GIG004: Goethe (2) in Italien und Reifejahre | Im Glas: Lacryma Christi und Aglianico

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Heiko

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Hintergrund zur Folge ↓
Die verkosteten Weine ↓
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Wie ein Wein, der zur Reife kommt, entfaltet sich auch Goethe in dieser Folge: Wir begleiten ihn auf seiner Flucht nach Italien, wo Sonne, Kunst und Wein ihn verwandeln. Zurück in Weimar erlebt er Liebe, Freundschaft, Revolution mit Napoleon – und findet im legendären „Elfer“ und im „West-östlichen Divan“ seinen späten Ausdruck von Rausch, Maß und Dichtung. Dazu trinken wir Rotwein vom Vesuv: Lacryma Christi und Aglianico.

Shownotes zur Episode




Hintergrund zur Folge

In dieser Episode begleiten wir Goethe auf seiner transformativen Italienreise, erleben seinen Alltag im napoleonischen Europa und tauchen ein in sein spätes dichterisches Schaffen.

Goethes Italienreise 1786: Flucht nach Süden und Wiedergeburt in Rom

Im Herbst 1786 verließ Johann Wolfgang von Goethe heimlich Weimar und brach zu seiner legendären Italienreise auf. Ämter, Erwartungen und emotionale Verstrickungen (nicht zuletzt Charlotte von Stein) waren zum Korsett geworden. Unter dem Decknamen Johann Philipp Möller reiste der bereits berühmte Dichter inkognito über den Brenner nach Süden. Die Reise führte ihn durch die Weinberge Südtirols, wo er erstmals die mediterrane Rebkultur erlebte und in seinem Tagebuch ausführlich beschrieb. Über Verona und Venedig erreichte Goethe schließlich Rom, wo er fast ein ganzes Jahr blieb und von einer „wahren Wiedergeburt“ sprach.

Gemälde der Weinernte in Südtirol: In einer sonnigen alpinen Landschaft ernten Menschen Trauben zwischen Rebstöcken und grünen Wiesen; im Hintergrund ein Dorf mit Kirchturm und dahinter hohe, teils schneebedeckte Berge unter einem wolkigen Himmel.
„Weinernte in Südtirol“ von Eduard Schönfeld

In der ewigen Stadt widmete er sich intensiv der Kunst, nahm Zeichenunterricht und vollendete literarische Werke wie „Egmont“ und die Versfassung der „Iphigenie auf Tauris“. Die italienische Landschaft mit ihren Weingärten, Olivenhainen und der milden Luft prägten Goethes Naturverständnis nachhaltig. Der Wein begleitete ihn auf dieser Reise nicht als Rausch, sondern als selbstverständlicher Teil einer harmonischen Lebensordnung.

Lachryma Christi vom Vesuv: Goethes Lieblingswein aus Neapel

Während seiner Italienreise führte Goethes Weg auch nach Neapel, das er als Paradies beschrieb. Hier bestieg er den Vesuv und durchquerte dabei Weinberge, aus denen ein ganz besonderer Wein stammt: Lachryma Christi, die „Träne Christi“. Dieser Wein vom Vulkanhang des Vesuvs hinterließ bei Goethe einen so bleibenden Eindruck, dass er sich ihn später nach Deutschland liefern ließ. Historische Lieferscheine und Bestellungen belegen Goethes Vorliebe für diesen kampanischen Wein.

Die vulkanischen Böden am Vesuv verleihen dem Lachryma Christi seinen charakteristischen mineralischen Geschmack. Der poetische Name des Weins passte perfekt zu Goethes romantischer Naturbetrachtung. Noch heute gilt der Lacryma Christi del Vesuvio DOC als einer der bekanntesten Weine Kampaniens und erinnert an Goethes intensive Begegnung mit der neapolitanischen Kultur und Lebensfreude.

Der Elfer – Goethes Kometenwein aus dem Rheingau

Der legendäre „Elfer“ oder „Eilfer“ war Goethes absoluter Lieblingswein. Es handelte sich um einen Riesling aus dem Rheingau vom Jahrgang 1811, dem sogenannten Kometenjahr. Bei seiner Rhein-Main-Reise 1814 besuchte Goethe den Rheingau und schwärmte ausdrücklich vom Elfer aus Rüdesheim. Zu seinem 65. Geburtstag wurde dieser Wein in rauen Mengen ausgeschenkt – so sehr, dass Goethe den Folgetag verkatert im Bett verbrachte. Die Familie Brentano versorgte ihn regelmäßig mit diesem „flüssigen Gold“, wie er es nannte. Der Wein aus dem außergewöhnlich warmen Jahrgang 1811 galt als besonders hochwertig und wurde zur literarischen Muse.

Napoleon und Goethe: Eine ungewöhnliche Bewunderung

Während viele deutsche Intellektuelle Napoleon ablehnten, bewunderte Goethe den französischen Kaiser als „höchste Erscheinung der Geschichte“. Nach der verlorenen Schlacht bei Valmy 1792 und dem Einmarsch französischer Truppen in Weimar 1806 arrangierte sich Goethe pragmatisch mit der neuen Ordnung. Bei einer persönlichen Audienz 1808 diskutierte Napoleon mit Goethe über den „Werther“ und erwies sich als begeisterter Kenner des Romans. Als Anerkennung verlieh Napoleon Goethe die Ehrenlegion, Frankreichs höchste Auszeichnung. Diesen Orden trug Goethe auch nach Napoleons Sturz weiter – sehr zum Missfallen vieler Zeitgenossen.

Während in Deutschland der Patriotismus aufflammte, blieb Goethe skeptisch gegenüber nationalistischen Strömungen. Seine Bewunderung für Napoleon wurzelte in seiner Faszination für das „Genie“, das schöpferische Individuum. Goethe sah in Napoleon die Verkörperung von Tatkraft und historischer Größe: Eigenschaften, die er auch in sich selbst erkannte.

West-Östlicher Divan: Zwischen Rausch, Liebe und persischer Poesie

Der „West-Östliche Divan“ gehört zu Goethes bedeutendsten Spätwerken und entstand ab 1814 in einem regelrechten kreativen Rausch. Inspiriert durch die Neuübersetzung des persischen Dichters Hafis, schrieb Goethe innerhalb kürzester Zeit über 100 Gedichte. Besonders im „Schenkenbuch“ feiert er den Wein als spirituelle Erfahrung und Form der Erkenntnis. Hier erscheint auch der berühmte „Elfer“ aus dem Rheingau in den Versen: Setze mir nicht, du Grobian, Mir den Krug so derb vor die Nase! Wer mir Wein bringt sehe mich freundlich an, Sonst trübt sich der Eilfer im Glase.

Goethe verwebt orientalische Motive mit eigenen Erfahrungen und spielt dabei auch mit homoerotischen Anklängen, etwa in der Beziehung zum schönen Mundschenk. Die Gedichte des „Buchs Suleika“ entstanden im poetischen Liebesspiel mit Marianne von Willemer, die selbst Verse beisteuerte. Der Divan verbindet Lieben, Trinken und Dichten zu einer Einheit – eine „göttliche Betrunkenheit“, wie Goethe schreibt. Das Werk zeigt Goethes erstaunliche Offenheit gegenüber islamischer Kultur und seine lebenslange Faszination für den Wein als Katalysator der Kreativität.

Aufgeschlagene Titelseite der Erstausgabe. Rechts kalligrafischer Druck mit dem Titel „West-östlicher Divan“ von Goethe, darunter „Stuttgart, in der Cotta’schen Buchhandlung, 1819“. Links eine reich verzierte Seite mit ornamentalen Rahmen und arabischer Schrift in der Mitte.
Titelblatt und Frontispiz der Erstausgabe des „west-östlichen Divan“
Quelle: Wikimedia, Foto: H.-P. Haack

Die verkosteten Weine

In dieser Episode verkosten wir Weine aus Kampanien, die direkt mit Goethes Italienreise verbunden sind. Die vulkanischen Böden am Vesuv und im Hinterland Irpinias bringen Rebsorten hervor, die schon in römischer Zeit kultiviert wurden – und die Goethe bei seinen Reisen kennen und schätzen lernte.

Piedirosso: Der „Pizza-Wein“ vom Vesuv

Piedirosso bedeutet wörtlich „Rotfuß“ und verdankt seinen Namen den rötlich schimmernden Rebstöcken. Diese autochthone Rebsorte aus Kampanien wird seit römischer Zeit kultiviert und gilt als einer der klassischen Weine, die schon in der Antike am Vesuv angebaut wurden. Heute wachsen die Reben vor allem auf den vulkanischen Böden rund um Neapel sowie auf den Inseln Capri und Ischia.

Der Piedirosso ist bekannt als unkomplizierter, frischer Begleiter zur neapolitanischen Pizza – leicht, fruchtig und saftig, mit Aromen von Erdbeere, Sauerkirsche und einer feinen Mandelnote. Mit nur etwa 600 Hektar Anbaufläche ist er die zweithäufigste rote Rebsorte Kampaniens. Stilistisch erinnert Piedirosso an einen französischen Gamay aus dem Beaujolais: jugendlich, trinkfreudig und perfekt für sonnige Tage. Der Lacryma Christi del Vesuvio DOC wird traditionell aus mindestens 50 Prozent Piedirosso hergestellt und verkörpert die lockere Lebensfreude der Region Neapel.

Cantine Matrone: Naturwein direkt am Vesuv

Das kleine Weingut Cantine Matrone liegt in Boscoreale, einem Vorort von Neapel, direkt in den Ausläufern des Vesuvs. Andrea Matrone führt das Weingut seit 2014 in Familientradition – die Matrones sind seit dem 18. Jahrhundert im Weinbau tätig, und die historische Strada die Matrone führt bis heute zum Vesuv-Krater hinauf. Auf nur 7,5 Hektar verteilt über mehrere kleine Weingärten zwischen 30 und 300 Metern Höhe kultiviert Andrea vor allem Piedirosso und alte lokale Sorten wie Caprettone und Cascaviglia. Die schwarze vulkanische Erde verleiht seinen Weinen eine markante Mineralität.

Andrea arbeitet nach naturnahen Prinzipien: Spontanvergärung, Ausbau im Edelstahl statt Holz für maximale Frische, keine Klärung und minimaler Schwefeleinsatz. Sein Lacryma Christi del Vesuvio Rosso (90 Prozent Piedirosso, 10 Prozent Aglianico) wird in gestaffelten Ernten von verschiedenen Höhenlagen gelesen, um Balance zu erreichen. Andrea ist bekannt für seine experimentierfreudige Art. Er testet alte Anbaumethoden, pflanzt Reben in Lavagestein und verbindet Wein mit Kunst, Musik und Malerei. Seine Philosophie: Leben, lieben und eine Flasche Wein.

Aglianico: Der Barolo des Südens

Aglianico zählt zu den ältesten und bedeutendsten Rebsorten Italiens. Vermutlich aus Griechenland stammend, wurde die Sorte bereits in römischer Zeit kultiviert und möglicherweise für den legendären Falerner-Wein verwendet. Heute gilt Aglianico als „Barolo des Südens“ – ein kraftvoller, tanninreicher Rotwein mit enormem Lagerpotenzial von bis zu 75 Jahren.

Die spätreifende Rebsorte profitiert besonders vom Klimawandel: Wurde sie früher erst im November oder Februar geerntet, findet die Lese heute meist Mitte Oktober statt. Aglianico liebt vulkanische Böden und Höhenlagen mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Der Wein ist „big in everything“, wie es der kampanische Winzer Antonio Capaldo formuliert: Big in Alkohol, Tanninen, Intensität und Struktur.

Besonders in der DOCG-Region Taurasi in Kampaniens Irpinia entstehen prestigeträchtige Aglianico-Weine, die mindestens drei Jahre reifen und im Holzfass ausgebaut werden. Das Ergebnis ist ein würziger, strukturierter Wein mit Noten von dunkler Kirsche, Leder und einer charakteristischen „Austere“ – viel Säure, wenig vordergründige Frucht, dafür beeindruckende Tiefe.

Le Masciare: Präzision und Terroir in Irpinia

Le Masciare liegt im Herzen der Irpinia in Paternopoli, etwa 60 Kilometer nordöstlich von Neapel im bergigen Hinterland Kampaniens. Das 21 Hektar große Weingut wird seit 2009 von Eric den Dunnen geleitet, einem Niederländer, der mit 27 Jahren aus der Unternehmensberatung in den Weinbau wechselte. Seine Philosophie: Wein mit Tiefe und Herkunft zu erschwinglichen Preisen zugänglich machen. Eric kaufte gezielt alte Weingärte zwischen 500 und 620 Metern Höhe, teilweise mit über 70 Jahre alten Rebstöcken. Das Weingut ist biozertifiziert und konzentriert sich auf die kampanischen Klassiker Aglianico sowie die weißen Sorten Fiano und Greco.

Im Gegensatz zu naturnahen Produzenten wie Matrone verfolgt Eric einen technisch präzisen Ansatz: Er minimiert Oxidation, arbeitet mit kontrollierten Zuchthefen und baut seine Weine sowohl im Edelstahl als auch in 500-Liter-Tonneaux aus. Sein Einstiegs-Aglianico Campania IGT zeigt die Sorte von ihrer zugänglichen Seite – frisch, fruchtig und mit moderaten Tanninen. Der Taurasi DOCG Pescocupo aus einer Einzellage hingegen gehört zur absoluten Spitze: Mit nur 1.300 Flaschen pro Jahrgang, 18 Monaten Holzausbau und 96 Punkten von James Suckling verkörpert er die ganze Größe des kampanischen Aglianico. Das Weingut ist als Agriturismo zugänglich und bietet Gästen die Möglichkeit, zwischen Olivenhainen und alten Reben den Sonnenuntergang über Irpinia zu genießen.

In dieser Episode erwähnte Folgen



Transkript zu Goethe (2) – Reise nach Italien & Reifejahre | Im Glas: Lacryma Christi & Aglianico

Das Transkript ist automatisiert erstellt und nicht perfekt. Seht es uns nach.

