu tun, was die Klöster tatsächlich auszeichnete – nur eben nicht im Weinberg, sondern im Archiv. Klöster führten Buch, hielten ihre Urkunden fest und bewahrten sie über Jahrhunderte. Als Institution waren sie auf Dauer angelegt: Ihr Besitz zersplitterte nicht, sondern blieb zusammen und wuchs durch Schenkungen sogar weiter an. Der Besitz eines weltlichen Winzers dagegen wurde über die Generationen durch Erbteilung zerstückelt, und seine Aufzeichnungen gingen, sofern es überhaupt welche gab, meist verloren. Dass die Klöster so dominant wirken, liegt also zu einem guten Teil an der Überlieferung.
In genau diesem Bewahren steckt allerdings die eigentliche Leistung der Klöster. Sie sicherten nicht nur ihre eigene Buchhaltung, sondern auch das antike Wissen über den Weinbau. In den Skriptorien wurde die römische Fachliteratur abgeschrieben, studiert und kommentiert, die Werke von Columella, Plinius und Palladius. Ohne diese Schreibarbeit wären sie verloren. Der genuine Beitrag der Klöster war der des Gelehrten, nicht der des Winzers: Sie hielten nicht die Reben am Leben, sondern das Wissen über sie.
Doch damit beginnt eine neue Geschichte …
Ora et labora, bete und arbeite, gilt bis heute als Inbegriff des klösterlichen Lebens. Für die frühmittelalterlichen Klöster traf vor allem der erste Teil zu. Arbeit war Teil der monastischen Disziplin, nicht der Auftrag, einen möglichst effizienten Agrarbetrieb persönlich zu bewirtschaften. Im 12. Jahrhundert trat dann ein Orden auf den Plan, der das „labora“ wieder sehr viel stärker betonen wollte: die Zisterzienser. Ihr bekanntester Vertreter in Deutschland steht im Rheingau – das Kloster Eberbach, das zu einem der größten Weinbauunternehmen des mittelalterlichen Europas werden sollte. Wie es dazu kam und ob die Zisterzienser das „labora“ tatsächlich so wörtlich nahmen, wie es klingt, erzählen wir dann im zweiten Teil.
Die verkosteten Weine: Moselweine aus römischen Lagen
Für diese Folge wollten wir bewusst (noch) keine Klosterweine im Glas haben, sondern Weine aus Lagen, die auf die Römer zurückgehen. Damit lagen Moselweine nahe, wo die römische Präsenz rund um Trier besonders dicht war. Im Glas stehen diesmal drei Weißweine von Ober- und Mittelmosel: ein Elbling und zwei Rieslinge.
Moselwein – Schiefer, Muschelkalk und Steillagen
Die Mosel umfasst rund 8.000 Hektar Rebfläche, etwa acht Prozent der deutschen, mit langsam schrumpfender Tendenz. Gut 90 Prozent davon sind mit weißen Sorten bestockt, so viel wie in keinem anderen deutschen Anbaugebiet, allein 62 Prozent mit Riesling. Und die Hälfte der Fläche ist steiler als 30 Grad.
Die Region gliedert sich in drei Teile mit sehr unterschiedlichen Böden. Oberhalb von Trier liegt die Obermosel auf Muschelkalk; Riesling spielt hier kaum eine Rolle, stattdessen stehen Elbling und Burgundersorten im Weinberg.
Zwischen Trier und Zell folgt die Mittelmosel mit ihrem Devonschiefer, die Heimat des Rieslings und der berühmten Lagennamen.
Zwischen Zell und Koblenz schließt sich die Terrassenmosel an, auch Untermosel genannt, mit jahrhundertealten, von Hand angelegten Terrassen und Steigungen von bis zu 65 Prozent.
Was Moselwein ausmacht
Der Schlüssel liegt im Klima. Die Mosel ist kühl, im Juli liegt die Durchschnittstemperatur bei 18 Grad. Dass hier trotzdem Trauben ausreifen, verdankt sich den Steilhängen: Südlage und Schiefer, der die Wärme speichert, holen eine Reife heraus, die die Region sonst nicht hätte. Die lange, kühle Vegetationsperiode ergibt wenig Alkohol bei hoher Säure – das ist im Kern die ganze Formel.
Die Säure ist entsprechend die tragende Komponente und hält die Restsüße im Gleichgewicht, dazu kommt häufig ein Eindruck von nassem Stein. Der typische Moselriesling, wie man ihn international kennt, hat sieben bis neun Prozent Alkohol, ist leicht süß und trotzdem frisch. Trockene Moselweine sind dabei keine Modeerscheinung, sondern eher eine Rückkehr: Als die Mosel Ende des 19. Jahrhunderts Weltruf genoss, waren ihre Weine trocken.
Stephan Steinmetz – Elbling 2024
Angeblich eine Römerrebsorte, und ganz sicher kein Wein zum Philosophieren, sondern einer zum Füße-hochlegen. Der Stephan Steinmetz Elbling 2024 kommt aus Palzem-Wehr an der Obermosel, wo heute fast der gesamte deutsche Elbling steht, gewachsen auf Muschelkalk. Im Glas zeigt er sich sehr hell und klar, fast wie helle Birne. In der Nase frisch und apfelig mit etwas Zitrus, hellfruchtig. Am Gaumen eine straffe Säure, die fast ein wenig perlig wirkt, dazu grüner Apfel und ein Abgang, der gut ausbalanciert ist und nicht nur von der Säure lebt. Ganz anders als ein Riesling, ein richtig angenehmer, unkomplizierter Tischwein. 10,5 Prozent Alkohol, 8,00 Euro.
Stephan Steinmetz führt das Weingut in Palzem-Wehr in sechster Generation. Anfang der Neunziger übernahm er es mit 22 Jahren als jüngstes von vier Kindern; heute ist es ein Familienprojekt mit seiner Frau Petra und den Kindern. Auf rund sechs Hektar entstehen in einem normalen Jahrgang etwa 40.000 Flaschen, ausschließlich Elbling und Burgundersorten. Riesling baut Steinmetz bewusst nicht an. Auf Muschelkalk wäre das durchaus möglich, in der Pfalz geschieht es ja auch – aber an Saar und Mosel, so seine Begründung, gebe es schon so viele großartige Rieslinge, dass er nicht noch einen weiteren brauche.
Ausgebaut wird kompromisslos trocken, kein Wein hat mehr als 3,5 Gramm Restzucker, dazu leicht und schlank mit wenig Alkohol. Verschlossen wird ausschließlich mit Naturkork. Statt Sekt macht Steinmetz Crémant, also Schaumwein nach traditioneller Flaschengärung außerhalb der Champagne – und zwar seit 1998, als das in Deutschland erlaubt wurde. Die Regeln dafür sind streng: Handlese, Trauben ohne maschinellen Druck auf die Kelter, zweite Gärung in der Originalflasche. Sein Crémant Liaison lohnt sich ausdrücklich.
Elbling – eine Rebsorte von der Mosel und ihr Römer-Mythos
Der Elbling ist eine uralte weiße Rebsorte und heute Nischenware an der Obermosel. Er gilt als Massenträger: früh reif, ertragreich, dünnhäutig. Die Weine sind leicht, säurebetont und alkoholarm, weshalb Elbling häufig als Sekt-Grundwein dient.
Gern erzählt wird, die Römer hätten ihn im 4. Jahrhundert über Gallien ins Rheintal gebracht. Die Grundlage dafür ist allerdings dünn und besteht im Wesentlichen aus dem Namen: Plinius erwähnt eine vitis alba, eine weiße Rebe, die erst später mit dem Elbling gleichgesetzt wurde. Zwischen den Römern und dem ersten Nachweis der Sorte liegen über tausend Jahre, und die ältesten Belege finden sich (passenderweise) in Klosterakten. Wahrscheinlicher ist jedenfalls, dass der Elbling wie der Riesling im Rheintal entstanden ist. Auch die Genetik stützt den Mythos nicht: Eine 2026 in Nature Communications veröffentlichte Studie hat 54 archäologische Traubenkerne aus Frankreich untersucht – für keine heutige europäische Rebsorte ließ sich ein römischer Nachweis führen.
Ansgar Clüsserath – Piesporter Goldtröpfchen 2023
Mit dem zweiten Wein wechselt alles: Schiefer statt Muschelkalk, Steillage, Riesling. Und ein Weinberg, der nachweislich auf die Römer zurückgeht, während der Wein darin heute typisch Mosel ist. Der Ansgar Clüsserath Piesporter Goldtröpfchen 2023 wächst auf verwittertem Schiefer an der Mittelmosel. Im Glas ist er wirklich hell, hellgelb, klar und durchsichtig. In der Nase Honig und Steinobst, würzig, mit einer gewissen Schwere; das Weingut selbst spricht von Exotik, Lavendel und Zitronenmelisse. Am Gaumen dann zitrische Frische, schmelzig, elegant und sehr klar, mit einer Säure, die deutlich da ist, aber nicht brachial wirkt. Restsüße ist kaum zu spüren, er wirkt eher trocken als feinherb. Ein eleganter Riesling ohne Zuckerschwänzchen, der sich mit 10,5 Prozent wunderbar leicht wegtrinkt – ein schöner Sommerwein. 22,00 Euro.
Hinter dem Wein steht Eva Clüsserath-Wittmann in Trittenheim an der Mittelmosel. Das Familienweingut besteht seit 1670 und ist mit 5,5 Hektar klein geblieben, zu 99 Prozent mit Riesling bestockt, dazu ein einziger Weinberg Weißburgunder. Früher trug das Weingut in jeder Generation einen anderen Namen; Eva hat damit Schluss gemacht, es bleibt bei Ansgar Clüsserath. Ihr Vater Ansgar arbeitet nach wie vor mit.
Bewirtschaftet werden bewusst viele kleine Parzellen, neben dem Goldtröpfchen, das eher fruchtig und früh zugänglich ausfällt, etwa die Trittenheimer Apotheke und der Dhroner Hofberg. Gelesen wird von Hand in mehreren Durchgängen. Im Keller gilt das Prinzip der geringen Intervention: Jeder Weinberg wird separat in alten 1.000-Liter-Fudern ausgebaut und vergärt spontan, die letzten Fässer werden oft erst im Mai fertig. Das Ziel sind elegante Weine mit möglichst niedrigem Alkohol, in denen die Lage schmeckbar wird. Einen Blick wert sind auch die Weine „Steinreich“ und „vom Schiefer“.
Piesporter Goldtröpfchen – Römerkelter und Kloster Prüm
Wer an der Mosel entlangfährt, sieht die Lagennamen in großen Lettern in den Weinbergen stehen, vom Kröver Nacktarsch bis eben zum Piesporter Goldtröpfchen. Das Goldtröpfchen gehört zu den international bekanntesten Lagen der Region, und unter ihm liegt ein besonderer Fund. 1985 stieß man beim Wegebau im Zuge der Flurbereinigung auf eine römische Kelteranlage von 44 mal 20 Metern mit sechs Becken, ausgelegt auf geschätzt 60.000 Liter. Datiert wird sie ins 3. bis 4. Jahrhundert, und sie gilt als die größte römische Kelteranlage nördlich der Alpen.
Ein Kloster kommt – passend zum Geschichtsteil unserer Folge – erst viel später ins Spiel. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Lage 776 im Goldenen Buch der Abtei Prüm, anlässlich der Übertragung eines Weinbergs, also rund 400 Jahre nach der Kelter.
Noch jünger ist der Name. Die erste bekannte schriftliche Nennung als „Goldtröpfchen“ stammt von 1868; aus diesem Jahrgang gingen 13 Flaschen nach Berlin, zu 6 Mark das Stück. Die Lage ist also über 1.500 Jahre alt, ihre erste urkundliche Erwähnung 1.250 Jahre, und ihr berühmter Name keine 160.
Fritz Haag – Brauneberger Juffer Riesling GG 2023
Schon gewusst? Um 1900 waren Moselweine tatsächlich teurer als Bordeaux. Danach ging es aber rund 80 Jahre erstmal bergab: Massenerträge und süße Weine ruinierten den Ruf der Region. Der dritte Wein stammt von einem Weingut, das in dieser Zeit konsequent auf Qualität gesetzt hat – und er wächst in einer weiteren Lage mit römischer Kelter. Der Fritz Haag Brauneberger Juffer Riesling GG 2023 steht auf blauem Devonschiefer an der Mittelmosel. Im Glas ein helles Gelb, in der Nase fruchtig und apfelig, mineralisch mit deutlichem Schiefer. Am Gaumen Pfirsich, Würze und nasser Stein, sehr elegant und mit schönem Körper. Die Säure dominiert klar, der Wein lebt von ihrer Finesse, und er bleibt lange. 12,5 Prozent Alkohol, 4,3 Gramm Restzucker und 7,4 Gramm Säure pro Liter, 32,00 Euro.
Das Weingut Fritz Haag wird 1605 erstmals erwähnt und ist seither durchgehend in Familienbesitz. Auf 38 Hektar, ausschließlich Schiefersteillagen, wächst nur Riesling. Seit 2005 führen Oliver Haag und seine Frau Jessica den Betrieb; Oliver studierte in Geisenheim und sammelte Erfahrung in Deutschland und Südafrika.
Geprägt hat das Weingut vor allem sein Vater Wilhelm Haag (1937–2020). Zwischen 1984 und 2004 war er Vorsitzender des VDP Mosel-Saar-Ruwer, also genau in einer Zeit der Massenernten und Weinskandale, und gilt als eine der Figuren der Riesling-Renaissance nach der Süßwein-Ära. 1994 kürte ihn der Gault Millau zum allerersten „Winzer des Jahres“. Um Journalisten die Mineralität seiner Weine begreiflich zu machen, ließ er sie auch schon mal auf Schiefer beißen.
Gelesen wird von Hand in bis zu vier Durchgängen. Nach kurzer Maischestandzeit vergären die Weine spontan und reifen je nach Wein in 1.000-Liter-Fudern oder Edelstahl. Das Ergebnis sind filigrane, feine Rieslinge, keine opulenten.
Auch am Fuß der Brauneberger Juffer liegt eine römische Kelter. Entdeckt wurde sie 1990, wie in Piesport bei der Flurbereinigung, unterhalb der Juffer Sonnenuhr: eine Doppelanlage von 40 mal 9 Metern, in Betrieb vom 3. bis ins 5. Jahrhundert.
Die erste schriftliche Nennung stammt aus dem Jahr 588. Der Überlieferung nach schenkte der Frankenkönig Childebert II. damals das Krongut zu Dusemond an Bischof Agericus von Verdun, weil dessen Kirche keine eigenen Weinberge besaß. Rund 300 Jahre nach der Kelter ging das Weinland damit an die Kirche – an einen Bischof, nicht an ein Kloster, was gut zum Bild aus dem Geschichtsteil passt. Dusemond hieß der Ort übrigens bis 1925, erst dann wurde er in Brauneberg umbenannt.
Im Brauneberg liegt die rund 32 Hektar große Juffer, mittendrin die etwa 10 Hektar große Juffer Sonnenuhr. Es ist eine reine Südlage auf Devonschiefer mit Steigungen von bis zu 80 Prozent. Woher der Name Juffer kommt, erzählt eine hübsche, allerdings unbelegte Geschichte, die Oliver Haag weitergibt: Im Ort lebte einst ein Kammerherr namens Wunderlich mit drei Töchtern, die sich lieber dem Wein als den Männern widmeten und ledig blieben. Die Eltern benannten die Weinberge daraufhin nach ihnen (Juffer ist das moselfränkische Wort für Jungfer).
Transkript zu Klosterweinbau (1): Wie die Mönche zum Wein kamen | Im Glas: Moselweine
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Marcel
0:01:55
Moin, moin, moin.
Heiko
0:01:57
Hallo und wie immer herzlich willkommen zurück zu einer neuen Folge Geschichteim Glas. Eine kurze Hausmitteilung zu beginnen.
Marcel
0:02:05
Wir sind im Museum.
Heiko
0:02:06
Wir sind im Museum, nicht weil wir Fossilien sind. Aber wenn jemand von euchzufällig aus Ilmenau kommt oder in den nächsten Wochen einen Aufenthalt dort plant, noch bis zum 17.Oktober gibt es in der Kulturfabrik Ilmenau anlässlich der Goethe-Festwocheeine Ausstellung über Goethes Treiben.Und unsere beiden Folgen über Goethe und den Wein werden dort gefeatured.Mehr Infos findet ihr unter www.goethestreiben.de und falls ihr die beiden Folgennoch nicht kennt, dann hört sie euch gerne nochmal an.
Marcel
0:02:34
Wir haben es geschafft.
