London im 18. Jahrhundert: Gin wird zum billigen Rausch einer Stadt im Umbruch und zum Symbol für Elend, Moralpanik und soziale Kontrolle. In dieser Folge erzählen wir die Geschichte der Gin-Epidemie in London. Dazu trinken wir Gins aus England, Vietnam und Finnland – gemeinsam mit Theresa Dorn, die Gin-Workshops in der Berliner Bar Botanical Affairs gibt.
London im frühen 18. Jahrhundert: In den Elendsvierteln der wachsenden Metropole trinkt sich eine ganze Stadt in den Ruin. Das Getränk heißt Gin. Gin ist billig, allgegenwärtig und für viele das einzige erschwingliche Versprechen auf Vergessen. Was als medizinisches Destillat aus niederländischen Apotheken begann, wurde in wenigen Jahrzehnten zur Massendroge der Armen, zum politischen Streitfall und schließlich zum Gegenstand eines der frühen Verbots-Experimente der Geschichte. Die Geschichte des Gin ist eine Geschichte über Armut, Klasse, Geschlecht – und darüber, was passiert, wenn eine Gesellschaft ihre eigenen Probleme nicht sehen will.
Die Geschichte des Gin – Von der Apotheke zur Gosse
Destillation hat in Europa eine lange Geschichte. Erste eindeutige Belege stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert, unter anderem aus dem italienischen Salerno, wo arabisch-islamische Destillationstechniken bekannt waren und im medizinischen Kontext angewendet wurden. Was dabei aus der Brennblase tropfte, hieß aqua vitae: Wasser des Lebens. Es war kein Genussmittel, sondern Heilmittel, eng verknüpft mit der Alchemie und der Vorstellung, durch Destillation die Essenz – den „Geist“ – einer Flüssigkeit zu extrahieren. Kein Zufall also, dass Schnaps im Englischen bis heute spirit heißt.
Von Italien aus verbreitete sich die Technik, im Norden Europas mit einem praktischen Unterschied: Ohne Weintrauben destillierte man hier aus Getreide. Ab den 1630er Jahren wurde Schiedam zum Zentrum der niederländischen Brennerei-Industrie – und dort begann man, Rohbrand gezielt mit Kräutern und Gewürzen zu aromatisieren: Salbei, Koriander, Zitrusschalen, Muskat und vieles mehr. Das Getränk wurde erst dadurch wirklich genießbar.
Dem Leidener Arzt Franciscus Sylvius wird zugeschrieben, einen Getreidebrand im 17. Jahrhundert gezielt mit Wacholderbeeren aromatisiert als Mittel gegen Magenbeschwerden zu haben. Ob er tatsächlich der „Erfinder“ war, ist zwar umstritten, denn Wacholderdestillate gab es vermutlich schon früher. Fest steht aber: Das niederländische Wort für Wacholder lautet jeneverbes, daraus wurde im Englischen Geneva – und schließlich, verkürzt: Gin.
Wilhelm von Oranien und der Startschuss des Gin-Booms
Die Geschichte des Gin in England beginnt nicht mit einer Erfindung, sondern mit einem Putsch. 1688 luden protestantische Adlige Wilhelm von Oranien, den niederländischen Statthalter und Ehemann von Prinzessin Mary, nach England ein, um den katholisch gewordenen König James II. vom Thron zu verdrängen. James floh und Wilhelm bestieg gemeinsam mit Mary den englischen Thron. Die Glorious Revolution.
Und was hat das Ganze mit Gin zu tun? So ziemlich alles …
Wilhelm erklärte dem katholischen Frankreich den Krieg und der Handel mit französischen Importspirituosen wurde in diesem Zusammenhang unterbunden. Es entstand eine Lücke im Markt.
Das Parlament füllte sie 1690 mit einem Gesetz zur Förderung der heimischen Getreidedestillation. Wilhelm schlug damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Er schadete den Franzosen, schuf einen neuen Absatzmarkt für englisches Getreide und sicherte sich damit die Unterstützung der einflussreichen Grundbesitzer im Parlament. Krone, Parlament und Landwirtschaft zogen an einem Strang.
Der vielleicht folgenreichste Schritt aber war ein anderer: Das Quasi-Monopol der Company of Distillers wurde aufgehoben. Von nun an durfte im Prinzip jeder brennen. Ohne Lehrzeit, ohne Zunftmitgliedschaft, ohne nennenswerte Genehmigung. Eine Brennblase, ein Fass, etwas Kapital: mehr brauchte es nicht. Dass man damit buchstäblich einen Geist aus der Flasche ließ, hatte das Parlament offenbar nicht bedacht.
Das London des „Gin Craze“ – Eine Stadt am Limit
Um zu verstehen, warum Gin in London so schnell so tief einschlug, muss man die Stadt kennen, in der das passierte. Jahr für Jahr zogen Tausende Menschen aus dem ganzen Land in die Hauptstadt, angetrieben nicht nur von Not, sondern von Hoffnung. London war der Ort, an dem alles möglich schien: Arbeit, Aufstieg, ein Leben jenseits der starren ländlichen Ordnung.
Die Realität sah anders aus. Die meisten Neuankömmlinge landeten in dicht gedrängten Armenvierteln wie St. Giles oder Saffron Hill: enge Gassen, überfüllte Schlafhäuser, anonyme Mietskasernen. Arbeit war saisonal, die Familie weit weg. In diesen Zuständen starben mehr Londoner jährlich als geboren wurden – nur der stetige Zuzug vom Land hielt die Bevölkerungszahl stabil.
Die South Sea Bubble – Spekulation, Absturz und Ernüchterung
Gleichzeitig erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Umbruch ohnegleichen. An der Exchange Alley, dem frühen Zentrum des Londoner Finanzhandels, schienen Vermögen über Nacht möglich. Zum ersten Mal in der Geschichte konnten Männer ohne Titel, ohne altes Geld und ohne generationenlangen Landbesitz innerhalb kürzester Zeit reich werden. Für Traditionalisten war das allerdings kein Fortschritt, sondern ein Angriff auf die gottgegebene Ordnung der Dinge.
Edward Matthew Ward: The South Sea Bubble, a Scene in ‚Change Alley in 1720‘ (1847) Quelle: Wikimedia, Tate/Art UK
Den Höhepunkt – und den brutalen Absturz – brachte die South Sea Bubble von 1720. Die South Sea Company versprach hohe Gewinne durch den Handel mit Südamerika, in der Hochzeit des Kolonialismus kein unplausibles Versprechen. Die Aktie stieg. Und stieg. Und stieg. Bis über tausend Pfund. Ganz London war im Rausch. Als sich herausstellte, dass die erwarteten Gewinne schlicht unrealistisch waren, kollabierte das Vertrauen der Anleger innerhalb weniger Monate. Die Aktie fiel auf einen Bruchteil ihres Höchstwertes, mehrere Banken gerieten in Schwierigkeiten, viele Anleger verloren alles.
Zu denen, die ohnehin nichts hatten, kamen nun also diejenigen hinzu, die das, was sie besessen hatten, verspielt oder verloren hatten. London war danach, wie Zeitgenossen berichteten, in einem Zustand äußerster Zerrüttung. In diese Stadt – zerrissen zwischen Aufstiegsversprechen und brutaler Enttäuschung, zwischen neuer Anonymität und fehlendem sozialem Netz – passte Gin perfekt. Nicht trotz des Elends, sondern wegen ihm. Für einen Penny pro Dram gab es kurzfristiges Vergessen.
London war bereit für Gin …
Madam Geneva – Die Gin-Epidemie und ihre Gesichter
In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts wurde Gin in London so allgegenwärtig, dass man von der Gin-Epidemie oder dem Gin Craze (= Gin Wahnsinn) spricht. Um 1720 wurden jährlich rund 2,5 Millionen Gallonen Spirituosen destilliert, und das bei einer Stadtbevölkerung von rund 600.000 Menschen. Gin war nicht nur in Tavernen zu haben, sondern in Krämerläden, auf Straßenständen, aus Kellern und Dachkammern. In manchen Vierteln konnte man in jedem fünften Haus einen Dram bekommen. Und teils wurde er einfach aus Schubkarren verkauft.
Die Gin-Epidemie hatte dabei ein unerwartetes Gesicht: ein weibliches. Gin war die erste Droge in der englischen Geschichte, die nicht männlich codiert war. Er wurde an Orten verkauft und konsumiert, an denen Frauen ohnehin unterwegs waren: beim Einkaufen, auf dem Markt, bei der Arbeit. Der Verkauf von Gin erforderte weder die Mitgliedschaft in einer Zunft noch nennenswertes Startkapital und bot damit eine der wenigen Möglichkeiten für Frauen, überhaupt ein eigenes Einkommen zu erzielen.
Für Zeitgenossen war das ein Skandal. Dass Frauen öffentlich tranken, Geschäfte machten, eigenes Geld ausgaben – das widersprach in ihren Augen der gottgegebenen Ordnung. Der Gin bekam seinen bis heute bekanntesten Spitznamen: Mother’s Ruin.
Der Fall Judith Dufour
Zum Symbol der Gin-Epidemie wurde ein Verbrechen, das 1734 ganz London erschütterte. Eine Frau namens Judith Dufour holte ihre kleine Tochter Mary aus dem Arbeitshaus in Bethnal Green ab. Das Kind trug neue Kleidung, die ihm erst kurz zuvor von der Gemeinde zur Verfügung gestellt worden war.
Am Abend kehrte Judith allein zurück. Schließlich führte sie zwei Bekannte in die kalte Januarnacht hinaus, wo man das Kind tot in einem Graben fand – nackt, ein Tuch fest um den Hals gebunden. Judith und eine Bekannte hatten Marys Kleidung für einen Schilling und vier Pence verkauft und das Geld für Gin ausgegeben.
Judith wurde schuldig gesprochen und hingerichtet. Für die Anti-Gin-Reformer war der Fall ein Fanal. Ein Beweis für alles, wovor sie gewarnt hatten. Dass Judith selbst eine Frau ohne Perspektive aus den Elendsvierteln Londons war, interessierte die wenigsten von ihnen.
Die Gin Acts – Prohibition, Widerstand und Puss-and-Mew-Häuser
Schon vor dem Fall Judith Dufour hatte das Parlament versucht, die Gin-Epidemie einzudämmen. Der erste Gin Act von 1729 führte Lizenzpflichten und höhere Abgaben ein, aber scheiterte schnell. Die mächtigen Großbrennereien lobbyierten gegen echte Konsequenzen, und mangels Polizei – die in England erst 1829 eingeführt wurde – fehlte schlicht jemand, der das Gesetz durchsetzen konnte. Außerdem betraf das Gesetz aromatisierten Branntwein – was machten die Londoner also? Sie verkauften kurzerhand Rohbrand ohne Aroma und nannten ihn provokant: Parliamentary Brandy. Das Gesetz wurde damit praktisch wirkungslos und verlor in den folgenden Jahren rasch an Bedeutung.
Der Fall Judith Dufour 1734 gab der Reformbewegung dann jedoch neuen Auftrieb und bereitete den Boden für einen weitaus radikaleren Anlauf. Der Gin Act von 1736 kam einem faktischen Verbot gleich: Eine Einzelhandelslizenz kostete fortan fünfzig Pfund, was etwa dem Jahreseinkommen eines einfachen Handwerkers entsprach. Am Vorabend des Inkrafttretens zogen daher Trauerprozessionen durch die Straßen: Madam Geneva wurde symbolisch zu Grabe getragen.
Von schätzungsweise zehntausend Ginverkäufern in London kauften letztlich genau zwei diese neue Lizenz, aber der Gin verschwand nicht. Er ging in den Untergrund. Der ehemalige Soldat und Hochstapler Captain Dudley Bradstreet etwa nagelte eine hölzerne Katze ans Fenster eines Hauses, ließ unter der Pfote ein Bleirohr nach draußen führen und goss im Verborgenen Gin durch einen Trichter in Richtung zahlender Kundschaft. „Puss, give me two pence worth of gin“: die sogenannten Puss-and-Mew-Häuser verbreiteten sich schnell über die ganze Stadt. Und das Verbot hatte eine weitere paradoxe Wirkung: Die Menschen tranken nicht weniger Gin, sondern schlechteren. Kleine illegale Produzenten streckten Rohalkohol teils mit Terpentin oder Schwefelsäure. Die Qualität sank. Der Konsum stieg. Und Gin-Trinken bekam den Charakter von Protest. Gegen die Reichen, die den Armen das Trinken verbieten wollen. Denn der Gin Act unterschied einfach zu deutlich zwischen Arm und Reich und vertiefte damit die gesellschaftlichen Gräben.
Das Informantenwesen, das die Behörden zur Durchsetzung einsetzten (wer einen Händler anzeigte, bekam die Hälfte der Strafe), eskalierte zur Straßengewalt. Informanten wurden durch Gossen geschleift, geteert und gefedert. Es brauchte Soldaten, um Magistratsgebäude zu schützen. Das „kühnste Experiment, das je in einem freien Land gewagt wurde“, wie ein Abgeordneter es nannte, hatte sich gegen seinen eigenen Staat gewendet. Und die Zahlen zeigten weiterhin den Widerstand der Londoner. Statt weniger wurde jetzt mehr Alkohol gebrannt als je zuvor. Die Gefängnisse füllten sich zwar. Aber die Brennblasen auch.
Wirtschaftlich lohnte sich das Verbot auch nicht: Die Prohibition kostete mehr als sie einbrachte, weil fast alle Einnahmen aus den Strafen als Prämien an Informanten gingen. Und irgendwann waren die Magistrate einfach müde und die Constables verweigerten die Zusammenarbeit. Das frühneuzeitliche Justizsystem hatte sich schlichtweg selbst erschöpft. Formell sollte es noch fünf Jahre dauern, bis das Gesetz aufgehoben wurde. Doch lange zuvor hatte man die Durchsetzung praktisch aufgegeben.
Dabei kämpften die Reformer zwar durchaus gegen echtes Elend, das ist nicht zu bestreiten. Aber aus Nächstenliebe oder dem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit handelte die wenigsten von ihnen. Wer die Ursachen ernsthaft hätte angehen wollen, hätte über Armut gesprochen, über Löhne, über die Bedingungen, unter denen Menschen in St. Giles lebten. Stattdessen dachten viele Reformer in den Kategorien des Merkantilismus: Die Armen sollten arbeiten, Kinder (und damit die nächste Generation von Soldaten, Seeleuten und Arbeitern) bekommen und sich ihrer gesellschaftlichen Stellung fügen – zu möglichst niedrigen Löhnen, als disziplinierte Arbeitskraft für den englischen Export. Gin war für sie kein Symptom gesellschaftlicher Missstände, sondern deren Ursache. Es war politisch bequemer, eine Droge zum Sündenbock zu erklären, als über die Verhältnisse zu reden, die Menschen überhaupt erst in die Ginläden trieben. Eine Logik, die sich in der Geschichte noch mehrmals wiederholen sollte und bis heute politische Parallelen hat.
Das Ende der Gin-Epidemie – Pragmatismus statt Moral
1743 siegte schließlich der Pragmatismus. England war in den Österreichischen Erbfolgekrieg hineingezogen worden, die Staatskasse einmal mehr leer. Die Lösung lag auf der Hand: Gin legalisieren, regulieren, besteuern. Die Lizenzgebühr sank von fünfzig auf einen Pfund, die Steuer auf Spirituosen wurde moderat angehoben: niedrig genug, dass sich Händler beteiligen würden, hoch genug, um beachtliche Einnahmen zu erzielen. Und tatsächlich: über 20.000 Lizenzen wurden vergeben und generierten Einnahmen, die ein Vielfaches dessen betrugen, was die Prohibitionspolitik je erzielt hatte. Der Schwarzmarkt verlor seinen Reiz.