Marcel 0:01:25
Moin Moin.
Heiko 0:01:26
Hallo Marcel und hallo liebe Geschichts- und Weinfans. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Bevor es mit der Fortsetzung unseres großen Goethe-Zweiteilers weitergeht, zwei Dinge in eigener Sache. Erstens muss ich offensichtlich meine These revidieren, dass immer schönes Wetter ist, wenn wir aufnehmen.
Marcel 0:01:42
Es ist stürmisch draußen.
Heiko 0:01:44
Ich bin hier klitschnass angekommen und es hat mich auch fast vom Rad geweht, aber ich bin heil angekommen. Allerdings muss ich auch gestehen, es ist so ein bisschen, jetzt wo ich wieder trocken bin und hier so sitze, auch irgendwie ein schönes Ambiente, ein gemütliches Ambiente für so Rotwein und ich weiß ja, dass er heute auch schon angekündigt hat. Genau, deswegen ist eigentlich das Passende. Vielleicht muss ich meine These auch einfach noch ein bisschen anpassen. Vielleicht nehmen wir immer auf, wenn Extremwetter ist und das nächste Mal ist hier wieder so drei Meter Neuschneedecke oder so. Mal schauen. Der zweite Punkt betrifft etwas Technisches und es betrifft vor allem Apple Podcast. Da hatten wir Probleme mit der zweiten Folge, also mit der vorletzten sozusagen.
Marcel 0:02:21
Österreich.
Heiko 0:02:22
Genau, die österreichische Glykolweinskandalfolge. Das Problem haben wir jetzt behoben, also inzwischen wird sie angezeigt. Falls ihr diese Folge jetzt hört und euch wundert, dass das die vierte Folge ist, weil ihr S3 kennt, dann geht einfach nochmal in euren Player. Es dürfte eigentlich nur bei Apple Podcasts das Problem aufgetreten sein und hört gerne die zweite Folge nochmal nach. Jetzt wird alles angezeigt. Wenn ihr uns abonniert habt, ist es euch wahrscheinlich sowieso angezeigt worden. Es betraf eher nur dann, wenn man das quasi als Nicht-Abonnent aufrufen wollte. Was mich auch dazu bringt, nochmal so ein kleiner Reminder, wenn es euch gefällt, was wir hier machen und wenn ihr bei der vierten Folge immer noch dabei seid, gehe ich da fast von aus, dann abonniert uns gerne, egal in welcher App und lasst auch gerne Bewertungen da, weil das hilft uns mehr Reichweite zu generieren.
Marcel 0:03:10
Und das freut uns und ein paar haben wir ja schon. Danke dafür. Und gern auch her mit dem Feedback. Ich glaube, auch diesmal werden wir vermutlich wieder die Länge etwas eskalieren.
Heiko 0:03:21
Ja, ich sehe ja schon, du erzählst ja auch gleich was, wie viele Weine hier stehen. Deswegen würde ich sagen, starten wir direkt rein und bevor wir dann aber natürlich sowohl inhaltlich als auch sensual sozusagen in die Weine und in das Thema einsteigen, kurz nochmal, wie immer, eine kurze Einführung, was du heute mitgebracht hast.
Marcel 0:03:37
Ja, letztes Mal waren wir ja bei deutschem Weißwein gewesen und bei Goethes Lieblingsstil. Und letztes Mal war ja so ein bisschen, ich habe übrigens etwas Erkältung gehabt, deswegen ist meine Stimmung etwas angeschlagen heute.
Heiko 0:03:50
Zum Glück, aber kannst du wieder schmecken und riechen.
Marcel 0:03:52
Ja, das wäre so fatal. Genau, letztes Mal war ja so ein bisschen die Stimmung, fuck you Goethe, so aus der Recherchephase. Ehrlicherweise muss ich sagen, in der Nachschau habe ich mich etwas versöhnlicher damit gezeigt. So, auch was du mir dann auch so erzählt hast und irgendwie der ganze Vibe, ich glaube jetzt so wieder mit ein bisschen Rückblick, ist durchaus sehr positiv und heute, also sagen wir mal so, ich kam aus, war zu dem Zeitpunkt noch in diesem Fuck You Goethe, ja, deswegen, ich meine, ich weiß ja, dass Goethe jetzt nicht unbedingt der Fan von den Rotweinen war, deswegen habe ich gesagt, okay, diesmal trinken wir mal nur Rotwein, weil ich ja natürlich auch weiß, du magst Rotwein. Er hat zwar auch welche gelegentlich mal getrunken, aber es war jetzt nicht sein das Favorite gewesen. Er hat es eher so zu besonderen Anlässen getrunken. Pinot Noir hat er gemocht und auch italienische Rotweine. Da werden wir heute hauptsächlich drüber sprechen. Und du hattest mir das Stichwort gegeben am Anfang Lacryma Christi und Kometenwein. Und dementsprechend war das natürlich so eine Einladung gewesen, okay, Lacryma Christi, es klingt nach Italien irgendwie, nach italienischen Sprachen und ein bisschen Recherche. Ja, tatsächlich. Es geht nämlich um den Vesuv. Da bewegen wir uns hin.
Heiko 0:05:13
Buchstäblich hast du dich dahin bewegt.
Marcel 0:05:15
Ja, wir beide haben uns dahin bewegt. Das war so eine schöne Einladung gewesen, dort einfach mal vorbeizuschauen und direkt vor Ort diesmal zu recherchieren. Das war ziemlich cool. Ich glaube, du hast mich vor ein, zwei, drei, vier Episoden, keine Ahnung, gefragt, was ich auch mit Wein verbinde oder was es so besonders macht. Ich glaube, das ist ja gerade der Punkt, wenn man so die Landschaft kennt, so die Umgebung und wirklich da, wo es auch wächst und dann die Person dazu, hat man nochmal ein ganz anderes Bild von dem Getränk sozusagen. Und das ist ja bei Wein das, was super gut geht. Also ich war am Wiesuf, du ja auch.
Heiko 0:05:52
Und da also nicht gleichzeitig sozusagen, weil ich darf ja auch nicht wissen sozusagen, was du mitbringst, deswegen bist du schon mal vorgefahren, hast ein bisschen Wein getrunken und ich zwei Jahre später quasi auch die Reiseroute gemacht.
Marcel 0:06:08
Und ich bin auch nicht nur in Neapel und am Vesuv geblieben, sondern auch nochmal ein bisschen ins Hinterland gefahren, weil wie so oft, also keine Ahnung, ist meine Erfahrung, ist das Italien meistens immer so ein ganz kleines bisschen versetzt von der Küste am schönsten. Und deswegen bin ich ins schöne Kampagne gefahren, also das quasi Bundesland, wenn man so von Neapel und da ein bisschen die Region im Hinterland erforscht. Und da war ich jetzt gewesen, es war im September, also wenn ihr jetzt die Folge hört, ist es schon ein bisschen später gewesen. Das heißt, es war gerade zur Weinerntezeit. Dementsprechend habe ich da so ein bisschen den Peak mitbekommen, konnte noch die eine oder andere Traube direkt probieren. Das ist natürlich auch interessant, wie das schmeckt. Ja, und wir haben heute, also ich habe wesentlich mehr mal angeguckt, aber wir haben heute drei Weingüter am Start. Zwei davon kriegt man auch in Deutschland, kann man bestellen. Eins davon nicht, fand ich aber cool. Wollte ich einfach mitbringen, weil es so eine Deckung vor Ort war. Und wir werden heute zwei Rebsorten haben in unterschiedlichen Ausprägungen, wo wir heute ein bisschen eine Reise machen. Von der einen über ein Cuvée in die andere. Und mal schauen, ich bin gespannt, ob du da mitgehst sozusagen. Weil die tatsächlich sehr unterschiedlich sind. Mal gucken, ob das klappt. Das war für mich auch vor Ort quasi die Entdeckung. Und wir bleiben der Goethe-Eskalation treu. Wahrscheinlich nicht nur die Zeit, die wir eskalieren, sondern auch die Weine diesmal. Wir trinken insgesamt sechs Weine.
Heiko 0:07:29
Wir müssen wirklich, also du musst bitte wirklich aufpassen, wenn du eingießt, nicht so wie die letzten Male, mir das Glas immer bis randvoll sozusagen machen, sondern vielleicht jetzt für die Aufnahme erstmal wirklich Probeschlücke. Ansonsten weiß ich nicht, wie ich bis zum Ende noch vernünftig reden soll.
Marcel 0:07:44
Ich habe eine Orientierung, ich hoffe, dass es klappt. Preislich bewegen wir uns zwischen 13,70 Euro und 48 Euro tatsächlich. Also was aber auch daran liegt, muss man sagen, Heiko gibt mir ja immer Keywords mit und er hat mir das Keyword Comedain mitgegeben und das natürlich Anlass zur Eskalation, aber dazu werden wir später sprechen.
Heiko 0:08:04
Ja, genau. Vorher würde ich sagen, machen wir erstmal wie in der guten alten Schule einen kleinen unangekündigten Test und ich frage dich einfach ein bisschen was ab, was du so aus Teil 1 noch behalten hast. Nein, Spaß. Er schaut mich auch ganz schockiert an.
Marcel 0:08:19
Spaß beiseite. Keine Sorge. Ich muss mich mal aufpassen. Es war schon die eine oder andere Art.
Heiko 0:08:23
Keine Sorge, keine Sorge. Trotzdem für dich und für alle anderen ein kurzer Recap, um wieder reinzukommen. So ein was bisher geschah sozusagen, so Previously On Geschichte im Glas. In Teil 1 haben wir ja gehört, wie Goethe vom ersten Atemzug an im Zeichen des Weins steht. Er ist geboren in Frankfurt, im heißen Wein ins Leben gerieben, aufgewachsen zwischen Weinkeller und Weingarten, beziehungsweise Weinberg. Wir hatten das Thema Weingarten, Weinberg. In Leipzig formt er seinen Ton dann zwischen Dichten, Verlieben und auch Auerbachs Keller, der dann später in der berühmten Szene in Faust nachhalt. Zurück nach Hause, nach schwerer Krankheit und ohne Abschluss zündet dann der Götz von Berlichingen. Er bricht die literarischen Regeln, wird quasi zur Programmschrift des Sturm und Drang und macht Goethe zum literarischen Shootingstar. Mit dem Werter greift dann das Goethe-Fieber europaweit um sich, wird gefeiert, verschlungen, diskutiert und fortan ist er für viele einfach der Autor vom Werter. Dann folgt die Einladung des jungen Herzogs, Karl August. Goethe geht nach Weimar, wird Berater und geheimer Legionationsrat. Er schreibt kaum noch, veröffentlicht wenig. Als Pflichten, Erwartungen und Gefühle schließlich zum Korsett werden, wählt er seinen vertrautesten Ausweg, nämlich den heimlichen Abschied. 1786 bricht er also auf, ohne Bescheid zu geben, mit Manuskripten im Gepäck und Sehnsucht nach Süden. Und genau hier haben wir beim letzten Mal aufgehört. Und genau an dieser Stelle, würde ich sagen, setzen wir einfach direkt wieder ein.
Marcel 0:09:49
Ich bin gespannt. Und wir sind jetzt, wie du letztes Mal schon angekündigt hast, wirklich in der Nähe der italienischen, der französischen Revolution, so rein von der Jahreszahl her.
Heiko 0:09:59
Die wird auf jeden Fall auch noch Thema. Aber nicht jetzt in Italien, logischerweise. Also auch wenn das natürlich europaweit Schockwellen gesendet hat, wie wir noch sehen werden. Aber er reist also erstmal nach Italien und auch hier bleibt Goethe sich treu. Wir haben in Folge 1 ja auch schon mal erwähnt, wie er sich auch häufig mal verkleidete. Und auch nach Italien reist er wieder mal in Verkleidung. Er nennt sich hier Johann Philipp Möller, ist angeblich Maler. Zum einen, um seine Abreise geheim zu halten, sozusagen vor dem Hof, vor dem Herzog, auch vor Charlotte von Stein, die wir auch in der letzten Folge kennengelernt haben. Zum anderen, wie schon damals auch in Sessenheim, um in eine sozial niedere Rolle zu schlüpfen, die ihm so eine echte, ungefilterte Begegnung ermöglicht. So mehr Erkenntnis, mehr Wahrheit, weniger Heuchlerei von den Leuten, mit denen er sich traf, wenn sie nicht wussten, dass sie jetzt mit dem großen Goethe verkehrten. Zu dem Zeitpunkt war er nun wirklich europaweit schon sehr berühmt. Und in Südtirol, das damals noch nicht zu Italien gehörte, beschreibt dann Goethe auch direkt eindrücklich die Weinlandschaft. Und ich zitiere mal einen etwas längeren Abschnitt aus seinem Reisebericht, Weil das, glaube ich, auch so als Einstieg wunderbar so ein bisschen die Atmosphäre und das Setting für uns jetzt einfällt, für die ganze Folge und das Ganze so ein bisschen in Stimmung setzt.
Marcel 0:11:09
Da sind wir wieder bei Gedichte im Glas.
Heiko 0:11:11
Ja, das stimmt, aber jetzt ist es eher ein Reiser, also jetzt dichtet er nicht so ein Schreik. Das ist mehr prosaisch als poetisch, aber heute werden wir auch noch einige Gedichte hören, das stimmt. Vorher kannst du oder auch können sich unsere Hörerinnen und Hörer ein Gemälde mal von Eduard Schönfeld anschauen, das ist Bild 1. Wie immer jetzt in den Shownotes verlinkt, je nach App auch im Player zu sehen und wir haben Feedback bekommen, dass wir die Bilder gerne auch bei Instagram doch hochladen oder posten sollten, deswegen ab sofort werden wir auch in den Folgenposts immer unsere Bilder mit integrieren. Das wäre jetzt quasi Bild 1 und vielleicht kannst du mal ganz kurz Marcel, beschreiben, für diejenigen, die das jetzt vielleicht nicht gerade vor Augen haben können und anschließend hören wir uns an wie Goethe, zwar nicht jetzt das Bild, aber im Prinzip eine ähnliche Szenerie, die sich ihm da auftat in seinem Tagebuch beschreibt und wir Wir vergleichen einfach mal, wer von euch beiden es vielleicht besser einfangen konnte.
Marcel 0:11:56
Super, du baust gleich wieder Druck auf. Ich wollte gerade sagen, das ist ja meine Lieblingsbeschäftigung, die du mir nochmal mitkippst. Und das kann ich ja so gut. Wir sehen ein Bild, das sieht so aus, als wenn es in den Alpen ist. Wir sehen irgendwie im Hintergrund hohe Berge, wo so ein bisschen Schnee drauf liegt. Und im Vordergrund sehen wir eine Tallandschaft mit Bergen. Es ist sehr satt grün. Es gibt Bauern im Vordergrund, die arbeiten. Und man sieht auch weitere Bauern dort arbeiten. Und im Hintergrund sieht man so eine Dorfkirche. Du hast gerade gesagt, wir sind in Südtirol, oder? Genau, das ist ja so eine typische Landschaft. Ich weiß nicht, ich war ja auch da gewesen. Selten jetzt ohne natürlichen Anblicke gesehen. Meistens ist es ja doch sehr genutzt mittlerweile. Aber auch hier sind ja sehr viele Bauern schon aktiv in der Zeit.
Heiko 0:12:45
Was du hier unten im unteren Bildrand siehst, was du jetzt noch nicht ganz identifiziert hast, sind auch tatsächlich Weinberge, ein Weinberg.
Marcel 0:12:52
Stimmt, ja, stimmt. Es ist ein bisschen unscharf, aber ja.
Heiko 0:12:55
Jetzt beschwere dich noch.
Marcel 0:12:57
Schieb das mal auf die Bildqualität.
Heiko 0:12:58
Ich kann nur mit dem arbeiten.
Marcel 0:12:59
Was ich bekomme.
Heiko 0:13:00
Okay, also ich finde, das hast du eigentlich ganz gut gemacht. Aber jetzt schauen wir mal, wie Goethe, wie gesagt, nicht das Bild jetzt beschreibt, das Bild ist auch ein bisschen später entstanden, aber wie er eine ähnliche Szene beschreibt, als er in Südtirol ankommt.
Marcel 0:13:09
Weil jetzt fliege ich voll auch noch.
Heiko 0:13:10
Mit Tagesanbruch erblickte ich die ersten Rebhügel. Eine Frau mit Birnen und Pfirsichen begegnete mir und so ging es oft teutschenlos, wo ich um sieben Uhr ankam und gleich weiter befördert wurde. Nun erblickte ich endlich bei hohem Sonnenschein, nachdem ich wieder eine Weile nordwärts gefahren war, das Tal, worin Bozen liegt. Von steilen bis auf eine ziemliche Höhe angebauten Bergen umgeben, ist es gegen Mittag offen, gegen Norden von den Tiroler Bergen gedeckt. Eine milde, sanfte Luft füllte die Gegend. Hier wendet sich die Etch wieder gegen Mittag. Die Hügel am Fuße der Berge sind mit Wein bebaut. Über lange, niedrige Lauben sind die Stöcke gezogen. Die blauen Trauben hängen gar zierlich von der Decke herunter und reifen an der Wärme des nahen Bodens. Auch in der Fläche des Tals, wo sonst nur Wiesen sind, wird der Wein in solchen eng aneinanderstehenden Reihen von Lauben gebaut. Vielen Dank. Was denkst du, Marcel, wer gewinnt? Goethe oder du?
Marcel 0:14:02
Stell zu ernsthaft diese Frage.
Heiko 0:14:04
Als zweites Bild, aber keine Sondern, das musst du jetzt nicht beschreiben, das habe ich einfach nochmal eine Karte von Goethe’s Reiseroute mitgebracht, die könnt ihr euch, das kannst du dir einfach parallel bei Interesse einfach mal anschauen, um zu sehen, wie seine Italienreise, wo er da langgekommen ist. Goethe’s Route führt ihn über Trient, Verona, Vicenza, Padua, Venedig, Bologna und Florenz und von dort aus weiter mit wachsender Ungeduld Richtung Rom. Man spürt beim Lesen seiner Aufzeichnung richtig, dass ihn dorthin zieht wie so ein Magnet und als er endlich ankommt, schreibt er in einem Brief an Charlotte von Stein, ich zähle einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt von dem Tage, da ich Rom betrat. Und ich weiß, ich meine, du hast in der ersten Folge das, glaube ich, mal erwähnt, als wir über Achanalien gesprochen haben, du warst auch schon mal in Rom. Klar ist das natürlich poetisch überhöht, jetzt ein bisschen typisch Goethe, aber ich war ja, während du jetzt nach Kampagnen weitergezogen bist, bin ich nach Neapel tatsächlich nochmal nach Rom, war ich auch zum zweiten Mal schon da. Und die Stadt ist einfach wirklich was ganz Besonderes. Ich weiß nicht, wie du das gefühlt hast, als du da warst.
Marcel 0:15:02
Zwei Herzen in meiner Branche. Also einerseits ist es halt eine super Touristadt. Wenn du aber Ecken findest, und die gibt es auch sehr zentral, wo es ein bisschen anders ist, das ist mega cool. Ich bin auch Fan von Rom. Man muss halt manchmal diese Momente aushalten.
Heiko 0:15:20
Es ist super voll. In diesem Jahr, als ich da war, war es sogar noch voller, weil gerade dieses heilige Jahr ist. Papst oder was? Genau, also alle 25 Jahre öffnet der Papst irgendwie eine Tür.
Marcel 0:15:30
Was wirklich?
Heiko 0:15:30
Ich buchstäbe hier nur eine Tür. oder mehrere, aber vor allem einschütteln, dann pilgern da alle hin. Das heißt, es war noch voller, weil die ganzen Pilger und so weiter da waren. Aber insgesamt finde ich einfach, diese Stadt, die atmet einfach Geschichte. So römische Geschichte, mittelalterliche Geschichte, Renaissance, das spürt man an allen Ecken und Enden. Das ist wie so ein Freiluftmuseum eigentlich. Du musst da gar nicht groß ins Museum, du läufst einfach durch die Straßen ein bisschen spazieren und siehst überall irgendwas. Und das behaupte ich, ist schon irgendwie, also in der Form sehr einzigartig. Also falls jemand von unseren Hörerinnen und Hörern noch nicht in Rom war, Würde ich sagen. Unbedingt. Vielleicht nicht im heiligen Jahr. Damit es nicht ganz so faul ist. Guten Wein gibt es da auf jeden Fall auch.
Marcel 0:16:08
Ich will aber ganz kurz, weil du hast so schnell über diese Karte gesprochen. Ich weiß nicht, ob du mal nachher drauf referenzierst. Weil tatsächlich, über die bin ich jetzt kurz vorher auch gestolpert. Wurde mir zugetragen. Aber weil ich dann auch so weiterhin über Goethe, nicht mehr über die Römer, aber über Goethe dann spreche. Deswegen hatte ich diese Karte gesehen und hatte die Route dann schon mal so ein bisschen nachvollzogen. Weil er hat jetzt schon so die Top-Locations mitgenommen, wo man also Südtirol mit Bosen und so weiter in Richtung Venedig. Und ich sehe auch so Bologna hat er mitgenommen und Modena und Parma. Also schon irgendwie so die Food-Metropolen und ist dann halt auch Richtung Rom über Neapel, dann nach Sizilien nochmal rum. Und mir war nur dieser Fakt so, er war halt im Neapel, im Vesuv, kommen wir noch zu. aber er hat jetzt nicht, auch er hat jetzt nicht diesen Weg über Kampagnen gemacht.
Heiko 0:17:01
Nee, er ist dann weiter nach Sizilien, Aber ansonsten, du hast schon recht so die typischen Späuze. Ich glaube nicht, dass jetzt damals schon der Massentourismus wie heute war. Ansonsten ist das wahrscheinlich eine Route, die man auch so gut empfehlen kann. Ich war letztes Jahr auch in Italien, habe ich auch Bologna, da habe ich zum Beispiel auch so ein Weingut, habe da zwei Nächte übernachtet und habe dann Weintesting gemacht. Das war auch echt schön. In so einem alten Herrenhaus hat man da so ein bisschen übernachtet. Das war echt ganz cool. und danach auch noch so Florenz und Verona. Das ist schon einfach schöne Städte. Also italienisch. Und Essen, man muss ja gar nicht, sonst ist man irgendwo, wenn man unterwegs, recherchiert man irgendwie, wo kann man gut essen oder so. Da kannst du ja, egal in welches Restaurant gehen, du kannst ja gar nicht schlecht essen.
Marcel 0:17:39
Genau das ist noch mein Reden. Aber ich kam an in Neapel tatsächlich am ersten Tag, war das auch.
Heiko 0:17:45
Ich rede jetzt auch eher so ein bisschen von Florenz und Boulogne. Neapel muss ich auch sagen, da habe ich auch nicht, witzigerweise auch der erste Tag, als wir ankamen in Neapel, auch nicht besonders gut gestern. Pasta, die war, glaube ich, mich auch vielleicht auch einfach fair bestellt.
Marcel 0:17:57
Aber meine These ist, ich glaube, dass mit dem falsch, nicht falsch essen, das ist, glaube ich, nach wie vor, irgendwie ist das schon so. Ich meine, ich glaube, man muss hier nur nach Brandenburg fahren oder so, da ist ja die Garantie eher, oder die Chance sehr hoch, dass man eher schlecht ist. Das ist da nicht so, aber ich glaube, wir haben, sind auch mittlerweile ziemlich verwöhnt oder versaut, dadurch, dass es doch relativ viele gute Pizzen und Pasta und so weiter gibt.
Heiko 0:18:25
Generell, also vor allem in Berlin ist ehrlicherweise Foodhaven, du hast ja hier wirklich alles und alles richtig gut, das stimmt. Aber ja, genug abgeschweift, ich glaube, wir haben wirklich eigentlich genug zu erzählen und genug zu trinken, sollten uns wieder ein bisschen selbst einfangen. Wo war ich? Ja, eigentlich apropos guter Wein wollte ich sagen, aber jetzt erstmal apropos gutes Essen, aber jetzt apropos guter Wein. Der begegnet Goethe in seiner italienischen Reise natürlich immer wieder. War gar nicht so schwärmerisch, wie seine Beschreibungen von Statuen oder Tempeln zum Beispiel auch sind, sondern eher so ganz selbstverständlich, eher so ein bisschen so ein stiller Begleiter. Der Wein ist da wie so ein Teil der Natur und der Kultur, einfach allgegenwärtig. Immer wieder beschreibt er so ein bisschen die Reben in der Landschaft und Lebensweise. Etwa einmal, Zitat, Gegen Abend holte mich der gute Mann in seinen Weinberg ab, der den See hinabwärts sehr wohlgelegen war. Uns begleitete sein 15-jähriger Sohn, der auf die Bäume steigen und mir das beste Obst brechen musste, in dessen der Alte die reifsten Weintrauben aussuchte. Andere Stelle, um Florenz an den Bergen ist alles mit Ölbäumen und Weinstöcken bepflanzt. Dazwischen wird das Erdreich zu Körnern benutzt. Und noch eine dritte Stelle, man sieht Felder, Weingärten, Maulbeerbäume, Nussbäume mit Äpfeln und Birnen, besetzte Obstbäume. Also Marcel, da kriegt man eigentlich direkt Lust auf den nächsten, also direkt wieder zurück zum Italien.
Marcel 0:19:49
Es hieß damals Ölbäume scheinbar und nicht Olivenbäume.
Heiko 0:19:52
Ja, oder er hat das dann so genannt. Ich weiß nicht, ob das jetzt immer so hieß oder ob das schon einfach ein Synonym war. Mir ist gerade nur aufgefallen, während des Lesens in dem ersten Text sagt er Weinberg und im zweiten Wein Garten. Also auch da haben wir wieder beide.
Marcel 0:20:02
Ja, okay, vielleicht haben wir uns einfach geirrt und man nutzt tatsächlich beides.
Heiko 0:20:07
Der Wein ist also für Goethe in Italien zumindest nicht bloß ein Getränk, sondern er ist einfach Teil einer sichtbaren Ordnung der Natur. Er ist eingebunden in so ein harmonisches Gefüge von Hügeln, Gärtenbäumen und Menschen. aber auch unterschiedliche Trinkkultur lernen wir kennen, wenn Goethe folgendes beschreibt. Zitat Unser Reitknecht nämlich hatte ein kleines Weinfestchen am Riemen umgehängt, wie unsere Marketenderinnen pflegen, und es schien für einige Tage genügsam Wein zu enthalten. Wir verwunderten uns daher, als er auf einer der vielen Springröhren losritt, den Propf eröffnete und Wasser einlaufen ließ. Wir fragten mit wahrhaft deutschem Erstaunen, was er davor habe, ob das Fässchen nicht voll Wein sei, worauf er mit großer Gelassenheit erwiderte, er habe… Habe ein Drittel davon leer gelassen und weil niemand ungemischten Wein trinke, so sei es besser, man mische ihn gleich im Ganzen, dafür einigten sich die Flüssigkeiten besser und man sei ja nicht sicher, überall Wasser zu finden. Diese Sitte oder Unsitte, den Wein mit Wasser zu mischen, musste Goethe in Italien aber selbst manchmal machen. In Vicenza schreibt er am 21. September zum Beispiel, ich lebe sehr mäßig. Den roten Wein der hiesigen Gegend, schon von Tirol her, kann ich nicht vertragen. Ich trinke ihn mit viel Wasser wie der heilige Ludwig. Nur schade, dass ich zum Heiligen zu alt bin. Also es ist schon trotzdem bezeichnend, dass Goethe ein Wein, den er nicht verträgt, lieber mit viel Wasser verdünnt, als gar keinen Wein zu trinken. Das fand ich irgendwie ein bisschen amüsant. Und auch wenn Goethe ihn jetzt in seinem Reisebericht nicht namentlich erwähnt, scheint ihm ein ganz bestimmter Wein besonders angetan zu haben. Das ist in Neapel, das er auch als Paradies beschreibt, in dem jedermann lebt in einer Art trunkener Selbstvergessenheit. Und da besteigt er den Vesuv und zwar, Zitat, so dann auf eine Maultiere den Berg zwischen Weingärten hinauf. Und genau auf diesen Weingärten am Hang des Vesuvs stammt ein Wein, den du ja auch schon erwähnt hast, nämlich mit dem poetischen Namen Lacryma Christi, die Träne Christi. Und wir wissen aus späteren Lieferscheinen und Bestellungen, dass Goethe sich diesen Wein nach Deutschland liefern ließ. Offenbar hat er also einen bleibenden Eindruck hinterlassen und ich weiß, dass du ihn, hast du ja schon angekündigt, auch mitgebracht hast, aber ich weiß nicht, ob er jetzt an dieser Stelle passt oder ob wir ihn später haben, aber ich würde trotzdem so oder so jetzt sagen, trinken wir mal den ersten Wein, ob es nun Lacryma Christi ist oder nicht.
Marcel 0:22:18
Ja, Lacryma Christi ist das Stichwort, ne? Wir robben uns heute ein bisschen ran. Also wir trinken heute auch ein Original Lacryma Christi. Das ist ja prinzipiell nur eine Bezeichnung für eine Cuvée oder eine Art von Wein, genau aus dieser Vesuvio-Region oder dieser Weinregion Vesuvio. Bevor ich jetzt weitermache, er hat es gern getrunken, aber es gibt ja durchaus einen weißen und einen roten. Weißt du zufällig, welchen er getrunken hat? Weil normalerweise ist er ja eigentlich so ein weißer Fan. Ich habe es natürlich gesehen und gedacht, ja, da gibt es einen roten von und dann nehmen wir das natürlich mal als Grundlage.
Heiko 0:22:55
Also er schrieb ja nur, wie gesagt, was ich vorhin zitiert hatte, dass er den roten dann ein bisschen gemischt hat, aber er hat ja nicht vertragen. Das heißt, er hat da schon den roten getrunken, ob er sich dann einen weißen bestellt hat. Ich wusste das ehrlicherweise gar nicht, dass das den Lachrimmel Christi in Weiß und Rot gibt.
Marcel 0:23:09
Ja, also gibt es auf jeden Fall. Also Rot, Weiß und sogar Rosé. Und es ist halt einfach nur eine Bezeichnung. Also wie du schon gesagt hast, das heißt wörtlich die Träne Christis und stammt der alten Legende nach, als Christus über den Stoß von Luzi verweinte. Und dort, wo die Tränen die Erde berührten, soll der Wein entstanden sein. Also in dem Sinne auch gleich schon wieder politisch.
Heiko 0:23:30
Wollte ich gerade, genau das wollte ich gerade sagen.
Marcel 0:23:33
Und prinzipiell kann man sich das vorstellen, dass der eigentlich wirklich am Fuß des Vesuvs wächst. Also der Vesuv, wenn noch niemand in Neapel war, man muss einfach sagen, es ist ein sehr besiedeltes Gebiet dort. Und der Vulkan als auch die filigreechen Felder, also dieser Supervulkan, der eigentlich unter Neapel ist, ist eigentlich mitten in der Stadt, muss man einfach sagen. Also da gibt es ja auch Pompeji da in der Ecke und da gab es ja damals schon mal so ein Unglück, wo einfach die Zivilisation dort oder dieses Dörfchen dort oder die Stadt dort…
Heiko 0:24:01
Das war schon eine richtige Stadt. Und Herkulaneum ist da ja auch, das ist mehr oder weniger auch.
Marcel 0:24:05
Man kennt immer nur Pompeo.
Heiko 0:24:06
Aber das ist schon in die ganze Stadt ausgelöscht worden.
Marcel 0:24:09
Also dementsprechend, wenn mal was passiert, ich glaube, da ist es auf jeden Fall dichter besiedelt, als es damals der Fall war. Und die Weinberge und Weingärten sind halt wirklich bis an den Fuß heran dort.
Heiko 0:24:25
Jetzt trauen wir gar nicht mehr, entweder Weingarten oder Weinberg zu sagen. Jetzt sagen wir mal einfach beides. Die Weingärten oder Weinberg.
Marcel 0:24:31
Generell, wenn man glaube ich in der Apel Essen geht, dann wird man auch den Wein irgendwie auf der Karte finden. Also ich weiß nicht, ob du auch einen dort getrunken hast.
Heiko 0:24:39
Lackima Christi? Ne, wir haben meistens einfach den Hauswein. Da war ich auch aus der letzten Italienreise immer, weil dann kriegst du immer so einen Liter Karaffe oder so einen 500 Liter Karaffe.
Marcel 0:24:47
Je nachdem.
Heiko 0:24:48
Ich habe immer den Eindruck, in Italien kann ich auch einfach den Hausmein bestellen. Da taugt auch immer was.
Marcel 0:24:52