Heiko
0:02:36
Aber heute geht es um was anderes. Heute packen wir den Messwein aus sozusagen,denn in dieser und in der nächsten Folge geht es bei uns um Klosterweinbau. Genau.Wir beginnen heute erst einmal ganz chronologisch mit den Ursprüngen.Also wie kam der Wein überhaupt zu den Mönchen und haben sie,wie ja nach wie vor gerne gesagt wird, den Weinbau wirklich über das vermeintlichdunkle Mittelalter hinweg gerettet?In der nächsten Folge gehen wir dann auch chronologisch weiter und schauen unsdie Zisterzienser genauer an, was die anders gemacht haben und wie aus dem KlosterEberbach eines der größten Weinunternehmen Europas eigentlich wurde.Man könnte jetzt also meinen, wir trinken heute Klosterweine, passend zum Thema.Für diesen ersten Teil hatte ich Marcel aber eigentlich bewusst gesagt,er soll erstmal keine Klosterlagen recherchieren, sondern eher Weine aus Lagen,in denen schon die Römer angebaut haben.Und warum das so ist, das erkläre ich im Laufe der Folge. Aber Marcel,was hast du denn aus meinem Input gemacht? Was hast du uns heute leckeres mitgebracht?
Marcel
0:03:28
Ich war schon, ich war ehrlicherweise erschrocken und ich dachte,ja, vielleicht passt das jetzt mittlerweile auch nicht mehr.Ich habe mich ja beruhigt, dass ich da immer noch auf der richtigen Fährte war.Ja, also Lagen, auf die Römer zurückgehen, da passt natürlich das Trier-Mosel-Gebietsinnvollerweise. Und wir sind also an der Mosel und sprechen über Moselweineoder sprechen nicht nur drüber, sondern vor allen Dingen haben wir sie auch probiert.Ja, und da gibt es super viele schöne Weingüter. Ich war an der Mosel schonmal nicht jetzt im Rahmen der Podcast-Recherche, sondern weil ich mich mit denWeingütern dort auseinandergesetzt hatte.Oder ich wollte einfach mal sehen, weil ich es ja immer cool finde,wenn man vor Ort ist, ein bisschen die Luft atmet, wo der Wein wächst und auchdie Leute kennenlernt. Und wir könnten mehrere Folgen natürlich zu Mosel alleinschon machen. Und mir ist ein bisschen schwer gefallen, sozusagen zu selektieren.Aber dein Hinweis war natürlich gut, weil dementsprechend habe ich mir die Weißweineausgesucht, wo es irgendwie…Entweder von der Rebsorte oder von der Lage her einen Römerbezug gibt.Dementsprechend trinken wir heute mal drei Weißweine von der Obermosel und vonder Mittelmosel. Wir sind heute preislich zwischen 8 und 32 Euro.Und ich habe natürlich auch wieder eine Karte mitgebracht, die du mal öffnen kannst.Dort sieht man nämlich die Mosel eingezeichnet, unter anderem dann die Obermoselund die Mittelmosel, wo die drei Wellengüter eingezeichnet sind.
Heiko
0:04:53
Genau, das Bild, das packen wirwie immer auch auf Instagram unter den Shownotes oder als Kapitelmarke.
Marcel
0:05:00
Wir trinken einen Wein von Stefan Steinmetz von der Obermosel und zwar ein Elblink.Ich weiß nicht, ob du den schon mal gehört hast. Noch nie? Okay, gut, sehr gut.Dann von Ansgar Klüsselrath einPeaceporter Goldtröpfchen. Das sagt dir sicherlich was, so wie du lachst.
Heiko
0:05:15
Nee, ich sag’s, weil es einfach niedlich klingt.
Marcel
0:05:16
Okay, okay. Und von Fritz Haag, Braunberger Juffa, ein großes Gewächs haben wir heute dabei.
Heiko
0:05:23
Das ist wahrscheinlich nicht der für 8 Euro.
Marcel
0:05:27
Einmal Elbling, zweimal Riesling. War natürlich jetzt mal wieder ganz geil,Riesling zu trinken, in Vorbereitung.Also magst du ja auch, weiß ich ja. Ich weiß nicht, ob du zur Mosel dich schon mal belesen hast.
Heiko
0:05:41
Ich habe mich nicht wieder auseinandergesetzt.
Marcel
0:05:42
Nein, aber vielleicht hast du jetzt im Rahmen der Recherche.
Heiko
0:05:44
Nicht explizit.
Marcel
0:05:46
Ja, deswegen vielleicht ganz kurz zur Mosel, dass wir die einmal kurz einordnen.Wir haben hier rund 8000 Hektar, das ist so 8% prinzipiell von Deutschland, der Weinfläche.Die schrumpft auch langsam, weil wie überall natürlich das Thema Wein,es wird weniger getrunken und so.Wir haben hier vor allen Dingen 90% Weißwein und das ist der höchste Weißweinanteilin Deutschland und wir haben vor allen Dingen vier Rieslingen und das kenntman glaube ich auch so, wenn man von der Mosel gehört hat.Die Hälfte der Fläche ist dann auch steil, also du hast ganz viele Steilhänge,die dann steiler als 30 Grad sind.Und wir haben vor allen Dingen drei Regionen. Das ist einmal die Obermosel,wie ich gerade schon erwähnt habe, das ist dann oberhalb von Trier,wie man auf der Karte sieht.Da haben wir vor allen Dingen so einen Muschelkalkboden, weniger Riesling,sondern tatsächlich eher Elbling und Burgundersorten.Da fangen wir gleich mit an. Dann haben wir die Mittelmosel,die von Trier bis Zell reicht.Da haben wir vor allen Dingen Devon Schiefer. Da gibt es die berühmten Rieslingeoder Namen, die man auf jeden Fall schon mal gehört hat.Da sind wir bei Wein zwei und drei. Und dann nochmal die Terrassen Mosel,beziehungsweise Unter Mosel von Zell bis Koblenz, wo sie dann in den Rhein fließt.Und da haben wir eher so wirklich sehr steile, jahrhundertealte Terrassen,die bis 65 Prozent gehen.Haben wir heute leider nicht im Glas, auch da hätte ich Weingüter dabei gehabt.Was macht Mosel Wein jetzt eigentlich aus? Wir haben Säure als wichtige Komponente,weil es dort auch einfach auf den Hängen etwas kühler wird sozusagen.
Heiko
0:07:12
Passt ja auch zu Riesling auch.
Marcel
0:07:13
Ja, passt super gut zu Riesling. Und diese Säure hält halt auch die Restsüße im Gleichgewicht.Dazu haben wir so einen Eindruck von nassem Stein. Wir haben so,wenn man jetzt so aus dem Ausland blickt auf die Mose, dann ist so der typischeMose. Riesling hat 7 bis 9 Prozent Alkohol, also relativ leicht,süß, aber auch trotzdem frisch, weil wir halt die Säure haben.Und was so ein spannender Fakt eigentlich ist, weil man denkt ja immer,früher gab es viele süße Weine, also haben wir ja auch schon mal in unsererÖsterreich-Folge sozusagen die 70er, 80er beleuchtet.Stimmt natürlich für den Bereich, aber es gab früher auch schon mal eine Phase,wo es trockene Weine von der Mosel gab und jetzt haben wir eigentlich wiedereine Rückkehr davon. Also ja…Und ja, schauen wir uns einfach die oder probieren wir gleich dann mal in die Mose rein.
Heiko
0:08:02
Ich bin schon gespannt, ich freue mich. Ja, aber erstmal zum Thema Kloster undAlkohol, das gehört für uns heute zumindest ja schon irgendwie zusammen.Jedenfalls denkt man daran, die meisten denken wahrscheinlich zuerst auch ans Bier.So Klosterbrauereien kennt jeder, so im Mittelalter soll es ein paar hundertgegeben haben. Und noch heute sehen wir das überall so in den Marken,irgendwie eine Paulana zum Beispiel kennt man und gefühlt auf jedem zweitenBieretikett irgendwie in Deutschland, aber auch Belgien irgendein Mönch oderein Klostergemäuer oder so drauf.
Marcel
0:08:28
Oder für die ältere Herrschaften Klosterfrau im Lissengeist,was man auch sehr viel Alkohol enttet.
Heiko
0:08:33
Also ja, das spricht ja mit Biersehn nicht zu tun. In vielen Fällen,vor allem auch beim Genannten, ist das jetzt nur noch ein Markenname.Aber es gibt tatsächlich auch noch in Deutschland heute noch echtes Klosterbier.Aber natürlich haben Klöster nicht nur gebraut, sondern eben auch Wein gemacht.Überall dort vor allem, wo es das Klima erlaubte. Und im Burgund zum Beispielist das bis heute ja auch sichtbar, so in diesen ummauerten Weinbergen,von denen zumindest einige auf mittelalterlichen Klosterbesitz zurückgehen,diese sogenannten Klos, die wir auch in unserer Burgund-Folge sehen.Kennengelernt hatten. Generell sind uns Klöster und Mönche in diesem Podcastja tatsächlich immer wieder mal so am Rande über den Weg gelaufen. Echt?
Marcel
0:09:08
War das so?
Heiko
0:09:09
Ja, du hattest glaube ich die Lachrima Christi, hast du gesagt,geht auf irgendwie eine Legende von irgendeinem Kloster wieder.Irgendwo hatten wir das noch. Tränen Gottes. Genau, die Tränen Christi.Also immer wieder war, oder hier das Blut des Jupiter, was irgendwelche Mönche gesagt haben.Zwischendurch hatten wir das immer wieder, deswegen dachte ich mir höchste Zeit,dass wir uns das mal genauer anschauen.
Marcel
0:09:30
Ich habe ehrlicherweise gar nicht so viele Berührungspunkte bisher mit Klösternoder so gehabt, aber es gehört irgendwie dazu. Exakt, Zeitwürde, siehst du.
Heiko
0:09:39
Passt doch. Aber diese enge Verbindung von Alkohol und Kloster,die führt uns erstmal in die Irre, sobald wir weit genug zurückgehen,nämlich an die Anfänge des Mönchtums und da sind wir noch gar nicht im europäischenMittelalter, also nicht bei diesen großen Klöstern mit ihren Weinbergen,die wir jetzt vielleicht vor Augen haben.Wir sind erstmal im dritten und vierten Jahrhundert und zwar im östlichen Mittelmeerraumin Ägypten, Syrien, also einfach in der Wüste auch.Und hier entstehen jene Formen des christlichen Mönchstums, die für die weitereGeschichte einfach prägend werden. Besonders so berühmt werden einfach auchdiese Wüstenasketen Ägyptens.Und diese ersten Mönche, das sind Einsiedler, die sich eben in die Wüste zurückziehen,um allem zu entsagen, was das weltliche Leben ausmacht.Das Wort Mönch, das kommt auch aus dem Griechischen Monachos,das wiederum abgeleitet ist vom griechischen Monos, was allein bedeutet.Das kennt man ja in vielen Kontexten auch noch im heutigen Sprachgebrauch.Monarchie zum Beispiel für die Alleinherrschaft.Und in diese monastische Welt des Verzichts passt der Wein natürlich schlecht.Und für viele strenge Asketen gehörte daher der Verzicht auf Wein wie selbstverständlichauch zur Entsagung und er wurdewirklich zu so einem sichtbaren Zeichen asketischer Selbstbeherrschung.Interessante Side-Note dabei allerdings ist, dass diese radikale Ablehnung desWeins ja in gewisser Weise zumindest gegen die eigene Religion stand.Es gab natürlich vor dem Christentum schon Weingottheiten, wir müssen ja nuran unsere erste Folge über die Bachanalien in Rom denken.Auch im Judentum spielt Wein durchaus eine positive Rolle, aber im Christentumrückt der Wein jetzt natürlich besonders ins Zentrum. Wein ist im Neuen Testamentauffallend präsent und nach Wasser das am häufigsten erwähnte Getränk.Jesu erstes Wunder ist buchstäblich die Verwandlung von Wasser zu Wein.Und beim Abendmahl wird der Wein zum Blut Christi. Also zentraler geht es ja eigentlich kaum.Und wie selbstverständlich der Verzicht auf Wein trotzdem dann für die frühenMönche war, das sieht man in einer kleinen, aber feinen Bemerkung des Anastasius von Alexandria.Anastasius, der war Bischof von Alexandria und schrieb so um das Jahr 360 eineLebensbeschreibung Antonius des Großen, der auch der Vater aller Mönche bezeichnetwird, weil er eben so bedeutend für das christliche Mönchtum ist.Und Anastasius nun schreibt über Antonius, er müsse eigentlich gar nicht erwähnen,dass Antonius ja auf Fleisch und Wein vollständig verzichtete.Das hätten schließlich auch andere Asketen getan. Also es war einfach selbstverständlich.
Marcel
0:11:44
Wo war Alexandria nochmal?
Heiko
0:11:46
Alexandria ist Ägypten.
Marcel
0:11:47
Ja, okay.
Heiko
0:11:49
Das ist so der Leuchtturm von Alexander. Da ist Weltwunder auch.
Marcel
0:11:52
Das Weltwunder, die Bibliothek.
Heiko
0:11:53
Der Leuchtturm, ganz berühmt genau. ursprünglich von Alexander im Großen gegründet.Genau, und dann kommt aber Benedikt von Nursia. Benedikt lebte ca. 480 bis ca.550 in Italien und bekam die Ehrenbezeichnung Vater des abendländischen,also des westlichen Mönchtums. Er gründete das Kloster Monte Cassino und verfasste eine Mönchsregel.Und diese berühmte Benediktregel, die nach ihm benannt ist, wird zur Grundlageeigentlich des klösterlichen Lebens im gesamten lateinischen Europa und prägt das über Jahrhunderte.
Marcel
0:12:21
Hat aber nichts mit den Benediktinern zu tun.
Heiko
0:12:23
Doch, genau, die kommen daher. Das ist quasi, dass die Benediktine ist dannder Orden, der nach dieser Mönchsregel vornehmlich vorrangig lebt.Und anders als diese Wüstenväter im Osten ist Benedikt jetzt eher so ein Manndes Maßes. Jemand, der die Extreme ein bisschen bewusster scheut.Und genau deshalb wird die Weinfrage jetzt bei ihm interessant.Und im 40. Kapitel seiner Regel behandelt er diese. Und man merkt dem Text ein bisschen…
Marcel
0:12:45
Seiner Regel. Also eine Regel ist 40…
Heiko
0:12:49
Die Mönchsregel hat sehr, sehr viele Kapitel. Also Unterregeln sozusagen.Aber man merkt dem Text, wenn es um den Bein geht, so ein bisschen die Verlegenheit an.Das nächste Bild in unserer Galerie, das ist der Anfang von Kapitel 40 aus dem Kodex St. Galensis 914.Dieser Kodex wurde geschrieben um 820 in St. Gallen und es gibt zwar auch ältereHandschriften dieser Regel. Die älteste liegt zum Beispiel in Oxford und stammt aus England um 700.Aber dieser Kodex St. Galensis, der gilt so als die textgeschichtlich wichtigsteund auch die verlässlichste, denn sie ist so im Prinzip wirklich eine direkteAbschrift einer Handschrift von der Reichenau, die wiederum entstand,weil Karl der Große sich wirklich die Mönchsregel aus Monte Cassino, also da, wosie auch hergeschrieben wurde, hat kommen lassen und wirklich buchstabengetreu kopieren ließ.Also keine überlieferte Handschrift dürfte quasi näher am Original sein alsdiese, von der ich jetzt mal ein Bild mitgebracht habe und keine Sorge,ich lass dich das jetzt nicht vorlesen und übersetzen.Ja genau, keine Sorge, das mach ich nicht.
Marcel
0:13:42
Das sieht Latein aus auf jeden Fall.
Heiko
0:13:43
Genau, es ist Latein und da heißt es dann in der sechsten, ja,schwarzen Zeile nach diesem roten Kapitel, also dieses Rote ist quasi die Kapitelüberschriftund dann sechs Zeilen drunter, dasteht dann, Tamen in Firmorum contuentes inbequibilitatem credimus eminam,vini per singulus sufficere per diem.Es heißt so viel wie, dennoch glauben wir mit Rücksicht auf die Schwäche derSchwachen, dass eine Heminerwein täglich für jeden genügt.
Marcel
0:14:10
Heminer.
Heiko
0:14:11
Eine Heminer, das ist so ein altes römisches Maß, das ist ungefähr ein Viertelliter,also ich glaube so ein 0,27 müsste das ungefähr sein.
Marcel
0:14:19
Zwei Gläser.
Heiko
0:14:20
Und es deutet ja schon an, wenn man…
Marcel
0:14:21
Die zwei Gläserwein. Pro Tag.