Ganz verschwunden war der Reformeifer damit nicht. 1751 veröffentlichte William Hogarth seine berühmten Drucke Gin Lane und Beer Street: Auf der einen Seite Elend und Verfall in St. Giles, auf der anderen Fleiß und Wohlstand. Der Gin Act desselben Jahres brachte auch nochmals weitere Verschärfungen, allerdings nur moderat. Und tatsächlich sank der Konsum erstmals seit Jahrzehnten messbar.
„Beer Street“ und „Gin Lane“ von William Hogarth (1751) Quelle: Wikimedia
Ob das vor allem das Verdienst der Reformer war, ist allerdings zweifelhaft. London veränderte sich in diesen Jahren grundlegend, was den maßgeblichen Anteil gehabt haben dürfte. Ein wachsender Mittelstand entwickelte neue Freizeitformen: Cricket, Tee, Spaziergänge in neu angelegten Parks. Die Infrastruktur der Stadt verbesserte sich, Straßenbeleuchtung und Bauprojekte machten das städtische Leben planbarer und geordneter. Und der gesellschaftliche Blick auf Armut wandelte sich langsam: Arme und „gefallene“ Frauen wurden zunehmend als Opfer betrachtet, denen zu helfen sei, nicht als moralische Versager, die man zu disziplinieren hatte. Der Zeitgeist, der die Gin-Epidemie erst möglich gemacht hatte, begann sich aufzulösen.
Nach einer Missernte und einem vorübergehenden Destillationsstopp 1757 hatte der Markt schließlich eine völlig andere Gestalt angenommen. Kleine Händler und Kellerbrenner hatten das nicht überlebt. Zurück blieben nur die großen, kapitalkräftigen Häuser wie Booth, Burnett, Gordon, später Tanqueray – Namen, die man bis heute mit Gin verbindet. Die Droge der Armen war auf dem langen Weg in die Bars und Clubs der feinen Gesellschaft.
Die verkosteten Gins
Drei Länder, vier Gins, vier unterschiedliche Charaktere. Die Auswahl dieser Episode zeigt, wie weit sich Gin von seinen Ursprüngen entfernt hat, aber wie viel die Spirituose heute gleichzeitig noch mit ihnen verbindet.
Wacholder, Botanicals und die Frage der Definition: Aus was besteht Gin?
Gin ist eine Spirituose, die in der Regel auf Getreidebasis hergestellt und mit sogenannten Botanicals aromatisiert wird. Dazu zählen unter anderem Pflanzen, Wurzeln, Schalen, Samen und Gewürze. Typische Zutaten sind beispielsweise Koriander, Angelikawurzel, Zitronenschale, Bittermandel, Zimtkassie, Süßholzwurzel oder Veilchenwurzel. Die Liste möglicher Zutaten ist lang, unverzichtbar ist jedoch eine: Wacholder. Ohne ihn ist es schlicht kein Gin. Rechtlich definiert in der EU durch die Verordnung 2019/787.
Der Gemeine Wacholder ist botanisch gesehen überigens gar kein kein Beeren-, sondern ein Nadelbaum, verwandt mit der Zypresse. Was wir als „Wacholderbeeren“ kennen, sind daher genau genommen Zapfen. Die Pflanze kommt vor allem auf der Nordhalbkugel vor und war über Jahrhunderte vor allem eines: Heilmittel. Die alten Ägypter nutzten ihn gegen Gelbsucht, griechische Athleten als leistungssteigerndes Mittel, der römische Arzt Dioskurides empfahl in Wein eingelegte Wacholderbeeren gegen allerlei Beschwerden. Im mittelalterlichen Brügge galt er gar als Mittel gegen die Pest.
Wacholderstrauch in der Lüneburger Heide Quelle: Wikimedia, Nikanos
Gin-Arten im Überblick
Nicht jeder Gin ist gleich, und die Unterschiede sind nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch der Herstellung und Regulierung.
Der Genever ist der historische Urvater: eine niederländisch-belgische Tradition, die Getreidebrand mit Kräuter- und Fruchtdestillaten verbindet – ursprünglich als Medizin, später als Genussmittel. Der Old Tom Gin, der im 18. Jahrhundert in Londons Ginläden ausgeschenkt wurde, war süßer und bitterer zugleich, und hat seinen Namen, wie wir in dieser Episode hören, tatsächlich von den hölzernen Katzenschildern der Puss-and-Mew-Häuser.
Heute dominieren drei Stile den Markt:
Beim London Dry Gin werden alle Botanicals vor dem ersten Destilliervorgang zugegeben, künstliche Aromen und Zusatzstoffe sind verboten, Süßung praktisch ausgeschlossen. Er ist kein Herkunftsbegriff, sondern ein strenges Verfahren.
Der Destilled Gin schreibt ebenfalls eine erneute Destillation vor, erlaubt aber die nachträgliche Zugabe von Aromen und Farbe, was viele moderne Gins so intensiv macht.
Der New Western Dry Gin, ein Begriff seit den frühen 2000er Jahren, lässt Wacholder bewusst in den Hintergrund treten: Andere Botanicals bestimmen das Profil, Kreativität hat Vorrang vor Tradition.
Welche Vielfalt das in der Praxis bedeutet, zeigen die vier Gins dieser Episode: ein wacholderzentrierter Londoner Overproof, ein bewusst beeriger Anti-Gin, ein vietnamesischer Gin mit lokalen Botanicals und ein finnischer Roggen-Gin, der fast schon in die Whisky-Welt hineinragt.
Sipsmith VJOP Review – Die Essenz des Wacholders
Wer verstehen will, was Wacholder in einem Gin leisten kann, trinkt den Sipsmith VJOP. Das Kürzel steht für Very Juniper Overproof – und das Versprechen wird eingelöst: doppelt so viele Wacholderbeeren wie im klassischen Sipsmith London Dry, ein dreistufiger Wacholder-Infusionsprozess inklusive dreitägiger Mazeration, 57,7 Prozent Alkohol. Die Verkostung zeigt intensive Wacholdernoten, Zitronenschale, etwas Zimt und eine spürbare, aber nicht unangenehme Schärfe. Mit etwa 39 Euro gehört er zu den hochwertigeren Gins dieser Episode.
Sipsmith selbst ist eine der wichtigeren Gründungsgeschichten der modernen Craft-Gin-Bewegung. 2007 starteten Sam Galsworthy und Fairfax Hall eine kleine Mikro-Destillerie in London, angetrieben von einer Vorliebe für Martinis und dem Wunsch nach handwerklich hergestelltem Gin. Ihr größtes Hindernis war kein fehlendes Rezept, sondern ein altes Gesetz: Seit 1823 existierte in London keine Genehmigung mehr für Destillerien mit kleinen Kupferkesseln: ein Überbleibsel aus der Zeit kurz nach der Gin-Epidemie, das Schwarzbrennerei verhindern sollte. Sipsmith erkämpfte sich die erste neue Lizenz für eine kleine Kupferbrennblase und ebnete damit den Weg für die heute über zwanzig Londoner Gin-Destillerien.
Die erste Brennblase, Prudence – Besonnenheit – fasste gerade einmal 300 Liter und wurde in Deutschland gefertigt. Als Basis dient ein Gerstenmaische-Vodka, der mit Wasser auf 60 Prozent verdünnt wird. Botanicals, darunter mazedonischer Wacholder, Angelikawurzel, Süßholzwurzel, Iriswurzel und Bitterorange, ziehen zwölf Stunden lang bei 60 bis 65 Grad. Der fertige Gin entsteht im sogenannten One-Shot-Verfahren: direkte Destillation mit Botanicals, anschließend nur mit Wasser verdünnt, ohne Streckung mit Neutralalkohol. 2016 wurde Sipsmith für 58 Millionen Euro vom japanischen Konzern Suntory übernommen, aber die Gründer blieben an Bord.
Brockmans Intensely Smooth Gin Review – Der Anti-Gin
Wo Sipsmith die Tradition zelebriert, bricht Brockmans bewusst mit ihr. A Properly Improper Gin lautet das Motto – und das ist Programm. Im Glas zeigt sich das sofort: beerig, fast ein wenig künstlich-fruchtig, mit sehr wenig Wacholder im Hintergrund. Uns erinnerte er etwas an Kaugummi.
Brockmans ist ein New Western Dry Gin, der Blaubeeren und Brombeeren in den Mittelpunkt stellt, ergänzt durch Zitronenschale, Koriander, Süßholzwurzel, Mandel und Veilchenwurzel. Die Botanicals werden 24 Stunden in Getreidespirituose mazeriert und anschließend in einer über hundert Jahre alten Kupferbrennblase destilliert. 40 Prozent Alkohol, rund 22 Euro.
Gegründet wurde Brockmans 2007 von vier Freunden, und zwar Neil Everitt, Bob, David und Matthew, die keine eigene Destillerie besitzen: Gebrannt wird in der Langley Distillery in Birmingham. Die Idee entstand aus einer persönlichen Geschichte: Neil Everitt, der lange in der Getränkeindustrie gearbeitet hatte, wuchs auf einer Obstfarm in Cambridgeshire auf. Die Frage, wie ein Gin mit Beeren und Mandeln schmecken würde, war der Ausgangspunkt. Der erste Launch 2008 floppte. 2010 folgte ein Relaunch mit markanter schwarzer Flasche – und diesmal funktionierte es. Heute wird Brockmans in über 55 Ländern verkauft, mit einem Marketingbudget von drei Millionen Pfund. Brockmans ist weniger ein Handwerksprojekt als eine gezielt entwickelte Marke, und ein Beleg dafür, wie weit sich der Gin-Markt von seinem Ursprung entfernt hat.
Ein Gin aus Ho-Chi-Minh-Stadt: Der Saigon Baigur ist eines der überraschendsten Destillate dieser Episode. Die Nase zeigt Zimt, Zitrus und Pfeffer, am Gaumen entfaltet sich eine intensive Würze, fast wie Garam Masala, mit floralen Noten und alkoholischer Schärfe. 43 Prozent Alkohol, rund 36 Euro.
Das Besondere sind die Botanicals: Neben den klassischen Zutaten wie mazedonischem Wacholder, Koriander und Angelika kommen zwölf lokale Zutaten ins Spiel, darunter Lotusblüten, schwarzer Kardamom, Saigon-Zimt, Phu-Quoc-Pfefferkörner, Zitronengras, Birds-Eye-Chili und Buddhas Hand. Letztere ist eine besondere Zitrusfrucht: fast ohne Saft, dafür intensiv in Schale und Mark, in Vietnam als Opfergabe in Tempeln verwendet. Der Lotus, der im trüben Wasser des Mekong wächst und im Buddhismus für Erleuchtung steht, ist ebenfalls zentraler Bestandteil.
Zitrusfrucht: Buddhas Hand
Gegründet wurde Saigon Baigur 2020 von den beiden Niederländern Jochem Lisser und Florian Draaisma. Lisser kam 2002 als Expat nach Vietnam und blieb als Unternehmer in verschiedenen Branchen, von Food-Plattformen bis zur Saigon Boat Company. Die Idee zum Gin entstand auf Motorradreisen durch das Land, das Rezept nach über fünfzig Experimenten. Produziert wird im District 9, dem sogenannten „Wild East“ von Ho-Chi-Minh-Stadt, in einer aus Europa importierten Kupferbrennblase. Den Gin gibt es mittlerweile in über fünfzig Ländern. Die Flasche in Form eines Dracheneis, Symbol für Stärke und Wohlstand in der vietnamesischen Mythologie, macht ihn dabei schon optisch unverwechselbar.
Kyrö Dark Gin Review – Born in a Sauna
Der Kyrö Dark Gin ist auf den ersten Blick (und Schluck) kein typischer Gin. Er ist bernsteinfarben, mit Vanille, Würze und einer weichen, leicht fruchtigen Süße, die ihn fast an einen leichten Whisky erinnern lässt. Kein Zufall: Der Gin wird aus 100 Prozent Vollkorn-Roggen destilliert und anschließend drei bis zwölf Monate in neuen amerikanischen Weißeichenfässern gereift. Daher kommen die Karamell- und Holznoten. Zu den Botanicals gehören neben Wacholder, Koriander und Kardamom auch finnische Lokalzutaten wie Sanddorn, Moosbeere und Birkenblätter. 42,6 Prozent Alkohol, rund 36 Euro für 500 Milliliter.
Die Gründungsgeschichte ist so nordisch wie der Gin selbst: Eine Gruppe von Freunden saß 2012 in einer Sauna in Isokyrö, trank amerikanischen Roggenwhisky und fragte sich, warum es keinen finnischen gab. Ohne Vorkenntnisse bereisten Miika, Kalle, Mikko, Miko und Jouni Mikro-Brennereien in ganz Europa, bevor sie die Kyrö Distillery Company direkt am Fluss Kyrö gründeten. Während der Whisky in Fässern reifte und auf seine Freigabe wartete, produzierten sie Gin – zunächst als Cashflow-Brücke, bis der erste Jahrgang bereit sein würde. Bereits 2015 wurde der Gin international prämiert. Heute exportiert Kyrö in über dreißig Länder, während Whisky inzwischen wieder im Mittelpunkt steht. Während der Covid-Pandemie stellte die Brennerei übrigens vorübergehend auf Handdesinfektionsmittel um.
Transkript zu Gin-Epidemie in London | Im Glas: Gin
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Marcel
0:01:33
Moin, moin, moin.
Heiko
0:01:35
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Geschichte im Glas.Und heute haben wir sogar gleich zwei Premieren. Die eine Premiere ist,wir trinken nicht nur kein Wein, sondern tatsächlich erstmals auch ein Getränk,was nicht auf Weintraubenbasis beruht.Nämlich Gin, so viel sei schon mal verraten. Und eine viel schönere und aufregenderePremiere ist eigentlich, wir haben das erstmal einen Gast beziehungsweise eine Gästin da.
Marcel
0:01:59
Genau, wir haben nämlich eine Gin-Expertin heute da. und zwar haben wir unsim Botanical Affairs kennengelernt, was eine Gin Bar ist.
Theresa
0:02:08
Hallo.
Marcel
0:02:11
Willkommen, Theresa.
Theresa
0:02:12
Danke sehr, danke sehr. Ich könnte gleich einhaken, nicht auf Weintraubenbasis, stimmt nicht ganz.Gin könnte auch auf Weintraubenbasis sein.
Heiko
0:02:21
Geht ja schon gut los. Deswegen haben wir eine Expertin dabei.
Theresa
0:02:25
Es ist aber nicht so typisch.
Heiko
0:02:26
Okay, spannend.
Theresa
0:02:28
Den Gin, der ist jetzt heute nicht mit in der Auswahl dabei,aber den hatte ich dir ja auch.
Marcel
0:02:32
Ich habe mich daran geändert. Den habe ich auch zwischendurch,habe ich sie nochmal probiert. Aber ja, der war auch sehr lecker.
Theresa
0:02:37
Ja, ich freue mich, dass ich dabei sein darf. Schön.Wir kennen uns ja noch gar nicht so lange. Wir haben uns eben per Zufall kennengelerntin der Chinbar, in der ich auch arbeite.Und ja, jetzt sitze ich hier.
Marcel
0:02:49
Und was sich auch noch auszeichnet, also du hast gesagt, du arbeitest in Bars.
Theresa
0:02:53
Genau, also ich arbeite mehr oder weniger seit 14 Jahren in Bars nebenher.Ich komme eigentlich aus der Bildendenkunst und aus dem Bühnen- und Kostümbildbildplatz.Bereich im Theater und dieses Bading ist eine riesengroße Leidenschaft von mirund das mache ich einfach schon ganz, ganz lange mal mehr, mal weniger nebenher.Und in der Gin Bar im Botanical Affairs bin ich jetzt seit 2018 und gebe dortauch Gin Tonic Workshops.