Also ich meine, wenn der da aus der Region ist und das wird ja gern gemacht dort, dann dementsprechend ist das natürlich auch eine andere Qualität als in anderen Ländern. Zwischendurch noch mal woanders gereist und da war es ein bisschen schwieriger, einen guten Wein zu bekommen. Also wir gehen mal einfach zu dem Roten jetzt und La Crema Christi zeichnet es aus dass es so in den meisten Fällen eigentlich eine Cuvée ist. Und zwar aus zwei bis drei Sorten. Wir haben einmal die Rebsorte drin, Piero Rosso. Das ist so mindestens 50 Prozent im Lacrina Christi. Dann haben wir 20 Prozent, also maximal 20 Prozent Agianico. Beides wahrscheinlich noch nie gehört, ne? Und dann gibt es manchmal noch Chaschinoso. Ist auch eine Rebsorte, die dort wächst. Auch eine rote. Also das ist quasi die Cuvée. Man muss jetzt sagen, wo ich jetzt da war, meistens war das entweder reiner Pier de Rosso, den ich irgendwie getrunken habe, oder es war eine Mischung aus Pier de Rosso und Agianico.
Heiko 0:25:52
Also grundsätzlich der Wein dort.
Marcel 0:25:54
Der Lacryma Cristi. Achso, der Lacryma Cristi.
Heiko 0:25:56
Es gibt es auch in verschiedenen…
Marcel 0:25:57
Es ist quasi, es gibt wie so eine Vorgabe. so. Der muss halt zumindest 50% Piedorosso haben.
Heiko 0:26:03
Ah, jetzt. Okay, verstehe.
Marcel 0:26:04
Dann 20%, also maximal 20% Acianico oder nix. Und dann der Rest der 30% Chaschinoso oder halt nix. Deswegen, ich habe gedacht, wir kümmern uns heute beide nur, also wir kümmern uns nur um die beiden Rebsorten, Piedorosso und Acianico. Und deswegen gehen wir ja so ein bisschen mal jetzt durch und fangen jetzt im ersten Moment mit dem Piedorosso an. Ich habe auch andere getrunken, hätte ich mitgebracht, aber wir haben uns ja letztes Mal schon ein bisschen schwer getan mit, kann man die Weine nachbestellen oder auch nicht. Diesmal wird es glaube ich dann noch komplizierter und ich dachte, okay, lass es bei drei Weingüter bleiben und deswegen trinken wir jetzt von Feudi die, Sangrigorio.
Heiko 0:26:45
Lese ich hier auf dem Etikett.
Marcel 0:26:47
Genau, ich habe es tatsächlich bei mir gerade falsch gesehen, falsch in den Notizen drin sehe ich gerade. Trinken wir den Piero Rosso aus 2022 und wie gesagt, der ist, theoretisch könnte es ein Lacrimacristi sein. Dadurch, dass der aber so 20 Kilometer davon entfernt wächst, ist es dann kein Lacrimacristi.
Heiko 0:27:07
Also offiziell nicht etikettiert, aber rein vom Inhalt her könnte es auch ein Lacrimacristi sein.
Marcel 0:27:11
Ja, genau. Da kommt nämlich vom Monte Taburno, also so ein bisschen entfernt. Die Farbe ist schon auch wieder, ich meine, heute ist es ein bisschen dunkler draußen, aber schon so ein Kirschrot, würde ich sagen. Wir werden nachher, glaube ich, noch dunkler, aber der ist auf jeden Fall…
Heiko 0:27:25
Riecht auch so ein bisschen, wie er aussieht.
Marcel 0:27:28
Ja. Also hat so ein bisschen Kirsche, ne? Ich finde auch so ein bisschen Erdbeere. Also was beeriges irgendwie.
Heiko 0:27:35
Ja, also aber auch eher so rot, weniger schwarz. Oder so rote Beeren.
Marcel 0:27:40
Ja, rote Beeren. Und ich finde irgendwie, man hat, also aber da bleiben wir uns so ein bisschen im Motto, Goethe ist dann am Ende doch treu so was Mineralisches, also auch in der Nase. Was irgendwie Sinn macht. Wir sind am Vesuv, wir haben dunkle Mineralische. Das ist wie der Volkangestein. Ja, genau.
Heiko 0:27:55
Stimmt.
Marcel 0:28:02
Das ist dein erster Eindruck.
Heiko 0:28:05
Lecker und ich würde sagen vulkanisch. Ich finde, man schmeckt auch dieses Monatische raus, oder? Also ich habe immer Sorge, dass es dann auch so ein bisschen psychologisch ist, weil man das jetzt irgendwie erwartet, aber ich finde, man schmeckt es schon auch.
Marcel 0:28:17
Würde uns begleiten auf jeden Fall, ja. Würdest du sagen, es ist schwer oder es ist leicht?
Heiko 0:28:22
Ich finde den nicht so schwer.
Marcel 0:28:25
Das ist ein leichter, ne? Also der Pellorosso ist wirklich ein leichter Wein. Wir haben ein bisschen Säure, die man, glaube ich, spürbar wahrnimmt. Vielleicht nicht so eine, wieder referenzierend Österreich-Folge, vielleicht nicht ganz so von der Säure so hoch, aber die ist schon spürbar. Prinzipiell würde ich sagen, das ist eigentlich ein perfekter Pizza-Wein. Weil es halt so ein leichter, fruchtiger, bisschen Säure jetzt nicht so kompliziert. Prinzipiell ist er da gemacht in der Region auch, um dazu Pizza zu trinken. Pizza zu trinken. Pizza zu trinken, Rotwein zu essen. Ja.
Heiko 0:29:03
Mundet. Unkompliziert auch noch. Ja, genau. Also deswegen, ich tue mich jetzt auch schwer, noch viel mehr dazu zu sagen, weil es ist jetzt nicht mega komplex oder so, aber auch angesichts dessen, dass wir auch noch fünf weitere Weine haben.
Marcel 0:29:14
Das ist ein guter Einstieg.
Heiko 0:29:15
Aber auch einfach.
Marcel 0:29:16
Ja, also die sind halt, also Piedi Rosso ist wirklich so, von der Art und Weise ist es her so, wir haben jetzt auch nicht wahnsinnig viel Alkohol, also wir haben immer noch 13 Prozent und hier sind wir ja gerade bei den 13,70 Euro, 90, wie ich am Anfang erwähnt hatte, von Feudi. Generell die Rebsorte, sagt der Name vielleicht auch im Aufbau, heißt Rotfuß, also Piedi Rosso, weil tatsächlich das Holz von dem Rebstock so rötlich schimmert. Ja, dementsprechend ist die Farbe davon. Und wie ich sagte, so der Pizza-Wein schlechthin, weil so schön unkompliziert, frischfruchtig leicht meistens. Und auch wirklich die roten Früchte sind dominierend bei dem Wein. So ein bisschen wie Gamay vielleicht, den haben wir auch schon mal zusammen getrunken in Frankreich. Das ist auch eher so ein leichterer, aber dennoch ein bisschen frucht.
Heiko 0:30:02
Wir privat nicht in.
Marcel 0:30:03
Also ich muss gerade zurückdenken. Nee, da sind wir noch nicht gewesen. Aber so hat mich auch so ein bisschen daran erinnert, die Sorte ist auch autochton in Kampagnen. Also ja, also irgendwie dann schon.
Heiko 0:30:13
Das heißt quasi nur dort oder original von dort kommend, ne? Autochton.
Marcel 0:30:17
Die wurde schon von den Römern kultiviert. Wir haben uns ja in der ersten Folge auch gefragt, welche könnten das eigentlich sein und so. Und kann durchaus sein, dass wir hier auch eine Rebsorte haben, die damals schon im Falerno oder so mit dabei war.
Heiko 0:30:31
Mit Box und Klee.
Marcel 0:30:32
Nochmal zu anderen. Genau, und es wird vor allem wirklich rund um Vesuv mit Schwerpunkt angebaut. Aber auch auf Capri und Ischia, die Inseln, aber auch im Hinterland kommt es mal vor. Generell ist das auch nicht so eine wahnsinnig große Fläche, wo es angebaut wird, sind noch 600 Hektar. Also es ist jetzt nicht so wahnsinnig viel Tiergärten. Und die Rebsorte mag einfach Hitze und vulkanische Böden. Deswegen fühlt sie sich da unten ganz wohl zum Weingut. Wir kommen nachher nochmal zu dem Weingut erneut. Also da haben wir noch zwei andere Weine halt tatsächlich. Bevor die die Sankt. Ich habe es wieder, Gregorio.
Heiko 0:31:18
Heilige Gregor.
Marcel 0:31:19
Ja, tatsächlich kommt das von dem Papst.
Heiko 0:31:21
Von dem Papst, wahrscheinlich.
Marcel 0:31:23
Ja, genau.
Heiko 0:31:24
Bis zum sechsten Jahrhundert.
Marcel 0:31:26
Das kannst du mir, glaube ich, kannst du mir mehr erzählen drüber. Das ist ein Weingut, was wirklich in Kampagnen ist, also mehr im Hinterland. Das habe ich besucht, bin dann danach geblieben und man kann sich das einfach dort anschauen, Weine probieren. Es gibt auch ein Fine Dining Restaurant da drin, was echt cool ist. Die sind nicht so auf Masse, sondern tatsächlich, du gehst da hin. Es ist ein super idyllisches Fleckchen Erde in Ipinia. Also Ipinia heißt diese Region, die… Also das ist ein Teil von Kampanien.
Heiko 0:31:57
Oder?
Marcel 0:31:58
Also es ist einfach der historische Begriff sozusagen für diese Region. Es ist ungefähr 30 Kilometer von der Küste entfernt und kommt von Hörpus und heißt Wolf.
Heiko 0:32:08
Von Lupus heißt Wolf?
Marcel 0:32:10
Naja, aber da ist eine lokale Stammsprache.
Heiko 0:32:13
Ah, okay.
Marcel 0:32:13
Dessen Stamm ich jetzt nicht mehr weiß. Ich weiß nicht, ob du den kennst, aber du hast ja, also zumindest ist es so eine lokale Sprache und da heißt Hyppos dein Wolf.
Heiko 0:32:22
Also man erkennt ja auch die Verwandtschaft ganz offensichtlich. Das ist schon ein Dialekt, oder?
Marcel 0:32:26
Da waren damals Wölfe, sind immer noch Wölfe und die haben das auch als Wappen und so. Du hast halt viele Berge und Hügel. Es ist super grün dort.
Heiko 0:32:35
Da fällt mir auch ein, weil in Neapel selber spricht man glaube ich auch noch so Neapolitanisch, ist auch noch ein bisschen anders als Italisch. Wir waren nämlich auch in so einem traditionellen neapolitanischen Restaurant, da stand das alles auf Neapolitanisch das ist so ein bisschen wie auch ja so, in Valencia oder Barcelona spricht man ja auch nicht Spanien sondern Katalan, Valenciano, so ähnliches in Italien da offensichtlich war mir auch nicht so bewusst vorher, vielleicht ist das da auch Eopus statt Lupus, Aber ich schreibe ihn schon wieder ab, sorry.
Marcel 0:33:00
Jetzt ist es so, wie es ist. Es ist super grün da, weil es halt sehr viel regnet. Da hast du ja 50 Regentage im Jahr. Und du hast im Winter sogar Schnee dort. Also es liegt einfach daran, dass es auch ein bisschen höher ist. Es ist halt nicht so dieses super heiße Klima. Also in Neapel warst du ja auch, dass es ja wirklich dann in diesem Kessel sozusagen super warm. Jetzt auch im September war es ja noch 28 Grad oder so. Also schon aushaltbar, aber ich glaube im Sommer ist es da richtig heiß. Währenddessen du dann Richtung Epinia gehst und dann hast du es da wirklich in angenehme Temperatur, auch viel größere Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und wie gesagt sogar Schnee, was dann ja glaube ich für so weit südlich dann auch, also klar, auf Bergen und so weiter, aber was man jetzt erstmal nicht so erwartet, sage ich mal. Ich habe dir ein Foto mitgebracht von dem Weingut, das du mal aufmachen kannst.
Heiko 0:33:51
Auch das wie immer in den Shownotes oder in der App oder jetzt neu auch auf Instagram. Ich habe es auf. Soll ich es auch beschreiben?
Marcel 0:33:59
Ich habe es mir jetzt angeschaut.
Heiko 0:34:03
Ich sehe eine Treppe, die einen Weinhang hinunter geht und im Hintergrund, also auf diesem Hang sind natürlich Weinreben zu sehen und im Hintergrund sehe ich, ist das der Vesuv? Aber eigentlich sieht er nicht so aus.
Marcel 0:34:22
Das ist einfach nur ein Berg.
Heiko 0:34:23
Ich habe mich jetzt nicht getraut zu sagen, weil ich finde es da jetzt nicht so aus, aber es ist einfach dann einen Berg noch.
Marcel 0:34:30
Auf diesem Gelände selbst gibt es einmal die quasi Hop-Produktion sozusagen, man sieht die rechts so leicht noch, und noch so Gästehäuser und das Restaurant, wie gesagt, das ist alles in einem dann und man geht dann da so runter und guckt da so drauf, es ist irgendwie, also man kriegt es natürlich immer nicht so auf Bildern eingefangen, aber dieses ganze Komplex, so der ganze Ort da ist so ein bisschen wie in die Landschaft rein designt, also es sieht wirklich von jedem Blickwinkel irgendwie sehr schön aus, sogar auch die Produktionshalle, die man hier rechts nur so angedeutet sieht, sieht einfach schön aus. Also normalerweise bist du ja meistens immer unterwegs irgendwo, wo du dann direkt an der großen Straße bist oder irgendwie es sieht alles drumherum ein bisschen so naja aus. Da ist es tatsächlich wirklich sehr idyllisch und schön. Das ist irgendwie besonders. Und wenn du dir das nächste Bild nochmal anschaust, da sehen wir dieses Hauptgebäude, wo auch der Keller drunter ist zum Beispiel.
Heiko 0:35:22
Soll ich wieder beschreiben? Es ist auf jeden Fall eine moderne Architektur. Es wirkt jetzt nicht, es ist jetzt kein Herrenhaus, das macht es eher so eine Holzverkleidung, wenn ich das auch richtig sehe. Und dann irgendwie so eine Art künstlicher Bach oder Zulauf oder Wasserlauf daneben auch sehr akkurat und gerade auf jeden Fall.
Marcel 0:35:42
Das ist tatsächlich, da vorne ist so ein Garten, so ein Zen-Garten haben Sie es genannt.
Heiko 0:35:46
Ja, so sieht es aus, so ein Zen-Garten.
Marcel 0:35:48
Und auch die Halle ist sozusagen mit Architekten und Designern zusammen gemacht. Auf dem Grundstück findet man auch so Kunstwerke und so weiter. Der Keller ist da drunter direkt, der irgendwie auch erdbebensicher und so weiter gebaut worden ist. Also insgesamt ist es wirklich so ein Ding, warum ich das zeigen wollte und darauf hinaus wollte, sie verbunden ein bisschen das Thema Kunst mit Wein. Sie haben mit sehr vielen Designern, Künstlern, Architekten zusammengearbeitet und Projekte gemacht. Also wirklich vom Bauen bis aber auch zur Weinflasche und zum Etikett. Also so hat zum Beispiel Massimo Vignelli die Etiketten und das Branddesign gemacht. Ist ein italienischer Künstler, der auch weltweit bekannt ist. Ich kannte den jetzt vorher auch nicht.
Heiko 0:36:29
Okay, dann kann ich ja auch sagen.
Marcel 0:36:31
Oder der Fotograf Mimujudice oder so, weiß nicht, ob das ausgesprochen wird, hat irgendwie die Fotos gemacht, hat auch eine Flasche gemacht, die wir nachher noch sehen werden. Ja, also das ist so ein bisschen Prinzip, das spielt einfach eine Rolle, das ist den Besitzern und Machern vom Weingut wichtig. Das Weingut selbst wurde 1986 gegründet, dahinter steckt eine Familie, die etwas wohlhabender ist, nämlich die Familie Capaldo. Die kommt gar nicht aus dem Wein-Background, sondern die sind einfach wohlhabend gewesen und haben zu der Zeit damals, das war nämlich eine Zeit, wo es ein großes Erdbeben gab in Ipinia, Und das war quasi alles zerstört, also es muss ein schreckliches Erdbeben gewesen sein. Mehrere tausend Tote, 400.000 Menschen, die obdachlos wurden und es gab eigentlich zu dem Zeitpunkt nur noch fünf Weingüter dort in der Region, heute sind es ein paar hundert und da sind die reingekommen und haben dort in die Region investiert, kann man so sagen. Und mittlerweile leitet das Weingut Dr. Antonio Carpaldo, also von der Familie selbst, das Weingut. Er ist halt aus der Family, macht das seit 2009 und wir werden später nochmal auch die Verbindung sehen. Er kommt eigentlich eher aus BWL raus, er war bei McKinsey vorher, also eher wirklich aus einem Business-Background raus, was erstmal dann, ich meine, wir haben ja schon viele Storys hier, jetzt sogar viele Paar gehabt, wo es natürlich so eine Tradition lange gibt, irgendwie Winzerfamilien schon seit langem. Es ist halt nicht so und man kommt aus dem Business raus. Dennoch habe ich irgendwie nicht den Eindruck gehabt oder macht auch dieses Weingut insgesamt nicht so einen Eindruck, als wenn wir jetzt ein BWL-getriebenes Weingut haben. Es wird eine Rolle spielen, aber es ist nicht die einzelne Rolle, wo dann irgendwie alles nur auf Massenproduktion ist.
Heiko 0:38:17
Dass ein Weingut auch irgendwie Profit machen muss und möchte es jetzt auch nicht… Weder überraschend noch verwerflich wahrscheinlich.
Marcel 0:38:24
Die sind seit 2022 B Corp, also achten so auch auf Nachhaltigkeit und Mitarbeiter, dass es ihnen gut geht und so weiter. Also sie sind auf jeden Fall bemüht, das Thema Nachhaltigkeit so anzugehen. Also nur um mal einen Kontrast darzustellen zum Thema McKinsey. Ich habe übrigens auch, wo ich dann mit den anderen Winzern gesprochen habe, die haben natürlich wiederum auch eine spezifische Meinung über die, gerade die kleineren natürlich. Dass das natürlich dann doch irgendwie unterm Strich irgendwie Massenproduzenten sind, aber die haben eine Haltung, muss man einfach sagen, und machen guten Wein. Es ist generell auch ein größeres Weingut. Wir haben 300 Hektar, also nicht so typisch, wie wir sonst immer so das Standardweingut haben, sagen wir mal so bisher hier. Und von der Größe her so 300 Hektar, wenn man wieder geguckt, so groß wie der Heidepark Solltau. Oder der Flughafen Tegel, Du warst ja vielleicht auch schon wieder von der Vorstellung her. Also es ist jetzt nicht mega groß, aber es ist schon ein bisschen größer. Sie haben einmal eigene Weinberge, aber was ich eher besonders fand, dass sie mit vielen lokalen Weinbauern zusammenarbeiten. Also sie haben 600 Winzer, die teilweise kleinere Parzellen unter einen Hektar haben, die so Partnerbauern sind oder so. Die haben so Vorgaben, wie die das machen sollen und Qualitätskontrollen und haben dann so ein bisschen dieses Mischverhältnis, so eigene Grundstücke, aber auch halt wirklich die Partnerbauern. Was ich erstmal so, es hat mich so ein bisschen an so eine Kantina oder eine Kantina erinnert, wo man irgendwie alles nur einsammelt aus der Region und dann macht man irgendwie so einen Wein. Das ist meistens, das gibt es in Sardinien zum Beispiel.
Heiko 0:40:00
Kantina heißt das dann, ne?
Marcel 0:40:01
Ja, ich, ja. Und ja, es ist da aber jetzt nicht so, wie gesagt, sie machen irgendwie sehr klare Vorgaben und sie nutzen auch dieses Gerke. Also ich meine, letztendlich. Gibt es ja immer noch so eine lokale Verankerung, dass man wirklich so einen lokalen Weinbauer, der sich um seinen lokalen Weinberg irgendwie kümmert und dann die Trauben nachher abgibt. Das ist ja schon noch eine Verankerung in der Region selber und so eine Identität, die noch da bleibt. Das haben die tatsächlich auch zu einem Projekt gemacht. Also ich, wie gesagt, ich war ja da und ich habe mehrere Weine getrunken. Und dieses Projekt heißt Feudity Studio, wo sie eigentlich den Charakter von einzelnen Parzellen immer zeigen. Die habe ich jetzt nicht bei, die Flaschen, weil man die tatsächlich dann nur da trinken kann beziehungsweise lokal dann irgendwie kaufen kann. Das gibt es jetzt nicht häufig woanders zu kaufen. Diese Projekte sind dann irgendwie Flaschen, wo es dann eine Rebsorte gibt, die dann nur aus dieser einen Parzelle kommt aus der Höhe und so. Dann kannst du wirklich probieren, okay, diese Rebsorte von 500 Meter oder von 800 Meter und du schmeckst tatsächlich einfach einen krassen Unterschied. Das ist sehr interessant und das ist so ein Projekt von denen, da haben sie einen eigenen Kellerbereich, der so sehr schön aussieht, unter anderem auch im Instagram-Post hatte ich ein Foto davon drin. Was sie so als Projekt machen, um so ein bisschen dieses Thora nochmal ein bisschen deutlicher zu zeigen. Und sie bauen nicht nur Rot an, also Rot, der Pederosse, den wir im Glas haben, ist eigentlich sehr untypisch, muss man sagen. Normalerweise konzentrieren sie sich bei Rot eher auf Agianico, den trinken wir später noch. Und sowas wie Sirica, so eine kleine Rebsorte, die sie wiederentdeckt haben und wiederbeleben. Aber vor allen Dingen auch weiße Rebsorten wie Fiano, Phalangina oder der Greco. Die Weißweine haben schon auch einen Beruf dort unten. Ich habe die auch getrunken, aber wir kümmern uns ja heute mehr um die Roten. So prinzipiell, wie du es vorhin schon gesagt hast, ist es einfach ein sehr modernes Weingut. Also die Tradition und Innovation verbinden, obwohl das glaube ich eigentlich jeder sagt, muss man einfach mal sagen, aber so vom Eindruck her, ja, machen sie, ja, machen sie halt schon irgendwie, haben sie auch im Keller einen sehr modernen Eindruck, so. Und die haben halt auch das Thema Kampagnen weltweit geprägt. Ich weiß nicht, ob du vorher schon mal einen Wein getrunken hast aus der Region. Ich glaube, es ist eher mal seltener der Fall, weil du jetzt beide Rebsorten noch nicht kanntest. Es ist einfach eine Region, die nicht super bekannt ist. Die ist einfach so ein bisschen unterschätzt. Man trinkt Weine vom Ätna, glaube ich. Das ist ein bisschen kultig gerade. Aber vom Vesuv selber oder aus den Kampagnen, ich glaube, wer es kennt, wer es mag, wer sich für interessiert, ja. Aber so in der Masse ist das jetzt kein Thema tatsächlich. und die sind, sage ich mal, international unterwegs und man könnte auf die öfters mal stoßen und dann kann man natürlich da mal was probieren. Generell haben die dieses Weingut und dann haben sie auch noch in der Toskana und in Basilicata andere Weingüter. Ich fand es ein bisschen witzig, weil du mir ja das Thema Kometenwein mitgegeben hast und ich dachte, wow, das passt. Es gab ein Weingut, das heißt Campo à la Comete, also mit so einem Kometenschweif sogar auf der Flasche drauf und so und ich habe da auch eine Flasche getrunken, Und es war super lecker, aber es ist aus der Toskana. Und ich dachte, wir bleiben mal einfach in der Region, wo ich kannte die Reise von Goethe zu dem Zeitpunkt jetzt auch noch nicht.
Heiko 0:43:22
Apropos Reise, nach dem Aufenthalt in Neapel geht Goethe zunächst weiter nach Sizilien und auf dem Rückweg macht er aber erneut Station in Neapel, also da scheint es ihm auch wirklich gefallen zu haben, abermals beeindruckt ihn da so die Lebensfreude, das offene, impulsive Wesen der Süditaliener und ich glaube inzwischen haben es alle mitbekommen, ich war ja auch oder wir waren ja auch gerade erst in Neapel und ich bin da beim Spazieren passenderweise über folgende Straße gestolpert, ich bin mal ein Bild von meinem letzten Urlaub mitgebracht und keine Sorge, es ist kein Bikini-Foto von mir. Ich fand es nur ganz witzig.
Marcel 0:43:52
Huch doch. Okay, ach, das hast du sogar gesehen.
Heiko 0:43:57
Genau, ich bin einfach beim Spazier, also wirklich gar nicht gezielt. Ich bin einfach rumgelaufen und denkst so, hä? Und für alle, die es jetzt gerade nicht sehen, ist es einfach ein Straßenschild von der Via Goethe. Das fand ich dann irgendwie passend und lustig.
Marcel 0:44:07
Also nicht nur in Deutschland heißt jede Stadt Goethe-Krass.
Heiko 0:44:11
Wahrscheinlich in jeder Stadt, in der er war in Italien, der hat dann wahrscheinlich irgendwo eine Via Goethe. Nach Neapel geht es zurück nach Rom. Und hier wird Goethe, wenn man so will richtig sesshaft, bleibt fast ein ganzes Jahr lang, von Juni 1787 bis April 1788 und er nutzt diese Zeit intensiv. Er geht bei Künstlern in die Lehre, er nimmt Unterricht im perspektivischen Zeichnen, in Farbenlehre, Bildaufbau, er beschäftigt sich mit Architektur und sogar Anatomie, weil er, wie Rüdiger Safransky schreibt, seine modernen Biografen, im menschlichen Körper das größte Kunstwerk gesehen hat. Man erkennt hier sehr deutlich, Goethe ist eben nicht nur Dichter, er ist so ein wissbegieriger Geist und so ein Universalgenie, wie man ja auch manchmal sagt. Wir hatten ja schon über seine naturwissenschaftlichen weiteren Interessenleuchten Folge 1 mal so ganz kurz gesprochen, jetzt also die bildende Kunst. Allerdings sagt er selbst, dass seine Talente wohl doch eher beim Schreiben als beim Malen liegen. Ich persönlich erlaube mir kein Urteil, ob er damit recht hat, aber ich habe dir Marcel und auch allen anderen mal so ein paar von, ich glaube drei Zeichnungen von ihm mitgebracht. Beschreib doch einfach unseren Hörerinnen und Hörern mal auch und wenn du es wagst, gib eine Einschätzung, ob er recht damit hat, lieber zu dichten.
Marcel 0:45:17
Gebirgige Landschaft mit kleinen italienischen Haus und Anhörer. Ja, du, soll ich das jetzt beurteilen? Es ist einfach ein Haus auf einer Anhörung. Also eigentlich, wie es schon beschrieben hat, trifft das eigentlich ganz gut. Die Farben sind jetzt ein bisschen gedeckter gehalten und die Formen sind so ein bisschen direkt und eckig und kantig.
Heiko 0:45:37
Das nächste? Also drei Zeichnungen?
Marcel 0:45:41
Neapolitanische Küste am Posilipo. Ich überlege gerade, weil dieser Blick tatsächlich erinnert mich schon auch. Da sieht man doch die Halbinsel Sorrentino wahrscheinlich dahinter, oder? Wenn ich das mich nicht, oder? Je nachdem.
Heiko 0:45:56
Das kann sein, es ist auf jeden Fall da an der Südküste.
Marcel 0:46:00
Weil so dieser Blick, eigentlich dieser Bucht ist ja schon einmalig. Wenn man das so den Golf von Neap, heißt der Golf von Neap? Ja, also auch so ein bisschen Schraffur, ein bisschen gedecktere Farben. Ja.
Heiko 0:46:14
Und das nächste noch?
Marcel 0:46:16
Tempelruine. So schwarz, blau, weiß mit so einer angedeuteten Tempelruine und so einen Bäumen und so.
Heiko 0:46:25
Wie schätzt du das ein? Wie findest du die Bilder?
Marcel 0:46:28
Keine Ahnung. Ist nett. Ist ein bisschen düster hier an der Stelle, wenn er da eigentlich besser drauf sein sollte, als, ich glaube, wir haben letztes Mal gesagt, dass er aus Weimar ja ein bisschen deprimiert rausgegangen ist. Hier sieht das ehrlicherweise noch aus, als wenn er irgendwie gerade psychologisch nicht so sehr stimmt.
Heiko 0:46:45
Es sind halt natürlich wahrscheinlich auch teilweise erstmal so Zeichnungen, die man vielleicht später noch mehr gemacht hat. Außer das erste Bild. Ich finde, man merkt schon, Ich kann es nicht sagen, ich finde es schon beinahe, dass er grundsätzlich auch ein gewisses Talent für die Malerei mitbringt. Ich finde es jetzt keine schlechten Bilder, aber es ist jetzt schon, im Vergleich zu berühmten Malern oder so, merkt man schon, dass er vielleicht dann tatsächlich gut hat, Gedichte zu schreiben. Aber eigentlich wollte ich mir eigentlich gar kein Urteil ermassen. Deswegen aber lieber zurück zur Literatur, denn literarisch ist die Zeit in Rom ebenfalls produktiv. Er bringt zum Beispiel die Ephigenie auf Tauris dann in die Versfassung und er verendet auch sein Drama Egmont, das so die Geschichte des niederländischen Freiheitskämpfers La Morale von Egmont erzählt. Und dann wäre da wohl auch noch, wie könnte es anders sein, eine amoröse Romanze. Denn in seinen römischen Elegien, die Goethe später veröffentlicht, schwärmt er von einer geheimnisvollen Geliebten namens Faustina.
Marcel 0:47:35
Elegien? Hä? Was ist das?
Heiko 0:47:38
Das ist ein Genre sozusagen.
Marcel 0:47:42
Noch nie gehört.
Heiko 0:47:43
Genau, da schwärmt er von seiner geheimnisvollen Geliebten namens Faustina. Der ursprünglich geplante Titel für diesen Gedichtzyklus war übrigens Erotica Romana. Aber er hat sie dann in römischen Elegien genommen.
Marcel 0:47:54
Faustina? War das mal vor dem Faust?
Heiko 0:47:57
Ja, also er hat die Urfassung vielleicht auch schon vor der Veröffentlichung. Aber Faustina ist einfach tatsächlich ein alter römischer Frauenname. Also das ist, den gab es auch schon im alten Rom. Die hieß es Frau Faustina. Lange wurde gerätselt, ob diese Faustina wirklich existiert hat. Heute gilt es als wahrscheinlich, dass sie wirklich eine reale Person war. Und irgendwie erkennt man auch ein gewisses System hier. Und es passt auch zu unserem Podcast, denn mutmaßlich handelt es sich dabei wieder um eine Kellnerin und Tochter eines Gastwirts, das hatten wir auch in Folge 1 schon das ein oder andere Mal, und zwar in dem Fall der Osteria alla Campania, in der er regelmäßig verkehrte. Und in einem Gespräch mit dem Maler Wilhelm Zahn bekannte Goethe dann einige Jahre später auch Zitat, in dieser Osteria hatte ich meinen gewöhnlichen Verkehr. Hier traf ich die Römerin, die mich zu den Elegien begeisterte. In Begleitung ihres Ohrheims kam sie hierher und unter den Augen des guten Mannes verabredeten wir unsere Zusammenkünfte, indem wir den Finger in den verschütteten Wein tauchten und die Stunde auf den Tisch schrieben. Aber die Beziehung war, wie so oft bei Goethe, nicht von Dauer. Im Frühjahr 1788, nach so gut anderthalb Jahren Italien, tritt er die Rückreise nach Deutschland an, ohne Faustina ganz offensichtlich. Kurz nach seiner Rückkehr begegnet er dann Christiane Wulpius. In Folge 1 hatte ich die anfangs schon mal erwähnt. Das war jene Frau, die Wilhelm Grimm dann als besonders trinkfest beschrieben hat.
Marcel 0:49:17
Ah, die.
Heiko 0:49:18
Genau. Sie stammt auch aus einfachen Verhältnissen. Ihre Familie war eher verarmt. Ihr Bruder arbeitete als Schriftsteller und sie tritt zunächst sogar auch als so eine Art Bittstellerin an Goethe ran, wegen einer Angelegenheit für ihren Bruder. Doch aus dieser zufälligen Begegnung wird dann recht bald mehr und Goethe, kann es anders sein, verliebt sich. Und die Beziehung blieb anfangs geheim, denn sie galt wieder mal, auch da erkennt man irgendwie das System als nicht standesgemäß. Sie kam eben auch einfach in Verhältnissen.
Marcel 0:49:45
Wie alt war er?
Heiko 0:49:46
Da ist er schon ein bisschen, wir sind 1748 rum inzwischen schon fast. Christiane war jedenfalls nicht aus dem gebildeten Bürgertum oder gar dem Adel. Und Goethe war ja inzwischen sogar geadelt worden. Er ist jetzt mittlerweile von Goethe. Trotzdem leben sie dann bald zusammen. Am 25. Dezember 1789 wird auch ihr gemeinsamer Sohn August geboren. Unehelich, was schon einen gesellschaftlichen Makel eigentlich bedeutete damals. Also es war jetzt nicht so üblich und nicht gut gesehen. Aber in Goethes Fall, war inzwischen ja auch bekannt, wird das zumindest in Weimar weitgehend stillschweigend einfach akzeptiert.