Heiko
0:14:23
Ja. Er schreibt halt aus Rücksicht auf die Schwäche der Schwachen und das deutetja schon an, warum er da nicht so streng sein will. Und an späterer Stelle wirddas nochmal deutlicher.Da heißt es dann, und das hatten wir jetzt auch in unserem Cold Opener,zwar lesen wir Weinpassive überhaupt nicht für Mönche, weil aber die Möncheheutzutage sich davon nicht überzeugen lassen, sollten wir uns wenigstens daraufeinigen, nicht bis zum Übermaß zu trinken.Also er gibt buchstäblich nach, weil die Mönche einfach trinken wollen,aber wenn ein Kloster mal nicht genug Wein hat, dann sollen die Mönche zumindestnicht murren, schreibt er auch noch hinterher.Also man sieht einen kleinen Schritt vom frühchristlichen Ideal des asketischenMönchs, der in der Wüste lebt und auf Wein vollkommen verzichtet.Hin zu so einem Zugeständnis im Westen, sozusagen im westlichen Europa,an die menschliche Schwäche oder auch einfach die anderen Lebensumstände.Aber man sieht eben trotzdem noch bei Benedikt, der Wein, der ist bei ihm jetztnicht so ein monastisches Gut, jetzt nichts, was irgendwie zum Kloster dazugehört.Er ist eher so ein geduldetes Übel, so ein Zugeständnis, das er eben schweren Herzens eher macht.Daher stellt sich jetzt schon die Frage, wenn Weinverzicht so in den frühenmonastischen Idealen ein so hohes Ansehen genoss, wie kam es überhaupt dazu,dass ausgerechnet Klöster dann später zu diesen bedeutenden Produzenten vonWein oder auch Bier wurden.Und um uns das anzuschauen, müssen wir zurück zu den Anfängen des Weinbaus inEuropa eigentlich und nicht zuletzt zu ein paar Alpen Bekannten unseres Podcasts,nämlich den Römern natürlich.Dazu aber würde ich sagen, kommen wir nach dem ersten Wein, den wir uns da erstmaleinmal ein bisschen gestärkt und erfrischt haben.
Marcel
0:15:50
Gestärkt, genau. Zwei Gläser Wein sind ja dann okay.
Heiko
0:15:53
Genau, machen wir mal eine Heminer Weinreihe. Wobei, nee, nicht jetzt schon,weil sonst hätten wir unsere Tagesration, dann können wir die anderen nicht mehr probieren.
Marcel
0:16:01
Wir haben jetzt im Glas Stefan Steinmetz, den Elbling von 2024.Angeblich eine Römer-Rebsorte.
Heiko
0:16:10
Der Elbling schon? Ja.
Marcel
0:16:12
Kein Wein zu philosophieren, sondern tatsächlich Füße hoch und genießen.Kannst du es ja mal versuchen auf den Scheibbisch.Wir sind jetzt an der Obermose.
Heiko
0:16:23
Die Farbe ist offenbar klar.
Marcel
0:16:25
Sehr klar und hell. Wir sind jetzt an der Obermose, wo fast der gesamte deutsche Elbling steht.Und die Sorte, wie gesagt, sollen die Römer mitgebracht haben.Plinus erwähnte eine Vitis alba, lateinisch, wenn es richtig ausgesprochen ist, eine weiße Rebe.
Heiko
0:16:40
Wollte ich gerade sagen, es passt ja auch zumindest zum, achso,bei die Rebe, ich habe jetzt an den helle Farbe gedacht.
Marcel
0:16:46
Gleichgesetzt mit dem Elbling hat man das erst später, allein über den Namendann nachher, obwohl zwischen den Römern und dem ersten Elbling Nachweis 1000 Jahre liegen.
Heiko
0:16:56
Okay, also es ist vielleicht auch ein bisschen nachträglich konstruiert.
Marcel
0:16:59
Komme ich gleich nochmal zu, aber der Fakt, oder wo sich ja der Kreis dann wiederumschließt, dass es dann wiederum die ältesten Belege in Klosterakten gibt.Dann würde ich sagen, zum Wohl.
Heiko
0:17:09
Zum Wohl, ganz deutsch, bei deutschen Weinen.Der riecht sehr, sehr frisch. Es war jetzt nicht super intensiv.
Marcel
0:17:22
Aber es riecht frisch.
Heiko
0:17:25
Fruchtig.
Marcel
0:17:26
Fruchtig, apfellig ein bisschen. Fruchtig auf jeden Fall.Ah, das ist ein gutes Sauerstoff. Ja.
Heiko
0:17:39
Oh ja, angenehme Säure.
Marcel
0:17:41
Ja.
Heiko
0:17:41
Also, aber er hat eine leichte Säure. Also, hattest du ja eigentlich auch verratenschon, dass das alles sehr säurehaltig da ist. Aber man hat es schon,aber tatsächlich eine sehr angenehme.
Marcel
0:17:48
Ja, also schon irgendwie auch straff oder irgendwie so. Oder knackig,sagen wir mal schön. Sehr trocken auf jeden Fall, ne?
Heiko
0:17:55
Ja.Ich finde es einen ganz leicht mineralischen Touch, merkt man schon.Füße hoch, genießen.
Marcel
0:18:08
Es ist ein super leichter Wein, der doch nicht viel Alkohol…
Heiko
0:18:15
Säure merkt man schon, auch jetzt nach ein paar Schlücken ein bisschen mehr.Also der erste Schlück war ich noch ein bisschen sanft, aber es hat schon Säure.
Marcel
0:18:25
Ja, wir haben jetzt acht Euro im Glas. Das ist irgendwie so auf jeden Fall ein so Tischwein.
Heiko
0:18:32
Ja, Fensterwein.
Marcel
0:18:34
Fensterwein. Genau.
Heiko
0:18:38
Ja, nichts, was jetzt ehrlicherweise so mega im Kopf bleibt,wo ich jetzt sage, irgendwie, ja krass, oder irgendwie, boah,das und das merke ich da raus, aber da kann man schon so nebenbei ganz gut.
Marcel
0:18:49
Ja, Stefan Steinmetz ist Winzer von Palzem Wehr an der Obermussel,in der sechsten Generation.Er hat in den 90er Jahren mit 22 Jahren übernommen und als Jüngstes von vierKindern und es ist heute ein Familienprojekt mit seiner Frau Petra und den Kindern.Wir haben hier ein kleines Familienweingut von 6 Hektar, was so 40.000 Flaschenin so einem normalen Jahrgang sind und er macht Elbling und Bugunda.
Heiko
0:19:16
Wundert mich dann fast, dass trotzdem quasi nur 8 Euro weinst.8 Euro denke ich eher an so ein bisschen mehr Massenproduktion oder so bei den Pflanzen.
Marcel
0:19:23
Nee, er hat halt ein unterschiedliches, also er macht auch unterschiedliches,er macht zum Beispiel auch Cremont.Und wirklich bewusst Cremont statt Sekt, weil Cremont, ich weiß nicht,was sagst du, was Cremont ist?
Heiko
0:19:33
Also natürlich kenne ich Cremont und ich habe auch Cremont getrunken,aber ich hätte jetzt gedacht, ich dachte, das wäre sowas wie,man hat halt Champagner, man hat in Deutschland Sekt, man hat ein Prosecco und so.Aber ich wusste jetzt nicht, dass Cremont nochmal bewusst vielleicht eine andereHerstellungsart als Sekt ist.
Marcel
0:19:46
Also Cremont ist bewusst die Methode Champagnois.
Heiko
0:19:50
Ah, nur halt dann nicht aus Japan. Okay, dann hatte ich das doch ungefähr grobin die richtige Richtung.
Marcel
0:19:54
Und seit 98 geht das in Deutschland. Und da war er direkt mit dabei.Er hat auch vorher schon angefangen, tatsächlich nach der Methode herzustellen.Da gibt es bestimmte Regeln. Du musst Handlesen. Du musst Trauben ohne Maschinendruckbringen. Du machst eine zweite Gehrung in der Originalflasche.Es gibt bestimmte Vorgaben.
Heiko
0:20:11
Wer das näher wissen will, der kann ja auch nochmal unsere Folge über die französischen,Kollaborateure in der Nazi-Zeit hören.Über die Burgund-Folge, weil da hatten wir glaube ich am Anfang auch den Champagnerund da hatten wir ein bisschen, ein bisschen sind wir auch auf die Methode Champagnonreingegangen, ein bisschen mehr im Detail.
Marcel
0:20:26
Er hat nämlich tatsächlich, was ich super gerne von trinke, ist der CremantLaison, das ist tatsächlich aber ein Spätburgunder-Weißburgunder Misch, also quasi Cuvée,hat jetzt natürlich nicht so gut gepasst wie der Elbling sozusagen.Es gibt tatsächlich auch nochmal ein Elbling-Cremant, ein Cremant Blanc,aber ich habe gedacht, wir fangen heute mit so einem einfachen Tischwein einfach mal an.Generell hat er keine also es ist keine Spontangärung ausnahmsweise mal.Ich glaube, sonst haben wir fast immer nur Spontangärung im Glas.Er setzt bewusst Reinzuchthefen ein und die Weine liegen bei ihm lange auf derHefe und das ist so ein bisschen sein Stilmittel.Dadurch werden die Weine ein bisschen breiter und cremiger, weniger jugendlichin der Frucht, was man jetzt ehrlicherweise hier gar nicht so unbedingt merkt, so in dem Sinne.Aber Elbling ist wirklich ein sehr leichter Wein, der gar nicht so einen krasseigenen Charakter hat und dadurch, dass er länger auf der Hefe liegt,hat er so ein bisschen mehr Körper als das üblicherweise.
Heiko
0:21:19
Ich wollte gerade sagen, weil ich jetzt noch ein paar Schlücke hatte nebenbei,ich finde also quasi die Säure ist hier,richtig gut und auch wichtig, weil ich finde dadurch, dass du ihm sonst so einbisschen du hast Charakter genannt, ich wollte Komplexität sagen,aber Charakter ist vielleicht, weil ihm sonst irgendwie was ein bisschen fehltund abgeht, wo ich sage, boah,gibt aber diese Säure, die da ist, dem doch dann nochmal irgendwie so einenleichten Twist und so einen Kick, der den echt ganz gut trinkbar macht.Das ist cool, gefällt mir.
Marcel
0:21:44
Er macht also leichte schlanke Weine, die dann auch immer kompromisslos trockensind. Also da ist nichts über dreieinhalb Gramm Restzucker. Dementsprechendhaben wir auch hier so eine starke Säure. Das wird sich nachher vielleicht auchnochmal ein bisschen ändern.Und er nutzt auch Naturkork, wie du siehst, auch für so einen Wein.Hier auch einfach einen Korken eingesetzt.Meines Erachtens lohnt es sich einfach im Onlineshop zu bestellen bei ihm.Also wie gesagt, der Cremant Laison ist wirklich ein Favorite.
Heiko
0:22:08
Also direkt vom Erzeuger sozusagen.
Marcel
0:22:10
Ja, genau. Er macht auch Orseroa. Das ist so eine Burgunder quasi Rebsorte,die man auch glaube ich in Deutschland nicht so häufig antrifft und kennt.Und dann halt noch Weißburgunder, Grauburgunder. Man kann sich da einfach maldurchs Sortiment trinken. Relativ lange habe ich den tatsächlich schon bei miröfters. Egal, auch den haben wir zusammengekriegt.
Heiko
0:22:26
Also das heißt, du kennst ihn eigentlich sozusagen. Das war jetzt gar nichtnur für diese Folge, sondern konntest auf zurückgreifen, auf Erfahrungswerte.
Marcel
0:22:33
Genau. Ja, das bietet sich halt an bei der Mosel. Genesis Robinson,die so britische Weinkritikerin, die auch mehrere Bücher schreibt,die ich öfters als Quelle nutze, nennt Steinmetz als einen guten Elbling-Vertreter.Und deswegen wäre mal interessant, was ist eigentlich dieser Elbling?Ja, es ist, wie man sich jetzt schon denken kann, eher eine sehr alte,weiße Rebsorte, ist heute aber eher Nischenware geworden.Die zeichnet sich dadurch aus, dass sie relativ viel Früchte trägt,das ist also ein Massenträger, der früh reif wird, hohe Erträge gibt halt wiegesagt und sehr dünnhäutig ist. Und dünnhäutig meint einfach natürlich die Bären.
Heiko
0:23:09
Also wirklich die Weinbeere hat einfach die Haut, also buchstäblich dünnhäutig, nicht im Überblick.
Marcel
0:23:15
Genau, deswegen muss man ein bisschen aufpassen, wenn man so automatisiert lesenist, dann glaube ich nicht so gut und auch der Botrytis geht da mal schnellrein, also dieses Edelfeulepilz,vielleicht auch nochmal an anderer Stelle irgendwann mal thematisieren oderkommen wir da nochmal dazu, jetzt heute nicht.Und das ist halt ein leichter Wein mit einer hohen Säure und wenig Alkohol.Deswegen ist es gern so ein Sekt Grundwein.Der Römermythos, es wird so ein bisschen erzählt, dass die Römer ihn im viertenJahrhundert über Gallen ins Rheintal brachten.Wie ich schon gesagt hatte, hat das Plinius mal erwähnt als Vitas Alba.Also Alba heißt dann Weiß.Aber prinzipiell ist es eher so rückwirkend gleichgesetzt worden,wenn man es einfach über Namen so rekonstruiert hat.Wahrscheinlich ist tatsächlich die Rebsorte eher im Rheintal entstanden,ähnlich wie der Riesling.Und der Name geht so ein bisschen auf die gleiche sprachliche Wurste wie der Fluss Elbe zurück.Deswegen heißt das irgendwie Elbling. Aber wie ich schon vorhin gesagt habe,der Nachweißding gibt es in dem Falle nicht. Da sind einfach tausend Jahre dazwischen.In dem Zuge habe ich mir mal so ein Paper angeguckt von Nature,weil mich das interessiert hat, weil es ja jetzt auch so ein bisschen,also im Rahmen, also einfach hat mich interessiert, ob es irgendwie Rebsortengibt, die wir heute immer noch trinken, die von damals aus Römerzeit bekannt waren.Da gab es so ein cooles Paper, 2026, da wurden 54 Traumkerne,also archäologische, aus Frankreich getestet und da konnte man für keine europäischeSorte wirklich einen römischen Nachweis geben.Also es hat sich einfach gewandelt und auf den Wandel sozusagen kommen wir,glaube ich, von späterer Stelle in einer anderen Folge nochmal drauf zurück,weil prinzipiell ändern sich natürlich auch Reben über Jahrhunderte und die,heute trinken wir etwas anderes, was damals noch nicht so getrunken wurde,obwohl es vielleicht auch Verwandtschaften gab.Apropos Verwandtschaft, weil ich ja immer über Eltern spreche und so weiter.Bei den Rebsorten, ein Elternteil ist der weiße Heunisch. Und da wird es bei dir klingeln.
Heiko
0:25:09
Hatten wir doch schon mal.
Marcel
0:25:10
Ja, genau. Weil der weiße Heunisch tatsächlich so ein Elternteil von über 80Sorten ist. Unter anderem der Riesling gehört dazu, aber auch Chardonnay, Gamay oder Formind.Deswegen ist der Elbling prinzipiell so ein Halbgeschwister von halb Europa.Also es gibt einfach eine enge Verwandtschaft.Und man kann auch ein bisschen quasi in die Geschichte des Elblings schauen,weil überraschenderweise war der in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts sehr, sehr dominant. Rund drei Viertel aller deutschen Reben warender Elbling, weil es die Leitrebsorte in so gemischten Sätzen war.Also hatten wir, glaube ich, an anderer Stelle auch schon mal,wo du quasi mehrere Sorten in einem Weinberg hast und das ist der gemischte Satz.Und da war der Elbling einfach dominant sozusagen drin und deswegen kam dersehr häufig vor. Aber heute sind es nur noch 422 Hektar.Das ist sehr wenig und auch fast nur noch an der Obermosel. Und da gibt es wiederumauch so einen interessanten Fakt, warum es gerade da jetzt steht.Es gab damals den Kurfürst von Trier und der hat verordnet, die rheinischen Reben auszurotten.Aber nicht an der Obermosel, da war er quasi nicht zuständig und deswegen bliebder Elbling dort stehen.Wir haben hier eine Sorte, wo ein Römermythos dranhängt, wollte ich mal darübersprechen. Und bis heute finde ich ein guter Zechwein.
Heiko
0:26:23
Ja, und das ist auch ein guter Einstieg, sowohl thematisch sozusagen,als auch vom Geschmacksprofil und Stärke.Ja, wie wir eben gehört haben, genoss der Verzicht auf Wein im frühen asketischenMönchtum hohes Ansehen.Benedikt von Nosia macht daraus im 6. Jahrhundert dann ein pragmatisches Zugeständnis.Eine begrenzte Tagesration ist erlaubt, auch wenn völliger Verzicht für ihndas höhere Ideal bleibt.Wie aus einer Tradition dann, in der Weinverzicht ein so hohes Ansehengenossspäter ausgerechnet Klöster zu bedeutenden Weinproduzenten wurden,führt uns, wie gesagt, jetzt erstmal zurück zu den Anfängen des Weinbaus in Europa.Zunächst aber auch noch nicht zu den Römern, sondern zunächst zu den Phöniziern.Das sind so die großen Händler des östlichen Mittelmeers gewesen.Sie trugen den Weinbau quasi auf ihren Handelsrouten nach Westen.
Marcel
0:27:11
Das war kein, also war das auch ein Volk oder war das?
Heiko
0:27:15
Ja, genau.
Marcel
0:27:15
Aber es war ein Händlervolk.
