GIG003: Goethe (1) und der Wein | Im Glas: Roter Hang & Würzburger Stein

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Heiko

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Weinliebhaber, Freigeist, Literat: In Teil 1 unseres Goethe-Zweiteilers begleiten wir den jungen Goethe auf seiner Reise von Frankfurt über Leipzig und Straßburg bis nach Weimar. Wir erleben, wie aus dem Jurastudenten ein gefeierter Autor wird – und entdecken, welche Rolle Wein, Liebe und Lebenslust auf diesem Weg spielten. Wir trinken dazu 3 Rieslinge und 2 Silvaner.

Shownotes zur Episode





Transkript zu Goethe (1) – Wie der Wein Leben & Werk prägte | Im Glas: Roter Hang & Würzburger Stein

Das Transkript ist automatisiert erstellt und nicht perfekt. Seht es uns nach.

Marcel 0:01:43
Moin Moin!
Heiko 0:01:44
Hallo und willkommen zurück bei Geschichte im Glas und Marcel. Heute wird es poetisch. Ich möchte fast sagen, willkommen bei Gedichte im Glas.
Marcel 0:01:55
Oh, du willst uns Gedichte vortragen heute, Heiko?
Heiko 0:01:57
Das wird auch passieren, denn findige Hörerinnen und Hörer haben es vielleicht schon am Titel erkannt. Heute werden wir uns mit Goethe beschäftigen und nicht nur heute, denn so viel kann ich verraten. Tatsächlich wird das unser erster Zweiteiler von Geschichte im Glas. Denn wie sich während der Recherche herausgestellt hat, kann man zu Goethes Liebe zum Wein so viel sagen, dass daraus letztlich Stoff für zwei Folgen wurde. Aber ein kleiner Disclaimer vorweg, weil Goethe manchmal doch sehr spezifisch bestimmte Weine und so weiter erwähnt, habe ich Marcel diesmal auch etwas spezifischeren Input für die Weinbegleitung mitgeben. Ich habe jetzt nicht nur gesagt irgendwas zu Goethe, aber ich weiß trotzdem bislang natürlich nicht, welche Weine genau wir heute trinken werden. Vielleicht kannst du mich und alle anderen auch dazu gerne mal abholen jetzt.
Marcel 0:02:41
Es stehen ja noch nicht alle auf dem Tisch. Wir sind heute bei Goethes Lieblingswein oder… Sagen wir mal, auf dem Input basierend, was du mir gegeben hast, bin ich von dort gestartet und habe geguckt, was er vielleicht irgendwie mögen könnte. Also natürlich nicht die Wein, die er direkt getrunken hatte. Der Wein wäre etwas zu alt, obwohl es glaube ich aus den Lagen, die er getrunken hat, durchaus Verkostungen gab von sehr altem Wein. Sogar, ich glaube vor seiner Zeit sogar noch. Aber was so ein bisschen seinem Style entsprochen hat. Und heute keine Angst, Heiko. Es gibt keine Naturweine.
Heiko 0:03:19
Jetzt fühle ich mich schlecht.
Marcel 0:03:22
Ich habe tatsächlich auch welche probiert in dem Rahmen der Recherche. Mich durch die Sachen, die er vielleicht gerne mochte, ein bisschen durchprobiert, um auch ein bisschen eine Vorstellung zu bekommen, was er gerne mochte. Und Naturwärme wären es vielleicht nicht unbedingt gewesen. Ich glaube, er hatte so eine sehr festgefahrene Vorstellung von Wein. Ich weiß nicht, wirst du uns ja noch erzählen. Das war mein Eindruck. Und generell war das auch ein bisschen anstrengender diesmal. Tatsächlich, ich weiß nicht, wie es dir ging mit der Recherche. Ich finde, Goethe ist eine ziemliche Bitch.
Heiko 0:03:53
Fuck you, Goethe, sozusagen.
Marcel 0:03:56
Also in der Recherche macht er schon ein bisschen Trouble. Also er ist jetzt nicht so super einfach.
Heiko 0:04:00
Nee, das stimmt. Und wie gesagt, deswegen wurde daraus auch zwei Folgen. Also generell einfach auch aus meiner Seite von der Recherche her sehr, ich will nicht sagen ausgeartet oder eskaliert. Vielleicht ist das das richtige Wort.
Marcel 0:04:13
Wir hatten ja in der letzten Folge einen Weinshop, wo wir die Links mitgegeben haben. Da müssen wir jetzt schon an der Stelle sagen, ma sorry, das wird diesmal ein bisschen schwieriger mit dem Bestellen, weil die Sachen, die ich am Ende dann mitbringen wollte, sollten auch irgendwie passen und auch zu den Lagen, die wir uns anschauen. Dementsprechend gibt es natürlich Links dabei, aber diesmal sind nicht alle von einem Shop. Und wir haben heute außergewöhnlich viele Winzerinnen, nämlich vier an der Zahl, aber nur aus zwei besonderen Gebieten. Und dieses Mal trinken wir nur Weißwein. Wir werden zwei Rieslinge und zwei Silvaner trinken. Und so ein Preislich zwischen 9,90 Euro und 26 Euro. Also wieder so eine ganz gute Range, glaube ich. Ja, und ich habe echt viel probiert, muss ich sagen. Also es war ein bisschen aufwendiger. und ich musste ein bisschen härter selektieren, unter anderem Kandidaten, die dir hundertprozentig überhaupt gar nicht gefallen hätten. Die waren etwas experimenteller. Aber am Ende sind es jetzt die vier geworden.
Heiko 0:05:17
Super, ja, ich bin gespannt und ich freue mich drauf. Ich sehe ja zumindest schon ein Teil davon hier auf dem Tisch stehen und mir läuft schon ein bisschen das Wasser im Mund zusammen, weil das, also Stichwort Wasser, richtig so das Kondenswasser auf diesen eisgekühlten Flaschen, also das ist sehr einladend. Aber an der Stelle tatsächlich erstmal auch noch vielen Dank an dich sozusagen für den Aufwand, den du immer betreibst. Ich glaube, das ist vielen Hörerinnen und Hörern noch gar nicht so bewusst, dass du ja nicht einfach so mal eben irgendwelche Weine mitbringst, sondern die echt da richtig Aufwand betreibst. Deswegen, wenn euch das gefällt und ihr auch wollt, dass, andere und noch mehr Leute in den Genuss auch von dieser Recherche sozusagen kommen, dann nochmal kleine Erinnerungen, gerne, abonnieren, bewerten in der Podcast-App eures Vertrauens, weil so funktioniert dein Rhythmus einfach, je mehr Bewertungen, positive im besten Fall, und je mehr Abonnements, desto eher wird man dann natürlich auch anderen mal vorgeschlagen und so. Helft ihr uns noch mehr Reichweite zu erhalten?
Marcel 0:06:11
Auf jeden Fall. Die beschlagenen Gläser ist im Prinzip ein Streak heute, ne? Dritte Folge, dritter Sonntag, Drittemal gut Sonne.
Heiko 0:06:23
Das stimmt, das stimmt. Ich habe auch schon überlegt, ob wir im Winter einfach jeden Tag Podcast aufnehmen, weil offensichtlich ist es dann immer warm. Aber nein. Aber man merkt trotzdem, glaube ich, dass es ein bisschen herbstlicher wird.
Marcel 0:06:33
Langsam geht es los.
Heiko 0:06:35
Okay, bevor wir ins Thema dieser Folge eintauchen, noch ein weiterer kleiner Disclaimer, vielleicht auch zur Erwartungshaltung. Diese Folge, trotz Zweiteiler oder diese Folgen, werden selbst wahrscheinlich keine vollständige Biografie Johann Wolfgang von Goethes liefern können. Der Mann war über 80 Jahre alt, als er starb und hat in dieser Zeit so ziemlich alles erlebt, was man im 18. und 19. Jahrhundert erleben konnte. Politisch, künstlerisch, wissenschaftlich, zwischenmenschlich. Es gibt so zwei maßgebliche Biografien, die eine ist von Rüdiger Safranski und die andere von Nikolaus Boll und die bringen es zusammen auf fast 3000 Seiten. Also würde ich versuchen, das alles hier irgendwie nachzuerzählen, dann sitzen wir wahrscheinlich viele Tage und so viel Wein können wir gar nicht trinken, um diese Zeit zu füllen. Oder sollten wir zumindest nicht.
Marcel 0:07:18
Vielleicht nicht so gesund.
Heiko 0:07:19
Was ich stattdessen tatsächlich machen möchte, ist ein thematischer Zugang. Ich möchte Goethes Leben und Werk durch ein Glas Wein betrachten sozusagen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Wein spielt in Goethes Leben eine erstaunlich konstante, ja ich will fast sagen leitmotivische Rolle. Trotzdem kann ich schon vorab sagen, es wird auch Phasen in dieser Folge oder in diesen zwei Folgen geben, in denen der Wein vielleicht nicht ganz, ganz so im Fokus steht.
Marcel 0:07:42
Was?
Heiko 0:07:42
Ja, ich hatte tatsächlich versucht, anfangs so mich wirklich nur an den Punkten seines Lebens und Wirkens entlang zu hangeln, an denen wirklich etwas zu weinen und zu seiner Trinkfreude und so weiter man sagen kann. Aber das hat echt nicht funktioniert. Das war zu episodisch, zu sprunghaft und das habe ich dann doch irgendwie wieder verworfen. Das heißt, ich werde mich trotzdem am linearen Verlauf seines Lebens langhangeln. Dabei wird es die ein oder andere Phase geben, in der der Wein vielleicht etwas weniger im Fokus steht, das lässt sich nicht ganz vermeiden, aber ich verspreche trotzdem werden wir mehr als genug die Möglichkeit haben über Wein zu sprechen, denn der Wein begleitet Goethe von der Jugend oder noch früher eigentlich bis ins hohe Alter eigentlich komplett durch. Und das überrascht vielleicht auch gar nicht so sehr, wenn wir mit seiner Herkunft beginnen, denn der Wein wurde ihm buchstäblich in die Wiegel gelegt.
Marcel 0:08:29
Wenn man so möchte.
Heiko 0:08:29
Also schon der allererste Atemzug des Dichters steht unter dem Zeichen des Weins. In seiner Autobiografie, Dichtung und Wahrheit, beschreibt Goethe seinen eigenen dramatischen Geburtsmoment am 28. August 1749 mit folgenden Worten. Zitat. Aha, in einem Bad heißen Weins, das einem anderen hätte gefährlich werden können, kam ich zu Kräften. Goethe kam also leblos zur Welt, bis man ihn mit heißem Wein einrieb. Erst dann begann er zu atmen. Ich weiß nicht, ob man das vielleicht als frühes Om deuten will.
Marcel 0:09:13
Also haben Sie das wirklich mit?
Heiko 0:09:15
Ja, also er schreibt das und es gibt auch eine andere Quelle, die das so mehr oder weniger bestätigt. ich weiß jetzt nicht, was da die medizinischen Hintergründe für sind.
Marcel 0:09:22
Oder hat er es verklärt?
Heiko 0:09:24
Also vielleicht auch das ein bisschen, aber es gibt tatsächlich zumindest eine andere Quelle, die das auch noch sagt. Ich weiß nicht, inwiefern das am Ende wirklich was damit tut. Vielleicht ist das auch eher so ein, wie nennt man das, nicht kausal Zusammenhang, sondern eher so ein Zufall. Die haben vielleicht Wein eingerieben und haben gleichzeitig irgendwie auf die Pobacken gehauen oder wie man das früher gemacht hat, damit keiner wieder atmen. Ich weiß nicht.
Marcel 0:09:44
Die gesundheitlichen, also es war ja schon nochmal eine andere Zeit. Ich hatte zufällig in der Recherche, weil ich ein paar Zahlen und Fakten ja noch rausgesucht habe, gezwungenermaßen musste ich mich natürlich ein bisschen auch da an Güteran robben sozusagen, deswegen sind mir so ein paar Sachen auch bewusst, aber auch unter anderem so einen Krankenbericht gefunden und so weiter, was im Laufe seiner Zeit dann ihm alles noch widerfahren ist. und zu der Zeit, um das nur mal zu sagen, das war ja noch die Zeit der Aderlässe, also was jetzt aus heutiger Sicht überhaupt nichts gebracht hat und das eher vielleicht noch schädlich ist, aber das hat man damals gemacht und dementsprechend wäre wahrscheinlich auch dieses Wein ein Reimen eines Kindes.
Heiko 0:10:21
Also heute würde man auch sagen, lieber keinen Alkohol trinken, wenn man krank ist. Auch das damals, es gibt so Briefe auch von ihm, glaube ich, an seiner Ehefrau oder späteren Ehefrau, als sie krank war, dass er sagt, ja irgendwie der Arzt sagt das auch, irgendwie bitte trink doch noch mehr von dem Wein oder Champagner, das tut dir gut oder so. Also wirklich so als Wein oder Alkohol als Medizin sozusagen irgendwie zu nehmen.
Marcel 0:10:41
Und der hat auch Schiller glaube ich empfohlen. Trink doch wahrscheinlich. Ja, Wein dann.
Heiko 0:10:47
Ja, genau. Also wie man sieht, der Wein war von Anfang an Teil seines Lebens. Und zwar nicht nur symbolisch, sondern auch ganz konkret wirtschaftlich und auch familiär. Denn Goethes familiärer Hintergrund war geprägt vom Wohlstand eines bürgerlichen Hauses in Frankfurt und ein erheblicher Teil dieses Wohlstandes beruhte mehr oder weniger direkt auf dem Wein. Der wirtschaftliche Grundstein wurde nämlich von Goethes Großvater, Friedrich Georg Goethe, gelegt. Übrigens noch mit Ö geschrieben, nicht mit OE, aber die Familie änderte die Schreibweise dann auf OE. OE vermutlich, um Vornehmer zu wirken.
Marcel 0:11:20
Vielleicht sollte ich das auch machen.
Heiko 0:11:21
Schröder mit OE.
Marcel 0:11:22
Ja, ja, weil es gibt immer Trouble, wenn du fliegst und so weiter.
Heiko 0:11:26
Einfach mal ändern. Also es hängt einmal dann zum Vornehmer, auch mit einer lateinischen Schule, auf der dann der Vater geschickt wurde und die kannten keine Umlaute. Also vielleicht musst du dich auch in der lateinischen Schule nochmal einschreiben und dann kannst du Schröder mit OE machen.
Marcel 0:11:38
Der Zug ist abgefahren, glaube ich.
Heiko 0:11:40
Also sein Großvater jedenfalls, Friedrich Georg, der war ursprünglich ein talentierter Schneider. In Frankreich ausgebildet, geschäftlich recht erfolgreich, eigene Werkstatt. Doch sein eigentlich unternehmerisches Geschick zeigte sich dann besonders in seiner zweiten Ehe. Er heiratete Cornelia Schellhorn, das ist so eine vermögende Witwe gewesen und die Besitzerin des Weidenhofs, das ist so ein bekanntes Frankfurter Gasthaus. Aber die Haupteinnahmequelle dieses Weidenhofs war schon damals eigentlich der Weinhandel. Und Friedrich Georg spekulierte recht geschickt mit Wein und profitierte von sogenannten Angstverkäufen der Mosel- und Rheinwinzer. Kannst du dir vorstellen, warum sich die Winzer quasi aus Angst oder Sorge häufig gezwungen sahen, ihre Weine schnell und billig zu verkaufen?
Marcel 0:12:19
Schnell und billig verkaufen aus Angst? Keine Idee.
Heiko 0:12:23
Ja, also vielleicht auch gut so tatsächlich, dass dir das nicht einfällt, weil man kann sich das heute ja zumindest trotz wieder eingeführter Grenzkontrollen kaum noch vorstellen. Aber Frieden und Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich, das ist ja wirklich eigentlich erst ein Produkt der jüngeren Geschichte, also im Maßstab eines Menschenlebens, jüngere Geschichte, jetzt nicht der Menschheitsgeschichte, denn es entstand ja erst nach dem Zweiten Weltkrieg, vorher war das ja ganz anders. In Europa herrschten ja fast ständig Kriege und besonders so die Grenzregionen zwischen Frankreich und, ich nenne es jetzt mal Deutschland, es gab es als einheitlichen Nationalstaat ja zu Goethes Lebzeiten noch nicht, aber genau diese Grenze zwischen den deutschen Landen und den deutschen Staaten und Frankreich war immer wieder Schauplatz von Auseinandersetzung und in diesen unruhigen Zeiten sozusagen kaufte Friedrich Georg dann recht günstig, weil die dann bevor da irgendwie die Soldaten wieder alles plünderten oder so schnell lieber ihre Lager verkauften. Er lagerte es dann klug und verkaufte es mit Gewinn weiter und so entstand einfach ein ansehnliches Vermögen, dass er nach seinem Tod 1730 dann an seinen Sohn vererbte. Das war dann Goethes Vater, Johann Kaspar Goethe.
Marcel 0:13:18
Okay, aber er ist dann schon ganz gut gestartet, ne? Also ich meine, wir haben Goethe ja in der Schule und so weiter gehabt und so ein bisschen Sachen ploppen mir auf, bei mir immer so eher irgendwie nur als Vorstellung, aber es ist durchaus ein reicheres Vermögen, das Elternhaus ist super gut gestartet.
Heiko 0:13:35
Ja, der ist kein Aufsteiger oder so, also wenn dann vielleicht noch sein Großvater oder so, aber irgendwie er selber ist absolut gut bürgerlich erzogen worden.
Marcel 0:13:42
Nicht wie so viele, die am Hungertuch genannt haben.
Heiko 0:13:44
Nee, gar nicht, das Gegenteil war wirklich der Fall. Und sein Vater pflegte auch dann nicht nur die Sammlung der edlen Weine im Keller, im Frankfurter Haus, im großen Hirschgraben, so hieß die Straße oder heißt die noch immer, sondern er vermehrte sie dann auch gezielt, gestaltete das Köllergewölbe um, verband das Kleine mit dem großen Gewölbe, ergänzte die Sammlung sorgsam, kaufte hier und da ein bisschen zu. Also auch da wieder alles ganz klar, dieses Weingeschäft und Weinpflege schon immer Kern auch so irgendwie des Familienbetriebs. und so wurden quasi die wertvolleren Tropfen ein bisschen geschont und ein bisschen vielleicht irgendwie gelagert, um sie vielleicht mal teurer zu verkaufen, während man für den alltäglichen Bedarf tatsächlich, wie viele Bürger Frankfurts, das war recht üblich da, einen ganz eigenen kleinen Weinbaubetrieb im Garten. Also Frankfurt war im 18. Jahrhundert total von Wein geprägt, so im Umland zwischen Mainz und Hanau wuchsen wirklich zahlreiche Reben, allen voran ist jetzt nicht so überraschend wahrscheinlich der Riesling. und Goethe beschreibt quasi diese Erfahrungen mit diesem eigenen Weingarten in seiner Biografie auch wieder selbst und zwar folgendermaßen Also die hatten da wirklich einfach einen kleinen eigenen… Weingarten für den Eigenbedarf.
Marcel 0:15:07
Privat, privat sozusagen.
Heiko 0:15:09
Genau, das war aber wirklich üblich. Also hatten viele bürgerliche Familien damals einfach. Wobei mir hier wichtig zu betonen ist, dass die Pflege des Weins, und damit meine ich jetzt nicht nur die Arbeit im Weinberg, sondern vor allem so die wirtschaftlich organisatorische Arbeit im Keller, die war in bürgerlichen Haushalten des 18. Jahrhunderts häufig Frauensache. Umfüllen, lagern, die Kontrolle der Bestände, Inventarisierung, all das fiel auf den Frauen zu. Großmütter, Mütter, Töchter, die waren für quasi die praktische Bewahrung und Verwaltung der Vorräte zuständig. Und auch im Hause Goethe war das nicht anders. Historische Haushaltsbücher zeigen, dass sowohl Goethes Mutter als auch die Großmutter in diese Prozesse total eingebunden waren. Und so lag die Verantwortung für das Bewahren des Weines eben nicht allein bei den Männern. Ein besonders charmantes Zeugnis findet sich in einem Brief von Christiane Vulpius. Das ist Goethes langjährige Lebensgefährtin und spätere Ehefrau. Auf die kommen wir später noch zu sprechen, also vor allem auch dann eher im zweiten Teil. Und im Jahr 1803 schreibt sie ihm nämlich aus Weimar, also Goethe, während er in jener Wald, Heute bin ich beschäftigt, mit dem Keller zu bewahren, damit ich in diesem Winter meinem guten Schatz immer einen guten Schluck holen kann. Das fand ich irgendwie, also es ist liebevoll und alltäglich irgendwie, aber zeigt eben auch, dass sie wie viele Frauen ihrer Zeit eben nicht nur Haus und Herd betreut, sondern einfach auch den Keller mit den Beinen.
Marcel 0:16:24
Ich wollte nochmal kurz, weil wir haben es in der letzten Folge öfters verwendet und du, habe ich gerade auch beobachtet, Weingarten versus Weinberg.
Heiko 0:16:34
Das stimmt. Ja, ich habe jetzt auch wieder, auch nachdem wir das letzte Mal immer über Weingarten gesprochen, auch überlegt, wie ist denn jetzt richtig?
Marcel 0:16:40
Also ich glaube, in Deutschland ist Weinberg eher so geben und durch die letzte Recherche, glaube ich, sind wir immer so oft auf Weingarten gekommen, dass es sich jetzt schon eingebürgert hat und passt ja jetzt gerade auch in manchen. Also es ist ja nicht immer auf dem Berg.
Heiko 0:16:52
Genau, in dem Fall ist es quasi, glaube ich, wirklich ihr Garten gewesen, es ist Weingarten, aber ja, stimmt, in Deutschland sagt man trotzdem eher Weinberg und es war dann eher Österreich, dass sie Weingarten sagen sozusagen.
Marcel 0:17:00
Ja, ich finde Weingarten auch ganz nett. Also zumindest ist es mir so. Ich weiß, ich bin jetzt kein Sprachwissenschaftler. Vielleicht gibt es in Süddeutschland auch eher, dass man Weingarten sagt. Aber ich bin letztens zumindest drüber gestolpert und wir haben es so selbstverständlich verwendet. Und du ja jetzt mittlerweile auch.
Heiko 0:17:14
Stimmt, das hat man das irgendwie auch drin. Stimmt, witzig. Ja, also Frauen hatten jedenfalls einen entscheidenden Anteil am Wein. Ob jetzt nur Weinberg, Weingarten, Weinkeller. Auf jeden Fall hatten sie einen entscheidenden Anteil. Und das traf aber nicht nur die Weinfläge, sondern auch auf den Genuss zu. Wilhelm Grimm, der schrieb seinem Bruder Jakob Grimm, und ja, das sind die berühmten Gebrüder Grimm von den Märchen, nach einem Mittagessen bei Goethe und seiner Frau Christiane. Er, also Goethe, sprach recht viel und invitierte mich immer zum Trinken, indem er an die Bouteille zeigte und leise brummte, was er überhaupt viel tut.
Marcel 0:17:49
Bouteille.
Heiko 0:17:50
Es war sehr guter roter Wein und er trank fleißig. Besser noch die Frau.
Marcel 0:17:56
Zwei Suffköppe.
Heiko 0:17:57
Das fand ich wirklich richtig irgendwie. Ich finde es immer so schön. Man kennt es natürlich sonst irgendwie aus Gedichten oder den offiziellen Werken. Aber so in Briefwechseln wirkt es alles immer nochmal so authentisch. Da kriegt man so einen ganz anderen alltäglicheren Blick auf Menschen. Und ich fand auch allein schon, wie er sagt, dass Goethe ihn immer so auf die Flasche zeigt und bumpt, um ihn aufzufordern weiterzutrinken. Ich glaube, das werde ich jetzt auch immer mit dir machen. Und dann trinkst du einfach wieder weiter.
Marcel 0:18:23
Das ist gefährlich.
Heiko 0:18:24
Das stimmt.
Marcel 0:18:26
Aufpassen mit dir, Heiko.
Heiko 0:18:28
Zurück zu den Anfängen. Also Natur, Wein, Familie, all das war für den jungen Goethe also, wie man sieht, untrennbar miteinander verbunden. Und genau diese früh eingeprägte Haltung zum Wein, die zieht sich dann durch sein ganzes Leben. Diese Prägung wurde, nehme ich dann an, auch nochmal vertieft durch die französische Besatzung Frankfurts während des Siebenjährigen Krieges 1756 bis 1763. In diesem Krieg, da waren praktisch alle europäischen Großmächte beteiligt, jeder hatte irgendwie andere Interessen, wie es halt meist so ist. Es war teilweise so, dass auch manchmal das globale Dimension, oder was heißt manchmal, es nahm auch globale Dimensionen an, weil die Kämpfe auch in Überseekolonien dann stattfanden, gerade zwischen Frankreich und England. Deswegen wird es manchmal sogar als der eigentliche Erste Weltkrieg bezeichnet.
Marcel 0:19:12
Krass, wusste ich nicht, habe ich noch nie gehört.
Heiko 0:19:14
Ja genau, weil das jetzt zumindest für den deutschen Part nicht ganz so relevant ist, weil die hatten jetzt nicht so viele Überseekolonien in der Zeit, so da ist es aber eher relevant und deswegen auch für uns wichtig, dass Frankreich eben an der Seite Österreichs gegen Preußen kämpfte. Wie gesagt unter anderem, das waren ganz viele Gemengelage, aber für uns relevant Frankreich gegen Preußen und Frankreich besetzte dann in dieser Zeit unter anderem Frankfurt, also da wo Goethes Familie lebte, wo es dann auch zu Einquartierungen kam. Weißt du was eine Einquartierung ist?
Marcel 0:19:41
Da wurden Soldaten wahrscheinlich wie so eine Kaserne oder in Wohnhäusern gepackt.
Heiko 0:19:46
Genau das tatsächlich. Wenn Wohnungen oder Teile von Wohnungen durch das Militär beschlagnahmt werden, um Soldaten eben einzuquartieren. Das nennt man Einquartierung. Und Goethes Vater musste mehrere Räume seines Hauses räumen. Und daran sieht man auch schon, dass das ein wohlhabendes Haus war, um zwar nicht um irgendwelchen Soldaten Platz zu bieten, sondern dem obersten französischen Offizier und dem Leiter der Zivilverwaltung in Frankfurt, nämlich dem Graf François de Thiers von Torrent. ich hoffe, ich spreche es richtig aus, der bekam eben Quartier in Goethes Haus.
Marcel 0:20:15
Ich durfte Weine mittrinken.
Heiko 0:20:16
Wahrscheinlich das, aber damals war Goethe noch 10. Ich hoffe, da hat er noch nicht zu viel getrunken. Aber eben dieser rund 10-jährige Johann Wolfgang, der war neugierig und offen. Wie man sich das irgendwie auch schon vorstellen kann bei ihm.
Marcel 0:20:27
Ich habe da, kann ich glaube ich, da wisst ihr das, der Fakt ist ja nicht bekannt.
Heiko 0:20:30
Oh, jetzt bin ich gespannt.
Marcel 0:20:31
Nee, das, also, ich weiß ja nicht, ob ich jetzt irgendwas vorweg greife oder so. Aber dass er tatsächlich von seinem Großvater oder so schon probiert hatte. Das ist ja so ein übliches Motiv, dass der Großvater sagt, komm Junge, Junge, Junge, Junge, Junge, Junge.
Heiko 0:20:46
Jetzt bist du schon mal direkt nach der Geburt eingerieben worden, dann kannst du jetzt auch schon als Kind ein bisschen trinken sozusagen.
Marcel 0:20:51
Ja, ich glaube, mein Opa hat mir damals als Kind auch Pfeffi zum Riechen gegeben. Ja, widerlich.
Heiko 0:20:59
Manchmal ist das ja auch vielleicht so ein bisschen Absicht, im Sinne von trink mal, weil das wird dir nicht schmecken, damit du dann erstmal keinen Bock mehr hast auf Alkohol. Ja, die Erwachsenen trinken das, deswegen sind Kinder erstmal neugierig.
Marcel 0:21:08
Hat ja gut geklappt.
Heiko 0:21:09
Wie viel Pfeffi trinkst du? Was ist das jetzt für eine Überraschung nachher noch? Achso, statt einem guten Wein packst du mir gleich noch den Pfeffi rein.
Marcel 0:21:16
Um das geht es. Darum existiert der Potskast. Nee, also Pfeffi, glaube ich. Hoffentlich haben wir kein Thema, wo wir über… Da kannst du mich mit jagen, auf jeden Fall.