Marcel
0:03:19
Ja genau, das hattest du mir nicht erzählt. Ich dachte, ey, das bietet sichdoch super gut an für unsere Folge.
Heiko
0:03:25
Ja, ich bin gespannt. Ich freue mich sehr.
Theresa
0:03:27
Ich freue mich auch.
Marcel
0:03:29
Vielleicht nochmal eine kurze Frage vorab, Theresa. Was macht Gin für dich besonders?Also warum gibst du Gin-Workshops und arbeitest auch in Gin-Bar?
Theresa
0:03:38
Also klar, ich habe einen Nebenjob gesucht und dieses Badding,das mache ich einfach schon ganz, ganz lange und das war ein Zufall,dass ich in der Gin-Bar gelandet bin. Und ich war am Anfang auch ein bisschentraurig, dort zu landen, weil ich dachte, ah, Whisky, das interessiert mich ein bisschen mehr.Und von Gin war ich tatsächlich sehr genervt. Aus anderen Bars,weil die Leute immer so klugscheißerisch, ah nee, der perfekte Gin Tonic muss so und so sein.Und ich halte mich auch gerne an Rezepte und bin da auch manchmal ein bisschenstreng, wenn es anders gemacht wird und nicht kommuniziert wird.Und genau deswegen bin ich ganz froh, dort gelandet zu sein,weil das nochmal ein bisschen mein Bild und mein Wahrwissen über Bord geworfenhat, weil Gin tatsächlich sehr viel sein kann und letztendlich geht es einfachum den persönlichen Geschmack, ist meine Meinung.Und also es gibt kein richtig, es gibt kein falsch.Chin ist sehr vielseitig und dadurch, was ich spannend finde,jetzt in der Chinbar zu arbeiten, ich habe auch das Gefühl, dass das Publikumrelativ vielseitig ist.Also Chin deckt so viele Geschmäcker ab und man kann fast alle ins Brot holen,was dann irgendwie auch die Menschen so unterschiedlich macht, die in die Bar kommen.Macht Spaß, immer wieder neue Sachen zu entdecken.
Marcel
0:04:48
Apropos verschiedene Gins.
Heiko
0:04:51
Ja, ich warte schon darauf, was wir heute trinken, denn wie immer weiß ich dasja eigentlich gar nicht. Also klar, Gin offensichtlich.Also soweit lehne ich mich heute aus dem Fenster.Und wenn ihr schon gerade sagt, es gibt ganz verschiedene Gins,dann gehe ich auch davon aus, dass wir heute wahrscheinlich ein paar verschiedeneRichtungen ausprobieren werden.
Marcel
0:05:08
Ja, eigentlich habe ich gedacht, in Vorbereitung der Sendung,ich hatte ja schon mal irgendwie so eine Gin-Phase gehabt vor sieben,acht Jahren, wo ich mich tiefer reingekniet hatte.Ich habe mich mit auseinandergesetzt, weil wir das mal als Thema haben.Und ich dachte, ich habe eigentlich meine Favoriten schon. Es ist easy going.Aber tatsächlich ist gar kein Gin dabei von dem, was ich vorher dachte oderim Kopf hatte, den ich irgendwie so vorher mag.Sondern tatsächlich habe ich mich ein bisschen inspirieren lassen von den verschiedenenGin Bars. Es gibt ja in Berlin einige, die ich besucht hatte.Unter anderem natürlich Botanical Airs oder den Gin Chiller in Friedrichshain.
Theresa
0:05:44
Warst du nach dem Botanical noch in einer anderen Gin Bar? oder?
Marcel
0:05:48
Nein, das hat mich nachhaltig geprägt. Ich war nochmal in einer anderen Barund habe dann nochmal nach unserem Vorgespräch nochmal einen Drink probiert,ob der was für mich ist oder nicht.Und nein, aber genau, danach nicht mehr. Und ich habe tatsächlich auch…
Heiko
0:06:01
Das musst du schon auch ein bisschen kurz sagen, was das war.
Marcel
0:06:04
Ich hatte jetzt nochmal einen Negroni getrunken.
Theresa
0:06:08
Achso, sehr schön.
Marcel
0:06:11
Aber es ist jetzt nicht mein absolutes Favorite im Vergleich zu den Sachen,die ich jetzt auch zusammen getrunken hatten in Botanical FHs.Da waren echt ein paar Sachen, weil die vorher noch nicht so auf dem Schirm hatten.
Theresa
0:06:22
Kommt ja auch drauf an. Also Necroni ist ja auch oftmals, weiß man nicht genau,welcher Gin und welcher Wermut. Vielleicht hast du nachgefragt.
Marcel
0:06:30
Doch, also ich weiß, was drin war. Ich habe den Namen von Wermut vergessen,aber es war ein Fort Gin gewesen.
Theresa
0:06:35
Weil auch zum Beispiel mit jedem Gin, mit jedem Wermut wird das ja ganz andersschmecken. Also ich glaube auch da gibt es den perfekten Necroni für dich.
Marcel
0:06:43
Wo du zum absoluten Necroni-Klinker werden könntest.
Heiko
0:06:46
Challenge accepted, würde ich sagen. Du findest noch deinen perfekten Necroni.
Marcel
0:06:51
Ja, und traditionell gab es zu Weihnachten auch immer Gin Tonic.Irgendwie so eine lange Tradition.
Theresa
0:06:56
Wie schön.
Marcel
0:06:57
Als Kind schon. Genau, als Kind schon. Nein, irgendwie ein bisschen später erst.Genau, ich habe jetzt heute vier Gins mitgebracht, die wir probieren.Eigentlich glaube ich, Theresa hat das auch nicht mitgebracht.
Theresa
0:07:08
Ja, da ist fast nichts mehr drin, aber ich dachte, vielleicht ist das noch ganz spannend.
Marcel
0:07:12
Und es wären zwei Gins aus, passend zu sein aus England, weil wir werden jaüber England heute auch viel reden. und aber auch zwei Gins aus anderen Ländern,nämlich aus Vietnam und Norwegen.
Theresa
0:07:24
Finnland.
Marcel
0:07:25
Habe ich gesagt? Norwegen. Genau, Finnland, stimmt, stimmt richtig.
Heiko
0:07:30
Zum Glück nicht nur eine Gin, sondern auch eine Geografie-Expertin.
Theresa
0:07:35
Und dieser Müh-Rest an Gin, den ich mitgebracht habe, kommt aus den Niederlanden.
Marcel
0:07:40
Okay, ich habe vorhin vom Namen her schon gedacht.
Heiko
0:07:41
Das ist natürlich besonders spannend. Allein wegen der Herkunft des Gins.Genau, da haben wir die Brücke. Da kommen wir gleich ja noch zu.
Marcel
0:07:48
Vielleicht nochmal vorweg gesagt, weil ich es manchmal nicht so explizit erwähne,aber alle gibt es zu bestellen bei Berlin Botte.Das ist ein Shop in Berlin, aber auch ein Online-Shop, wo man bestellen kann,die sehr nett sind. Kennst du auch, ne?
Theresa
0:07:59
Ja, also ich kaufe da auch selbst gerne Gin ein. Ich meine, bei uns in der Barkann man auch Gin kaufen.Ein bisschen Werbung. Aber dort finde ich es super, weil im Internet kann mannachschauen, was haben sie da.Und ich vermute, die können auch sehr gut beraten, aber ich schaue dann nach,welchen Gin hätte ich gerne. Und gerade wenn ich irgendwie was verschenken möchteoder vor Weihnachten gucke ich, haben Sie das da und gehe dorthin und sage, das und das möchte ich.Super. Haben eine schöne große Auswahl, nicht nur an Gin, auch an anderen Spiritusen.
Heiko
0:08:27
Ja, ich erinnere mich, bei der Pisco-Folge, hatten wir da auch Berlin.
Marcel
0:08:32
Ich hätte auch den Gin gern probiert vom Britannic-Gefährst,aber der war gerade nicht da.
Theresa
0:08:37
Ja, der lässt auf sich warten, aber du hattest ja, also das ist ja eine Kooperationmit Freitag und das sind zwei sehr coole Jungs, die für uns den Gin destillieren,unseren eigenen Haus-Gin und du hast den, ihren Gin, glaube ich probiert,wenn mich nicht alles täuscht.
Marcel
0:08:53
Ja, war schon relativ weit am Ende, aber ja, genau.
Theresa
0:08:57
Also ein super Gin, den die herstellen.
Marcel
0:08:59
Ja, also wir werden auf jeden Fall fünf Gins dann insgesamt trinken und werdensicherlich auch, oder werde ich mal so als Sache in den Raum stellen,so vielleicht ist es auch einer der wandelbarsten,Spirituosen, die es so gibt, was so Vielfältigkeit angeht. Also ich meine,wir sind ja sehr viel im Wein und so.Werde ich jetzt mal als Frage in den Raum stellen und gucken,ob wir es nachher auch bestätigen können oder nicht.
Heiko
0:09:20
Okay, dann würde ich sagen, gehen wir rein sozusagen in die Geschichte.Und wir haben ja auch schon gerade drüber Destillation und Destillieren undso weiter kurz gesprochen.Wahrscheinlich oder mit ziemlicher Sicherheit destillierten Menschen an sichschon seit Jahrtausenden ja irgendwie auf die eine oder andere Weise.So für Europa lässt sich die Technik dann vor allem ab dem 12.und 13. Jahrhundert wirklich eindeutig nachweisen.In Städten wie Salerno vor allem in Italien übernehmen Gelehrte so Destillationstechniken,vor allem aus der arabisch-islamischen Welt.Wir hatten das in unserer PESCO-Folge, der Alembic, genau, das hatten wir.Also da kommt das so her, das wurde dann übersetzt und in Italien,dann hat man das dann mit auch rum experimentiert.Aber wer hier experimentiert und das fand ich spannend, waren jetzt nicht Winzeroder Brauer oder so, das waren Alchemisten.Denn die Destillation, die schien genau das zu versprechen, was Alchemisteneigentlich suchen, so ein bisschen das Reine vom Unreinen zu trennen,so das Wesentliche aus so einer Materie herauszulösen.Sie erhitzen Wein, also in dem Fall noch Wein auf jeden Fall,fingen den Dampf auf und ließen ihn dann eben in so einem Gefäß wieder kondensieren.und es ist kein Zufall, dass Schnaps im Englischen ja auch Spirit genannt wirdoder auch bei uns ja noch verwandt damit, die Spirituose.Denn der alchemistische Glaube, der besagte, dass quasi der Destillationsprozess,die Essenz oder eben den Geist, diese Flüssigkeit,so Himbeergeist und so kennt man ja auch noch, also dass man den damit quasiim entstehenden Dampf einfängt und daher kommt so ein bisschen dieser Begriff Spirit, Spirituose.
Theresa
0:10:42
Spannend, also Geist, vielleicht auch geistlich, weil dann auch wieder vieles irgendwie im Oster.
Heiko
0:10:47
Genau, das war viel im Klosterbereich auch noch, das stimmt.Und die Alchemisten in Salerno nannten auch diese Flüssigkeit,aber erstmal, also die nannten es dann noch nicht Geist, sondern vor allem Aquavitae,also das Wasser des Lebens, weil man eben wirklich das gar nicht unbedingt alsGenussmittel sah, sondern eher als Heilmittel anfangs.Das war eher so medizinisch, so als Mittel gegen allerhand Beschwerden.
Marcel
0:11:08
War ja bei Goethe auch Mittelgeist.
Heiko
0:11:09
Also später auch selbst der Genussmittel wurde dann immer noch sehr,sehr medizinisch gesehen oder auch in der letzten Folge mit den Medici in Florenz,wo man auch so den Kranken und auch teilweise Kindern noch Wein gegeben hat,damit sie sich besser fühlen.Also dem Alkohol so eine medizinische Wirkung anzuerkennen, hat Tradition sozusagen.
Theresa
0:11:27
Ja, bis heute. Also in Süddeutschland ist es, glaube ich, teilweise verbreitet,Schnuller in Bier zu tunken.
Marcel
0:11:34
Echt?
Heiko
0:11:35
Okay.
Marcel
0:11:36
Immer noch.
Heiko
0:11:38
Also Weißbier, dann Weißbierschnolle, okay.
Theresa
0:11:40
Habe ich schon von gehört, ja.
Heiko
0:11:42
Wow. Ja, aber apropos Süden, also von Italien aus zumindest,verbreitete sich eben diese Destillationstechnik dann wirklich über ganz Europa.Nur im Norden hatte man vor allem zu diesem Zeitpunkt ja noch ein ganz praktischesProblem. Es wuchsen eben keine, nicht wirklich Trauben.Also das ist natürlich, wenn du Trauben destillieren willst,brauchst du Trauben. Aber was hat man denn stattdessen sehr viel hier gehabt?Getreide, Getreide, Getreide, Getreide.
Marcel
0:12:04
Getreide, das ist genau.
Heiko
0:12:06
Sorry, ich wollte dich nicht überfallen, schon im späten Mittelalter,so in Polen oder Schottlein zum Beispiel, da wurde dann Alkohol aus Getreidetatsächlich hergestellt und auf Gaelisch heißt Aquavita eben auch,also eben Wasser des Lebens tatsächlich Asquibar und daraus wird Whisky,das nur am Rand, also der Begriff Whisky Asquibar, das heißt auch Wasser des Lebens,also da ist immer noch die Verbindung da.Aber ja, besonders dynamisch entwickelt sich dann die Destillation tatsächlich in den Niederlanden.Deswegen, wir hatten das gerade mit dem niederländischen Gin,den du eben schon angesprochen hast, den du mitgebracht hast. So im 16. und 17.Jahrhundert beginnt man hier dann wirklich systematisch so mit Aromen auch zuexperimentieren. Man destiniert zunächst so einen Rohbrand aus Getreide.Zu diesem Zeitpunkt Getreide, vielleicht spielt er auch nach drauf.Und dann wird dieser so ein zweites Mal gebrannt, aber eben dann mit Kräuternund allerhand Gewürzen, Salbei, Majoran, Wermut. Das hatte ich glaube ich ebenauch schon mal kurz, aber auch sowas wie Rosmarin-Sandelholz,also wirklich alles, was man irgendwie in die Finger kriegen konnte.
Marcel
0:13:01
Wermut ist auch ein Gewürz oder was?
Theresa
0:13:03
Ja.
Marcel
0:13:04
Okay.
Heiko
0:13:06
Und wahrscheinlich war das jetzt keine völlige Neuerfindung da in den Niederlanden,also man kannte schon irgendwie aromatisierte Brandweine, aber hier entwickeltsich wirklich eine richtige kommerzielle, auch eine erfolgreiche Tradition einfach.Und jetzt, um den Bogen zum heutigen Getränk, also zu Gin zu schlagen,so dem Leitner Arzt Franziskus de la Boe, besser bekannt als Franziskus Silvius,dem wird zumindest zugeschrieben, dann im 17.Jahrhundert eben so ein Kreidebrand ganz gezielt mit einer ganz bestimmten Beere aromatisiert zu haben.Unter anderem, weil diese Beere angeblich so positive Wirkungen gegen Magenbeschwerden,Verdauungsprobleme, Sodbrennen und so haben sollte.Und diese Beere ist wahrscheinlich, könnt ihr das euch denken, keine geringe Alz.
Marcel
0:13:42
Wacholder.
Heiko
0:13:42
Genau, unsere Wacholderbeere, von der ihr vermutlich, ich werde jetzt nichtweiter auf die Wacholderbeere eingehen, aber wahrscheinlich auch noch ein bisschenwas sagen werdet, wenn wir gleich einen Gin trinken.
Marcel
0:13:52
Ja, gehen wir gleich noch ein wenig drauf rein und ob es überhaupt auch eine Beere ist.