Marcel 0:50:21
Wie alt war sie dann? Also er war jetzt 40 Vater geboren sozusagen, was jetzt eher vielleicht nicht unbedingt dem damaligen entsprechend gesprochen hat oder so. Ich glaube, man ist ja dann doch schon normal.
Heiko 0:50:34
Sie war glaube ich knapp, also sie ist in 20, 18 Jahren jünger.
Marcel 0:50:37
Ah, okay, okay, okay, okay, krass.
Heiko 0:50:40
Er hat es auch, also gerne Kellnerin, gerne jüngere Frauen, gerne in Gasthäusern, man erkennt ein Beuteschema, aber ja, dieses unehrliche Kind wird in Gördes Fall aber weitgehend stillschweigend akzeptiert, auch wenn die beiden zumindest auf Wunsch des Herzogs lieber ein Haus vor den Toren der Stadt beziehen. Und auch in der höheren Gesellschaft, in der sich Goethe ja bewegt, wird sie nicht wirklich aufgenommen, weil sie einfach zu, Zitat, ordinär eigentlich ist. Goethe aber hält trotzdem tatsächlich an dieser Beziehung fest, wenn auch lange Zeit noch unverheiratet. Die Ehe folgt viel, viel später, erst am 19. Oktober 1806, also fast 18 Jahre nach Beginn ihrer Beziehung. Und einen Tag nach der Schlacht bei Jena, als Goethe nach einem dramatischen Fluchtmoment plötzlich das Bedürfnis einfach verspürt, Christiane endlich zu heiraten, weil sie es war, die ihn in jener Nacht eigentlich das Leben gerettet hat, als französische Soldaten sein Haus plünderten. Aber ich greife gerade ein bisschen vor, da kommen wir gleich auch nochmal dazu. Erstmal zurück nach Weimar. Hier trifft er nämlich auch erstmals auf Friedrich Schiller. Das ist natürlich eine Verbindung, die bekanntlich auch literarisch von Bedeutung ist, weil quasi das gemeinsame Wirken die Weimarer Klassik im Prinzip begründet und sich diese beiden großen Dichter gegenseitig antreiben. Die erste Begegnung lässt das aber noch nicht so richtig aussehen. Offensichtlich sind sie sich nämlich erstmal nicht so richtig grün Von der ersten Begegnung schreibt Goethe nicht mal Er war auch ein, also er schreibt davon nicht mal Er war außerdem auch ein Kritiker des Werkes Die Räuber von Schiller Und mit dem Schiller eigentlich berühmt geworden ist, Beide konnten nicht so richtig was miteinander anfangen. Schiller wird zum Beispiel nie zu diesen Treffen eingeladen, zu den Goethe-Ring, regelmäßig so seine ganzen Leute zu sich einlädt. Und einmal schreibt Schiller auch über Goethe in einem Brief, ich glaube in der Tat, er ist ein Egoist, in ungewöhnlichen Grade. Er macht seiner Existenz wohltätig, Kund, aber nur wie ein Gott, ohne sich selbst zu geben. Mir ist er dadurch verhasst, ob ich gleich seinen Geist von Herzen liebe und groß von ihm denke.
Marcel 0:52:30
So typisch, ist arrogant.
Heiko 0:52:32
Ja, also Schiller, also kurz gesagt kann man sagen, so Schiller liebt zwar den Dichter Goethe, also seine Werk und das Talent, aber er hasst eigentlich den Menschen und sein ganzes Wesen. Vielleicht ein bisschen Neid dabei, keine Ahnung, aber also weil er ja nicht zu diesen Treffen eingeladen wurde, aber fand ich irgendwie bezeichnet. Aber gut für die Literatur, sage ich mal, dass die beiden sich dann später doch noch anfreunden können. Und Goethe sorgt auch 1789 dafür, dass Schiller in Jena eine Professur erhält. Auch wenn Schiller hier auch etwas gekränkt war, als er nämlich nachträglich erfährt, dass das eine unbezahlte Stelle ist.
Marcel 0:53:03
Oha.
Heiko 0:53:03
Aber immerhin. Tja, und du hattest es jetzt schon sowohl in Folge 1 als auch jetzt schon hin und wieder angeteast. 1789 passiert natürlich noch was, was den Lauf der Geschichte mindestens in Europa maßgeblich beeinflusst hat. Und ohne das würden wir heute hier vielleicht auch durchaus ein anderes Leben führen. Was meine ich wohl?
Marcel 0:53:25
Ja, die französische Revolution.
Heiko 0:53:26
Exakt, natürlich nichts anderes als die französische Revolution. Für Goethe übrigens, wie er selbst sagt, das Schrecklichste aller Ereignisse. Auch wenn er zumindest auch feststellt, dass die revolutionären Aufstände der unteren Klassen eine Folge der Ungerechtigkeit der Großen sind. Also so sagt er das wörtlich. Aber die Revolutionsfreunde in Deutschland, die kann er nicht verstehen. Zu klar ist ihm, welche Erschütterungen und Veränderungen dieses Ereignisses auch hierzulande auslösen könnte und auch wird. Gerade für die herrschende aristokratische Gesellschaftsordnung, von der er selbst, muss man ja so sagen, ordentlich profitiert. Da ist ein Teil davon. Wahrscheinlich ist auch ein bisschen Sorge dabei. 1792, so im Verlauf oder im Nachgang der französischen Revolution, also 1789 hat man als Datum sozusagen, aber die ist natürlich nicht auf einen Punkt, sondern die ist natürlich über Jahre hinweg sozusagen eigentlich dieses Ereignis. Und 1792 kommt es auch zum Krieg zwischen Frankreich und der preußisch-österreichischen Allianz und Goethe nimmt als Teil des Stabes von Herzog Karl August an der militärischen Kampagne gegen das revolutionäre Frankreich-Teil, also er ist wirklich aktiv an der Front.
Marcel 0:54:29
Gegen das, aber dagegen dann.
Heiko 0:54:30
Genau, genau. Also weil man hier sich gegen Frankreich wehren wollte.
Marcel 0:54:35
Sozusagen gegen diese Revolution.
Heiko 0:54:36
Es waren natürlich, hier waren Preußen, Österreich, das waren natürlich alles noch Monarchien, die sich davon bedroht auch sahen.
Marcel 0:54:42
Ja, okay, er ist schon auf der Seite der Bewahrer.
Heiko 0:54:45
Ja, ja, genau. Also er ist ja auch in Weimar noch und immer noch bei Herzog Karl August und in seinem Gefolge sozusagen nimmt er an dem Krieg teil, sozusagen, weil er natürlich zu seinem Stab gehört einfach.
Marcel 0:54:54
Na gut, er ist ja jetzt auch schon dann über 40, ne?
Heiko 0:54:58
Und es ging eigentlich wirklich alle davon aus, dass das ein kurzer Einsatz wird. Die französischen Truppen, die hätten eigentlich gar keine Chance, dachte man. Wahrscheinlich nach das sogar die Franzosen selbst, ehrlicherweise. Aber es kam anders. Bei Valmi kam es zur Schlacht und überraschenderweise gewinnen die Franzosen. Goethe, der angeblich sogar mitten durch den Kugelhagel geritten sein soll, schreibt er von sich selbst. Da kann man vielleicht auch ein bisschen kritisch sehen, ob das vielleicht poetisch, egoistisch überhöht ist. Aber er sagt von sich, er ist durch den Kugelhagel geritten und laut eigener Aussage, also ebenfalls nach eigener Aussage, soll er dann nach der Schlacht auch zu den anwesenden Offizieren quasi prophetisch verkündet haben. Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen. Muss man nur auch sagen, das hat er in der Nachschau geschrieben, also ob der das wirklich so exakt an diesem Tag und Abend geschrieben hat, ist unklar. Was man aber sagen kann, dass er sich von dieser Kampagne gegen Frankreich offensichtlich deutlich mehr Freude für den Gaumen erhofft hat. Ein paar Tage vor der Schlacht bei Walmi schreibt er nämlich an seine Geliebte, Christiane, denke nur, wir sind so nah an Champagne und finden kein gutes Glas Wein. Auf dem Frauenplan, das ist das Haus von Goethe und Christiane, soll es besser werden, wenn du mein Liebchen Küche und Keller besorgst. Also offensichtlich hat er von dieser französischen Kampagne in die Richtung Champagner ein bisschen mehr Wein oder besseren Wein erhofft und auch einige Tage nach der verlorenen Schlacht konnte er sich die Niederlage offenbar nicht mit einem guten Glas Wein schön trinken, denn er schreibt an die Herzogin Anna Amalia, hören nun eure durchlaucht nach allem diesem, dass wir schon mehrere Wochen in der Nähe von Champagner, ja in Champagner hausen und herrschen und doch keinen Tropfen leidlichen Weins getrunken haben, so werden sie deutlich einsehen, dass es hier herum nicht mit rechten Dingen zugehe und dass wir uns auf einem Boden befinden, dem nicht recht zu trauen ist.
Marcel 0:56:50
Also nur um das jetzt, also er hat jetzt erwartet, wenn die Franzosen kommen, dass es überall Champagner gibt.
Heiko 0:56:56
Die sind da hin, also die Franzosen sind nicht gekommen, sondern sie sind da hin. Also sie sind in der Champagner, also nicht in der Champagner, sie sind quasi in Frankreich mit den Truppen. Sie haben dort, die Schlacht ist auf französischem Boden. Er ist einfach offensichtlich davon ausgegangen, wenn man schon so dicht an der Champagne in der Nähe ist, dann wird es ja wohl guten Wein geben.
Marcel 0:57:11
Aber er war da mit?
Heiko 0:57:12
Genau. Er war mit an der Front sozusagen. Er ist ja durch den Kugelhager geritten. Er ist als Stab.
Marcel 0:57:18
Ich dachte, das wäre einfach nur so bildlich gewesen.
Heiko 0:57:21
Er war wirklich mit als Teil des Stabes eben von dem Herzog.
Marcel 0:57:25
Aber mehr im Hintergrund wahrscheinlich auch. Also okay, aber dann schon eigentlich irgendwie auch krass, dass er dann, also eigentlich ist er dann mit in den Krieg direkt gezogen.
Heiko 0:57:35
Ja, also war auch wahrscheinlich so ein bisschen verpflichtend, als Teil von dem Herzog, der dann mobilisiert. Aber ja, aber, Man kann schon sagen, armer Goethe, nun er sitzt fern der Heimat, er hat die Schlacht auch noch verloren und dann kriegt er nicht mal irgendwie einen guten Wein. Ganz anders zum Glück wir, Marcel, auch wenn es jetzt kein Champagner ist, offensichtlich heute, aber trotzdem würde ich an der Stelle wieder eine kleine Pause machen und den nächsten Wein genießen.
Marcel 0:58:00
Ja, und wir gehen jetzt nochmal zurück zum Thema Lacryma Christi und diesmal tatsächlich trinken wir einen richtigen und zwar von der Cantina Matrone. La Crima Cristi del Vesuvio.
Heiko 0:58:14
Also tatsächlich so eine Cantina, wie du vorhin auch schon gesagt hast, wo so mehrere…
Marcel 0:58:19
Nee, diese Bezeichnung der Weingüter ist dann doch mal unterschiedlich. Also es gibt Tenuta, Cantina, es gibt wirklich unterschiedliche Bezeichnungen.
Heiko 0:58:29
Ach stimmt, Tenuta kenne ich ganz häufig.
Marcel 0:58:31
Sorry, ich meinte vorhin nicht Cantina, ich meinte eher so einen, ach wie heißt das, wenn man so, wenn alle zusammenpacken, sozusagen oder…
Heiko 0:58:39
Ich weiß, was du meinst. Ich komme auch nicht auf den Namen. Es gibt es auch so von Kaffeebauern in Lateinamerika und so gibt es das auch manchmal.
Marcel 0:58:47
Ja, aber genau, das ist in dem Falle tatsächlich ein jemand, der das macht und mit Herzblut und seine eigenen Weinberge sozusagen hat. Und ja, diesmal trinken wir einen also einen Cuvée und zwar wirklich 90% Piedorosso und 10% Agianico. Und ich glaube, wir können direkt mal probieren, ob du da jetzt einen Unterschied merkst zum ersten Wein.
Heiko 0:59:16
No pressure.
Marcel 0:59:18
Na klar.
Heiko 0:59:20
Er riecht auf jeden Fall anders auch ein bisschen.
Marcel 0:59:23
Ja, der ist auch ein bisschen dunkler.
Heiko 0:59:26
Wirklich schwer. Inzwischen ist es sehr, sehr dunkler geworden hier.
Marcel 0:59:29
Ja, aber man kann nicht mehr so ganz einfach durchgucken. Auf jeden Fall so ein bisschen rubinrot.
Heiko 0:59:35
Tropft hier auch.
Marcel 0:59:36
Ich glaube, vom Geruch her auch ein bisschen anders.
Heiko 0:59:39
Ja genau, das meine ich, also er riecht auf jeden Fall anders. Was ist denn? Kannst du nicht ganz identifizieren?
Marcel 0:59:45
Also ich glaube, es ist auch was Beeriges, aber ein bisschen eine dunklere Beere diesmal.
Heiko 0:59:50
Irgendwas erinnere ich mich. Ja, das Würzige, genau. Ich kann gerade nur nicht sagen, was war, aber das meine ich eben. Also da ist das schon…
Marcel 1:00:00
Vorher war so Walderdbeere tatsächlich eventuell sogar. Also so ein bisschen eine dunklere Beere halt auch.
Heiko 1:00:05
Eine Walderdbeere, auch Brombeere genannt.
Marcel 1:00:08
Nein, es gibt Walderdbeeren. Ja. Ich gucke auf Eikon. Der ist verwundert.
Heiko 1:00:21
Ja, weil ich finde, der schmeckt nicht ganz, wie er gerochen hat. Ich habe das Gefühl, er ist fruchtiger gerade.
Marcel 1:00:30
Also ich finde, der bleibt erstmal auf der Zunge. Ja?
Heiko 1:00:37
Du bist so überrascht.
Marcel 1:00:39
Ich bin überrascht.
Heiko 1:00:39
Oh Gott, nee, schmeckt mir nicht. Also was?
Marcel 1:00:42
Nee, erzähl weiter.
Heiko 1:00:43
Bitte erzähl weiter. Nein, nein, also mir schmeckt der.
Marcel 1:00:46
Ja? Okay.
Heiko 1:00:47
Also jetzt bin ich gespannt, warum du glaubst, dass er mir nicht schmecken könnte.
Marcel 1:00:50
Das ist die einzige Natur, wenn ich heute dabei habe. Ah, weil es ist natürlich.
Heiko 1:00:54
Aber das ist auch unfair, weil ich finde, du hattest ja auch in der ersten Folge den Georgischen Naturmann, der hat mir auch geschmeckt.
Marcel 1:00:59
Nee.
Heiko 1:00:59
Ich finde, der schmeckt nicht wie so ein typischer, aber vielleicht ist dieses, ja, nee, aber ich finde, der schmeckt, ich hätte jetzt nicht.
Marcel 1:01:04
Auch nicht. Tatsächlich muss man sagen, es ist auch ein Dogwine. Also vielleicht kommen wir später nochmal zu den italienischen Klassifikationen. Dementsprechend hat der auch eine Prüfung bestanden und hat schon auch eine Typizität, die eher dem entspricht, was man unter einem Lacryma de Christi Rosso erwartet. Achso, du guckst gerade das…
Heiko 1:01:22
Also ich habe mir nur das Etikett angeschaut. Da sieht man auf jeden Fall, glaube ich, den Vesuv und eine schöne Bucht.
Marcel 1:01:29
Also ich finde, der hat so eine kleine Perlichkeit am Anfang so, also so ganz leicht.
Heiko 1:01:35
Voll. Stimmt.
Marcel 1:01:37
Ich finde den auch, der hat auf jeden Fall so was dunklichbeeriges, also so Brombeere, was für eben im Geruch so ein bisschen anders war bei der Beere.
Heiko 1:01:44
Was spannend finde ich, also ich fand, wenn man den so mal ein bisschen im Mund behält, da habe ich diese Perlichkeit noch nicht erst in dem Moment, wo ich schlucke, kommt diese Perlichkeit erst so ein bisschen so nah. Das fand ich ganz interessant.
Marcel 1:01:53
Was ich bei dem also auch so habe, ist so, der hat eine spannende Säure, so. Also es ist jetzt kein Rotwein, der keine Säure hat.
Heiko 1:02:01
Ich finde die weniger sauer als der erste.
Marcel 1:02:04
Naja, wir haben jetzt noch die zweite Rebsorte mit drin und vielleicht das, deswegen habe ich noch gefragt, was so ein bisschen dein Eindruck ist. Was man hier am Ende, vielleicht, du hast es jetzt gerade leer, soll ich dir noch einen kleinen Schluck eingießen?
Heiko 1:02:15
Kleinen vielleicht. Also wenn ich jetzt noch mehr nachschmege. Entschuldige, du hast meine Anweisung bitte wenig einzugießen, auch wirklich ernst genommen, aber dadurch bin ich natürlich auch relativ schnell weg mit dem Schluck. Dankeschön. Nur für alle, die das jetzt natürlich nicht sehen, wir haben wieder dieses Gerät im Einsatz, was Marcel in der letzten Folge schon beschrieben hat, wo man so quasi Gläser eingießen kann, ohne den Korken öffnen zu müssen, sodass man jetzt, glaube ich, dass wir sechs Weinflaschen hier stehen haben, nicht alle nachher noch leeren muss.
Marcel 1:02:48
Genau. Das ist schon praktisch. Ich habe gestern übrigens auch mal probiert, ob die gut sind. Ich habe ein bisschen Schiss gehabt, ehrlicherweise, weil ich natürlich von jedem jetzt nur eine Flasche habe und die kamen alle aus Italien tatsächlich. Und ja, wäre ja doof gewesen, wenn jetzt irgendjemand von den sechs Flaschen hier etwas gekippt wäre oder sowas. Haben wir Gott sei Dank nicht den Fall.
Heiko 1:03:08
Aber du warst es gerade genau.
Marcel 1:03:09
Ich wollte etwas hinaus, nämlich am Ende, also am hinten sozusagen. Der erste war ja quasi eigentlich leicht. So, da war jetzt nicht so viel Struktur oder so. Wenn du hier mal ein bisschen reinschmeckst, hast du auf jeden Fall Tannine auf der Zunge. Die sind nicht super strong, aber die sind da.
Heiko 1:03:33
Wie würdest du die beschreiben?
Marcel 1:03:35
Also Pelz auf der Zunge hinten.
Heiko 1:03:37
Das ist quasi, je Tanninenhaltiger die sind, desto pelziger.
Marcel 1:03:43
Ja, genau.
Heiko 1:03:44
Aber das ist jetzt nicht super Pelz.
Marcel 1:03:46
Nee, nee, aber deswegen, ich wollte ein bisschen darauf hinaus. Wir haben den Piedorosso und dann haben wir den Agianico und der Agianico ist genau dafür zuständig im Wein. Der gibt hinten ein bisschen die Tiefe, der gibt ein bisschen Struktur hinten und die Tannine.
Heiko 1:04:00
Also das heißt, diese Tannine, die kommen vorwiegend auch durch die Rebsorte rein. Es gibt einfach Rebsorten, die tanninenhaltiger sind. Das ist jetzt nicht irgendwie in der Produktion oder so, dass man…
Marcel 1:04:09
Nee, das sind tatsächlich die Trauben, die das dann mitbringen. Genau, und der Agianico ist so ein typischer Vertreter für mehr Tannine. Wir werden beim nächsten Wein noch ausführlicher über Agianico sprechen. Aber das macht den Wein dementsprechend ein bisschen anders. Achso, deswegen…
Heiko 1:04:24
Das heißt, gleich kommt noch ein sehr, sehr pelziger, tanninhaltiger Wein?
Marcel 1:04:27
Naja, also vielleicht auch nicht ganz so. Ich glaube, ich… Ich bin gespannt, ich bleib gespannt. Habe ich die ganz krassen dann auch nicht mitgenommen, aber… Jedenfalls, der steht dafür so. Ja, ich finde den super cool. Vielleicht nochmal so, also beim Alkohol hat der irgendwie 12 Prozent und kostet so 20 Euro, habe ich vor Ort bezahlt. Ich glaube, die älteren Weine kann man auch in Italien bestellen. Also aus Italien bestellen, kriegt man auch für 15,90 oder so. Aber was ich interessant fand, also das war so eine spontane Geschichte. Ich hatte mir vorher Feudi zum Beispiel schon rausgesucht gehabt, die ich besuchen wollte, auch das letzte Weingut. Und habe dann natürlich aber auch ein bisschen Spontanität noch zugelassen, um ein bisschen so zu lokal zu gucken, was noch so geht. Und den Andrea Matrone, also die Cantina Matrone, ist der Besitzer sozusagen, Andrea Matrone, habe ich vor Ort noch entdeckt und bin dann einfach vorbeigefahren. Und es war ein bisschen witzig gewesen, weil ich bin angekommen, es war direkt so eine Vorstadt von Neapel und zwar in dessen Namen ich gerade nicht aussprechen kann, Bosco Reale. Das ist so ein bisschen eine Vorstadt von Neapel. Also es ist ja alles sehr dicht bebaut da, man fährt, man fährt, man fährt und es ist irgendwie nie ein Ende oder so. Man gibt zwar schon ein Schild, da steht dann, hier ist Neapel vorbei, aber es ist alles prinzipiell Stadt sozusagen. Und so kann man sich das da auch vorstellen. Irgendwie hingefahren, vor dem Haus stehen, irgendwie dran mal geklingelt. Es konnte niemand Englisch. Es war gerade auf dem Hof, da habe ich gesehen, da stehen irgendwie Trauben rum, so Erntebehälter, also so eine Körbe sozusagen, wo Trauben drin waren. Und jemand konnte nicht Italienisch und war so ein bisschen aufgeregt und dann wollte er mir irgendwas vermitteln und dann kam jemand an.
Heiko 1:06:07
Also du konntest nicht Italienisch?
Marcel 1:06:08
Ja, ich kann auch wirklich kein Italienisch.
Heiko 1:06:11
Du meinst gerade jemand konnte nicht, ich dachte jetzt vor Ort konnten die natürlich Italienisch.
Marcel 1:06:15
Stimmt, ja stimmt. Ich konnte kein Italienisch und sie konnten nicht Englisch, genau. Und dann war da jemand aus Frankreich gewesen, der bei dem Weingut einfach Praktika gemacht hat. Der war eigentlich, mit dem hätte ich gerne nochmal gesprochen, habe ich überhaupt später nicht nochmal gesehen. Der war dann irgendwie so, ja komm mal rein. Andrea ist gerade unterwegs, der besorgt einen Ersatzteil, wir müssen gerade die Presse reparieren, die ist gerade kaputt und ist dann gerade mit Moped los und so. und dann kam irgendwie wieder der Andrea und war so, ah, ich habe keine Zeit. Ich muss jetzt hier mitten in der Ernte, ich kann jetzt nicht so, ich will eigentlich mal einen Wein probieren und so, und dann hat er mir irgendwie so meinen…
Heiko 1:06:50
Aber der konnte dann Englisch?
Marcel 1:06:52
Er kann tatsächlich Englisch, von ihm gibt es auch ein paar YouTube-Videos, wo er so ein bisschen drüber spricht und so, kann man sich anschauen. Jedenfalls war das so eine schöne Entdeckung vor Ort gewesen. Also es ist ein relativ kleines Weingut am Vesuv direkt, die haben siebeneinhalb Hektar, also wiederum, Sehr viel kleiner als das, sag ich mal, unser Standardfeld, gut von den 20 Hektarn oder von der Binnenhalster.
Heiko 1:07:14
Also ein bisschen wie die eine Achterbahn da im Heidepark-Solder.
Marcel 1:07:16
Genau, er macht irgendwie 35.000 Flaschen im Jahr, hat selber in 2014 angefangen, also elf Jahre dabei, also immerhin auch schon, das ist ja auch eine ganze Weile. Und hier haben wir wieder den Fall, dass die Family schon länger im Weinbusiness war. Die waren schon seit dem 18. Jahrhundert in der Region beschäftigt und es gab so eine alte historische Karte, wo dann stand auch die Region von Matrone, also quasi die, wie er heißt, und die Straße zum Vesuv an selbst, zum Krater hoch, heißt auch Strada, die Matrone. Also es gibt auf jeden Fall seine Family, hat da irgendwie auch ein bisschen Wurzeln hinterlassen. Er ist, glaube ich, eher so ein super enthusiastischer Typ, wo ich dann auch war, ich will einfach nur Wein machen, ich will jetzt eigentlich auch gar nicht so viel, ich will keinen Tourismus und blablabla.
Heiko 1:08:04
Und Business und so, also ein bisschen das Gegenteil von dem.
Marcel 1:08:07
Ja, er hat so mehrere kleine Ein-Hektar-Weingärten gekauft sozusagen und wenn man sich die Videos, die wir in den Schonungsverlinken anschaut, dann sieht man auch, da zeigt er so ein paar davon. Er hat teilweise auch so eine Pergola-Weingärten, ich glaube, die hattest du auch schon mal erwähnt, also wo du einfach oben so eine Pergola hast und dann wachsen die teilweise so ein bisschen dichter zusammen und nach oben hinzu sozusagen. Die sind so zwischen 30 und 300 Meter Höhe, also geht so ein bisschen am Vesuv hoch und da haben wir halt diese schwarze vulkanische Erde. Dementsprechend haben wir hier auch im Glas ein bisschen mehr, hatten wir im ersten so gefühlt schon, aber auch eine Mineralität.
Heiko 1:08:45
Das Mineralische, ja.
Marcel 1:08:45
Ja, genau. Wie gesagt, das Haus oder sein Weingut selber ist im Keller seines Hauses sozusagen. Von der Herstellung her macht er die Meische teilweise so ein Kunststoffbild. Da hatte ich auch gesehen, wo ich dann da war. Ich war da nochmal ein zweites Mal da, da hat er übrigens auch keine Zeit gehabt.
Heiko 1:09:04
Ja gut, wenn es auch gerade mitten in der Erntezeit und so ist.
Marcel 1:09:06
Ich kann mir vorstellen.
Heiko 1:09:06
Dass das so gerade hoch betrieben wird.
Marcel 1:09:08
Ja, ich war froh, er hat mir noch einen Kontakt gegeben und dementsprechend kam die Flasche auch nach Deutschland. Also ich hatte die gar nicht da mitgepackt, sondern die haben sie auch rüber geschickt. Es gibt die leider noch nicht in Deutschland, aber vielleicht ab Dezember oder so, meinte der eine, der sich so ein bisschen im Vertrieb kümmert, kommt jetzt auch nach Deutschland. Also ich finde tatsächlich, der macht cooles Zeug. Er macht eine Spontanvergierung, haben wir letztes Mal drüber gesprochen, also nicht mit so Zuchthäfen. Das ist nochmal ein Gegensatz tatsächlich zu den anderen Weingütern, den anderen beiden, die wir haben. Ich habe noch nicht drüber gesprochen, aber er nutzt halt das, was so quasi im Weinberg und Keller da ist. Er klärt das nicht. Also teilweise im Wein machst du halt so Stoffe rein, so ein Betonitis wie so Asche, damit sich die Schwebstoffe eher setzen am Boden sozusagen. Arbeitest du mit so Chemie nochmal?
Heiko 1:09:55
Also kein Naturwein.
Marcel 1:09:57
Nee, er macht das halt nicht.
Heiko 1:09:58
Ach so.
Marcel 1:09:59
Ja, genau, er macht das halt nicht. Aber er filtert die dann schon.
Heiko 1:10:02
Bin ich schon gewohnt, weil du mir gerade noch meintest.
Marcel 1:10:03
Das ist ein Naturwein. Also es ist glaube ich nicht so, ist jetzt nicht die Promo rangehangen, das ist ein Naturwein. Aber so von der Art und Weise, wie ihr arbeitet, auch wir haben hier relativ wenig Schwefel, also 25 Milligramm drin. Es ist geschwefelt, aber so am untersten Ende sozusagen, dass es sich gut hält. Und er filtert es schon noch auch teilweise, also dass du nicht nur so, also ich meine, es ist keine trübe Brühe hier, das ist schon, sage ich mal, ein klassischer Rotwein so vom Anblick her. Und auch wiederum im Gegensatz zu dem Wein, den wir später noch trinken, hat er keinen Sauerstoff so in der Produktion drin, hat er viel Sauerstoff drin. Also er arbeitet schon mit dem Sauerstoff sozusagen im Verlauf der Zeit, füllt es auch mehrmals nochmal um. Generell experimentiert er gern mit alten Methoden, erzählt er auch gern drüber, was ich meinte, so in den Videos sieht man das bei ihm so, dass er dann zum Beispiel, was er macht, dass er Pflanzen in so Löchern von Lavagesteinen reinpackt und guckt, ob das wächst. Und er probiert mal so alte Methoden auch, die so am Vesuv heimisch waren, so aus. Also er ist halt wirklich die Art von Nerd, die sich voll konzentriert auf das Thema Wein, quasi im Weingarten behandeln und im Keller sozusagen mitarbeiten. Und auch hier haben wir eine Verbindung von, das hatten wir davor schon, Kunst und Wein. Er malt selber, er hat das Cover nicht, er hat einen anderen Wein, einen weißen Wein. Da ist das Cover von ihm drauf, was so ein bisschen eher so Basquiat.
Heiko 1:11:29
Was ist das?
Marcel 1:11:30
Ah, okay, den musst du dir dann vielleicht auch mal angucken, der ist tatsächlich ganz cool. Also es ist einfach ein… Künstler, der so vom Style her, also wenn man, wer das kennt, so wenn du vom Style her den kennst, so sehen seine Bilder so ein bisschen aus. Er spielt auch Gitarre, so in den ganzen Videos, die er ist, dann singt er meistens so. Genau. Und sein Matto ist so ein bisschen Leben, Lieben und eine Flasche Wein. Und ich glaube, das passt dann wiederum zu Goethe. und da hatte ich nämlich ein Zitat gefunden, auch in dem Weinkontext bei Goethe, was es, glaube ich, beschreibt, weil ich immer wieder natürlich daran denken muss, weil wir so viele Frauenthemen die ganze Zeit hatten und Weinthemen. Und ein Zitat, was es, glaube ich, nochmal zusammenfasst, das konkurriere ich auch nochmal eins mit. Ein Mädchen und ein Gläschen Wein sind die Retter in der Not, denn wer nicht trinkt und wer nicht küsst, der ist so gut wie tot.
Heiko 1:12:19
Oha. Das ist schön, das ist schön. Also dieses ganze Thema Leben, Liebe, Wein, Wie du sagst, begleitet uns ja sowieso schon auch in der ersten Folge und in dieser Folge und es wird, so viel kann ich jetzt schon sagen, nachher auch nochmal sehr, sehr auch wortwörtlich aufgegriffen werden. Aber zunächst mal beschäftigt sich Goethe in den nächsten Jahren wieder erstmal intensiv mit Naturwissenschaft, besonders mit Botanik, Farbenlehre, Anatomie. Es zieht ihn dabei immer häufiger nach Jena, das damals so zu einem intellektuellen Hotspot des Landes wird. Hier begegnet er auch Alexander von Humboldt zum Beispiel, mit dem sich bald ein intensiver wissenschaftlicher Austausch entwickeln sollte. Und irgendwie finde ich das irgendwie einmal mehr wirklich beeindruckend, wie Goethe so im Prinzip echt immer mit so dem Who is Who des späten 18. Jahrhunderts verkehrte. Alle so bekannten Persönlichkeiten dieser Zeit hatten irgendwie zwischenzeitlich was mit Goethe zu tun.
Marcel 1:13:09
Naja und er hat sich auch für wissenschaftliche Themen interessiert.
Heiko 1:13:12
Ja, sehr, sehr, sehr. Er hat ja sogar eigene Abhandlungen auch teilweise geschrieben. Ich glaube sogar auch, das habe ich jetzt hier nicht mit reingenommen, irgendwas zum Weinreben hat er irgendwie auch was Botanisches sich mit auseinandergesetzt. Ja und hier in Jena sollte es auch endlich zur Freundschaft mit Schiller kommen. Schiller bat Goethe um Mitarbeit an der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Die Horen. Sie inspirierten und forderten einander, sie tauschten Manuskripte aus, sie gaben sich gegenseitig so kritisches Feedback und so wird diese Freundschaft dann literarisch einfach sehr fruchtbar, besonders als das dann auch Schiller 1799 schließlich nach Weimar zieht. Leider, muss man natürlich sagen, wird dieses produktive Bündnis nur noch einige Jahre bestehen. Am 1. Mai 1805 sehen sich Goethe und Schiller ein letztes Mal. Kurz darauf stirbt Schiller an einer schweren Lungenentzündung im Alter von nur 45 Jahren. Also der ist nicht sehr alt geworden.