Heiko 0:21:26
Nee, das ist auch nicht meins. So ein bisschen wie eine Mundspülung. Deswegen ganz schnell zurück lieber zu Wein, beziehungsweise erstmal zu eben dem zehnjährigen Johann Wolfgang, der sich gewisserweise mit den Besatzern anfreundete. Er war fasziniert von der französischen Sprache, der Lebensart, vom Theater. Ja, Graf Theron war eben nicht nur Verwaltungsbeamter, sondern wirklich auch ein Kunstliebhaber und Sammler. Während seiner Einquartierung richtete er sich ein Atelier im Haus der Familie Goethe ein, in dem er auch Maler arbeiten ließ und der junge Goethe konnte ihn die ganze Zeit bei der Arbeit zusehen. Außerdem etablierte Theron ein französisches Theater in Frankfurt, zu dem Goethe dann so als privilegierter Hausherrnsohn auch Zutritt erhielt. So wirklich diese unmittelbare Begegnung mit der französischen Theaterkultur, die dürfte nicht ausschließlich, aber so ein bisschen seine spätere Leidenschaft für die Bühne und auch für die französische Sprache und Literatur und so weiter sicherlich mit beeinflusst haben. ist sicher auszugehen. Aber generell muss man sagen, er genoss natürlich ohnehin eine wirklich umfassende gutbürgerliche Bildung der damaligen Zeit. Der Vater hatte Privatlehrer engagiert, die ihn in Latein, Altgriechisch und Hebräisch, aber auch moderne Sprachen wie Italienisch, Englisch und natürlich Französisch lehrten in Musik, Literatur und Kunst und so weiter. Und du so? Du so Marcel.
Marcel 0:22:37
Also Sprachen liegen mir nicht so. Also wenn dann auch mal so viele Sprachen und dann ja noch einige nicht mehr aktive Sprachen dabei. Also, mein Sohn auch mehrere Sprachen auf jeden Fall, die nicht mehr aktiv sind. Ich habe da immer Respekt vor. Ich meine, du hast ja auch selber Latein gelernt.
Heiko 0:22:53
Bleibt Latein und Allgriechisch in der Schule gehabt. Ach, Allgriechisch ja auch.
Marcel 0:22:56
Okay, das ist echt schon auch hart, ne?
Heiko 0:22:59
Ich glaube, es ist, also wenn man es halt als Kind schon lernt, ist es natürlich nochmal anders. Ich habe die Frage, wie viel es am Ende… wirklich gebracht. Das wurde mal so gesagt, wenn du Latein kannst, kannst du ganz viele moderne Sprachen, diese Romanischen viel einfacher lernen. Habe ich ehrlicherweise nicht den Eindruck. Mein Gefühl ist immer dadurch, dass sich Latein und Alkrieche eben, weil es totes Sprachen sind, so wissenschaftlich gelernt. Wir haben es nie gesprochen in der Schule. Ich glaube, auch das war damals noch ein bisschen anders, sondern wirklich eher so eine wissenschaftliche Herangehensweise und so gehe ich dann jetzt auch an moderne Sprachen ran und ich glaube, das ist nicht die richtige Art, um Sprachen zu lernen.
Marcel 0:23:29
Wie die Leichtigkeit.
Heiko 0:23:31
Ich will dann immer erstmal die Grammatik total verstehen, bevor ich anfange, überhaupt mal irgendwo so ein Bier in einer Kneipe in Spanien zu bestellen, sozusagen.
Marcel 0:23:38
Du bist aber auch Struktur.
Heiko 0:23:40
Ja, genau, aber ich glaube, das kommt viel auch davon. Also genau diese rangehende Weise habe ich jetzt auch entsprachen. Aber wir schweifen ein bisschen ab.
Marcel 0:23:48
Als wenn man nicht schon ohnehin immer sehr lange…
Heiko 0:23:51
Ja, deswegen wieder zurück. Also, das hatte er, also diese Bildung hatte er. Und zum Studium dann wollte Goethe eigentlich nach Göttingen, um Altetumskunde zu studieren. Finde ich natürlich als Historiker erstmal sympathisch. Er wollte dadurch seiner Dichtkunst, die er, Und das habe ich jetzt natürlich ein bisschen verschwiegen, weil das liegt irgendwie auf der Hand bei Goethe. Die hat er natürlich seit jungen Jahren auch schon als große Leidenschaft für sich entdeckt. Und der wollte er mit Altertumskunde irgendwie mehr Tiefe und Substanz beleihen. Allerdings hatte sein Vater andere Pläne und wünschte sich, wie man so schön sagt, dass sein Sohn mal was Vernünftiges lernt. Und er sollte in seine Fußstapfen treten und zwar als Jurist. Und so schickte er ihn dann 1765 nach Leipzig, um dort Rechtswissenschaft zu studieren. Und zum Abschieb gab ihm sein Freund Johann Adam Horn noch ein paar passende Zeilen mit auf den Weg. Zitat, Du hast von Kindesbeinen der Dichtkunst nachgestrebt, drum zeig uns, dass dich diese mehr als das Jus belebt. Zeig, dass dir deine Muse noch immer günstig ist und dass du auch in Leipzig wie hier ein Dichter bist.
Marcel 0:24:54
Das ist ja lieb.
Heiko 0:24:56
Ja.
Marcel 0:24:57
Was ist Muse in dem Kontext?
Heiko 0:24:59
Eine Muse ist quasi ja deine Inspiration sozusagen eigentlich immer. Das kommt glaube ich auch aus der Mythologie, aus den Griechischen. eine Muse ist meistens eine irgendeine Art Weiblichkeit häufig.
Marcel 0:25:10
Deswegen dachte ich gerade, ja, ja, ja. In dem Kontext kenne ich das sozusagen. Aber das hat wirklich was im Verhalten. Ich dachte, es wäre egal, ob Mann oder Frau, aber es ist ursprünglich.
Heiko 0:25:19
Es ist die Muse sozusagen. Es kommt wirklich aus der Mythologie und heute ist das dann eher übertragener natürlich gemeint. Goethes Vater gab ihm für die Studienzeit auch ein ordentliches Taschengeld mit und zwar 100 Gulden pro Monat. Hast du eine Vorstellung eventuell davon, wie viel das ist vielleicht schätzt einfach mal, wie lange so ein Handwerker arbeiten musste, um das zu bekommen, was Goethe pro Monat an Taschengeld erhielt.
Marcel 0:25:44
Ja, also ich glaube, das war schon relativ wertvoll. So eine Goethe vielleicht 50 Stunden? Mehr? Mehr. Deutlich mehr.
Heiko 0:25:54
Also 100 Gulden, das verdiente, ich sag mal zumindest ein gut beschäftigter, fleißiger Handwerker in einem Jahr. Und das hat er pro Monat als Taschengeld bekommen. Und es darf wahrscheinlich angenommen werden, dass Goethe einen auch nicht ganz so unbeträchtlichen Teil dieses Geldes in den Genuss von Wein gesteckt hat. Nicht umsonst schreibt er, wenn auch ein bisschen später, als er im Alter schon ein bisschen maßvoller geworden ist, Ich habe getrunken, nun trinke ich erst gern. Der Wein, er erhöht uns, er macht uns zum Herrn und löset die sklavischen Zungen. Ja, schonet nun nicht das erquickende Nass, denn schwindet der älteste Wein aus dem Fass, so altern dagegen die Jungen. Und ich finde, das ist ein wundervoller Aufruf, um jetzt den ersten Wein zu trinken.
Marcel 0:26:40
Oder nicht? Jetzt sind wir wirklich bei Gedichten im Glas, oder?
Heiko 0:26:42
Ja, also wenn wir schon über Goethe sprechen, dann bleibt das nicht aus.
Marcel 0:26:46
Dann starten wir jetzt mit dem ersten Gedicht im Glas. Kommt jetzt jedes Mal ein Gedicht, oder?
Heiko 0:26:52
Nicht vor jedem Wein, aber es kommen schon natürlich noch ein paar Gedichte. Also so viel kann ich versprechen oder warnen, je nachdem, wie man es nimmt.
Marcel 0:27:00
Du hattest ja schon vorgewahrt, du hattest mir ein bisschen mehr Input gegeben diesmal. die mich natürlich umgetrieben haben und das war ein längerer Absatz, zu dem wir glaube ich später auch nochmal kommen werden. Da waren aber auch verschiedene Weine genannt, also Franzenwein, Champagner, Toto.
Heiko 0:27:17
Ja genau, da kommen wir auch noch zu, auf die Stelle, ja.
Marcel 0:27:19
Ja und unter anderem auch ein echter Niersteiner. Dementsprechend habe ich gedacht, da ich wusste ja in der Recherche, was Goethe noch mag und das, also ich weiß nicht, was du noch so erzählst, inwiefern, also ich glaube, er hat auch sehr gerne Burgunder und so weiter getrunken, aber ich würde mal sagen, so ein schöner, klassischer Weißwein war schon ein Favorite von ihm, ne? Und genau, dementsprechend trinken wir auch einen echten Niersteiner, und zwar vom roten Hang, und zwar die Flasche von Weingut Grül, der Nierstein roter Hang. Können wir jetzt mal aufmachen? Den darfst du jetzt noch aufmachen, das ist der rechteste von dir.
Heiko 0:27:59
Der rechteste von mir?
Marcel 0:28:00
Ja.
Heiko 0:28:00
Der hier?
Marcel 0:28:01
Ja.
Heiko 0:28:01
Ah, ja.
Marcel 0:28:03
Ah, es hat auch…
Heiko 0:28:05
Ein Schraubverschluss.
Marcel 0:28:07
Ich dachte gerade, ich soll jetzt noch anfangen. Nein, wir haben einen Schrauber am Start. Ich habe den vorher schon getrunken und zwar auf der Weinmüsse von Suff. Da habe ich drauf gestoßen. Da war ich am Stand von ihnen gewesen und wir hatten was anderes getrunken. Er hat gemeint, check mal die aus, die sind echt cool.
Heiko 0:28:24
Dem Weinhandel Suff.
Marcel 0:28:26
Genau, die machen ja eine Weinmesse einmal im Jahr. Machen die einmal im Jahr oder alle zwei. Zumindest war ich dieses Jahr da und vorletztes Jahr oder so. Und da hatte ich das Weingut Grüll kennengelernt, unter anderem mehrere Sachen dort probiert und dachte, super gut, die haben auch einen echten Niersteiner dabei und kommen ja aus der Ecke. Das Weingut gibt es auch schon seit 1625, dementsprechend könnte Gilde die auch gesehen haben, passt ja zeitlich dann. ja und wir haben jetzt hier einen Riesling vom roten Tonsandstein also vom rot liegenden also vielleicht, wir kommen ja gleich, der rote Hang hat nicht ohne Grund den Namen vom roten Hang dementsprechend.
Heiko 0:29:09
Ja Ich hab’s extra noch nicht nachgefragt, weil ich gehe irgendwie davon aus, dass du dazu noch was sagst Ja.
Marcel 0:29:14
Genau, wir haben jetzt einen sehr einfachen Riesling, ich glaub 9,95 wurde spontan vergärt im Edelstahl ist ein veganer Wein tatsächlich das ist ja auch mal so ein Punkt, also Da haben wir auch öfters mal schon drüber gesprochen. Ist ja auch nicht selbstverständlich. Aber noch nicht Bio. Die, ich glaube, ab dem nächsten Jahr werden die dann Bio sein. Ja, lass uns den mal probieren, wa? Boah, Riesling.
Heiko 0:29:37
Er riecht wie ein Riesling eigentlich. Ist schon intensiv. Was hast du gesagt?
Marcel 0:29:43
Lovely, habe ich gesagt.
Heiko 0:29:43
Ja, ich mag das auch. Also Riesling hat schon einfach immer… Schon gut, ja?
Marcel 0:29:48
So, schön grüner Apfel. So ein bisschen Honig.
Heiko 0:29:52
Stimmt, ja.
Marcel 0:29:56
Hast du noch was? Also du erkennst, dass es Riesling ist.
Heiko 0:30:01
Ja, also Riesling hat schon eine sehr, sehr markante Note, die man recht schneller als Riesling identifizieren kann.
Marcel 0:30:08
Riesling ist auch eine relativ alte Rebsorte. Wir haben letzte Folge auch einen gemischten Satz drin gehabt. Nämlich die Eltern Rebsorten sind ja heunisch.
Heiko 0:30:22
Kam die nicht auch letztes Mal vor?
Marcel 0:30:25
Und der Tramina. Also etwas eine würzige, floralere Rebsorte und eine wilde Rebsorte.
Heiko 0:30:36
Es schmeckt. Es schmeckt einfach gut. Es ist ein solider guter Riesling einfach.
Marcel 0:30:43
Schön ausbalanciert. Hast du da irgendwie so ein, also ich meine, ich weiß nicht, wie viele Rieslinge du schon getrunken hast, schon mehrere, aber so in welche Richtung? Also es gibt ja durchaus sehr unterschiedliche Charakteristiken, aber hast du so eine Assoziation jetzt dazu? Guck mir die großen Augen an.
Heiko 0:31:05
Ja, schon ein bisschen Säure betont, auf jeden Fall.
Marcel 0:31:11
Und jetzt auch nicht so super auf der Frucht, ne? Nee, genau.
Heiko 0:31:14
Und es ist halt auch, finde ich, eine gute Säure. Ich bin ja jetzt nicht so, also jetzt auch bei Essen oder sowas, mag ich jetzt Säure an sich sozusagen nicht immer so krass, wenn es zu sauer ist, wenn so ein Dressing oder so zu sauer ist. Aber ich finde, so ein Riesling hat schon immer irgendwie, also zumindest die, die ich so kenne, ist eine gute Säure. Die passt da einfach rein. So, das wäre komisch ohne.
Marcel 0:31:32
Mag ja nicht jeder, wenn du sagst, eigentlich ist Säure nicht so dein Ding, aber Riesling ist ja schon sehr säurebetrug.
Heiko 0:31:36
Ja, ja, genau, das ist ganz komisch. Also bei Wein, also zumindest bei Riesling finde ich, da passt das irgendwie. Das ist eine gute Säure. Also außer wenn es vielleicht, ich weiß nicht, vielleicht gibt es auch Rieslinge, die so krass säurehaltig sind, dass ich, weiß nicht, Sodbrennen von kriegen würde oder so. Aber die Rieslinge, die ich bisher hatte, waren eigentlich immer in der Regel gut ausbalancierte.
Marcel 0:31:55
Also wir haben jetzt nicht diese krasse Frucht, ne? So ein bisschen Steinobstig.
Heiko 0:32:00
Ich finde schon so ein bisschen irgendwie wie so ein grüner Apfel. Da schmeckt es auch so. Aber irgendwie so ein grüner Apfel, den nicht kaufst, sondern der irgendwie vom Baum gefallen ist. So, das assoziiere ich damit, genau.
Marcel 0:32:16
Aber wir kommen ja nochmal zu anderen. Aber was man vielleicht auch so ein bisschen merkt, also erstens ist er auch so ein kleines bisschen spritzig, der ist auch so ein bisschen fresh, aber auch so eine gewisse Mineralik durchaus. Also, Einfach, der lebt jetzt nicht von der, es ist halt keine, wir haben ja letztes Mal die Fruchtbomben gehabt.
Heiko 0:32:34
Das stimmt, Cherrybomben und Flutloops.
Marcel 0:32:36
Und der lebt ja wirklich jetzt nicht von der Frucht, sondern, also, das ist so ein bisschen vielleicht so.
Heiko 0:32:41
Und das ist typisch Riesling oder ist jetzt dieser hier?
Marcel 0:32:44
Wir sind halt von den Lagen her und auch was Goethe eigentlich mag, glaube ich, sehr mineralische Weine eher. Also eher so steinbetonte, salzigere Noten und so weiter. Also salzig finde ich immer schwierig.
Heiko 0:32:57
Bei der ersten Folge hatten wir wirklich mit mehr Wasser.
Marcel 0:33:00
Genau, also so in gar nicht, sondern wirklich eher, ich sage immer, wenn du den Stein anleckst, so ein bisschen dieses.
Heiko 0:33:06
Ich weiß immer noch nicht, ich war nicht das letzte Mal, oder ob ich jemals den Stein anleckte.
Marcel 0:33:11
Wir sollten wirklich mal Steine lecken, Heiko. Ich trinke, glaube ich, warum nicht? Können wir die vorher desinfizieren?
Heiko 0:33:17
Das klingt nicht so hygienisch. Wo du herst, wo vorher noch so eine Hundgasse gegangen ist.
Marcel 0:33:23
Würdest du sagen, es ist noch ein trockener Wein?
Heiko 0:33:26
Das ist okay. Jetzt hast du mich ja auf dem…
Marcel 0:33:30
Okay, bist du sicher, ne?
Heiko 0:33:33
Ist er nicht?
Marcel 0:33:33
Nee, nee, doch, ich wollte nur fragen. Also wir haben vielleicht hier ein kleines bisschen mehr Zucker als übel, also so Restzucker. Wir haben jetzt irgendwie 4,6 Gramm Restzucker.
Heiko 0:33:44
Was ist das in Graföchsel? Ja, Gratöchsel.
Marcel 0:33:49
War das diese Gratöchsel?
Heiko 0:33:52
Achso, okay.
Marcel 0:33:53
Und es gibt ja eine Definition, also trocken macht ja eine Definition aus, was sozusagen das Thema Restsüße angeht, die noch da drin ist. Wir sind jetzt bei 4,6 Gramm. Normalerweise, laut Weingesetz, haben wir 4 Gramm je Liter Restzucker. Ist trocken, die Grenze. Das heißt, wir sind hier so ein bisschen drüber.
Heiko 0:34:08
Drüber und der darf, das ist kein trockener Wein mehr?
Marcel 0:34:11
Doch. Es gibt ja eine Ausnahme im Weingesetz. Und zwar kannst du bis 9 Gramm je Liter hochgehen, wenn du dementsprechend hohe Säure auch im Wein hast.
Heiko 0:34:22
Ach.
Marcel 0:34:23
Das heißt, wir haben hier 7,3 Gramm Säure. Das ist auch das, warum wir in Briesling so eine schöne, lebendige Säure haben und so weiter. Ich finde, der wirkt ja trotzdem noch sehr ausgeglichen und harmonisch. Der ist jetzt nicht ein Knochentrockner, also mit dem Zucker halt sowieso nicht.
Heiko 0:34:37
Ja, aber ich hätte jetzt trotzdem nicht gedacht. Ich schmecke jetzt keine große Süße da irgendwie.
Marcel 0:34:42
Nee, also es ist jetzt nicht brutal.
Heiko 0:34:44
4,6 von 4, ja.
Marcel 0:34:46
Von bis zu 9 hoch. Aber was ich nur sagen wollte, ist, dass Trockenheit genau das ausmacht, wie viel Zucker haben wir drin und wir können bis 9 Gramm hochgehen, wenn wir quasi die Säure noch in gleichem Maße nach oben geht und zwar die Differenz der Höchstens 2 Gramm sein. Also wenn wir 9 Gramm Restzucker haben, muss die Säure mindestens 7 Gramm pro Liter sein.
Heiko 0:35:09
Das ist das deutsche Weingesetz.
Marcel 0:35:10
Ja, genau. Darauf bezieht sich dann, also nur mal einfach zu sagen, was ist eigentlich trockener Wein. Ja, und dementsprechend ist ja ganz easy peasy noch ein lockerer trockener Wein.
Heiko 0:35:20
Locker flockig.
Marcel 0:35:23
Genau, kann man auch bei Suft bestellen. Ich fand, die haben eine ganz gute Bezeichnung da drauf, so. Achtung, Wortspiel. Da geht der Hang doch glatt zur zweiten Flasche. Weil wir sind ja am roten Hang. Wir sind ja am roten Hang. Also stell dir vor, und jetzt könntest du dir vielleicht auch mal das Bild aufmachen, was ich dir mitgebracht habe. Wir stehen oberhalb des Reins.
Heiko 0:35:51
Jetzt hast du mir auch ein Bild mitgebracht.
Marcel 0:35:52
Heute auch mal ein Bild mitgebracht. Wir stehen oberhalb des Rheins. Vor uns steile, rote Hänger hinunter zum Fluss. Der Boden leuchtet leicht kupferfarm. Original. Aber jetzt sag mal, was du siehst auf dem Bild.
Heiko 0:36:04
Ich sehe. Und wir packen das wieder in die Apps, je nachdem. Oder in die Shownotes, wenn eure App das nicht unterstützt.
Marcel 0:36:10
Podcast Republic unterstützt das nicht, habe ich gesehen.
Heiko 0:36:12
Podcast Republic nicht. Apple Podcast unterstützt das. Spotify nicht. Ne, das ist das nicht.
Marcel 0:36:18
Aber die links das auch einfach ganz unten nach unten scrollen. Da kann man klicken.
Heiko 0:36:21
Okay, dann versuche ich zu beschreiben und führe ein bisschen Druck, weil ich ja mich immer ein bisschen beärgert habe.
Marcel 0:36:27
Du machst es immer so easy mit mir.
Heiko 0:36:28
Genau, genau, genau. Jetzt muss ich jetzt selber, wenn ich jetzt einmal in diese Bredouille geraten, oder in diese Bouteille, wie Grimm sagen würde. Sorry, nicht schlecht. Also, ich sehe einen Weinhang, Im Vordergrund, also auch nicht ein Weingarten, sondern das ist wirklich offensichtlich ein Weinberg, weil ich sehe auf jeden Fall einen Hang. Ich sehe unten einen Fluss, ich weiß nicht, ob das dann der Rhein wahrscheinlich möglicherweise ist, wenn wir hier gerade von Rheinwein sprechen, dann sehe ich einen Sonnenuntergang oder Aufgang nehme ich an. Jetzt müsste ich natürlich wissen, in welche Richtung da die Weinhänge stehen. Ob das jetzt Westen oder Osten ist. Ich tippte einfach mal auf so einen Untergang. Ja, das sehe ich da.
Marcel 0:37:13
Ja, es sieht ganz nett aus, ne?
Heiko 0:37:15
Es sieht super idyllisch aus. Also man hat richtig Lust, dann so sein Glas zu nehmen und einfach mal so durch ein bisschen zu spazieren. Vielleicht so ein bisschen an den Reben mal so zu greifen. Vielleicht mal so eine Weintraube zu naschen.
Marcel 0:37:26
Ich habe jetzt im Foto ausgesehen, weil es mehr Stimmung hat. Aber kannst du mal Richtung Boden, siehst du das? Ist das ein bisschen roter?
Heiko 0:37:32
Das ist, ja.
Marcel 0:37:33
Schwierig, da ist ein bisschen Gras drüber.
Heiko 0:37:35
Ja, ich hätte jetzt gesagt, es ist braun, aber ja, könnte so ein rotbraun. Jetzt wo du es sagst, vielleicht liegt es aber auch durch die Sonne, also wahrscheinlich, wenn es jetzt vielleicht kein Sonnenuntergang wäre, hätte man das vielleicht nochmal mehr sehen können. Aber jetzt wo du es sagst, ist es auf jeden Fall so ein bisschen rotbräunlich, ja.
Marcel 0:37:47
Genau, es ist tatsächlich eine markante Lage, also der rote Hang hat seinen Namen von der roten Erde. Wir sind zwischen Nierstein und Nackenheim, direkt am Rhein, das ist so 15 Kilometer südlich von Mainz. Für mich war gerade nochmal der Ahrheilfick, dass er ja in Frankfurt groß geworden ist. Dementsprechend ist ja Mainz und dann auch Nierstein gar nicht so weit weg. und der rote Hang ist ungefähr 5 Kilometer lang und 200 bis 800 Meter breit. Also auch gar nicht so wahnsinnig groß. Wir haben hier 180 bis 200 Hektar ungefähr. Und wenn du in der letzten Folge aufgefasst hast, was wäre das in Binnen-Alz? Zehnmal die Binnen-Alz da.
Heiko 0:38:28
Zehnmal? Ich hätte wahrscheinlich voll daneben geschätzt.
Marcel 0:38:32
Also um einen anderen Vergleich mal aufzumachen, den du dir vielleicht auch besser vorstellen kannst. 200. Das ist so groß wie der Berliner Tiergarten ungefähr.
Heiko 0:38:43
Ah, wie der Große oder der Kleine Tiergarten?
Marcel 0:38:45
Wie der Berliner Tiergarten, Heiko, fordere mich bitte nicht.
Heiko 0:38:47
Der Große Tiergarten, also der Kleine Tiergarten ist hier gar nicht so weit weg.
Marcel 0:38:52
Ah, okay, es gibt, ich dachte, der hängt da noch mit an.
Heiko 0:38:53
Die Strasse ist der Kleine Tiergarten.
Marcel 0:38:55
Ah, okay, okay. Also für die Nicht-Berlinerinnen ist es natürlich dann wieder schwieriger vorzustellen, aber wenn ihr schon mal in Berlin wart, hat man vielleicht auch ungefähr eine Vorstellung, wie groß der ist, so ein bisschen. Das ist ja mal ganz gut, so einen Maßstab im Kopf zu haben. Und was macht den roten Hang jetzt so besonders? Einerseits der Boden offensichtlich und das Mikroklima. Und wir haben ja so eine sogenannte rot liegende Weinlage. Vielleicht hast du es öfters mal auf einem Wein schon gesehen. Hier auf dem steht es ja zum Beispiel auch drauf vom rot liegenden Weinlage. Ja, der Boden ist so ein bisschen…
Heiko 0:39:28
Nur kurz zur Info, weil die Hörerinnen und Hörer nicht sehen, du hast eine andere Flasche mir gerade gezeigt. Auf den, den wir gerade getrunken haben, steht das nicht drauf.
Marcel 0:39:34
Nee, das stimmt.
Heiko 0:39:35
Da steht aber roter Hang drauf.
Marcel 0:39:37
Es gibt öfters mal, wo man sieht, das ist vom Boden liegend. Und generell ist es ein Boden, der jetzt nicht so oft vorkommt oder häufig vorkommt. Das ist relativ selten wie eine Trüffel sozusagen unter den Böden, auch wenn es Trüffel auch sehr viel verbreiteter sind, als man so denkt. Aber sind jetzt nicht so oft da. Wir haben vor allen Dingen in Deutschland solche Lagen.
Heiko 0:39:55
Aber weiß man, warum das ist? Ist das ein bestimmtes Mineral?
Marcel 0:39:59
Eisen.
Heiko 0:40:00
Eisen, ach klar, Oxidation, Rot.
Marcel 0:40:02
Genau, das Eisenoxid färbt es rötlich, kennt man vielleicht auch so von Flüssen in Schweden oder so. Da gibt es ja auch öfters mal so eisenhaltige Flüssen. Ja, in dem Moment.
Heiko 0:40:10
Wo du Eisen gesagt hast, ging auch so ein Licht auf. Schmeckt es deswegen auch ein bisschen mineralisch, was du auch schon meintest? Also es ist also typisch, ein bisschen das am roten Hang so ein mineralischer Geschmack?
Marcel 0:40:20
Ja, genau. Das ist eher der Charakter.
Heiko 0:40:25
Die Charakteristik.
Marcel 0:40:25
Charakteristik, genau. Wir haben halt den roten Hang und dann gibt es noch ein paar andere Lagen, zum Beispiel in der Falz der Kastanienbusch an der Nahe der Langslohnsheimer Rotenberg. Also es gibt so vereins jetzt schon noch andere rotliegende Lagen auf jeden Fall, aber die sind jetzt nicht sehr häufig.
Heiko 0:40:43
Diese bekannte ist die da bei Nierstein.
Marcel 0:40:45
Die ist sogar auch weltweit bekannt. Wir haben karge mineralische Böden, also neben dem Eisen ist es Tonstein und Sandstein und Die Reben müssen relativ tief wurzeln, um da an Nährstoffe, Wasser zu kommen und bringen eher mäßige Erträge. Ist ja irgendwie häufiger so, wenn die Erträge geringer werden, dann wird was höher.
Heiko 0:41:07
Die Qualität.
Marcel 0:41:09
Hast du mir letztes Mal zu mir gesagt. Und das hat sich so vor 280 Millionen Jahren gebildet. Also der Boden ist jetzt einmal besonders und andererseits ist das Mikroklima auch besonders. Wir haben eine Ausrichtung Richtung Süden, Südosten. Also jetzt in dem Fall ist es dann, das stimmt, das Bild zeigt eher, sieht aus wie ein Sonnenuntergang. Müsste dann aber vielleicht, ich komme ein bisschen auf die Perspektive drauf an und wo es gemacht wird. Das ist jetzt hier auch sogar vom Weingwood-Gröhenbild.
Heiko 0:41:34
Ach.