Heiko
0:13:56
Hast du ja keine Beere? Habe ich jetzt, okay. Okay, dann bin ich jetzt selber gespannt.Ob Silvius tatsächlich der Erfinder dieses Getränks ist, ist ein bisschen umstritten.Also das ist so ein bisschen die Anekdote.Wahrscheinlich gab es Wacholder Destillate auch schon vorher,aber auf jeden Fall wird es ihm so zugeschrieben.Oder er hat es vielleicht auch erstmals wirklich kommerziell auch ein bisschenvermarktet. Auf Niederländisch heißt Wacholder und nicht Wacholder Beere offensichtlich.Tatsächlich, jetzt versuche ich mich am Niederländischen, Geneva Bass oder so.Das wird dann in England zu Geneva.Geneva Bass wird zu Geneva und das wird verkürzt dann eben Gin irgendwann,weil je betrunkener man ist, desto weniger Silben man wahrscheinlich aussprechen konnte.
Marcel
0:14:34
Man hat es damals dann noch Geneva, also wegen der niederländischen Herkunft.Eigentlich hieß es ja Juniper.
Heiko
0:14:39
Genau, aber es kommt aus dem niederländischen Geneva Bass und dann Geneva wurdedaraus und daraus dann Gin.Und tatsächlich wurde auch zumindest anfangs eigentlich jetzt nicht nur Wacholder,sondern jeder aromatisierte Brand eigentlich erst mal Geneva bezeichnet,bis dann das so ein bisschen das,Ja, auch das bevorzugte oder der bevorzugte Brand in England wurde und dann dazu eben zu Gin wurde.
Theresa
0:15:00
Also in England wurde auch das Rezept nochmal ein bisschen verändert.Also auch da wirst du ja später noch drauf eingehen.Aber vom Schnee war zum abgekürzt Gin in England.Da gibt es auch schon Unterschiede. Wirst du über die englische Marine sprechen?
Heiko
0:15:14
Nicht explizit, nur dass es kein Zufall ist, dass jetzt England und Niederlandeda so stark waren, weil die natürlich diesen ganzen Gewürze und so weiter im Handel dominierten.
Theresa
0:15:23
Aber genau in den Niederlanden, der Geneva, das Rezept ist noch insofern anders,das hat sich anscheinend eher so um die 30 Prozent Alkoholvolumen eingependelt.Es gibt einen jungen und einen älteren Geneva und als die Engländer eben kamen,um die Holländer zu unterstützen im holländisch-spanischen Krieg,im 80-jährigen Krieg, haben sie sich in diesen Geneva verliebt und dann quasimit nach England gebracht.und relativ schnell hat die englische Regierung erkannt, ah,das ist ja total toll, dieser Geneva.Unsere Soldaten, die sind so viel mutiger.Relativ schnell war das dann ein Standardreport der englischen Marine.Und in England wurde es dann zu Gin abgekürzt und da hat das dann nochmal eine große Historie erlebt.
Heiko
0:16:06
Ja, das stimmt. Tatsächlich auch anfangs hinkte England aber auch so ein bisschen hinterher.Wer es sich leisten konnte, trank am Anfang wirklich noch Importe,eben so niederländischen Geneva oder auch so französischen Brandwein tatsächlich am Anfang noch.Und das soll sich dann aber eben ändern im 17. Jahrhundert. Und zwar nicht durcheine technische Innovation, sondern tatsächlich durch ein politisches Ereignis.Und zwar die Glorious Revolution von 1688 und dem neuen englischen König ausden Niederlanden. Da kam der. Das ist William III.
Marcel
0:16:33
Genau, 1688. Also 100 Jahre vor der Französischen Revolution eine vorgelagerte.
Heiko
0:16:38
Genau, die Glorious Revolution wird das so genannt, weil die angeblich ohneBlutvergießen so ein bisschen gelaufen ist. Denn England hatte ein Problem.Ich gehe ganz kurz ein bisschen auf die Revolution an. Der König,James II., beziehungsweise auf Deutsch Jakob, der war zum Katholizismus konvertiert.Das klingt für uns heute vielleicht nicht ganz so dramatisch,aber im 17. Jahrhundert, so als der Konflikt zwischen Protestanten und Katholizisten,Katholiken, so massive politische Auswirkungen haben konnte oder auch hatte,nicht nur haben konnte, noch dazu in einem Land wie England,das wirklich seit der Reformation offiziell protestantisch war.Da musste ein katholischer König eben für viele Engländer wirklich wie eine Bedrohung wirken.Zunächst hatte man sich so ein bisschen mit arrangiert, denn James hatte ebenzwei protestantische Töchter noch, weil er es später konvertiert und seine Töchterwaren noch protestantisch aus einer ersten Ehe. Das waren Mary und Anne.Und man ging einfach davon aus, spätestens so mit der nächsten Generation,wenn Mary oder Anne eben auf dem Thron sind, dann gäbe es wieder eine protestantische Monarchin.Und das Katholizismusproblem, das hätte sich gewissermaßen von selbst erledigt.Dann bekam dummerweise James aber aus zweiter Ehe 1688 eben von seiner diesmalsehr katholischen Ehefrau einen entsprechend sehr katholischen Sohn und dieserSohn würde laut englischer Thronfolgeregelung Sohn vor den Töchtern sozusagenin der Thronfolge kommen.Das heißt, dann hätte man einProblem, weil dann wäre die Krone auf Dauer katholisch geprägt gewesen.Und das war für das protestantische Establishment im Prinzip wirklich der Punkt,wo man handeln musste. Was taten sie also?Sie luden Wilhelm von Oranien ein. Das ist der Stadthalter der Niederlande gewesen.Der war ein überzeugter Protestant.Er war ein entschiedener Gegner des Katholizismus. Das passte auch.Und er war vor allem der Ehemann von Mary, der Tochter von König James II.Also man hatte da auch trotzdem irgendwie so eine dynastische Verbindung.Wilhelm, oder eben William, der lässt sich nicht zweimal bitten,der setzt mit nahem Mehe über den Ärmelkanal, über James Fleet ins französischeExil und William, Wilhelm, der besteigt gemeinsam mit Mary eben den englischen Thron.Was hat das Ganze jetzt mit Gin zu tun? Ich weiß nicht, ob ihr das recht habt, das ist der Exkurs.Allen Kirche wirklich alles, denn Wilhelm, der kam quasi mit einem geopolitischen Projekt nach England.Sein Hauptgegner, das war das katholische Frankreich und dessen katholischerKönig, Ludwig XIV., der Sonnenkönig.Und kaum auf dem englischen Thron, erklärt Wilhelm, Frankreich den Krieg.Der Handel mit Frankreich wird daraufhin verboten und dabei ausdrücklich,ich hatte es ja eben erwähnt, dass vorher noch viel auf französischer Brandweinimportiert wurde, der wird jetzt ausdrücklich ins Visier genommen und darf nichtmehr in England verkauft werden.Es entsteht eine Lücke im Markt und das Parlament füllt sie dann mit einem Gesetzaus dem Jahr 1690 und das Gesetz heißt zur Förderung der Destillation von Brandweinund Spirituosen aus Getreiden.Wilhelm schlug damit nämlich zwei Fliegen mit einer Klappe, ja er schadete einmalden Franzosen, denen ja dadurch auch Einnahmen wegbrechen, die ja irgendwie wichtig sind.Und er schafft einen eigenen neuen Absatzmarkt für das englische Getreide wiederum,denn die Landwirtschaft war eben Großbritanniens Schlüsselindustrie und so schließtsich dann so ein bisschen der Kreis. Denn er war, also der König war so einbisschen vom Parlament natürlich auch abhängig.Und wer sitzt im Parlament, das sind die Großgrundbesitzer natürlich.Also was heißt natürlich, das sind die Großgrundbesitzer. Und eine wachsendeBrennerei-Industrie einfach bedeutet natürlich eine steigende Nachfrage nachGetreide und höhere Einnahmen für diese Landbesitzer.Also so eine Win-Win-Situation eigentlich.Außerdem wurde mit diesem Gesetz auch das quasi Monopol der Company of Distillers aufgehoben.Und von nun an durfte im Prinzip wirklich jeder Brenn, wer irgendwie ein Fass,eine Brennblase und ein bisschen Kapital besaßt, der darf jetzt anfangen zu destillieren.
Marcel
0:19:52
Also man brauchte keine irgendwie offizielle Genehmigung?
Heiko
0:19:55
Genau, genau. Das ist das Spannende, weil eigentlich vorher auch in so historischgewachsenen Ängern ganz viel eigentlich alles reguliert würde.Wenn du eine Bar, wenn du eine Taverne Bier ausschenken willst,wenn du Schuhe machen willst, eigentlich ist alles reguliert.Aber die Destillation wurde mehr oder weniger, das ist jetzt ein bisschen vereinfachtdargestellt, sehr, sehr unreguliert losgetreten in dem Fall.
Marcel
0:20:14
Und dadurch nur eine Sache, also wir Wir haben ja bei Pisco hatten wir auchdas Phänomen, dass durch ein politisches Ereignis dann Pisco eigentlich einenDurchbruch hatte, weil man brauchte irgendwie eine Alternative.Das ist ja prinzipiell jetzt auch wieder ähnlich.
Heiko
0:20:28
Stimmt, ja, wieder so ein kleines System, was wir da erkennen.Die Produktion, die wächst daraufhin auch tatsächlich sehr, sehr schnell und sehr, sehr rapide.Bereits um 1713 stellen englische Brennereien rund 9 Millionen Liter Rohbrand pro Jahr her.Ein Teil wurde durchaus noch exportiert, Teil auch weiterhin so in Arzneimittelnverarbeitet, also schon die, sag ich mal, die Apotheker- und Medizinbranchewar auch immer noch ein großer Teil von Gin,aber der größte Teil landete tatsächlich so ein bisschen als billiger Rauschauf Londons Straßen und es ist eben kein Zufall, dass gerade eine Stadt wie London so zum idealen,Nährboden für Gin werden sollte. Aber warum das so ist, würde ich sagen, hören wir gleich.Nachdem wir den ersten Gin hier getrunken und verköstigt haben.
Marcel
0:21:14
Ist ganz spannend, weil ich glaube, die Überleitung passt eigentlich irgendwieganz gut. Also du wirst da wahrscheinlich später nochmal drauf eingehen.Gin, den wir gleich trinken, wird darauf einzahlen. Aber bevor wir jetzt denersten eingießen, alle ungeduldig schon sind.
Theresa
0:21:31
Ich bin nur gespannt, welchen. Weil ich finde, geschmacklich macht es Sinn,nicht hiermit anzufangen.
Marcel
0:21:39
Nee, machen wir auch nicht. Genau.
Theresa
0:21:41
Super.
Marcel
0:21:42
Genau. Wir haben gerade auch Flaschen gezeigt sozusagen.
Theresa
0:21:45
Also geschmacklich und geschichtlich.
Marcel
0:21:47
Geschichtlich, genau. Super. Aber bevor wir gleich den ersten Gin probieren,wir haben ja noch gar nicht eigentlich so gesagt, was ist eigentlich Gin? Kannst du das kurz?Also könntest du das zusammenfassen? Was ist eigentlich Gin? Ja.
Theresa
0:22:01
Also jetzt ganz salopp ausgedrückt würde ich sagen, in der Regel wird ein Getreidedestillantgenommen oder auf Basis von Getreide, Korn, Kartoffel, aber es wird auch eben ab und an,es gibt auch Gin mit einer Traubenbasis und die Hauptzutat ist Wacholder.Also schlicht ausgedrückt, ganz viel Wacholder in deinen Spirit geben,in den neutralen Alkohol und dann eben dieses Einlegen mit ganz vielen Zutaten,Zitronen und Gewürzen, die man eigentlich auch in jeder gut aufgestellten Küche finden kann.Zimt, Kardamom, Koriander, Thymian, Pfeffer, es kann wirklich eigentlich fast alles dabei sein.
Heiko
0:22:41
Das ist super spannend, dass du auch gerade sagst, was man so in der Küche findet,weil tatsächlich, also bevor, was ich eben gesagt habe, bevor quasi dann durchdas Gesetz, dass alles auch so ein bisschen kommerzialisierter wurde,hinkte England auch hinterher, weil eben dieses nicht so ganz verstanden an,wie gut das man auch wirklich kommerzialisieren kann und ganz viel so in soeiner Bauernküche von Mekken einfach mit den Zutaten, die man da hatte,so ein bisschen für den Eigengebrauch gemacht wurde.War das dann wirklich so ein richtiger Markt.
Marcel
0:23:04
So ein bisschen der Hintergrund dann.
Theresa
0:23:05
Aber Hauptzutat Wacholder. Also ich würde sagen.Also nach wie vor auch. Nach wie vor. Also Gin und ja, Gin beinhaltet Wacholder.
Marcel
0:23:14
Ja, das ist tatsächlich auch zentral. Es gibt EU-Verordnung 2019-787. Ach die.Da ist Gin und verschiedene Gin-Arten tatsächlich wirklich definiert.Und da steht auch, dass Wacholder zentral ist.Es gibt darüber hinaus nochmal so ein Alkoholgehalt, der definiert ist,nämlich 37,5 Prozent mindestens.Zumindest jetzt für die klassischen Distill-Gins.
Theresa
0:23:37
Ja, also das haben schon alle. Also die meisten pendeln sich dann schon bei40 bis 44 Prozent ein, aber genau.
Marcel
0:23:43
Genau und der Wacholder und du hattest ja eben schon angekündigt,dass das eigentlich eine Beere, also dass es Beere genannt wird.Prinzipiell ist es aber eigentlich eine Art von Nadelbaumgewächs.
Theresa
0:23:55
So, jetzt darf man das Foto hochgehen.
Marcel
0:23:57
Genau, gucken wir uns nämlich ein Foto an. Das ist der gemeine Wacholder.Also wir sehen die Fotos.
Theresa
0:24:03
Ach so, ihr seht die Fotos.
Heiko
0:24:04
Genau, das ist für dich extra noch so. Wir sehen die Fotos bei uns noch mal.
Marcel
0:24:07
Genau, und wenn ihr die Fotos sehen wollt, dann findet ihr das in den Kapitelmarken.
Heiko
0:24:10
Genau, oder wie immer auch auf Instagram in der Galerie.
Marcel
0:24:13
Genau.
Theresa
0:24:14
Wieso ist der gemein, der Wacholder?
Marcel
0:24:16
Weil ich glaube, man sagt immer bei so Pflanzengattungen, also man sagt ja auchdie gemeine Stechmücke und da stimmt es ja in dem Fall auch.
Heiko
0:24:22
Genau, ich glaube, gemein ist in dem Fall nicht böse, sondern quasi gewöhnlich.
Marcel
0:24:26
Genau. Es gibt mehrere, tatsächlich Wacholder hat total viele Unterarten,aber der gemeine Wacholder ist derjenige, den man quasi für das Getränk oderauch als Gewürz einsetzt.Auf dem Bild sieht man, dass sie auch relativ groß werden können,so 12 bis 18 Meter tatsächlich.Und dadurch, dass es ein Nadelbaum ist, ist es keine Beere, sondern eigentlichein Zapfen, wenn man es so nimmt.
Heiko
0:24:47
Aber es ist schon trotzdem quasi die Frucht, nenne ich es jetzt mal,also schon die in Anführungsstrichen, dass man es nicht gut fühlt.
Marcel
0:24:53
Und es gibt auch nicht, glaube ich, so viele andere Produkte,die man aus Nadelbäumen, also im Sinne von, dass man die Früchte jetzt isst oder sowas.