Marcel 1:14:01
Er hat nicht so viel Wein getrunken, ne?
Heiko 1:14:02
Er ist auch eine Lungenentzündung.
Marcel 1:14:04
Ja, ja, ich weiß. Ich wollte Google.
Heiko 1:14:05
Das war ein schlechter Witz. Es ist eine Zäsur, nicht nur im Leben Goethes, sondern eigentlich auch für die deutsche Literaturgeschichte. Mit dem Tod Schillers endet im Prinzip auch die Epoche, die wir einfach als Weimarer Klassik bezeichnen. Aber… Ganz großen Anführungszeichen, bitte versehen, hat der Tod quasi insofern etwas, ja, Gutes, bitte jetzt wirklich nicht weit verstehen, sondern sagen wir mal Produktives, so aus rein literarischer Perspektive, weil sich Goethe dadurch jetzt so etwas in der Pflicht zieht, die Arbeit an seinem Faust wieder aufzunehmen und zu beenden, weil Schiller ihn immer wieder dazu gedrängt hat und er so ein bisschen wie so eine Verpflichtung nach dem Tod sagt, jetzt muss ich da mich mal wirklich, wirklich ransetzen.
Marcel 1:14:41
Ich dachte aber, die hätten dann mehr miteinander zu tun, weil das war ja dann scheinbar nur eine kurze Zeit.
Heiko 1:14:45
Ja, aber sie haben sehr, sehr viel miteinander zu tun gehabt und auch sehr, sehr viel sich gegenseitig gefördert, gefordert, Feedback gegeben. Also das ist schon diese Weimarer Klassik, diese Zeit. Erst und trotzdem, also ich weiß nicht, ob es kurz und intensiv nennen kann, aber sie ist halt leider dann zu früh verstorben. Aber trotzdem haben sie in dieser Zeit, die sie zusammengearbeitet haben, natürlich sehr viel zusammengearbeitet.
Marcel 1:15:01
Aber das sind jetzt drei, vier Jahre oder so, ne? Also du meintest vorhin, das ist über 40 und jetzt ist, gut, die waren nicht gleich alt, ne? Schiller war wahrscheinlich ein bisschen jünger.
Heiko 1:15:09
Ja, Schiller ist jünger.
Marcel 1:15:10
Ah, okay, dann ist Goethe jetzt schon 50 oder sowas wahrscheinlich.
Heiko 1:15:14
Genau, also ich bin auch echt einfach nicht gut im Rechnen, also ziemlich genau 50, 1799, 1805 stirbt er, also sogar über 50.
Marcel 1:15:22
Also haben Sie schon, also das hört er sich jetzt nach zwei Jahren oder so an, wo er dann noch die Hälfte der Zeit ihn gehasst hat?
Heiko 1:15:30
Nein, also zumindest 1799 zieht er nach Weimar, 1805 stirbt, also das sind schon sechs Jahre und vorher gab es schon so ein bisschen Austausch in Jena, also so sechs, sieben, acht Jahre.
Marcel 1:15:38
Okay, das ist dann schon, dann kann man schon Projekte zusammen machen.
Heiko 1:15:42
Auf jeden Fall, auf jeden Fall. Goethe ist zum Zeitpunkt von Schillers Tod sogar selbst schwer krank. Mal wieder. Genau, also das zieht sich auch so ein bisschen durch. Und Freunde und auch seine Geliebte, eben Christiano Vulpius, die trauen sich erst gar nicht in diese Nachricht zu überbringen, weil sie so ein bisschen Angst haben, dass er aufgrund seiner Schwäche dann vielleicht diese Nachricht selbst nicht gut verkraften kann. Und als er schließlich von dem Tod seines Freundes doch erfährt, logischerweise, ist er, wie wir uns vorstellen können, schwer davon mitgenommen, sogar sehr. Und es sollte ein, weiteres sehr entscheidendes, katastrophales Erlebnis folgen. Denn in Frankreich hat er sich mittlerweile in den Nachwien der Koalition ja einen Mann an die Spitze des Staates gestellt, dessen Namen wir sicher alle kennen. Kannst du wahrscheinlich auch mir jetzt auf die Sprünge helfen sozusagen?
Marcel 1:16:28
Friedrich.
Heiko 1:16:29
In Frankreich soll ich den Namen sein.
Marcel 1:16:31
Achso, warte mal, Ludwig war davor an Napoleon.
Heiko 1:16:34
Richtig, Napoleon Bonaparte, genau, genau. Sorry, jetzt habe ich dich kurz auch ein bisschen falschen Fuß erwischt, aber genau, du hast recht. Napoleon Bonaparte.
Marcel 1:16:41
Ludwig war das nicht davor, ne?
Heiko 1:16:44
Dazwischen waren schon noch andere, aber Ludwig war quasi der König, der dann geköpft wurde mit Marie Antoinette, dann mittelfristig. Und Napoleon strebte bekanntlich nach einer Neuordnung Europas unter französischer Vorherrschaft und in diesem Zusammenhang und mit den folgenden Ereignissen in Weimar, da muss man trotzdem einräumen, dass es eigentlich Preußen war, das im Herbst 1806 seine Neutralität aufgab und Frankreich den Krieg erklärte, also nicht andersrum. Und auch dadurch dann seinen Verbündeten Weimar einfach in den Konflikt mit hineinzog. Denn nur ganz kurz historischer Abriss nach den französischen Siegen über Österreich im Jahr 1805 bei Austerlitz und der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches durch Kaiser Franz II. Der hatte quasi das Reich aufgelegt, die Kaiserkron abgelegt, so ein bisschen salopp gesagt, weil er sagte, das kann ich, Napoleon möchte ich nicht das sozusagen geben, er soll das nicht erobern können. Und da hatte dann danach eben Napoleon große Teile Mitteleuropas unter seine Kontrolle schon gebracht, das er auch bekannte mit seinen ganzen Eroberungen. Besonders brisant für Preußen war dann aber, dass er im Juli 1806 den sogenannten Rheinbund gründete. Das ist so ein Bündnis deutscher Fürstentümer unter französischem Schutz, wobei Preußen bewusst ausgeschlossen wurde, was quasi dessen Vormachtstellung in Deutschland natürlich schwächte. Ohne dann auf so eine Allianz mit Österreich oder Russland zu setzen, wie das Das ist sonst immer der Fall, also die Monarchien, die dann natürlich irgendwie so zusammenarbeiteten, erklärte Preußen Frankreich den Krieg und diese Entscheidung erwies sich etwas als verhängnisvoll. Am 14. Oktober verliert das preußische Herr in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt gegen Napoleons Truppen. Kurz darauf marschieren französische Soldaten in Weimar ein, es kommt zu Plünderungen, auch Goethes Wohnhaus wird verwüstet, alles wird zerstört und geraubt. Für Goethe bedeutet das wirklich eine reale Bedrohung, sein Besitz, sein Amt, eigentlich sein ganzes Leben stehen wirklich auf dem Spiel. Zunächst hat er eigentlich ein bisschen Glück, dass einer der französischen Offiziere, die Weimar besetzen, sich als Sohn seiner früheren Geliebten, Lilly Schönemann, wir haben glaube ich in der ersten Folge davon gesprochen, sich als der Sohn herausstellt, von der wir in Teil 1 wie gesagt erzählt haben und der sorgte dafür, dass quasi so ein wohlgesonder Marschall in Goethes Haus einquartiert werden sollte. Auch diese Einquartierung, auch das hatten wir schon in Folge 1 mal angesprochen gehabt. Nur dieser Marschall lässt irgendwie auf sich warten und wie es dann so ist, die Soldaten in Plünderlaune, die werden ungeduldig und dann randalieren sie, sie fordern Wein tatsächlich auf und essen und schließlich stürmen sie einfach mit gezogenen Bayonetten das Haus und auch sein Schlafzimmer. Und wie ich vorhin schon mal kurz erwähnt hatte, war es jetzt seine Geliebte, Christiane Wulpius, die durch ihr entschlossenes Eingreifen vermutlich Schlimmeres verhinderte. Während Goethe, wie man sich vielleicht vorstellen kann, mehr wie der so ein bisschen in Schockstarre war, fängt sie einfach wild an zu schreien und zu brüllen und die motiviert dann auch andere Anwesende, die sich dann auch in Goethes Haus schon geflüchtet hatten, dazu einfach die Soldaten so ein bisschen aus dem Schlafzimmer zu drängen, also wirklich so mit allem, was man irgendwie so hat und, die sind dann irgendwie ein bisschen verwirrt von dieser ganzen Reaktion, ein bisschen überfordert und geben auch nach und verlassen das Haus.
Marcel 1:19:38
Sie konnten ja auch kein Deutsch.
Heiko 1:19:41
Vielleicht hat sie auch auf Französisch gesprochen, also ich glaube, das war damals Das ist ja auch noch so ein bisschen die buchstäbliche Lingua Frankfurt. Und während Goethe quasi völlig mit den Nerven am Ende ist und dann bitterlich weint und auch zittert, behält Christiane eben die Übersicht. Sie bleibt ruhig und sie sorgt dann einigermaßen ein bisschen für Ordnung auch in dem Haus. Und so kommt dann im Vergleich zu anderen Goethe auch einigermaßen glimpflich noch davon. Andere Häuser waren völlig niedergebrannt, Menschen waren in umliegende Wälder geflüchtet. Also Weimar war wirklich teilweise sehr, sehr zerstört. und das war dann so ein einschneidendes Erlebnis, dass dann nur wenige Tage später am 19. Oktober Goethe Christiane Vulpius nach 18 Jahren gemeinsamer Zeit und einem unehrlichen Kind endlich heiratet. Er schreibt dazu, Dieser Tage und Nächte ist ein alter Vorsatz bei mir zur Reife gekommen. Ich will meine kleine Freundin, die so viel an mir getan und auch diese Stunden der Prüfung mit mir durchlebte, völlig und bürgerlich anerkennen als die meine. Also es war so ein bisschen wie so eine Dankbarkeits-Ehe. Also ich weiß ja auch nicht, was man davon halten soll.
Marcel 1:20:38
Ja, oder einfach die Überzeugung, dass es dann irgendwie, er war ja wahrscheinlich derjenige, der immer dran, also hast du ja auch letztes Mal schon mal erzählt, er wollte ja auf nichts eingehen und so weiter. Und dass es dann nochmal so ein Zeichen war.
Heiko 1:20:51
Kann natürlich sein, jetzt doch mal so Commitments zu zeigen.
Marcel 1:20:54
Und dann auch noch mal was ergänzt, was er vielleicht dann nicht hat. Also wenn er so quasi, also sie scheint ja dann sehr pragmatisch und wehrhaft zu sein. Und er ist dann eher der Verkopfdigi.
Heiko 1:21:05
Aber angeblich ein paar Jahre vorher durch den Kugelhagel geritten sein soll.
Marcel 1:21:09
Ja gut, aber der Punkt ist ja auch, das war ja häufiger schon so gewesen, dass wir irgendwie, also ich erinnere mich noch an diese Straßburger Zeit, wo er diesen Abschied so bitter traurig gezeichnet hat und am Ende ist es einfach abgehauen. Ich meine, das ist ja so eine Tendenz. Der Dichter war ja doch ein bisschen immer über den Dingen und nicht unbedingt an den Dingen.
Heiko 1:21:32
Finde ich, hast du gut ausgedrückt, finde ich gut. Trotzdem muss man auch sagen, dieser Standesunterschied bleibt trotzdem ein Problem und in die höhere Gesellschaft, in der er sich so bewegte, nahm er sie eigentlich trotzdem kaum mit. Ihre einfache Herkunft war weiterhin bekannt. Und Goethe bemühte sich scheinbar auch ehrlicherweise wenig, sie da so gesellschaftlich zu integrieren. Wie sehr das ein Problem blieb, zeigt auch ein Brief von Johanna Schopenhauer, das ist die Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer. Nachdem Goethe Christiane nämlich einmal doch mitbrachte, da schreibt sie, er stellte mir seine Frau vor, als ob ich nicht wüsste, wer sie vorher gewesen ist.
Marcel 1:22:06
Also ich weiß nicht.
Heiko 1:22:07
Wie es dir da geht.
Marcel 1:22:08
Ja, aber ich wollte mich gerade fragen. es ist, also man kann es natürlich ihnen einmal zur Last legen oder man kann es natürlich, also es gibt ja eine Gesamtsituation, die das, ne.
Heiko 1:22:17
Voll, also natürlich es waren auch irgendwie andere Zeiten, ne, klar, aber trotzdem so richtig sympathisch ist das alles nicht. Also generell von der Gesellschaft natürlich nicht, aber vielleicht hätte er es trotzdem, vielleicht ein mehr Versuch, vielleicht hat er dann trotzdem auch um sein Ansehen sich sehr gesorgt, wenn er das doch noch weiter forciert.
Marcel 1:22:32
Mich würde mal interessieren, ob es dann wiederum andere Beispiele gab in der Zeit, die dann ähnliches gemacht haben und da wurde es akzeptiert oder so, ne. Also ich meine, Es ist halt immer aus unserer gemütlichen, wir sitzen auf der Couch, sitzen wir gerade nicht, aber kann man natürlich immer auch urteilen.
Heiko 1:22:49
Absolut, absolut. Also ich weiß nicht, so beeindruckend ist auch Goethe-Laterat. Wir hatten jetzt aber schon mehrfach den Fall, wo man immer irgendwie sagt, so menschlich, manchmal ist es dann doch irgendwie schwierig. Und offensichtlich hat Schiller ja auch so gesehen. Und man muss jetzt mal vorstellen, er hat jetzt Christiane 18 Jahre lang unverheiratet gelassen. Heiratet sie dann aus so einer Mischung aus Dankbarkeit und Schock und es sorgt dann aber trotzdem nicht so richtig für so eine Integration in seine Kreise. Aber ja, wie du sagst, aus so einer modernen Perspektive kann man das natürlich irgendwie jetzt auch ein bisschen einfach behaupten.
Marcel 1:23:21
Also bei den anderen Sachen, die du davor erzählt hast, da würde ich sofort sagen, okay, das war ja, Also es war ja sein Ding, dass es da einfach weggeht, ohne was zu sagen oder so. Ich meine, das kann man definitiv ihm ankreiden, oder? Also da kann er direkt was tun, weil dem anderen ist es wahrscheinlich zumindest nicht eher ganz alleine. Also gerade die Mutter von Arthur Schopenhauer macht Schopenhauer auch nicht sehr sympathisch.
Heiko 1:23:45
Das stimmt, naja. Okay, also Napoleon hat also offensichtlich gesiegt. Weimar wurde dem Rheinbund angeschlossen und Goethe, wenn man so will, so ein bisschen Pragmatiker, arrangiert sich dann rasch mit der neuen Ordnung. Also in dem Fall ist er dann doch irgendwie so ein bisschen pragmatisch. Er hielt es offensichtlich für klüger, sich dann dem Wandel einfach anzupassen, statt ihn zu bekämpfen. Er wollte Ruhe und Ordnung haben, damit sich die Kultur einfach entwickeln kann. Salopp gesagt, er wollte Dichten nicht kämpfen. Er hat es dann gesagt, dann wären wir es halt nicht. Hauptsache ich habe hier meine, also ich kann hier ein bisschen weiter meine Gedichte schreiben. Außerdem und das gehört von der Geschichte schon dazu, war er durchaus ein Fan von Napoleon, muss man sagen. Wir hatten es ja jetzt schon ein paar Mal, Goethe, vielleicht auch, weil er selber einer war, hatte irgendwie so ein Faible für große Persönlichkeiten, ganz im Sinne so der damaligen Hinwendung zum Genius, zu diesem Genie, zu diesem schöpferischen Individuum, generell eben so das Ich, das Individuum, das war ja in der deutschen Philosophie damals so in dieser Zeit wirklich zu hoher Bedeutung gekommen, Und der Begriff des Ich und der Blick auf das Individuum eben so als schöpferische Kraft, die stehen eben im Zentrum des Denkens dieser Zeit und Napoleon, wenn er denn eins hatte, hatte sicherlich auf jeden Fall ein übergroßes Ich, würde ich sagen. Und Goethe bewundert einfach diese Tatkraft und auch Wirkungsmacht dieser Person Napoleon und nennt ihn auch die höchste Erscheinung, die in der Geschichte möglich war auf dem Gipfel dieser so hoch überkultivierten Nation. Also da kann man sich schon, also da sieht man richtig, dass er dann doch irgendwie beeindruckt trotz allem oder gerade deswegen von dieser ganzen Situation, von dieser Person auch war. Er hält auch eine Audienz bei Napoleon tatsächlich, gemeinsam mit anderen Kulturschafften. Ich habe da auch nochmal ein Bild mitgebracht von dieser Zusammenkunft, das allerdings als Posthum von so einem französischen Maler geschaffen wurde. Also das ist jetzt nicht aktuell und aktiv. Das musst du jetzt auch nicht beschreiben. Man sieht halt Napoleon da auf dem Stuhl sitzen und Goethe mit seinen Kollegen davor in Diskussionen vertieft. Wir alle können das, wie gesagt, bei Instagram oder in den Shownotes sehen.
Marcel 1:25:38
Aber haben die sich jetzt gesehen dann?
Heiko 1:25:41
Ja, also die waren wirklich da. Also das ist eines Goethe und das ist eines. Er hatte wirklich eine Audienz und Napoleon zeigt sich da auch wirklich als ausgesprochener Wertherkenner auch. Er diskutiert mit Goethe über das Buch. Er stellt kritische Fragen und angeblich, glaube ich, hat er gesagt, soll er das siebenmal gelesen haben oder so? Er hat glaube ich irgendwo gelesen.
Marcel 1:25:59
Aber dann ist, also ich, also… Wenn Napoleon so ein Fan da angeblich ist, also und der sie mal gelesen hat, und dann kommen die Soldaten da einfach mir nichts ins Haus und keiner rafft das dann. Ich meine, da war ja der eine Typ dann nicht da.
Heiko 1:26:15
Ja, und Napoleon ist da ja auch nicht. Das sind dann die einfachen Soldaten. Also ich glaube, das kannst du so nicht sehen.
Marcel 1:26:19
Also das sind dann normale Kriegszustände.
Heiko 1:26:21
Da wird dann geplündert und was nicht alles. Und ich glaube, das musst du trennen.
Marcel 1:26:26
Ja, okay, in der Situation vielleicht. Aber ich denke mir so, wenn man da irgendwo in Regionen bekommt und er hat da irgendwie ein Interesse dran, also weißt du, wer das initiiert hat oder hast du das gerade schon erzählt?
Heiko 1:26:36
Das Treffen? Ne, das weiß ich nicht. Also das war einfach dann besetzt und dann, Napoleon hat sich natürlich dann auch mit, generell mit den großen Geistern seiner Zeit natürlich getroffen, das gehört dann schon dazu und dazu gehörte dann halt auch Güte.
Marcel 1:26:47
Ich wäre an seiner Stelle angepisst, ehrlicherweise. Trotzdem, also ich meine so…
Heiko 1:26:52
Das kann sein, ich glaube aber, dass man in Anwesenheit von Napoleon wahrscheinlich nicht irgendwie sagt.
Marcel 1:26:59
Napoleon sitzt auch, ne? Also der steht nicht hier.
Heiko 1:27:03
Der sitzt vielleicht auch, man sagt ja, es ist ja sehr klein gewesen, vielleicht auch um quasi, ich vermute fast auch, dass das mit dazu gehört. Aber er verleiht ihm etwas später, also Napoleon verleiht Goethe, dann später auch den Ohren, den Ohren, den Orden der Ehrenlegion. Das ist quasi eine der höchsten französischen Auszeichnungen, die Goethe auch nach dem Untergang Napoleons wirklich weiter stolz tragen wird. Sehr zu missfallen vieler seiner Zeitgenossen, seiner deutschen Zeitgenossen. Aber man sieht ja einfach, wie dieser Mann irgendwie doch einen Eindruck bei ihm einfach hinterlassen hat.
Marcel 1:27:31
Ja, dann hat er es scheinbar auch komplett losgelöst. Ich meine, Napoleon hat diese Armee angeführt, wo er in die Situation gekommen ist. Und wenn er da so krass, also das hört sich jetzt eben an, wie du es beschrieben hast, dass es sehr ein emotionales, einschneidendes Erlebnis für ihn war, das sehr demütigend war. Aber auf der anderen Seite nimmt er das mit und trägt das als Symbol. Und er hat das dann scheinbar komplett getrennt voneinander.
Heiko 1:27:51
Ich denke auch, ich denke auch. Vielleicht auch gerade deshalb konnte er sich auch so ein bisschen mit dem aufkommenden deutschen Patriotismus nur schwer identifizieren. So in jener Zeit beginnt sich so ein bisschen befeuert durch diese gemeinsame Gegnerschaft gegen Napoleon, so in den deutschen Staaten eine Nationalbewegung zu formieren. Also du weißt das ja, also das gab ja noch nicht den deutschen Staat sozusagen, so wie wir ihn heute kennen, sondern es gab ganz viele kleine Vielstaaten. Die deutsche Kleinstarterei. Genau, genau. Und es dauert auch noch bis 1871 eben bisher so ein einheitliches deutsches Kaiserreich dann entsteht. Aber so in der Zeit fängt sich so ein bisschen an, diese ganze Bewegung eben zu formieren und die militärische Mobilisierung so und die Entstehung von diesen Freikorps und so aufgeladene Vaterlandsrhetorik, die dabei so entsteht, die missfallen ihm tatsächlich. Fast schon prophetisch und so ein bisschen in spürbarer Skepsis formuliert er nämlich auch, ich habe die Deutschen noch nie enger verbunden gesehen als im Hass gegen Napoleon. Ich will nur sehen, was sie anfangen werden, wenn dieser über den Rhein gebannt ist. Also er zweifelt schon daran, dass dieser Patriotismus und das Besinnen auf die Gemeinsamkeiten, wenn man dann den gemeinsamen Feind nicht mehr hat, dass das dann wahrscheinlich nicht mehr so ganz funktioniert. Und das passiert dann tatsächlich auch. nach Napoleons Niederlage dann in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 wird Europa neu geordnet und im Frühjahr 1814 marschieren die Alliierten in Paris ein, Napoleon wird auf die Insel Elba verbannt. Ich weiß nicht, ob du da schon mal warst. Also ich kann es nur empfehlen.
Marcel 1:29:15
Aber diese Story ist natürlich bewusst und auch diese ganze nicht restauriert, also diese Phase, wo alles wieder hergestellt wurde.
Heiko 1:29:24
Elba ist auf jeden Fall, wir reden so viel von Urlaub heute, aber kann ich auch sehr empfehlen. Es war wirklich auch sehr schön da.
Marcel 1:29:30
Das ist vor Rom?
Heiko 1:29:34
Ja, also ich bin, letztes Jahr sind wir da runtergefahren, von neben Bologna, Florenz, Verona und dann zur Fähre rüber nach Elbe. Wie auch immer.
Marcel 1:29:44
Hast du dir das angeguckt, wo er war? Nee.
Heiko 1:29:50
Die neue Stabilität nach Ende des Krieges machte es jetzt auch wieder möglich oder zumindest einfacher, gefahrenweit zu reisen. Das nutzt Goethe. Am 25. Juli 1814 besteigt Goethe in Weimar seine Kutsche, oder wie er es nannte, das Fahrhäuschen, um zu einer ausgedehnten Reise entlang von Rhein, Main und Neckar aufzubrechen. Und das ist ja genau die Gegend, die für seinen Wein bekannt ist, natürlich. Am 28. Juli 1814 trifft er in Frankfurt ein, zieht aber schon am nächsten Tag weiter nach Wiesbaden. Dort ist er zunächst im Gasthof Weißer Adler untergebracht. Der Verkehrslärm, so der ganzen an- und abfahrenden Kutschen, wird ihm einfach zu viel, das ist ihm zu laut. Und deswegen zieht er am 5. August dann weiter ins nächste und ruhigere Hotel Bären um. Das heißt Bären. Schon vorher, am 15. August, unternimmt Goethe einen Ausflug in den Rheingau. Das ist ja eine Region, die ihn jetzt nicht nur landwirtschaftlich, landwirtschaftlich, landschaftlich, sondern auch ja, wie nur viel begeistert. In Rüdesheim, wo er im Gasthof zur Krone einkehrt, lobt er seinem Reisebericht ganz ausdrücklich den berühmten Elfer. Zitat Nun musste denn wohl im Angesicht zu vieler Rebhügel des Elfer in Ehren gedacht werden. Es ist mit diesem Weine wie mit dem Namen eines großen und wohltätigen Regenten. Er wird jederzeit genannt, wenn er auf etwas Vorzügliches im Lande die Rede kommt. Ferner hat dann auch der Elfer die Haupteigenschaft des Trefflichen, er ist zugleich köstlich und reichlich. Da kommen wir später nochmal drauf. Der Elfer ist quasi ein, also es gibt verschiedene Elferweine, also er meint einen bestimmten wahrscheinlich, wahrscheinlich auch eher ein Weißwein. Das ist dieser 1811er-Jahrgang, der so als einer der besten Jahrgänge aller Zeiten gilt und eben auch, weil in der Zeit ein Komet war, als Kometenwein gilt. Also nicht ein spezifischer, sondern alle diese Weine aus diesem 1811er-Jahrgang, oder viele Weine aus dem 1811er-Jahrgang gelten als Kometenwein und als Elfer oder auch Alpha genannt, war das eben so mit, es gibt glaube ich, ich weiß gar nicht, glaube ich, so vielleicht so drei Jahrgänge in der Geschichte des Weins, die immer so ganz spezifisch speziell als die Besten gehen oder so, aber der auch offensichtlich, der auch. Also ich gehe nicht davon aus, dass wir heute einen Wein im Jahrgang 1811 trinken, aber ja, ich bin geschahnt. Aber trotz, erstmal erstmal nochmal zurück. Nur einen Tag später besucht Goethe auch das Sandrochusfest zur Wiederherstellung der gleichnamigen, im Krieg zerstörten Wallfahrtskirche. Neben der religiösen Prozession wird auch hier weltlich gefeiert. Die haben da so Buden, Zelte, Musik und natürlich wirklich viel Wein. Und sein Bericht zeigt sich Goethe bestens gelaunt und auch durstig. Zitat, muntere Kinder tranken Wein wie die Alten. Der Genuss des Weines war durch Gespräche nicht unterbrochen. Wir sendeten unsere leeren Gefäße zu dem Schenken, der uns ersuchen ließ, Geduld zu haben, bis die vierte Ohm angesteckt sei. Und die Ohm, das sind rund 150 Liter. Das wurde also wirklich ordentlich ausgeschenkt, wenn wir schon den vierten Ohm haben. Also viermal 150 Liter. Und es schämt sich auch niemand für diese Weinlust, wie Goethe schreibt, sondern es rühmte sich einigermaßen jeder des Trinkens. Selbst die hübschen Frauen hätten, so notiert er, offen gestanden, dass ihre Kinder schon mit der Mutterbrust auch ein wenig Wein genossen hätten.
Marcel 1:32:41
Okay, okay, okay.
Heiko 1:32:42
Also andere Länder, andere Situationen, aber eher andere Zeiten, andere Sitten.
Marcel 1:32:47
Ich muss das wieder fragen, wie alt ist er gerade?
Heiko 1:32:49
Jetzt sind wir im Jahr 1814. 1749 waren, macht 50, 60, 64.
Marcel 1:32:58
Okay, also ich würde nochmal jetzt…
Heiko 1:33:01
Nee, weil ich rede gleich vom Goethes 65. Geburtstag, also hätte ich auch reingeheißen können.
Marcel 1:33:06
Ja, aber dann ist er doch ordentlich dabei, mit 65 jetzt, oder fast 65, da mit zu zechen, ja. Richtig. Ich wollte nämlich, weil, dann war ja, ich dachte, er wäre mehrere Male auch in Italien gewesen, aber war er nur einmal, oder was?
Heiko 1:33:18
Ich hab ja mal diese berühmte Italienreise.
Marcel 1:33:21
Ja, okay, weil ich dachte, jetzt fährt er doch nochmal nach Italien, aber nein, okay. Jetzt wollte er eher den Reingehaut.
Heiko 1:33:26
Und apropos, weil du es gerade noch sagtest, dass er da ordentlich begeht mit seinen 64, der 28. August, ja, Goethes 65. Geburtstag wird stilecht begangen. Und zwar mit reichlich Rheingauer Elfer, also das ist in dem Fall ein Rheingauer Weißwein wahrscheinlich von 1811, von Goethe eben auch Elfer genannt, und zwar vom Weingund Brentano, das ist ein Riesling in dem Fall, ganz spezifisch, also ein Riesling aus 1811, eben aus diesem legendären Kometenjahrgang, auf den wir vielleicht gleich auch nochmal eingehen werden. Offenbar war es auch ein ausgedehnter Abend, denn den 29. August verbringt Goethe, wie wir dann erfahren, fast komplett verkatert im Bett. Also offensichtlich, also ja, viel getrunken, aber vielleicht in dem Alter auch irgendwie, ganz so gut verträgt man es vielleicht dann doch nicht mehr.
Marcel 1:34:10
Na, aber wenn er sonst anderthalb bis zwei Liter getrunken hat, dann hat er wahrscheinlich drei getrunken oder so.
Heiko 1:34:14
Wo hätte ich dir irgendwie viele Ohms angestochen? Oder 50 Liter oder was? Goethe wird von Antonia Brentano zum Geburtstag dann auch mit zehn Flaschen von diesem vielgerühmten Elfer beschenkt, aus dem Weingut eben ihrer Familie. Und kurzer Zeit, nur kurzer Abbiegen, die Familie Brentano war eine bedeutende und über ganz Europa eigentlich verzweigte Kaufmannsfamilie, so mit Wurzeln in der Lombardei.
Marcel 1:34:33
Hört sich italienisch an, wollte ich gerade sagen.
Heiko 1:34:35
Genau, Wurzeln sind in der Lombardei, die dann im 1700 auch nach Deutschland zog, um so auch da aktiv im Fernhandel war und auch kulturell vernetzt war. Beethoven zum Beispiel auch widmete dieser Antonia und auch ihrer Tochter Berke und Goethe war einfach häufiger Gast in diesem Hause Brentano auch in Frankfurt und hier schließt sich tatsächlich auch wieder mal ein Kreis denn die Brentanos, bei denen Goethe hier eben diesen legendären Alpha genießt oder Elva, stammen aus derselben Familie wie jener Pietro Antonio Brentano dessen Frau Maximiliane Goethe Jahrzehnte zuvor, wir hatten das in Teil 1 besprochen zum Ärger ihres Ehemanns so glühend umworben hatte und dann eine der Inspirationen für die Leiden des jungen Werther wurde da sieht man Ist das so alles, wie es miteinander zusammenhängt? Tja, und dann, Jahrzehnte später eben, schenkt ihm also eine andere Brentano jenen Wein, den er im jungen Wärter wahrscheinlich mit Herzschmerz getrunken hätte, sowieso. Diesen Elfer, wie Goethe ihn nennt, oder Elfer, wie er ihn nennt, hat Goethe jedenfalls sehr genossen, besagte Antonia Brentano, schreibt daher später auch über Goethe. Er schöpfte sich immer seinen Teller schrecklich voll Speisen, die er meistens immer liegen ließ, ohne sie zu genießen. Von unserem guten Rheinwein konnte er aber fürchterlich viel trinken, besonders von dem Elfer. Und mein Mann machte ihm oft eine große Freude mit dem Geschenk eines Fässchens Wein. Als ein bestelltes Fass Elfer nach seiner Rückkehr nach Weimar einmal verloren ging, beziehungsweise die Sendung Verspätung hat, beklagt Goethe auch poetisch, unsere vortreffliche Freundin Antonio Brentano, welche ich tausendmal zu grüßen bitte, hat mir eine Sendung flüssigen Goldes angekündigt. Das ist also 65 Geburtstag auch zu seinem 66. Geburtstag wir machen mal einen Sprung ein Jahr den er dann in der Gerbermühle in Frankfurt feiert wird wieder ordentlich Elfer ausgeschenkt der anwesende Kunsthistoriker Boisere, notiert dazu in seinem Tagebuch Goethes Gesicht war von Tisch wo er dem Johannesberger Elfer also man sieht es diesmal wieder aus diesem Jahrgang Goethes Gesicht war von Tisch wo er dem Johannesberger Elfer gehörig zugesprochen hatte ganz rot. Goethes selbst schwärmt später auch lyrisch von dieser schönen Zeit und den vielen Elfer den er immer wieder in der Gerbermühle bei Frankfurt genossen hat und er dichtet, Also lustig sah es aus ist sogar das erste Gedicht, was wir heute haben es kommen gleich noch ein paar Gedichte, aber wir haben viel mehr Reiseberichte heute gehabt, jetzt wo ich es so sage, fern mir auf gleich kommen dann noch Gedichte im Glas, Also lustig sah es aus wo der Main vorüberfloss als im Schmückenhain vorm Haus festlich Elva überfloss, ferner Freunde ward gedacht denn das heißt genießen wenn zu Fest und Flusses Pracht tausend Quellen fließen, Der Elber, der Elber, Kometenwein, war für Goethe, also mehr als ein Getränk, er war fast schon eine Muse. Ich kann gleich noch ein paar mehr Verse vortragen, mit dem Goethe den Elber zelebriert, aber erstmal würde ich sagen, sollten wir, wenn jetzt auch nicht den Elber wahrscheinlich, trotzdem an der Stelle vielleicht nochmal einen Wein trinken.