Heiko
0:27:17
Genau, und du bist für Seefahrer, also ganz viel geht, was wir so kennen,auf die Phönizier zurück.Und genau, sie trugen das halt weiter nach Westen, nach Nordafrika zum Beispiel,wo unter anderem Katago entstand, aber auch auf die westlichen Mittelmeerinselnund weiter bis nach Südspanien tatsächlich.Also ihre Kolonier Gadir, das heutige Cadiz, entstand wahrscheinlich gegen Endedes 9. Jahrhunderts vor Christus schon und gehört so zu den frühesten phönizischenStadtgründungen so im äußersten Westen des Mittelmeers.
Marcel
0:27:39
Es wird Cadiz ausgeschrieben, also Südspanien, ne? Genau.
Heiko
0:27:43
Aus diesem westphönizischen Netz entwickelt sich mit der Zeit auch so eine eigenesogenannte punische Welt, deren mächtigstes Zentrum eben Kartago wurde.Die Kartago, Kartaga, das kennt man.Und wie hoch angesehen deren landwirtschaftliches Wissen war,zeigt auch der kartagisch gelehrte Mago.Er verfasste nämlich ein gewaltiges 28 Bücher umfassendes Werk über Landwirtschaft,darunter eben auch den Weinbau.Und nach der Eroberung Carthagos 146 vor Christus hielt der römische Senat ausgerechnetdieses Werk für so wertvoll, dass er eigens eine lateinische Übersetzung anordnete.Also ja, Carthago musste zerstört werden, wir haben es erobert,aber dieses wichtige Verb, wo auch der Weinbau drin vorkommt,das brauchen wir auf jeden Fall und das muss erhalten werden.Aber bevor ich mich hier verrenne, ja, Fenitia, Carthago, Mago,das ist wahrscheinlich Stoff mal für mindestens eine künftige Folge Geschichteim Glas. Carthago kann auch immer wieder mal vorkommen, genau.Ich glaube, Sollten wir uns mal irgendwo notieren, mal eine eigene Folge zudiesen sehr, sehr spannenden Ursprüngen zu machen. Der zweite einflussreicheStrom aber sind die Griechen.Auch die kommen wir dann wieder mal vor. Sie gründeten um 600 vor Christus imheutigen Marseille, die Kolonie Massalia, nachher Marseille,und brachten die Rebe sozusagen an die Südküste des heutigen Frankreichs,wobei auch da sozusagen, muss man sagen, gab es schon Wein, bevor sie es taten,also etruskischer nämlich, also man hat wirklich an der Küste Frankreichs auchetruskische Amphoren gefunden, auch die kennen wir aus der ersten Folge.Aber jetzt kommen wir tatsächlich also zu den Römern, also warum diese ganze Gefahrgeschichte?Als die Römer nach Westen und Norden dann expandierten, erfanden sie den Weinbaualso nicht, sondern sie trafen vielerorts eben auf so eine bestehende Weinkultur,zunächst zum Beispiel in Spanien eben nach dem Sieg über Carthago und dann auchim heutigen Frankreich, das sie ja Gallien nannten.Du hattest eben auch schon gesagt, wie die vermeintlautgeschichte vielleicht,der Elbling über Gallien an die Mose kam.Und unter römischer Herrschaft wurde eben dieser Weinbau aber einfach in vielenRegionen dann massiv ausgeweitet und stärker so auch auf größere Märkte ausgerichtet.Also die Römer systematisierten sozusagen diese Tradition, die sie auch aufgriffenund weiteten den Weinbau aus und sie schrieben ihr Wissen auch nieder und trugendann so die Rebe überall hin, wohin sie eben expandierten und ja,mit expandieren meine ich natürlich, was sie eroberten.Und ja, so kam der Weinbau eben auch bis zu uns, eben an Rhein,in die Pfalz und auch an die Mosel, eben genau dorthin, wo später auch dannunsere Klöster stehen werden, aber da greife ich schon etwas vor.Wie fest der römische Weinbau in den Provinzen schon verwurzelt war,das zeigt eine interessante Episode, das ist jetzt so ein ganz kurzer Exkurs,aber ich fand den interessant, vor allem so mit Rückblick auf unsere Goethe-Folge.Dann anfangs lief die, passend zum Goethe-Museum aus dem Anfang.Anfangs lief die Richtung nämlich vor allem noch andersherum.Rom versorgte quasi die Provinzen mit Wein und wenn ich sagte so Rückblick aufunsere Goethe-Folge, kannst du dir vielleicht denken, was die eine der wichtigstenWeinregionen der Römer gewesen ist.Was haben wir in unserer Güte-Folge, wo warst du da und was haben wir da getrunken?
Marcel
0:30:31
Italien. Also in Neapel da unten.
Heiko
0:30:34
Kampanien. Eine der berühmtesten Weinregionen der Römer war tatsächlich Kampanien.Von dort kamen so einige der prestigeträchtigsten Weine der Antike.Auch der Vernerner zum Beispiel kam aus dem Norden Kampaniens.Und die ganze Besuf-Region rund um Pépé und so, das war ein bedeutendes Zentrum.Und gleichzeitig zeigen eben quasi gewaltige Mengen sozusagen so italischerWeinampforen in Südgall, also im heutigen Frankreich, wie groß einfach auchdieser Export wirklich war.Also noch bevor Gallien sogar vollständig römisch war, gab es schon einen italienischenWein, der bis dahin exportiert wurde.Als der Vesuv dann aber im Jahr 79 nach Christus Pompeo und große Teile ebendes Weinbaus dadurch auch in seiner Umgebung zerstört, trifft das in einen wichtigenHandelsraum einfach, in einen ganz wichtigen Produktionsstädten.Und genau zur selben Zeit verändert sich auch der Marktsicht bei.Ja, Wein aus gallischen Anbaugebieten erreicht jetzt plötzlich andersherum Italien.Also quasi nicht mehr nur von Rom nach Italien, sondern jetzt versorgt quasidie Kolonie oder die Provinz, versorgt jetzt wieder zurück Italien.Ob jetzt Galien ganz konkret die durch den Vesuv entstandene Lücke gefüllt hat,das kann ich jetzt natürlich nicht sauber beweisen, aber so diese alte Einbahnstraße war vorbei.Man sieht einfach, wie weit die Provinzen längst schon auch zu bedeutenden eigenenWeinproduzenten in dieser Zeit schon so früh gewesen sind und geworden sind,also wirklich schon vor 2000 Jahren.
Marcel
0:31:49
Jetzt sind wir das dritte Mal wieder, kommen wir immer wieder.Ich bin eben auch gerade im Kopf immer hin und her gesprungen zu den Episodenund war verwirrt, was haben wir damit?
Heiko
0:32:02
Die Römer tauchen halt auch einfach, wenn wir uns voll mit europäischer Geschichtebeschäftigen, immer wieder auf.Ja und 300 Jahre später ist dann diese Verwurzelung auch für den Moselraum tatsächlichselbstverständlich dann eigentlich. Um 371 nach Christus schreibt Ausonius,das ist ein römischer Dichter und auch hochrangiger Mann, so am Kaiserhof inTrier, ein Gedicht über die Mosel, das ist die sogenannte Mosella.Und darin beschreibt er einfach in vielen Versen auch explizit einfach die mitReben bepflanzten Steilhängen und die Arbeiter der Winzer an der Mosel.Also das ist ganz offensichtlich, dass da zu der Zeit da schon aktiv wirklichWein betrieben wurde von den Römern dort und auch der Weinhandel ist archäologischbezeugt, sogar noch früher und dazu habe ich noch ein weiteres Bild mitgebracht,das ist das nächste Bild in unserer Galerie,und ja für die Hörerinnen und Hörer, die das jetzt vielleicht gerade nicht vorsich haben können, magst du vielleicht kurz beschreiben.
Marcel
0:32:50
Was du siehst. Also diesmal, glaube ich, könnte es mir leichter fallen,es ist ein Schiff, wo Weinfässer drauf sind und da sind einige Römer,die sozusagen die festhalten.Hat das irgendwas mit dem Weinschiff zu tun?
Heiko
0:33:05
Genau, das ist das sogenannte Neumagener Weinschiff. Das ist so 2,81 Meter lang,aus Sandstein gefertigt, entstanden im frühen dritten Jahrhundert,gefunden im Neumagen, deswegen heißt das so, an der Mosel und heute im Rheinischen Landesmuseum in Trierzu besichtigen und anzuschauen.Und das ganze Schiff war quasi Teil eines größeren Grabdenkmals,eines wohlhabenden Weinhändlers. Und das Motiv, mit dem er sich präsentierenließ, war offensichtlich, also ausgerechnet ein Schiff eben mit großen Fässernan Bord, mit Weinfässern.Also das Motiv, mit dem er sich hier in Erinnerung verewigen lassen wollte,war offensichtlich sein Beruf.
Marcel
0:33:39
Die rudern natürlich da, aber diesesSchiff, damit sind sie auf der Buse wahrscheinlich dann auch gefahren.
Heiko
0:33:44
Genau. Ohne das Weinfass sozusagen aufmachen zu wollen. Also da gibt es in der,Forschung auch eine Debatte, was das für ein Schiff ist. Ist das ein altes römischesKriegsschiff? Ist das ein altes Flussschiff mit keltischem Einfluss?Da wird diskutiert. Genauso wie interessanterweise eben da keine Amphoren,sondern Weinfässer drauf sind und die Fassbauweise teils in der Forschung ursprünglichauch eher so mit Kelten in Verbringung gebracht würde, wenn die Römer das ehererst so übernommen haben.Also wir sehen einfach quasi, dass man in der Provinz eben nicht Rom als Kopiehat, sondern irgendwie so eine Art, was Neues aus beiden entsteht.Und natürlich, das ist ein römisches Denkmal, ein römischer Weinhändler,ein römisches Schiff und so weiter, aber alles trotzdem irgendwie schon beeinflusst,auch natürlich durch lokale, kulturelle Erbschaften sozusagen.
Marcel
0:34:28
Was sind die Dinge, also sind das so Drachenmäßig oder was, diese Köpfe am Bug und Herzen?
Heiko
0:34:33
Ja, genau, das scheint auch irgendwie Drachen, vielleicht ist der eine auchein Wolfskopf hinten, könnt ihr mich mal vorstellen, genau.
Marcel
0:34:39
Ich wollte ja nicht den Hund wieder anbringen, aber…
Heiko
0:34:42
Stimmt, ich weiß nicht, ob du da irgendwo wirklich einen Hund sehen willst.
Marcel
0:34:45
Das fängt Rache.
Heiko
0:34:47
Genau. Und springen wir jetzt aber ein paar Jahrhunderte weiter.Das gängige Bild geht dann ungefähr so.Das römische Reich zerfällt, die Barbaren fallen ein, alles versinkt in finsterenDark Ages des frühen Mittelalters und der Weinbau, der liegt brach,bis dann die Mönche in ihren Klöstern kommen und ihn heldenhaft bewahren und wiederbeleben.So vereinfacht dargestellt, aber so…So stimmt das nicht, das kann ich schon mal sagen. Fangen wir mit den sogenannten Barbaren an.Also schon der Begriff Völkerwanderung, der für diese Zeit ja nach wie vor gebräuchlichist, wird in der Forschung heute mindestens sehr viel vorsichtiger und auchzumindest in Anführungszeichen verwendet, wenn überhaupt.So das alte Bild, nachdem so ganze Völker geschlossen ihre Sachen packten undquer durch Europa zogen, das gilt als überholt.Die neuere Forschung, vor allem so die sogenannte Wiener Schule um Herwig Wolfram und Walter Pohl,Die beschreibt diese Gruppen so eher als bewegliche, gemischte Verbände,deren Zusammensetzung und Identität sich eigentlich ständig neu formierte,oft um irgendeinen erfolgreichen Anführer und Warlord sozusagen, mehr oder weniger.Man spricht deswegen auch eher heutzutage von einer Art Ethnogenese,also wirklich in der Zeit entstehen überhaupt erst Völker, wenn man diesen Begriffüberhaupt verwenden will, eher noch vielleicht Stämme, wobei auch das problematisch sein kann.Also meist wird in der Forschung auch eher einfach der lateinische Begriff Gentesbenutzt, weil der ein bisschen unbefangener ist und obwohl es natürlich trotzdemirgendwie eine Fremdbezeichnung ist. Also man merkt einfach so,das ist jetzt auf jeden Fall nicht irgendwie ein gewachsenes Volk, was da rumläuft.Das heißt jetzt nicht, dass sich niemand bewegt hätte, das nicht,aber es war eben kein simpler Austausch der einen Bevölkerung durch eine andereund schon gar nicht taugt diese vermeintliche Völkerwanderung so als Stimmungsbild,wie es ja auch so von den neuen Rechten heutzutage gerne mit Verweis so aufdie Bedrohung durch Migration verwendet würde.Also diese irrige Vorstellung, ein Reich sein, mal eben von außen durch Zuwanderungzu Fall gebracht worden, also das lässt sich dafür absolut nicht halten,aber ich schweife ein bisschen ab, also für unseren Wein jedenfalls ist entscheidend.Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die neuen politischen Herren sozusagen,also die denn da jetzt da irgendwie rumwandern, rumkommen, ankommen,also diese germanischen Gentis, es gibt keinen Hinweis darauf,dass diese neuen politischen Herren jedenfalls den Weinbau grundsätzlich ablehntenoder systematisch zerstörten.Wein blieb einfach ein wertvolles Konsum und auch Prestigegut und in vielenRegionen wurde der Weinbau einfach über diesen politischen Umbruch hinweg weiterbetrieben. Das heißt nicht, dass sich nichts veränderte.Handel, Produktionsmengen, Besitzverhältnisse, das konnte sich natürlich irgendwieverschieben oder auch irgendwo mal einbrechen, aber die Mönche,die mussten den Weinbau keineswegs überall aus so einer jahrhundertelangen Brache retten.Gerade in alten Weinregionen trafen sie einfach vielfach auf sofort bestehendeWeinberge und vorhandenes Weinwissen und Fachwissen, was einfach weiter getragen wurde.Und getragen wurde diese Kontinuität eben zunächst vor allem natürlich von denMenschen vor Ort, von den Landarbeitern, Pächtern, von den Winzern,deren Namen uns die Quellen einfach nicht verraten, weil sie halt quasi fürdie Überlieferung nicht wichtig genug waren offensichtlich, aber das sind die,die die eigentliche Arbeit machen.Das ist quasi die erste Ebene der Kontinuität. Die zweite Ebene ist natürlichder Besitz, also von wem diese Weinberge gehörten.Und da denkt man vielleicht zuerst an die Kirche, aber es gab einfach die ganzeZeit durch auch weltlichen Weinbergbesitz.Adelige, wohlhabende Laien und so weiter. Wir sehen das heute nur einfach schlechter,aber auch dazu kommen wir später nochmal ausführlich, warum das so ist.Warum wir das hauptsächlich mit Kirchenbesitz immer so in Verbindung bringen.Aber ja, auf der Besitzerseite.Kommt natürlich jetzt auch schon die Kirche ins Spiel. Das ist keine Frage,aber auch immer noch nicht die Klöster, sondern zuerst die Bischöfe.Und die sind eigentlich die spannende Figur. Ein Bischof im frühen Mittelalter,das war kein weltabgewandter Asket, sondern eigentlich ein weltlicher großer.Er bewirtete Gäste, er unterhielt ein Gefolge, hatte Rang, Repräsentation zuwahren. Schon in der antiken römischen Oberschicht, da gab es die Traditionder Rusticatio. Das war so ein Rückzug aus der Stadt auf das eigene Landgut, seine Villa.Das war Teil der eigenen Lebenswelt. Man zog sich dorthin zurück,fing Gäste, las, schrieb und die Villa war aber natürlich auch ein Wirtschaftsbetriebund dort beaufsichtigte man auch den Ackerbau und insbesondere natürlich den Weinanbau.Der Weinbau galt einfach schon bei den Römern so als eine der vornehmsten Aufgabendes Landguts, so als Statussymbol der Oberschicht.So, genau diese Oberschicht, die wird jetzt im Verlauf der Spätantike christlichund auch dazu habe ich nochmal ein Bild mitgebracht. Das ist das nächste Bild in unserer Galerie.Magst du auch hier vielleicht kurz nochmal beschreiben, weil es dir so vielSpaß macht. dachte ich mir doch.
Marcel
0:39:02
Das ist wahrscheinlich irgendwie an einer Decke irgendwo eine Malerei, wie es aussieht.Da sind wahrscheinlich, sind das so Reben, die in der Mitte sind und an äußerenPunkten sind dann irgendwie Figuren.Da ist ein Reiter mit zwei Kühen und einer Peitsche, der irgendwas transportiert.Dann gibt es, ah, das ist jetzt okay. Das sind Reben natürlich,die transportiert werden und dann wird es im nächsten Mal, im nächsten Bildsozusagen, wird es mit den Füßen gepresst.
Heiko
0:39:34
Genau.
Marcel
0:39:34
Und dann oben wird es, achso, das ist einfach eine Kopie. Aber in der Mittesind wahrscheinlich schon Reben oder was? Genau, genau.