Marcel 0:41:35
Ja. und meist auch windgeschützt. Ich muss jetzt kurz auch abdriften, aber die nächste Folge geht ja Richtung Italien und da war ich ja auch vor Ort und fand das wie sehr ausbezeichnend, weil da ging es auch um Güte, Glassenwohn, Wein. Und er meint, also ich habe dann auch nochmal erzählt, wir hatten jetzt gerade gesprochen Österreich und Deutschland mit den Gratöchsle und so weiter. Und er meinte, ja gut, ihr habt ja auch ein Deutschlandsproblem, dass die Weine nicht reif werden. Das haben wir für uns überhaupt nicht. Und es war aber auch nicht ein Problem, oder es ist nicht so ein großes Problem am roten Hang. Wir haben sehr sonnenreiche Regionen hier, da ist einfach sehr viel Sonne da. Die werden dann nochmal vom Wasser reflektiert und dann hast du die Folge, dass es halt früh blüht und auch spät, dass es in den späten Herbst reifen kann. Dementsprechend gibt es da sehr viel Power sozusagen. Das rote Gestein speichert zusätzlich noch die Wärme und gibt es eine Nacht zurück. Auch da haben wir dann nochmal so einen Effekt. Also wir haben ja wirklich eine Lage, die auch gerne reif werden kann. Ja, und ähnlich so ein bisschen wie Schiefer, so vom Boden her. Wenn es regnet, dann riecht es wohl auch so nach Schiefer auf dem Hang. Also ich war da ganz konkret noch nicht direkt da. Würde ich gerne auch, glaube ich, im Moment fahren. Kann ich mir aber gut vorstellen. Denn ich weiß ja nicht, wenn du irgendwo schon mal Schiefer gerochen hast, das ist schon so ein charakterischer…
Heiko 0:42:55
Also ich weiß, wie Schiefer ich kam, ich weiß aber gar nicht, warum. Ehrlich gesagt. Also ich hab jetzt ja nicht aktiv irgendwo mal an einem Schieferboden gerochen, aber irgendwie hat man das, assoziiere ich damit was, ne?
Marcel 0:43:06
Generell ist es auch relativ trocken. Also wir haben da nicht so viele Niederschläge, so 400 bis 530 Milliliter pro Jahr. Dementsprechend müssen die Winzerinnen natürlich auch ein bisschen sich vorbereiten. Klimawandel wird trockener und so weiter. Das heißt, es wird heutzutage auch teilweise bewässert. Und viel auch Bio spielt eine Rolle, weil man dann auch im Weinberg Action macht, um das Wasser quasi zu halten. und ich habe jetzt dieses mitgebracht, wenn man Wikipedia guckt, da sieht man nämlich so ein Bild, was super rot ist, da siehst du wirklich einen roten Hang, aber es ist eigentlich nicht mehr so typisch, weil du willst halt nicht, dass alles weggedunstet, das ist zwar eher so, also man will eigentlich nicht einen trockenen Berg haben, so und das war wohl in den 90er Jahren eher trocken dort.
Heiko 0:43:48
Und deswegen einfach noch röter?
Marcel 0:43:50
Denn darum ist es noch roter.
Heiko 0:43:51
Genau.
Marcel 0:43:51
Bei dem Gras, wo du es jetzt da, siehst du es halt in dem Falle nicht so. Genau, wir haben jetzt meistens Riesling hier auf dem roten Hang, typisch deutsch. Wir haben ein bisschen Silvaner, auch Spätburgunder und auch Blaufränkisch habe ich gelesen, würde mich auch mal interessieren, glaube ich, da ein Blaufränkisch zu trinken.
Heiko 0:44:07
Das hatten wir auch in der letzten Folge, ein Blaufränkisch. Genau. Ja.
Marcel 0:44:11
Und ja, Ende Oktober, Anfang November wird er gelesen. Also du kannst halt relativ spät wirklich auch den Wein noch lesen.
Heiko 0:44:18
Das ist ja wirklich schon in den Winter hinein fast.
Marcel 0:44:21
Ja, und mit diesen beiden Faktoren haben wir wirklich dann mineralische, rotwürzige, elegante Weine, die eine lebendige Säure haben. Ja, und die so wirklich so zitrisch, steinhobsfähig, so kann man sagen, ist so typisch, vielleicht auch so ein bisschen kräuterig. Generell haben die Römer schon Wein angebaut und war auch eine Zeit lang, gehörte das zu den teuersten und begehrtesten Weinen der Welt und das passt ja dann auch, was Goethe dann vielleicht auch einen Bezug zu hatte. Und es gibt relativ viele bekannte Winzer, die dort auch anbauen. Also wir werden gleich noch von Kühling-Giljot einen Wein trinken.
Heiko 0:44:55
Also quasi an diesen Rotenhagen, der ich habe jetzt wieder nicht vergessen, so und so viele Kilometer lang war, das bestellen dann mehrere Winzer dann.
Marcel 0:45:03
Ja genau, Da sind mehrere, also auch bekanntere, wo du große Gewächse hast, also Gunderloch, Heil zu Heinzheim, Ernzheim, St. Antoni, also und dann noch kleinere Betriebe. Ja, dass du die schon mal gehört hast. Du hast ja letztes Mal auch gesagt, guck mal, den Wein habe ich ja auch auf der Weinkarte gesehen. Also insgesamt 30 Weingüter haben sich da zusammengeschlossen zum Weine vom Roten Hang e.V. Und dann gibt es noch sehr bekannte Lagen dort. Auch das sage ich jetzt einfach nur mal. Vielleicht hast du es dann auch mal gehört und kannst sagen, ah, okay. Zum Beispiel Petenthal, Hipping, Ölberg, Rudersberg oder Orbel. Es gibt noch weitere, also es gibt halt große Gewächse halt aus dem Kontext. Wenn du es mal irgendwo liest oder so, kannst du es ja mal.
Heiko 0:45:49
Für alle, die gerade nicht wissen, was mit einem großen Gewächs gemeint ist.
Marcel 0:45:54
Große Gewächse, also kommen wir glaube ich an späterer Stelle nochmal zum VDP, also vom Verband der Prädikatsweingüter. Prinzipiell besondere Lagen, wo du sagst, okay, hier wächst ein ganz besonderer Wein, wo du die Herkunft schmeckst und die können das als solches auszeichnen und dann gibt es so große Gewächse, die 30, 40, 50, 80, 150 Euro kosten.
Heiko 0:46:15
Ja, so ein bisschen, das ist ja tatsächlich, also buchstäblich die Übersetzung in Frankreich wäre Grand Cru, das haben wahrscheinlich schon einige vielleicht mal gehört in Ordo.
Marcel 0:46:22
Ja, ja, ja. Genau. Ich erzähle heute relativ viel, heiko. Das ist auch interessant. Vielleicht hätten wir drei Teile draus machen sollen. Ich glaube, heute sind wir in dreien Stunden. Weingut Gröhl, hatte ich ja wie gesagt schon kennengelernt auf der Weinmesse, in der Hausmesse, sind mittlerweile in der 13. Generation. Jetzt haben die Türken Sohn und Tochter übernommen, Franziska und Johannes Gröhl. Beide haben auch in Geisenheim studiert. Und der Johannes war unter anderem bei Matthias Knebel, dessen Wein ich auch sehr schätze. Haben wir vielleicht auch noch nicht zusammen getrunken, weiß ich nicht. Ich mag die sehr gerne. Die beiden Eltern, Eckhardt und Angela, ich glaube, ich glaube, es war so ausgesprochen, haben in 90er Jahren angefangen, machen immer noch mit oder sind kräftig dabei und haben auch neue Lagen dazu gekauft. Also sind ein bisschen größer geworden, haben ein paar gute, ich weiß nicht, ob man es hört, aber es gibt ein Kind, was im Haus relativ laut ist, weiß ich nicht, falls ihr komische Geräusche…
Heiko 0:47:20
Falls ihr gerade irgendeinen Kreisch im Hintergrund hören soll, falls es bis zur Aufnahme ist, das sind nicht wir und wir haben auch niemanden irgendwo hier eingesperrt, sondern es ist ein Kind im Haus im Weinkerl eingestellt.
Marcel 0:47:31
Also die haben ein paar grundlegende Weichen gestellt, haben halt unter anderem dann auch das Petental oder ein Ölberg mit dazu gekauft als Lagen und die junge Generation hat jetzt, übernommen oder ist jetzt mit dabei und macht unter anderem auf YouTube auch lustige Videos. Kann man sich mal angucken. Die haben zum Beispiel jetzt Corona auch so Wein-Tastings gemacht online. Teilweise aber auch mit irgendwelchen Faschings-Kostümen.
Heiko 0:47:57
Okay.
Marcel 0:47:57
Ja, genau. Die sind ungefähr 25 Hektar groß. Und wie so oft, was ich jetzt schon erzählt hatte, ich glaube, von den Weinen, die wir bisher haben, außer Eidenhäute, sind die Frauen hier auch von Hand gelesen. Möglichst auch optimiert auf Reifezeitpunkt natürlich. Ja. Ja, meist Edelstahltank. Wir haben aber auch Holzfass oder Barrique. Wir haben Spontanvergierung. Ja, und sie sagen von sich so, dass sie die Arbeit Weinberg machen und nicht im Keller. Dementsprechend ist da eher nicht so viel Intervention. Und sie haben nicht nur den roten Hang, haben noch ein paar mehr Weinlagen, wo es dann vielleicht ein bisschen mehr fruchtiger wird. Zum Beispiel bei Oppenheim. Und haben, wie ich schon erwähnt hatte, jetzt umgestellt auf Bio. Vielleicht auch nochmal, wir kommen nachher nochmal zu einem anderen Weingut, die sehr viel früher angefangen haben. Die haben jetzt erst 2022 umgestellt und werden jetzt quasi dieses Jahr offiziell dann, du brauchst immer drei Jahre, wenn du umstellst.
Heiko 0:48:48
Achso, bis du dann offiziell zertifiziert bist.
Marcel 0:48:50
Ja, und das dann aufschreiben kannst. Das sind dann Bio-Weine und die haben super viel im Angebot. Also die haben wirklich Riesling, Silvaner, Scheurebe, Spätburgunder, Dornfelder, Sekt. Also die haben eine sehr breite Palette und relativ erschwingliche Weine. Also wenn ihr die seht, könnt ihr da mal bestellen. Also das ist ein guter Alltagswein, oder?
Heiko 0:49:09
Toll. Also ich finde den wirklich gut. Finde ich lecker. Schmeckt mir.
Marcel 0:49:13
Jetzt nach meiner langen Story können wir wieder zurück zu Goethe kommen.
Heiko 0:49:18
Zurück zu Goethe? Okay. Also es ist sicher davon auszugehen, dass er auch in seiner Studienzeit sicher nicht wenig getrunken hat, Aber in seinen Gedichten spiegelt sich das zu dieser Zeit noch gar nicht so wieder. Und das ist sogar einigermaßen überraschend. Denn Goethes Dichtung war in seiner Studienzeit sehr beeinflusst von der sogenannten Anakreontik. Das ist eine literarische Strömung, die im 18. Jahrhundert äußerst beliebt war. Inspiriert war sie vom antiken griechischen Dichter Anakreon, daher der Name. Und diese Gedichte kreisen sich oft um so heitere spielerische Lyrik, so Freuden des Lebens, Liebe, Wein, Natur, einfach so ein bisschen das unbeschwerte Leben. Deutlich wird das in einem Gedicht von Johann Wilhelm Ludwig Gleim, das ist ein Zeitgenosse Goethes. Und der hat ein Gedicht eben über Anakreon selbst geschrieben und zwar Anakreon, mein Lehrer, singt nur von Wein und Liebe. Er salbt den Bart mit Salben und singt von Wein und Liebe. Er krönt sein Haupt mit Rosen und singt von Wein und Liebe. Er paaret sich im Garten und singt von Wein und Liebe und so weiter. Also ich weiß nicht, Marcel, ob du es ausreichend mitbekommen hast, aber es geht in der Anakreon-Theke vor allem um Wein und Liebe, falls es nicht deutlich genug geworden ist.
Marcel 0:50:30
Und das könntest auch du sein, oder? Du könntest…
Heiko 0:50:32
Ich? Von Wein und Liebe zu singen? Was?
Marcel 0:50:35
Den Bart einreiten.
Heiko 0:50:36
Ach, er salbt den Bart mit Salben. Ich weiß nicht, wie oft ich mich im Garten paare, aber okay. Bei Goethe steht in dieser Zeit weniger der Wein im Mittelpunkt, trotz alledem aber durchaus die Liebe. Schwärmereien, erste Liebeserfahrung, so ein bisschen das, was man vielleicht mit dem Augen zwinkern so, weiß nicht, studentische Pubertät oder so nennen kann.
Marcel 0:50:54
Das wäre ja auch die wahrscheinlich Sturm und Drang Zeit, oder?
Heiko 0:50:56
Naja, genau, das kommt dann ja eben erst noch. Die begründet er sozusagen mit, aber es Es ist, das ist gut oder spannend, dass du das ansprichst, es ist schon auch in dieser Zeit so ein bisschen spürbar oder es ist schon was spürbar von diesem leidenschaftlichen Goethe, der dann eben der Zeitlebens war und der dann eben auch irgendwie später in dieser Sturm-und-Drang-Phase so richtig mit voller Wucht herausbricht, also der mit jeder Faser empfindet, der so lebt, wie er liebt, der so trinkt, wie er lebt, einfach wirklich so eine sinnliche, stürmerische Persönlichkeit. Goethe-Biograf, Rüdiger Safranski, der schreibt über den Werther, das kommen wir später nochmal dazu, die vielleicht berühmteste Figur aus der Feder Goethes, über den schreibt er, dass er ein Mann war, der sich nicht nur verliebt, sondern in das Verliebtsein verliebt ist und irgendwie finde ich kann man das wahrscheinlich auch über Goethe so sagen, wie wir auch wahrscheinlich noch hin und wieder in diesen beiden Folgen ersehen werden, der sich ja auch ohnehin sehr autobiografisch ein bisschen im Werther verewigt hat. Aber zurück in die Leipziger Zeit. Wenn der Wein hier überhaupt in seinen Versen auftaucht, dann ist er zurückhaltender, fast schon so ein bisschen schüchtern und steht so eben in enger Verbindung zu so einer Geliebten und zu Liebe. Ein Beispiel dafür ist sein Gedicht an die Venus, in dem er aber nicht die Ekstase des Rauschs besingt, sondern eher seine Mäßigung und vielleicht fällt dir auch gleich auf, warum ich dieses Gedicht jetzt auch noch mitgebracht habe, also zumindest ein Teil davon. Zitat. Große Venus, mächtige Göttin, schöne Venus, höre mein Flehen. nie hast du mich über Krügen vor dem Bacchus auf der Erde liegen sehen keinen Wein hab ich getrunken den mein Mädchen nicht gereicht nie getrunken, dass ich nicht voll Gütger Sorge, deine Rosen erst gesäugt, also ich hab schon gesehen bei Bacchus natürlich es fällt ja das sehr auf aber hier ist eben der Wein kein Rausch der ist eben kein Bachanal, ich erinnere an die erste Folge unseres Podcasts, sondern eher so im gemäßigsten Konsum so ein Teil eines Liebesspiels sozusagen, aber getrunken und geliebt hat Goethe in Leipzig natürlich auf jeden Fall und unter anderem im Gasthaus des Weinhändlers und Gastwirts Schönkopf. Dort kehrte er regelmäßig zum Mittagessen ein und verliebte sich, natürlich, 1766 dann schon bald und ziemlich innig in die Wirtstochter. Anna-Katharina Schönenkopf, genannt Käthchen. Sie war drei Jahre älter.
Marcel 0:53:11
Schönenkopf ist auch ein interessanter Name.
Heiko 0:53:13
Sie war drei Jahre älter als er, war klug, lebhaft und für den jungen Goethe schon so eine Herzensangelegenheit. Die Beziehung aber stand von Anfang an unter keinen guten Stern. Kannst du dir vorstellen, warum?
Marcel 0:53:23
Ich habe keine Ahnung.
Heiko 0:53:24
Ja, 100 Gulden am Tag, gutbürgerlich, sie, Würsttochter.
Marcel 0:53:29
Geht nicht gut aus.
Heiko 0:53:30
Eine Verbindung zwischen einem gutbürgerlichen Studentensohn und der Tochter eines Gastwürfs, das war in der damaligen Zeit einfach nicht standesgemäß buchstäblich. Eine Heirat war also eigentlich von Anfang an undenkbar.
Marcel 0:53:40
Ja, da haben die von außen gleich Druck gemacht.
Heiko 0:53:42
Also das ist nicht vorstellbar sozusagen. Goethe verschweigt sie tatsächlich auch zunächst sowohl seinem Vater als auch seinem Freundeskreis gegenüber. Über seiner Schwester schreibt er sogar, Kärtchen sei lediglich seine Wirtschafterin, die sich um die Wäsche kümmert und so. Also nicht so richtig sympathisch, wenn ich ehrlich bin. Aber wenn man so seine Briefe und auch so spätere Rückblicke liest, es wird schon irgendwie klar, das war trotzdem mehr als eine harmlose Schwärmerei, denke ich. Also ich finde Goethe, das erkennt man schon, liebte sie wahrscheinlich wirklich aufrichtig, auch wenn das aufgrund dieser Standesunterschiede eben nicht so offen in der Gesellschaft möglich war zu zeigen.
Marcel 0:54:17
Ja, geheime Lieben gehen nicht so oft gut aus.
Heiko 0:54:20
Das sowieso auch noch, genau. Und der Wein war, wenn man ja so will, auch nicht nur stiller Begleiter, sondern Mitspieler dieser Liebesgeschichte, weil der Ort der Begegnung eben das Weinhaus ihres Vaters war. Aber auch hier zeigt sich so schon der leidenschaftliche Heißsporn Goethe, denn Käthe hatte natürlich als Wirtstochter von Berufswegen ständig mit jungen Männern zu tun. Das kannst du dir vorstellen. und wir können uns auch vorstellen, wie diese jungen Männer damals wie heute und besonders wenn sie schon ein, zwei Gläser Wein getrunken haben mit der Wirtstochter, Ich will es gar nicht euphemistisch ausdrücken irgendwie, aber wahrscheinlich schon auch irgendwie belästigen, vielleicht da mal irgendwie so ein Klaps, also man kann sich schon vorstellen, wie das wahrscheinlich da manchmal war, leider. Und ich weiß zwar nicht so jetzt mit dem nächsten Zitat, was ich bringe, hundertprozentig, ob es sich in dem Fall wirklich auf sie bezieht, aber es könnte passen, denn er schreibt einmal an seinen Freund, Ernst Wolfgang Berisch, Zitat, Noch so eine Nacht wie diese bärisch und ich komme für alle meine Sünden nicht in die Hölle. Du magst ruhig geschlafen haben, aber ein eifersüchtiger Liebhaber, der ebenso viel Champagner getrunken hatte, als er brauchte, um sein Blut in eine angenehme Hitze zu setzen und seine Einbildungskraft auf Äußerste zu entzünden, erst konnte ich nicht schlafen, wälzte mich im Bette, sprang auf, raste und dann warte ich müde und schlief ein, aber wie lange, da hatte ich dumme Träume. Also da war wirklich von Eifersucht geplagt. und einige Tage später, das ist ein komplett anderer Zusammenhang, aber ich muss es einfach zitieren, da beendet Goethe seinen Brief an denselben Freund mit Gute Nacht, ich bin besoffen wie eine Bestie. Oder um es vielleicht mit den weisen Worten des großen Professorinternets zu sagen, egal wie dicht du bist, Goethe war Dichter.
Marcel 0:55:56
Okay, okay. Dafür kriege ich bitte ein Touché.
Heiko 0:56:01
Oh mein Gott, ist nachvoll. Ja, so noch mehr Sounds, die da hast. Okay. Goethe jedenfalls, der war dauerhaft eifersüchtig, beinahe schon krankhaft und was tut ein liebestoller junger Mann, wenn er sich vor Eifersucht zerfressen fühlt? Na Marcel, was denkst du? Was halten Jungs gestern wie heute für eine ganz total tolle Taktik gegen Eifersucht?
Marcel 0:56:20
Prügeln.
Heiko 0:56:22
Nee, nicht ganz so. Nee, man macht die Angebetete einfach selbst eifersüchtig.
Marcel 0:56:28
Ah, okay. Ganz tolle Idee.
Heiko 0:56:31
Goethe flirtet also demonstrativ mit anderen Mädchen. Und es wirkte auch, Käthchen war natürlich verletzt, sie machte ihm eine Szene, nur gewonnen hat er dadurch natürlich auch nichts. Kölse-Bries, wie der Franzose sagen würde, oder vielleicht auch Goethe auf Französisch. Also blieb die Beziehung natürlich angespannt, das Vertrauen war angeschlagen und im Jahr 1768 trennen sich die beiden dann auch einvernehmlich. Aber wie gesagt, diese Beziehung hat er aufgrund des unterschiedlichen Standes eh nicht wirklich eine Zukunft gehabt. Im Sommer des selben Jahres, kurz vor seinem 19. Geburtstag, also wir sind auch wirklich noch nicht weit in seinen 80 Lebensjahren gekommen, erleidet Goethe dann einen schweren Blutsturz, vermutlich infolge einer Lungenerkrankung, möglicherweise Tuberkulose. Er war dem Tod näher als dem Leben, also es muss wirklich, wirklich knapp gewesen sein. Also man kann sich heute kaum vorstellen, wie viele berühmte Werke wir vielleicht nie gelesen hätten, wenn es damals in die falsche Richtung ausgegangen wäre. Vielleicht spielt auch sein intensives Studentenleben so körperlicher, seelischer Stress und so weiter eine Rolle.
Marcel 0:57:29
Der Alkohol.
Heiko 0:57:30
Ja, dazu komme ich gleich. Also ob auch der Alkohol wirklich dazu beigetragen hat, das lässt sich natürlich nicht so sagen und schon gar nicht so per Ferndiagnose in die Vergangenheit. Es gibt vielleicht hier und da Gerüchte, aber es war wahrscheinlich eher Lungen-Tuberkulose oder so eine Lungenkrankheit.
Marcel 0:57:44
Also normalerweise setze ich mich ja nicht mit medizinischen Themen auseinander, aber dadurch, dass ich dieses eine Paper noch, wo es ausschließlich um die Sachen geht, also er hat ja mehrere lebensbedrohliche Krisen gehabt und das war dann die erste scheinbar.
Heiko 0:57:56
Hier wirklich, also das muss wirklich sehr, sehr knapp gewesen sein, was man liest und hat ihn auch noch sehr, sehr lange beschäftigt und am 28. August 1768, wirklich an seinem 19. Geburtstag, da verlässt er dann auch Leipzig. Er geht noch ein letztes Mal zum Haus von Käthchen, vielleicht um sich zu verabschieden, am Ende betritt er es aber nicht mehr und er geht einfach ohne sich zu verabschieden. Das wird auch noch ein System haben, also das macht er gerne später. Und so ist er dann irgendwie ohne Studienabschluss. Er ist krank, er ist erschöpft, desillusioniert und so tritt er dann die Heimreise nach Frankfurt an. Und auch wenn man jetzt wahrscheinlich nicht sagen kann, dass der Alkoholkonsum jetzt zu seiner Krankheit beigetragen hat, getrunken hat er definitiv in Leipzig und wahrscheinlich auch nicht nur bei den Schönkopf, sondern auch in einer anderen sehr berühmten Kneipe, der nur wenige Schritte von seiner Unterkunft entfernt befand und befindet sich noch heute eine Kneipe, die bis heute berühmt ist und literarisch verewigt wurde, nämlich Auerbachs Keller.
Marcel 0:58:50
Den kennt man, ne?
Heiko 0:58:51
Genau, den kennt man, der ist ganz berühmt und dieser Ort wird später dann eine sehr, sehr wichtige Rolle in seinem vielleicht berühmtesten Werk spielen, nämlich Faust. Und auch wenn er den Faust erst später wirklich schreibt, finde ich irgendwie an dieser Stelle passend, der ist auch kurz auf den Faust und auch die besagte Szene näher einzugehen und anschließend vielleicht auch einen passenden Wein zu trinken. Nur ein paar kurze Worte zur Einordnung. In Goethes Magno Opus vielleicht geht es um Dr. Heinrich Faust. Er ist ein Gelehrter, der immer nach mehr Wissen strebt. Er hat alles Mögliche studiert. Philosophie, Jura, Medizin. Und ist trotzdem irgendwie unglücklich, weil er den Sinn des Lebens einfach nicht findet. Gleichzeitig entspinnt sich ein Streit zwischen Mephistopheles. Mephistopheles geht schon gut los. Dann nenne ich mal die zweite Flasche.
Marcel 0:59:34
Heiko, das ist ein Muster. jetzt einen kleinen Glas und dann verhaspel ich mich.
Heiko 0:59:39
Außer bei D-Ethylen-Glykol. Das kriege ich immer noch ohne Haspeln hin. Also Mephistopheles, also quasi dem Teufel und Gott und Mephisto, um es mal so kurz vor ihm, der will beweisen, dass der Mensch eben nicht aus eigener Kraft gut bleibt, sondern sich verführen lässt, wann immer ihn auch nur mit Versuchungen entsprechend, verführt und in diesen Versuchungen aussetzt. Es kommt daher dann zum berühmten Pakt zwischen Faust und Mephisto. Mephisto soll oder wird Faust alles zeigen, was das Leben zu bieten hat und wenn Faust dann sagen sollte, er sei glücklich, dann gehört seine Seele dem Teufel. Und ganz bezeichnenderweise führt der erste Weg zur Verlockung dann als allererstes wohin? Marcel?
Marcel 1:00:19
Hä?
Heiko 1:00:20
In eine Kneipe. Und zwar besagt ein Auerbachs Keller. Er ist auch ein bisschen auf dem falschen Fuß gerade erwischt. Und was Goethe nun beschreibt, dazu wurde er vielleicht auch schon inspiriert, als er hier in seiner Studentenzeit eingekehrt ist. Denn dazu muss man wissen, Goethe hat sich jetzt die Geschichte rund um den Faust nicht ausgedacht, sondern er verarbeitet quasi eine Volkssage aus dem 16. Jahrhundert und von der hingen damals schon zwei Wandgemälde in Auerbachs Keller. Davon habe ich dir mal zwei Bilder mitgebracht. Ganz herzlichen Dank tatsächlich an dieser Stelle an Auerbachs Keller, die uns diese Bilder hier für unseren Podcast zur Verfügung gestellt haben. Wir kommen jetzt also wieder zu deiner Lieblingsbeschäftigung, Marcel. Beschreib doch mal die beiden Bilder und versprochen, diesmal ist auf einem der Bilder auch wirklich ein Hund zu sehen und den sehe ich auch.
Marcel 1:00:59
Ah, ja. Ja. Wir sehen, also jetzt kenne ich auch den Kontext vom Background des Bildes und würde den Background nicht beschreiben, weil es ja zu unserem Artwork gehört, der übrigens mit Getränken auch erstellt worden ist. Wir sehen eine Szene dann in dem Keller, wo ein und, man sieht ein größeres Weinfass man würde jetzt ja sagen welches, aber ist es vielleicht egal, dann sitzen ganz viele Leute drumherum um einen Tisch und stoßen an, dann gibt es jemanden, der, nicht Gitarre, aber sowas ähnliches spielt, ich weiß nicht, wie das Instrument heißt und dann noch so Kontrabass wahrscheinlich auf der rechten Seite, weißt du auch nicht okay, und dann ja, das ist die, und dann spielt noch ein Spiel einer Flöte, also geht es und dann noch jemand Piano oder sowas. Also es wird musiziert und Wein getrunken. Da wunderst du dich selber.
Heiko 1:01:54
Jetzt muss ich gerade selber nochmal schauen, wie viel musiziert wird. Aber doch, ja. Ich sehe aber jetzt Piano nicht, ehrlich gesagt.
Marcel 1:01:59
Da rechts, da ist da so ein…
Heiko 1:02:00
Ach, vielleicht ist es gerade ein bisschen zu dunkel bei mir eingestellt. Aber ja, Das ist Bild 1, genau, nur kurz auch zur Einordnung. Das Bild heißt Der große Schlampamp.
Marcel 1:02:11
Schlampamp.
Heiko 1:02:12
Schlampamp und Schlampamp ist…
Marcel 1:02:14
Schlampamp.
Heiko 1:02:14
Ja, das heißt wohl so viel wie üppiges Gelage oder Feierei und unten steht dann auch nochmal auf Lateinisch, ich lese jetzt nicht auf Lateinisch, aber übersetzt oder drüber steht, lebe, trinke. schlamm Pampe wie die Griechen, aber erinnere dich an jenen Faust und seine Strafe, sie kam schleichend, aber sie war schrecklich. Das ist Bild 1 und das zeigt quasi Studenten beim Trinkgelage und Dr. Faust, der da mit Mephisto einkehrt und das ist nämlich tatsächlich den Hund, den ich sehe, das ist nicht nur irgendein Hund, das ist ein Pudel und du kennst vielleicht den Pudelskern, das ist dieser berühmte Ausspruch aus Goethe, weil das quasi Mephisto in Hunde, in Dackel, sag ich schon, in Pudelgestalt ist.