Marcel 1:37:21
Ja, wir kommen jetzt zum Acianico, zum Mighty Acianico, weil das tatsächlich der Wein ist, der jetzt in meiner Reise für mich die Entdeckung war und sehr viel zu bieten hat. Und derjenige ist ja diesen Wein davor so ein bisschen die Struktur und die Tannine gegeben hat. Wir trinken jetzt die nächste Flasche und zwar von Lim Maschiare, Altianico Campania 2020, also nichts mit 11 IGT, das kommen wir nachher nochmal zu. Lass du uns den, würde ich sagen, direkt mal probieren oder mal dran riechen, bevor ich jetzt wieder so viel erzähle und dann halt wo ganz ungeduldig wird.
Heiko 1:38:10
Was? Geduld ist mein zweiter Fond.
Marcel 1:38:15
Ja, stimmt. Der riecht jetzt nochmal ganz anders, ne?
Heiko 1:38:20
Ja. Aber vielleicht jetzt auch schon ein bisschen nicht mehr ganz so krass intensiv.
Marcel 1:38:26
Also, ja. Bevor ich dich wieder natsche.
Heiko 1:38:30
Ja, ich kann’s dir aber wirklich nicht.
Marcel 1:38:32
Also ich finde, der hat ein bisschen was Animalisches, so ein bisschen Leder.
Heiko 1:38:36
Ja, ich tue mich in dem Fall wirklich schwer, dass…
Marcel 1:38:39
Also der hat irgendwie, also vorher sowas Fruchtiges Tolle gehabt, ne?
Heiko 1:38:43
Ja genau, also diese fruchtige Intensität fehlt.
Marcel 1:38:47
Kannst du vielleicht immer noch sagen, dass so ein kleines bisschen Frucht, so ein bisschen Kirsche oder sowas. Aber ich finde, also der ist jetzt auch nicht so eine super krass intensive, also im Vergleich. Cherry Bomb. Ja. Aber er hat irgendwie, also irgendwie, ja, so dieses Lidrige oder dieses Animalische so ein bisschen.
Heiko 1:39:03
Okay.
Marcel 1:39:08
Schmeckt auch anders.
Heiko 1:39:11
Gut, war ja auch schon angekündigt, dass der jetzt durch die Reine wahrscheinlich mehr Tannine hat. Schmeckt auch ein bisschen anders.
Marcel 1:39:18
Ist tatsächlich der leichteste Agianico, den ich in der ganzen Zeit probiert habe. Deswegen habe ich den mitgebracht, so als Einstieg. Weil Agianico kann brutal viel Tannine haben. Also wir hatten aus diesem VODD Studio zum Beispiel Agianico getrunken, der war auf so einer höheren Höhe. und das waren einfach so Tannine pur gewesen. Es war sehr ein ganz rougher Wein gewesen. Der hat einfach so brutal viele Tannine. Und da ist der jetzt quasi eine richtige leichtfüßige, Leichtfüßig sogar? Ja, im Vergleich.
Heiko 1:39:57
So leicht finde ich den.
Marcel 1:39:58
Nee, ist er nicht. Also der Agianico an sich ist einfach ein bisschen schwerer sowieso, aber der ist halt dafür irgendwie leicht. Also ich finde, Der hat aber schon so eine Tiefe, der hat aber auch durch die, wir haben auch eine Säure da, so ein bisschen was Frisches, also es ist jetzt nicht nur so ein super schwerer roter Wein, so sind wir jetzt an der Stelle gerade nicht. Wir haben auch eher so komplett dunkle Beeren, also aber wirklich wenig Frucht. Also aber eher noch, ich glaube, die weiteren, die kommen, die werden immer weniger Frucht haben. Hat man das bei dem so. Der Alkoholgehalt wird jetzt auch ein bisschen höher. Wir haben 13,5 Prozent. Und jetzt im Gegensatz zu dem davor, was ich schon gesagt hatte, wo der mit viel Sauerstoff gearbeitet hat, ist genau das Gegenteil hier. Mascara achtet darauf, so wenig wie möglich Kontakt zu Sauerstoff zu haben während der ganzen Produktion.
Heiko 1:40:53
Was macht das dann?
Marcel 1:40:55
Verändert einfach die Charakteristik vom Wein, der oxidiert. Wir hatten, glaube ich, auch beim letzten Mal einen Wein, der eher so eine Anhauchung davon gehabt hat, dass er ein bisschen zu viel Sauerstoff gesehen hat. Der ist ausgebaut in Stahl. Also wir haben jetzt keine Holznoten. Ja, und wir haben hier einen Wein, was so ein bisschen der Einstiegswein ist von dem Weingut, kriegt man für 10 Euro. Wenn man es dort direkt kauft, wenn man es jetzt bestellt, kostet es irgendwie 16 Euro. Aber ich finde, das ist, wie gesagt, für ein Agianico ein guter Einstiegswein. Natürlich will ich noch ein bisschen was zum Agianico erzählen, weil der hat mich so sehr begeistert auf der ganzen Reise. Das ist eines der ältesten Rebsorten Italiens, kommt vermutlich aus Griechenland, ähnlich wie der Greco. Der Name sagt es schon, so ein Weißwein, der kommt dann auch eher aus Griechenland, ist auch ebenfalls wie der Piedeorosso auch schon seit römischer Zeit bekannt und wird tatsächlich angenommen, also beim Piedeorosso kann man es vermuten, aber dass das im Falerno die Hauptdrebe war tatsächlich. Ja, also witzigerweise nicht, ich meine in der Recherche davor irgendwie so drauf geachtet und geguckt, nicht drauf gestoßen, jetzt kommt man über so Umwege dann doch irgendwie kommen wir jetzt da dahin.
Heiko 1:42:08
Du beziehst dich auf die erste Folge.
Marcel 1:42:10
Auf die erste Folge.
Heiko 1:42:11
Und dieser Valerno-Römische Wein.
Marcel 1:42:13
Dieser sehr teure, prestigeträchtige römische Wein, der wie damals Bordeaux quasi vom Status war. Man sagt auch so, bis der Barolo Süditaliens, beziehungsweise wenn man den Antonio Carpaido dann eher hört, dann eher andersrum. Der Barolo ist der Acianico des Nordens. Wir haben eine sehr spätreifende Sorte. Man denkt ja schon so viel Sonne und so. Ich habe ja vorhin gesagt, dass es ja eher so ein bisschen kühler noch, wenn es ein bisschen von der Küste entfernt ein bisschen höher ist. Aber dennoch haben wir hier eine super spätreifende Sorte. Das heißt, Frühjahr ist ja so von Mitte November bis teilweise Februar in ganz hohen Lagen erst geerntet worden. Das ist schon krass spät für mich. Also Februar ist ja mitten im Winter, auch November. Ich meine, das ist ja, also in Deutschland haben wir vielleicht September, Oktober und November ist schon echt spät. Aber wir sind jetzt im Süden Italiens und teilweise war das bis vor einer Zeit, bis der Klimawandel so zugeschlagen hat, so Mitte November, die Haupterntezeit eigentlich dieser Rebsorte. Wenn er noch jünger war, dann waren die Tannine noch härter, noch grüner. Mittlerweile hat sich das so ein bisschen geändert durch den Klimawandel. Wir sind so immer noch bei Mitte Oktober, manchmal ein bisschen früher. Um nochmal kurz das aufzumachen, wie es sonst vielleicht so ist. Also der Primitivo in Puglia, der hat eher mit dem Klimawandel zu tun. Du guckst mich gerade so an, habe ich es falsch ausgesprochen? Puglia, das gehe ich ein bisschen her. Da erntet man mittlerweile Anfang Juli schon, was halt schon krass ist. Also das ist jetzt einfach mal dann mitten im Sommer am Anfang. Und hier hat man halt eine Sorte, die wunderbar damit klarkommt. Auch wie der Piel Rosso liebt ja vulkanische Böden und kommt auch mit der Höhe gut klar. Der liebt halt auch so große Temperaturunterschiede, die wir haben. Teilweise hat man da in den Regionen zwischen Tag und Nacht 20 Grad Unterschied. Jetzt wo ich in Neapel war, war cooles Wetter mit T-Shirt und so weiter, aber abends brauchst du da schon auf jeden Fall einen dicken Pullover. Das war in Neapel in der Bucht nicht so, da war es tatsächlich noch so warm, das brauchst du nicht.
Heiko 1:44:22
Natürlich war aber einmal, da ist dieses Viertel, wie heißt das, Wermo oder Wemo, das ist so ein bisschen auf einem Hügel auf Neapel, da ist es merklich frischer als wirklich unten im Kessel von Neapel in der Altstadt.
Marcel 1:44:33
Und da oben ist tatsächlich wirklich, also würde ich sagen, auch im Sommer ist es vermutlich sehr viel angenehmer, dann auch mal da einen Ausflug zu machen oder da ein paar Tage zu verbringen. Antonio Calpaido, also der von Feudi, der Geschäftsführer, meinte auch, Agianico is big in everything, big in Alkohol, big in Tannins, big in Intensity and Structure. Und das macht den auch so aus, was ich vorhin schon so angefangen habe zu erklären, bei dem zweiten Wein, das ist halt ein sehr kräftiger, strukturierter, tanninreicher Wein, der so eine Würze mitbringt. Das war ja das auch, was die Würze gerade davor ein bisschen ausgemacht hat. Deswegen wollte ich so ein bisschen die Reihenfolge haben, dass man halt so ein bisschen wenn die diesen Lacryma de Christi auch besser versteht mit den beiden Rebsorten. Man benutzt da auch ein Wort, was ich vorher auch noch nicht so auf dem Schirm hatte, Auster, wie im Englischen. Auster? Was prinzipiell heißt, es hat irgendwie viel Säure, wenig Frucht und ist sehr tanninreich, bringt so ein bisschen Struktur, so ein eigener Weinbegriff Auster. Ja, was den Wein auch sehr besonders macht, ist die Langlebigkeit. Teilweise hatte mir der Erik erzählt, also von dem Weingut, was wir gerade trinken, werden die Weine 75 Jahre alt und das ist kein Problem. Also wir haben den 1811er und so weiter. Es gibt ja immer die, wo man so alte Weine trinkt. Aber tatsächlich beim Agianico ist es so, der braucht ein bisschen Reifung. Also wir haben jetzt hier auch ein 2020er im Glas und wir trinken dann auch noch ältere Weine. Reifung tut gut sozusagen und gerade die Weine in einer höheren Qualität, also in der Dock-G-Qualität, die haben mindestens drei Jahre Reifung und werden auch im Holz ausgebaut. Also ja, das ist halt ein super schöner Wein, der einfach lange hält. Den kannst du lange trinken und macht dann auch mehr Freude, wenn er so ein bisschen Reife gesehen hat. Das Zentrum, wo der Acianico angebaut wird, also in diesen Kampagnen gibt es, wie gesagt, diese drei, vier Rebsorten, der Acianico, der Greco, Fiano und noch den dritten, der wir gar nicht entdecken. Die sind in der Region nicht alle an den gleichen Orten, also so gemixt angebaut. Du kannst dir vorstellen, dass es irgendwie so, du hast in einem Gebiet, es ist eher der Fiano, da ist es eher der Greco und der Acianico hat auch so ein Gebiet, unter anderem vor allen Dingen um Taurasi rum. Das ist so eine Stadt, die so malerisch auf so einem Hügel liegt. Da waren wir auch da gewesen, so eine mittelalterliche Stadt sieht total schön aus. Man geht da durch so kleine italienische Dorfgassen, also es ist nicht sonderlich groß, Da gehst du in fünf Minuten sozusagen rum und guckst so über die Region rüber, sieht wunderschön aus und da gibt es halt diese Agianico-Weine. Darüber hinaus wird der Wein auch in Kalifornien und Australien angebaut, aber hat da eine unterschiedliche Charakteristik. Habe ich ehrlicherweise noch nicht getrunken, würde ich wahrscheinlich jetzt im Vergleich gerne mal probieren.
Heiko 1:47:16
Stimmt.
Marcel 1:47:16
Weil ich, seitdem ich die getrunken habe und ich habe echt viele von denen getrunken, also bei Feudi war so eine Verkostung, wo man ältere, besondere und so weiter trinken konnte. Also ich habe, weiß nicht, 25 Agernicus oder so mal im Glas gehabt und bin ich, glaube ich, zum Fan geworden. Auch wenn es nicht dieser typische Wein ist, den man so kennt, hat er mich so überrascht. Vielleicht nochmal ein paar Worte zum Weingut Le Maschere. Wir sind wieder in Irpinien und Feudi war ja so ein bisschen weg von Neapel. Jetzt sind wir mittlerweile 60 Kilometer weg, so ein bisschen weiter nördlicher. In der Nähe von Paternopoli ist das ein Ort. Ist auch idyllisch. Ich fand bei Feudy ist das nochmal ein bisschen hügeliger, da wird es ein bisschen, also bergiger, da wird es ein bisschen hügeliger sozusagen da in der Ecke. Hat so von der Größe her, sind wir wieder beim Standardweingut, bei der Binnenalzler mit 21 Hektar. Es wird geleitet von Erik den Dunn. Ist jemand aus den Niederlanden. Der ist dort 2009 eingestiegen und ebenso wie wir es bei Antonio Carbaldo hatten, kommt er aus einem ganz anderen Bereich. Also er hat gar nichts mit Wein zu tun gehabt, sondern er kommt aus Merch und Acquisitions. Hat da scheinbar ganz gut Geld verdient oder hat er auch gesagt und konnte mit 27 aussteigen und ein Weingut kaufen. 27, okay. Also er hatte schon vorher eine Passion für Wein, aber es ist ja keine Familie, die jetzt irgendwie da aus dem Bereich kommt. Und so sein Motto ist so, dass er Wein machen möchte, den man sich leisten kann, ohne auf Herkunft und Tiefe zu verzichten. Wir werden gleich noch einen im Glas haben, der durchaus einen höheren Preis hat, sozusagen, den kann man sich vielleicht nicht immer leisten, aber ich verstehe so ein bisschen, was er sagen wird. Wie gesagt, dieser Agianico für, also 10 Euro als Einstieg, so, ist, glaube ich, ein ganz guter, guter…
Heiko 1:49:15
Ja, wirkt auch irgendwie einfach rund, ne?
Marcel 1:49:18
Aber willst du, dass du sagst, rund, weil ich fand den, also kommen wir jetzt nochmal zu anderen, der ist jetzt noch nicht so, also der ist jetzt noch relativ jung, der ist schon auch noch ein bisschen wilder so, aber er ist es dennoch, also kann man ganz gut trinken.
Heiko 1:49:30
Genau, genau, das meine ich damit. Insgesamt irgendwie, anders als bei den anderen, tue ich mich hier schwer, irgendwie wirklich so was rauszuriechen oder rauszuschminken, so dieser rein subjektiv, deswegen tue ich mich halt schwer, den zu bewerten, bei den anderen mal irgendwie habe ich direkt ein bisschen die Kirsche und das habe ich irgendwie hier nicht ganz so prominent, aber das liegt jetzt ist ja rein subjektiv an mir, aber deswegen finde ich es mir insgesamt schwer, aber an sich kann man ihn gut trinken, ist schüffig, Brunnen, wie auch immer man das nennen will.
Marcel 1:49:54
Ich glaube, was man hier sehen muss, ist Struktur, das ist reine so, dass der lebt von der Struktur im Wein, also die Frucht spielt halt kaum eine Rolle, auch bei den anderen, die noch kommen werden. Es ist halt so, Also ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben kann, zu sagen, das ist irgendwie so eine Struktur, das ist wirklich, was macht es auf der Zunge, was macht es im Mund, ohne so mit den Fruchtaromen so viel zu spielen. Ja, die Weine sind auch hier ein bisschen höher gelegen, wieder zwischen 500 und 620 Meter. Das ist das, was das Klima ja so ein bisschen kühler macht. Dementsprechend haben wir ja dann auch ein bisschen mehr Säure drin, also in der Reibsorte an sich, aber auch gerade dadurch, dass die Nächte kühler werden, lässt da auch so eine gewisse Säure entpor kommen. Und er hat so gezielt Weingärten gekauft, wo teilweise die Reben 70 Jahre oder älter sind, um da auch ein bisschen, ja, also von älteren Reben profitierst du natürlich, weil die dann auch natürlich ein bisschen tiefer wurzeln. Und wenn es mal ein bisschen trockener bleibt, dann sind die nicht so anfällig. Da hast du nicht so eine vulkanischen Böden in der Ecke, sondern eher Lehm- und Kiesböden. Es ist auch bio-zertifiziert tatsächlich. Also auch hier haben wir wieder so ein, also ich meine, wir hatten es, ich weiß nicht, irgendwie zieht sich das ja durch. Das hatten wir in Österreich, das hatten wir, glaube ich, letztes Mal schon. Es spielt halt überall eine Rolle. Die Weingüter, die sich mit auseinandersetzen, sind natürlich davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit einfach ein Thema ist. Und neben Agianico hat er auch Fiano und Greco, also die typischen Rebsorten aus der Region. Und macht neben Roten dann halt auch Rosé, Weißweine und Schaumweine. Insgesamt ist er sehr technisch, also er hat auch so ein bisschen gezeigt, wie er angeht, auch wenn er jetzt nicht so viel in den Wein eingreift sozusagen, ist er sehr nerdig, hat irgendwie alles so beschrieben, er hat gerade eine neue Presse gekauft und die Presse, die ist halt so möglichst wenig Oxidation und so weiter, hat auch irgendwelche Etikettiermaschinen gehabt, die so, das ist irgendwie ganz witzig, also er ist sehr so ein Technik-Nerd, hat sich irgendwie einen neuen Keller gebaut und mit Temperaturkontrolle und oben Solar und dann gibt es da so eine Selbstregulierung und so. Also es ist irgendwie ganz cool gewesen und er hat bewusst halt auf das Thema Oxidation verzichtet, also gerade im Gegensatz zu den anderen lokalen Winzern, die es vielleicht anders machen oder auch im Gegensatz zu Naturweinen. Er war auch so ein Anti-Naturwein, Anti-Feudi-Anti-Naturwein. Witzigerweise haben alle drei irgendwie eine Gemeinsamkeit, aber auch machen alle was unterschiedlich. Also wir haben jetzt irgendwie zwei Businessleute, wir haben alle drei auf jeden Fall, die so lokal verankert sind, aber irgendwie sind alle, haben dann doch irgendwie so eine eigene Philosophie, also jetzt, ich weiß nicht, in Österreich haben alle so ein bisschen miteinander gearbeitet, hier habe ich das Gefühl jetzt, also bei den ausgesuchten Weingütern, dass man schon, man guckt schon so, man macht aus Gründen etwas anders wie die anderen, so ein bisschen so irgendwie gefühlt. Der Ausbau, wir haben den jetzt im Stahl gehabt. Später werden wir nochmal Holz sehen. Er hat so Tonneurenkeller, was so um 500 Liter Weinfässer sind. Er hat auch zwei große Amphoren jetzt stehen gehabt. Gleiche Story wie bei… Queefis? Nee, tatsächlich nicht. Ich habe gefragt, ob die aus Georgien kommen. Die kamen aus Italien. Das war so ein italienischer Hersteller. Aber auch da war die Lieferung, ähnlich wie bei dem Klaus Preisinger, sehr schwierig. Ist nicht kaputt gegangen, aber die haben es irgendwie nur so ein Stückchen in die Halle reinbekommen. Und der meinte, der lässt sich für immer da stehen. Ich wusste, es ist scheinbar auch so, dass du, die Versicherung gilt nur bis zum LKW und danach ist es deine Verantwortung, wenn du es den runterfällst.
Heiko 1:53:24
Wie hier so die Spedition, die du bis zur Bordsteinkante.
Marcel 1:53:27
Ja, genau. Das ist scheinbar auch bei so einem, die Dinger kosten 20.000 Euro oder so. Das ist dann, wenn es dir runterfällt, das Pech gehabt. Und generell ist das Weingut da auch besuchbar. Auch da habe ich irgendwie eine Nacht verbracht. Das ist auch sehr idyllisch. Also er hat auch so Olivenbäume und da kannst du Olivenöl kaufen, gehst dann so ein bisschen hoch und hast dann so einen Sonnenuntergangsblick. Also können wir auch nochmal Instagram-Bilder reinpacken. Ja, ist irgendwie sehr idyllisch. Auch wenn es jetzt der Kontrast hart war zu Feudi. Wir sind jetzt eher so ein bisschen, sag ich mal, das ist so ein bisschen so ein Weingut. Feudi ist schon eher so ein Kunst, Architektur, Philosophie. Und hier haben wir auch eine eigene Philosophie, aber da gibt es halt einen Swimmingpool und so. Also ist nochmal so von der Atmosphäre einfach nochmal ein anderes Thema. Aber ganz nett kann man auf jeden Fall auch dort Zeit verbringen.
Heiko 1:54:15
Ja, cool. Klingt auf jeden Fall cool und gut. Und als hättest du wirklich die Zeit da auch nicht nur produktiv genossen, sondern auch wirklich genossen im wahrsten Sinne. Das war das Schöne. Ja, und apropos genießen. Während du noch so ein bisschen den Wein genießt, kann ich noch ein paar sehr bekannte Zeilen Goethes zum Alpha noch mal vorlesen. Oder zum Alpha. Zitat. Setze mir nicht, du Grobian, mir den Krugen so derb vor die Nase. Wer mir Wein bringt, sehe mich fröhlich an. Sonst trübt sich der Alpha im Glase. Mit diesen Versen hat Goethe diesem Elfer noch quasi ein literarisches Denkmal gesetzt. Es stammt aus dem westöstlichen Divan. Das ist Goethes vielleicht bedeutendstes Spätwerk. Also ausfällt dann noch so ein Faust, ein zweites Teil und so weiter. Und sie erzählen viel, nicht nur über Goethes Vorliebe für guten Wein, sondern auch über seine Faszination für die Dichtkunst des Orients. Dazu muss man nämlich sagen, im Mai 1814 erhält Goethe eine Neuübersetzung vom Divan des persischen Dichters Hafis, der im 14. Jahrhundert in Shiraz im heutigen Iran lebte. Und das ist jetzt nur ein ironischer Zufall, dass der Ort so heißt wie die Rebsorte. Das ist wirklich nur ein Zufall. Sie wurde jedenfalls nicht nach ihm benannt. Goethe hatte sich ohnehin schon mehrfach mit dem Islam und auch mit dem Koran und mit Mohammed beschäftigt. Und während große Teile der aufklärerischen Literatur des 18. Jahrhunderts so stark islamfeindlich geprägt waren, war Goethe da ehrlicherweise deutlich differenzierter. Er bewunderte Mohammed geradezu auch als Genius, da haben wir das wieder, also fast so im Sturm- und Drangsinne, so als schöpferischen Menschen, als geistige Urkraft. Safranski, also sein Biograf wieder, schreibt dazu sehr schön, es blieb für Goethe zeitlebensverlockend, sich in einen Propheten hineinzuversetzen, vielleicht, weil er sich selbst bisweilen auch für einen hielt. Das fand ich irgendwie auch wieder eine interessante und gute Beobachtung oder Beschreibung. Goethe kokettiert jedenfalls selbst damit. Also in der Einleitung zum westöstlichen Divan schreibt er, der Dichter lehnt den Verdacht nicht ab, dass er selbst ein Muselmann sei. Also Muselmann hat der Moslem, hat der damals noch.
Marcel 1:56:16
Nicht so gemeint.
Heiko 1:56:18
Es war nicht abwertend gemeint, aber das soll ich bezeichnen, damit es ein Moslem einfach damals so gemeint wäre.
Marcel 1:56:24
Ja, er scheint ja irgendwie im Alter dann doch nochmal auch versöhnlicher zu werden oder interessiert da irgendwie, war ja am Anfang so dieses Sturm und Drang.
Heiko 1:56:33
Ja, man merkt, dass er reifer auch einfach wird im Alter.
Marcel 1:56:36
Ich hatte jetzt so mit 40 das Gefühl gehabt, dass er so ein bisschen, also da, wo er auch mitgekämpft hat, dass er da so ein bisschen, auf der komischen Seite war, sage ich mal. Und jetzt ist er irgendwie wieder offener. Kann das sein?
Heiko 1:56:51
Also ich finde generell, dass man einfach von ihm feststellt, dass er einfach so ein bisschen älter geworden ist und auch ein bisschen weniger stürmt. Wobei man ja, jetzt würdest du sagen, wahrscheinlich eher weniger, also im Alter wird man meistens ja gar nicht offener.
Marcel 1:57:07
Naja, vielleicht ist auch der Standesdünkel weg. Also ich meine, wo er noch 30, 40 war, musste er auch einfach so aus Karrieregründen, also ich meine, obwohl er war ja auch eigentlich erfolgreicher Schriftsteller schon, aber auch seine Beamtenlaufbahn und so hat ja eine Rolle gespielt in seiner Haltung, ne? Oder in seinem Stand.
Heiko 1:57:26
Das stimmt.
Marcel 1:57:27
Das muss man vielleicht im Alter dann nicht mehr so.
Heiko 1:57:29
Das kann er auf alles scheißen, sozusagen. Ja, auch wenn er an anderen Stellen so, die, sag ich mal, die muslimische Dogmatik jetzt nicht gutheißen kann oder auch gerade mit Hinblick so auf die Zelebrierung des Weins bei ihm natürlich auch ein Problem mit dem Alkoholverbot hat im Islam. Begegen das richtet sich aber auch schon Hafis Original aus dem 14. Jahrhundert tatsächlich. Also dieser persisch-islamische Dichter schreibt in seinem eigenen Werk auch schon oder geht kritisch mit dem Alkoholverbot um. Und jetzt haben wir ein bisschen das, was du vorhin auch angesprochen hast, mit diesem Liebe, Leben, Wein. Das alles kulminiert hier eigentlich, sowohl bei Goethe als auch schon im Original. Bei Hafis Verse sind im Prinzip verspielt, sie sind trunken, sie sind erotisch oder sagen wir mal zumindest frivol und auch geistreich. Also genau der richtige Funke für so einen Dichter wie Goethe. Und er erkennt hier einfach, wie so Dichten zu Ekstase und Rausch führen kann. Und so die Verbindung zum Wein wird quasi wie so auf so eine Metaebene einfach gehoben, schon im Original. Goethe betont ja an vielen Stellen auch immer wieder, dass der Genuss von Alkohol auch seine Kreativität gefördert hat. Zum Beispiel auch mit folgendem Gedicht, dass der ein oder andere aus unserem Cold Opener des ersten Teils vielleicht wiedererkennt. Nehmt nur mein Leben hin in Bausch und Bogen, wie ich’s führe andere verschlafen ihren Rausch meiner steht auf dem Papiere genau und dieses letzte Zitat hatte ich in den Colt Omner mit eingebracht wo er nämlich aussagt, irgendwie dieser Alkohol macht ihn, produktiver, kreativer oder wie er im Gespräch eben mit Eckermann wortwörtlich sagt es liegen im Wein allerdings produktiv machende Kräfte sehr bedeutender Art, aber es kommt dabei alles auf Zustände und Zeit und Stunde an und was dem einen nützt, schadet dem anderen.
Marcel 1:59:11
Meint er denn zu Spätachstunden oder was, wenn er alleine ist?
Heiko 1:59:13
Oder vielleicht auch andere, die damit vielleicht weniger klagen können oder die nicht gewohnt sind, drei Liter am Tag zu trinken. Naja, aber ja, zurück zum Divan, der eben genauso produktiv macht, eine Kräfte bei ihm auslöst, wie es scheint, denn genauso inspiriert ihn Hafis Werk eben geradezu einen rauschhaften Schaffungsprozess. Das ist eine kreative Explosion. Noch im Sommer 1840 entstehen 30 Gedichte, 1815 sind es 100 Gedichte und bis zur Veröffentlichung 1819 wächst die Sammlung immer weiter an. Die Sammlung. Es ist im Prinzip die umfangreichste geschlossene Gedichtssammlung, die Goethe je schreibt und schreiben wird.
Marcel 1:59:47
Also bis, das war ja so ungefähr den 70. 18, 19, also fast 70. Da hat er nochmal richtige kreative…
Heiko 1:59:54
Genau, nochmal so einen zweiten Frühling-Buchstäblich. Okay. Die ersten Reaktionen darauf sind aber im Verhalten. Deshalb liefert Goethe später auch so eine Art Begleitwerk, so mit Erklärungen zum ganzen persisch-arabischen Kulturkreis, was auch schon wieder zeigt, wie ungewohnt einfach der Stoff auch für viele Leser war. Und, Während Europa politisch bebt, denn Napoleon ist gerade besiegt worden, flüchtet Goethe sich so eine ideale Welt, wie er selbst sagt. Und das wird schon im Einstiegsgedicht dieses westöstlichen Divan deutlich, wo er schreibt, Nord und West und Süd zersplittern, Trone bersten, Reiche zittern, Flüchte du im reinen Osten, Patriarchenschaft zu kosten, Unter lieben, trinken, singen soll dich Chisas Quell durchdringen. Da haben wir es wieder, lieben, trinken, singen, leben, da haben wir das wieder. Dieser Chisa, den er hier sagt, oder auch Al-Kidre, das ist so ein muslimischer Heiliger, so ein mystischer Quellhüter sozusagen. Und schon hier wird deutlich, warum es vielleicht auch so eine Erläuterung für die Leser der damaligen Zeit des arabischen Kulturkaisers brauchte, weil wenn man das nicht weiß, versteht man viele dieser Verse nicht. Und er hat sich aber sehr, sehr intensiv eben mit dem Islam und mit Hafis-Gedichten auseinandergesetzt und verarbeitet das hier.
Marcel 2:01:01
Ich nehme mal an, da kannst du jetzt nichts zu sagen, aber weiß man, oder gab es irgendwelche Referenzen dazu, ob er sich da mit Wein aus der Region auseinandergesetzt hat? Weil das wird ja jetzt schwierig sein. Ich nehme mal an, er hat weiterhin seinen Wein getrunken und hat sich einfach so damit beschäftigt.
Heiko 2:01:17
Also weiß ich nichts zu, aber ich kann es mir auch nicht vorstellen.
Marcel 2:01:21
Ja, schwierig.
Heiko 2:01:22
Aber ja, wie eben gesagt, wir sehen, lieben, trinken, singen, das sind einfach die Motive oder drei Motive, die sich durch den gesamten Tivern ziehen, sowohl bei Hafi eben auch als auch bei Goethe und ja auch irgendwie bei Goethes Leben. Und wie könnte es anders sein? Natürlich ist auch wieder eine Frau beteiligt. In Frankfurt verbringt Goethe viel Zeit mit Marianne von Willemar, das ist zunächst Pflegetochter und dann Ehefrau. Ja, du hast das richtig gehört. Sie ist erst Pflegetochter und dann Ehefrau eines Freundes von Goethe. Okay. Nicht von Goethe diesmal selber. Das hätte mich auch ehrlicherweise nicht gefunden.
Marcel 2:01:52
Aber gut, es war genau verkehrt.
Heiko 2:01:55
Also auch hier haben wir wieder so eine Systematik, dass Goethe auch gerne mal Zuneigung für vergebene Frauen entwickelt, ne? Wobei es in dem Fall wohl wahrscheinlich nur bei so einem poetischen Liebesspiel bleibt und auch nicht wirklich eine Affäre daraus wird. Aber es ist so ein bisschen dieses….
Marcel 2:02:09
Er ist ja jetzt auch schon 70.
Heiko 2:02:11
Ja, aber das hört bei ihm dann halt auch nicht.
Marcel 2:02:13
Also warum auch?
Heiko 2:02:14