Heiko
0:39:39
Also wir sehen quasi ein ganzes Gewölbe. Das war richtig gut,war gut. Nach kurzen Startschwierigkeiten. Wir sehen wirklich ein ganzes Gewölbe voller Weinranken.Unten links, wie du auch erkannt hast, also kein Reiter, aber auf jeden Fallein Ochsenkarren, der die Lese wegbringt. Unten rechts eben eine Kälter,wo zwei Figuren die Trauben stampfen.Und nichts daran, wenn du das jetzt so sehen würdest, erstmal genuin christlich,sondern einfach ganz typisch römisch.Das ist so römisch, dass man das noch in der Renaissance für den Tempel desBacchus gehalten hat, weil da so viele Weinbezüge sind.Tatsächlich ist das Gebäude aber wahrscheinlich eher ein spätantikes Mausoleum,das gewöhnlich Konstantin dazu geschrieben wird. Das ist eine Tochter Konstantinsdes Großen, so ungefähr in der Mitte des vierten Jahrhunderts entstanden.Also genau wie in die Familie jenes Kaisers, unter dem das Christentum von einerja zuvor verfolgten Religion zu einer staatlich tolerierten und zunehmend auchkaiserlich geförderten Religion wurde. Konstantin selbst ließ sich dann ja auchkurz vor seinem Tod im Jahr 337 noch taufen.Und diese neue christliche Elite, die reißt jetzt natürlich ihre römischen Traditionennicht einfach ein. Die nimmt sie mit, sie ist zwar christlich,sie wird getauft, aber das, was vorher sie als römisch ausgezeichnet hat,zeichnet sie auch weiterhin als römisch aus.Im fünften Jahrhundert verliert dann die weströmische Reichsverwaltung durchausimmer mehr den Durchgriff.Es geht jetzt auf das Ende des weströmischen Reiches zusammen, auf den Untergang.Und auch die städtischen Institutionen verändern sich in diesem Zusammenhangnatürlich. Sie verschwinden jetzt natürlich nicht einfach über Nacht,aber zunehmend gewinnen andere Personen, andere Institutionen an Gewicht.Und das ist in erster Linie hier tatsächlich eben der Bischof.Und so schließt sich jetzt der Kreis, denn so neben anderen lokalen Größen übernimmter jetzt Funktionen, die weit über diese Seelsorge hinausgehen.Er vermittelt jetzt in Konflikten, er tritt gegenüber Herrschern für seine Stadtauf, er verwaltet Vermögen, Rechtsprechung, Justizverwaltung,all das ist jetzt irgendwie in den Händen des Bischofs.Und da der Staatsdienst im kollabierenden Westreich an Attraktivität verlor,strebten jetzt immer mehr diese Söhne dieser römischen Elite zunehmend in diesehöchsten Kirchenämter, also in diese Bistüme, in dieses Bischofsamt.Und diese Männer, die brachten jetzt aber natürlich ihre Bildung,ihre sozialen Netzwerke, die ganze Erfahrung aus der römischen Ämterwelt,die bringen das mit in das Bischofsamt.Also besonders exemplarisch dafür ist Sidonius Apollinaris, das ist so ein gallorömischerSenator, gut vernetzt, war immer Stadtpräfekt von Rom und dann so um 470 wird er Bischof von Clermontund seine Prüfe sind einfach auch danach noch voll von diesem ganzen Landleben,die Güter, Gäste, Bibliothek, die Bäder, also er schreibt als Bischof im Grundegenauso weiter wie als Senator.Und damit haben wir diese wichtige Kontinuitätslinie von der spätrömischen Oberschichthinein in die Welt der Bischöfe. Zugespitzt gesagt ist der spätantike Bischofquasi der christianisierte Erbe des römischen Gutsherren.Was wir also festhalten können, jetzt schließt ihr so ein bisschen den Kreis,der Weinbau, der war lange vor den Klöstern da.Und in vielen alten Weinregionen verschwand er auch nicht mit dem Ende des Weströmischen Reiches.Klar gab es Brüche, es gab ein paar Rückgänge, es gab Veränderungen,das ist nicht zu leugnen, aber eben auch wirklich erstaunliche Kontinuitäten.Getragen wurden sie natürlich von den Menschen, die tatsächlich in den Weinbergenarbeiten und auf der Besitzerseite eben von einer Mischung aus weltlichen undkirchlichen Grundbesitzern.Und unter den kirchlichen Akteuren spielen zunächst vor allem diese Bischofskirchen,eine wichtige Rolle als quasi christliches Erbe dieser römischen Elite.Einfach gemacht hatten.Genau, weil sie das einfach weiter trugen. Das waren quasi diese römische Kontinuitätdes Bischofsamts am deutlichsten sichtbar.Die Mönche aber, um die es uns heute eigentlich gehen sollte,die treten als Weinproduzenten erst später auf den Plan. Da sind wir immer noch nicht.Und genau deswegen, und so ist das die Erklärung vom Anfang,hatte ich dir, Marcel, ja auch heute für deine Weinrecherche mitgegeben,vielleicht erstmal gar nicht den Klosterwein irgendwie rauszusuchen,sondern passenderweise erstmal Wein, der schon auf diese römische Kontinuitäteben zurückgeht oder zurückgehen könnte.Und davon, von dieser römischen Kontinuität würde ich sagen,trinken wir jetzt auch erstmal den nächsten.
Marcel
0:43:29
Wir trinken jetzt Ansgar Klösserath, das Peaceporter Goldtröpfchen,das sich schon so amüsiert hat. Und ich gieße es mal ein.
Heiko
0:43:35
Ach, ich finde es klingt einfach niedlich. Peaceporter Goldtröpfchen.Wenn das jetzt nicht eine goldene Farbe hat, dann bin ich enttäuscht.Es ist auf jeden Fall güldener als der davor, aber es ist gar nicht so golden,wie es beim Goldtröpfchen erwartet.Aber doch, wenn man ihn ins Licht hält. Oh, wenn ich ihn… Ah gut,das ist aber auch dein goldenes Licht.
Marcel
0:43:53
Ja, denn das Piespotter Goldtröpfchen ist nämlich der Weinberg oder die Lage,nach dem es benannt ist. Und das geht nachweislich auf die Römer zurück.
Heiko
0:44:02
Na, das passt ja.
Marcel
0:44:04
Und der Wein ist, würde ich sagen, so typisch Mosel. Wir sind in Piespot,jetzt an der Mittelmosel. Wir haben Schiefer, wir haben Stalllage, wir haben Riesling.Also alles anders, als was wir eben gerade hatten mit dem Elbling und dem Muschelkalk.Und wir haben eine Winzerin, Eva Klösserath-Wittmann, die das Familienweingut,betreut, betreut, betreibt und das schon ziemlich lange.Auch da war ich vor Ort gewesen, deswegen freut mich, dass ich endlich einenAnlass gefunden habe, sozusagen diesen Wein auch mit unterzubringen.Beziehungsweise diesen Wein an sich habe ich gar nicht getrunken bisher,aber kommen wir nochmal zu.Der liegt quasi so unter diesem Piespotter Goldtröpfchen, liegt einfach einRömerkelder und das ist nämlich die größte römische Kälteanlage,die es nördlich der Alpen gibt.Die 85 ausgerahmen wurde 44 mal 20 Meter ist 6 Becken hat und mehr geschätzt60.000 Liter produzieren konnte,Und die Lage taucht wiederum aber auch später dann im Klosterkontext wiederauf. Goldenen Buch der Abtei Prüm.Also haben Mönche aufgeschrieben dann, was längst sozusagen vorher schon lief,was wiederum ja ganz gut passt zu dem, was du sagst. Absolut.
Heiko
0:45:15
Da kommen wir auch gleich nochmal ein bisschen mehr drauf.
Marcel
0:45:17
Dann lass uns doch mal das Goldtröpfchen.
Heiko
0:45:20
Ja, also wie gesagt, was ich eben schon meinte, also ist jetzt nicht tiefgoldnatürlich, aber er ist auf jeden Fall güldener. Jetzt ist er davor, der war nicht mehr.
Marcel
0:45:27
Ja.
Heiko
0:45:27
Also er hat auch klassische Riesling-Farbe so ein bisschen, ne?
Marcel
0:45:29
Ja, durchsichtig auf jeden Fall auch.Da riecht man ein bisschen mehr auf jeden Fall schon, ne?
Heiko
0:45:35
Ja. Er riecht auch nach einem Riesling.Glücklich, aber er hat doch diese, aber ein bisschen dezent,oder wie nennt man das, was der Riesling so ein bisschen hat? Dieses Benzinige.
Marcel
0:45:47
Benzinige finde ich, also nicht, dass du meinst nicht das Steinige, oder was?
Heiko
0:45:50
Nee. Ich dachte eben in der ersten Nase, dass ich aber vielleicht…
Marcel
0:45:59
Also ich finde, das ist was kleinobstiges.
Heiko
0:46:02
Ja, so ein bisschen pfirsich.
Marcel
0:46:08
Auf jeden Fall hat er so eine, also man hat schon so eine gewisse Würze schwererauf jeden Fall, finde ich auch irgendwie so mehr drin, auf jeden Fall,gegenüber den Leichen zuvor.
Heiko
0:46:16
Ich muss mal auf jeden Fall ein bisschen schwenken, man kommt immer direkt nochein bisschen mehr Geruch raus, das ist gut. Er riecht ja auf jeden Fall,dass er Lust macht, auch zu trinken.
Marcel
0:46:26
Ja, machen wir mal.
Heiko
0:46:28
Prost.
Marcel
0:46:30
Nice, endlich wieder Riesling.
Heiko
0:46:43
Der schmeckt spannend.Ein bisschen Zauberapfel oder so.
Marcel
0:46:51
Ein bisschen Zitrisch auf jeden Fall. Wir haben wieder ordentlich Säure.Aber, also würdest du sagen, der ist zu trocken?
Heiko
0:46:59
Nicht vorzutrocknen. Das ist so suggestiv, vor allem so.
Marcel
0:47:04
Tatsächlich ist da relativ viel Restzucker noch drin. sondern das geht eigentlich ins Feinherbe.
Heiko
0:47:09
Okay. Aber süß finde ich den. Aber was du vor allem meintest,durch die Säure wird es dann ausbalanciert.
Marcel
0:47:17
Ich finde nämlich, der wirkt eigentlich eher trocken. Also man spürt diese Süße gar nicht so.
Heiko
0:47:21
Nee. Spannend.Ich finde jetzt nicht so, dass ich, ich hatte gedacht, weil du Schiefer sagtest,dass der Mineral, ich finde so richtig krass schmecke ich es gerade noch nicht raus.Also vielleicht so ein bisschen, dieses Mineralische, aber jetzt nicht so,es schmeckt jetzt nicht, jetzt würde ich an einer Schieferplatte lecken.
Marcel
0:47:38
Nee, da hast du auch noch nicht, oder? Oder hast du es in der Zwischenzeit vor?Also ich finde den irgendwie ganz nice. Ich finde den sehr lecker, ja.
Heiko
0:47:49
Aber Riesling ist schon auch einfach, schmeckt halt auch, also gut,kann auch nicht so gute Rieslinge, aber der macht schon Lust.
Marcel
0:47:57
Der hat auf jeden Fall gut Körper durch den, also der hat halt wie gesagt nichtdas Zuckerschwänzchen durch die Säure, nicht, aber dadurch hat der irgendwie gut Körper und,und hat auch gar nicht so viel Alkohol, 10,5%.
Heiko
0:48:16
Also man merkt schon so ein bisschen auf der Zunge dann so dieses leicht Süßliche im Nachgang.Aber nicht, also hätte ich es mir jetzt nicht gesagt, hätte ich es nicht finden.
Marcel
0:48:26
Ja, fand ich irgendwie spannend, dass man das eigentlich, also ich habe im Rahmender Vorbereitung auch mal feinherbe Cabis getrunken und da waren teilweise, also es war schon krass.Die können wirklich süß sein. Ja, genau.Und da ist der irgendwie, das hat irgendwie gar nichts davon,weil Feinherb, wo ich immer denke, ich weiß nicht, ob ich es unbedingt so mag,aber das hat man irgendwie bei dem.
Heiko
0:48:50
Ja gut, dass du mir das nicht vorher gesagt hast, das hätte ich wahrscheinlich auch erstmal so, what?
Marcel
0:48:55
Ja, also die Lage kenne ich nicht, also wie gesagt, Peacebot der Kreuzdrüffchen,sage ich jetzt auch nochmal was dazu, da kannst du nämlich parallel mal ein,nächstes Foto aufmachen, was wir auch in der Galerie zeigen,auf Instagram oder als Kapitelmarke.Man sieht nämlich die Lage und ich finde, das irgendwie, ich fand das bis jetztnicht nur in der Mosel so, aber wenn man da so durchfährt mit Auto,finde ich es immer ganz cool, wenn du da irgendwie die Namen der Lagen sozusagensiehst als, also die stehen halt wirklich im Berg dann so drin.
Heiko
0:49:23
Ach, das ist gar nicht, ach das sehe ich jetzt also ich dachte,das wäre so rein auf das Bild rein gephotoshoppt, das steht wirklich wie soein Hollywood-Sign, steht dann da Peace Porter Goldtreffchen.
Marcel
0:49:32
Naja, genau das hatte ich nämlich damals auch so gesehen, fand ich nämlich irgendwieganz cool und das macht irgendwie Spaß, wenn man da so durchfährt weil teilweisegibt es auch Lagen wie gröver Nacktarsch.Das ist schon irgendwie ganz zu heiß wieder.Also wie ich vorhin schon erwähnt hatte, es gibt diese Römerkette unter dem,Goldtröpfchen, wurde 1985 beim Wegebau im Zuge der Flurbereinigung entdeckt.Also Flurbereinigung, weiß nicht, ob du das schon mal gehört hast als Namen.Also es war früher sehr kleinteilig, es gab super viele kleine Parzellen,das gibt es teilweise natürlich heute auch noch so, aber es war so kleinteilig,dass man irgendwann gesagt hat, man organisiert das irgendwie neu,man macht irgendwie Wege rein in die Weinberge, sprengt da Sachen weg,um das neu zu organisieren.Und in dem Zuge hat man es einfach zufällig entdeckt. Also es war jetzt nichtirgendwie, wir machen da mal eine Ausgrabung und gucken mal,ob da irgendwas drin ist, sondern es war wirklich einfach so ein Zufallsfund.Und dann halt leicht die größte Kälteanlage, die es gibt, datiert.Und deswegen, wo du gerade gesagt hast, wird die bis auf dritte,auf dritte bis vierte Jahrhundert.Das passt genau dann sozusagen da rein. Und dann wurde es aber…
Heiko
0:50:37
Ja, kann sein, dass der Ausonius, als er da lang schippert und seine Verse schrieb,genau diese gesehen hat und beschrieb.
Marcel
0:50:43
Und erst später kam dann das Kloster, weil urkundlich erwähnt wurde das 776,wie gesagt, im goldenen Buch der Abtei Brümen, weil ein Weinberg übertragenworden ist, was wahrscheinlich dann,entweder erzählst du dann wahrscheinlich nochmal Richtung Kloster oder Abteioder so, aber genau diese Übertragungdes Weinbergs sozusagen war dann urkundlich die erste Erwähnung.Der Name Piesburger Goldtröpfchen ist dabei wiederum jünger als der Ruhm derLage, weil die erste Nennung sozusagen vom Goldtröpfchen war 1868.Da wurden 13 Flaschen 1868er nach Berlin verkauft, für 6 Mark die Flasche damals.Hier haben wir jetzt gerade 22 Euro gelassen.Also hat sich das über die Zeit erfüllt. Aber auch 6 Mark war damals das andere sein sollte.Ja, also die Lage ist irgendwie über 1500 Jahre alt, aber der berühmte Namehalt noch keine 160 Jahre alt.Generell gehört die Lage auch zu den berühmtesten, international bekanntesten Lagen der Region.Zum Weingut Ansgar Klösserath ist in Trittenheim, wird geführt von Eva Klösserath-Wittmann,die dort Winzerin an der Mittelmose ist. Auch wieder kleines Familienweingut,wir haben 5,5 Hektar, also wirklich wieder so klein und kuschelig.Wir haben hier in dem Fall ausschließlich fast Riesling also 99% Riesling unddann gibt es einen Weinberg, der so ein bisschen Weißbogen hat,und der Name kann man jetzt irgendwie ein bisschen verwirren,vielleicht war so Ansgar Klüsserat wie so Winzerin und so weiter es war tatsächlichso, dass gerade auch bei diesem Weingut der Name jedes Mal geändert wurde also,je nach dem, der es übernommen hatte, war es ein anderer Name und damit hatdann Eva Schluss gemacht und hat einfach gesagt, es bleibt einfach Ansgar Klüsserat,das ist nämlich ihr Vater,Und er arbeitet auch nach wie vor im Betrieb. Ihr Weg selber,sie hat zwei Schwestern und keine wollte anfangs übernehmen.Dann hat sie in Geisenheim studiert, also der klassische Weg.