Marcel 1:02:53
Aber haben die den Pudel rasiert? Das ist ja furchtbar. Das ist ja kein Pudel für mich.
Heiko 1:02:58
Also vielleicht ist es auf dem Bild, also in Goethe wird es zum Beispiel ein Pudel. Ich kann jetzt tatsächlich nichts gerade sagen, ob es vielleicht in der Originalfassung der Sage noch kein Pudel war. Bei Goethe ist es der berühmte Pudelskern.
Marcel 1:03:11
Okay, ja, also ich kann in Ordnung. Also es sieht auf jeden Fall nicht aus wie ein typischer Pudel.
Heiko 1:03:14
Also das ist aber quasi wirklich eine Szene, wo Studenten in ein Trinkgelage in dem Auerbachskeller feiern. Genau, und dazu aber auch gleich mehr. Und jetzt kannst du gerne noch das zweite Bild auch nochmal beschreiben, wenn du willst.
Marcel 1:03:26
Ja, ich suche und mache langsam den Wechsel. Wir sind hier wahrscheinlich, also es gibt wieder den vermeintlichen Pudel, der immer noch nicht wie ein Pudel aussieht, sondern eher wie so ein Kampfhund. Dann sitzt jemand auf dem Weinglas, auf dem Weinfass, Geschichte im Fass. Gedichte im Fass und es gibt mehrere Leute, die so eine Art Schwur ihre Arme hochhalten oder was soll das sein? Oder ist das eher ein… Ich weiß es nicht, die stehen jedenfalls hintereinander, heben einen Arm und im anderen haben sie teilweise ein Glas Wein. Nö, gar nicht. Niemand hat ein Glas Wein. Es sah nur so aus, weil der erste sie hatte.
Heiko 1:04:08
Dieses Bild ist der berühmte Fassritt von Dr.
Marcel 1:04:11
Faust.
Heiko 1:04:12
Fassritt. Wir kommen gleich zu der Szene, nachdem das alles ein bisschen eskaliert und Mephisto eben die Studenten verzaubert, flieht er mit Dr. Faust und zwar eben stilecht auf einem Fass. Wobei Goethe das tatsächlich gar nicht aufnimmt, da verschwinden die einfach. Oben steht auf dem Bild noch, Dr. Faustus zu dieser Frist aus Auerbachs Keller geritten ist. auf einen Fass mit Wein geschwind, welches gesehen viel Mutterkind solches durch seine subtile Kunst hat getan und des Teufels Lohn empfangen davon. Genau. Die Bilder wurden 1625 von Andreas Bredschneider gemalt, im Auftrag des damaligen Besitzers des Auerbachs Kellers und im Prinzip auch eher als Marketinginstrument, wenn man so will, weil er damit quasi diese Episode aus der Faustsage in seine Kneipe verortet und damit seine Kneipe berühmt macht. Also es steht in der original, oder es steht also in dieser übertragenen und auch mündlich tradierten Saga aus dem 16. Jahrhundert, steht jetzt noch nicht groß von irgendwie Auerbachs Keller und so weiter, sondern nur halt von diesen Szenen und dem Fassritt. Und er sagt einfach, das ist bei mir stattgefunden und das ist doch der Beweis dafür. Daher lässt er auch in einem der Bilder einfach die Jahreszahl 1525 schreiben, obwohl die 1625 angefertigt wurden, um dem Ganzen einfach mehr Tradition zu verleihen. Das ist einfach ein Trick.
Marcel 1:05:24
Wer macht das jetzt?
Heiko 1:05:25
Der Besitzer von dem Auerbachkeller damals. Weil er einfach sagen will, das war hier. Und es funktioniert offenbar, denn Goethe sieht die Bilder, als er da trinkt und lässt sich mutmaßlich inspirieren.
Marcel 1:05:36
Das ist auch dann Marketing über Jahrhunderte.
Heiko 1:05:38
Bis heute dann. Es funktioniert einfach immer noch. Quasi dann nochmal weiter tradiert über Goethe natürlich, der das dann nochmal mehr verewigt hat, aber im Prinzip war das funktioniert, ja. Denn die Szenen aus den Bildern kommen wirklich beide auch in Goethes Faust vor. Also der Der Fassritt, wie gesagt, nicht. Das erste kommt wirklich vor und das zweite, da verschwinden die dann einfach, aber trotzdem. Denn als Mephisto dann Faust in Auerbachs Keller führt, besaufen sich dort gerade eine Gruppe Studenten und diskutieren und singen und so weiter. Einer der Studenten ruft einer Stelle auch aus, es lebe die Freiheit, es lebe der Wein. Also da sieht man auch schon direkt, die sind auf jeden Fall feuchtfröhlich dabei. Das ist natürlich perfektes Anschauungsmaterial für Mephisto, um sein Menschenbild zu illustrieren, triebgesteuert, gierig, leicht zu verführen. Also verspricht er ihnen auch den besten Wein oder den Wein, den sie gerne möchten, im Überfluss und ganz nach ihren Wünschen. Was würdest du dir an dieser Stelle eigentlich für einen Wein wünschen? Mal angenommen jetzt hier der Teufel spaziert einfach rein und sagt, Marcel wünscht dir irgendeinen Wein, egal welchen und du kannst ihn ja zu trinken im Überfluss, so viel du willst. Was würdest du dir wünschen für einen Wein? wenn du jetzt…
Marcel 1:06:42
Boah, das ist jetzt eine… Nein, ich würde dem Teufel sagen, ich kann das auch selber machen. Ich brauche keinen unbegrenzten Fluss. Da finde ich mich jetzt ein bisschen raus.
Heiko 1:06:54
Du willst dich nicht festlegen, wenn du Lieblingswein bist.
Marcel 1:06:57
Naja, Lieblingswein und also ich muss ehrlicherweise sagen, das ist ein doofes Angebot, weil ich will natürlich ja unterschiedliche Weine probieren, deswegen macht das ja auch hier sind, mehrere zu probieren und mich jetzt auf einen festzulegen. Und ich weiß auch, dass auch Goethe da sehr teilweise sich festgefahren auf einige Sachen und sich passweise Sachen betrifft.
Heiko 1:07:18
Ja gut, wobei jetzt gleich mehrere Studenten sich Weine wünschen, dann hast du am Ende ja auch mehr Weine.
Marcel 1:07:22
Ja, aber die Vielzahl ist da schon das Interessante. Also ich würde quasi eher Es geht ja auch nicht darum.
Heiko 1:07:28
Ob du jetzt für den Rest deines Lebens…
Marcel 1:07:31
Ich würde es gerne sagen, ich würde das jetzt gerne probieren und dann bekomme ich etwas zum Probieren, ohne dass ich jetzt unendlichen das wäre mein Wunsch. Wenn ich mich jetzt schon mit dem Teufel einlasse, dann eher wohl so.
Heiko 1:07:44
Okay, vielleicht, ja, also es ging auch nicht darum, welche du für den Rest deines Lebens jetzt trinkst, sondern es ging eigentlich nur darum, welchen Wein du jetzt dir wünschen könntest, aber okay, wir kommen gleich dazu, welche Weine sich die Leipziger Studenten gewünscht haben. Mephisto jedenfalls bohrt Löcher in den Tisch und sagt seine Zauberformel auf, und zwar, Trauben trägt der Weinstock, Hörner der Ziegenbock. Der Wein ist saftig, holzt die Reben, der hölzerne Tisch kann Wein auch geben, ein tiefer Blick in die Natur, hier ist ein Wunder. Glaubet nur. Zack, die Gläser füllen sich, aber Mephisto warnt sie, nicht zu gierig zu trinken, nicht unvorsichtig zu sein, aber es kommt, wie es kommen muss. Der Wein wird verschüttet und fängt daraufhin Feuer, alles brennt, die Stimmung kippt, die Studenten zücken Messer und gehen auf Mephisto los. Der verzaubert sie fix und verlässt dann mit Faust dann auch ganz rasch die Kneipe. Laut Sage und Wandbild eben stilecht auf so einem Weinfass davon geritten, aber in Goethes Faust treten sie einfach ab, sodass sie ein bisschen reduzierter.
Marcel 1:08:37
Langsam kommst du, du leitest zu dieser Szene über, die ich als Input bekomme.
Heiko 1:08:41
Genau, genau. Und genau dazu kommen wir jetzt. Es gibt da aber übrigens zwei Fassungen. Es gibt den frühen Urfaust, den Goethe wahrscheinlich schon in den 1770er Jahren schrieb und dann den späteren Faust, der Tragödie 1. Teil, der in 1808 wirklich veröffentlicht wurde. Und die Weine, die sich die Studenten wünschen, unterscheiden sich teilweise je nach Fassung. In Faust 1 sagt der Student Frosch zum Beispiel, Gut, wenn ich wählen soll, so will ich Rheinwein haben. Das Vaterland verleiht die allerbesten Gaben. Im Urfaust spezifiziert er den Wunsch nach Rheinwein noch als echten Niersteiner. Und das ist das, was wir ja gerade getrunken haben. Richtig, richtig gut und passend. Der Student Brandner, der fordert Champagner. Und zwar recht mussierend soll er sein, wie er das fordert. Wobei das streng genommen tatsächlich etwas anachronistisch ist. Denn wie gesagt, spielt die Faustsage eigentlich so im frühen 16. Jahrhundert, während es den Champagner als Schaumwein erst seit 1670 gibt. Also ein bisschen später, also kleine Side-Note. Im Urfaust wird sich an dieser Stelle vom Studenten Alten auch ein nicht weiter benannter französischer Rotwein gewünscht. In beiden Fällen aber wird der Wunsch nach französischem Genuss mit einer Abneigung gegen Franzosen verbunden.
Marcel 1:09:44
Das habe ich auch gelesen.
Heiko 1:09:46
Also es ist halt nicht deutsch-französisch, immer wieder war man im Krieg und in Faust 1 sagt Brandner daher auch, man kann nicht stets das Fremde meiden, das Gute liegt uns oft zu fern, ein echter deutscher Mann mag keine Franzen leiden, doch ihre Weine trinkt er gern. Siebel sagt nur, ich muss gestehen, den Sauren mag ich nicht, gib mir irgendein Glas vom echten Süßen, woraufhin Mephisto dann einen Tokaja anbietet, Während im Urfaustsibel noch sagt Muskattenwein, spanischen Wein, sonst keinen Tropfen. Also man sieht also, wenn man jetzt vor allem beide Fassungen mal zusammenlegt, so eine ganze Weinreise durch Europa, so im kleinen studentischen Leipzig und dazu passt auch, dass der Student Frosch in Auerbachs Keller auch einmal Leipzig als Klein Paris bezeichnet. Deswegen gab und gibt es ja eine große Auswahl an Weinen. Und irgendwie, finde ich, passt jetzt vielleicht direkt den zweiten, den du mitgebracht hast, mit einzustreuen. Auch wenn wir den echten Niersteiner, der da erwähnt wird, ja jetzt schon vorher abgetrunken haben.
Marcel 1:10:42
Jetzt trinken wir noch einen Niersteiner.
Heiko 1:10:44
Ach so, das passt ja wunderbar.
Marcel 1:10:45
Sehr gut. Ja, natürlich. Also, um auch mal vielleicht den Vergleich zu sehen. Wir haben ja eben einen gehabt von Gröhl. Jetzt trinken wir einen von Kühling-Glöt, den Nierstein-Riesling aus ersten Lagen 2023. Ja, natürlich. Ich werde den jetzt mal eingießen, weil ich so ein Special Device habe, wo ich, glaube ich, Heiko erst einführen muss. Aber du kannst ja in der Zeit mal, einfach nur, weil es auch aus der Gegend ist und ich kannte die vorher, diese Judith Clara Frauen am Weinen aufmachen, weil ich glaube, die kommen auch aus Nierstein und die macht so Bilder. Du kannst ja mal reingucken. Das ist der Link.
Heiko 1:11:17
Den du mir hier noch gegeben hast.
Marcel 1:11:18
Dann kann ich es in der Zwischenzeit mal eingießen.
Heiko 1:11:22
Und das sind Bilder von ihr und die soll ich jetzt beschreiben?
Marcel 1:11:26
Ja.
Heiko 1:11:26
Ah, okay. Das ist ein abstraktes Falsch, aber es ist eher, sag ich mal, stilistische Kunst sozusagen, also es ist jetzt keine fotorealistische Malerei, sondern eher so künstlerisch geschwungene Striche, die offensichtlich Frauen darstellen, die jeweils ein Glas Rotwein in dem Fall, was wir heute nicht trinken, in dem Fall ein Glas Rotwein trinken. teilweise wohl auch unbekleidet, würde ich behaupten. Wobei das nicht ganz klar wird, aber das eine, also auf jeden Fall sieht man in einem, sie liegen, man sieht das nur in der Hinteransicht, während sie mit dem Fuß, zwischen dem großen Zeh und dem Ringzeh sozusagen ein Glas Wein hält. Bei dem anderen sieht sie auch so ein bisschen Laissez-Ferda wieder von hinten zu sehen und das Glas steht neben ihr auf dem Boden. und ja, und dann gibt es noch so weitere Bilder in unterschiedlichen Posen und, Ja, also ich finde die tatsächlich überraschend. Also was heißt überraschend? Ich finde, die haben tatsächlich was. Ich finde, es sind tatsächlich gute Bilder.
Marcel 1:12:31
Ich glaube, ich habe zu viel eingegossen. Ich hoffe, der schmeckt. Ich habe es nicht so gesehen.
Heiko 1:12:39
Irgendwie coole Bilder. Gefällt mir gut.
Marcel 1:12:41
Ja, ich hatte da irgendwie mal eins.
Heiko 1:12:43
Den Link packen wir natürlich auch wieder in die Shownotes.
Marcel 1:12:47
Ja, das kann man sich auch mal sehen.
Heiko 1:12:49
Das ist 2019 entstanden und man kann da so Kunstdrucke auf Leinwand und so von auch bestellen, wenn ich das richtig sehe. Ja, gut.
Marcel 1:13:00
Wir trinken jetzt also wie gesagt, wieder ein Riesling. Können wir, glaube ich, direkt mal probieren. Das ist ebenso, wie wir eben hatten, Ortswein. Und dem Namen, vielleicht sieht man auch öfters mal im Restaurant auf Karten, Farbe. Also wir haben letztes Mal über Farbe gesprochen.
Heiko 1:13:18
Das haben wir jetzt eben gar nicht gemacht. Bei dir sieht es gerade ein bisschen anders aus, weil du bist ein bisschen im Dunkleren.
Marcel 1:13:23
Jetzt wird es doch ein bisschen dunkler draußen.
Heiko 1:13:25
Schon grünen.
Marcel 1:13:27
Ja.
Heiko 1:13:27
Aber nicht, also so.
Marcel 1:13:31
Der ist ein bisschen gelber als der andere.
Heiko 1:13:33
Ja, bei dir vor allem. Aber ich sitze da vor dem Licht auch. Aber ja.
Marcel 1:13:36
Ja. Also wir haben wieder einen Ortswein, hatten wir eben schon. Hast du schon mal gehört, was ein Ortswein ist, Heiko?
Heiko 1:13:45
Ich habe den Begriff auf jeden Fall schon mal gehört. Wüsste jetzt nicht direkt, was zu tun ist. Ich könnte raten, angesichts dessen, dass da der Begriff Ort vorkommt und wir gerade von bestimmten Lagen und Hang sprechen, dass ein Ortswein vielleicht wirklich von einer ganz spezifischen Lage ist oder so?
Marcel 1:14:02
Lage nicht, sondern eher wirklich von einer Gemeinde oder von einem bestimmten Ort. in dem Falle Niersteine.
Heiko 1:14:06
Wirklich, also buchstäblich Ort einfach. Aber warum ist der andere Nierstein dann, also sind nicht alle?
Marcel 1:14:12
Ist auch ein Ortswein. Man hat den Begriff häufiger mal. Es gibt, also im VDP, diesem Verband der Prädikatsweingühne ist das definiert. Wir haben ja das mal mit Grad Öchsel gehabt. VDP ist eher, da geht es eher um Herkunft. Also das ist ein bisschen, vom Konzept her geht es wirklich darum Terroir und wo kommt der Wein her und so weiter.
Heiko 1:14:32
Also ein bisschen wie in Frankreich, so eher wo die Klassifikationen eher über die Herkunft kommen.
Marcel 1:14:37
Da haben wir einen Gutswein als quasi Trauben aus dem Weingut. Den Ortswein ist die nächste Stufe. Dann gibt es die Lagenweine, also wo du wirklich so klassifizierte Lagen, erste Lagen hast. Das wäre der Premier Cru oder die großen Lagen, wie wir vorhin gesagt haben, die großen Gewächse. Also ein Ortswein gibt dir schon ein bisschen eine Typizität einer bestimmten Gemeinde mit und macht das jetzt nicht zu einer Großlage oder sowas. und ist so ein bisschen der Botschaft dafür, das Terroir. Ja. Also, weiß nicht, sagt dir die Nase was?
Heiko 1:15:11
Ich finde den ein bisschen weniger intensiv.
Marcel 1:15:13
Der andere war so.
Heiko 1:15:13
Der hat direkt so Hungen-Riesling. Jetzt rieche ich gar nicht so viel.
Marcel 1:15:18
Der ist wieder ein bisschen zurückhaltender. Also wir haben auf jeden Fall hier so eine Mineralität wieder. Vielleicht auch so ein bisschen Steinfrucht wieder. Aber eher im Hintergrund. Übrigens, dieses Kloga, was man immer hört, wenn man so einatmet, dann kriegt man ein bisschen Sauerstoff nochmal ran.
Heiko 1:15:44
Hat der weniger Säure, oder?
Marcel 1:15:47
Nee, der hat ähnlich viel Säure. Ist jetzt schon ein bisschen wärmer geworden, wenn wir jetzt doch unerwartet länger gesprochen haben.
Heiko 1:15:55
Das schmeckt auch sehr gut.
Marcel 1:16:02
Also ist auch ein typischer Riesling.
Heiko 1:16:05
Ja, das auf jeden Fall.
Marcel 1:16:06
Der hat so ein bisschen was, also der hat halt weniger Restzucker, das ist irgendwie nur zwei Gramm, aber der hat so eine gewisse Süße auch irgendwie drin. Also so, du sagst das vielleicht wieder, aber Honig finde ich schon so.
Heiko 1:16:21
Ich dachte, du sagst es wieder Quitte oder so.
Marcel 1:16:24
Also nicht, dass der jetzt irgendwie nach Honig schmeckt, würde ich gar nicht sagen, das ist schon ein trockener Riesling, der irgendwie saftig ist und so weiter. Der bleibt doch auf der Zunge, ein bisschen mehr als der andere, oder? Also der bleibt da und die Säure kommt hinten ein bisschen feiner. Das ist jetzt nicht so eine…
Heiko 1:16:42
Vielleicht dachte ich, deswegen ist es weniger Säure. Vielleicht die kommt irgendwie anders.
Marcel 1:16:46
Die kommt vielleicht so ein bisschen mehr kräuteriger.
Heiko 1:16:49
Ja, irgendwas liegt hinten auf der Zunge. Was ist denn da laut Geschmacksprofil so hin?
Marcel 1:16:56
Ich sage immer ein bisschen gerne auch Wärme zu oder sowas. Also die Säure ist, deutlich so und die merkt man schon, aber es ist jetzt nicht so dieses, knochentrockene Gefühl oder so, dass es jetzt irgendwie so quietschig ist oder sowas, sondern es ist eher so angenehm eingebunden. Vielleicht sogar Das wird jetzt auch ein Klassiker.
Heiko 1:17:18
Schon wieder gekleckert hier.
Marcel 1:17:21
Vielleicht sogar ein bisschen rauchig hinten.
Heiko 1:17:24
Rauchig? Okay. Wie so ein troffiger Whisky oder was?
Marcel 1:17:30
Ja, nicht so diese, nee, nee, eher so was leicht.
Heiko 1:17:36
Rauch ich. Weiß ich jetzt gerade noch nicht.
Marcel 1:17:38
Also das ist eine andere Klasse von Riesling. Kühling und Gillette, die verstehen sich schon so ein bisschen als Steinweinproduzenten. Und wir haben jetzt hier auch eine andere Qualität, sage ich mal nochmal, im Glas mit 26 Euro.
Heiko 1:17:51
Ja, auch preislich auf einer anderen Spannweite, das stimmt.
Marcel 1:17:55
Wir sind hier, also wir haben jetzt keine Einzellage oder so. Die haben natürlich auch große Gewächse, Kühling und Gillette. Wir sind aber auch Weine unter anderem aus dem Petenthal hier mit drin. Wir haben wieder, also Patente hatte ich vorhin schon mal genannt, wir haben ja wieder Weine, die von Hand gelesen sind, die sind wieder spontan vergoren. Sagt dir eigentlich das Thema spontanen Vergärung was?
Heiko 1:18:17
Nein, ich habe es jetzt nicht hinterfragt, weil irgendwie dachte ich, es klingt, also ich kenne vergoren und ich kenne spontan. Ich habe jetzt nicht weiter was dabei gedacht.
Marcel 1:18:25
Also es gibt zwei Möglichkeiten. Du kannst einmal sagen, du willst nur bestimmte Hefen nehmen, die du beabsichtigst, sowieso Reinzuchthefen, wo du sagst, du hast alles unter Kontrolle. Und nimmst diese Hefe und weißt, okay, dann ist das dann und dann durchgegärt. Oder du vertraust quasi auf den Hefen, die in Weinberg sind, im Keller selber. Das sind dann die natürlichen Hefen. Die brauchen meistens ein bisschen länger, sind aber quasi eher naturnah, sage ich mal. Und ich glaube, die meisten, die wir auch bisher getrinken haben, sind spontan vergoren. Teilenreise wieder ist das genaue Gegenteil. die waren so voll auf, wir lassen, wir haben hier irgendwie Hefen ganz gezielt drin und wollen hier nicht warten auf irgendwie spontane Hefen oder sowas.
Heiko 1:19:06
Also quasi in der nächsten Folge, wenn wir dann so ein bisschen auch die Italienreise von Goethe besprechen, in Teil 2, wird es ein bisschen in eine andere Richtung gehen.
Marcel 1:19:13
Ja. Die Reifen auch in Stück- oder Doppelstückfässer auf der Feinhefe? Also das sind eher die größeren Fässer. Du hast vielleicht schon mal die kleinen Barrikes gesehen, vielleicht 250. Und die Stück- oder Doppelstück sind dann über 1000 oder 2500 Liter.
Heiko 1:19:32
Mir fällt nur gerade ein, du hast angekündigt zu erzählen, was du für ein komisches Gerät auf diesem Wein hast und warum du einen gießt, aber dann das nicht weiter erklärt.
Marcel 1:19:40
Habe ich nicht? Also wenn man jetzt ein paar Weine probiert, dann ist ja mal ein bisschen schade, dass ich ja teilweise irgendwie dann mal schon zwei vorab bestelle, weil ich so überzeugt bin und dann trinke ich und will ja nicht alles. Also vielleicht auch nochmal ein Danke an einigen Leuten, die mit mir Wein verköstigen. Da darf ich ja Heiko dann immer nicht mit involvieren, weil ich ihn ja überraschen möchte. Also es gibt die einen oder anderen, die auf jeden Fall in letzter Zeit so einige Weine probiert haben und wir dann entweder die Sendung genommen haben jetzt oder nicht. Aber es wäre auch cool, wenn sich der Wein ein bisschen länger hält. Und mit diesem Device-Koravin kannst du dir quasi mal ein Glas ziehen und den Wein kannst du trotzdem wieder zurücklegen, Kühlschrank, und dann bleibt der irgendwie weiter frisch.
Heiko 1:20:22
Der bohrt irgendwie so ein, hast du mir erklärt, so ein ganz Miniloch in den Korken, sodass wenn man es rauszieht, es wieder verschlossen ist. Und kein Sauerstoff sozusagen rangekommen ist.
Marcel 1:20:33
Da geht Argon-Gas rein und dadurch bleibt der dann nachher frischer.
Heiko 1:20:39
Was es alles gibt.
Marcel 1:20:40
Ja, ganz gute Erfüllung. Aber vielleicht noch mal ein paar Worte, bevor wir weitermachen mit Kühling-Gillet. Mit Goethe. Kühling-Gillet. Nach zu Kühling-Gillet.
Heiko 1:20:50
Weil du die Gläser so voll machst. Du kommst schon auch durcheinander.
Marcel 1:20:54
Also irgendwie, ich hab’s von oben. Ich hab’s von oben gemacht und nicht so gesehen. Man muss vielleicht dazu sagen, das sind jetzt eigentlich zwei Weingüter. Also es ist einmal Kühling-Gillet und es ist einmal Baden-Viert Spanier.
Heiko 1:21:04
Spanier.
Marcel 1:21:05
Ja, Baden-Viert Spanier. sind zwei Weingüter, die sich einen Keller teilen und die Kühling Gillet, die sind halt am roten Hang unter anderem, haben dann eher diesen roten Boden und in Nierstein und Oppenheim Lagen und Battenfield Spanier, die haben eher ein bisschen entfernt Kalkböden, also Vonnegau sind eher nochmal mineralischer und haben dann auch andere Lagen nochmal. Prinzipiell ist das bei denen so, also es ist einmal der H.O. Spanier, also Hans Oliver Spanier, man darf ihn H.O. Spanier irgendwie nennen der den Wein macht und er hat bei er hat dieses Weingut Bad Velt Spanier quasi gegründet in den 90er Jahren 1991, 1992 angefangen mit 3 Hektar und später hat er seine Frau geheiratet 2004 oder sowas und ja und dann wurden die beiden Weingüter nicht fusioniert oder so sondern die haben ihre Eigenständigkeit trotzdem weiterhin behalten, weil die Weine so komplett unterschiedlich sind. Also generell kann man sagen, die machen alles gleich, sind die gleichen Leute, die gleiche Behandlung im Keller, aber du hast zwei unterschiedliche Toras. Also wir hätten jetzt auch mal von beiden nochmal probieren können, aber dadurch, dass wir halt Nierstein sind, machen wir das heute mal nicht.
Heiko 1:22:23
Ja, das passt ja auch zu Goethe dadurch.
Marcel 1:22:24
Generell kann man sich, glaube ich, wenn man sich überwägt, da mal was zu kaufen, auch von beiden Weingütern mal was bestellen, ganz coole geile Weiner haben, Das sind draußen Mülltonnen, wir haben heute mehr Geräusche als sonst. Genau, der H.O. Spanier hat, wie gesagt, früh angefangen, Anfang der 90er, wo halt die Gegend am Ende war sozusagen. Er hat auch irgendwie beschrieben, dass er von Anfang an auch angefangen hat, wirklich mit Öko-Weinbau. Also relativ früh dabei in den 90er Jahren und haben das im Roten Hang dann später, wo er seine Frau kennengelernt hat, auch relativ früh gemacht, nämlich schon 2004. Im Gegensatz zu Gröl, die jetzt vor drei Jahren angefangen haben. Also er war von Anfang an mit jungen Jahren, also mit 19, 20 hat er angefangen, schon davon überzeugt, dass das irgendwie eine gute Idee wäre. Also er macht kein Naturwein. Wir sind jetzt wieder nicht bei Naturwein. Aber man kann auch von Naturwein sprechen, weil da viel Arbeit ja am Weinberg eine Rolle spielt. Und das jetzt nicht nur auf Schwefel ankommt, warum es ein Naturwein, ein Naturwein ist und so. Der ist lecker. Der ist schon lecker.
Heiko 1:23:24
Ich habe ihn jetzt nochmal probiert. Der schmeckt schon wirklich gut.
Marcel 1:23:28
Aber es ist halt ein bisschen so ein Pionier-Basch. Da auch in dem Weinberg, wie gesagt, vorher hat er es beschrieben als Wüste Gobi in dem Weinberg, weil halt alle klassisch da noch in dem alten Modus unterwegs waren und erst spät umgestellt haben. Was heißt denn Bio zum Beispiel in dem Kontext? Das ist wirklich richtig harte Arbeit. Die bringen da teilweise 7.000 bis 10.000 Ballen Stroh in den Weinberg, damit sie quasi bessere Wasserspeicherung und so weiter dann haben, weil das hat mich ja vorhin beschrieben.
Heiko 1:23:56
Habe ich auch ein Problem.