Theresa
0:25:03
Du schaust so zu mir rüber, aber wir hatten ja dieses eine Gespräch jetzt am Freitag,nachdem wir uns in der Bar getroffen hatten und du hast mir ja schon gesagt,dass du auf den Wacholder eingehst, auf die Wacholderbeere oder den Wacholderzapfenund ich finde das total spannend, weil ich…Und Wacholder meine zu kennen, aber dann irgendwie das nie nochmal tiefer aufgeschlüsselthabe. Und mein Papa ist dazu auch noch Landschaftskärtner.Ich habe ihn noch nie nach der Wacholderbeere befragt. Zeit wird es.
Heiko
0:25:31
Es wird Zeit.
Marcel
0:25:32
Ja, ich habe bei mir auch irgendwie auch eher so, okay, alles klar,das ist irgendwie so ein Nadelbeere. Man hinterfragt das auch nicht. Ja, eben, genau.Und kommt vor allen Dingen auf der Nordhalbkugel vor, diese Pflanze,und war über die letzten Jahrhunderte eigentlich auch schon mal Heilmittel.Wie du es gerade beim Alkohol oder einfach bei den Destillaten sozusagen angemerkthast, haben schon die alten Ägypter damals mit Wachäuder Gelbsucht behandelt.
Theresa
0:25:56
Spannend.
Marcel
0:25:57
Oder die alten Griechen hatten das so als leistungssteigerndes Mittel benutztund so gegen Koliken eingesetzt.
Heiko
0:26:03
Ach, das passt ja auch mit dem, was du gesagt hast, sondern den Soldaten,wenn die leistungsstärker waren, wenn man das Ding gegeben hat.
Theresa
0:26:08
Und auch die Geschichte mit dem Arzt, der eben versucht hat,Wachold an der Heiligen Wirkung zu besprechen.Also da kenne ich auch das mit Nieren, Magenbeschwerden, aber auch ein Heilmittelgegen Koliken. Das ist mein Stand.
Marcel
0:26:19
In Rom hatten wir, wir hatten ja dann auch natürlich mal über Rom gesprochen,da hat man uns dann in Weine eingelegt. Wir hatten ja auch schon die aromatisierten Weine.
Heiko
0:26:26
Die allerlei Gewürze hatten.
Marcel
0:26:29
Da hat man es auch gegen Krankheiten eingesetzt. Und es gibt eigentlich superviele Referenzen, wo man, also man kann da glaube ich unendlich fortsetzen,aber ich dachte, bevor wir jetzt den ersten Gin trinken.
Heiko
0:26:39
Immer noch bevor, wann trinken wir den?
Marcel
0:26:42
Lass uns mal eine Wacholder Bier probieren.
Heiko
0:26:46
Jetzt hast du aber auch Bier gesagt, also wir probieren jetzt ein Wacholder Zäpfchen, äh Zapfen.
Theresa
0:26:50
So, wir probieren jetzt den Wacholder Zapfen.
Heiko
0:26:53
Genau.
Theresa
0:26:53
Super.
Marcel
0:26:56
Können wir natürlich nachher auch zur Deko nehmen.
Heiko
0:26:59
Danke, danke.Okay, und jetzt einfach den Mund. Lutscht man den oder kau ich den?
Marcel
0:27:06
Kann man einfach kauen.
Theresa
0:27:07
Also ich hab draufgebissen.
Marcel
0:27:09
Ja, ich auch.
Heiko
0:27:12
Schon mal’s?
Marcel
0:27:15
Ich weiß nicht, ob…
Heiko
0:27:16
Das schmeckt schon wie ein Gin.
Marcel
0:27:18
Macht so einen Sinn.
Heiko
0:27:20
Es kommt jetzt so ein bisschen, aber ein etwas unangenehmes hinten her, so ein bisschen bitter.
Marcel
0:27:24
Ich find’s voll lecker. Ich würde noch einen Zapfen nehmen. Die sind auch soein bisschen süß halt, finde ich.
Theresa
0:27:31
Aber die Süße kommt so im Nachhinein.
Heiko
0:27:33
Aber spannend, dass das wirklich schon einfach wie der Schnaps,also wie der Schnaps, das klingt so abwehrend, wie der Gin auch schmeckt.Man merkt schon, woher das herkommt, der Geschmack.
Marcel
0:27:42
Eben, genau. Das war für mich auch, ich habe das nicht als Standardgewürze inmeiner Küche, sondern habe es mir jetzt mal dafür geholt.
Theresa
0:27:48
Ich freue mich total, weil ich bei den Gin-Workshops, die ich gebe,habe ich auch immer viele Zutaten auf dem Tisch und eben auch Wacholderbeeren.Und ich sage auch meistens dazu, glaube ich, hey, ihr könnt es auch in die Handnehmen, ihr könnt auch gerne probieren, draufbeißen.Aber ich finde, ich muss da mehr Fokus wieder drauflegen.Also wirklich, dass die Leute eine Wacholderbeerin, Wacholderzapfen nehmen undda auch wirklich mit draufbeißen. Das ist toll.
Marcel
0:28:12
Vielleicht hattest du auch einen trockenen? Weil ich hatte zum Beispiel eine,die super fruchtig war gerade.
Heiko
0:28:16
Ja, ich hatte eine sehr trockene. Und da kam eben hinten, war so ein bisscheneine Bitterkeit, die dann noch kam bei mir.
Marcel
0:28:21
Kann man auf jeden Fall so probieren. Also ich habe auch einige weggesnickt.Genau und passend dazu kommen wir jetzt wirklich zum ersten Gin. Und zwar zum Zip Smith.V-J-U-O-P. Very Juniper Overproof.Sprich, dieser Gin hat im Vergleich zu ihrem normalen London Dry Gin doppelteMenge an Juniper, also an Wacholder drin. Und…
Heiko
0:28:51
Also ich weiß zwar nicht generell, was wir trinken, aber ich sehe die natürlich, die alle hier stehen.Tatsächlich der Sipsmith, der einzige von denen, die da stehen,den ich kenne, auch vom Namen her und Etikett, weil tatsächlich vor ein paarJahren war ich in London und da gab es so einen Pop-Up-Store von Pipsmith.Sipsmith, da komme ich auch noch nicht ausgetrunken. Das kann ja was werden.Sipsmith, und da hatte ich aber, also nicht den oder generell keinen Clan,sondern ich fand es so spannend, ich habe so eine kleine Probe damals genommenvon so einem Pink Gin, tatsächlich von denen.
Marcel
0:29:17
Ah, okay.
Heiko
0:29:17
Da hatte ich auch noch nicht so einen Ich kriege einen mega Bezug zu,deswegen kann ich dir gar nicht so viel sagen jetzt.
Theresa
0:29:22
Die haben viele Sorten tatsächlich, ja.
Marcel
0:29:25
Dann lass uns mal eingehen, würde ich sagen.
Theresa
0:29:26
Darf ich noch was zu dem erzählen? Also was bei dem spannend ist,also der hat jetzt 57,7 Prozent Alkoholvolumen.
Marcel
0:29:33
Steigt 50, genau.
Theresa
0:29:36
Damit steigen wir ein.Hört ihr mich noch?
Marcel
0:29:41
Ja, ja.
Theresa
0:29:42
Was bei dem spannend ist zu wissen, also der fällt unter die Kategorie NavyGin und das ist tatsächlich auch geschichtlich spannend,Und als die Soldaten der englischen Marine sich in diesen Geneva verliebt habenund mit nach England gebracht haben und das dann auch zum Standardrepertoirewurde von der englischen Marine, gab es ein Problem.Und da waren die teilweise so betrunken, das war nicht das Problem.Aber sie sind an Deck rumgetockelt und haben teilweise den Chin verkippt.Teilweise auch über das Schießpulver, was nicht mehr entflammbar war.Und dann hat man sich überlegt, okay, also der Effekt ist zu gut,den dieser Chin Geneva auf die Soldaten hat.Also müssen wir, darauf können wir nicht verzichten. Es muss ein Chin her,der so hochprozentig ist.
Heiko
0:30:21
Dass er trotzdem noch in Flammer ist.
Theresa
0:30:23
Dass das Schicksulver noch in Flammer ist. Also das ist die eine Geschichte, die andere Geschichte.Da bin ich auch gespannt, ob du noch was weißt, weil es gab eine Queen,Queen Anne, die jetzt nicht so bekannt ist, geschichtlich anscheinend,aber sie hat Chin geliebt.Und das war so Anfang 18. also so 17 Jahre.Vier bis 17, 14 oder so war sie Queen und sie wollte einen Gin,wo der Wacholder-Geschmack besonders gut zur Geltung kommt.Und tatsächlich bei diesen hochprozentigen Destillaten ist, also man meint,das schmeckt dann total spritig, aber der Wacholder-Geschmack kommt sehr schön zur Geltung.Also die haben, ja, wir werden es jetzt testen.
Marcel
0:31:03
Soll ich euch einfach einschicken? Gerne, gerne.
Theresa
0:31:05
So, jetzt gieße ich wahrscheinlich alles daneben.
Marcel
0:31:10
Ja, ist.
Theresa
0:31:10
Der Vorführeffekt, aber ist ja ein Podcast.
Marcel
0:31:12
Ich habe normalerweise eine Küchenrolle, die ich heute vergessen habe.
Heiko
0:31:16
Schön, dass wir wirklich mit dem hochprozentigen anstarten.
Theresa
0:31:21
Also ich finde auch zum Probieren, eigentlich würde so ein Tropfen reichen,um den Geschmack zu haben.Ist das zu wenig?
Marcel
0:31:31
Nein, nein.
Heiko
0:31:32
Also zu wenig ist das definitiv nicht.
Marcel
0:31:35
Alles gut.
Theresa
0:31:36
So, du hast jetzt schon ein bisschen mehr.
Marcel
0:31:38
Gut, ich kriege mal ein bisschen mehr. Das Konzept.
Theresa
0:31:42
Aber hier fehlt auch schon was, also hier fehlte schon was.
Marcel
0:31:45
Ja, ich habe, ich mache ja…
Theresa
0:31:47
Du hast schon, ich dachte es mir doch nicht. Entschuldigung.
Heiko
0:31:50
Da hat sich vorher schon mal ein bisschen Mut angezogen, immer vor dem Podcast.
Marcel
0:31:54
Okay, also jetzt vielleicht erstmal, natürlich ist das eine klare Flüssigkeit, sehr durchsichtig.
Heiko
0:32:00
Ja, die ist komplett durchsichtig, das ist wirklich ein klarer Brand.
Theresa
0:32:04
Fun Fact, also ich weiß nicht, wie sehr der belegt ist. Anscheinend kann man,wenn dann der Gin mit Tonic gemixt wird und das dann trüb wird,kann man sehen, wie oft er destilliert wurde.Umso öfter er destilliert wurde, umso klarer ist er. Und es ist ja auch so ein Gütesiegel.Ich finde, das muss nicht sein, aber Tanqueray hat ja auch einen Gin,der dann zehnmal destilliert wurde und anscheinend besonders Wein schmückt.
Marcel
0:32:28
Das war zum Beispiel auch einer meiner Farad-Tag.
Theresa
0:32:31
Ja, das meintest du. Ich finde den auch super.
Heiko
0:32:34
Okay. Einmal Cheers.
Theresa
0:32:38
Schön, dass ich hier sein darf.
Heiko
0:32:40
Schön, dass du da bist.
Theresa
0:32:42
Voila, auf den Chin.
Marcel
0:32:46
Also man riecht jetzt auf jeden Fall, das hat man im Wochenende geframed.
Heiko
0:32:48
Ja, also ich bin vor allem überrascht, dass man nicht so bei 57 Prozent,dachte ich, wird es wie so dichter gleich in die Nase, aber er riecht jetztgar nicht so ultra alkoholisch.Man merkt schon, dass es ein Schnaps ist.
Marcel
0:32:59
Also ich finde den auch ein bisschen süß und ein bisschen zitrisch vom Geruch.
Theresa
0:33:04
Ich rieche gar nicht so viel, bei dem muss ich so gehen.
Marcel
0:33:08
Ich habe mich bei Gin auch ein bisschen schwer getan erst, ehrlicherweise,aber ich habe die dann halt nochmal nachgerochen sozusagen außerhalb des Barkontextes.
Theresa
0:33:16
Also bei manchen, da riecht der Raum, wenn man nur die Flasche öffnet.Gerade bei dem auf Traubenbasis, das ist der, also wir haben den heute nicht hier.
Marcel
0:33:23
Aber der Nordes, genau.
Heiko
0:33:27
Spanisch berühmt hat. Ja, den kenne ich auch, also bin ich schon mal irgendwoin Basis, steht er manchmal hinten in den Regalen.
Theresa
0:33:32
Ja, und er hat eine Albirinio-Traube als Basis.
Heiko
0:33:35
Ah, das muss ich hin.
Theresa
0:33:36
Und was vielleicht auch wichtig ist zu wissen, es wird zwar oft so deklariertvon vielen Gin-Herstellern, was auch vollkommen fein ist.Und ich kenne viele Leute, die gerne Gin pur trinken. An sich ist es allerdings eine Mixspirituose.Also das ist jetzt nicht wie ein Whisky, wie ein Rum, die man auch gerne pur trinkt.Es ist schon zu mixen da. Und ich finde, viele Sorten kann man auch gut purtrinken. Und wenn jetzt Gin ausgezeichnet wird beim Tasting,es wird auch immer pur probiert. Und ich mache das auch so.Also ich probiere Gin am liebsten am Anfang pur und dann eben in Kombinationund gucke, wie er sich entfaltet, je nachdem, wie man ihn mixt.Aber ja, also…Ich bestelle mir das jetzt meist dann schon als Gin-Tolik.
Heiko
0:34:22
Also ich muss auch hier gestehen, also ich finde Pur den schon auch,also der schmeckt schon, ist halt Wacholder und so klar, aber diese 57 Prozent,das brennt schon. Das ist schon ein Schlaß.
Marcel
0:34:33
Genau, das merkt man.
Heiko
0:34:34
Also den würde ich jetzt nicht zum Genuss Pur trinken, ehrlich gesagt.
Theresa
0:34:36
Ah, okay, aber ich finde ihn trotzdem angenehm.
Marcel
0:34:38
Ich auch. Ich finde den schon. Also ich wollte auch welche haben,die man wirklich auch Pur trinken kann.
Theresa
0:34:44
Ja, also der ist schon, ja, das ist, also der hier ist schon eine Wucht.Also es gibt auch Navy-Gin-Sorten, die sehr viel leichter sind.
Marcel
0:34:53
Der Plymouth zum Beispiel.
Theresa
0:34:54
Ja, voll. Oder von Elephant, der Navy-Gin. Auch eine sehr bekannte Marke.Der ist, ja, den erkennt man fast gar nicht als…
Heiko
0:35:02
Ach stimmt, den Elephant-Gin hatte ich aber auch mal zu Hause.
Theresa
0:35:04
Ja, und die haben auch einen Navy, also die haben auch mehrere Sorten.Und der Navy ist sehr sehr würzig und filmiert auf eine Art.
Heiko
0:35:13
Also ich finde den tatsächlich sehr, also den jetzigen hier,bis zu, also für ein Pur trinken bis zu alkoholisch, muss ich gestern.Aber ich muss auch, also weil du Whisky sagen, ich trinke auch sehr gerne Whiskyund dann mag ich es auch eher, wenn das entweder das Rauchige oder eben irgendwiedas Süße ein bisschen im Vordergrund ist und der nicht zu brennt sozusagen. Das wusste ich sogar.
Theresa
0:35:30
Ich glaube, das hast du mir erzählt. Deswegen auch dann später diese Gin-Sorte.
Heiko
0:35:34
Ah, okay. Also er schmeckt schon, ich will nicht sagen, dass der nicht schmeckt,aber ich glaube Pur ist das für mich dann fast schon wie ein richtiger Shot,wo du weißt schon, den trinkst du und dann brennt der und ja.
Marcel
0:35:47
Naja, der soll jetzt mal hier eigentlich stehen für diesen wirklichen puren Wacholder-Geschmack.