Heiko
0:52:45
Das begegnet uns ja auch nicht zum ersten Mal.
Marcel
0:52:47
Und ihr erster Jahrgang war 2001, also sie ist mittlerweile auch schon 25 Jahre dabei.Und ich habe ja gerade gesagt, ihr Name ist Klösserath Wittmann.Ich weiß nicht, ob dir der Name was sagt, Wittmann.Ist auf jeden Fall auch ein Winzer, aber nicht von der Mosel,sondern aus Rheinhessen, aus Westhofen.Wittmann ist einfach auch sehr solide Rieslinge und andere Weine,die man trinken kann. Er hat auch einen Podcast unter anderem. Ein Kollege.Ein Podcast-Kollege. Die haben sich damals kennengelernt in Geisenheim, Philipp Wittmann.Und sie wohnt sozusagen, sie wohnen zusammen, sind verheiratet in Westhofen.Westhofen, aber sie hat so eine Pendelstrecke von 150 Kilometern,die sie dann wöchentlich beschreitet und ist dann zwei bis drei Tage pro Wochedort und beide Weingüte laufen quasi eigenständig weiter.Wir hatten es ja schon mal mit Kühling gehört, wo die da wurden ja zusammengelegtsozusagen. Hier bleibt es unabhängig.Das Einzige, was wir zusammen machen, ist dann so Marketing zum Beispiel.Also dass der Vertrieb läuft dann in einem Onlineshop, dann kannst du dort beideWeine bestellen, habe ich auch schon gemacht.Nämlich dann wiederum ganz cool.Keller ist eher so Low Intervention.
Heiko
0:53:59
Also einfach, es wird wenig gemacht.
Marcel
0:54:02
Genau, ist ja irgendwie auch, sag ich mal, sehr modern heute,dass man im Keller halt möglichst wenig sozusagen macht, um ein bisschen das Terroir.
Heiko
0:54:09
War das nicht in der, war das die Letzte, nee, war das in der Australien-Folge oder war das in der…Ich weiß gerade nicht mehr, der eine, der sagt, ich bin kein Winzer,ich bin Bauer und mache eigentlich nichts.
Marcel
0:54:23
Ja gut, da sind wir jetzt noch mal, also das war glaube ich ein Extrem gewesensozusagen, aber generell wird halt nicht so viel eingegriffen.Es wird ausgebaut in 1000 Liter Futterfässern, was sehr mosisch spezifisch ist,sind einfach so Holzfässer, so eine großen,die, man merkt es jetzt hier ja nicht, dass wir Holz haben, weil die so großsind, merkst du halt quasi den Holzgeschmack nicht und weil die auch ein bisschen älter sind.Aber du hast trotzdem ein bisschen Austausch, quasi oxidativ.Da kommt natürlich auch dann über Holz eher Luft dran, was du bei Stahl ja nicht hast.Wir haben Spontangärung. Die Eva macht quasi, dadurch, dass du an der Mose sehrsäurehaltige Weine hast, kannst du die auch länger gären lassen.Musst dann nicht so aufpassen, dass dann quasi Bakterien entstehen während der Gärung.Zum Beispiel bei ihrem Mann, Wittmann, da ist weniger Säure sozusagen,weil du halt nicht so das Klima hast wie an der Mose.Der muss sehr viel genauer gucken bei der Gärung und sie lässt es teilweisebis in Mai reingären, was er da gar nicht machen könnte, weil es halt einfachda überhaupt nicht geht.Und das Ziel bei ihr ist so, ja, elegante Weine, möglichst niedriger Alkohol,haben wir hier auch 10,5 Prozent, kann man echt gut trinken,ohne dass man gleich was im Kopf kriegt im Sommer sozusagen.Und sie will die Lage ins Glas bringen.Sie hat halt noch so andere Lagen, zum Beispiel Trittenheimer Apotheke oderDrohner Haufberg. Das Peaceboiter Goldtröpfchen zeichnet sich dadurch aus,dass es eher so ein bisschen fruchtiger ist. es ist früh zugänglich,also wir haben ja einen Wein von.20, 23 und den kann man schon gut trinken, während die dritten Eimer Apothekezum Beispiel, aber vielleicht ein bisschen verschlossener bleibt.Ja, man kann auf jeden Fall von den anderen Weinen probieren.Ich mag selber persönlich den Steinreich sehr gerne, Riesling auch natürlichoder vom Schiefahrs, der Guts Riesling.Also wenn man irgendwo Ansgar-Klüsserad-Weine sieht, kann man auf jeden Fallzu schlank einfach kaufen. Das ist einfach sehr gutes Zeug.
Heiko
0:56:12
Okay, also die Römer, die trafen im westlichen Mittelmeer so auf ältere,phönizisch-punische, griechische, aber auch lokale Weinbautraditionen,übernahmen vieles davon und weiteten den Weinbau dann unter ihrer Herrschaftmassiv aus, unter anderem eben bis Mosel und Rhein.Und anders als es das alte Bild vom Zusammenbruch Rom suggeriert,verschwand dieser Weinbau mit dem Ende des Weströmischen Reiches keineswegs.Einfach, ja, es gab Brüche und Rückgänge, aber in vielen alten Weinregionenauch erstaunliche Kontinuitäten.Auf der Besitzerseite wurden dabei eben vor allem die Bischöfe zu wichtigenTrägern der so alten grundherrschaftlichen Tradition.Und jetzt aber treten auch die Klöster immer stärker auf die Bühne des Weinbaus.Und der Umweg, über den der Wein zu den Mönchen gelangt, der fängt bei Kolumbanan und der kolumbanischen Bewegung.
Marcel
0:56:57
Kolumban. Name.
Heiko
0:57:00
Das ist ein Name. Und Kolumban war ein irischer Mönch, der um 591 mit einerHandvoll Gefährten auf den Kontinent kamen.Und dahinter stand eine Idee, die für das irische Mönchtüm typisch war,das ist die Peregrinatio, das Pilgern in die Ferne, man verließ die Heimat ganzbewusst und für immer, gab alles Vertraute auf und dieser Verzicht sozusagen aufHeimat war selbst dann quasi schon die Eiskäse.Und Kolumban gründete nun auf dem Kontinent eine Reihe von Klöstern und waser gründete, lag bewusst nicht so mitten in den alten Bischofsstädten oder anden Rändern davon, sondern wirklich in einer ländlichen, teilweise eher abgelegenenLandschaft, so am Rand der Bogesen.Und von diesen Gründungen ging wiederum eine ganze Welle weiterer Klostergründungen aus,unter anderem dann getragen so vom fränkischen Adel, weil sich mit so einemFamilienkloster mehreres auf einmal erledigen ließ, Frömmigkeit,Versorgung der Nachgeborenen, letztlich auch einfach ein sichtbarer Machtanspruch in der eigenen Gegend.Diese Klöster entstanden häufig auf den Adelsgütern, wurden mit Adelsgüternausgestattet und beschenkt, aber auch dazu später in der nächsten Folge vor allem nochmal mehr.Und so wurden so aus den Gemeinschaften, die eigentlich aus dem Ideal der Weltflucht hervorgegangen waren.
Marcel
0:58:08
Du hast gerade Familienklöster gesagt? Also wirklich Familien im wörtlichen Sinn? oder?
Heiko
0:58:13
Naja, nee, also im Sinne von dass quasi eine Familie, im Sinne von einer Adelsfamiliesichtbar macht, so ich hab da, mach da Schenkungen, das ist bis auf meinen Besitz und so weiter.
Marcel
0:58:22
Quasi gestiftet.
Heiko
0:58:23
Genau, genau, genau, genau. Also tatsächlich gibt’s auch, da kommen wir auchin der zweiten Folge noch zu, wo teilweise wirklich ganze Familien teilweisein so ein Kloster gehen, also dann meint man mit Familie nicht Mutter,Vater, Kind, sondern dann sind das eher so Brüder und so weiter.Aber genau, vor allem geht’s um Stiftungen.Aber so wurden eben aus diesen Gemeinschaften, die eigentlich so aus einem Idealder Weltflucht eigentlich hervorgegangen wurden, zunehmend wirklich so dauerhafteZentren von Besitz, von Patronage, politischem Einfluss, ja,man war eng mit Königen, Adeln und eben auch Bischöfen vernetzt,man verwaltete immer mehr große Güter,und manche von ihnen wurden jetzt zunehmend auch so in die Seelsorge und sodie ganze kirchliche Erschließung,des Landes und des Umlandes einbezogen.Weil aus dem Mönch so quasi, der sich von der Welt abwandte, dann irgendwie,einer werden muss, der mittendrin in der Welt sitzt, denn mit dieser seelsorgischenRolle, also quasi der Bischof sozusagen kann ja nicht überall sozusagen seingleichzeitig, es gab noch kein Internet und so weiter. Das heißt,ihm kommt das zu Tage, dass da jetzt quasi Klöster gegründet werden,weit ab von seiner Stadt in den Land.Und über diese zu sagen, kann er da quasi walten, wenn man so will.
Marcel
0:59:30
Und es weiter delegieren.
Heiko
0:59:32
Genau, und deswegen kriegen sie eben dort diese seelsorgerischen Aufgaben auchvertraut. Und mit diesen seelsorgerischen Aufgaben, mit dieser seelsorgerischenRolle, bekommen Klöster dann auch die Verantwortung für den Messwein.Und genau hier setzt quasi der Historiker Franz Stab mit einer ganz interessantenThese an. Für ihn ist quasi die Seesorge der entscheidende Umweg,über den die Klöster überhaupt intensiver mit Weinbau in Berührung kommen.Denn für die Versorgung des Gottesdienstes und damit auch für den Messwein wareben zunächst eigentlich der Bischof und die bischöflich organisierte Kirche verantwortlich.Aber der Bischof, was ich eben schon meinte, konnte natürlich nicht in jedemWinkel seines riesigen Bistums irgendwie selbst präsent sein.Sobald nun also diese gut ausgestatteten Landklöster auch seesorgerische Aufgabenübernehmen konnten, konnten sie eben auch solche Aufgaben einfach übernehmen.Und tatsächlich waren es dann im siebten Jahrhundert gerade Bischöfe,die viele der neuen benedektinisch-kolumbanischen, wenn man so will,Klöster gründeten und auch förderten, weil es quasi so ein bisschen die Delegationder Verlängerte arm werden konnte für den Bischof.
Marcel
1:00:26
Aber Messwein war denn, also ich habe immer gedacht, das wäre nur so ein Begriff,aber das ist einfach schon, man füllt die Leute ab, damit sie eine gute Stimmung haben oder was?
Heiko
1:00:35
Nein, Messwein, oh Gott, okay, du bist ja tatsächlich so quasi der Brandenburger Heide, ne?
Marcel
1:00:39
Ja, genau.
Heiko
1:00:40
Der Messwein ist wirklich buchstäblich der Wein, den du zur Kommunion trinkst,das Blut Christi sozusagen.Also du kriegst eine Orblate, das ist der Leib Christi und einen Schluck Wein,das ist das Blut Christi beim Abendmahl, das ist die Eucharistie.Das ist eigentlich so das zentrale Ritual der katholischen Kirche.
Marcel
1:00:56
Aber das macht man doch während des Gottesdienstes oder nicht?
Heiko
1:00:58
Ja, aber halt, du wirst nicht abgefüllt, du kriegst einen kleinen Schluck.
Marcel
1:01:01
Okay, weil du gerade das mit Seelsorge in Verbindung gebracht hast,deswegen irgendwie, ich dachte, okay, dann für…
Heiko
1:01:08
Also Seelsorge im weiteren Sinne, im Sinne von quasi die Ansprechperson unddie die Verantwortung übernehmen für Gottesdienste und so weiter, das ist Seelsorge.Seelsorge nicht im Sinne von, wie man heute Seelsorge, irgendwie so Damian oderDomian, wo du anrufen kannst im WDR, weil es dir irgendwie nicht gut geht.
Marcel
1:01:24
Gibt es ja eine lange Zeit nicht mehr.
Heiko
1:01:27
Sondern Seelsorge buchstäblich. Die Sorge um die Seele der Gläubigen sozusagen.Also das ist noch wirklich im buchstäblichen Sinne gemeint.Weil du natürlich quasi du bist verantwortlich für deine Schafe,damit die quasi das Seelenheil, also du bist verantwortlich für das Seelenheildeiner Gläubigen und deiner Schafe, damit die in den Himmel kommen.Buchstäblich Seelsorge.Die Mönche wurden also nicht deshalb zu Weinbauern, weil sie jetzt plötzlicheine besondere Leidenschaft für Rebstock geentwickelt hätten.Nach Stabsmodell wächst eben der Weinbau vielmehr so aus ihrer zunehmenden Einbindungeben in Seelsorge, Grundherrschaft und auch bischöflich geförderte kirchliche Strukturen heraus.Damit lässt sich zumindest eine wichtige Kontinuitätslinie eben weiterziehenvon der spätantiken grundbesitzenden Oberschicht über die Bischofskirchen jetztweiter zu den großen Landklöstern.Das Kloster wird damit wirklich zu so einem neuen kirchlichen Träger einer vielälteren, eigentlich sehr weltlichen Tradition, wenn man so will.Und vielleicht fragst du dich jetzt, Marcel, nicht nur, was Messwein eigentlichist, sondern wie viel Messwein denn bitte gebraucht wurde, um zu rechtfertigen,dass Klöster dann so massiv in Weinbau investieren und den Weinbau so krassausbauten, wie man es kennt.
Marcel
1:02:33
Also ich checke ja, dass die das übertragen, also dass die einfach mächtig sind,deswegen kriegen sie übertragen. Das macht für mich total Sinn.Aber jetzt, also Seelsorge und man braucht es für Messwein und das ist so einMinischluck, das klingt für mich nach einer Entschuldigung.
Heiko
1:02:46
Exakt, exakt. Da hast du schon was ganz Gutes erkannt, denn natürlich erklärtdie Verantwortung für den Messwein eigentlich absolut gar nicht allein diesemassive Weinproduktion.Dann rechnen wir das mal kurz durch, wie viel Wein braucht eine Messe eigentlich.Das ist eigentlich erstaunlich wenig, denn es ist auch nicht so,dass jeden Sonntag jetzt der Wein getrunken werden würde im Gottesdienst,sondern die Gläubigen kommunizierten im frühen Mittelalter im Prinzip nur…Quasi an drei Terminen vor allem, das ist Weihnachten, Ostern und Pfingsten.
Marcel
1:03:13
Okay, also nicht mal Sonntag.
Heiko
1:03:15
Genau, das waren so quasi, also vielleicht auch hin und wieder mal mehr,aber das waren so die, also nicht jeden Sonntag, sondern eigentlich erstaunlichwenig, so das so ein bisschen quasi die kirchliche Bestimmung gewesen.So, es war der Mindeststandard zugegebenermaßen, aber es war jetzt auch nichtso, dass irgendwie sonst jeden Sonntag da die Kommunion gefeiert wurde.Und natürlich wurde für jede Messe Wein gebraucht, aber trotzdem erklärte derliturgische Bedarf allein, also keine Weinproduktion von vielen hunderttausend Litern.Wenn ein Kloster also nicht nur diesen einen kleinen Weinberg besaß.Sondern dann hektarweise Reben, dann kann der Mastwein unmöglich der Grund dafür gewesen sein.Nehmen wir Saint-Germain-des-Prés, das ist eine Abtei bei Paris im frühen 9.Jahrhundert, mal als Beispiel, diese Abtei, die besaß mehrere hundert HektarWeinberge, verteilt über ihre riesige Grundherrschaft.Moderne Rekonstruktionen, die kommen auf mehrere hunderttausend Liter Wein imJahr, aus eigener Produktion und aus den Weinabgaben auch ihrer Pächter, die noch dazukommen.Und jetzt wird es interessant, Schätzungen zufolge brauchten die Mönche undihre Gäste und vielleicht noch die Liturgie für den Messwein eben nur einenganz, ganz kleinen Teil dieser gewaltigen Menge.Ein erheblicher Überschuss stand eben für Abgaben, Austausch und Verkauf zurVerfügung. Wir reden hier also längst nicht mehr von so ein paar Reben,damit auf dem Alltag genug Messwein steht.Wir reden wirklich von einem großen, grundherrschaftlichen Weinbetrieb,der tief in die Wirtschaft seiner Region auch eingebunden war.Und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Das Kloster war hier kein,oder der Mönch, kein frommer Kellermeister, der irgendwie andächtig seinen Messweinvielleicht irgendwie zog, sondern wirklich ein Weinproduzent,der den allergrößten Teil seiner Ernte auf den Markt brachte.Der Wein war ein Wirtschaftsgut und er floss reichlich und mit einem Sakramenthatte das in der Regel herzlich wenig zu tun.
Marcel
1:04:48
Einfach,Geld.