Marcel 1:23:58
Und so wurden dann tatsächlich auch die Trauben von Jahr zu Jahr besser. Also am Anfang waren die da so ein bisschen ruiniert und dann wurden die halt mit der Zeit irgendwie ruiniert sogar. Naja, also wir kamen ja aus den 80er Jahren und was da alles getrieben worden ist und diese ganzen klassischen Lehren und was da noch, das hat es ja noch eine Weile gehalten und so weiter und dieses Umstellung, dass man irgendwie auch Liebe und Bio in den Weinberg bringt, dass das auch qualitativ ist. Das Weingut ist seit 2006 im VDP und dementsprechend erfüllt es da dann die Kriterien für, um dann auch ein großes Gewächs zum Beispiel rausbringen zu können. Vielleicht nochmal einen, ich weiß nicht, ob man das vielleicht schon mal gehört hat, es gab so eine Vereinigung Message in the Bottle. Das war auch wieder so eine Winzervereinigung. Ist ja öfters mal so, dass die Coolen da auch irgendwie aktiv irgendwo sind. Und da ist zum Beispiel Wagner Stempel auch Teil davon. Also die kennt sich auch, glaube ich, aus der Schule schon.
Heiko 1:24:51
Die kenne ich auch von dir vor allem. Das ist einer deiner Favoriten.
Marcel 1:24:57
Ja, das ist tatsächlich einer meiner Favoriten.
Heiko 1:24:58
Also wenn Mephisto jetzt hier rein spazieren würde.
Marcel 1:25:01
Wagner-Stempel kann man einfach bestellen. Das würde immer gut sein. Und Winter kannte man glaube ich auch tatsächlich aus. Bei Jacques gibt es den sogar? Oder Wittmann. Ich weiß nicht, ob der Wittmann schon mal gehört hat. Das ist auch irgendwie aus alles einen Gang in dem Message in the Bottle. Ja, und die haben jetzt in 2021, 2020 einen neuen Reifekeller gebaut. Da habe ich einen Wein mitgebracht, den wir jetzt aber, glaube ich, ah, du bist schon fast leer, den könnte ich dir auch nochmal eingießen.
Heiko 1:25:30
Dein Backup-Wein sozusagen.
Marcel 1:25:31
Meinen Backup-Wein, der eigentlich kann ich, ich glaube, wir eskalieren heute komplett.
Heiko 1:25:37
Eskalieren?
Marcel 1:25:38
Eskalieren.
Heiko 1:25:40
Willkommen bei Geschichte im Glas oder Männer, die betrunken werden.
Marcel 1:25:47
Das ist auch gar nicht, was ich mit dem Glas jetzt noch mache. Ja, wenn du nochmal einen Reiferen probierst, wir können das auch am Ende machen, dann würde ich den vielleicht nochmal kühlen oder so.
Heiko 1:25:57
Du bist jetzt hier, du musst mir sagen, ob das jetzt den ergibt und so würde ich den, also soll ich es uns erstmal weiterzählen oder hast du noch?
Marcel 1:26:05
Also wenn du den direkt mal, den kann ich dir mit reinmachen, dann hast du mal direkt den Unterschied zwischen.
Heiko 1:26:09
Ja, doch, dass du nicht…
Marcel 1:26:13
Wir haben jetzt hier noch einen, also aus dem eigenen Reifekeller, der gebaut worden ist, der ist da 2020 reingekommen, der wurde ein bisschen gereift, jetzt haben wir ja irgendwie 2025, also hat da ein bisschen Zeit gehabt. Übrigens die Rieslinge aus der Ecke, die kann man auch sehr, sehr, sehr viel länger liegen lassen. Das ist jetzt der Rieslingreserve vom Boot liegenden 20. Der hat natürlich ein bisschen mehr Holz gesehen.
Heiko 1:26:40
Das heißt, ein bisschen Vanille könnte man rausschmecken.
Marcel 1:26:44
Naja, ich glaube Vanille.
Heiko 1:26:46
Das ist nur bei Rotwein. Schmeckt man das ein bisschen.
Marcel 1:26:49
Ich habe einen Move vergessen in der Aufregung, den ich hätte vorher machen sollen. Deswegen ist wahrscheinlich noch ein bisschen von dem anderen Wein mit dabei. Aber könntest du mir den Blas mal geben?
Heiko 1:26:58
Ja. Für alle, die es nicht sehen können.
Marcel 1:27:00
Trinkst du den aus? Ach so. Wir brauchen doch ein zweites, glaube ich.
Heiko 1:27:04
Für alle, die es nicht sehen können, das sind natürlich alle außer ich. Marcel hat jetzt dieses komische Gerät, mit dem man ohne Sauerstoff an den Beinen, rankommen zu lassen, dieses Gerät hat er jetzt auf die zweite Flasche gepackt.
Marcel 1:27:19
So.
Heiko 1:27:20
Ja.
Marcel 1:27:20
Diesmal sehr wenig.
Heiko 1:27:22
So.
Marcel 1:27:23
Also die Farbe braucht ein bisschen weiter.
Heiko 1:27:25
Ich wollte gerade sagen, ich glaube die Farbe sieht jetzt aus durch dieses, weiß ich da so raus Dings, aber er ist schon heller, oder?
Marcel 1:27:32
Oder ist das jetzt nur.
Heiko 1:27:33
Weil man muss dazu sagen, das natürliche Licht ändert sich gerade, weil so gerade die Sonne untergeht, während wir aufnehmen. Das heißt, es ändert sich. Ich habe das Gefühl, es ist ein bisschen heller, aber es kann auch wirklich das Licht sein.
Marcel 1:27:43
Ja, es kann es nicht sein.
Heiko 1:27:45
Ui. Riecht, finde ich, wieder intensiver.
Marcel 1:27:48
Ja, sollte auch.
Heiko 1:27:50
Oh Gott, okay. Check. Prüfungbestand. Aber er riecht gut. Ich tue mich nur wirklich schwer, jetzt ohne, dass du vorher mir Hint gibst, zu sagen, wonach es riecht. Schon auch. Also das Obstige riecht man schon noch an.
Marcel 1:28:08
Ich hab den grad nicht im Glas, weil mein Glas noch voll ist, leider.
Heiko 1:28:15
Der ist auch gut. Ist auch wirklich gut.
Marcel 1:28:19
Okay, aber du magst auch, dass es, also jetzt, man merkt ja jetzt eine andere Charakteristik drauf, ne?
Heiko 1:28:24
Schon. Aber ich kann ihn noch nicht. Ist der sogar ein bisschen abfälliger?
Marcel 1:28:32
Also der ist auf jeden Fall ein bisschen gereifter. Der ist ein bisschen cremiger, glaube ich.
Heiko 1:28:39
Cremiger? Also ich hätte jetzt sogar fast gesagt, ich habe jetzt so langsam das Gefühl, es liegt nur daran, dass es jetzt schon das dritte Glas ist, weil auch bei dem würde ich sagen, weniger Säuber, wo du wieder wahrscheinlich sagst, genauso viel oder mehr sogar.
Marcel 1:28:51
Weiß ich gerade nicht.
Heiko 1:28:53
Also ich habe das Gefühl.
Marcel 1:28:54
Es ist ein bisschen sanfter. Sanfter?
Heiko 1:28:57
Aber es kann auch wirklich sein, weil wir jetzt schon die anderen zwei vorher getrunken haben.
Marcel 1:29:00
Der hat so ein bisschen Feuerstein, der hat auf jeden Fall ein bisschen mehr Körper, ne?
Heiko 1:29:03
Ja.
Marcel 1:29:06
Also es ist ja auf jeden Fall ein bisschen verkopft. Ich mag den wirklich.
Heiko 1:29:10
Der schmeckt wirklich gut.
Marcel 1:29:12
Wie gesagt, ich hatte ihn ja vorher auch getrunken. Christoph, schöne Grüße. Und er hat gesagt, Heiko, solltet ihr auch mal probieren. Ich fand ihn tatsächlich ein bisschen, also im Sinne von Goethe, weil der Goethe ja doch sehr viel, einfachen, mineralischen Steinwein getrunken hat. Der geht ein bisschen mehr in den Kopf. Der ist ein bisschen ein Struktzuckerler sozusagen. Da beschäftigt man sich.
Heiko 1:29:33
Ja, ja, ja. Also ich verstehe, warum du den ursprünglich nicht gewählt hast für Goethe sozusagen, aber ich bin trotzdem froh, dass du ihn als Backup mir jetzt eingegossen hast, weil er schmeckt wirklich sehr gut.
Marcel 1:29:42
Ja, dann lass uns nochmal wieder zurückkommen zu Goethe.
Heiko 1:29:45
Okay, ja, Stichwort Goethe. Und apropos zurück, weil er ist jetzt auch zurück und zwar in Frankfurt nach seiner Krankheit in Leipzig. Kurz ein Recap, er ist schwer erkrankt, muss sein Studium aber abbrechen und kehrt zurück nach Frankfurt. Er ist immer noch geschwächt, er ist gesundheitlich und auch seelisch angeschlagen und sein Vater hätte es am liebsten gesehen, wenn der Sohn sich jetzt nun wirklich ernsthaft mit dem Jurastudium beschäftigt. Aber man kann es sich fast denken, Goethe hat andere Pläne. Statt Paragrafen wälzt er seine alten Manuskripte, überarbeitet Texte, die er aus Leipzig mitgebracht hat, schreibt neue Verse, fallt an seinem eigenen Ton und die Dichtung bleibt einfach für ihn das eigentliche Lebenselixier. Trotzdem, im Jahr 1770, also im April 1770, zieht es Goethe nach Straßburg, wieder auf Wunsch seines Vaters, versteht sich. Und dort soll er nun endlich sein Jurastudium abschließen und tatsächlich, im September besteht er seine erste juristische Prüfung. Die Dissertation stünde als nächstes an, aber wenig überraschend lässt er sich damit wieder mehr Zeit, denn es gibt dringenderes im Leben oder sagen wir interessanteres im Leben für Goethe. Kleine Sidenote. Kaum angekommen in Straßburg wird Goethe Zeuge eines sehr großen Spektakels, nämlich des Festes zu Ehren Marie-Antoinette, die mit ganz großem Tross auf dem Weg nach Paris ist, um dort den Dauphin, den späteren Ludwig XVI. zu heiraten. Marie-Antoinette, Marcel, hast du sicherlich schon mal gehört.
Marcel 1:31:08
Französische Revolution.
Heiko 1:31:09
Genau, ich wollte gerade sagen, du weißt, was sie dann zwei Jahrzehnte später nämlich in Paris erwartet, wo sie gerade auf dem Weg dahin ist.
Marcel 1:31:15
Ja, typischerweise geköpft, ja.
Heiko 1:31:17
Genau, die Guillotine.
Marcel 1:31:19
Ich hatte vorhin auch, so zeitorientierungsmäßig sind wir ja, da waren wir ja 40 Jahre vor der Revolution, also 17, 15, 16.
Heiko 1:31:27
Genau, also vor allem auch nächstes Jahr, in der nächsten Folge wird die französische Revolution nochmal eine größere Rolle spielen. Aber ja, er sieht dort tatsächlich Marie-Antoinette auf dem Weg nach Paris, aber vielleicht wäre sie lieber in Straßburg bei Goethe geblieben. Genau, Straßburg selbst haut Goethe jetzt nicht so vom Hocker, kann ich sagen. Es wirkt auf ihn ein bisschen wie so ein verschlafenes Zwischenstück auf dem Weg zum eigentlichen Sehnsuchtsort, nämlich Paris. Und doch beginnt ihn auch hier so ein bisschen wieder die französische Lebensart zu begeistern. Ja, Straßburg gehörte damals zwar formal noch zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, war aber einmal mehr von französischen Truppen besetzt, quasi annektiert, stand seit längerem auch unter französischer Verwaltung und war entsprechend auch französisch geprägt. Überall wird getanzt, also lernt Goethe erstmal tanzen, die Menschen leben leichter, irgendwie unbeschwerter und Goethe lässt sich einfach davon so ein bisschen anstecken. Wie einst in Leipzig bei Schönkopfs Gasthaus sitzt er auch hier so regelmäßig so beim gemeinsamen Mittagessen, plaudert mit Studenten, trinkt natürlich, diskutiert über Politik, auch wenn er das Politisieren wohl gar nicht so sehr mochte. Der Wein spielt natürlich wieder eine Rolle, wenn auch nicht zu seiner vollen Zufriedenheit. Der Elsässer Wein, so Goethe, sei ihm etwas zu herb tatsächlich. Er sagte, er war ihm zu herb, der Wein, das mochte er nicht so, den Straßburger Wein aus dem Elsass. Und er trifft in Straßburg den berühmten Philosophen Johann Gottfried Herder. Das ist eine Begegnung, die Goethe später als das vielleicht bedeutendste Ereignis seiner Straßburger Zeit bezeichnet. Herder begegnet dem jungen Goethe so mit so einer Mischung aus Anerkennung, aber auch scharfer Kritik. Er schätzt zwar dessen schöpferischen Geist, war aber oft kritisch und irgendwie so ein bisschen gönnerhaft. Und doch, oder vielleicht auch gerade deswegen, beeinflusste er Goethe nachhaltig. Dazu muss man wissen, Herders Denken prägte die intellektuelle Aufbruchsstimmung des späten 18. Jahrhunderts. Anders als die Aufklärung, die vor allem die Vernunft als höchste Instanz des Menschen betonte, das weißt du sicherlich auch, stellte Herder ein ganzheitlicheres Menschenbild in den Vordergrund, so eine Einheit von Geist und Natur, von Gefühl und Verstand, von Rationalität und aber auch schöpferischer Freiheit. Und Güdiger Safranski bezeichnet Herder daher auch so ein bisschen als den deutschen Rousseau, Rousseau so der große französische Denker, der in eine ähnliche Richtung ging. Und Herders Ideen gaben wirklich wichtige Impulse für die literarische Bewegung des Sturm und Drang, die hattest du vorhin ja auch schon angesprochen, die sich eben besonders so auf den Geniebegriff stürzte und so gegen die starren Normen der Aufklärung auflehnte. So die irrationale Schöpferkraft, der Genius tatsächlich wird aufgewertet und so löst sich so ein bisschen das Kunstverständnis vom Prinzip der Nachahmung. Es geht nicht mehr darum, so irgendwie Konventionen zu folgen und irgendwelchen Konventionen zu gefallen, sondern es geht darum, Individualität, Originalität zu beweisen, schöpferische Kraft, die man nicht ganz erklären kann, so dieses stürmische Geniale einfach. Das ist das, was Sturm und Drang auch ausmachen wird.
Marcel 1:34:23
Ich war ja großer Fan von Sturm und Drang.
Heiko 1:34:28
Ich war großer Fan von Sturm und jetzt habe ich kurz überlegt, was ich kann.
Marcel 1:34:32
So in der Schule. Ja, also das habe ich wirklich sehr gemocht.
Heiko 1:34:36
Das ist einfach nochmal anders, man merkt das dann auch, man spürt das richtig.
Marcel 1:34:39
Aber nochmal, er war in Frankfurt, also jetzt wollte ich darüber gesprochen haben, jetzt weiß ich nicht alles. Wir waren in Frankfurt, Leipzig und jetzt Straßburg.
Heiko 1:34:47
Genau, genau, genau, genau. Also ganze Weimar, was man ja auch später noch kennt, Michelin kommt auch noch später, wir sind jetzt wirklich erstmal in Frankfurt, das ist ja geboren.
Marcel 1:34:54
Aber dann ist ja vielleicht, also scheinbar ja dann doch gar nicht so eine Zuneigung zu französischen Weinen hat oder was? Nenne ich das jetzt, weil wenn das Elsässische Wein ist ja nochmal anders vielleicht als so das klassische, oder er hat ja scheinbar auch burgundischen Wein getrunken.
Heiko 1:35:10
Ja und vor allem, was französische, in Anführungsstrichen Weine angeht, war ja, wenn dann eher dem Champagner zugeneigt.
Marcel 1:35:16
Ah ok, Classic.
Heiko 1:35:18
Genau. Herders Forderung, jedenfalls nach Einheit von Gefühl und Vernunft, führte zunächst aber mal zu so einem, zumindest in der Literatur, sozusagen in so einer revolutionären, ja im Sturm einfach, zu so einem revolutionären Aufbegehren, so eine leidenschaftliche Programmatik, sodass so ein bisschen die Kraft des Gefühls und des Genies deutlich gegenüber der Vernunft überwog. Und die erste Begegnung hatte Goethe mit Herder im Gasthaus zum Geist. Also irgendwie wieder so ein schönes Beispiel wie bei Goethe, einfach so diese Geisterentwicklung und Tischkultur, so ein bisschen Denken und Trinken, Wirken und Wein irgendwie immer wieder miteinander verflochten. Es zieht sich einfach so ein bisschen durch. Immer ist das in irgendeinem Würzhaus, immer ist das irgendwie mit Wein und Trinken verbunden.
Marcel 1:36:00
Ich muss kurz nochmal einhaken, weil ich mir konnte mir jetzt den zweiten auch nochmal eingießen. Apropos Würz. Also der ist schon nochmal von der Würze her. Also dieses Feuerstein, was ich meinte, ich hatte den ja vorher nochmal probiert. Ich weiß nicht, ob das irgendwie auch so…
Heiko 1:36:15
Ich weiß nicht so ganz, was du mit Feuerstein meinst.
Marcel 1:36:17
Naja, irgendwie so, also du meintest am Ende ist da irgendwas, ne?
Heiko 1:36:21
Ja. Ich glaube, das hatte ich bei dem anderen gemeint, aber ja, bei dem auch. Das stimmt.
Marcel 1:36:28
Ja, aber jetzt irgendwie check ich das auch. Also das ist scheinbar auch so typisch aus dem Ruhm.
Heiko 1:36:34
So als hätte ich an einem Feuerstein geleckt. Okay, also den finde ich wirklich gut. Ja, wir schweifen schon wieder ab.
Marcel 1:36:43
Danke, Christoph.
Heiko 1:36:44
Das ist ein gemeinsamer Freund von uns, der mit Marcel manchmal auch vortrinken muss, sozusagen, um die Weine für mich auszulehnen und er hatte empfohlen, den doch mitzunehmen. Den soll ich trinken. Also ich bin auch froh. Herder jedenfalls öffnete Goethe also so ein bisschen den Blick für so eine neue geistige Welt, so ein bisschen weg von der reinen Vernunft, ein bisschen mehr hin zum Gefühl, Natur, schöpferische Freiheit. Doch während Goethe sich so im Gespräch mit Herder intellektuell formte, suchte er gleichzeitig nach so einer entsprechenden Erfahrung, die ihn auch emotional oder auch persönlich berührt. Und diese fand er dann nicht in den Straßburger Salons, sondern auf dem Land und zwar in Sessenheim. Goethes Studienfreund Friedrich Leopold Weiland, nämlich ein regelmäßiger Teil seiner Straßburger Mittagsrunde und damit vielleicht auch sowas wie ein Trinkkumpan, nahm ihn eines Tages mit nach Sessenheim. Das ist so ein kleines Dorf, rund 40 Kilometer nördlich von Straßburg und da stellte er ihm die Fahrersfamilie Brion vor.
Marcel 1:37:38
Sessenheim? Ich dachte mal Sesenheim oder ist das sowas?
Heiko 1:37:41
Das ist glaube ich nochmal was anderes. Es gibt Sesenheim wahrscheinlich, aber es gibt auch Sessenheim, das ist eine französische Gemeinde im Elsass, also heute französisch. Ich muss gerade gestehen, ich weiß gar nicht, wie die heute dann heißt, ob die auch mal noch Sessenheim heißt in Frankreich. Genau, seit ihm sein Freund da mitgenommen hat, unternimmt Goethe regelmäßig Ausflüge dorthin, er trat aber tatsächlich nicht immer als er selbst auf, sondern er schlüpft in wechselnde Verkleidungen. Mal so als armer Theologiestudent, mal so als Dorfbusche namens Georg. Goethe experimentiert einfach in dieser Phase stark mit sich selbst, wer er ist, wer er sein kann, wer er zu sein vorgibt. das so ein bisschen Teil seiner Selbstfindung. Er ist ja immer noch jung, muss man sagen, er ist so ein bisschen in so einer Findungsphase und die Verkleidung als armer Student oder auch Dorfbursche ist auch so ein bisschen einfach ein Spiel mit verschiedenen sozialen Rollen. Wir haben ja auch schon festgestellt, er ist eigentlich so gut bürgerlich erzogen, aber dann schlüpft er gerne mal in eine Rolle von einem eher ärmeren Dorfjungen. Und klar ist auch so ein bisschen Selbstironie mit dabei. Er weiß, dass dieses Spiel mit der Verkleidung so eine gewisse Komik hat. Sein Freund Weiland konnte unterwegs zum Beispiel einmal kaum an sich halten vor Lachen, als Goethe sich besonders skurril zurechtgemacht hatte und Zitat die Haltung solcher Figuren, wenn sie zu Pferde sitzen, perfekt imitierte. Wahrscheinlich war er auch inspiriert von einem Roman und zwar der Pfarrer von Wakefield, den er in dieser Zeit las. Ein Buch übrigens, das ihm, glaube ich, von Herde empfohlen wurde. Das bin ich mir jetzt gerade nicht ganz sicher. Shakespeare hat er ihn auf jeden Fall empfohlen. So oder so handelt das Buch ebenfalls von einer Pfarrersfamilie, in der eine der Figuren sich eben verkleidet und durchs Land bewegt. Man sieht also bei Goethe verschwimmen so ein bisschen Literatur und Realität einfach so gerade. Er ist da so gerade so ein bisschen im Ausprobieren und indem sich Goethe eben verkleidet und auch mal ein bisschen bescheidener auftritt, testet er einfach auch aus, ob man ihn auch so um seiner Selbstwillen einfach schätzt. Nicht, weil er vielleicht reich ist, gebildet oder so ein bisschen besonders ist. Er ist noch nicht berühmt, er hat noch nicht groß was veröffentlicht. Da ist er jetzt immer noch 19 oder 20 in dem Alter, ne? Aber er ist jetzt noch nicht berühmt, er hat noch nicht groß was veröffentlicht, aber er ist natürlich trotzdem reich und gebildet und irgendwie gut bürgerlich und wenn er da auftritt, schaut er einfach, ob er nur deswegen, wie die Leute einfach reagieren. Und das ist dann tatsächlich gerade im Kontakt.
Marcel 1:39:53
Das ist ein Social Experiment.
Heiko 1:39:54
Eigentlich ist es ein Social Experiment und das ist gerade im Kontakt mit der Pfarrerstochter dann bedeutsam, denn natürlich verliebt er sich wieder und diesmal in die Pfarrerstochter, Friederike Brion, vor der ersten Begegnung mit der Pfarrersfamilie, bat Goethe seinen Freund Weiland sogar ihn möglichst gleichgültig einzuführen und erlaubte sich wo nicht schlecht, doch etwas ärmlich und nachlässig gekleidet zu erscheinen. Und schon während dieses ersten Treffens bemerkt Goethe so eine beginnende Verliebtheit, es kribbelt so ein bisschen und um den Kreis jetzt zu unserer Podcast-Folge zu schließen, hätte er sich beinahe wegen Wein verraten. In Dichtung und Wahrheit schreibt er nämlich Zitat, da immer ein Geschichtchen das andere hervorruft, so konnte ich nun auch mich desto besser in das Gespräch mischen und ähnliche Begebenheiten erzählen und weil hierbei ein guter Landwein keineswegs geschont wurde, so stand ich in Gefahr aus meiner Rolle zu fallen, weshalb der vorsichtige Freund den schönen Mondschein zum Vorwand nahm und auf einen Spaziergang antrug, welcher denn auch sogleich beliebt wurde. Also er trank einfach und wie betrunken er wurde. Und ich habe das Gefühl, wenn du mir die Gläser weiter voll machst, können wir das besonders gut nachvollziehen heute, fällt er aus seiner Rolle, weil natürlich je mehr Alkohol fließt, desto komplizierter wird es für ihn, diesen armen Dorfjungen zu spielen.
Marcel 1:41:06
Aber hat er jetzt, habe ich es richtig verstanden, er wollte da spazieren gehen?
Heiko 1:41:10
Nee, dann wollte er spazieren, damit es nicht aufhört. Er wollte so, lass uns mal aufstehen, lass mal nicht mehr weiter trinken. Also nicht er, sondern das hat dann sein Freund vorgeschlagen, weil er schon gemerkt hat, Goethe fängt wahrscheinlich schon ein bisschen an zu lallen. oder so, lass mal ein Mondschwein scherzieren gehen. Und tatsächlich ist dann auch einfach ein Anfang einer zumindest kurzen Beziehung. Er schreibt ihr Briefe, also der Pfarrerstochter und verfasst Gedichte, die später auch als Sessenheimer Lieder bekannt werden. Ursprünglich waren das ganz so private Liebesbekenntnisse. Goethe hat zu diesem Zeitpunkt, wie gesagt, noch nicht so wirklich was veröffentlicht und er scheute sich auch noch ein bisschen davor, war sich noch ein bisschen unsicher über seine, Gedichte scheinbar. Doch auch in dieser Beziehung zeigen sich eben seine bekannten Muster, die wir jetzt schon gehört haben. Zwar Verliebtheit und Schwärmerei, aber offensichtlich auch Bindungsangst, ganz klar. Er erkennt recht bald, dass die Verbindung keine Zukunft hat. In der Rückschau schreibt Goethe in seiner Autobiografie, dass ihm so eigentlich von Anfang an klar gewesen sei, dass diese Beziehung keine Zukunft haben kann. Es waren wieder so gesellschaftliche Unterschiede, familiäre Erwartungen, aber auch nicht zuletzt so ein bisschen sein eigener Drang einfach nach Freiheit, das stand einfach zwischen ihm. Er merkt einfach so dieses bürgerliche Leben, Ehefrau und so, das passt ihm nicht so, das passt nicht zu ihm. Er ist dieses Stürmerische oder Sturm- und Drängerische, wenn man so will.
Marcel 1:42:20
In dem Alter.
Heiko 1:42:21
Verscheint natürlich auch in dem Alter, auch wenn es bei ihm ja nie so ganz aufhört. So trennt er sich dann auch wieder. Möglicherweise ist es so ganz sympathisch, ist er in bestimmten Episoden einfach wieder nicht. Und meistens in seiner Beziehung zu Frauen. Denn möglicherweise trennt er sich, ohne es Friederike klar mitzuteilen. Es gibt Hinweise darauf, dass sie erst im Nachhinein erfahren hat, dass es eigentlich vorbei ist. Goethe zumindest, so ein bisschen kann man ihm das vielleicht zugutehalten, reflektiert diese Episode dann später so ein bisschen mit Reue und Einsicht. Er erkennt zumindest die Schattenseiten seines eigenen Handels. Aber Friederike natürlich bleibt sehr tief verletzt und er bleibt tatsächlich zeitlebensunverheiratet. Also danach heiratet sie nicht jemanden anders mehr. Sie lebt bis zum Tod bei ihrer Schwester und verwahrt die Briefe Goethes auch bis ins hohe Alter auf, die ihre Schwester dann aber nach ihrem Tod verbrennt. Also das muss ein sehr einschneidendes Erlebnis für sie einfach gewesen sein, wie er sich da verhalten hat.
Marcel 1:43:13
Also Goethe und der Wein und die Frauen prinzipiell, oder?
Heiko 1:43:17
Ja, so könnte man die Folge vielleicht auch nennen. Goethe, der Wein und die Frauen. 1771 schafft es Goethe trotzdem im Übrigen, das will ich nicht verschweigen, seine Dissertation anzufertigen. Und zwar eine Dissertation über das Verhältnis von Kirche und Staat.
Marcel 1:43:31
Hä, mit in dem Alter jetzt schon oder was?
Heiko 1:43:33
Ja, ich glaube, es war damals auch noch anders. Was glaubst du, wie kam die Dissertation an?
Marcel 1:43:39
Also wenn du es so fragst, also das ist so eine Frage, die kann man nur sagen, wahrscheinlich schlecht.
Heiko 1:43:43
Also die Dissertation selbst ist nicht erhalten, aber die Gutachter empfanden sie als skandalös und empfanden sie zurückzuziehen oder selbst zu veröffentlichen. Auf keinen Fall unter dem Label der Universität. Man bot ihm aber zumindest an, ein paar Thesen zu verteidigen und dafür zwar nicht den Doktortitel, aber das sogenannte Lizenziat zu erhalten, was mehr oder weniger gleichrangig behandelt wurde, zumindest in der Juristerei und er nahm das dann trotzdem auch an und er konnte danach dann auch als Jurist tätig sein und wurde auch später als Dr. Goethe angesprochen, obwohl es eben nicht so ganz stimmt. das wäre so ein halber Doktor oder sowas. Und so fuhr er dann, wenn eben auch nur als halber Doktor, wenn man so will, zurück nach Frankfurt und es zeichnet sich wieder ein System ab, denn wie schon bei Käthchen verabschiedet er sich nicht von Friederike. Natürlich sollte er einen nicht mehr so ganz verwundern. Abschiede sind offensichtlich nicht seine Stärke und das, obwohl er ironischerweise ein Gedicht in den Sessenheimer Liedern an seine Friederike Willkommen und Abschied nennt. Und da sagt er, Zitat, Doch ach, schon mit der Morgensonne verengt der Abschied mir das Herz in deinen Küssen, welche Wonne, in deinem Auge welcher Schmerz.