Heiko
0:35:54
Genau, und den schmeckst du auch. Den schmeckt man auf jeden Fall trotzdem raus.Das finde ich schon spannend.Obwohl der 57%, das ist wirklich ein, ich meine, das heißt ja nicht umsonst auch Brand.Das schmeckst du, aber trotzdem diese Wacholder, die ist trotzdem dominant.
Theresa
0:36:10
Aber ich finde auch, dass Citrus durchkommt. Also so, dass,Das ist, glaube ich, in fast jedem Gin mit drin.Also so generell ist ja auch an den Zutaten und wie viele drin sind,nicht zwangsweise eine Regulierung da.Also es gibt Gin-Hersteller, Gin-Hersteller, ich weiß gar nicht mehr,aber die sagen so, hey, unser Gin, der hat fünf bis zehn Zutaten,was sehr wenig ist für einen Gin und es kann hochgehen bis 100 wahrscheinlich, also so oder mehr.Also ich würde sagen, die meisten Gin-Sorten haben wahrscheinlich bis zu 30Botanicals mit drin und es ist auch nicht so leicht, dass immer alle Botanicals,alle Zutaten rauszufinden und auch rauszuschmecken,weil das glaube ich auch den Herstellern ein bisschen überlassen ist,mit welchem sie dann auch auftreten wollen, mit welchen Zutaten.Also es ist wahrscheinlich auch ein bisschen eine Marketingstrategie, nehme ich an.
Marcel
0:37:01
Ja, also kommen wir vielleicht noch über die Storys.Nee, ich meine, es ist auch meine Wahrnehmung, dass Gin sehr viel mehr Marketing ist als Wein.Aber das werden wir vielleicht noch an den Storys so ein bisschen sehen.
Theresa
0:37:15
Das möchte ich gerne widerlegen. Das hört sich so negativ an.
Marcel
0:37:18
Ja, okay, das ist schön, dass du es wieder…Ich mache mir in der Zeit Popcorn.
Heiko
0:37:24
Wenn ich euch dann im Streitgespräch nachher zuhören.
Marcel
0:37:28
Genau, was hier noch prinzipiell besonders, wir haben ja schon gesagt,es ist irgendwie mehr Wachhäuter drin als beim London Drive von denen.Der läuft, der durchläuft den auch hochprozentiger der belöcht.
Heiko
0:37:43
Das ist klar, dass das erstmal der Erste war.
Marcel
0:37:46
Ja, bitte was? Der durchläuft einen dreiteiligen Infusionsprozess mit Wachhäuter,wollte ich nur sagen, und hat auch eine dreiteilige Maceration,also wie lange der Wachhäuter da eingelegt wird sozusagen.
Heiko
0:37:58
Das heißt, er wird dreimal auch immer wieder mit Wacholder sozusagen deszenieren?
Marcel
0:38:03
Soweit ich weiß, ja.Von der Story her meinte ich ja, passt es vielleicht ganz gut rein,weil im Gegensatz zu Plymouth, die es ja schon super lange gibt,die du gerade erwähnt hast, wahrscheinlich der Elefant ist auch schon ein bisschenälter, nehme ich an oder auch nicht?
Theresa
0:38:17
Ich vermute nein. Also der Elefant kommt ja aus Deutschland.Ich glaube, der hat auf keinen Fall so eine lange Historie wie der Plymouth.
Marcel
0:38:26
Du hattest mir an den Abend auch von dem Plymouth erzählt, wollte ich auch noch,aber ich konnte nicht mehr so viel brauchen.Ich fand den irgendwie ganz cool. Genau, von der Story her ist ja insofern ganzinteressant, weil Sipsmith wurde 2007 gegründet als Mikrodestille in London.
Heiko
0:38:41
Ach so, ich dachte ehrlicherweise auch, dass der geht Jahrhundert,dass das so ein Tradition, weil die wirken so traditionell irgendwie.
Theresa
0:38:46
Ich bin gerade auch überrascht. Ich glaube, ich habe das schon mal gehört odergelesen, aber 2007, dann ist ja gar nicht so alt.
Marcel
0:38:53
Wie ich dachte. Relativ frisch eigentlich in der ersten Gin oder wieder so Regenerationsphasesozusagen kam damit hoch.Und so hat es Sam Gelsworthy in Fairfax Hall gegründet bei Männern.Wir werden uns wahrscheinlich noch über die Episode etwas länger begleiten. Männer, die Gin machen.
Heiko
0:39:12
Spoiler-Name, ich werde auf jeden Fall ganz viel über Frauen reden heute.
Marcel
0:39:14
Das ist gut.
Theresa
0:39:15
Und ich werde noch über Queen Anne.
Marcel
0:39:17
Okay, dann gleicht es sich aus. die beiden hatten eine Vorliebe für Martinisund sind daher zum Gin gekommen,und waren vorher bei der Fullers Brewery, also haben schon was mit Alkohol zutun gehabt, waren halt irgendwie in der Branche, sag ich mal,im weitesten Sinne und später kam noch ein Gin-Historiker dazu,was ich ein bisschen witzig finde.Ich frage, ob du dich jetzt auch schon als Gin-Historiker siehst.
Heiko
0:39:41
Ganz so weit ist glaube ich noch nicht nach der Folge, aber wenn wir nochmalweitere Gin-Episoden machen, ich bin irgendwann Gin-Historiker.Gin, Gin, ich bin Ich wollte jetzt gerade irgendeinen ganz schlechten Wortwitzmachen, aber das kriegen wir nicht zusammen.
Marcel
0:39:52
Der heißt Jared Brown und ist quasi Master Distiller. Und wisst ihr,was der Name Sipsmith bedeutet?
Theresa
0:40:01
Nee.
Heiko
0:40:01
Also Smith ist ein Schmied. Man sippt halt wirklich einen Schluck,also ein Schluckschmied oder so.
Marcel
0:40:07
Ja genau, ein Schluckschmied, genau. Das ist also Schmied beziehungsweise Handwerker,aber speziell ein Schmied.Und das kam, weil Perfex Vater Silberschmied ist und hatte prinzipiell auchgesagt, dass Distillateure Handwerker sind. Und dementsprechend kam der Name dann zustande.Also auch wieder so ein bisschen kleiner künstlicher, also Kunstbegriff sozusagen.
Theresa
0:40:27
Ich finde den Namen super, also sowohl Englisch als auch Deutsch.
Marcel
0:40:30
Funktioniert gut, ne?
Theresa
0:40:31
Ja, funktioniert, ja.
Heiko
0:40:32
Schade, dass die das wahrscheinlich schon irgendwie markenrechtlich gemachthaben. Ich finde so einen deutschen Gin, der sich schluckschmieden hat,das sehe ich auch irgendwie gut.
Marcel
0:40:41
Schluckspecht.
Theresa
0:40:42
Nein, nein, nein, das muss zweimal das Sch sein.
Marcel
0:40:46
Was aber den Clou so ein bisschen ausmacht und warum er jetzt so gut passt,ist, dass die tatsächlich geschafft haben, ein altes Gesetz zu ändern.Da wirst du vielleicht noch drauf eingehen. Und zwar gab es,wir haben ja gerade erfahren, dass früher jeder…brennen durfte. Also keine große Genehmigungszustände gebraucht wurde.Und das wurde aber dann irgendwann mal geändert. Wirst du vielleicht drauf eingehen?
Heiko
0:41:07
Also das wird heute einer der Haupt-Tilots sein.
Marcel
0:41:09
Also nicht explizit das.
Heiko
0:41:11
Aber grundsätzlich die Gin-Acts, wie man den Gin kontrollieren möchte.
Marcel
0:41:14
Genau, und dann das gab es, das war einfach jahrhundertelang,also 1823 durfte man das nicht mehr in Small Batches quasi eigentlich brennen.
Heiko
0:41:22
Okay, nee, aber dann wir fokussieren uns heute in der Episode um die Gin-Eppityund die Gin-Acts aus dem 18.Jahrhundert. Also alles, was dann im 19. Jahrhundert noch kommt,ist dann vielleicht für die nächste Episode. Ab dann bin ich dann auch Gin-Historiker.
Marcel
0:41:36
Das Gesetz sollte Schwarzbrennerei verhindern und Sim Smith hat es tatsächlichgeschafft, als erster Londoner das Gesetz zu ändern, dass sie wieder so eineSmall-Batch-Kupferbrennblase einführen konnten.Die sind dafür zuständig, dass es in England jetzt auch gilt,Small-Batches wieder zu produzieren.Die erste Kupferbrennblase, die sie hatten, nennt sich Prudence,was so viel Besonnenheit heißt.Und wenn man mal auf die Flasche guckt, dann ist das nämlich der Schwan, den man da sieht.Also die Brennblase ist dort abgebildet, weil sie so…
Heiko
0:42:13
Sieht aus wie ein Schwan.
Marcel
0:42:15
Ja, also man kann auf der Website, ich habe jetzt das Foto nicht mitgebracht,aber auf der Website guckt.Im weitesten Sinne kann man es vielleicht schon rein interpretieren,aber das Cover sieht ja schon irgendwie ganz nett aus.
Theresa
0:42:24
Also genau, der Schwanenkörper ist eben die Brennblase.Und manche Flaschen sind auch daran angelehnt, an diese Kupferbrennblasen.Also der Copperhead ist in so einer sehr schönen, metallikfarbenen Flasche.
Heiko
0:42:38
Ah, so ein bisschen Messing-mäßig. Ach, cool. Witzig.
Marcel
0:42:42
Also diese Prudence, also die ist scheinbar auch so ein Ding,dass die ganzen brennblasenden Namen haben.Die kommt aus Deutschland von einem Macher, der Christian Kahl heißt und hateine Kräuterdampfkammer direkt integriert.Und sie nutzen, wenn sie brennen, Wodka als Basis. Ich glaube,es kommt häufiger vor, dass man erstmal Wodka macht.Ich wollte nämlich vorhin auch provokativ sagen, was es eigentlich schön ist.Es ist sowas wie aromatisierter Wodka.
Heiko
0:43:06
Achso, das heißt, das Sipsmith ist auch nicht Getreide, sondern dann Kartoffelbasis,oder? Weil Wodka, ist das nicht aus Kartoffeln oder ist das auch Getreide?
Theresa
0:43:14
Ich dachte, das könnte sowohl als auch. Aber ich kann mich, ich lehne mich gerade aus dem Fenster.
Heiko
0:43:19
Und ich weiß wirklich über Wodka nicht.
Marcel
0:43:21
Wir müssen nochmal Wodka dann… Nee, es wird aus Gerstenmeische gewonnen.
Heiko
0:43:25
Ah, okay. Dann doch auch Getreide. Ich hatte gedacht, das wäre Kartoffel.Ich weiß auch gar nicht, warum ich das in meinem Kopf habe.
Marcel
0:43:30
Ich glaube, das ist typisch. Genau, bevor das Ganze dann, also bevor die Botonic-Hitsda reinkommen, wird es auf 60 Prozent verdünnt. Also man macht erstmal so einen ersten Durchlauf.Dann hast du sehr hohen und konzentrierten Alkohol.und den verdünnst du ein bisschen, weil wenn du die Botanicals da reinmachstund die sind zu alkoholassig, dann wird es sich nicht so gut auslösen sozusagenoder kommen die Aromen nicht so gut raus. Deswegen verdünnt man es so ein bisschen mit Wasser.Das Ganze wird dann nochmal erhitzt dann. Also die kommen da rein,die ganzen Botanicals, die sie haben.Und dann wird es nochmal, nachdem es ein bisschen erhitzt wird,einfach zwölf Stunden ziehen gelassen.Und die haben jetzt ganz konkret da drin den Wacholder, den man ja schon merkt.Du hast gerade ein Buch aufgemacht.
Theresa
0:44:09
Ich habe ein Buch aufgemacht. Also hier steht, Wodka kann aus Getreide,Kartoffeln, Zuckerrüben und anderen Pflanzen gewonnen werden.
Heiko
0:44:17
Also krass, okay.Ja, stimmt. Du hast ein Buch mitgebracht, das können wir vielleicht auch kurz erwähnen.
Theresa
0:44:24
Es ist so für viele die Barbie, Charles Schumanns Barbie.
Marcel
0:44:29
Ach, das ist die Kuh, dann kriegst du das auch original.
Heiko
0:44:31
Ich würde sagen, da so einen Link oder so dazu würden wir auch einfach in dieShownotes mitpacken, falls euch das interessiert.
Theresa
0:44:36
Also es ist vom Layout auch, die Aufmachung ist ganz gut, also für alle,die sich irgendwie für so Barsachen interessieren.Ich habe schon mehrere Bücher jetzt in der Hand gehabt und ich finde so ältereVersionen, wo auch so ein bisschen mehr von der Persönlichkeit rauskommt,Und merkt man schon, dass es sehr, geht auch in so eine Richtung, so keine Frauen,also so traditionell gehen Männer in die Bar und das gefällt mir nicht so gut,weil ich eben eine Frau bin.Aber ich nutze das Buch gerne und viel stehen die Rezepte, also ja,es ist einfach vom Layout sehr einfach gestaltet und man kann viel nachschauen zu jedem.Jeder Spirituose kann man nochmal eine kleine Zusammenfassung lesen und mankann fast jedes Rezept von Cocktails finden, wenn man das sucht.
Marcel
0:45:20
Der Schatzschuhmann hat übrigens auch eine super interessante Geschichte,die wiederum auch mit Japan so ein bisschen verbandet ist.Es gibt einen Podcast, also alles gesagt Podcast war der. Ach, also der Podcast.
Heiko
0:45:29
Der fast so lange ist wie uns.
Marcel
0:45:31
Ja,genau. Und auch heute wahrscheinlich, ich brauche glaube ich noch ein Stoppwortoder ein Safe Word oder so.Genau, bei den Botanicals war ich gerade noch gewesen. Was drin ist,auch häufiger gehört, dass der Wacholder am Mittelmeer besonders gut sein soll.Deswegen tatsächlich bei den ganzen Zutaten steht oftmals auch drin,woher dieses Gewürz kommt.Ich weiß nicht, ob man es, wie du schon sagtest, ob man es jetzt wirklich malso rausschmeckt. In dem Fall ist es mal zedonischer Wacholder,da ist es auch relativ häufig mal genannt wird.Aber auch Koriander, Angelika, Süßhutwurzel und so weiter mit Zitronenschale und so weiter.Das sind so Botanicals, die sie… Botanicals.
Heiko
0:46:07
Botanicals.
Marcel
0:46:08
Nutzen. Genau, und dann, wenn der destilliert wird, ist der auf 84 Prozent undwird dann nochmal mit Wasser verdünnt.Die machen das, ich weiß nicht, ob du das schon mal gehört hast,im sogenannten One-Shot-Verfahren.Das heißt, der Gin wird mit den Botanicals destilliert und dann mit Wasser verdünnt,im Gegensatz zu Multishot, wo man dann das mit mehr Botanicals konzentriertund dann nachher nochmal mit neutral Alkohol streckt.Also das machen die nicht. Also One Shot ist scheinbar nochmal auf jeden Falleine besondere Qualitätsstufe.
Theresa
0:46:39
Das ist spannend.
Marcel
0:46:40
Also bei dem anderen kriegst du größere Mengen raus. In dem Falle sind das garnicht so groß, obwohl die glaube ich schon auch, die sind auf jeden Fall jaauch sehr verbreitet. Ja.Also wie gesagt, war der 2007 oder so, wurde der gegründet und die wurden dann2016 gekauft von einem anderen Unternehmen und halt, glaube ich,darf es mal raten, woher?
Heiko
0:47:02
Japan.
Marcel
0:47:03
Genau. Sehr schön.
Heiko
0:47:06
Überrascht mich nicht mehr, nachdem die schon den besten Whisky und Wein überallsind, das ist schon echt verrückt.