Heiko
1:04:50
Jetzt kommt auch der Punkt, der dem Messweinargument vielleicht endgültig denBoden entzieht. Man könnte ja noch einwenden, ja, aber vielleicht wuchs derBedarf über die Jahrhunderte, mehr Menschen, vielleicht auch ein paar Mal mehr im Jahr als nur dreimal.Tatsächlich passiert aber das genaue Gegenteil. In den ersten tausend Jahrendes Christentums empfingen die Gläubigen bei der Kommunion noch beides.Brot und Wein. Aber im 12. 13. Jahrhundert wurde den Laien der Kelch nach undnach tatsächlich entzogen. Der Wein blieb dem Priester vorbehalten,der ihn dann stellvertretend für die ganze Gemeinde mit eingeschüttet hat.Im 15. Jahrhundert wurde daraus sogar eine wirklich verbindliche Vorschrift.Das hatte theologisch, aber auch ganz praktische Gründe. Man hatte unter anderemwirklich die Sorge, der Wein könnte verschüttet werden, wenn so der Kelch vonMund zu Mund bei den Laien geht.Und weil der Wein ja das Blut Christi war, hätte man das Blut Christi verschüttet.Und das ist natürlich dann quasi ein Sakrileg, wenn man so will.
Marcel
1:05:35
Man kann sich halt die ganze Zeit auch was ausdenken, warum man…
Heiko
1:05:40
Das war aber auch tatsächlich ein großer kirchenpolitischer Streitpunkt undauch die Reformatoren dann gaben den Laien im 16.Jahrhundert den Kelch zurück, denn sie briefen sich auf das Wort Jesu,der beim Abendmahl sagt, trinket alle daraus und deswegen sahen sie es als unbiblischan, wenn man den Laien den Kelch entzog. Also quasi im Protestantismus ist daswieder ganz üblich sofort geworden.Das ist auch die Laienkommunion, so nennt man das quasi, wirklich Wein bekommen.
Marcel
1:06:00
Für mich wäre ja die nächste Frage, was haben sie dann eigentlich für einenWein dann da auch gegeben? Wahrscheinlich den letzten Dreck.
Heiko
1:06:05
Was übergeblieben ist, weil es nicht Das kann ich dir jetzt nicht sagen.Ich weiß nur, in der katholischen Kirche dauert es tatsächlich sogar bis zumZweiten Vatikanischen Konzil, also wirklich Anfang der 60er Jahre,bis dann der Leihenkelch wirklich auch im Katholizismus wieder schrittweise wiederbelebt wurde.Also erst seit den 60er Jahren dürfen auch katholische Leihen wieder Wein inder Kirche trinken, sozusagen.Ja, für uns als Konsequenz ist aber das Entscheidende, der sakrale Bedarf,der schrumpfte eigentlich eher, während der klösterliche Weinbau gleichzeitigeigentlich immer weiter wuchs.Deutlicher kann man uns wahrscheinlich kaum zeigen, dass das eine mit dem anderen wenig zu tun hatte.Halten wir also fest, der Messwein, der bietet zwar eine plausible Erklärungdafür, warum die neuen Landklöster jetzt im Frühmittelalter überhaupt erstmalstärker in den Weinbau hineingezogen wurden, obwohl natürlich Mönche,wie wir anfangs gehabt haben, eher quasi das Ideal von Askese und von Weinverzicht hatten.Jedenfalls, wenn wir Franz Stabs Argumentation folgen. Aber er erklärt ebennicht dessen spätere Dimension. Der klösterliche Weinbau wurde einfach so groß,weil Wein ein Wirtschaftsgut war.Ein sehr wertvolles Wirtschaftsgut, was Klöster eben auch zu nutzen wussten.Und damit sind wir jetzt bei einer weiteren spannenden Frage.Wenn es ums Geschäft ging und nicht um den Messwein, wie liefen diese klösterlichenWeinbetriebe und als solches muss man sie ja dann bezeichnen,wie lief das da eigentlich und haben sich die Mönche dabei eigentlich wirklichselbst die Hände schmutzig gemacht sozusagen?Und diese Frage würde ich sagen, beantworten wir nach dem nächsten Wein.
Marcel
1:07:26
Jetzt trinke ich mir kein Messwein, sondern ein großes Gewächs.Nämlich von Fritz Haag, Braunberger Juffa Riesling, großes Gewächs 2023.Dass ich jetzt mal ein Gießen werde.
Heiko
1:07:38
Ein Gießen?
Marcel
1:07:40
Genau, aber ich erzähle noch ganz kurz. Und zwar wusstest du,Heiko, dass die Moseweine um 1900 teurer als Bordeauxweine waren.
Heiko
1:07:50
Ach nee, das wusste ich nicht.
Marcel
1:07:51
Das war wirklich angesagt. Wie ich vorhin meinte, die waren damals auch trocken und so weiter.Dann ging es aber 80 Jahre wirklich tatsächlich bergab. Und wir kennen ja dieGeschichte rund um Österreich und Deutschland, einen Weinskandal,also der österreichische Weinskandal, der in Deutschland reinreichte.Genau, und auch die ganzen süßen Weine und so weiter, die es ja dann gab.Und da war Haag tatsächlich ein Vertreter der Riesling-Renaissance schon sehr früh.
Heiko
1:08:15
Riesling-Renaissance, das klingt aber auch schön.
Marcel
1:08:19
Und warum wir den Wein jetzt ausgewählt oder warum ich den ausgewählt habe,weil der braune Berger Juffa auch an einem weiteren römischen Kälter steht.
Heiko
1:08:27
Ach.
Marcel
1:08:27
Genau, da sage ich gleich nochmal was zu. Der Winzer an sich hat damals haltin dieser Zeit, das ist ein komischer Sprung gewesen, aber der hat halt aufQualität, Qualität und nochmal Qualität gesetzt. Das war irgendwie so ein Spruch.Ich meine, das ist auch sehr deutsch, finde ich.
Heiko
1:08:40
Alles aus einer Hand.
Marcel
1:08:41
Ja, als man halt so wirklich Massenerträge und Zuckerwein hatte.Und da war dann der Ruf der Mosel in der Zeit zumindest damals ruiniert.Und deswegen haben wir jetzt hier so einen Vertreter, der genau das Gegenteilvon dem eigentlich schon die ganze Zeit gemacht hat.Ja, der riecht gut. Der riecht gut. Und,würdest du sagen, dass der auf jeden Fall was Mineralisches hat?
Heiko
1:09:08
Ja.
Marcel
1:09:08
Der riecht schon irgendwie so ein bisschen nach Schiefern.
Heiko
1:09:10
Ja. Was deutlicher auf jeden Fall ist ja davor, als du wirklich Schiefer auchgesagt hattest und ich das mehr erwartet habe. Vielleicht war es aber auch neu,ein bisschen die Erwartungsreinigung.
Marcel
1:09:17
Also ich meine, an der Mose, mit dem Mose ist ja da alles Schiefer.
Heiko
1:09:22
Aber bei dem, also ich da finde es schon auch sehr deutlich.Ich rieche gerade nicht so eine Frucht.
Marcel
1:09:29
Ja, ist ein bisschen rückhaltender. Also ich meine,kann schon auch irgendwie so ein bisschen was abfliegen. Das riecht mir aus.
Heiko
1:09:46
Boah.Der ist lecker. Der ist richtig gut. Aber auch da schlägt einem direkt das Mineralischeschon mit rein. Also da riechst du nicht nur, das schmeckst du auch.Säure ist auch vorhanden.
Marcel
1:09:59
Ja, das ist halt auch richtig lecker. Ja. Das ist ein großes Gewächs, ne?
Heiko
1:10:07
Ja, manchmal. Wir hatten ja schon häufiger, dass es nicht unbedingt stimmenmuss, aber der schmeckt schon wirklich gut. Ja.
Marcel
1:10:17
Ja, das Mineralische ist schon krass.
Heiko
1:10:20
Man merkt mega dieses Mineralische. Der ist schon sehr dominant.Das muss man mögen, aber ich mag es.
Marcel
1:10:26
Ja, ich bin auch super Fan davon. Ein bisschen Pfirsich, finde ich, war es noch so.So schön. Was aber, was den so auszeichnet, also da kann man auf jeden Fallsagen, das ist sehr elegant.
Heiko
1:10:38
Also ja, ich weiß, was du mit Pfirsich machst. Aber es ist auch jetzt nichtso in-your-face Pfirsich. Aber es ist, also mineralisch überlage es mal.
Marcel
1:10:45
Der lebt nicht von der Frucht. Nee, absolut nicht.Auch einen ganz geilen Körper. Das hört sich jetzt komisch an.
Heiko
1:10:52
Das hört sich total komisch an.
Marcel
1:10:56
Und der bleibt halt vor allen Dingen auch… Deswegen muss ich gerade dran denken.Und der bleibt halt auch ein bisschen… Ich habe auch den Gutsriesling getrunkenvon dem, denn ich finde den, der ist ja viel leichtgewichtiger auch nochmal im Vergleich.Kann man jetzt natürlich nicht testen. Der hat aber 12,5% Alkohol,Also auf jeden Fall das…
Heiko
1:11:16
Das heißt, ich habe das Glas schon leer getrunken. Boah, den zieht man trotzdemauch erschreckend schnell weg, weil der so lecker ist. Doch der ist richtig gut.
Marcel
1:11:26
Ja, genau. Wir haben hier auf jeden Fall nicht so viel Zucker wie gerade eben. Wir haben 4 Gramm.Wir haben dementsprechend hohe Säure, auch 7,5 Gramm ungefähr.Großes Gewächs sind 32 Euro. Muss man sich dann auch mal leisten wollen sozusagen.Aber es ist, wie gesagt, für ein großes Gewächs, glaube ich,auch mal noch einen Preis, wo wir in Frankreich nicht mal dran riechen dürften.Der Brauneberger Juffa, das ist quasi der,also beziehungsweise die Lage, also der Berg heißt der Brauneberg und Juffaist sozusagen die Lage und wiederum am Fuß der Lage ist diese Römerkelter,die auch entdeckt wurde im Rahmen der Flubereinigung, ein bisschen später, 1990.Direkt unter der Jufa Sonnur, was nochmal so eine kleine quasi,also Jufa ist ungefähr 32 Hektarund Jufa Sonnur ist da drin nochmal so 10 Hektar als spezielle Lage.Da gibt es auch ein großes Gewächs, was aber ein bisschen teurer ist,weil es nochmal die sozusagen, der Diamant da drin sozusagen in der Lage ist.Und genau da hat man so eine Doppelanlage von 40 mal 9 Metern entdeckt,die auch in der Zeit vom 3. bis 5. Jahrhundert lief.Und hier haben wir ähnlich wie beim Peacebotter Goldtreffchen 588 die ersteUrkunde, wo Schildebert der Zweite, kenn ich nicht, keine Ahnung,ob du schon mal von ihm gehört hast.
Heiko
1:12:47
Auch schon, ne?
Marcel
1:12:48
Der hat das Kongo zu Duselmont verschenkt an Hofstift Verdun. Verdun.Ah, okay. Ich hab’s dann falsch aufgeschrieben.Weil die keine Weinberge hatten. Also da auch wieder nach der Kälte wird dasWeinland von weltlich auf die Kirche übertragen sozusagen.Das passt ja auch wiederum zu dem, was du gesagt hast.
Heiko
1:13:11
Genau, und Schilber, der Zweite ist so einer der Merowinger-Könige,das sind die, die dann auch die Frankenkönige, die quasi die alte römische Herrschaftauch übernehmen und sich dann…
Marcel
1:13:21
Ah, das waren dann die anderen, die dann mit übernommen haben?Also wer hatten die Bischöfe?
Heiko
1:13:24
Genau, die Bischöfe sind auf der kirchlichen Seite, aber es ist quasi,es gibt natürlich trotzdem eben, also in Anführungsstrichen,germanische Gentis sozusagen und davon sind die Franken, die es dann am Endesicher durchsetzen ging, auch alle Mann und so weiter.Und da, man spricht von den Berowinger-Königen, das sind die vor den Karolingernsozusagen, die da zunächst inihrer Basis im heutigen Frankreich ausregieren, mit Paris und so weiter.
Marcel
1:13:46
Das Dorf hieß bis 1925 deswegen auch Duselmund, also oder nach diesem Kronengutzu Duselmund, auch bei Fritz Haag steht noch sogar das mit dran sozusagen am Gutshof,und wurde dann umbenannt nach, einfach weil wir beiden auch populär wurde,dann nach Brauneberg, nach dem Berg sozusagen.Woher der Name Juffer kommt, fand ich noch interessant oder irgendwie eine netteAnekdote, das ist jetzt quasi nicht belegt, das ist einfach eher so ein Mythos.Ort lebte ein Kammerherr Wunderlich, der drei Töchter hatte.Die widmeten sich lieber dem Wein als den Männern.
Heiko
1:14:19
Das klingt jetzt wie, sorry, das klingt wie so ein Gedicht. Herr Ribbeck imRibbeck von Hafen. Herr Wunderlich mit seinen Töchtern.
Marcel
1:14:27
Also die haben sich lieber dem Wein als den Männern gewidmet sozusagen und blieben deswegen ledig.Und deswegen nannten die Eltern die Weinberge so, nämlich Juffer nach Mosefränkisch für Jungfer.
Heiko
1:14:38
Ah, okay. Ich habe lange Zeit drauf gewartet.
Marcel
1:14:41
Was jetzt,Fritz Haag, ganz kurz noch dazu. Der Betrieb, den gibt es auch wiederum langeschon Familienweingut 605 das erste Mal erwähnt.Durchgehend im Familienbesitz haben wir ja gerne irgendwie in Deutschland.Diesmal haben wir ja einen etwas größeren Betrieb mit 38 Hektarn.Ausschließlich Schieferstall lagen nur Riesling.Und das wird nicht von Fritz Haag betrieben, sondern von Oliver Haag.Das ist heute der Winzer, der das im Betrieb hat. Er ist seit 2005 Inhaber undmacht das auch mit seiner Frau Jessica.So, es ist Anna Mose, Familienweingüter sind halt einfach sehr verbreitet.Ebenfalls in Geisenheim studiert. Er hatte ein paar Lehrjahre in Deutschland und in Südafrika.Ganz spannend, bei Mont du Thor. Das war ein Rotweingut. Und der Vater,über den habe ich schon kurz gesprochen am Anfang, das war Wilhelm Haag,der halt die Riesling-Renaissance vorangetrieben hat.Der war 1994 erster Winzer des Jahres im Gros Milieu.Und war Vorsitzender vom VDP Mosel Saruva, also der Deutsche Weinverband sozusagen.Wir haben ja auch ein VDP-Weingut, weil es ja großes Gewächs ist.Und er hat damals dann, und das wollte ich nur als Anekdote mitbringen,weil ich das ja mit dir auch mal machen wollte, er hat damals dann auch zumBeispiel Journalisten an Schiefer lecken lassen, damit sie Mineralität verstehen.Das finde ich mir ganz witzig.
Heiko
1:16:11
Das ist heute wieder kein Schiefer-Bayern.
Marcel
1:16:12
Den ich lecken darf. Nein, ich muss dann halt hinfahren und mich mitbringen.Gibt es nicht im Online-Shop? Naja, leider nicht.Im Weinberg und Keller setzt ihr auf Handlese, wie natürlich so häufig auch bei so in steilen Lagen.Und zwar das Ganze viermal. Also man geht dann halt auch viermal durch den Weinberg,um zu unterschiedlichen Zeitpunkten genau die Trauben sozusagen rauszuholen.Wir haben eine kurze Maischestandzeit, dann Spontangärung, wie auch der Wein davor.Und haben auch den Ausbau in 1000 Liter Futterfässern, aber auch noch Edelstahlteilweise und dann wird je nach Wein etwas gemischt.Und Haag generell steht eher so für filigrane, elegante, feine Weine,die sich jetzt nicht durch Opulenz, also keine Opulenz haben.Wir haben jetzt gar nicht viel Frucht und sind jetzt keine kräftigen,sondern eher wirklich so elegant.Schmeckt man, glaube ich, aber auch bei dem Vertreter hier.
Heiko
1:17:07
Ja, am Ende des letzten Abschnitts, Also vor der letzten Verköstigung habenwir uns ja die Frage gestellt, ob die Mönche beim Weinbau wirklich selbst dieHände schmutzig gemacht haben.Was denkst du also, Marcel?
Marcel
1:17:17
Nein, die haben wieder andere Arbeiten als natürlich.
Heiko
1:17:20
Ja, zugegeben, die Frage war in der Form vielleicht ein bisschen suggestiv.
Marcel
1:17:22
Ja, aber das könnte man jetzt auch nach der ganzen Geschichte schon annehmen.