Marcel 1:44:47
Diese Zeilen kenne ich.
Heiko 1:44:50
Ich ging, du standst und saßt zu Erden und saßt mir nach mit nassem Blick und doch, welch Glück, geliebt zu werden und lieben Götter welch ein Glück.
Marcel 1:45:01
Ich habe so ein Büchlein mit Gedichten, ich glaube, das ist drin. Irgendwie kommt mir das bekannt vor.
Heiko 1:45:07
Ich finde es schon irgendwie zynisch, dass er da so ausgerechnet an die Gedichte an sie so was von Liebe und Abschieds und so schreibt und dann einfach abhaut.
Marcel 1:45:12
Ja, wenn man den Hintergrund kennt, ne? Keine Ahnung, beim Weinen gibt es irgendwie, es eröffnet immer so, ah. Und das ist ja, wenn du dann die Realität dazu hast, okay, krass. Eher dann eher traurig oder bitter, bitter, oder?
Heiko 1:45:27
Ja, es hat ein Geschmäckle.
Marcel 1:45:29
Wie man sagen könnte.
Heiko 1:45:31
Zurück in Frankfurt arbeitet Goethe zunächst tatsächlich als Advokat. Und sein Vater sieht das Ganze so vor allem als Sprungbrett in höhere Ämter, vielleicht sogar in den Staatsdienst, Goethe selbst. Ja, nicht. Er übernimmt zwar durchaus ein paar Fälle, aber seine eigentliche Leidenschaft, die gehört einem Theaterstück, das er bereits in Straßburg begonnen hatte und zwar Götz von Berlichingen. Das ist ein rebellischer Ritter, der sich der Willkür der Fürsten widersetzt, der für persönliche Freiheit kämpft und gegen politische Korruption sozusagen. Ein Held des Widerstands, kein so ein höfischer Schöngeist und damit eben ganz im Sinne des jetzt schon mehrfach angesprochenen aufkommenden Sturm und Drang mit dem Götz bricht Goethe ganz bewusst mit den ganz klassischen Regeln des Theaters. Es gibt keinen einheitlichen Ort, es gibt keine Einheiten von Zeit und Handlung, stattdessen über 50 verschiedene Schauplätze, parallele Handlungsstränge, Szenensprünge, so ganz im Geiste Shakespeare’s fast schon den Goethe, auch dank Herder hatte ich schon angesprochen, gerade er es für sich entdeckt hatte und der Wein hat auch in diesem Stück seinen Platz, immer wieder taucht er nämlich als Teil des ritterlichen Lebensstils auf, so ein bisschen als Zeichen von Gemeinschaft und Geselligkeit. Besonders deutlich wird, dass in einer Szene, als Götz und seine Männer belagert sind, der Wein geht so langsam zur Neige, aber seine Frau Elisabeth hat noch eine letzte Flasche aufgespart. Götz besteht nun darauf, dass die Gefährten sie trinken sollen, so als Stärkung, als gemeinsames Ritual. Und während die Runde das Glas hebt, verwandelt sich der Wein sozusagen ein bisschen zum Symbol für ihr Freiheitsserial. Und jetzt an dieser Stelle, Marcel, da brauche ich dich. Ich lese den Götz und du die Elisabeth und den Georg. Ich habe dir die Szene mal mitgebracht. Also du liest Elisabeth und den Georg und wenn alle stehen, bitte auch. Das ist ein bisschen nichts, ich bin gespannt, ob es klappt. Hast du dir das Dokument vor dir?
Marcel 1:47:11
Also man muss vielleicht nochmal dazu sagen, dass Heiko Natursalent es in Sachen vorlesen. Das merkt man auch. Mal gucken, also ob ich jetzt da mithalten kann.
Heiko 1:47:20
Okay. Also du hast was vor dir? Du bist Elisabeth, Georg und alle.
Marcel 1:47:24
Ach Georg. Okay, du bist Götz. Und ich bin Götz. Okay. Okay.
Heiko 1:47:28
Jetzt geht los. »So bringt uns die Gefahr zusammen. Lasst’s euch schmecken, meine Freunde. Vergesst das Trinken nicht, die Flasche ist leer. Noch eine, liebe Frau.«, Elisabeth zog die Achsel. Ist keine mehr da?
Marcel 1:47:41
Noch eine? Ich hab sie für dich beiseite gesetzt.
Heiko 1:47:45
Nicht doch, Liebe. Gib sie heraus. Sie brauchen Stärkung, nicht ich. Es ist ja meine Sache.
Marcel 1:47:50
Holt sie draußen im Schrank.
Heiko 1:47:52
Es ist die letzte. Und mir ist es, als ob wir nicht zu sparen Ursache hätten. Ich bin lange nicht so vergnügt gewesen.
Marcel 1:47:58
Er lebe, er lebe.
Heiko 1:48:00
Achso, sorry, ich bin noch. Es lebe der Kaiser.
Marcel 1:48:03
Er lebe, er lebe.
Heiko 1:48:04
Das soll unser vorletztes Wort gewesen sein, wenn wir sterben. Ich lieb ihn, denn wir haben einerlei Schicksal. Und ich bin noch glücklicher als er. Er muss den Reisständen die Mäuse fangen, inzwischen die Ratten seine Besitztümer annagen. Ich weiß, er wünscht sich manchmal lieber tot, als länger die Seele eines so krüppeligen Körpers zu sein. Es geht just noch einmal herum. Und wenn unser Blut anfängt, auf die Neige zu gehen, wie der Wein in dieser Flasche erst schwach, dann tropfenweise rinnt. Er tröpfelt das Letzte in sein Glas. Was soll unser letztes Wort sein?
Marcel 1:48:33
Es lebe die Freiheit.
Heiko 1:48:35
Es lebe die Freiheit.
Marcel 1:48:36
Es lebe die Freie. Oh Gott, oh Gott.
Heiko 1:48:40
Hä, das hast du richtig gut gemacht. Ich fand das super.
Marcel 1:48:44
Und ich finde direkt klar.
Heiko 1:48:46
Wir hätten hier vielleicht nebenbei noch so ein Glas heben sollen. Wir hätten mal hier ein Glas trinken sein. Und schon im ersten Akt, das ist jetzt so eine sehr, sehr charakteristische Szene gewesen, aber schon im ersten Akt bringt der Wandermönch Martin die Verbindung von Wein und ritterlicher Lebensweise auch auf den Punkt, nämlich in Worten, die so klingen, als hätte Goethe sie sich vielleicht auch fast selbst auf den Leib geschrieben. Zitat. Der Wein erfreut das Menschenherz und die Freudigkeit ist die Mutter aller Tugenden. Wenn ihr Wein getrunken habt, seid ihr alles doppelt, was ihr sein wollt. Noch einmal so leicht denkend, noch einmal so unternehmend, noch einmal so schnell ausführend. Und man hört hier wirklich so ein bisschen den Geistessturm und Drang, das Lob der Spontanität, Tatkraft des Erlebens und irgendwie so ein bisschen mit Wein als Triebfeder einfach. Und kurze Zeit, Marcel, weißt du, welcher deutsche Ausspruch durch den Götz von Berlichen wirklich berühmt geworden ist?
Marcel 1:49:37
Nee, ich hab keine Ahnung.
Heiko 1:49:39
Leck mich am Arsch.
Marcel 1:49:40
Tatsächlich. Leck mich im Arsch.
Heiko 1:49:42
Genau, genau, genau. Ich wollte gerade sagen, Götz im Original sagt er nämlich eigentlich eher, aber sag es ihm, er kann nicht im Arsch lecken.
Marcel 1:49:47
Ja, ja, ja.
Heiko 1:49:47
Das ist ein Satz, der in der zweiten Fassung übrigens gestrichen wurde. Und das zeigt irgendwie so, dass das durchaus Provokation gewesen sein muss. Aber da war allen längst klar, was da mal stand. Und es war so ein bisschen schon zum geflügelten Wort geworden, was man ja heute auch noch sagt.
Marcel 1:49:59
Also es kommt von da her?
Heiko 1:50:02
Also es gibt, also auch das basiert quasi auch, das hat auch den Götz von Berlichen gar nicht ausgedacht, sondern basiert auf einer echten Person. Und ich glaube, in irgendeiner Vorlage oder so steht irgendwie, er kann das mal von hinten, irgendwas war da so. Und er hat aber wirklich dieses, er kann mich im Arschlecken, dann da reingenommen. Und daher kommt das wohl schon so, dass wir das heute noch sagen.
Marcel 1:50:18
Okay, also es gilt ja auch für diese Nahe Fixiertheit mitverantwortlich.
Heiko 1:50:22
Okay, das hast du jetzt gesagt.
Marcel 1:50:23
Naja, offensichtlich haben wir ja sehr viele Sprichwörter in die Richtung. Oder so Schimpfwörter, ja.
Heiko 1:50:28
Ja, das stimmt, ne. So irgendwie auch Arschloch, also Schimpfwörter sind viel so eine Arschloch, am Arsch lecken, Himmel, Arsch und Zwirn.
Marcel 1:50:39
Ich hab mal gehört, dass das auch eine deutsche Spitz.
Heiko 1:50:44
Eine deutsche Spitz, das ist okay. Kann sein, das ist ja fast für eine andere Folge.
Marcel 1:50:52
1773 Ich frage, welcher Bein dazu passt.
Heiko 1:50:54
Oh Gott, schnell weiter. 1773 veröffentlicht Goethe das Stück im Selbstverlag und es schlägt sofort ein wie eine Bombe. Der Götz wird zur literarischen Sensation. Goethe ist übernacht berühmt. Erst hatte er das Werk, ehrlicherweise anonym veröffentlicht sogar, in der nächsten Ausgabe konnte und wollte er das dann nicht mehr. Generell musste man recht schnell auch einen zweiten autorisierten Druck veröffentlichen, um, und das fand ich witzig, Raubdruckern zuvor zu kommen. Also man konnte das trotzdem nicht verhindern, aber ich fand es irgendwie witzig, das, was wir heute so bei Film oder Software als Raubkopierern kennen, das gab es auch schon bei Literatur damals, wo einfach Leute, die das dann gedruckt und auch für kostenlos oder billiger angeboten haben.
Marcel 1:51:29
Das wiederholt sich immer alles. Es ist witzig.
Heiko 1:51:32
Der Götz wird jedenfalls überspitzt formuliert. Das kann man nicht so ganz vereinfachen, aber es wird so ein bisschen zur Gründungsurkunde des Sturm und Drang. Goethe wird im Alter von nur 24 Jahren zum Sprachrohr einer ganzen Generation, die eben Gefühl und Freiheit über Form und Anstand stellt. So das bisher, sage ich mal, eher bedächtige literarische Publikum fand nun gefallen so an der Sensation, an dem Shootingstar. Goethe ist also… 24? Erst? Wir haben noch fast 60 Jahre vor uns, Marcel. Und ich verspreche, dass ich einige Jahre auch etwas schneller überspringen werde. Ich würde aber sagen, zur Stärkung sollten wir jetzt nochmal einen Schluck trinken, denn ich wiederhole nochmal die Worte des Wandermönchs Martin einfach. Wenn ihr Wein getrunken habt, seid ihr alles doppelt, was ihr sein wollt. Noch einmal so leichtdenkend, noch einmal so unternehmend, noch einmal so schnell ausführend. Also vielleicht nach dem nächsten Glas werden wir auch danach etwas schneller sein.
Marcel 1:52:26
Wandermönch Martin.
Heiko 1:52:28
Mönch? Mönch.
Marcel 1:52:29
Ja, Mönch. Aber gibt es da irgendwie einen Kontext?
Heiko 1:52:32
Nee, also es gab halt Wandermönche, die rumgelaufen sind als Mönche. Und Martin, so heißt die Rolle halt in dem Stück.
Marcel 1:52:39
Wandermönch, Martin, das klingt irgendwie…
Heiko 1:52:40
Achso, nee, es ist einfach eine Rolle in dem Stück.
Marcel 1:52:44
Du hattest mir ein zweites Stichwort gegeben. Und zwar Würzburger Stein.
Heiko 1:52:49
Genau, das erwähne ich nicht hier, glaube ich, direkt. Aber es ist so ein bisschen gilt als der Lieblingswein Goethe. Das ist zumindest, wenn man so seine Haushaltsbücher anguckt, der, den er am meisten bestellt hat und am meisten besessen hat.
Marcel 1:52:58
Zumindest gab es auch den Fakt, ich weiß nicht, ob das, ich bin mir auch unsicher, ob du das irgendwie nochmal aufgreifst, aber er war irgendwie auf einer Kur. Ah, das kommt nochmal?
Heiko 1:53:10
Ich weiß nicht, was du sagen willst, aber wo wir wissen, dass er einen ganzen Eimer und so ein…
Marcel 1:53:15
Also Eimer, du meinst so 60 Liter…
Heiko 1:53:17
Ja, er sagt Eimer, aber das ist ein Volumenmaß. Aber sag es gerne auch.
Marcel 1:53:22
Genau, aber da ging es um Würzburger Stein. Also er hat sich für 30 Tage Kur 60 Liter Würzburger lesen.
Heiko 1:53:31
Ja, das wollte ich nachher noch sagen, aber es passt ja, dass wir das jetzt schon vorgreifen.
Marcel 1:53:37
Und dementsprechend haben wir jetzt auch so einen Steinwein, nämlich Würzburger Stein, Wir gehen jetzt zu Silvana als Rebsorte. Hatte ich am Anfang schon angekündigt, dass jetzt Silvana auch mal das Thema ist.
Heiko 1:53:49
Aber was ist, also vielleicht sagst du es auch gleich, weil du jetzt sagst, Steinwein, was ist das?
Marcel 1:53:54
Das ist eher dieses mineralisch geprägte.
Heiko 1:53:56
Achso, also Würzburger Stein heißt es nur, weil es ein mineralisch geprägter Silvana dann ist.
Marcel 1:54:01
Ja, genau. Und passt ja irgendwie. Also wir haben jetzt auf dem roten Hang gehabt, was auch eher mineralisch geprägtere Rieslinge sind. Und wir gehen jetzt zum Würzburger Stein, die auch mineralisch geprägtere Weine haben. Dass man merkt einfach.
Heiko 1:54:13
Was Goethe wahrscheinlich gerne getroffen hat.
Marcel 1:54:15
Ja genau, das ist so ein bisschen, deswegen sind wir jetzt hier so ein bisschen in diesem, also aus Weinsicht so in diesem Korsett und wir haben jetzt tatsächlich, genau, Heiko lacht schon, auch eine besondere Flasche, nämlich den Boxbeutel. Wie würdest du die Flasche beschreiben?
Heiko 1:54:30
Das sieht nicht aus wie eine Weinflasche, sondern eher wie so ein Beutel. Es ist quasi so ein Oval, also so ein halbrund, es sieht eher aus wie ein Flachmann, ein bisschen größer, wie ein großer Flachmann aus Glas.
Marcel 1:54:42
Ja, ja, Flachmann.
Heiko 1:54:45
Oder so, ja.
Marcel 1:54:47
Feldflasche?
Heiko 1:54:47
Ja, also sowas in die Richtung.
Marcel 1:54:49
Ja, genau. Weißt du, woher der Name vielleicht kommen könnte?
Heiko 1:54:53
Der Beutel?
Marcel 1:54:54
Boxbeutel.
Heiko 1:54:56
Boxbeutel. Das hat wahrscheinlich nicht mit dem Boxhorn-Klee aus unserer ersten Folge zu tun.
Marcel 1:55:04
Ich weiß nicht, ob du darauf kommst.
Heiko 1:55:06
Boxbeutel, also wahrscheinlich, es gab ja, man hatte früher ja keine Weinflasche, wenn man so gewandert ist oder so, sondern hatte das eher in so, wahrscheinlich aus Tierhaus oder so, eher so Trinkschläuche. Das waren vielleicht eher so Beutel, wo man Wein hatte und draus getrunken hat, so ein bisschen in die Richtung.
Marcel 1:55:20
Also so diese Feldflaschenform und so weiter, da kommt es irgendwie auch her. Es gibt auch so eine Bücherbeutel oder so. Also man weiß es nicht hundertprozentig, es gibt aber auch eine Variante, das ist der Hodensack eines Ziehenbocks.
Heiko 1:55:32
Würde mich tatsächlich ehrlicherweise auch nicht wundern. Man hat glaube ich solche Sachen auch irgendwie als Kondom ganz früher auch so benutzt. Okay.
Marcel 1:55:39
So ein bisschen halb.
Heiko 1:55:40
Irgendwelche Schafshaut und so als Kondom benutzt. Also mich würde es nicht wundern, wenn man auch die Hoden schon wusste, wie man sie andersweitig noch verwendet.
Marcel 1:55:51
Dieser Boxbeute ist so ganz klassisch Form sozusagen. die auch tatsächlich im Würzburger Stein zuerst meines Wissens nach angewendet worden ist und später dann auch für andere Frankenweine benutzt worden ist. Also wir haben sie heute vor allen Dingen in Franken, teilweise in Baden, aber dann auch in dem fränkischen, also es gibt ja so einen Teil, der dann auch Baden-Württemberg ist und in Portugal vielleicht auch schon mal gesehen, dass es auch diese Form gibt für Matthäusch oder sowas.
Heiko 1:56:21
Doch, ja, doch stimmt. Ich glaube, ja.
Marcel 1:56:24
Der wurde 1728 nämlich vom städtischen Bürgerspital zuerst mal in so einer Bockbeutelform gefüllt.
Heiko 1:56:34
Aber hat das so mit Krankenhaus zu tun, einem Spital tatsächlich?
Marcel 1:56:37
Ja, tatsächlich. Wir springen ein bisschen hin und her, aber das Bürgerspital war quasi 1316 gegründet als Stiftung für Kranke und Arme und Bedürftige und ist quasi wie so eine soziale Stiftung. Der Wein dient als Finanzierung. Ach, als Finanzierung.
Heiko 1:56:53
Ich dachte, da schließt sich der Kreis mit so der Wein als Medizin, was ja am Anfang auch angesprochen hat.
Marcel 1:56:57
Das vielleicht, also für Goethe vielleicht.
Heiko 1:56:59
Aber ich glaube, es ist ja nicht unbedingt.
Marcel 1:57:03
Prinzipiell ist das, also Sicht heute, aber vielleicht eher minus 50 Jahre oder so, wenn wir ein bisschen weiter zurückgehen, aber es ist ein bisschen für hochwertige Weine jetzt in Franken. Wobei man sagen muss, dass sich auch viele ganz konkret dagegen entscheiden, weil das halt schon sehr traditionelle Form ist. Und was würdest du sagen, Heiko, wenn ich jetzt auf minus 40, 50 Jahre sage, was sind hochwertige Weine?
Heiko 1:57:26
In den letzten 40 Jahren?
Marcel 1:57:28
Also 70er, 80er, was sind hochwertige Weine? Was haben die viel…
Heiko 1:57:33
Achso, du meinst jetzt wegen letzter Folge. Achso, eher Süße sozusagen, so Beerenauslese.
Marcel 1:57:39
Also das Qualitätsmerkmal, um in so ein Boxbeute gefüllt zu werden, war tatsächlich auch dann das Thema Oechse und so weiter. Wobei man sagen muss, auch die sagen mittlerweile, naja, ist das vielleicht jetzt nicht mehr so wichtig, weil jetzt Klimawandel und so, wir kriegen die Weine schon reif. Vielleicht sollten wir davon auch ein bisschen mehr zurücktreten. Aber das war so das Kriterium, wann du da reingefüllt werden kannst. Diese Flasche wurde irgendwie 2015 wohl auch redesignt. Die haben es ein bisschen eckiger und kantiger gemacht. Habe ich jetzt nicht als Bild mitgebracht.
Heiko 1:58:09
Es wurde eckiger und kantiger, weil die ist ja gar nicht eckig.
Marcel 1:58:13
Ja, es gibt wirklich so ein, das sieht krass aus. Also die ist wirklich, also eine Seite ist richtig eckig und kantig.
Heiko 1:58:19
Also die war eckiger, sie haben es runter gemacht.
Marcel 1:58:21
Nee, das ist nicht die neue.
Heiko 1:58:22
Ach so, ach das ist die alte.
Marcel 1:58:23
Es wurde versucht zu redesignen, jetzt 2015. Und das war eher so eine kantigere Version, um das ein bisschen moderner zu machen. Und das ist irgendwie so ein bisschen misslos.
Heiko 1:58:33
Sorry, ich habe dich einfach unterbrochen. Du wolltest gerade sagen, die sind wieder zurückgegangen.
Marcel 1:58:37
Ja, also die wurde jetzt vom VDP, in dem Fall ist das auch ein VDP-Weingut, nicht anerkannt. Dementsprechend ist das jetzt nicht so.
Heiko 1:58:44
Hä, aber das VDP guckt sich nicht nur die Getränke an, sondern auch die Flaschen, oder?
Marcel 1:58:49
Scheinbar haben sie da auch ein Mitspracherecht für…
Heiko 1:58:51
Oder schmeckt es anders an einer eckigen Flasche?
Marcel 1:58:54
Ich glaube, ja, keine Ahnung. Das sind Entscheidungen, die dann auch gemacht wird. Generell ist, glaube ich, der Boxbeutel gerade eher ein bisschen auf dem Rückzug. Also ich glaube, die guten Weine sind jetzt nicht zwangsläufig im Boxbeutel. Es ist kein Garant dafür. Es ist eher so ein bisschen wirklich eine Tradition. Es ist einfach Tradition.
Heiko 1:59:09
Es hat jetzt keinen Qualitätsmechanismus.
Marcel 1:59:10
Ich dachte, ich bring mal diese Flasche mit, dass wir mal drüber reden können. Das ist doch tatsächlich eine Flasche aus dem Supermarkt.
Heiko 1:59:16
Witzig.
Marcel 1:59:17
Weil das Bürgersprach Spital kriegst du auch Uli oder so hier in Berlin. Also jetzt nicht in jedem, ich glaube in jedem Supermarkt jetzt auch nicht, aber in einer gut sortierten.
Heiko 1:59:28
Der auch eine, Weinregal hat.
Marcel 1:59:31
Kriegst du jetzt nicht bei jedem, wo du sagst, wie ich spiele. Das nicht und auch beim, wenn du jetzt irgendwo Wein bestellst und sagst, wo die anderen Weine kriegst, kriegst du den wiederum nicht. Deswegen meinte ich, es ist ein bisschen schwierig. Weil es jetzt eher so wirklich die traditionellere Art und Weise ist. Ja, lass uns den doch mal. Was uns den probieren.
Heiko 1:59:49
Den Lieblingswein Goethes?
Marcel 1:59:51
Also es gibt keine Quelle dafür, aber vermutlich ist es auch…
Heiko 1:59:57
Also zumindest einer der Lieblingsweine, oder was meinst du?
Marcel 1:59:59
Naja, ob es jetzt genau dieses Bürgerspielteil ist.
Heiko 2:00:01
Ach so, ob es der ist.
Marcel 2:00:02
Also es gibt nicht so viel in dem Berg, sagen wir mal so.
Heiko 2:00:05
Also es könnte schon sein, dass Goethes genau auch einen von denen getroffen hat.
Marcel 2:00:08
Ja, also es ist eigentlich sehr wahrscheinlich.
Heiko 2:00:11
Okay, wow.
Marcel 2:00:11
Deswegen habe ich gedacht, den muss ich mitbringen.
Heiko 2:00:13
Das klingt natürlich… Also da fühle ich mich richtig haben, ja.
Marcel 2:00:16
Also auch der ist wieder sehr unauffällig, ne?
Heiko 2:00:19
Aber irgendwas ist in der Nase, was ich gerade noch nicht sagen kann. Ich kann es nicht identifizieren, aber irgendwas war da, was ein bisschen anders war. Aber ja, ist jetzt nicht super, ist auch nicht so eine Nasenbombe sozusagen.
Marcel 2:00:31
Also was der Silvana manchmal hat, der hat ein bisschen was Gemüsiges, und so leicht, also eher grünes Gemüse oder sowas, ne? Mhm. Also auch eine grüne Frucht. So im Geschmack, aber.
Heiko 2:00:47
Im Geruch meinst du?
Marcel 2:00:49
Ja, lass es probieren.
Heiko 2:00:50
Bei der Nase bin ich mir jetzt noch unsicher.
Marcel 2:00:56
Ach doch. Auch solide, ne?
Heiko 2:00:57
Komm man, ist ganz süff. Kann man schon auch drücken? Ja, doch.
Marcel 2:01:03
Also nochmal ein Kontrast zu dem, was wir eben hatten, ne?
Heiko 2:01:06
Aber schmeckt auch, kann man schon, also schon ganz süffig irgendwie. Aber man hat hier auf jeden Fall das… Und man merkt, dass er auch frisch gekühlt ist.
Marcel 2:01:13
Ich muss den anderen mal schon wieder reinstellen, wenn wir länger reden. Also der ist auf jeden Fall wieder das Mineralische, hat man so da? Also spürst du das?
Heiko 2:01:19
Der Stein, ja. Ja, das wäre jetzt natürlich auch, wenn der schon Würzburger Stein heißt. Verwunderlich, wenn nicht.
Marcel 2:01:28
Ich hatte ehrlicherweise, den habe ich noch gar nicht getrunken. Ich hatte in der Vorrecherche eher den anderen gehabt, nämlich den staatlichen Hofköller Würzburg, der auch wiederum einer der beiden Varianten sein könnte, wo Goethe getrunken hat. und ich finde den ehrlicherweise tatsächlich ein bisschen besser, Der war nichts sagen, der hat schon irgendwie eine deutliche Säure. Also der hat wieder das Zucker auch an der Grenze trocken, 3,9 Gramm, obwohl man das gar nicht so spürt.
Heiko 2:01:54
4 Gramm war die Grenze, wenn ich mich richtig erinnere.
Marcel 2:01:56
Ja, genau, aber der hat eh wieder mehr Säure, also der hat irgendwie 6,5 Gramm Säure. Aber die ist sehr viel nochmal lebendiger.
Heiko 2:02:03
Also der schmeckt mir das süffig, aber gerade zu den anderen beiden, die wir davor haben, also einmal dein Backup an und der davor, merkt man schon irgendwie, die anderen waren schon irgendwie besonderer. der schmeckt, aber ihm fehlt, also ihm fehlt, jetzt tue ich es so, er wirkt weniger, also was anderes kann ich gerade nicht sagen, besonderer oder komplexer oder irgendwie so. Das ist halt ein netter Trinkwein.
Marcel 2:02:29
Ist auf jeden Fall, also der ist lustigerweise eigentlich auch preislich dazwischen, der kostet irgendwie jetzt 5,90, weil es jetzt kein Gutswein ist, das ist jetzt schon einer aus ersten Lagen, hatten wir ja vorhin so ein bisschen dieses Primärgrü. Vielleicht ist es so ein bisschen der Punkt, dass es jetzt Silvana ist. Ich weiß nicht, wie viel Silvana du schon getrunken hast, aber Silvana ist so als Rebsorte ein bisschen ruhiger.
Heiko 2:02:51
Ja gut, vielleicht liegt es ein bisschen daran, dass es einfach so im Direktvergleich einfach nochmal anders ist. Deswegen, vielleicht tue ich ihm da gerade ein bisschen Unrecht, Wobei ich ihm ja nicht unrecht will, er schmeckt mir ja wirklich.
Marcel 2:03:03
Also er ist zurückhaltender, nicht so laute Rebsorte, hat aber eine ähnliche Säure. Der kommt ursprünglich, also man hat ihn damals als Österreicher Rebe bezeichnet, weil die vermutlich aus Österreich nach Franken kamen. Wiederum in Österreich ist es eher eine Rebsorte, die dort also fast ausgestorben, also die ist ja jetzt nicht so üblich. In Österreich, ich hatte da jetzt irgendwie auch in Vorbereitung einen österreichischen Podcast gehört, wir hatten wiederum sehr wenig Berührungspunkte mit Silvanen, weil es die halt da nicht so typisch in den Läden oder Restaurants gibt. Aber es kommt eher daher. Und weil wir jetzt ja den Riesling drin hatten mit der Elternrebsorte, Tramina ist eben so hier so. Also hier ist der Tramina auch ein Teil.
Heiko 2:03:44
Das hatten wir bei dem anderen auch.