Marcel
0:47:13
Die wurden für 58 Millionen gekauft von Suntory Global Spirits aus Osaka.
Heiko
0:47:18
Ach, Suntory. Ach, den können wir dann.
Marcel
0:47:20
Abgefahren. Die Gründer machen aber weiter, also die sind weiterhin aktiv undsind eine heute von 24 Gin-Distillerien in London.Damals, in der Zeit, wo die gegründet wurden, gab es eigentlich nur vier so noch.Es ist ja oftmals so, dass du eigentlich, wir werden ja gleich nochmal zurücknach London gehen, wo es sehr viele gab und dann aber über die Zeit sehr wenige.und mittlerweile sind es aberein paar mehr gewonnen und die sitzen in Westlondon an der Temse fast.
Heiko
0:47:46
Okay, und das ist doch ein guter Übergang.
Theresa
0:47:50
Ein guter Übergang zu was?
Marcel
0:47:51
Ja, die Frage. Wir haben uns gar nicht so… Ja, wir trinken ja natürlich pur.Wir haben ja auch die Chance, natürlich einen Gin Tonic zu trinken.Theresa, was wäre deine… Geben wir später noch einen Gin Tonic rein?
Theresa
0:48:03
Also wenn ihr jetzt einen wollt, können wir das gerne machen.Vielleicht können wir auch… Ich weiß nicht, wie es mit der Zeit aussieht.Ich habe hier keine Uhr, aber wir reden viel. Kann das sein?
Marcel
0:48:11
Wir reden viel, ja. Aber es ist einfach so, wie es ist.
Theresa
0:48:14
Sonst könnten wir auch sagen, wir gehen weiter mit den Chin-Sorten,so wie ihr es angedacht habt, und entscheiden am Ende, welchen Chin wir eventuellmit Tonic-Water trinken wollen.
Heiko
0:48:23
Das finde ich gut. Das klingt nach dem Plan. Das ist doch gut.
Theresa
0:48:26
Weil ich habe hier auch noch in meinem Klaas ich zippe einfach ein bisschen Sipsmith weiter.
Heiko
0:48:30
Dann sage ich nochmal, was für ein guter Übergang in London.
Theresa
0:48:33
Was für ein guter Schluckschmied.
Heiko
0:48:35
Genau. Wir haben gehört, wie aus den alchemistischen Versuchen,den Geist einer Flüssigkeit einzufangen, so über die Jahrhunderte hinweg,dann so eine ganze Spirituosenkultur entstand.So in den Niederlanden entwickelt sich wie gesagt daraus der Geneva,der schließlich nach England gelangt, wo König William III.dann eben mit seinen Gesetzen die Destillation massiv ankurbelte.Gin wurde billig, massenhaft produziert und auch dann schnell Getränk zum Getränkvor allem der einfachen Leute.Und die Folgen dieser Entwicklung, die ließen sich eben besonders deutlich aneinem Ort beobachten und das vor allem London des frühen 18. Jahrhunderts.Stellt euch vor, ihr wachst so in einem Dorf in Yorkshire oder kennt oder soauf. Du kennst jeden, jeder kennt dich.Dein Vater Marcel, der war wahrscheinlich Bauer oder vielleicht Tagelöhner.Sein Vater vor ihm war Bauer oder Tagelöhner. Und die Chancen stehen gut,dass du auch einer wirst.Du als Frau, Theresa, du kannst über deinen Lebensweg eigentlich meist noch weniger bestimmen.Vielleicht wartest du einfach darauf, verheiratet zu werden mit irgendeinemBauer oder Tagelöhner. Oder du wirst irgendwo als Dienstmännchen in einem fremdenHaushalt untergebracht.Also die Welt in dieser, damals in dieser Welt, in diesen Dörfern,die ist klein und überschaubar, die soziale Ordnung ist relativ starr,aber zumindest verständlich und das eben aber seit mehr oder weniger Jahrhundertenwar das eigentlich so. Und dann hört ihr jetzt plötzlich Geschichten über London.Und London verspricht Veränderung, London verspricht Hoffnung,verspricht irgendwie Chancen.Jahr für Jahr zog es wirklich mehrere tausend Menschen aus dem ganzen Land in die Hauptstadt.Und zwar nicht nur aus Not, sondern eben vor allem aus Hoffnung,die Aussicht auf Veränderung, auf ein Neuanfang, auf ein Leben,das eben mehr war als das, was irgendwie eure Herkunft zugedacht hatte.London war einfach so der Sehnsuchtsort, an dem das möglich schien.Eine Stadt voller Verwandlungen und voller Hoffnungen und Chancen einfach.Der Traum war im Prinzip derselbe, der ja bis heute eigentlich so Millionenin große Städte zieht. Einfach hier kann irgendwie alles anders werden und besser werden.Aber die meisten dieser Neuankömmlinge, die landen halt nicht in den elegantenVierteln der Stadt, könnt ihr euch vorstellen, sondern so in Vierteln wie St.Giles, Holborn oder Saffron Hill. Das waren so wirklich dichte Labyrinthe ausHinterhöfen, Gassen, wirklich Mietskasernen.Das sind buchstäblich Slums, kann man eigentlich sagen.Und besonders St. Giles entwickelt sich hier zu so einer berüchtigten Abendsiedlungeigentlich, die dann auch William Hogarth 1751 zu seinem Stich mit dem NamenGin Lane inspirierte. und das ist das nächste Bild in unserer Galerie.Das könnt ihr euch jetzt auf Instagram oder in den Shownotes anschauen und ihr,Marcel und Teresa, gerne auch und vielleicht allen, die das jetzt eben geradenicht vor Augen haben, kurz beschreiben, was man darauf sieht.Ich weiß, dass Marcel es immer so liebt, dass das Beschreiben ist,aber ihr könnt euch gerne beide einfach ein bisschen… Du Horror, ich bin gespannt.
Marcel
0:51:11
Es ist eine Szene in der Stadt, wo, aber das ist auch interessant,da ist eine Mutter mit einem Kind.Ich glaube, das könnte nochmal eine Rolle spielen. weil ich da irgendwie drüber gestolpert bin.Ah, witzig, und da ist ein Sarg im Hintergrund oben an einem Haus,oder? Ist das ein Schild?Wir haben das tatsächlich, das ist das Cover inspiriert.
Heiko
0:51:30
Genau, das ist auch aus unserem Cover.
Marcel
0:51:32
Das kenne ich schon vom Cover. Und ansonsten ist es eine Szene,wo auf der Straße relativ viel los ist.Man sieht da, glaube ich, das ist eine Straßennampe, ich dachte,ist das eine Kupferbrennblase hier links unten, ist es aber nicht.Aber es sieht auf jeden Fall so ein bisschen verwahrlos auf.
Theresa
0:51:47
Also rechts unten finde ich auch markant, Eine Person oder ein Skelett, man weiß es nicht,in einem halbbewusstlosen oder toten Zustand, das Glas ist gekippt und die Mutterhat auch Verletzungen, zerrissene Kleidung,hat wahrscheinlich das Kind gerade gestillt, also die Brust ist freigelegt unddas Kind fällt von ihrem Schoß auf die Treppe runter. Ja, ja.
Heiko
0:52:11
Ich sehe schon, Theresa ist auf jeden Fall deutlich besser im Bild beschreiben als Marcel.
Marcel
0:52:15
Ich bringe mir zu, von Details.
Heiko
0:52:16
Wirklich die wichtigsten Details gesagt. Also die Mutter, das sind keine Verletzungenan meinen, das sind so Male von Syphilis, sollen das tatsächlich sein, genau.Und dann unten an der Treppe, was sie sieht, was du auch irgendwie erst füreine Straßenlaterne gehandelt hast, das ist schon quasi wie so ein Schild von einer Gin-Kneipe.
Theresa
0:52:32
Gin-Boyal.
Heiko
0:52:33
Das kann man jetzt nicht erkennen.
Marcel
0:52:34
Gin-Boyal, stimmt.
Heiko
0:52:34
Aber tatsächlich dieses, über dem Eingang, das könnt ihr jetzt auf dem Bildwahrscheinlich wenig erkennen, steht das, was wir aus unserem Code-Opener hatten,dieses Drunk for a penny, Dead Drunk for a Pence and Straws.
Theresa
0:52:46
Die Werbeslogans.
Heiko
0:52:48
Also was man halt vor allem eben sieht, ist ein absolutes Elendsviertel.Gin hat da irgendwie wirklich Elend verursacht.Wir sehen auf der linken Seite noch so einen Pornshop, also wie heißt das,so einen Pfandverleiher, wo ein Handwerker mit einer Säge kommt,um das zu verkaufen und so eine Frau mit ihren Koch intensieren,um da noch irgendwie das letzte Geld für Gin zu bekommen.Wir sehen auf der rechten Seite auch noch,habe ich eben rechts gesagt, ich meine, der Pornshop ist auf der linken Seite,auf der rechten Seite so eine Distillery, ich weiß nicht, ob man das gut erkennenkann, die bezeichnenderweise Kill Man Distiller heißt, also das soll es natürlichhalt auch so einen sprechenden Namen, also das ist auf jeden Fall kein schönes Bild.Dazu muss man allerdings sagen, ja, der Künstler der William Hogarth,der stand auch auf der Seite der damaligen Anti-Gin-Bewegung,über die wir heute ja auch noch sprechen werden, die Gin Lane,die erschien nämlich zusammen mit einem zweiten Stich, das ist die Beer Street,das habe ich jetzt nicht mitgebracht, aber während die Gin Lane quasi das Elendund die Verwahrlosung durch den Gin-Konsum zeigt, präsentiert dann Beer Street genau das Gegenteil.Da sieht man so eine gesunde, wohlgenährte, arbeitende Bevölkerung,die maßvoll Bier trinkt.Also es war so gutes Bier versus bösen Gin, war so ein bisschen die Aussage.Aber ja, in diesen Slums, also das ist quasi wirklich, das soll St.Jals sein und in solchen Slums von London lebt man eben.Sehr, sehr anonym eigentlich. Man zog vielleicht von Zimmer zu Zimmer,kannte den Nachbarn nicht wirklich, wollte ihn auch oft nicht kennen.So ein bisschen diese klassische Anonymität der Großstadt, aber auch so dieGroßstadt als Versprechen und Enttäuschung zugleich. Das ist ja eigentlich nicht anders als heute.Aber damals war diese Erfahrung einfach neuer. So eine Großstadt,die entwickelt sich gerade.Sie war auch extrem, diese Erfahrung damals in London. Die Stadt wuchs schneller,als sie ihre eigenen Menschen am Leben erhalten konnte tatsächlich.Mehr Londoner wurden im Jahr begraben, als neu geboren wurden und nur wirklichdieser stetige Zustrom von Tausenden pro Jahr hielt überhaupt die Bevölkerungin London einigermaßen stabil.Und noch was bringt die alte Ordnung jetzt ins Wanken.Über Jahrhunderte hinweg war Reichtum in Europa relativ stabil gewesen.Land, Titel, Besitz, das lag meistens so in den Händen alter Familien,das war eine Frage der Herkunft gewesen. Und jetzt werden da in dieser ExchangeAlley, das ist so das Zentrum des Londoner Finanzhandels, so ein bisschen wie die Wall Street des 18.Jahrhunderts kann man sagen, da wird plötzlich Vermögen über Nacht möglich.Zum vielleicht ersten Mal schien es so, als könnte ein Mensch ohne altes Geld,ohne einen adeligen Namen, so ohne generationenlangen Landbesitz irgendwie reich werden.Und für Traditionalisten war das kein Fortschritt, sondern es widersprach soeiner gottgegebenen Ordnung eigentlich.Und das merkt euch mal, denn das wird später auch so generell als Motivationbeim Kampf gegen den Djinn, um den es ja heute eigentlich gehen soll, eine Rolle spielen.
Marcel
0:55:25
Also was, die Konservativen?
Heiko
0:55:27
Also genau, so dass man quasi so ein bisschen die Ordnung, wie sie eigentlichwar, die althergebrachte Ordnung, dass das irgendwie aufrechterhalten werden muss.So, das ist ein wichtiges Motiv, was noch kommt.
Marcel
0:55:37
Und da muss ich jetzt nochmal kurz eine andere Frage stellen, weil ich, also,Du hast das jetzt London beschrieben von damals. Ich glaube,wie so Sherlock Holmes und so weiter noch.
Heiko
0:55:47
Das ist ein bisschen später.
Marcel
0:55:48
Das ist später.
Heiko
0:55:49
Ja, Sherlock sind so 100, 150 Jahre später. Das ist eher 19. Jahrhundert.
Theresa
0:55:53
Aber also was auch, ich weiß nicht, wie sehr du darauf eingehst,aber was auch klar zu benennen ist, ist der Gin und eben dadurch,dass er so leicht herzustellen oder eben es war weit verbreitet.Die Leute haben bei sich zu Hause eben die teilweise auch größten Behälter,die sie da hatten. Deswegen auch Bufftop-Gin ist ja noch so ein Name, Badewannen-Gin.Man hat eben die größten Zuber genommen, die man zur Verfügung hatte.Und das war auch wirklich billiger Fuße.Also so, man sagt ja im Durchschnitt, dass Kinder und Erwachsenen einen halbenLiter bis Liter Gin pro Tag getrunken haben, der auch wirklich gestreckt war und also giftig.Und da sind wirklich die Leute dran gestorben. Und eben diese Werbeslugens, die waren schon heftig.Also so, eben trink ein Tropfen von meinem Gin und du schläfst die ganze Nachtgut durch. du hast zwei Tage keinen Hunger.Also es war viel Armut und das wurde betreut.
Heiko
0:56:45
Da werden wir schon ein bisschen auf eingehen, so sehr natürlich irgendwie dieMotive vielleicht von den Anti-Gin nicht so ganz herer Natur waren,das werde ich noch sagen.Es ist schon so, das Elend und Armut und so weiter und das war schon nicht schön, sagen wir so.
Theresa
0:56:58
Also wäre ich eine Frau gewesen in der Zeit, auf jeden Fall hätte ich den Vollrausch erleben wollen.
Heiko
0:57:03
Das glaube ich auch und wahrscheinlich auch, das werden wir gleich und vielleichtauch verkauft tatsächlich. Aber ja, darauf kommen wir gleich.Dasselbe wie für diese Exchange Alley und diesen Börsenhandel galt auch für Glücksspiel.Auch das wird in diesen Jahren sehr, sehr verbreitet oder noch verbreiteter.So wie ein Lauffeuer über die Stadt eigentlich breiten sich so Glücksspiel-Casinos sozusagen aus.Karten und Würfel, auch die kennen halt nicht so Rangstand, Adel.Ganz theoretisch konnten Reiche über Nacht arm werden und Arme plötzlich reich.Natürlich ist es schon so, in der Praxis bleibt der große Aufstieg für die meistenLondoner natürlich trotzdem ein Traum.Die Risiken waren eigentlich realer als die Chancen, auch wenn man sich dasvielleicht in dem Fall nicht wahrhaben will und denken, wie wegen dieser Chancenund der Hoffnung dahin geht.Aber wie groß das Risiko eigentlich war, zeigt sich dann besonders dramatisch1720, als die sogenannte South Sea Blase, also die Südsee Blase platzte.Die South Sea Company, die versprach enorme Gewinne durch den Handel mit Südamerika.Das ist ja auch die Zeit der Kolonisierung und so weiter.Die Aktie, die stieg immer weiter und erreichte schließlich über 1000 Pfund.Ganz London geriet wirklich in so einen Rausch. Und auch davon habe ich malein Bild mitgebracht vom Maler Edward Matthew Ward, das allerdings 100 Jahre später entstanden ist.So viel muss ich sagen, aber es ist auch bewusst im Stil von William Hogarthgehalten, also von dem wir eben auch die Gin Lane gesehen haben.Und es zeigt aber, also er hat es vor 100 Jahren später gemalt,aber es zeigt quasi eine Szene aus 1720, aus dieser Exchange Alley.Und vielleicht könnt ihr auch ganz grob mal nur beschreiben,was wir da sehen. Also einfach jetzt nicht in allen einzelnen Details,aber hier ist ein Grundeindruck, den das Bild auf euch vermittelt.