Heiko
1:17:26
Denn nein, jedenfalls nicht zumindest in den großen, sag ich mal,frühmittelalterlichen Klosterweinbergen.Die Bindedicks-Regel, die schreibt durchaus explizit die Arbeit mit den eigenen Händen vor.Das schon, doch diese Arbeit ist eben in der geistlichen Ordnung des Klosterssozusagen untergeordnet.Mönche konnten daher in der Regel eigentlich kaum selbst im Weinberg stehenund der Grund ist überraschend einleuchtend, wenn man ihn einmal hört.Weinbau, das weißt du wahrscheinlich, ist zeitintensiv. Reben verlangen kontinuierliche,planbare Präsenz. Ja, man muss dann schneiden, binden und lesen,wenn es die Rebe verlangt und nicht, wenn man vielleicht gerade Zeit hat.Weinbau ist wirklich eine ausgesprochene arbeitsintensive Kultur und der Tageines Benediktinermönchs war dafür denkbar ungeeignet, denn er war vom Stundengebetzerschnitten. Acht Gebetszeiten, Tag und Nacht.Also auch beim Schlafen stehst du auf, betest so. Alle paar Stunden muss gebetetwerden und das Gebet hatte wirklich absoluten Vorrang.Alles andere ordnet sich unter, die Arbeit wird stehen und liegen gelassen und wird unterbrochen.
Marcel
1:18:17
Das hätte man ja auch einen Weinberg machen können, sage ich nur.
Heiko
1:18:21
In Kapitel 43 der Regel heißt es, hört man das Zeichen zum Gottesdienst,lege man sofort alles aus der Hand und komme in größter Eile herbei,allerdings mit Ernst, um nicht Anlass zur Albernheit zu geben.Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden.Also so für ein bisschen Garten und Landwirtschaft unmittelbar beim Klosterwar das wahrscheinlich kein Hindernis.Für die Bewirtschaftung jetzt größerer, wirklich auch verstreut liegender Weinberger,aber einfach schon. Dazu kommt eben auch ein Weinberg, liegt selten neben derKlosterkirche. Der Besitz war Streubesitz, teilweise Kilometer entfernt, manchmal Tagesreisen.Da geht niemand mal eben zum Rebschnitt hin. Und genau deshalb, so argumentiert man…
Marcel
1:18:54
Im Islam hat man halt einfach etwas dabei und kann dann ein Restaurant betreiben.
Heiko
1:18:59
Also das steht tatsächlich auch zugegebenermaßen in der Benediktsregel.Also auch wenn man quasi außerhalb des Klosters sozusagen ist,dann soll man auch quasi da beten, wo man ist, wenn man auf Reisen ist.Aber die ganze Idee eines Klosters ist natürlich, dass du einfach in der Gemeinschaft lebst auch.Das heißt theoretisch, wenn du dann mal irgendwo anders bist,sollst du auch dann natürlich beten.Aber die Idee ist nicht, die Gemeinschaft aufzulösen und permanent irgendwoauf dem Weinberg zu stehen.
Marcel
1:19:23
So das widerspricht einfach dem hin. Man findet halt die Regeln,man interpretiert sie so, wie sie halt passen.
Heiko
1:19:29
Und genau deshalb, argumentiert jedenfalls Franz Stab, machten die Arbeit ebenandere, im Frühmittelalter zumindest, um das in dieser ersten Folge ja heutenoch geht, sind es vor allem die Pächter und auch abhängige Bauern.Ein großer Teil der klösterlichen Weinberge war ohnehin verpachtet.Die Leute wirtschafteten so auf eigene Rechnung und leisteten dann Abgaben ans Kloster.Und selbst die Weinberge, die das Kloster sozusagen offiziell selbst bewirtschaftete,wurde eben nicht von Mönchen bearbeitet, sondern von abhängigen Bauern,die dem Kloster eben Arbeitsdienste schuldeten. Das sind diese genannten Frohendienste,das hast du wahrscheinlich im Geschichtsunterricht schon mal gehört.Der Mönch, der stand also weder auf dem Verpachteten noch auf dem eigenen Weinbergmit der Rebschere. Er war Grundherr und nicht Winzer, also vielleicht hat erda hier und da mal irgendwie supportet, aber so der Großteil der Arbeit eben nicht.Und die Winzer, eben die tatsächlich, sag ich mal, in den Reben standen,arbeiteten längst auch nicht nur auf klösterlichem Boden.Es gab die ganze Zeit auch einen weltlichen Weinbau, neben dem der Klöster,adelige Besitzer, ganze Weinstädte oder Winzerdörfer, ja, mit eigenständigenWinzern, denen ihr Land oft selbst gehörte. Das ist der Punkt,den man eben leicht übersät.Der Weinbau, der war nie eine rein klösterliche Angelegenheit,auch wenn sich das vielleicht jetzt auch in der heutigen Folge ein bisschen so anfühlt.Und warum haben wir das Gefühl, im Mittelalter sei aller Wein irgendwie Klosterweingewesen und da sind wir bei etwas, das die Klöster wirklich auszeichnet undwas du heute schon mehrfach erwähnt hat,nur eben nicht im Weinberg, sondern eben im Archiv, ja, Klöster, die führten Buch,sie hielten ihre Urkunden fest und die hoben sie auf, ja, und bewahrten sieüber die Jahrhunderte hinweg, ja, und sie waren als Institution überhaupt aufDauer angelegt, der ganze Besitz, der zersplittert sich nicht,sondern blieb zusammen, vermehrt sich, ja,wie wir in der nächsten Folge noch sehen werden, durch Schenkungen und so weiter,wuchs ja wirklich unermesslich an, ja,der Besitz eines weltlichen Winzers dagegen.Der wurde über die Generation immer wieder durch Erbteilung zerstückelt undAufzeichnungen gingen, wenn es überhaupt welche gab, einfach meist verloren.Deswegen ist unser Bild einfach so ein bisschen schief. Es liegt eher so ander Überlieferung, dass die Klöster so dominierend wirkten.Und trotzdem steckt auch in genau diesem Bewahren so ein bisschen die eigentlicheLeistung vielleicht auch der Klöster.Denn sie bewahrten eben nicht nur die eigene Buchhaltung, sondern eben auchwas viel Wertvolleres auf, das Antikgewissen über den Weinbau selbst.Ich glaube, das hattest du vorhin auch einmal irgendwo erwähnt,dass irgendwo ein römischer Weinschriftsteller irgendwie überliefert wurde.Ich bin mir nicht mehr sicher. Also wirklich in den Klöstern wurde römischeFachliteratur abgeschrieben, studiert, kommentiert.Die ganzen Werke von Columella, Plinius, Palladius und so weiter.Ohne diese klösterliche Schreibarbeit wären sie wirklich so verloren gegangen,wie es zum Beispiel das große Weinbauwerk des Carthagas Mago eben verloren gegangenist, von dem ich am Anfang kurz gesprochen habe und von dem wir heute nur nochwissen, dass es mal existiert hat, aber wir wissen nicht mehr, was da drin stand.Also dieser genuine Beitrag der Klöster war nicht unbedingt der des Winzers,sondern eher der des Gelehrten. Sie hielten jetzt nicht die Reben sozusagenam Leben, sondern das Wissen über sie.Und genau da beginnt jetzt aber eine neue Geschichte.Ora et labora. Hast du davon schon mal gehört, Marcel?Ora et labora, das heißt bete und arbeite. Und dieser Grundsatz gilt heute eigentlichso ein bisschen als Inbegriff des klösterlichen Lebens.Nur für die frühmittelalterlichen Klöster, über die wir ja gerade gesprochenhaben, stimmt das eben eher nur für den ersten Teil, also das Beten.Der zweite Teil hatte eben einen anderen Stellenwert, wie wir gesehen haben.Arbeit war Teil der monastischen Disziplin.Benedikt hat das vorgegeben. Aber es war nicht so richtig der Auftrag,so einen möglichst effizienten Agrarbetrieb persönlich zu bewirtschaften.Beim Weinbau jedenfalls überliest man einen Großteil der praktischen Arbeiteben anderen. Aber im 12. Jahrhundert tritt jetzt ein neuer Orden auf den Plan,und dieser möchte dieses Arbeite, dieses Labora in Ora et Labora wieder sehr viel stärker betonen.Und dieser Orden, von dem ich rede, das sind die Zisterzienser.Und ihr bekanntester Vertreter bei uns steht mitten im Rheingau.Das ist das Kloster Eberbach, das zu einem der größten Weinbauunternehmen desmittelalterlichen Europas werden sollte.Wie genau sie das gemacht haben und ob nun diese Zisterzienser,dieses Labora wirklich so wörtlich genommen haben, wie es klingt.Trommelwirbel. Sehen wir in der nächsten Folge erst oder hören wir viel mehr. Genau.
Marcel
1:23:19
Also ich habe auf jeden Fall gelernt, dass, also ich muss, den Punkt,den gebe ich, okay, die urkundliche, also die ganzen Dokumentationen haben sicherlicheinen großen oder haben einen großen Wert auf jeden Fall heute,weil dann viel auch, das würde dich ja auch als Historiker freuen,weil einfach sehr viel belegt ist und schriftlich erwähnt wird.Aber auf der anderen Seite hat man sich natürlich alles sehr gern so zurechtgelegt,damit es ins eigene Klapp passt.Aber das ist bei allen.
Heiko
1:23:48
Es ist ja egal, ob jetzt ein Kloster oder irgendein weltlicher Aries,Menschen sind halt einfach so, dass man sich das gerne so legt.
Marcel
1:23:54
Ja, bloß hat die Kirche halt einen anderen moralischen Anspruch an andere Menschen, denen man dann,auferzwingend sozusagen. Ich glaube, es macht ein weltlicher Herr dann nicht,also auf der moralischen Ebene vielleicht nicht genauso. Will ich jetzt mal behaupten.
Heiko
1:24:11
Also ich glaube, also theoretisch hat auch ein, sag ich mal,im Mittelalter ein weltlicher Herr den moralischen Anspruch,weil anders als heute kannst du halt dieses religiöse und das Weltliche nichtganz so stark trennen, aber natürlich hat ein Mönch, sag ich mal, an sich, der quasi sich,also wirklich dieses perfekte christliche Leben führen will,nochmal in eine andere Antwort, da hast du recht.
Marcel
1:24:32
Naja, auch an die Menschen.
Heiko
1:24:34
Ich wollte jetzt auch nicht damit zum Ausdruck bringen, vielleicht ist es auchfalsch rüber, ich wollte jetzt auch nicht zum Ausdruck bringen,dass die hier gelogen haben und sagen, wir sind tolle Winzer,haben aber eigentlich die Arbeit andere machen lassen.So ist es ja auch nicht, sondern eher nur dieses Bild, was wir heute haben,stimmt halt nicht. Aber es ist jetzt auch nicht so, als hätten sie da groß gelogen.
Marcel
1:24:50
Nicht gelogen, aber da bin ich, glaube ich, zu sehr atheist und kirchenkritisch.
Heiko
1:24:59
Und in der Vorstellung sozusagen der damaligen Welt, aber auch des Mönchs,dieses Beten und dieses stundenlang, was sie von der Arbeit sozusagen abhält,das machen sie ja quasi nicht nur für das eigene, und da kommen wir auch inder nächsten Folge nochmal mehr, sondern auch für das Sehenheil der anderen,für die ganze Gesellschaft.
Marcel
1:25:14
Für die Menschen.
Heiko
1:25:15
Man betet quasi auch für, also man tut das auch für die anderen sozusagen.Ich sage nur, ich glaube, es ist nicht so einfach, wie du das dir gerade machenwillst. Es ist schon auch wirklich komplexer.
Marcel
1:25:25
Ich bin auch ein bisschen…
Heiko
1:25:27
Ja, du bist jetzt gerade auch ein bisschen populistisch anti sozusagen, was auch okay ist.
Marcel
1:25:32
Ja, wollen wir nochmal einmal kurz die Weine kurz zum Abschluss rekapitulieren?
Heiko
1:25:37
Sehr gerne. Jetzt muss ich mir merken, was das ist, der Hak, ne?Das ist der erste. Ja, ich muss sagen, also jetzt bei der Rekapitation am meistenfreue ich mich nochmal den letzten, weil der war wirklich am leckersten.Ein bisschen, aber am gespanntesten bin ich gerade kurz auf den zweiten, den Ansgar Klütterat.Und zwar, weil ich, das hatte ich jetzt vorhin nicht mehr gesagt,beim ersten Glas, was wir vorhin hatten, so die letzten ein,zwei Schlücke, hatte ich dann irgendwann doch das Gefühl,ich hatte so ein Honiggefühl, vielleicht doch diese Süße rauskam und ich deswegenein bisschen Sorge habe, dass es vielleicht wirklich auch wieder doch nichteins ist, wo ich die ganze Flasche irgendwie trinken wollte.Deswegen bin ich gespannt auf das zweite Glas, weil so am Anfang fand ich den ja wirklich cool.Und auch die letzten Schlücke waren gut, aber da habe ich so gemerkt,vielleicht kommt da doch langsam ein bisschen diese Süße nach irgendwie.Ein bisschen wie dieses Honigartige. Aber deswegen wollte ich den,aber ich würde, glaube ich, die Reihenfolge nochmal machen. Erstmal vielleicht. Oder doch, den direkt.
Marcel
1:26:31
Nee, ich habe den schon genommen. Den ersten habe ich schon gerade mal.
Heiko
1:26:34
Ach so, weil dann würde ich kurz einmal nochmal den ersten,Ja, bleibt einfach ein guter, knackiger Alltagswein. Macht auch nach wie vor einfach Spaß.
Marcel
1:26:47
Finde ich auch.
Heiko
1:26:48
Schmeckt, ja, fresh einfach.
Marcel
1:26:50
Und für 8 Euro ist es sehr geil.
Heiko
1:26:52
Ja, also, kann sich nichts verkehrt machen. So, jetzt nochmal diesen…
Marcel
1:26:56
Ja, der hat doch mal den Schwere auf jeden Fall im Vergleich.
Heiko
1:26:59
Auch gerade im Geruch.Nee, schmeckt aber trotzdem auch. Ja.Nee, ist auch, nee, also definitiv nicht nur One-Glas-Territory,der schmeckt auch im zweiten Glas noch.
Marcel
1:27:17
Ja, also ich finde, der hat nicht, ich hatte wie gesagt, dann wirklich diesesüßen Kabinetts, da kann man nicht die Flasche trinken.
Heiko
1:27:24
Aber auch hier finde ich es spannend, vielleicht auch, wie man den direkt davorhat, ich habe das Gefühl jetzt, so quasi mit jedem Schluck wird er ein bisschen süßlicher.Ich weiß auch nicht, also aber nicht süß im Sinne von süß, sondern eher nurso ein bisschen dieses, so eine Art, so ein Honig-Touch habe ich irgendwie imHintergrund nach so einem zweiten drin.Aber jetzt der letzte noch mal.
Marcel
1:27:48
Ja, aber so der krasse, dieser Stein.
Heiko
1:27:50
Das ist so mineralisch direkt, aber ich finde den wirklich richtig gut.Der ist wirklich lecker. Also das ist ein schöner.
Marcel
1:27:56
Für den besonderen Moment?
Heiko
1:27:58
Ja, oder geiles Zeug vielleicht.
Marcel
1:28:00
Oh, okay.
Heiko
1:28:00
Also den finde ich wirklich, der hat,ich würde fast bei dem davor sagen, das ist vielleicht für einen großen Momentso, oder ein Referenzgetränk, aber das müssen wir ja nochmal im Nachhinein schauen für unsere Rangliste.Doch, aber alle drei, also kein Auswahl sozusagen dabei.Ich wollte gerade sagen, auch bei Moselwein und so, da kann man mit dem Wissen,was du auch ja über Wein hast.
Marcel
1:28:29
Da euch auch gute Treffen machen. Sehr, sehr unterschiedlich schmecken.Wir haben jetzt die krasse Fühlt, wie gesagt, zu Moselwein könnte man wahrscheinlichauch nochmal ganz andere Gegenüberstellungen machen, aber ja,das wäre erstmal so als kleiner Moselweinauszug.
Heiko
1:28:42
Ja, super. Mir hat es wieder sehrviel Freude bereitet und bin schon sehr gespannt, auf die Fortsetzung.
Marcel
1:28:49
Ich auch. Auch wenn ich meine atheistische, kritische Haltung sicherlich daseine oder andere Mal nochmal so spitzfindig Also ich werde sie wahrscheinlich fürchte.
Heiko
1:29:01
Ich auch in der nächsten Folge nicht Also ich werde keine großen Argumente haben,ganz im Gegenteil, um eher um das aufzulösen bei dir. Im Gegenteil,wahrscheinlich bestätigt sichdie nächste Folge eher, aber ich möchte gar nicht zu viel vorweg nehmen.Das war unser heutiger Schluck aus der Geschichte.
Marcel
1:29:17
Dann beim nächsten Mal. Prost dann mit unserem Fritz Haag nochmal.
Heiko
1:29:24
Prost. Genau, stimmt. Stoßen wir nochmal mit dem Fritz Haag an.
Marcel
1:29:27
Bis zum nächsten Mal. Ciao, ciao.
Heiko
1:29:56
Wir hätten reimen können. Viel Spaß bei Gedichte im Glas. Es reimt sich sogar.
Marcel
1:30:02
Tja, zu spät.
Heiko
1:30:03
Hallo Elbenau, wisst ihr was? Wir wünschen euch viel Spaß bei Gedichte im Glas.
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