Marcel 2:03:46
Oder? Genau, ja. Und wir haben noch Österreich-Schweiß, kennt man jetzt vielleicht nicht so. Aber Riesling und Silvana sind sich insofern schon ein bisschen ähnlich, was die Eltern angeht. Also zumindest ein Elternteil ist sozusagen gleich wie bei den Göttern. Prinzipiell ist der Silvaner ein bisschen wie Unkraut im Weinberg also der treibt sehr schnell aus, ich hatte mir da auch einiges angehört also wenn es jetzt mal kalt ist und irgendwie dann Frost kommt, das ist auch eine Rebsorte die schnell mal wieder austreibt und man muss halt im Weinberg auch Arbeit investieren oder im Weingarten, also der muss ein bisschen gebändigt und zurückgeschnitten werden, weil der halt schon sehr gut abgeht der ist ein bisschen resistenter im Vergleich zum Riesling gegen Fröste, und gegen Fäulnis und auch wenn es nochmal regnet, ist der jetzt nicht so, Das ist beim Riesling ein bisschen anders. Also der kann auf jeden Fall keinen Frost ab, aber der ist ein bisschen resistenter, sagen wir mal so. Und vielleicht nochmal, in den 70er Jahren war das die Rebsorte, die am 60er, 70er Jahren, die am meisten angebaut worden ist in Deutschland. Mittlerweile ist das aber komplett umgekehrt. Also da haben wir eher den Riesling mehr. Riesling wahrscheinlich, ja. Ja, genau. Und der Silvana ist vor allen Dingen in Franken, ist die wichtigste Rebsorte in Franken. und das ist eigentlich auch so ein bisschen die Identität für Franken. Wobei man sagen muss, Rheinhessen baut mehr Silvaner ein, einfach von dem Hektar insgesamt.
Heiko 2:05:17
Von den Binnenalzern an.
Marcel 2:05:19
Ja, von den Binnenalzern.
Heiko 2:05:20
Genau.
Marcel 2:05:21
Aber wenn man jetzt quasi Identität der Region, dann ist der Silvaner wirklich eher in Franken verortet. Genau, und wir kommen, kommen wir nochmal zum Würzburger Stein. Wir sind in Würzburg natürlich, wir sind in Franken und du könntest auch jetzt mal das nächste Bild… Jetzt will ich schon wieder.
Heiko 2:05:39
Also ich fühle mich richtig hier so verkehrte Rollen sozusagen.
Marcel 2:05:42
Du hast mich schon wieder…
Heiko 2:05:45
Also jetzt soll ich hier das nächste Bild beschreiben, was du mitgebracht hast und was ihr jetzt, je nachdem welche App ihr in uns seht oder auf die Schauen ausklickt. Ich sehe einen, Hang, der, ich weiß nicht, ob es jetzt nur an der Fotografie liegt, aber es sieht deutlich enger bewachsen aus als auf dem Bild vorhin, aber vielleicht liegt es auch an der Perspektive. Natürlich wird es wenig überraschend, es ist auch wieder an einem Fluss und da unten ist eine Autobahn. Ist wieder der Rhein?
Marcel 2:06:13
Main.
Heiko 2:06:14
Ach, der Main diesmal. Und eine Autobahn, scheinbar geht er auch lang.
Marcel 2:06:20
Ja, sogar eine Eisenbahn, was auch sehr typisch ist. Es ist ja eigentlich am Rhein auch ähnlich oder auch an der Mose oder so, dass du immer eigentlich unten diese Straßen hast. Ich weiß nicht, ob du da schon mal irgendwo warst. Also es hat manchmal was sehr Romantisches, aber wenn du jetzt da jetzt am Fluss langfahren willst und ich komme ja auch von einem Fluss und da gibt es keine Straße, die an einem Fluss langführt, ist es schon auch immer laut. Also ich war jetzt selber auch noch nicht direkt jetzt am Würzburger Stein in der Lage, aber um mal einen Eindruck zu bekommen, wie es da aussieht. Die Lage ist 85 Hektar groß, also kleiner als der Rote Hang, also ungefähr die Hälfte von dem, was wir hatten vorhin. Und da wurde schon sehr früh auch fein angebaut, nämlich seit 779 tatsächlich schon, also wirklich sehr alt. Und im Gegensatz zum…
Heiko 2:07:08
Das war noch doch Karl der Große und so die Zeit, so wie ist das ja…
Marcel 2:07:13
Und im Gegensatz zum Roten Hang, wo wir ja dann mindestens da die 30 Weingüter hatten, die schon in dem Verein waren, haben wir hier sehr wenige Weingüter, die aktiv sind. Wir haben hier das Bürgerspital mit sogar ein Drittel der Fläche im Besitz. dementsprechend auch sehr wahrscheinlich, dass Goethe davon was getrunken hat. Wir haben das Julius-Spital und wir haben den staatlichen Hofkeller als die größten und das sind halt alles so Institutionen größeren, Bewirtschaftungen und dann haben wir nochmal kleinere Parzellen von Weingut am Stein und Weingut Mainzinger also es ist wirklich und Weingut Reis. Es gibt nicht so viel da, also es ist wirklich man kann jetzt auch nicht so viel andere Sachen zeigen, vielleicht unbedingt, sage ich mal so. Sondern, ja, ich habe gedacht, wir nehmen uns einfach den typischen. Und weil ich es vorhin am Anfang der Sendung, glaube ich, schon erwähnt hatte, dass es ein Steinwein getrunken wurde, nämlich im 20. Jahrhundert von 1540, also 400 Jahre alt. Also im 1950 oder 60 hat, ich habe jetzt…
Heiko 2:08:19
Da gab es irgendwas, wo mal…
Marcel 2:08:20
Das wurde verkostet, weil die haben teilweise im Keller noch 1540er Steinwein. Also richtig alten Weißwein. Das ist ja eigentlich auch eher nicht so typisch, dass man ihn so lange trinkt und der wurde noch als lebendig beschrieben. Geht scheinbar.
Heiko 2:08:34
Wenn man ihn richtig lagert. Vielleicht hatten die auch so ein Special Device, wo kein Sauerstoff trinkt.
Marcel 2:08:40
Keine Ahnung. Wir haben hier im Gegensatz zum rotliegenden eher Muschelkalk, weil da früher auch das Urmeer war und auch Muschelkalk, auch in Deutschland sehr verbreitet, sorgt für so eine typische steinige Mineralität. Wir sind hier auch wieder Richtung Süden, Südwesten und dementsprechend kriegt es auch wieder ganz gut Sonne. Ja, und prinzipiell Silvana und deswegen auch der Bezug zu Goethe. Es gibt auch natürlich andere Rebsorten dort. Also es gibt auch eine Scheurebe oder Riesling oder Müller-Torgo oder Rieslana. Also eine Mischung zwischen Riesling und Silvana dort.
Heiko 2:09:20
Brangelina.
Marcel 2:09:22
Größtenteils ist es halt Silvana und der wurde da schon seit 1665 gepflanzt. Dementsprechend ist das wahrscheinlich das, was Goethes Favorite war, muss man einfach mal sagen.
Heiko 2:09:34
Das hat schon irgendwie was zu wissen, dass wir hier sitzen und wahrscheinlich, also klar nicht der selbe Jahrgang logischerweise, aber schon irgendwie so ein Weintrinken, den buchstäblich er damals getrunken hat.
Marcel 2:09:43
Vitter nie. Ja.
Heiko 2:09:46
Okay. Wir hatten ja eben den Götz von Berlichingen. Kurz vor der Veröffentlichung begegnet er in Wetzlar Charlotte Buff. Sie ist bereits verlobt. Zwar mit einem Freund Goethes. Goethe verliebt sie trotzdem natürlich. Was natürlich auch zu Problemen führt. Und kurz darauf, er ist gerade über Charlotte hinweggekommen, verliebt er sich wieder. Und wieder in eine bereits vergebene Frau. Und zwar die 18-jährige Maximiliane La Roche, die den 20 Jahre älteren Kaufmann Pietro Antonio Brentano heiratet. Die Brentanos werden später nochmal im Zusammenhang mit einem ganz bestimmten Wein wichtig werden. Aber das haben wir dann im nächsten Teil erst. Wieder kam es zu Auseinandersetzungen, weil der Ehemann es wenig überraschend nicht gerne sah, wie Goethe seine Ehefrau umgarnte. Goethe und Maximiliane…
Marcel 2:10:36
Also er hat das mitbekommen.
Heiko 2:10:37
Ja, und Goethe und Maximiliane trafen sich so geheimlich. Also es war schon recht skandalös irgendwie. Also er hat jetzt nicht das größte Geheimnis daraus gemacht. Gleichzeitig kommt es in diesen Jahren zu einem Selbstmord und zwar eines Bekannten.
Marcel 2:10:48
Also das war wahrscheinlich ja noch nicht so üblich mit, man hat offene Beziehungen.
Heiko 2:10:52
Nein, absolut gar nicht. Dazu komme ich gleich tatsächlich auch noch witzigerweise, aber du greifst vor sozusagen unbewusst. So oder so, kommt es in diesen Jahren auch zu einem Selbstmord und zwar eines Bekannten, nämlich Karl Wilhelm Jerusalem. wahrscheinlich wegen der unerfüllten Liebe, möchtest du mal raten, zu einer bereits vergebenen. Natürlich, ich weiß nicht, was mit den Männern damals los war. Es war offensichtlich üblich, dass man sich verliebte in Frauen, die bereits vergeben waren.
Marcel 2:11:17
Ja, wahrscheinlich waren einfach alle vergeben, oder?
Heiko 2:11:19
Wahrscheinlich schon versprochen oder so. Das kommt sicherlich auch dazu, ja. Diese Erlebnisse jedenfalls, Goethes unerwiderte bzw. unmögliche Liebe zu Lotte und auch Maxi Ameliane und dann der tragische Suizid dieses Bekannten, Die verarbeitet Goethe dann literarisch in seinem Briefmoman, Die leidendes jungen Werther, den wahrscheinlich jeder im Deutschunterricht lesen durfte oder musste, wie auch immer. Also wie war das bei dir Marcel, das kennst du wahrscheinlich auch, Die leidendes jungen Werther.
Marcel 2:11:44
Ja, obwohl ich jetzt konkrete Textpassagen wahrscheinlich auch nicht so aktiv.
Heiko 2:11:48
Nein, das kriegt man jetzt auch nicht mehr zurück, aber ich glaube man kann in Deutschland nicht zur Schule gehen, ohne Die leidendes jungen Werther zumindest mal. grob gehört zu haben von. Der Roman erzählt vom sensiblen Werther, der sich leidenschaftlich in Lotte verliebt, obwohl sie einem anderen versprochen ist, natürlich. Und als er erkennt, dass diese Liebe keine Erfüllung finden kann, endet sein Leben in der Verzweiflung und schließlich im Selbstmord. 1774 erscheint Werther und es wird ein sensationeller Erfolg. Ganz Europa liest ihn. Es kommt zum sogenannten Werther-Fieber. Junge Männer kleiden sich wie Werther, sprechen wie Werther, sie leiden wie Werther. Ja, also während Götz ihn ja erstmal zum Shootingstar in Deutschland macht, also hat Werther ihn wirklich zu dem europäischen Star gemacht, sozusagen, wenn man das so will. Aber es kommt auch zu Nachahmungssuiziden. In Leipzig wird das Buch sogar verboten, weil es angeblich eine Empfehlung zum Selbstmord darstellen würde. Den Begriff, der heute noch damit in Verbindung steht, den kennst du wahrscheinlich, den Werther-Effekt. Hast du schon mal vom Werther-Effekt gehört? Nee, habe ich noch nicht.
Marcel 2:12:47
Ich finde es aber wieder bezeichnend. Ich meine, das hatten wir ja in der ersten Folge auch schon mit Sachen, die sich so anfühlen, wie könnte auch heute passieren. Das klingt ja eigentlich genau so.
Heiko 2:12:59
Genau, und deswegen bezeichnet man heute in der Psychologie den Zusammenhang zwischen Suiziden, über die in Medien ausführlich berichtet wurde, und einem Anstieg der Suizidrate in der Bevölkerung immer noch den Wertereffekt. Also das ist quasi ein psychologischer Begriff. Aus diesen Grundberichten, Zeitungen, heute tatsächlich möglichst eigentlich gar nicht von Selbstmorden, beziehungsweise nur so in Ausnahmefällen, wenn er irgendwie für die Öffentlichkeit von besonderem Interesse scheint und dann in der Regel immer mit so einem Hinweis unten so für Seelsorge-Telefonnummern und so am Ende der Berichtsschattung. Das offensichtlich in den Menschen irgendwie, wenn du über Selbstmorde sprichst, wenn du suizidale Gedanken eh hast, dich dazu verleitet, eher auch Selbstmord zu begehen. Spätestens jetzt jedenfalls ist Goethe also ein absoluter Star und bis zu seinem Lebensende wird er für viele immer so der Autor vom Werther sein, was ihn glaube ich auch ein bisschen ärgert. Selbst rund 30 Jahre später bei einem Treffen mit Napoleon Bonaparte, das ist der Napoleon, da wird er auf den Werther angesprochen. Napoleon soll das Buch siebenmal gelesen haben und das zeigt einfach, der Werther macht Goethe komplett berühmt und zwar europaweit in allen Ebenen. Deshalb konnte ich in dieser Folge jetzt natürlich über Goethes Leben nicht irgendwie am Werther vorbeigehen, auch wenn sich jetzt hier ehrlicherweise nicht wirklich Bezug zum Wein herstellen lässt. Das soll es aber auch vom Werther gewesen sein, aber weil das so das zentrale Werk ist, kann ich es nicht einfach ignorieren.
Marcel 2:14:10
Aber es geht wieder um Frauen.
Heiko 2:14:11
Das, genau, ja, immerhin um Frauen und wahrscheinlich hat er auch getrunken, während er es geschrieben hat, aber gut. Apropos Frauen, mal was Neues. Goethe genau verliebt sich nämlich wieder mal, diesmal in Lillie Schönemann, die Tochter eines reichen Frankfurter Bankiers. Parallel aber pflegt er eine sehr innige Brieffreundschaft mit der Gräfen Auguste von Stolberg. Ob diese Konstellation ihn jetzt zu seinem Theaterstück Stella inspiriert hat, ist nicht eindeutig, aber naheliegend, denn in Stella geht es um eine Dreiecksbeziehung zwischen Fernando, seiner Ehefrau Cecilia und seiner geliebten Stella, die für damalige Verhältnisse mit einem echten Skandal endet und zu Aufführungsverboten führte. Kannst du dir vorstellen, wie dieses Stück ausgeht?
Marcel 2:14:54
Nee, weiß ich nicht, weil, nee.
Heiko 2:14:57
Du hattest ja eben schon mal angesprochen, offene Beziehung so, die drei schließen am Ende eine Dreier-Ehre.
Marcel 2:15:02
Ehe?
Heiko 2:15:02
Eine Dreier-Ehe. Also für das 18. Jahrhundert war das schon irgendwie eine literarische Grenzüberschreitung.
Marcel 2:15:08
Aber das geht ja heute auch nicht, oder?
Heiko 2:15:09
Nee, Ehe nicht, aber heute würden wir wahrscheinlich irgendwie so polyamoröses Happy End oder so sagen. Also Ehe würde nicht gehen.
Marcel 2:15:15
Das stimmt.
Heiko 2:15:15
Also ich weiß nicht, ob es jetzt wirklich eine Ehe, also auf jeden Fall ist das einfach quasi eine Dreierbeziehung am Ende. Aber, dazu muss ich auch sagen, 30 Jahre später, 30 Jahre später, veröffentlicht er eine neue Fassung mit einem komplett anderen Ende. Wie glaubst du endet es da?
Marcel 2:15:30
Zwei.
Heiko 2:15:32
Also es gibt auf jeden Fall keine Spur von Happy End, sondern die titelgebende Stelle vergiftet sich und Fernando erschießt sich. Also es sind nicht mal mehr zwei übrig.
Marcel 2:15:39
Weil es einfach kein Happy End im Leben gibt oder was war die Botschaft?
Heiko 2:15:42
Ich weiß auch nicht, also es hat sich auf jeden Fall geändert. Mit Lilly Schönemann jedenfalls ist Goethe tatsächlich eine Zeit lang verlobt, aber auch diese Verbindung, du kannst es dir denken, scheitert. Vermutlich, weil sich eben der Freigast Goethe nicht in eben dieses bürgerliche Ideal eines geregelten Ehelebs fügen kann oder will, sagen wir so. In einem Brief an seine Mutter schreibt er sinngemäß, eine Ehe mit Lilly würde nicht zur Weite und Geschwindigkeit seines Wesens passen. Es gibt Hinweise, dass Goethe sogar erwog mit Lilly durchzubrennen, um irgendwie so diesem Druck der bürgerlichen Konvention zu entkommen, aber dazu kam es nicht. Denn dann kam Weimar. Karl August, der Herzog von Sachsen-Weimar Eisenach, der lädt ihn in seine Hauptstadt ein und für Goethe ist das die passende Gelegenheit, sich zu entziehen. Die Verlobung wird gelöst, er verlässt Frankfurt und tritt seinen Dienst in Weimar an, wo er später auch auf Schiller treffen wird, mit dem er eben gemeinsam das begründet, was wir heute als Weimarer Klassik kennen, aber zunächst, also das später, zunächst erweist sich Goethes Entscheidung nach Weimar zu gehen, zumindest aus schöpferischer Perspektive eher als unfruchtbar, denn er hatte ja Frankfurt verlassen, um so dem bürgerlichen Leben zu entkommen, also um frei zu sein, um kreativer arbeiten zu können, ohne gesellschaftliche Verpflichtungen, Aber stattdessen wird er in Weimar einfach zum Staatsbeamten. Und seine schriftstellerische Tätigkeit, die tritt deutlich in den Hintergrund. Ursprünglich war er vom jungen Herzog Karl August ohne konkrete Aufgabe eingeladen worden. So mehr so als eine Art geistiger Weggefährte, künstlerischer Berater, wie es sich eben für so einen aufgeklärten Fürsten eben gehörte. Karl August wollte sich eben mit klugen Köpfen umgeben. Und Goethe war zu diesem Zeitpunkt einfach so eine Art literarischer Shootingstar.
Marcel 2:17:21
Wie alt war er da?
Heiko 2:17:23
Da war er dann jetzt so 26, 24, 25, also Mitte 20.
Marcel 2:17:28
Immer noch frisch.
Heiko 2:17:29
Ja, es ist immer noch recht, recht frisch. Aber, wie gesagt, er wollte ihm eigentlich so ein bisschen mit sich umgeben, mit künstlerischen Figuren. Aber das schien nicht immer ganz im Vordergrund zu stehen, denn ganz offensichtlich verheerten sich die beiden und auch ihre anderen Freunde eben so, wie viele dumme junge Männer mit Hang zum Alkohol es so tun. Denn 1776 schreibt jemand an Goethes Freund Karl Ludwig von Knebel, Zitat, In Berlin hatte ich unter anderem einen Diskurs mit Himbog, der mir versicherte, Goethe und sein Busenfreund der Herzog führten das ausschweifendste Leben von der Welt. Wir würden wohl auch nichts mehr von ihm zu hoffen haben, weil er sich den ganzen Tag mit Brandwein besöffelte. Was diese Ausschweifungen und ja, ehrlicherweise auch den Hochmut der jungen Männer am Hof betrifft, so wird das auch durch andere zeitgenössische Zeugnisse deutlich. etwa in den Aufzeichnungen des Schriftstellers Johann Daniel Falk. Der schildert zum Beispiel, wie der Herzog, als mal so aller Wein und auch der Champagner ausgetrunken waren, so alle Weinreste zusammenschuttete, um noch wenigstens irgendwas trinken zu können. Bei einem anderen Anlass riss jemand so im Streit das gesamte Tisch durchsamt Speisen und Wein vom Tisch, woraufhin Goethe ihm sogar Flaschen hinterherwarf. Ein anderes Mal badeten der Herzog, Goethe und weitere Freunde nackt und sprangen aus dem Wasser, um einen vorbeigehenden Pfarrer oder auch Mädchen zu erschrecken und sie schikanierten einen einfachen Handwerker. All das, so Falk zumindest, sei allerdings angeblich nicht bloß Hochmut oder das stürmische Temperament von Jugendlichen gewesen, so ein bisschen Boys will be Boys mäßig, sondern angeblich auch Kalkül von Goethe mit dem Ziel, den Herzog zu einem Naturmenschen zu erziehen, also zu so einem roheren, ursprünglicheren Menschen, so jenseits von höfischer Künstlichkeit. Weiß nicht, geben wir ihm an dieser Stelle vielleicht mal den Benefit of the Doubt, Aber an sich wissen wir beide ja auch, wie bescheuert Junge und zudem besoffene Männer sein können. Natürlich nicht aus eigener Erfahrung.
Marcel 2:19:23
Klar, wir waren tief.
Heiko 2:19:26
Aber ja, besoffen war Goethe fürchte ich zumindest in diesen jungen Jahren durchaus das ein oder andere Mal. Und das Goethe generell sicher nicht zu wenig getrunken, das lässt sich ziemlich genau beziffern. Du hattest es ja schon angesprochen, eben diese Bestellung zu seiner Kur 1820, wo er eben für 30 Tage Aufenthalt einen Eimer Würzburger Stein bestellt. Und dieser Eimer ist ja nicht ein Eimer aus der Küche, sondern einfach ein Volumenmaß gewesen, was ungefähr, also sogar 68 Liter habe ich recherchiert, rauskam. So oder so sind das eben über zwei Liter pro Tag Wein.
Marcel 2:19:59
Habe ich auch. Ich hatte irgendwie, also so im Laufe des Lebens hatte er irgendwie ein bis drei Liter Wein pro Tag. Genau, genau. Also Liter, ne? Ja, genau.
Heiko 2:20:07
Also selbst wenn er so davon mit Freunden was geteilt haben wird, was ja wahrscheinlich ist oder so, kommt man auch durch andere Quellen und so, ist so auf ein bis zwei, ein bis drei Liter Wein pro Tag, die er da so konsumiert haben kann. Also wahrscheinlich mal mehr, weil weniger oder so. Aber er war auf jeden Fall trinkfest, sagen wir so.
Marcel 2:20:25
Um das jetzt nochmal einzubetten in die Zeit, weil irgendwie ist es ja scheinbar so ein bisschen, wiederholt sich das, um einen Kontext herzustellen in der Geschichte. Wir hatten ja schon Rom, wir hatten dann die 80er Jahre, wie viel getrunken worden ist. Ich glaube, es war in den 20er Liter in den 80er Jahren oder nahe 30. Wie viel war es zwischen 1500 und 1800? Pro Kopf wieder die Zahl.
Heiko 2:20:52
Wow. Also dann offensichtlich mehr.
Marcel 2:20:55
Ja.
Heiko 2:20:56
Also sagen wir mal so, wenn Goethe ein bis zwei oder ein bis drei getrunken hat.
Marcel 2:21:01
Vielleicht sind er schon 900 Liter. Genau, aber ich würde mal sagen.
Heiko 2:21:04
Dass er jetzt vielleicht auch ein bisschen viel, also er wird sicherlich mehr als in Deutschland. Aber weiß ich nicht, dann sind es schon auch wieder so um die 50 bis 80 oder?
Marcel 2:21:11
120 Liter.
Heiko 2:21:12
120 Liter.
Marcel 2:21:14
Also ich meine, Wein vielleicht war auch noch ein bisschen populärer oder so, aber.
Heiko 2:21:18
Ja.
Marcel 2:21:18
Es wird immer, ich meine, du bist ja der Mittelalter-Experte, weil immer, wenn ich darüber lese und ich habe gehört, dass das eigentlich nicht stimmt, dass man Wein getrunken hat, um das mit Wasser zu verdünnen, weil man ja Wasser nicht trinken konnte. Ich hatte immer gehört, dass es irgendwie Quatsch war. Wüsste ich jetzt auch nicht. Aber es wurde auf jeden Fall mehr Wein getrunken. Und wie viele seiner Gesamtausgaben hat er für Wein genutzt?
Heiko 2:21:39
Das weiß ich nicht.
Marcel 2:21:40
40 Prozent.
Heiko 2:21:41
Also hat fast die Hälfte seines Vermögens für Wein auszugeben. Wahnsinn.
Marcel 2:21:45
Hülte war schon ganz schön.
Heiko 2:21:46
Voll, aber irgendwie muss man trotzdem, also das klingt jetzt irgendwie krass und gleichzeitig muss man ja irgendwie sagen, er ist über 80 Jahre alt geworden und war auch bis ins hohe Alter irgendwie geistig fit. Naja, noch ganz, ganz viel ganz gegen Ende auch veröffentlicht. Also maße ich mir jetzt zumindest kein Urteil an. Ich würde nur seinen Konsum wahrscheinlich nicht jedem empfehlen. Aber uns würde ich an dieser Stelle vielleicht etwas Konsum empfehlen. Wenn auch mehr in Maßen und vielleicht den nächsten Wein mal trinken.
Marcel 2:22:09
Okay, wir bleiben jetzt beim Silvaner, aber wir gehen ein bisschen weg vom Würzburger Stein, sondern gehen ein etwas südlicher, so 20 Kilometer südlich hinunter am Main und sind jetzt in Sulzfeld.
Heiko 2:22:25
Ach da.
Marcel 2:22:27
Ja, und sind beim Zehntorf Luckert und trinken den roten Silvaner. Diesmal kannst du auch wieder eingießen.
Heiko 2:22:36
Vermute, weil du vorhin angekündigt hast, du trinkst nur Weißweine, dass der rote Silvaner kein Rotweiß. Genau. Kommt ja vom roten Hang, oder?
Marcel 2:22:44
Nein. Es gibt verschiedene Formen vom Silvaner. Es gibt roten, blauen, grünen und gelben. Wobei jetzt der rote Silvaner so eine eigene Rebsorte ist, deswegen steht auch roter Silvaner drauf. Der blaue auch ebenfalls. Und der grüne und der gelbe ist einfach der normale Silvaner. Also wenn du jetzt in einer Flasche das irgendwie abfüllst, dann ist es in beiden Fällen ein normaler Silvaner. Der rote Silvaner ist aber eine Besonderheit, deswegen habe ich den heute mitgebracht, weil ich den interessant fand. Also einerseits den Weingut, die ganz coole Silvaner machen. Die haben alle vier sogar im Angebot, was jetzt auch eher ein Unikat ist, dass du alle Silvaner tatsächlich ausbaust. Und andererseits wird der nicht so viel in Deutschland angebaut. Also wir haben 25 Hektar, bisschen größer als die Binnen.
Heiko 2:23:35
Ich verspreche dir, es ist so ein Running-Gag.
Marcel 2:23:37
Ich würde jetzt versuchen.
Heiko 2:23:38
Die Binnen-Alster immer wieder in meinen Folgen einzubauen.
Marcel 2:23:41
Oder wie so ein Standardweingut oder so. Also es ist wirklich von der Fläche her nicht so viel. Also es ist wirklich eine seltene Rebsorte. Und Lukert haben die auch aus dem Elsass in Bezug tatsächlich geholt. und dann jetzt relativ neu auch erst angepflanzt. Also das ist jetzt glaube ich ein 2024er. Der rote Silvaner ist eine Mutation vom blauen und also was der ursprüngliche ist. Der blaue Silvaner ist der ursprüngliche und der hat ein bisschen mehr vom Tramina drin, also von der Mutter Rebsorte. Dementsprechend sollte der etwas floraler, duftiger sein als der blaue Silvaner. Der blaue Silvaner interessanterweise sieht aus wie so ein Spätburgunder. Also ist wie so eine rote Rebstock. Also wenn du den am Rebstock siehst, sieht aus wie eine rote Haube. Ist dann noch irgendwie eine weiße. Und wenn jetzt mit der Schale den vermossen würde, würde der auch nicht rot werden. Der würde eher so rosé werden. Genau, das ist die Urform. Und der ist ein bisschen kräutriger. Also wir haben jetzt eher eigentlich duftiger im Glas. Kann man ja mal gucken.
Heiko 2:24:47
Also nicht wie der allererste, muss ich gestehen. Aber deutlich auch mehr in der Nase als in der davor. Aber es ist jetzt nicht so, als würde er in einer schlagen.
Marcel 2:24:57
Der ist eigentlich auch wieder zurückhaltend, ne? Ja, aber es passt ja.
Heiko 2:25:00
Du meinst ja, Silvana ist ja auch eher so eine Zurückhaltung.
Marcel 2:25:03
Im besten Falle wie so ein nasser Stein. So ein bisschen. Also, ich weiß nicht, ob du das sowieso…
Heiko 2:25:09
Ich kann damit leider wirklich nichts anfangen. Ich habe wirklich noch nicht an Steinen gelegt.
Marcel 2:25:13
Nicht gelegt, aber…
Heiko 2:25:14
Gerochen auch.
Marcel 2:25:15
Wenn es regnet, hast du doch manchmal auf der Straße auch einen unterschiedlichen Geruch auf der Straße. Ist dir das schon mal so aufgefallen?