Man kann ja auch im Alter aus. Irgendwie scheinen beide auch und sie ist auch deutlich jünger. Ich habe jetzt nicht genau das Alter, aber sie ist auch wieder jünger. Aber ich glaube auch so ein bisschen seine Intellektualität ist glaube ich auch anziehend wahrscheinlich, gehe ich davon aus, von dieser Persönlichkeit, die er irgendwie hat. Und beide genießen aber auch irgendwie dieses kribbelige, nicht ganz aufrichtige und auch nicht so richtig ernst werdende. Das gehört einfach so ein bisschen dazu. Sie haben auch ihre Zuneigung in einer Art literarischen, erotischen Wechselgang ausgelebt. Mehr war aber wahrscheinlich nicht eben wirklich nur in der Poesie. Und ihr Ehemann hat sich auch nicht wirklich kritisch geäußert, im Gegenteil hat sie eigentlich auch eher dazu motiviert. Aber gut, mit ihr zusammen entstanden vor allem die Gedichte, die im Divan im sogenannten Buch Suleika versammelt wurden. Zeugnisse quasi eines erotischen Zwiegesprächs, denn Marianne hatte auf seine Gedichte mit ihren eigenen Versen geantwortet, die Goethe in seinem Zyklus aufnahm, allerdings ohne ihre Autorenschaft zu kennzeichnen. Also war es auch irgendwie fraggängig.
Marcel 2:03:16
Ja, ja, ja, er bleibt manchmal schon etwas komisch.
Heiko 2:03:20
Genau. In dem Fall ist also Marianne diese Suleika, Goethe ist Hatem und falls daran Zweifel bestehen sollten beim Lesen, hat Goethe, der alte Fuchs, an einer Stelle, als eigentlich das Wort Goethe auf einen Reim passen würde, den Namen Hatem eingesetzt. Zitat, du beschämst wie Morgenröte, jener Gipfel ernste Wand und noch einmal fühlet Hatem Frühlingshauch und Sommerbrand. Wo sich hier Goethe auf Morgenröte rein können. Also hier spielt er da mit und macht klar, Hatem ist Goethe, weil man natürlich eigentlich Goethe erwartet. Aber Marcel, für unseren Podcast ist, so sehr es natürlich auch die ganze Zeit immer auch um Liebe und so weiter ging, noch viel interessanter ist aber ein anderes Kapitel oder viel spannender, nämlich das Schenkenbuch oder auf Persisch Sakiname. Hier wird Wein quasi zur großen poetischen Metapher. Goethe feiert den Rausch, nicht nur so als körperliche Lust, sondern so auch eher als spirituelle Erfahrung, so ein bisschen als Form der Erkenntnis. Und schon in Hafis Original spielt der Wein, trotz muslimischem Alkoholverbot, ich hatte es gesagt, eine sehr, sehr zentrale Rolle. Hafi schreibt hier nämlich in seinen Versen, Was mir am dienlichsten scheint bei diesen gefährlichen Zeiten, ist in das Wirtshaus zu ziehen, lustige Dinge zu sein. Keinen Freund verlange ich mir dort als das Buch und die Flasche, dass ich vergesse der List, dass ich vergesse des Trugs. Mit dem Glas in der Hand bin ich dort ferne von Heuchlern, rein bewahre ich mein Herz in dem Getümmel der Welt. Und genau diese Haltung greift Goethe ganz offen auf, und zwar nicht nur formal, sondern auch inhaltlich, erdichtet nämlich, Ob der Koran von Ewigkeit sei? Danach frage ich nicht. Ob der Koran geschaffen sei? Das weiß ich nicht. Dass er das Buch der Bücher sei, glaube ich, aus Musliminenpflicht. Dass aber der Wein von Ewigkeit sei, daran zweifle ich nicht. Oder dass er von Engeln geschaffen sei, ist vielleicht auch kein Gedicht. Der Trinkende, wie es auch immer sei, blickt Gott frischer ins Angesicht. Und an einer späteren Stelle ruft Goethe Hafi direkt herbei, Zitat, solange man nüchtern ist, gefällt das Schlechte. Wie man getrunken hat, weiß man das Rechte. Nur ist das Übermaß auch gleich zu handen. Hafis, oh leere mich, wie du’s verstanden. Denn meine Meinung ist nicht übertrieben. Wenn man nicht trinken kann, soll man nicht lieben. Doch sollt ihr Trinker euch nicht besser dünken? Wenn man nicht lieben kann, soll man nicht trinken. Ich finde es schön ich finde es irgendwie hat was diese Verse das heißt Goethe wie man hier, hören kann kennt die Gefahr der Maßlösigkeit er war ja bekanntermaßen auch das eine normal ordentlich verkatert und auch wie wir in Folge 1 gehört haben besoffen wie eine Bestie wie er selbst von sich gesagt hat aber trotzdem betont er hier dann vielleicht auch gemäß sich dem Alter so ein bisschen das Gleichgewicht zwischen Begehren und Besonnenheit ein bisschen Maß und Maß einfach so eine Balance zu finden muss er ja irgendwann auch, Das stimmt, das stimmt. Trotzdem wird das Trinken auch ordentlich gefeiert. Zum Beispiel mit Trunken müssen wir alle sein. Jugend ist Trunkenheit ohne Wein. Dringt sich das Alter wieder zur Jugend, so ist es wundervolle Tugend. Für Sorgen sorgt das Liebe Leben und Sorgenbrecher sind die Reben. Oder noch ein bisschen düsterer, ehrlicherweise, auch in dem gleichen Wenn der Körper ein Kerker ist, warum nur der Kerker so durstig ist? Seele befindet sich wohl darin und bliebe gern vergnügt bei Sinnen. Nun aber soll eine Flasche Wein, frisch eine nach der anderen herein. Seele will’s nicht länger ertragen, sie an der Türe in Stücke schlagen. Genau.
Marcel 2:06:52
Ja, okay.
Heiko 2:06:53
Und quasi genau an dieser Stelle wird jetzt das lyrische Ich von diesem Grobian Kellner gestört, der ihm auch dem Alpha zu rüppig vor die Nase gesetzt hat, das was ich jetzt eingangs von diesem Abschnitt zitiert habe. Und der Dichter fordert daher einen anderen schenken, der ihm sein Wein bringen soll. Aber bevor wir dieser Forderung nachkommen, würde ich sagen, fordere ich erstmal auch noch ein Wein. Und bitte nicht, du Grobian, setz dir mir bitte nicht so direkt so grob vor die Nase.
Marcel 2:07:19
Der Wein ist schon vor deiner Nase. Und zwar trinken wir jetzt einen weiteren Acianico und zwar erneut von Feudy di San Gregorio und zwar den Serpico von 2016.
Heiko 2:07:36
Nicht 1811.
Marcel 2:07:38
Nein, also ich habe bei dem Thema Kometen, weil da habe ich hin und her überlegt also hatte ich überlegt okay, wann waren dann eigentlich so, Kometen da und dann habe ich gedacht an 1996, an Hellbob ich weiß nicht, ob wir da schon mal drüber gesprochen haben, aber das war ja so ein Sommer, wo ich auch als Kind zumindest, im Sommer auf dem Boden auf dem Rasen gelegen habe und den Kometen gesehen habe.
Heiko 2:08:02
Das war mega cool Selbst ich kann mich trotzdem erinnern mit meinem Vater, ich habe auf der Terrasse gestanden und den Beobachter auch wirklich gesehen, hast ja wirklich mit bloßen Augen sogar gesehen.
Marcel 2:08:10
Ja, und über Wochen, also es war einfach der ganze Sommer, zumindest kann ich mich daran erinnern, wo es dann warm war, konnte man den sehen, ich glaube sogar nachher in Herbst rein und so und der war recht groß gewesen. Hatte sogar auch da Weine gefunden tatsächlich und zwar dann auch wieder Richtung, wir feiern noch diese Weißweinzeit, also in der Recherche von Clemens Busch und Wein, was aber vielleicht dann wiederum nicht so der Region entsprochen hat und dann, 2011 war tatsächlich ein guter Jahrgang gewesen und da war der Komet Lovejoy da, das hätte ganz gut gepasst, so nach 200 Jahren, nach 1811. Ja, hätte man auch irgendwie eindringen können, hatte ich überlegt, hatte schon mehrere so hin und her überlegt, das war so kurz vor, ich weiß nicht, kurz vor der Italienreise oder so, das habe ich mal noch offen gelassen. Genau, und du hattest ja vorhin schon erzählt, dass 1811 einfach der Jahrhundertjahrgang war. Ich weiß gar nicht warum, also ich weiß nicht, ob du gesagt hast, warum, sagen wir mal so. Ich weiß, ich wollte das eigentlich ergänzen, nur es war einfach warm, trocken und dadurch wurde es einfach gleichmäßig reif. Es gab kaum Krankheiten. Auch an anderer Stelle schon mal erwähnt, ist es in Deutschland natürlich immer die Herausforderung, die Weine reif zu bekommen. Es regnet viel, es ist zu früh oder zu spät Frost und so weiter. Es gibt immer irgendwelche Sachen, oder es ist zu trocken mittlerweile, also immer was da irgendwie so reingrätscht und das war halt in diesem Jahrgang nicht so und das war halt auch überall so. Bordeaux und Burgund auch am Rhein. Und es gab ja einige Weine, die da auch irgendwie rausgestochen haben, sagt man. Chateau Lafitte damals. Naja, nichtsdestotrotz, also ich war auf der Fährte gewesen. Dann habe ich diesen Agianico gesehen und hatte einige besondere Agianicos getrunken und die wollte ich mitbringen. Und der erste, den ich mitbringe und dazu habe ich auch ein Bild mitgebracht, weil das tatsächlich ein Wein ist aus einem, Weingarten im wahrsten Sinne des Wortes in der Nähe von Taurasi. Taurasi, weiß ich, diese schöne Stadt, also so ganz nah. Das war der Weinberg Dalre und das sind mega alte Rebstöcke dort. Die sind 150 Jahre alt und sind prinzipiell vor der Reblaus- Ich weiß nicht, wir haben über die Reblaus oder Phylloxera noch nicht gesprochen, so richtig, glaube ich. Also wir haben die schon mal an der Stelle erwähnt, glaube ich.
Heiko 2:10:41
Ich glaube, wir sind bei den österreichischen Weinen und in einer der nächsten Folgen kommt das auch noch mal vor.
Marcel 2:10:47
Kommt noch mal vor.
Heiko 2:10:50
Historisch gesehen beleidigt es einen immer wieder, wenn man vor allem mit europäischen Weinen spricht, weil das natürlich europaweit eine Krise war.
Marcel 2:10:56
Ja, vielleicht nochmal ganz kurz. Also es ist einfach eine Reblaus, die kam aus Nordamerika nach Europa, weil man einfach Reben nach Europa gebracht hat, um den Mehltau zu bekämpfen. Die waren halt Resistenz dagegen. Und die hat dann einfach die ganzen Wurzeln befallen der Reben und hat sich rasant verbreitet. Das ist ja ein bisschen später gewesen, 1863 kam das nach Europa und von da aus ging es dann rasant, dass einfach komplett die meisten Reben einfach zugrunde gingen, weil die sich in den Wurzeln sozusagen da fressen und damit vertrocknen die ganzen Pflanzen. Da wurden Millionen Hektar vernichtet, ganze Weinregionen und heutzutage ist es so, dass du einfach die amerikanische Wurzel sozusagen hast und dann froffst du das da oben drauf.
Heiko 2:11:42
Also Veredelungen nennen das sich ja.
Marcel 2:11:44
Und deswegen ist es so besonders einerseits, dass wir hier diesen Weingarten haben, wo das wirklich alte Reben sind und jetzt kannst du vielleicht mal sagen, was du auf diesem Bild siehst. Das ist ein Bild direkt von Feuti.
Heiko 2:11:56
Ja, ich finde halt wahnsinnig beeindruckend. Also der ist wirklich groß. Also der ist ja wirklich groß wie ein normaler Baum. Also es ist jetzt schon gar kein, also es ist wirklich ein Weinbaum eigentlich. Genau, also ich sehe, wie man jetzt offensichtlich erkannt hat, einen Weingarten mit sehr, sehr dicken Steppen, sehr, sehr hoch gewachsen. Daneben steht eine auch ältere Dame, die, ich würde auch sagen mindestens 80, vielleicht hat sie aber auch schon diesen Brebstorte gepflanzt. Sie können nämlich auch 100 sein. Was sehr fasziniert. Also ich nehme jetzt an, sie ist vielleicht von dem Weingut dort irgendwie auch eine der Besitzerinnen oder so, die Mutter.
Marcel 2:12:35
Ich habe ja vorhin gesagt, dass sie mit lokalen Weinbauern zusammenarbeiten und sie hatte diese Lage da gehabt. Mittlerweile ist sie tot und die Parzelle wurde übernommen von Heidi selber und das sind so vier Hektar.
Heiko 2:12:48
Aber das Foto ist von dir, also du hast sie noch kennengelernt?
Marcel 2:12:51
Nein, das Foto ist quasi so ein Promotion-Foto von Heidi.
Heiko 2:12:54
Ich dachte, es ist jetzt in den letzten zwei Wochen oder seit deiner Rückkehr aus Italien irgendwie verstorben.
Marcel 2:12:58
Nee, nee, nee, sie ist schon früher verstorben. Sie ist jetzt auch klein. Es gibt auch ein Foto auf Instagram, wo ich quasi auch an diesen, also ich habe diesen beiden Garten besucht, um mir das einfach anzugucken, um da so da zu sein, ein bisschen so ein Gefühl zu bekommen. Ja, das ist irgendwie sehr schön da und das ist irgendwie einmalig. Einerseits sind die ja wirklich fett, diese Dinger, sieht man auf dem Foto ja. Aber andererseits sieht man hier auch diese Pergolas oben, das verbunden ist. Und was es so ein bisschen besonders macht, ist, das so gebaut worden ist, dass du damals unten Gemüse anbauen konntest und dann trotzdem Weintrauben. Also weil ja die Sonne durchgeht. Also man hat die Fläche einfach optimal genutzt. Und trotzdem…
Heiko 2:13:39
Aber haben die sich im Boden nicht irgendwie, die Wurzeln sind denen nicht in die Quere gekommen oder so? Haben sich das Wasser gegenseitig genommen oder die Nährstoffe und so?
Marcel 2:13:46
Nein, man sieht ja auch, dass die Abstände relativ weit sind. Also das ist das Gegenteil von dichter Bepflanzung.
Heiko 2:13:52
Also man hat es jetzt nicht direkt an den Stamm noch so Tomaten gesetzt?
Marcel 2:13:55
Dazwischen ist ja recht viel Platz. Aber das war so eine typische Art und Weise auch mehrerer Weinbauern, Gemüse da tatsächlich noch zu pflanzen, um den Platz zu nutzen, weil es ja doch immer so hoch und runter geht. Und trotz dessen, dass man sagt, okay, das ist ja eigentlich nicht die vielleicht ideale Pflanzung oder so, ist es so, dass diese Parzelle einfach mega gute Trauben liefert. Und wenn es besonders gut ist, macht man den Zerpiko. Das ist jetzt aus dieser Lage den Wein, den wir jetzt trinken, der nur in besonderen Jahrgängen gemacht wird. Also 2016 ist einer. Es gab auch einen von 2010 und 2011. Habe ich jetzt nicht bekommen, sondern den.
Heiko 2:14:34
Ah, okay, und du hast quasi den aufgrund des Stichworts 1811, weil es einfach auch ein sehr, sehr besonderer Jahrgang ist.
Marcel 2:14:42
Genau.
Heiko 2:14:42
Okay, sehr schön.
Marcel 2:14:44
Also den gibt es einfach auch nicht jedes Jahr so. Und der ist dann so drehengreifend nach neun bis zehn Jahren. Deswegen haben wir jetzt dann einen Wein mit Glas, dass der jetzt irgendwie neun Jahre alt ist. Und können wir ja mal probieren. Genau, preislich sind wir jetzt bei 45 Euro auf jeden Fall gelandet schon.
Heiko 2:14:59
Ja gut, wenn das so ein besonderer Jahrgang ist.
Marcel 2:15:02
Wir haben jetzt nochmal, also die werden immer dunkler.
Heiko 2:15:04
Ja, das ist schon.
Marcel 2:15:05
Das ist jetzt nochmal ein bisschen dunkler. Man kann schon kaum noch durchgucken, auch wenn man so ein bisschen das schwenkt. Das ist fast so undurchdringlich. Der Geruch finde ich schon, also man riecht eine Sache raus. Ich weiß nicht, ob du das rausriechst. Der ein Unterschied ist zu dem davor.
Heiko 2:15:22
Nee.
Marcel 2:15:23
Holz.
Heiko 2:15:24
Ah, okay. Holz.
Marcel 2:15:26
Man hat Holz hier drin, ja. So eine Holznote.
Heiko 2:15:28
Ich dachte immer, wenn das so Holz in Rotwein, ich hab’s glaube ich schon häufiger gesagt, ich will mal Vanille dann sein.
Marcel 2:15:33
Ja, aber das sind die amerikanischen Eichen. Wir haben jetzt hier französische Eichen.
Heiko 2:15:39
Also Vanille kommt wirklich eher nur von dieser amerikanischen Eichen. Spannend, das wusste ich auch nicht.
Marcel 2:15:44
Also man kann hier schon auch eine, also kann auch Vanille, aber dieses fette Vanille, glaube ich, bei der spanischen, bei den spanischen Weinen vor allen Dingen, aber vor allen Dingen bei der amerikanischen Eiche. Die nutzen nämlich den amerikanischen Eichen.
Heiko 2:15:57
Okay, also das ist Holz, was ich hier rieche.
Marcel 2:15:59
Also ein bisschen, ich finde auch so ein bisschen, man hat hier so Kirsche, Pflaume so leicht. Man hat aber auch so süße Gewürze, finde ich. Man hat auch so eine, nicht so stark die wie davor, also so eine leichte Ledernote. Ja.
Heiko 2:16:16
Aber ich glaube, ich weiß dann auch jetzt eher, also weil ich, identifiziere einen Geruch, der so ist, wie auch in dem davor. Das ist das, was du als Leder meinst. Okay. Also wir sind schon beim Schmecken.
Marcel 2:16:29
Ich hab schon…
Heiko 2:16:34
Schmeckt anders. Schmeckt wirklich anders. Das ist die gleiche Rebsorte, ja? Ich finde, der schmeckt anders. Ich kann dir noch nicht genau sagen, wie, aber er schmeckt.
Marcel 2:16:44
Was ich bei dem so finde, der hat irgendwie so eine geile Würze. Der hat immer noch so eine Frische und Säure. Also man merkt auf jeden Fall noch, dass das auf der säurebetonten Seite ist. Der hat aber vor allen Dingen so eine Eleganz. Also wie gesagt, ich hatte viele Agianicus nebeneinander getrunken und der hatte nicht die brutalsten Tannine, die sind schon eingebunden hier. Man merkt auch, dass er schon so ein bisschen reifer hatte sozusagen und wirkt dadurch sehr tief und elegant, aber man merkt halt vorne noch diese Säure, man hat auch wieder so eine Mineralität. Trinktemperatur passt glaube ich noch also, wir haben vorher auch ein bisschen Kühlschrank gestellt und gehofft, dass wir ungefähr jetzt bei dir Uhrzeit auskommen, dass der mal noch nicht wieder auf Raumtemperatur ist, sondern so leicht noch 18 Grad oder so hat Aber er ist.
Heiko 2:17:45
Schon ein bisschen saurer als die da vorne.
Marcel 2:17:47
Der davor hat da auch Säure, wir kommen gleich nochmal zu den anderen da geht es glaube ich ein bisschen weniger noch mit der Säure, also Agianico hat auch so einen du hast schon eine Säure da drin, du hast aber hinten diese Struktur, und wie gesagt, der ist nicht, extrem, also nicht am beiden Enden so extrem, er ist halt einfach so ein eleganter Wein so und neben den verschiedenen fand ich den irgendwie sehr, sehr schön und vor allen Dingen mit der Story ich glaube so viele alte, Parzellen, wo du so alte Reben siehst, gibt es halt auch nicht, also die Atmosphäre ist da schon besonders, also du hast nicht nur die Reben, du hast dazwischen auch noch so Obstbäume und so.
Heiko 2:18:24
Ich finde vor allem… Ich bin mir noch nicht hundertprozentig sicher, ob ich den rein subjektiv mega abfeiere, nur weil er jetzt 45 Euro kostet. Eigentlich hat man so viel, müsste er jetzt mich total… Also rein jetzt subjektiv geschmacklich, aber was ich schon merke, und ich glaube, das rechtfertigt dann auch den Preisen, wenn es dann quasi eher an die Objektivität geht, der schmeckt schon einfach besonders. Also ich weiß jetzt, ob es hundertprozentig mein Geschmack ist, weiß ich noch nicht ganz, muss ich glaube ich nochmal im Nachgang nochmal ein Gläschen, nur ein Stückchen nehmen. Aber er schmeckt schon nicht wie ein anderer Wein. Der ist nicht austauschbar. Der hat was Eigenes. Das finde ich schon spannend.
Marcel 2:19:04
Ja.
Heiko 2:19:05
Also auf jeden Fall sehr, sehr, sehr interessant.
Marcel 2:19:10
Wollen wir jetzt parallel gleich die Kometenweine der Reihe nach testen?
Heiko 2:19:15
Also wenn das sich jetzt anbietet, würde ich sagen. Also so im direkten Vergleich sozusagen.
Marcel 2:19:21
Ja. Soll ich dir gleich nochmal ein Schluck Schlückchen eingießen, dass du nochmal.
Heiko 2:19:26
So ein kleines wenn.
Marcel 2:19:28
Ich nur einmal kurz.
Heiko 2:19:29
Dann so nochmal den direkten Vergleich habe und die anderen sind auch aus diesem Jahrgang oder also wie kommt es, dass wir jetzt diese vergleichen?
Marcel 2:19:40
Ne, wir werden jetzt einfach ein paar besondere also es ist nicht immer der gleiche Jahrgang jetzt, sondern wir haben jetzt einfach ein paar besondere danach gehen wir nämlich ins Jahr 2015 Ah ok.
Heiko 2:19:50
Das heißt sind einfach aber alles besondere Weine, aber alles diese Rebsorte Genau Okay, dann schaue ich dir erstmal zu wie du mir noch den nächsten Wein eingehst weil ihr das alle auch gerade nicht sehen könnt Marcel hat jetzt auf dieses eh schon, Hightech-Gerät, was man auf diese Flasche setzt, damit man Gläser ausgießen kann, ohne die Flasche zu öffnen noch ein zusätzliches Hightech-Gerät angeschraubt, und zwar wie so ein Duschkopf, Brausekopf Vielen Dank. Weil dadurch irgendwie direkt was passiert? Warum hast du das?
Marcel 2:20:27
Wir brauchen es nicht dekantieren, das hat einfach quasi eine zwei Stunden dekantieren quasi schon mitgenommen.
Heiko 2:20:36
Wahnsinn. Also das ist wirklich, also Hightech.
Marcel 2:20:40
Der fünfte Wein ist wieder Le Masque Gare, den wir jetzt als dritten hatten. Das ist das Weingut? Ja. Jetzt haben wir nur eine reifere Version und zwar auch einen Taurasi, den ich vorhin schon erwähnt hatte, der so ein bisschen Vorgaben hat, nämlich unter anderem, dass er in Holz kommt und mindestens drei Jahre reifen muss, bestimmte Anforderungen erfüllen muss. Vielleicht kann ich nochmal ein paar Worte sagen zum italienischen Weinsystem. Weil wir haben jetzt, meine ich, du kannst auch gerne nochmal auf die Flasche gucken, ein Dock-Gee.
Heiko 2:21:14
Ja, Dock-Gee.
Marcel 2:21:16
Genau, und es gibt unterschiedliche Klassifizierungen wie auch in anderen Regionen. Unter anderem gibt es den Vino da Tavola, also einfach der klassische Tafelwein, da gibt es einfach keine Regeln, keine Herkunftsbezeichnungen. Prinzipiell waren es frühe einfachere Weine, hast du heutzutage aber auch mal so freie Spitzenweine, also die sich ein bisschen ausprobieren wollen und nicht gerade dann eine Jury davor sitzen haben wollen, die ist nämlich ähnlich in Italien auch, die dann einfach machen können ein bisschen mehr, was sie wollen. Dann haben wir den IGT, den Indicatione Geographica Typica. Das war der dritte Wein gewesen, hatte ich vorhin nur am Rande erwähnt, steht auf der Flasche mit drauf. So ein bisschen wie der Vendepay oder der Gutswein in Deutschland. Also Frankreich ist das erste und das zweite ist jetzt der Gutswein in Deutschland. Das heißt, er kommt aus einer bestimmten Region, zum Beispiel Toskana oder jetzt Campania, IGT. Da hat man ein bisschen mehr Freiheiten bei den Rebsorten und im Ausbau als bei den folgenden sozusagen. Deswegen da bewusst der gewählt. Der war ja jetzt nicht im Holz zum Beispiel ausgebaut. Dementsprechend hast du da diese Freiheit, das zu machen. Und die sind dann vielleicht ein bisschen kreativer, die Weine, also beim Ausbau. Dann haben wir den DOC. Doc-Weine hat man, glaube ich, auch öfters schon mal gehört von Italien. Da tue ich mir jetzt sehr schwer in der Aussprache. Denominatione, die Origini, Contrallata.
Heiko 2:22:44
Also wirklich kontrolliertes Anbaugebiet.
Marcel 2:22:46
Ja genau, das ist so ein bisschen wie der VDP Deutschland Ortswein, den wir beim letzten Mal hatten, also den Roten Hang oder AOP in Frankreich. Und da gibt es einfach strengere Vorgaben zur geografischen Herkunft, den Rebsorten, den Mengen, die man so produziert, den Alkoholgehalt, wie man es ausbaut und reift. und da gibt es auch eine offizielle Qualitätsprüfung. Und zum Beispiel der La Cima di Christi, der Vesuvio, war vorhin auch ein Dockwein gewesen. Also da gibt es dann schon, also deswegen meine ich, es ist ein Naturwein, aber er hat schon den Kriterien bestanden, weil da kam dann jemand auch vorbei und hat geguckt, oh, es schmeckt wirklich so, ne? Okay, passt. Und die nächste Stufe und die höchste Stufe ist der Dock G, also das gleiche, wie wir es eben haben, nur dass da noch eine Garantie da dran hängt und das entspricht dann eher so einem großen Gewächs oder…
Heiko 2:23:34
Graugrün.
Marcel 2:23:35
Genau. Und da hat man die ganzen Regeln, die wir davor jetzt gerade hatten, plus noch die staatliche Versiegelung, die man zumindest bei irgendeinem hier noch sehen sollte. Da nicht. Ich glaube, da und hier bei dem müsste man es eigentlich auch sehen. Der hatte irgendwie so eine Vignette da noch dran. Und da gibt es dann nochmal zusätzliche Kontrollen. Dann gibt man es nochmal in ein Labor. Also eine Verkostung gibt es dann auch. Und ich hatte auch über diese Verkostung gesprochen. Also es ist wirklich, wie man sich so vorstellt, da kommt dann wirklich so ein Komitee vorbei und sagt, wie es schmecken soll.
Heiko 2:24:05
Also so ein bisschen, das hört man ja jetzt auch in der Österreich-Folge.
Marcel 2:24:09
Und ja, das macht man für Weine mit langer Tradition und mit so einer Qualität. Also in dem Fall haben wir jetzt, deswegen habe ich es gerade erzählt, einen Doki-Wein im Glas und der muss dann dementsprechend drei Jahre einfach im Holz liegen und reifen mindestens. Das sind so die Vorgaben hier und 100% Agianico sein.
Heiko 2:24:30
Hui. Der riecht aber intensiv. Hallo.
Marcel 2:24:36
Also ich habe noch gar nicht gesagt, das ist der Taurasi Pesco Cupo, ist die Lage, also einfach der, die hat von 2015. Wir haben hier, und das riecht man sofort, glaube ich, auch wieder in Holz. Das sind wieder französische Eis.
Heiko 2:24:50
Jetzt weiß ich auf jeden Fall was.
Marcel 2:24:52
Mit Holz zu meinen?
Heiko 2:24:54
Also das ging ja, hast du ja richtig weggeklatscht schon, als ich meine Nase da reingeholt habe. Also im positiven Sinne.
Marcel 2:24:59
Ich finde, das, was du vorhin gesagt hast mit Vanille, finde ich, hat man leicht. Aber nicht so brachial. Also bei Spanien da kannst du ja gar nicht, da kannst du aus der Entfernung gucken und da fällst du ja schon fast um vor Vanille und so. Das ist jetzt hier nicht, ist ein bisschen feiner, du hast ein bisschen was Würziges.
Heiko 2:25:15
Ich würde jetzt gerne einen richtig schlechten Witz machen.
Marcel 2:25:17
Okay.
Heiko 2:25:20
Die spanische Königsfamilie ist ja die Bonbonfamilie, deswegen wollte ich jetzt die Bonbon-Vanille sagen, wenn die mir von Schwaner sprechen.
Marcel 2:25:28
Konnte ich mir nicht verkneifen. Ja, der hat jetzt das, der wird alkoholmäßig jetzt rein bauen, der hat 15%.
Heiko 2:25:35
Okay.
Marcel 2:25:36
Wir sind jetzt bei 48 Euro.
Heiko 2:25:41
Also Geruch war schon mal gut, es war im positiven, aber es war schon mit der intensivste fast schon. Ja. Der schmeckt auch, wie er riecht. Das hatte ich manchmal, oder zuletzt häufiger so, dass man eher sagt, der schmeckt nicht ganz so krass, wie er riecht, aber er schmeckt fast auch genauso intensiv, wie er riecht. Und der schmeckt ihm gut.
Marcel 2:26:06
Ist auch, also ich mag den richtig gerne.
Heiko 2:26:09
Das ist gut. Ja, überzeugt mich sehr.
Marcel 2:26:13
Der hat wieder auch so eine geile Würzigkeit, finde ich. Der bleibt auf der Zunge, und zwar richtig lange. Der bleibt einfach so, Man merkt einfach so, wie der sich auf der Zunge irgendwie so hält. Wir haben jetzt hier ein bisschen mehr Tannin. Hält sich auch?
Heiko 2:26:27
Ich wollte es gerade sagen, das merkst du schon auch direkt.
Marcel 2:26:31
Der ist jetzt ein bisschen auf der stärkeren Seite mit Tannin. Immer noch nicht in der brutalen Ecke, weil ich wie gesagt so ein bisschen scheinbar bin auswahl. Ich habe ein bisschen schade, dass ich, also ich hätte mal so brutal noch mitbekommen sollen, aber der hat auf jeden Fall jetzt ein bisschen mehr. Ich würde ihn aber immer noch als elegant bezeichnen.
Heiko 2:26:45
Ja, ja, ja, aber der ist schon pelzig auf der Zunge, aber gar nicht schlimm, also wirklich gut.
Marcel 2:26:51
Mhm. Wo Erik darauf stolz war, dass er auch, also es ist ja ein kleines Weingut, was ich vorhin gesehen habe, auch von James Huckling bewertet wurde mit 96. Also ich meine, er kommt nicht aus dem Wein, er hat da irgendwie angefangen und sieben Jahre nachdem er angefangen hat, hat er so einen spitzen Wein, der ist auch begrenzt. Ehrlicherweise habe ich durch ihn dieses Tool kennengelernt, weil er hat nur 1300 Flaschen von dem Wein. Und dementsprechend auch bei einer Verkostung, er macht das jetzt nicht jeden Tag oder so, bei Folies ist es ein Durchlauf. Da ist es halt so ab und zu mal und irgendwie alles erzählt und erklärt und so weiter. Und dann nutzt er das auch einfach.
Heiko 2:27:36
Das heißt, den kann man hier auch wahrscheinlich nicht einfach so bestellen? Doch. Ach, den kann man hier bestellen?
Marcel 2:27:40
Ich habe es zwischendurch gar nicht so erwähnt. Aber den kriegst du jetzt zum Beispiel bei wirwinzer.de. Der kommt dann direkt von dort. Kostet dann halt 48 Euro. Ich habe den vor Ort, kriegst du den für 35.
Heiko 2:27:52
Ah, okay.
Marcel 2:27:53
Direkter Weingut. Aber ich finde, der ist was Besonderes. Wenn man jetzt sagt, okay, man will mal so Weihnachten.
Heiko 2:28:02
Der schmeckt, wie gesagt, rein subjektiv. Der andere hat ja auch schon 45 Euro gekostet. Der war ja auch, der ist nicht aus, der war super spannend. Aber rein subjektiv schmeckt mit der besser. Also der hat mich direkt mit dem ersten Schluck gehabt. Eigentlich hat er mich mit der ersten Nase gehabt. Ich finde den Geruch schon wirklich gut. Aber das trifft halt einfach meinen Geschmack. Das ist ja super subjektiv.
Marcel 2:28:20
Ja, aber es ist witzig, wir haben jetzt die gleiche Rebsorte, wir sind eigentlich gar nicht so komplett.
Heiko 2:28:25
Also es schmeckt nicht, aber es schmeckt schon an.
Marcel 2:28:27
Ja, ganz andere Charakteristik.
Heiko 2:28:33
Also ich wollte ja mal direkt danach kurz mal den, ich wollte ja im Vergleich das mir nochmal eingegossen. Das ist wirklich anders, aber da ist es auch ein bisschen komisch, gerade wieder zurückzugehen. Das passt irgendwie jetzt nicht so ganz, aber…