Heiko 2:25:21
Also, ich weiß, dass… Weißt du, ich weiß, wie so Regen oder Regen riecht, aber mit dem Asphalt noch nicht so in Verbindung war.
Marcel 2:25:31
Hm. Der hat so eine Cremigkeit im Vergleich.
Heiko 2:25:38
Ich weiß nicht ganz, was du mit Cremigkeit meinst, aber er ist auf jeden Fall nochmal ein bisschen anders.
Marcel 2:25:43
Also er hat auch eine Säure. Wir haben jetzt irgendwie im Vergleich die wenigste Säure, 5,5 Gramm, also 5,3. Und das ist der trockenste jetzt mit 1 Gramm Restzucker. Aber ich finde, die Säure ist nicht so, also die ist sehr viel filigraner, ein bisschen softer, weißt du?
Heiko 2:26:07
Das ja, ich finde aber, und ich habe das Gefühl, jetzt weiß ich vielleicht das erste Mal, was du meinst mit Stein oder so, weil jetzt habe ich so vorne auf der Zoll, also jetzt wirklich das Gefühl, ich habe so diese schwarz-weißen, ich habe noch nie daran geleckt und ich weiß nicht, warum ich das damit assoziiere, aber diese schwarz-weiß gepunkteten, viereckigen Steine, die man so manchmal so irgendwie für so, also, ich habe keine Ahnung, warum das gerade bei mir die Assoziation ist und ich habe, ich verspreche, ich habe noch nie an so einem Stein geleckt, aber irgendwie passt das jetzt. Vielleicht hast du mir das auch so ein bisschen eingenutscht.
Marcel 2:26:38
Ja, ich kann dir das einreden, Heiko.
Heiko 2:26:42
Aber es schmeckt auch gut. Es sind also alle vier Weine, also klar habe ich dann wahrscheinlich am Ende einen Favoriten, aber es sind jetzt so wirklich wieder vier gute Weine, so viel kann man schon machen. Also ich kann schon auch verstehen, wenn das schon Goethe den ein bis drei Lieder, das ist übertrieben, das kann ich nicht verstehen, aber dass der den gern gekrunken hat, sage ich so.
Marcel 2:27:05
Ja, also ich mag den auch. Ich hatte eben auch mehrere probiert, hatte die vorher noch nicht so, also ist auch ein Name auf jeden Fall, hatte die aber vorher noch nicht im Glas gehabt und, auch sehr cooles Zeug, also in Sachen Silvana kann man die auf jeden Fall auch probieren. Was ich gerade meinte im Punkt, also fangen wir kurz nochmal an, also was so ein bisschen für den weintypisch ist. Wir haben wieder eine Handlese. Wir haben wieder Reben, die irgendwie reif gelesen werden. Das hatten wir im roten Hang schon. Die haben ein paar Stunden Maische hier, also sprich mit Schalen und so weiter. Das gibt ein bisschen Struktur. Also der ist jetzt, also merkt man auch, so ein bisschen Gerbstoffe auch. Also der ist so, der hat auf jeden Fall mehr Struktur als jetzt der davor, finde ich. Wir haben wieder spontane Gehrung, wir haben wieder auch Doppelstück-Holzfässer, also die großen. Und wenn man diese großen Fässer nimmt, du wunderst dich vielleicht auch, wir haben Barrique bis die Doppelstück-Fässer. Du kannst dir vorstellen, warum man die dann nimmt, also Holz und warum man so eine große nimmt.
Heiko 2:28:13
Nee.
Marcel 2:28:14
Also was macht Holz?
Heiko 2:28:17
Vanille.
Marcel 2:28:18
Naja, bestimmte Art kann auch Vanille geben, genau. Aber du hast einen Charakter vom Holz.
Heiko 2:28:24
Also man ist holzig, ja.
Marcel 2:28:26
Also in den Wein geht es rein. Wenn du die großen nimmst, hast du das natürlich nicht in diesem Ausmaß. Also in Barrique hast du das viel mehr als in so einem 2400 Liter fast, kannst du dir vorstellen.
Heiko 2:28:36
Also man will nicht, dass es so holzig wird.
Marcel 2:28:38
Du willst aber dennoch die Vorteile vom Holz nehmen, nämlich dass da ja so ein gewisser Austausch ist. Also es ist ja nicht ein Stahltank, es ist quasi Wasser.
Heiko 2:28:48
Also Stahltank ist der auch.
Marcel 2:28:49
Ich auch. Luftdicht. Aber Holz hast ja so ein bisschen Austausch schon und diesen Effekt, der trägt ja positiv zur Reifung bei. Das heißt, wenn du so große Fässer nimmst, hast du prinzipiell nicht den Holzcharakter, aber ein bisschen den Austausch, ein bisschen Kontakt mit der Luft, minimal. Deswegen auch teilweise der Korken, dass es nicht so ganz verschlossen ist. Dann haben wir hier biologischen Säureabbau. Bezeichnet man dann auch so, ist aber das, was ich in der ersten Folge hatte, zur malulaktischen Gärung. Also prinzipiell die Umwandlung von Apfelsäure in Milchsäure. Sprich von dieser etwas schärferen zu sehr ein bisschen weicheren. Und das macht auch so die Cremigkeit aus.
Heiko 2:29:32
Ich weiß leider wirklich nicht, was du mit Cremigkeit beim Wein machst. Damit tue ich gerade. Es ist ja jetzt nicht Milch. Es schmeckt ja nicht wie…
Marcel 2:29:40
Nee, aber die Säure ist nicht so… Also die anderen, die hatten schon… Also da hat der Zucker ein bisschen mehr gespielt, aber der ist jetzt super trocken. Der hat jetzt nicht so eine scharfe Säure, wie so ein bisschen weichere Säure, vielleicht so ein bisschen milder. Genau, und das ist quasi ein ganz natürlicher Prozess. Das ist sozusagen die zweite Gehrung, die irgendwie so stattfindet, wird teilweise auch komplett verhindert. Es gibt irgendwie Winzer, die sagen, das will ich nicht. Und das kann man verhindern, wenn man zum Beispiel früher schwefelt. Also wenn du früher Schwefel reinpackst, dann wird das verhindert, dann bleibt der Wein, wie er ist. In dem Falle wird dieser Effekt genutzt und Zehntuf, Luckert, die machen das mit allen Weinen gleich. Also das, was wir jetzt hier im Glas haben, ist so eine typische Geschichte, die die eigentlich mit allen Weinen ähnlich machen und dann lebt es halt von den unterschiedlichen Lagen, die sie haben. Auch wieder vegan, vielleicht nicht groß filtriert oder nicht günstig. Die gibt es nicht seit 13 Generationen, wie wir vorhin gehört haben, bei dem ersten, sondern erst seit den 60er Jahren. Da hat der Großvater, Luke, angefangen mit der Großmutter. Ich mache es aus der Perspektive vomjenigen, der es heute mit übernimmt, nämlich der Philipp. Die haben so den Hype in Franken gerochen. Es gab in den 60ern so ein Ding, dass die Weine einfach teuer waren und die sind da irgendwie so interessant, machen wir mal. Die haben auch so Landwirtschaft vorher gemacht und haben dann einfach mit dem Weinbau auch angefangen, haben das erst im Wohnhaus gemacht und haben sich später diesen Zehnthof gesichert. Also vorher war das irgendwie wirklich da in der Siedlung und dann später haben sie sich nochmal einen eigenen Weingutsort gesucht und das war dieser Zehnthof und dementsprechend haben sie das mit in den Namen genommen, weil Lukert wohl dort in der Region ist so wie Meier. Alle heißen Lukert Und dementsprechend ist das ein bisschen ein Differenzierungsmerkmal.
Heiko 2:31:30
Müller, Meier, Schulz, Schmidt.
Marcel 2:31:33
Wurde aufgebaut von dem Großvater, der ist in den 90er Jahren verunglückt beim Autounfall. Heute ist da der Vater Wolfgang, Onkel Ulrich und der Sohn Philipp am Werke. Und die entscheiden zusammen. Der Sohn Philipp wird das halt zukünftig natürlich übernehmen. Und das ist derjenige, der natürlich auch viel kommuniziert und dann auch in den diversen Podcasts unterwegs ist. kann man sich gerne auch anhören, habe ich auch ein paar Links reingepackt in die Quellen. Die bewirtschafteten 20 Hektar, also wieder, das ist irgendwie immer so in dem Range, also außer, die sind dann besonders größer. Hatten wir jetzt bei dem vorherigen, weiß ich gar nicht, ob wir es erwähnt hatten, die haben dann schon sehr viel mehr, die haben schon über 100 Hektar oder so, 120 Hektar oder sowas gehabt. Das ist jetzt irgendwie ein Familienbetrieb. Natürlich auch viel Arbeit in den Weingärten, Weinberg, aber dennoch nicht ein Riesenbetrieb. Die sind schon sehr früh im VDP auch gewesen, seit den 70er Jahren, was auch ungewöhnlich ist. Wir hatten ja vorhin gehört, bei Battenfeld Spanier, Klingelio, das war eher sehr viel später. Und der Philipp, der das jetzt mit zukünftig übernimmt, also nicht allein, wie ich sagte, war schon auch als Kind begeistert im Weinberg. Das ist ein bisschen was auch Goethe, der war ja auch als Kind dann gerne im Garten und im Keller und hatte da Postierungen.
Heiko 2:32:45
Weinberg, was er hat.
Marcel 2:32:48
Also kann man sich ja vorstellen, wenn man das irgendwie so übernimmt, gibt es ja vielleicht in der Familie auch mal, wo man, ich will damit nichts zu tun haben, Momente. War bei ihm wohl nicht so. Nur mal so Stationen, die er genommen hat, ist ja immer so diese Ausbildung. Klar war er in Geisenheimen gewesen, aber er hat auch eine Ausbildung gemacht bei Weingut Fürst, die auch in Franken so für das Erstklassigen Silvaner stehen. Bei Christmann in der Pfalz oder Hürzberger in Wachau, also in Österreich. Er hat sich schon so Sachen rausgesucht, die ein hohes Niveau haben. Schon Weingüter mit Namen und so im klassischen Stil. Also sie haben jetzt ja heute alles quasi Wein getrunken, was auch eher so klassisch ist.
Heiko 2:33:29
Was auch irgendwie passt. Wir hatten ja in der zweiten Folge, in der letzten Folge eher die Funky-Weine und jetzt mal eher ein bisschen klassischer. Das passt ja auch irgendwie, dass wir da so mal alle Perspektiven beleuchten.
Marcel 2:33:40
Bei Wittmann war er auch noch gewesen. Wie gesagt, hatte ich glaube ich vorhin auch schon. Hast du vorhin erwähnt.
Heiko 2:33:43
Die gehören ja dazu den Hangvereinigungen.
Marcel 2:33:47
Und auch 2009 auf Bio umgestellt. Dementsprechend ist es da auch schon ein bisschen länger verankert. Und man weiß, dass man sich darum um die Arbeit im Weingarten bemüht. Und wir haben eben so, wie wir es davor hatten, weil es ja ein bisschen weiter runter vom Meinen ist, auch wieder Muschelkalk, gelben Kalkstein. Also eher wirklich das Mineralische, was wir hier merken. Und ich weiß nicht, ob ich es vorhin erwähnt habe. Wir haben ja auch die Gröhe gehabt, die sehr viel verschiedene Weine machen. Kühling-Gilbert war ja etwas fokussierter. Und hier haben wir auch eher fokussiert. Größtenteils haben wir hier Silvana. Wirklich. Also es macht einen großen Anteil aus. Und dann haben wir ein bisschen Burgunder und Riesling. Der Philipp macht ein paar Rotweine, die man sicherlich auch mal probieren könnte. Genau. Aber ich mag die sehr. Also die kann man von denen kann man auch direkt abhofft bestellen. Ja.
Heiko 2:34:40
Schön, ja spannend. Und auch wie gesagt, schmeckt wirklich gut.
Marcel 2:34:44
Wie gesagt, es ist heute ein bisschen anders als davor. Bis heute bei allen gehst du mit.
Heiko 2:34:49
Ja, irgendwie. Also ich fühle mich auch fast schämen. Ich glaube, man merkt das jetzt. Das ist auch das, was ich in der letzten Folge häufiger gesagt habe, dass ich glaube, ich fand die alle gut. Aber ich glaube, ich habe noch nicht so den bisher, ich glaube, ich muss halt häufiger probieren, diesen Zugang zu diesen progressiven, funky Weinen, die halt auch ein bisschen anders sind. Ich möchte gar nicht sagen, dass ich jetzt ein konservativer Weintrinker bin oder so, Aber natürlich sind die heute ein bisschen klassischer. Eher so, was man auch erwartet, wenn man einen Wein trinkt. Die anderen waren halt einfach anders, was nicht schlecht ist, aber für mich eher so unerwartet. Deswegen war ich wahrscheinlich erstmal auch noch nicht so mega begeistert. Und heute schmecken die einfach, weil die doch ein bisschen klassischer sind. Könnte ich nicht anders sagen.
Marcel 2:35:27
Ja, obwohl man, wie ich schon meinte, weil ich glaube, alle, also zumindest drei, sind auf jeden Fall auch auf der Seite, dass man sagt, okay, man schätzt so ein bisschen Arbeit, Weingarten im Weinberg selber und Naturwein heißt halt, also es muss ja nicht immer heißen, du machst halt einfach nur kein Schwefel rein, sondern es geht ja auch darum, dass du halt wirklich ein bisschen Liebe in der Produktion oder im Weinberg selber hast und dann auch dementsprechend sehr viel näher an Naturwein sein kann, weil letztendlich ist es ja auch ein Naturprodukt. Also ich glaube, das ist abzustellen, nur auf das, es gibt so ein paar Methoden, die ich auch wiederum Italienreise referenzierend, auch ganz klare Meinung gehört dazu. Aber es ist halt nicht immer nur dieses eine, wo das das ausmacht und das heißt auch nicht, weil jetzt irgendwie alle das mögen, dass man das jetzt auch irgendwie auch mögen muss oder so. Ich glaube, man kann irgendwie Sachen interessant finden oder so, aber es ist keine Wertung da drin oder so.
Heiko 2:36:22
Ne, genau, also spannend fand ich es ja trotzdem. Und sie haben ja auch geschmeckt, aber es war jetzt halt anders. Aber zurück nach Weimar. Goethe bekommt recht bald auch ein offizielles Amt. Er wird geheimer Legionsrat und wenig später Mitglied des geheimen Konsiliums, aber das klingt geheimnisvoller, als es ist. das eigentlich quasi nur die oberste Behörde des Herzogstums. Und hier erhält er dann auch seinen Adelsrang und wird von Johann Wolfgang Goethe zu dann Johann Wolfgang von Goethe, wie wir ihn jetzt kennen. Mit OE, das hatten wir ja schon vorher. Und jetzt auch mit von. Also so hat man die Entwicklung von den Goethes.
Marcel 2:36:53
Könnte ich auch mal. Mach mal von Schröder.
Heiko 2:36:57
Sein Zuständigkeitsbereich, vor allem sind wirtschaftliche Angelegenheiten, Bergbau, Infrastruktur, Verwaltung. In seinen ersten zehn Weimarer Jahren veröffentlicht Goethe relativ wenig, aber das, was er schreibt, ist bedeutend, zum Beispiel Ephigenia auf Tauris. Und genau da sieht man, wie sich Goethe literarisch weiterentwickelt. Ich hatte es beim Götz ja schon angedeutet, der Sturm und Drang wandte sich bewusst von den antiken Traditionen ab, er rebellierte gegen die starren Formen und Regeln zugunsten von Gefühl, Emotionalität, dem buchstäblichen stürmischen Drang eben, wenn man so will, und weg von der reinen Rationalität der Aufklärung. Mit der Ephigenie aber kehrt Goethe dann ausgerechnet zu einem antiken Stoff zurück, aber das nicht so als Rückschritt, sondern eher so als bewusste Neuausrichtung. Er beginnt das Antike mit eigenen Augen zu sehen, nicht so als starres Ideal, sondern mehr als Modell für Maß, Humanität und Harmonie. Genau das wird später dann eben die Weimarer Klassik prägen, also das Ideal einer ausgewogenen Verbindung von Gefühl und Vernunft, von Schönheit und Moral, von freier Individualität und gesellschaftlicher Verantwortung, Pflicht und Neigung vereinfacht dargestellt, verwirklicht sich hierher. das Ideal einer Balance aus Gefühl und Vernunft. Während der Sturm und Drang eine Protestbewegung war, die stark auf Spontanität und Emotionen setzte, so ein bisschen als Gegenentwurf zur vernunftgetriebenen Aufklärung, wird eben jetzt die Weimarer Klassik zusammen dann mit Schiller, aber dann dazu in der nächsten Folge mehr. Zur Gestaltungsbewegung, die diese Synthese wirklich tatsächlich herstellt. Man könnte auch sagen, Goethe wird älter, er wird reifer, vielleicht auch so ein bisschen durch sein Beamtenleben gezähmt. Das sagt er sogar ein bisschen selbst, so als eben schon Anfang der 80er Jahre Freunde und Familie eigentlich zu so einer Flucht aus Weimar bewegen wollen, weil sie sich Sorgen machen, weil er eben stark abnimmt und schwächelt und so und ihm das Politikleben irgendwie einfach nicht so gut zu tun scheint, wehrt er sich dagegen und sieht diese Zeit als wichtig für seine Persönlichkeitsentwicklung, weil er, wie Safranski es dann formuliert, durch Pflicht und Aufgaben gezwungen war, mehr Welt in sich aufzunehmen. Das andere berühmte Werk, das er in der Zeit veröffentlicht, ist dabei interessanterweise ein Werk, bei dem er sich aber eher ganz und gar unweltlichen Dingen hingibt, nämlich seine Ballade, der Erlkönig. Den kennst du wahrscheinlich, Marcel.
Marcel 2:39:08
Ja, auf jeden Fall.
Heiko 2:39:09
Weißt du, wie die ersten Zeilen sind, die berühmten?
Marcel 2:39:11
Ach nee, mit so…
Heiko 2:39:13
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater seinem Kind. Er hat den Knaben wohl in den Arm. Er fasst ihn sicher. Er dit warm. Mein Sohn, was birgst du? So bang dein Gesicht. Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht, den Erdenkönig mit Kron und Schweif. Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. und so weiter.
Marcel 2:39:31
Also das fand ich tatsächlich irgendwie, das ist emotional, dieses Ding da, also.
Heiko 2:39:37
Wie emotional? Achso, wegen das ganze Gedicht, ja.
Marcel 2:39:41
Also ich fand ich, also den habe ich irgendwie sehr in Erinnerung. Ich glaube, den hatten wir auch wieder nochmal im Musikunterricht oder so gehabt und mein Sohn hatte das Thema auch mal. Also so, ja, rein, wenn dein Kind da steht.
Heiko 2:39:57
Und auch hier ist es tatsächlich so, dass sich Goethe anders als die Balladen aus der Sturm- und Drangzeit, die sich dann eher vorwiegend der Liebe widmet, hier erstmal der Natur und besonders der magischen Natur zuwendet. Also auch wenn man Goethes Werke heutzutage in der Schule so durchexerziert und vielleicht nicht immer gleich so die Besonderheit von Goethe versteht, mir ging das da trotz Deutsch-Leistungskurs damals wahrscheinlich nicht anders, man muss einfach anerkennen, was für ein Pionier er einfach immer wieder war. Also mir ist das ganz ehrlich auch erst so bei der Recherche zu dieser Folge so richtig klar geworden. Ich weiß gar nicht, man hat das in der Schule gar nicht so deutlich gemacht. Goethe war eigentlich immer mit der Erste, der mit Konventionen gebrochen hat, neue Wege eröffnet hat und damit die Literatur seiner Zeit einfach nachhaltig geprägt hat. Also ich muss sagen, so als netter Nebeneffekt unseres kleinen Podcasts habe ich so ein bisschen meine Begeisterung oder Faszination für Goethe oder zumindest sein Werk neu oder überhaupt erst entdeckt. Also das fand ich schon spannend. aber einerlei. In seiner Zeit in Weimar, wie könnte es anders sein, verliebt sich Goethe wieder. Deswegen, vielleicht nennen wir die Folge wirklich Goethe, die Frauen und der Wein. Diesmal jedenfalls in Charlotte von Stein eine.
Marcel 2:41:03
Stein, hallo.
Heiko 2:41:04
Achso, hier wird es sogar Stein. Charlotte von Stein eine, du errätst es fast, verheiratete Dame.
Marcel 2:41:10
Ach was.
Heiko 2:41:11
Des Hofes, sie bildet, kultiviert, feinsinnig und zwischen den beiden entsteht so eine enge, vielschichtige Beziehung, emotional, intellektuell, aber wohl nicht körperlich. Also zumindest gibt es keine Belege dafür. Goethe.
Marcel 2:41:22
Ende 20 oder was ist das hier da?
Heiko 2:41:25
Ja, das kommt hin. Goethe, ja, nee, das ist schon fast 10 Jahre später, also eher Anfang 30.
Marcel 2:41:31
Okay.
Heiko 2:41:32
Anfang, Mitte 30. Goethe jedenfalls empfindet mehr als bloße Freundschaft, Charlotte jedoch weist seine Annäherungsversuche offenbar zurück, wohl auch, weil sie als verheiratete Frau wusste, dass sich mehr als so platonische Nähe nicht schickte und so ist Goethe wieder einmal innerlich zerrissen, nach außen der pflichtbewusste Beamte, innen aber der künstlerisch Unbefriedigte, weil lange Zeit nicht viel veröffentlicht und auch vor allem liebeskranke Dichter. Er scheint in dieser Zeit wirklich mit düsteren Gedanken zu ringen. Zwischendurch warnt er zum Beispiel seine Mutter in einem Brief davor, dass er möglicherweise vor ihr aus der Welt scheiden würde. Und an Charlotte von Stein schreibt er mit Bezug auf den Werther, dass der Verfasser, und das ist ja eigentlich er selbst, sich eigentlich nach Beendigung der Niederschrift hätte selbst erschießen sollen.
Marcel 2:42:13
Aha, voll die Krise.
Heiko 2:42:14
Also man merkt 1786, also zehn Jahre nach seiner Ankunft in Weimar, hält er es nicht mehr aus. Die physisch-moralischen Übel, wie er selbst schreibt, hätten ihn zu sehr gequält. Er bricht aus Weimar auf und man erkennt wieder das Muster, natürlich ohne sich zu verabschieden. Heimlich, ohne Erlaubnis des Herzogs, ohne sich von Charlotte oder vom Hof oder irgendjemandem zu verabschieden, reist er nach. Wohin? Italien. Ein Befreiungsschlag. Ganz bewusst, um sich selbst zu beweisen, dass er kein toter Autor, kein so ein reiner Beamter ist, sondern so ein lebendiger, kreativer Künstler. Sein Reisegepäck besteht hauptsächlich aus vielen unvollendeten Manuskripten, zum Beispiel auch die Ephigenie, die bisher nur in Poserform veröffentlicht wurde und noch in ein Bühnenstück übertragen werden muss. Und so flieht er dann regelrecht raus aus der Enge des Hoflebens, raus aus der deutschen Pflicht, hinein in die Weite des Südens, in den Genuss des italienischen Paradieses. Und wie könnte es anders sein? Natürlich zu gutem Wein. Aber diesen Wein, den trinken wir erst beim nächsten Mal, beim Abschluss unseres großen Goethe-Zweiteilers. Jetzt würde ich sagen, können wir noch einmal kurz die Beine von heute reflektieren.
Marcel 2:43:23
Revue passieren lassen.
Heiko 2:43:24
Genau.
Marcel 2:43:24
Wollen wir nochmal eingießen oder was?
Heiko 2:43:25
Ja, ich würde, glaube ich, den Nierstein, den zweiten.
Marcel 2:43:31
Gut, dann gieße ich dir nochmal einen zweiten davon ein.
Heiko 2:43:34
Sehr gerne. Ohne zu kleckern diesmal.
Marcel 2:43:38
Ja, das geht.
Heiko 2:43:39
Und trotzdem genauso voll wie beim ersten. Wofür entscheidest du dich?
Marcel 2:43:44
Probier einfach mehr und ich gieße dir das Glas voll. Entschuldigung.
Heiko 2:43:48
Also ich glaube, ich werde jetzt den Bürgerspital.
Marcel 2:43:53
Bürgerspital, einfach weil ich den dann doch anders fand als den vom Hofkeller und eher überrascht.
Heiko 2:44:00
Schön, dir gießt du so einen Tropfen ein und mir machst du das Glas voll.
Marcel 2:44:03
Ich habe einfach ganz normale Situation angenommen, Heiko. Ich habe jetzt das quasi außerhalb der Podcast-Situation gesehen, da will ich dir jetzt nicht nur einen kleinen Winz-Schluck eigentlich. Ja.
Heiko 2:44:16
Also ich glaube, man merkt, dass der jetzt schon ein bisschen steht. Er könnte ein bisschen kälter sein bei mir, aber er schmeckt schon einfach wirklich gut. Ich glaube, das ist schon…
Marcel 2:44:24
Das wäre dein Favorite?
Heiko 2:44:25
Der, oder vielleicht, das ist ein bisschen schwierig, weil der eigentlich gar nicht zu Güte passt, eigentlich vielleicht sogar der Backup. Aber die beiden auf jeden Fall eigentlich wäre, glaube ich, mein Favorite. aber an sich fand ich alle wirklich gut.
Marcel 2:44:40
Ich muss nochmal den Gerül.
Heiko 2:44:43
Das war der erste richtig der war ja am stärksten in der Nase das fand ich ja wirklich ist der auch immer noch oder lag das vielleicht auch einfach weil es der erste war ich rieche mal an deinem Glas, also es ist schon weniger geworden aber ich finde schon immer noch es ist nicht mehr ganz so eine krasse Explosion in der Nase jetzt, Aber der ist schon immer noch sehr, man merkt sofort, das ist ein Riesling in der Nase.
Marcel 2:45:09
Und der hat auch am meisten Spritzigkeit.
Heiko 2:45:13
Also das waren wirklich, hat mich überzeugt, die Beine. Ansonsten mit dem Blick auf die Uhr merke ich gerade, dass wir noch mal mehr geworden sind. Wir haben es ja schon in zwei Teile aufgeteilt.
Marcel 2:45:26
Muss ich kurz erzählen, also wir sind immer ein bisschen weiter in der Vorbereitung. ich bin glaube ich schon bei Folge 6 und ich bin bei der nächsten gewesen das, Also wir haben irgendwie vor einer Weile gesprochen und gesagt, okay, das müssen wir irgendwie in zwei Teile machen, das wird sonst zu viel und selbst das.
Heiko 2:45:45
Selbst das merken wir gerade, ist zu viel. Also gebt uns doch gerne Feedback, wie ihr das seht, ob ihr euch eher kürzere Folgen wünschen würdet, knackigere, ob das für euch okay ist, wenn die länger sind, weil ihr eh nicht am Stück zum Beispiel hört und das selber entscheiden könnt, wie ihr das hört. Weil ansonsten haben wir schon überlegt, einfach so eine Folge, die jetzt nicht unbedingt zwei, also aktiv zwei draus zu machen, sondern einfach in zwei Teilen zu veröffentlichen. Da werden ja jetzt nicht jedes Mal ein Cold Opener und ein Opening und Ending, sondern einfach sagen, wir nehmen eine Folge auf, aber die bringen wir halt in zwei Teilen oder so raus. Das hat jetzt bei Goethe natürlich jetzt noch nicht geklappt. Außer, dass es eh in zwei Teilen war. Aber gebt uns da gerne Feedback. Und ansonsten mit Hinblick auf die erste Folge und unsere Verlosung. Wir haben ein paar E-Mails und ein paar Kommentare auf verschiedenen Wegen tatsächlich bekommen und er werden unter diesen Einsendern jetzt die Weine verschicken. Vielen Dank für eure Teilnahme. Ansonsten, wie gesagt, mit Blick auf die Uhr würde ich sagen, das war unser heutiger Schluck aus der Geschichte.
Marcel 2:46:40
Machen wir den Sack zu und man muss vielleicht sagen, nächste Folge haben wir nochmal Goethe, aber wir werden nochmal ganz anderen Wein machen. Wir werden beide dann da gewesen sein in der Region, worüber wir sprechen werden.
Heiko 2:46:53
Genau, ich werde auch auf deinen Spuren wandeln sozusagen, nachdem du auf Goethes Spuren gewandelt bist und bin sehr gespannt und deswegen buchstäblich mehr Geschichte gibt es im nächsten Glas.
Marcel 2:47:05
Dann Prost.
Heiko 2:47:06
Prost.
Marcel 2:47:11
Okay, das war ein falsches Spiel. Okay, in dem Fall sagen wir einfach Tschüss, danke, dass ihr so lange dabei wart und bis zum nächsten Mal.
Heiko 2:47:24
Prost.

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