Marcel 2:28:50
Ja, wir gehen ja so ein bisschen…
Heiko 2:28:52
Eigentlich genau, und jetzt trinke ich gerade den davor nochmal und man merkt, dass das eigentlich nicht passt, wieder zurückzugehen. Also du hast schon die richtige Reihenfolge, wenn ich das mal so sagen kann, offensichtlich, die hat dir ausgedacht.
Marcel 2:29:01
Ich meine, das ist nicht für jeden was mit den Tanninen so, aber wie gesagt, also von der Charakteristik her ist das was anderes, was man im Glas hat. Das ist kein super, also es ist nicht so ein gefälliger, weißt du, so ein Wein, der so einfach so, oh.
Heiko 2:29:16
Den würde ich jetzt nicht zu einer Pizza vielleicht essen, sondern eher zu wirklich zum Weihnachtsessen, oder?
Marcel 2:29:21
Ja, genau, oder auch was schweres. Ich meine, wir hatten, es war gerade die Zeit, wo es so Eskastanien gab.
Heiko 2:29:26
Maronen.
Marcel 2:29:27
Maronen. Oh Gott.
Heiko 2:29:29
Das wollte ich eigentlich, stimmt, das hätte ich eigentlich noch erwähnen. Das hätte ich noch, bevor wir anfangen sollen. Ja, eine Geschichte dazu. Nach der letzten Folge haben wir noch zusammengesessen und auch Wein gedrückt und, Marcel hatte Maronen aus Italien mitgebracht, wenn ich das glaube ich richtig in der Lunge habe und dachte, das ist doch noch ein guter Snack nach der Aufnahme, nachdem wir den noch ein bisschen verköstigen haben und hat die reingepackt in den Ofen, wie man das halt so macht, und er sagte mir noch so, naja, ich hab die jetzt nicht angeschnitten und offensichtlich muss man die aber anschneiden, weil plötzlich, hörte man es nur so knallen. Offensichtlich sind die dann explodiert in dem Ofen und da dachte Marcel, oder wir eigentlich, okay, also logisch ist, schnell aus dem Ofen rausnehmen. Und das hat sich als die eigentlich fatalste aller Entscheidungen herausgestellt, weil die Dinger dann auch außerhalb des Ofens weiter explodierten. Die ganze Küche wirrwandvoll. Ein Glas ist zerscheppert, weil dieses explodierende Maronen-Ding voll gegen das Glas geschäppert. Also ich weiß, also jetzt im Nachhinein lustig.
Marcel 2:30:36
Aber eigentlich war man auch schockiert, weil wir hatten echt Glück.
Heiko 2:30:39
Das hat uns ja nicht getroffen, aber wirklich das Glas davor, unser ganzes Essen, was wir davor hatten, war dann auch noch voller Scherben. Wahnsinn. Also das stimmt. Das wollte ich eigentlich noch erzählen, weil das, also auch wenn es gar nicht Podcast-related ist, war das einfach so eine Erfahrung, die hat zwar, und sie war nach der Aufnahme.
Marcel 2:30:52
Deswegen passt das trotzdem. Es war wie bei Goethe mit der Überlebenssituation und es war schon knapp davor.
Heiko 2:30:57
Also ja, man hat auf jeden Fall, ich glaube, ich habe es gar nicht ganz so realisiert, sozusagen, dass das schon wirklich gefährlich war. Aber man hat schon gesehen, das hat dich auch ein bisschen mitgenommen.
Marcel 2:31:06
Ja, es war einfach, also es ist schon klar, dass man das irgendwie anschneidet. Aber in dem Moment war so, ah ja, komm, das passt irgendwie so gut. Also nur um noch den Bogen zu schlagen, das passt echt richtig gut zu dem Wein, so eine Marone dazu zu essen. Wenn du möchtest, kommt ihr euch auf mich. Ich kann nur einempführen.
Heiko 2:31:24
Solltet ihr euch den Wein bestellen, auch wenn ihr hier ein bisschen teuer ist oder vor Ort, und auch Maronen dazu machen, bitte schneidet die ein. Und sollten sie im Ofen explodieren.
Marcel 2:31:32
Lasst sie da drin.
Heiko 2:31:33
Macht den Ofen aus, wartet, bis es nicht mehr knallt, holt ihn nicht raus, es kann echt richtig schief als Buchstäbchen ins Auge gehen. Also weil das ist ja wirklich, das Glas saß quasi ja wirklich mehr oder weniger zwei Zentimeter Luftlinie oder Linie quasi, Schusslinie ein bisschen von dir auch entfernt oder von uns und es hat zum Glück nur, also muss man trotzdem erstmal schaffen, dieses Glas zu treffen, aber statt uns dieses Glas zu treffen, Verrückt. Aber wir schweifen ab.
Marcel 2:32:00
Ja, dafür gibt es jetzt auf jeden Fall wieder mehr Gläser. Apropos Gläser. Wenn ich jetzt den dritten direkt ausschenken sollte, müsstest du den anderen genau. Das hat jetzt den Vorteil, dass es mehr von den Gläsern gibt, die wir hier auch immer nehmen zum Tasting.
Heiko 2:32:15
Weil, ist ja logisch, geht ein Glas kaputt, kauft man sich zehn neue.
Marcel 2:32:18
Genau. Das ist doch ganz klar. Jetzt hätte ich natürlich die Chance nutzen können, nachfüllen können, während du erzählst, aber ich habe es leider nicht getan.
Heiko 2:32:27
Ja, dann du eingießt, sage ich einfach nochmal, wie gut mir dieser letzte Wein eigentlich schmeckt. Also das trifft wirklich total meinen Geschmack, muss ich gestehen. Also jetzt muss ich gestehen, ist ja nichts Schlimmes. Ich kann gerade nicht sprechen.
Marcel 2:32:42
So. Der dritte Kometenwein. Diesmal aus dem Jahr 2017. Wir sind prinzipiell…
Heiko 2:32:53
Ja, das ist jetzt auch schon der sechste Wein, ne?
Marcel 2:32:56
Aber es geht wieder. Also, wir haben schon eine kleine Schlücke gemacht diesmal, oder?
Heiko 2:33:01
Außer jetzt das letzte Glas.
Marcel 2:33:05
Weil du dich vorhin beschwert hast.
Heiko 2:33:06
Mit jedem Glas werden sie voller.
Marcel 2:33:08
Wir sind wieder bei Feudi.
Heiko 2:33:11
Feudi, wie hieß der heilige?
Marcel 2:33:13
Die San Gregorio. Ja, natürlich. Aber, also, wenn man direkt auf die Flasche guckt, steht da nicht Feudi drauf, sondern da steht Tenute Capaldo drauf. Also Capaldo.
Heiko 2:33:24
Nach ihm benannt, genau.
Marcel 2:33:25
Nach der Familie. Genau, und das ist einfach ein Projekt wieder. Tenute, ich weiß nicht, wie es ausgesprochen wird, das ist einfach auch wieder so eine Zeichnung für Weingut. Und ja, wie gesagt, so ein Experiment. Wurde nach den Heiligen Gugielmo benannt. Deswegen heißt der Wein Gugielmo. Gugielmus.
Heiko 2:33:47
Und Ich hätte vielleicht auch Gilelmo oder so, das klingt immer ähnlich.
Marcel 2:33:51
Ich kann auch sagen Gilelmo.
Heiko 2:33:55
Ist egal. Aber ich glaube, ich kann auch falsch sein. Ich weiß, es gibt den Namen auch im Spanischen, da ist es glaube ich eher Gilelmo, weil man dieses Dänne hat. Aber ich glaube, im Italienischen wahrscheinlich noch mal ein bisschen anders, aber jetzt bin ich auch.
Marcel 2:34:09
Ist auch egal. Also wir sind durch den Weinkeller da auch gegangen. Dieser Weinkeller ist ja direkt da auch an dem Wein, wo das Restaurant ist, das ist einfach unten in der Etage sozusagen, das ist auch wieder so klimatisiert und so weiter, sind ein bisschen rumgegangen, da gibt es ganz viele große Holzfässer wieder, diese Stückfesse. Aber auch ganz viele Baroniks. Barik? Barik.
Heiko 2:34:36
Aber es ist schön. Also vielleicht nicht immer fünf, sechs, so eine.
Marcel 2:34:42
Und in dem Keller selbst war auch so eine Abbildung von einem Kloster, wo ich nicht in Laif war. Wir hatten noch überlegt, ob wir vorbeifahren. Aber so ein Kloster aus dem 12. Jahrhundert. Und dass es quasi diesem Kloster da gewidmet, Irgendwie wird es auch in dem Kontext da irgendwie produziert. Das war so ein bisschen der Kontext, den ich mitbekommen habe. Ist prinzipiell auch wieder ein besonderer Wein, wird von Hand gelesen, wird in Edelstahl gegärt und dann in Eichenfässer 24 Monate gereift. Also wir haben jetzt wieder einen Holzagianico und dann wird er anschließend nochmal 24 Monate in einer Flasche gereift. Also wir haben jetzt hier mindestens vier Jahre, also als Minimum sozusagen. sagen. Insofern so ein bisschen interessant, weil, glaube ich, wie gesagt, so ein bisschen gegenseitig bebeugt man sich ja und so. Und dann wurde gesagt, dass man eigentlich den Wein nicht so viel Zeit gibt, so von außen. Jetzt gegenüber Feudi. Was man ja hier sieht, ist nicht der Fall. Also wir haben jetzt auch einen Wein, der halt schon ein bisschen älter ist. Und der auch erst nach vier Jahren mindestens getrunken werden kann.
Heiko 2:35:41
Aber der war von 2019, ne?
Marcel 2:35:43
2017.
Heiko 2:35:44
Ach, 2017 sogar. Okay.
Marcel 2:35:45
Also wir sind alle so in dem Range so neun bis sieben Jahre. Ja, wir haben nur zwei Hektar Anbaufläche. Und haben jetzt hier…
Heiko 2:35:56
Riecht auch wieder sehr, sehr stark. Auch wirklich auch wieder gut.
Marcel 2:35:59
Ja, der Geruch ist doch geil.
Heiko 2:36:01
Aber schon auch ein bisschen ähnlich wie der davor.
Marcel 2:36:03
Wer hat wieder Holz? Genau, finde ich auch. Der hat Holz. Ich finde, der ist so ein bisschen mehr noch… Also hier haben wir eher so ein bisschen schwarze Kirsche. Ist noch ein bisschen dunkler, finde ich.
Heiko 2:36:12
Ein bisschen was Rauchiges.
Marcel 2:36:14
Ja, ja, ja. Ja.
Heiko 2:36:21
Schmeckt auch sehr gut. Aber er fühlt sich ein bisschen fruchtiger an.
Marcel 2:36:26
Ja, finde ich auch. Der hat auch wieder ein bisschen mehr Säure. Wir haben jetzt ein bisschen rote Früchte, finde ich.
Heiko 2:36:32
Ja, und die schmeckt man auch wieder mehr raus. Er fühlt sich, also vielleicht, ich weiß nicht, ob die weniger Tannin haben, er fühlt sich eher ein bisschen leichter an als der davor. Oder sollte der eigentlich noch schwerer sein?
Marcel 2:36:45
Nicht unbedingt. Ich würde die so ein bisschen ähnlich sehen.
Heiko 2:36:49
Okay, dann fühlt sich das vielleicht gerade nur an, weil ich den davor schon mit tue.
Marcel 2:36:52
Also es ist jetzt nicht gemessen so, aber du merkst, dass der Pelz der Pelz ist ein bisschen deutlicher auf der Zunge, finde ich. Der bleibt auch wieder, aber der lebt mehr noch von der Säure. Der andere war noch ein bisschen noch Holz.
Heiko 2:37:06
Der Geschmack war.
Marcel 2:37:07
Der war nochmal eingebunden, aber ich finde den auch sehr elegant hier.
Heiko 2:37:13
Ja, elegant trifft es eigentlich ganz gut.
Marcel 2:37:15
Ja, aber doch. Der Pelz ist fast, also ich finde den noch ein bisschen stärker. Weil das, was auf der Zunge bleibt, ist schon mehr der Pelz auch. Du hast die Säure noch präsent. Beim anderen war es…
Heiko 2:37:30
Pelziger würde ich dir zustimmen. Ich finde trotzdem irgendwie, das Gesamtgeschmeck, das fühlt sich… Naja, aber vielleicht ist es wirklich jetzt auch ein marginaler…
Marcel 2:37:38
Du hast den anderen noch im Glas.
Heiko 2:37:40
Ja, ich kann ihn… Stimmt. Ja, das ist Subjekt, aber ich bleibe dabei.
Marcel 2:37:46
Also ich bin ganz bei dir. Das ist auch tatsächlich mein Ranking. Ich würde sogar sagen, wir kommen vielleicht nochmal zum Fazit.
Heiko 2:37:55
Ja, ich glaube, ich würde vorher thematisch vielleicht, lass uns kurz thematisch vielleicht einmal noch den Goethe abschließen und dann können wir nochmal zum anderen Fazit. Wo waren wir überhaupt stehen geblieben? Genau. Der Kellner hat also dem lyrischen Ich in dem westöstlichen Divan den Krug Alva zu grob auf den Tisch gestellt. Daher fordert Goethe jetzt einen, also nicht Goethe, aber das lyrische Ich, einen anderen Kellner. Und zwar, du zierlicher Knabe, du komm herein, was stehst du denn auf der Schwelle? Du sollst mir künftig der Schenke sein, jeder Wein ist schmackhaft und helle. Der Jüngling tritt dann in Zukunft auch als jemand auf, der dem alternden Dichter hilft, ein bisschen mehr Maß zu halten. Er hindert zum Beispiel eine Frau daran, die Schenke zu betreten, mit der Begründung, ihr Busen würde ihn nur erschöpfen. Und auch beim nächsten Becher greift er ein, hier verweist er sogar einmal aktiv aufs Alkoholverbot, ehrlicherweise, also das islamische Alkoholverbot. Und dann wirkt die Beziehung zwischen diesem alten Dichter und dem schönen jungen Munchek nicht nur spielerisch, sie hat auch was Zärtliches. Goethe spielt ganz bewusst mit homoerotischen Motiven hier, wie man sie auch aus der Antike kennt. Ich glaube, du hattest das ja auch in der ersten Folge mal erwähnt, auch bei Platon mit dem Konzept dieses pädagogischen Eros, so eine Liebe, die auf geistiger Förderung und seelischer Entwicklung basiert, aber durchaus auch körperlich konnotiert sein kann. Überhaupt, wenn ich da so einen kleinen Exkurs machen kann, zeigt Goethe eine für seine Zeit überraschend offene Haltung gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe. Man sieht das zum Beispiel auch in seinem Text über Winkelmann, also den Archäologen Winkelmann, der damals einigermaßen offen homosexuell lebte. Und Goethe verurteilt das nicht, ganz im Gegensatz zur verbreiteten Meinung seiner Zeit. Im Gegenteil, er schreibt nämlich zum Beispiel, waren jedoch die Alten, so wie wir von ihren Rühmen wahrhaft ganze Menschen, so mussten sie, indem sie sich selbst und in der Welt behaglich empfanden, die Verbindungen menschlicher Wesen in ihrem ganzen Umfang erkennen lernen. Sie durften jenes Entzücken nicht ermangeln, das aus der Verbindung ähnlicher Naturen hervorspringt. Oder nehmen wir auch Goethes Roman Wilhelm Meisters Wanderjahre. Da zeigt sich, Wilhelm ist durchaus nicht nur dem anderen Geschlecht zugewandt. Im zweiten Kapitel geht er etwa mit dem Fischersohn Adolf nackt baden, einem, wie es heißt, Knaben, Zitat, der mich bei seinem ersten Auftreten gleich besonders angezogen hatte. Und dann schreibt Goethe, als Adolf wieder aus dem Wasser kommt, Zitat, Und als er sich heraushob, sich aufrichtete, im höheren Sonnenschein sich abzutrocknen, glaubte ich meine Augen vor einer dreifachen Sonne geblendet. So schön war die menschliche Gestalt, von der ich nie einen Begriff gehabt. Er schien mich mit gleicher Aufmerksamkeit zu betrachten. Schnell angekleidet standen wir uns noch immer unverhüllt gegeneinander. Unsere Gemüter zogen sich an und unter den feurigsten Küssen schworen wir eine ewige Freundschaft. Also klar, es handelt sich hier eher um so eine Idealisierung von Männlichkeit, auch so eine Hinwendung auf antike Vorbilder, aber es lässt zumindest eine homoerotische Leser zu, die zeigt, dass er da so eine, sagen wir mal, eine gewisse Offenheit zumindest hatte. Und ganz ehrlich, das war mir vor der Recherche für diese Folge auch nicht bewusst. Und es ist auch nicht unbedingt was, was man irgendwie im Deutschunterricht über Goethe lernt.
Marcel 2:40:54
Also auch diese arabische Phase, finde ich, habe ich noch nie gehört vorher.
Heiko 2:40:58
Also vieles, wir hatten das in der ersten Folge, glaube ich, auch mal. Also wie gesagt, ich bin wirklich ein bisschen Goethe-Fan sozusagen. Weil man nimmt so irgendwie so gesondert, man nimmt vielleicht den Werther oder auch den Erdkönig und so durch, aber so dieses Gesamtkonstrukt Goethe, habe ich das Gefühl, ist zumindest bei mir und wie gesagt, ich hatte den Deutsch-Reistungs-Kurs nicht so herüber gebracht worden.
Marcel 2:41:14
Das ist eigentlich schon interessant, weil es ja doch so einen Schwerpunkt aufbildet.
Heiko 2:41:17
Ja, irgendwie und dadurch war Goethe tatsächlich, gerade wegen solcher Stellen sogar, das war mir auch nicht bewusst, im 19. Jahrhundert so eine Art Identifikationsfigur für die frühe Homosexuellen- Bewegung tatsächlich. Seine Texte wurden immer wieder zitiert, aber ja, wie gesagt, das nur so als kleinen Exkurs, weil ich super interessant finde und ich finde, das kann man durchaus vielleicht auch mal betonen oder sagen. Aber zurück zum Bein, darum soll es ja eigentlich gehen.
Marcel 2:41:39
Ja, ich fand, du hast jetzt gerade also, wir hatten letztes Mal schon den Wandermönch Martin und jetzt war das der Fischer Adolf.
Heiko 2:41:47
Der Fischerjunge.
Marcel 2:41:48
Fischerjunge Adolf, ja. Das sind immer so witzige Figuren.
Heiko 2:41:53
So, zum Schluss meiner Ausführungen, zumindest über den westöstlichen Divan, aber auch keine Sorge generell, glaube ich, zu Goethe, die wir mittlerweile Alterte er ja auch. Möchte ich euch noch ein paar Verse aus einem der letzten Gedichte aus dem Schenkenbuch vortragen und auch dir natürlich. Es bringt wahrscheinlich besonders gut auf den Punkt, wie bei Goethe eben immer im ganzen Leben eigentlich Liebe, Dichtung, Trinkkultur miteinander verbunden war. Also es ist fast schon wie so ein Fazit unseres Zweiteilers. Da schreibt er nämlich, Lieb, Lied und Weinestrunkenheit, ob’s nachtet oder tagt, die göttlichste Betrunkenheit, die mich entzückt und plagt. Und damit möchte ich eigentlich tatsächlich, glaube ich, langsam zum Ende kommen, auch wenn Goethe nach dem westöstlichen Divan durchaus noch über ein Jahrzehnt lebt. Wir hatten es ja schon das letzte Mal, trotz deines wirklich Hardcore-Alkohol-Konzepts ist er ja sehr, sehr alt geworden. Aber wir haben jetzt, sag ich mal, zwei Folgen lang zu Goethe wirklich viel gesagt. Auch jetzt gehen wir, wenn ich es richtig sehe, auf die drei Stunden wieder zu und ich denke, den Rest können wir ein bisschen abkürzen. 1816, also noch vor der Veröffentlichung des Divan, stirbt Christiane Wulpius.
Marcel 2:42:54
Ach, also schon wir waren ja vorhin bei 18, 19 schon also es ist schon relativ früh gestorben Genau.
Heiko 2:43:00
Ich bringe es jetzt hier mal so im Abschluss zusammen, eine Frau, die ihm sehr viel bedeutet hat, auch wenn er sie nie ganz ins Zentrum seiner öffentlichen Welt ließ aber wir haben schon, also die Einzigen wo er wirklich eine lange Beziehung auch mit ihr hatte und die sie dann auch die er auch dann heiratete Ist.
Marcel 2:43:15
Er zwischendurch eigentlich woanders unterwegs gewesen? Weiß man das?
Heiko 2:43:19
Ich denke ja Okay Also ob es immer, also das Ding ist, es ist nicht immer klar bei allen Beziehungen, die man so sagt, ob das wirklich immer sexuell war oder ob das manchmal, wie gesagt eben zum Beispiel auch bei dem Diebern und so, ist das eher so ein intellektuelles Knistern und so, also es ist nicht immer, muss man immer ein bisschen mit Vorsicht genießen, weil er schreibt ja jetzt nicht ständig, er hätte jetzt Sex mit allen Frauen gehabt oder so. In der höfischen Gesellschaft jedenfalls, in der er verkehrte, ließ er ja diese Christiane eben meistens aus vor. Das haben wir vorhin lang und breit diskutiert. Vielleicht eben auf Rücksicht auf die Konvention seiner Zeit. Was ich, wie gesagt, nie besonders sympathisch fand. Auch während der Recherche nicht. Und ich glaube, erst so nach ihrem Tod hat er wirklich verstanden, was sie ihm bedeutete. Und diese Liebe bringt er in einem kurzen Nachruf zum Ausdruck. Genauer gesagt in der Inschrift auf ihrem Grabstein. Die haben nichts mit Wein zu tun, Aber ich möchte diese Zeilen irgendwie trotzdem dir und unseren Hörerinnen und Hörern irgendwie nicht vorenthalten, weil ich finde, irgendwie sind sie vielleicht sogar das Schönste, was jemals auf Deutsch geschrieben wurde. Also ich finde die wirklich sehr, sehr bewegend. Er schreibt nämlich in dieser Entschrift… Du versuchst, o Sonne vergebens, durch die düsteren Wolken zu scheinen. Der ganze Gewinn meines Lebens ist ihren Verlust zu beweinen. Das finde ich schon, ich kriege jetzt schon der Gänsehaut. Ich finde es wirklich, wirklich sehr schön. Lass es ansonsten aber einfach mal unkommentiert, weil wie gesagt, es geht jetzt eigentlich um Wein. So oder so in den Jahren nach Christianes Tod bleibt Goethe weiterhin produktiv, literarisch und wissenschaftlich. Er schreibt naturwissenschaftliche Texte, er betreut die Herausgabe seiner Werke und er steht im regen Briefwechsel, so mit den ganzen klugen Köpfen seiner Zeit und Europas. Er vollendet große Werke 1821, wie gesagt, Wilhelm Meisters Wanderjahre wo wir eben dieses Zitat mit dem Fischerjungen hatten dann 1831 auch nochmal der monumentale Faust 2, also wie gesagt, bis ins hohe Alter produktiv, trotz dieses langen Alkoholkonsums das muss man einfach so sagen, auch wenn das nicht heißt, man soll es jetzt taufen wie eine Bestie oder wie Goethe, um alt zu werden wahrscheinlich, vielleicht hat er auch einfach gute Gene davon abgesehen, haben wir ja schon festgestellt, er war auch trotzdem immer wieder schwer krank, also ohne das auf den Alkohol schieben zu können, 1873 verliebt er sich sogar noch einmal, also da ist er dann und zwar in die 19-jährige Ulrike von Levetso. Ihre Zurückweisung verarbeitet er dann auch in den berühmten Marienbader-Elegien, also auch da hast du wieder dieses Genre. Und am 22. März 1832 stirbt Goethe dann in Weimar. Seine letzten Worte sollen mehr Licht gewesen sein. Die sind relativ berühmt, aber etwas weniger bekannt ist auch ein anderer, so ein fast beiläufiger Satz, der kurz davor gefallen sein soll. Also quasi sein vorletzter Satz mit dem sich für unseren Podcast auch irgendwie einen Bogen schließt, denn wir haben in der ersten Folge unseres Goethe Zweiteilers äh Zweiteilers vor allem, Zweiteilers damit begonnen, wie Goethe ins Leben kam mit Wein, in dem er so als Neugeborener gebadet wurde, damit er dann zu Leben kommt und wir enden jetzt ebenfalls mit Wein, denn kurz vor seinem Tod soll er zu seinem Diener Friedrich noch gesagt haben, du hast mir doch keinen Zucker in den Wein getan ein Mann also der, sag ich mal, bis ganz zum Schluss den reinen Geschmack suchte. Wir hatten ja auch schon seine Beschwerde darüber, dass Wein in den, Wasser in den Wein gemischt wurde. Jetzt fragt er mich, fragt er seinen Diener, es wird etwa Zucker in den Wein getan. Also ich glaube, so schließt sich ganz gut ein Kreis.
Marcel 2:46:31
Das, also ich kannte dieses Zitat nicht. Ich habe nur gelesen, dass er auf jeden Fall am letzten Tag nochmal Wein getrunken hat.
Heiko 2:46:38
Wahrscheinlich sogar, das hatten wir auch in der ersten Folge schon häufig, auch gerade wenn er dann schon alt und krank ist, er hat es ja wirklich teilweise wirklich auch aus Medizin gesehen. Er hat auch irgendwann mal, ich weiß gar nicht, ob es in der letzten Folge gesagt habe, ich glaube, da war Christiane Wojpius krank und da schrieb er ihr auch sowas von wegen ja, ich habe auch mit dem Arzt gerät und so, trink mal noch so ein bisschen von dem, ich glaube sogar Champagner in dem Fall, weil das soll gut sein, damit es dir wieder besser geht. Naja, aber ja, deswegen, damit kommen wir zum Ende unseres wirklich monumentalen Zweitellers, aus dem wir wahrscheinlich locker vier Teile gemacht haben. Wir haben wirklich jetzt fast sechs Stunden gesprochen insgesamt und zehn Weine auch insgesamt getrunken.
Marcel 2:47:12
Wenn ich das ne.
Heiko 2:47:13
Elf Weine sogar, wir hatten ja auch fünf, wir hatten ja diese Deck-Up-Weine.
Marcel 2:47:16
Stimmt.
Heiko 2:47:16
Elf Weine, sechs Stunden, alles zu Goethe. Da sieht man, dass es offensichtlich da einen ordentlichen Bezug zu gab.
Marcel 2:47:26
Ja, Goethe ist einfach Exzess, ne?
Heiko 2:47:28
Ja, aber wie gesagt, was ich auch schon meinte, so ein bisschen während der Recherche habe ich mich sehr, ich bin ein bisschen Fan von ihm, also nicht von ihm als Person, ich glaube wirklich, dass er auch eine schwierige Person gewesen ist. Ich weiß nicht, ich glaube so angefreundet weiß ich nicht, ob das geklappt hätte, aber so rein auch Werk und alles, so habe ich doch nochmal einen ganz anderen Bezug zu gefunden.
Marcel 2:47:47
Ja, für mich auch auf jeden Fall, also vieles noch neu und überraschend gewesen.
Heiko 2:47:53
Würdest du also, wäre dein Fazit nach zwei Folgen immer noch Fuck you Goethe und Goethe ist eine Bitch oder?
Marcel 2:47:59
Naja, es passt ja schon so ein bisschen auf diese speziellen Eigenarten, die er hatte oder so. Also ich glaube so phasenweise oder so auch einige Charakterzüge gehen auf jeden Fall in die Richtung, würde ich jetzt mal behaupten. Und auch das Festgefahrene war ja am Ende schon irgendwie auch so, also ja, aber wie ich am Anfang schon meinte, das ist so ein bisschen, ich bin auch versündlicher geworden und.
Heiko 2:48:21
Aber dann lass uns doch nochmal so ein kleines Weinfazit zum Abschluss machen und dann natürlich zum Abschluss kommen.
Marcel 2:48:27
Kannst du natürlich sagen, ob ich dir noch irgendwas anderes eingießen soll, weil ich bin tatsächlich bei dir, dass der Pescuopo.
Heiko 2:48:35
Genau, der vorletzte, das ist mein Favorit, aber das weiß ich ja jetzt eigentlich auch schon, deswegen muss ich glaube ich nicht, eigentlich wäre glaube ich nochmal neugierig, eher ein, obwohl jetzt wahrscheinlich schwierig nach dem nochmal, aber den zweiten glaube ich.
Marcel 2:48:46
Ja, ja, ja, okay.
Heiko 2:48:47
Den fand ich nämlich auch Das ist eigentlich gut, wo du das erste Mal die beiden Rebsorten hast. Nee, ich meine tatsächlich den zweiten, ich glaube das war der. Ah doch, ja genau, wo eben nicht nur der Piederosso, sondern auch zusätzlich, also wo das, der einzige sogar, wo beide Rebsorten mit drin sind. Genau, der lag nicht bei Christi, aber ich glaube es war der einzige, weil ich glaube davor hatten wir nur Piederosso, danach hatten wir nur den, oh jetzt habe ich den, wie hieß das? Agianico. Ich glaube das war der einzige Wein, wo beide Rebsorten drin sind, ne? Und das würde ich, glaube ich, jetzt zum Abschluss noch mal probieren. Also ich weiß nicht, ob das jetzt so gut ist, noch mal zurückzugehen, weil der war ja doch wirklich leichter, aber den fand ich auch eigentlich gut. Best of both worlds mäßig.
Marcel 2:49:29
Ja, ist immer ein bisschen schwierig zu sprechen und es einzugießen. Muss ich mir noch mal was anderes bauen hier im Setup. Ja, also für mich war das auch ein Favorite auf der Reise. Obwohl er so ein bisschen grummelig war. Aber man muss doch sagen, also der Wein, der Winzer war grummelig.
Heiko 2:49:48
Ah, das war der, der so sagt, ich hab keine Zeit, ich hab keine Zeit.
Marcel 2:49:52
Also zweimal war ich ja da gewesen und das war zweimal so. Aber man muss wirklich ihm so gut erhalten.
Heiko 2:49:57
Dass er da wahrscheinlich mega im Stress hat.
Marcel 2:49:59
Ja, war ja auch so. Ich meine, ich hab mich jetzt nicht angekündigt und so weiter. Deswegen umso besser, dass es irgendwie geklappt hat. Und zugesendet hat uns das dann, also er hat da irgendwie einen Kontakt, er macht das nicht selber, sondern arbeitet mit jemand zusammen und hat das zugesendet. Und das hat Gott sei Dank auch geklappt.
Heiko 2:50:16
Hast du dich im Handgepäck reingeschmuggelt?
Marcel 2:50:19
Nee, ich glaube, hätte ich wahrscheinlich auch machen können, aber ich habe die tatsächlich alle dann aus der Ferne bekommen. Also ich hoffe, dass der tatsächlich auch noch in… Also du kannst ja nochmal gucken, wie der dir jetzt schmeckt. Aber ich fand den auch sehr überzeugend, auch wie gesagt von der ganzen Machart her und…
Heiko 2:50:38
Ich weiß gar nicht, also er riecht, ich habe ihn vom Geruch her gar nicht so intensiv in Erinnerung, aber ich habe das Gefühl, jetzt riecht er im Vergleich zu den Aquanicus.
Marcel 2:50:47
Die jetzt ja nicht so expressiv sind mit der Frucht.
Heiko 2:50:52
Also es ist wirklich jetzt ein bisschen schwieriger, weil er wirklich nochmal wieder leichter ist. Also es ist gut, dass du diesen Aquanicum, man merkt da auch die Tannine wieder, er ist immer noch ein bisschen Pelz, aber natürlich nicht so krass. Aber er schmeckt mir auch einfach immer noch, trotzdem gut noch. Den kam ich auch zu einer Pizza. wahrscheinlich.
Marcel 2:51:08
Also der unbedingt, die Lacryma Christi Weine sind super passend zur Pizza, aber wir haben ja so ein bisschen die Reise gemacht, wirklich von diesen super leichten zu den sehr schweren und dazwischen genau um diese beiden Komponenten genau in diesem Lacryma Christi zu verbringen.
Heiko 2:51:23
Deswegen, danke fürs Zuhören, würde ich sagen. Machen wir den Sack zu. Das war unser heutiger Schluck aus der Geschichte und mehr Geschichte gibt es wieder beim nächsten Glas.
Marcel 2:51:35
Diesmal gucke ich. Achso, warte, Moment. Oh, es ist fast leer.
Heiko 2:51:41
Prost.
Marcel 2:51:41
Prost. Und diesmal kriege ich den richtigen Button gedrückt.
Heiko 2:51:44
Ja.
Marcel 2:51:45
Alles klar. Dann bis zum nächsten Mal. Vielleicht nächstes Mal gehen wir nicht zum Weinen. Das können wir schon mal teasen, oder?
Heiko 2:51:51
Genau, nächstes Mal. Wir haben natürlich immer so einen Weinfokus normalerweise. Oder das schon. Aber wir haben ja von Anfang an, wer Folge 0 gesehen hat oder gehört, hat schon gesagt, dass wir möglicherweise auch hin und wieder mal über den Weintellerrand sozusagen schauen. und so viel können wir verraten. Es gibt, also es ist schon trotzdem irgendwie was mit Alkohol sowieso und mit Weintraum hat es auch zu tun, aber es ist kein Wein. Deswegen stay tuned sozusagen. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
Marcel 2:52:19
Bis dann.
Heiko 2:52:19
Prost.

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