Marcel
0:58:41
Das ist ein Wimmelbild, da könnte ich mich jetzt unbedingt Details verfangen.
Theresa
0:58:45
Also es ist viel gesitterter. Also die Leute sehen wohlgenährt, gut angezogen aus.Also nicht alle, also links unten sieht man dann schon nochmal hier zwei,die da vielleicht nicht ganz reinpassen.Aber sonst sind das schon, würde ich sagen, ja, also so Leute,die auf jeden Fall noch genug Geld haben, sich irgendwie schöne Kleider anzuziehenund sich die Haare zu machen, auch zu schminken.
Marcel
0:59:11
Das sind doch so Adlige mit den langen Haaren, ne? Wahrscheinlich,die so diese Perücken getragen haben, oder was?
Heiko
0:59:15
Also es sind nicht nur Adlige, aber genau, also man sieht schon eben Männerund Frauen so in dieser klassischen zeitgenössischen Kleidung.Aber was ich schon finde, ja, also es ist natürlich kein Vergleich zur Gin Laneund es ist kein Elend, aber ich finde, zumindest im Hintergrund so diese Menschenmenge,man sieht schon, alle sind so ein bisschen gestikulieren, alle vorhanden,alle wollen Tauschen, Papiere austauschen.Also trotz dieser, ich sag mal, künstlerisch geordneten Darstellung,wirkt es schon besonders im Hintergrund, auf jeden Fall, man sieht eine Aufregungda und irgendwie diese, jeder möchte noch irgendwie so ein Stück vom Kuchenabhaben da von so einer Aktie.Man sieht ja auch vorne, hier sieht man da an so einem Tisch da irgendwie dieAktienhändler noch dastehen.Aber es stimmt schon, natürlich sind die Gentiles, die da irgendwie ihre Koch-Untensierenverkaufen, um noch so einen Schilling oder einen Penny für einen Dram zu haben,die haben natürlich nicht das Geld für diesen Südsee-Handel.
Theresa
1:00:06
Also das Bild und das andere Bild, da würde ich dann sagen, beide gemixt,wäre dann so Deutschland in den 20ern.
Heiko
1:00:15
Edward Ward, also der Künstler, wie gesagt, hat 100 Jahre später das gemalt,aber er hatte dieses Bild als Warnung an seine Zeit im 19.Jahrhundert ausgesprochen, nämlich als in England wieder ein ähnlicher Börsenwahnum so Eisenbahnaktien tobte, die sogenannte Railway Mania und er wollte sie erinnern an das,was mit dieser Südseekompagnie passiert war, denn, jetzt kommt das,als sich zeigte, dass die erwarteten Gewinne nämlich unrealistisch waren,da brach das Vertrauen der Anleger zusammen, innerhalb weniger Monate fiel derKurs wirklich auf einen Bruchteil seines Höchstwerts,viele verloren ihr komplettes Vermögen, mehrere Banken gerienen wirklich in Schwierigkeiten.Daniel Defoe, das ist der Autor von Robinson Crusoe, der beschrieb die Überlebendendamals als wandelnde Gespenster und Zitat, noch nie sahen Männer so elend aus.
Theresa
1:00:59
Ah, deswegen der eine Mann da links unten, der getröstet wird von seiner Frau.
Heiko
1:01:03
Das habe ich mir jetzt noch gar nicht, das kann durchaus sein,wobei das quasi jetzt noch, also das Bild selber noch ein bisschen vor der…also vor dem Platzen der Blase ist, aber es kann durchaus sein,dass er da so ein bisschen so ein Foreshadowing machen will,weil er natürlich 100 Jahre später das schon weiß, worum es dann, was dann passiert ist.
Marcel
1:01:21
Aber das ist vor der Tulpenblase?
Heiko
1:01:25
Stimmt, in den Niederlanden. Ne, wann war die? Die ist sogar noch vorher.Das ist vergleichbar, genau. Das war ein ähnlicher Fall, wo irgendwie alle dain Tulpen investieren und das dann auch geplatzt ist.Ich muss aber auch, tatsächlich witzig, dass du in der Vergangenheit zurückgehst,ich muss sehr weit Wenn die Zukunft zurückkehren, weil mich erinnert,zumindest auch das, was Daniel Defoe gerade sagte,so irgendwie auch an 2008 die Finanzkrise, wo man dann auch so die ganzen altenGoldman Sachs Banker, die ja mit ihren irgendwie bleichen Gesichtern und ihrenKisten aus den Filialen rausgegangen sind mit dem letzten Hab und Gut.
Marcel
1:01:55
Oder die Bitcoin-Aufgeregtheit.
Heiko
1:01:57
Die Bitcoin-Aufgeregtheit. und deswegen ist es aber auch gut,dass du meintest, dass es natürlich vom Optischen her ganz anders ist als dieGin Lane, weil jetzt zu denen, die ohnehin nichts hatten, nämlich was wir vorhergesehen haben, mit denen sie halt spekulieren kommen,kommen jetzt auch noch die dazu, die das, was sie hatten, irgendwie verzockt und verloren hatten.Also auch da habe ich jetzt nochmal ein Bild mitgebracht, das unmittelbar nachdem Platzen der Bubble entstanden ist.Das ist das nächste in unserer Galerie, wie immer auch jetzt in Instagram und in den Shownotes.Diesmal ist das auch wieder von unserem alten Bekannten William Hogarth,der da auch die Gin Lane gebetenzt,Nicht gemalt, das ist ein Druck, aber keine Sorge, diesmal lasse ich euch das nicht beschreiben.
Marcel
1:02:34
Das ist ja einfach, das ist ja klar.
Heiko
1:02:36
Darauf passiert so viel und das Ganze ist auch wirklich hoch allegorisch undmetaphorisch, dass das versteht man nicht auf den ersten Blick,wenn man sich nicht vorher, ich habe mich ja eingelesen, ich hätte es jetztauch nicht einfach so erkannt, deswegen, ich picke auch nur mal so ein paarkleine Details raus, die so verdeutlichen,wie so der Spekulationswahn damals von den Kritikern wahrgenommen wurde unddenen dann eben auch künstlerisch dargestellt wurde.So unten in den Versen, ihr seht ja, da sind ja auch so ein bisschen Text,Da steht, also ich lese auch nicht komplett, sondern nur mal als Ausschnitt,seht, also da steht es natürlich auf Englisch, ich sage es in der Übersetzung,seht hier die Gründe, warum in London so viele Männer aufsteigen und wieder zugrunde gehen.Kunst und ehrlicher Handel werden aufgegeben, um sich um den Laden des Teufelszu scharen, der aus dem Glück die goldenen Stücke herausschneidet.Ehre und Ehrlichkeit gelten als Verbrechen, die öffentlich bestraft werden vonEigennutz und Boshaftigkeit. Tja, so viel zur magischen Macht des Geldes.Also das macht ja schon relativ klar, dass er offensichtlich das kritisch sieht.Und im Zentrum des Drucks, da seht ihr ja so eine Art Karussell,auf dem verschiedene Figuren der Gesellschaft reiten.Ganz links, das ist eine Prostituierte und so ein Geistlicher daneben.Daneben wiederum eine Hausfrau und einen Buckliger und rechts noch so ein schottischerAdeliger. Und über dem Karussell selbst, da prangt dann eine Aufschrift,who will write, also wer steigt auf und darunter drängt sich so eine Menschenmenge.Das soll so deutlich machen, dass wirklich alle in der Gesellschaft von diesemBörsenwahn befallen waren.Und darunter dann, so ein bisschen im Vordergrund, da sieht er so ein Rad,darauf wurde die nackte Figur der Ehrlichkeit, also das soll die Ehrlichkeitdarstellen und wird gerade gequält und ausgepeitscht wiederum von dem Eigennutz,während ein Geistlicher wiederum daneben steht und auch einfach zusieht.Und auch hier ist einfach die Botschaft klar, in der Welt der Spekulanten sozusagenwerden Tugenden wie Ehrlichkeit einfach zum Opfer.Und dann ganz rechts im Bild, und das soll es dann kurz auch gewesen sein,steht so ein großes Monument mit der Inschrift Dieses Denkmal wurde zum Gedenkenan die Zerstörung der Stadt durch die Südsee im Jahr 1720 errichtet.
Marcel
1:04:32
Aber diesmal sind da Hunde drauf, oder?
Heiko
1:04:34
Diesmal sind da wahrscheinlich auch Hunde drauf. Für dich, Theresa,woher du das ein bisschen Running Gag hast, weil wir mal ein Bild hatten,wo Marcel, wirklich felsenfest der Überzeugung war, einen Hund zu sehen undich bis heute nicht weiß, wo das gewesen sein soll.
Theresa
1:04:46
Für mich sind das schon eher Wölfe. Also die sind ja übertrieben groß im Gegensatz zum Rest und Thron.
Heiko
1:04:54
Ah, da oben, ne? Stimmt, auf dem Denkmal. Das hast du recht,ich glaube auch nicht, dass das Hund ist. Ehrlicherweise.
Marcel
1:04:57
Ich wollte es nur darauf referieren.
Heiko
1:04:58
Das ist auch tatsächlich super spannend, dass du sagst, weil es ist auch ganzbewusst, dass das so riesig ist, weil im Hintergrund ist eine Kirche,ich weiß gerade nicht mehr, welche Cthulhu, aber tatsächlich auch so ein Wahrzeichenvon London, was ganz bewusst deutlich kleiner als dieses Schreckensmonument ist.
Theresa
1:05:11
Der ist ja auch sehr klein abgebildet.
Heiko
1:05:13
Genau und deswegen ist diese Zerstörung der Stadt wird dort in diesem Denkmalangeprangert, denn London war danach tatsächlich, wie Zeitgenossen berichten,wirklich in so einem Zustand äußerster Zerrüttung, wie man sich auch gut vorstellen kann.Und genau in dieser Stadt, und deswegen habe ich so ein bisschen ausgeholt,falls ihr euch fragt, warum ich hier viel bin, genau in dieser Stadt trifftjetzt Gin natürlich wirklich auf Fruchtbaren oder…Passt auf, auf furchtbaren Boden. Für einen Penny pro Dram, also so ein Dramwar ein kleiner Schnaps, so ungefähr,so wie ein heutiger Shot, konnte man eben diese Enge der Schlafhäuser vergessen,die ganze Unsicherheit, die Armut, diesen ganzen Spekulations-Börsen-Crash-Wahn,diese ganze Enttäuschung gescheiterter Hoffnung, die lässt sich da gut ertrinken mit.London war einfach bereit für Gin.Gin oder Madame Geneva, wie sie tatsächlich auch genannt wurde, war bereit für London.
Theresa
1:06:05
Es gibt auch einen Gin, der so heißt.
Heiko
1:06:07
Madame Geneva, ah, dann wurde das tatsächlich dann auch danach wahrscheinlichgenannt, weil das war sehr, sehr typisch. Man hat quasi den Gin personifiziertdamals und in den ersten Jahrzehnten des 18.Jahrhunderts wurde Gin denn auch wirklich so allgegenwärtig und auch wirklichso problematisch, wir hatten es ja schon, dass man in dieser Zeit eben dannvon der Gin-Epidemie spricht, die auch der Titel unserer heutigen Folge ist,oder im Englischen auch von Gin Craze, Also dem Gin-Wahnsinn.Das ist so ein bisschen zeitgenössig, aber wirklich das, wie es im englischen,im anglosprachigen Raum eigentlich genannt wird.Und ein Zeitgenosse bemerkte, man könnte im Prinzip keine Taverne oder Schenkebetreten, in der einem keine Spirituose angeboten wird.Aber Gin wurde eben nicht nur in Kneipen verkauft. Er taucht wirklich an Ortenauf, die viel näher am Alltag der Armen liegen und vor allem in den so Krämerläden.Das sind so kleine Eckgeschäfte oder so.Das ist so ein bisschen das Rückgrat der städtischen Versorgung gewesen ist.Ja, hier kauften die Londoner Käse, sie kauften Öl, Brot, Kerzen,so alles, was man für den Alltag braucht.Viele dieser Läden verkauften dann eben, weil es auch so einfach war,dass dann einfach und keine Lizenz am Anfang nötig war, verkauften inzwischen auch Gin.
Marcel
1:07:06
Eigenländern sozusagen.
Heiko
1:07:07
Genau. Und um 1720 wurden jährlich über 11 Millionen Liter Spirituosen schondistilliert in so einer Stadt mit kaum mehr als 600.000 Einwohnern.Nur drei Jahre später lag die Gesamtproduktion dann bereits bei 16 MillionenLitern, also ein Vierfünftel davon allein in London.Jetzt wollte ich an der Stelle eigentlich mal schätzen lassen,wie viel Liter Gin pro Kopf. Aber jetzt hast du es nämlich schon gesagt.
Theresa
1:07:26
Oh, sorry.
Heiko
1:07:26
Nein, nein, nein.
Marcel
1:07:27
Ein Liter bis Liter.
Heiko
1:07:28
Genau, also im Durchschnitt etwa ein.
Marcel
1:07:29
Pro Tag, ja?
Heiko
1:07:30
Nee, pro Woche. Also im Durchschnitt war es etwa ein Pint Gin pro Woche undein Pint ist ja ungefähr 0,6 oder 0,5.
Theresa
1:07:37
Pro Tag klingt reißerischer.
Heiko
1:07:39
Ja, das stimmt. Und das sind aber trotzdem, dann sind es so 30 Liter Gin pro Jahr pro Kopf.Also das ist schon wirklich auch Kinder, Frauen.
Marcel
1:07:49
Ein Liter pro Woche. Also vier Flaschen pro Monat sozusagen.
Heiko
1:07:53
Ja, also ein bisschen mehr als ein halber Liter pro Woche.Und dann halt nicht von irgendwie, also wirklich, das würde wahrscheinlich,das ist ja 57 Prozent auch schon nur der Einstieg, wahrscheinlich sogar nochmal höher prozentig teilweise.Und auch wirklich, du hattest es ja vorhin auch schon gesagt,mit allerhand furchtbarem Zeug gestreckt. Aber dazu auch gleich noch mal was.Und selbst, genau, wenn man eben so auch so ein bisschen Export oder vielleichtauch so ein paar Verluste berücksichtigt, sind das einfach wirklich viel Konsum.Allein in Westminster und Middlesex, da zählt man über 6.000 Häuser und Läden,in denen Gin so ausgeschenkt wird.In St. Giles, was wir vorhin auch schon mal erwähnt hatten, da kann man wirklichin jedem fünften Haus eigentlich ein Dram bekommen und selbst das unterschätzt.
Marcel
1:08:32
Das ist nochmal ein Dram jetzt?
Heiko
1:08:33
Ein Dram ist, wie gesagt, wie so ein Shot eigentlich. Also nicht 2CL,ich weiß nicht ganz genau, wie viel das jetzt ist, aber vergleichbar mit einem.
Marcel
1:08:40
Wir hatten das ja auch im Intro.
Heiko
1:08:42
Genau, es ist so das typische Maß von einem Gin, den man so lang getrunken hat.
Theresa
1:08:46
Manche ist ja Shot 3CL für manche, 4CL.
Heiko
1:08:49
Das kommt auch noch dazu.
Theresa
1:08:49
So ein bisschen nach Städten auch teilweise. Also in Dresden,wenn ich da einen Shot bestellt habe, habe ich immer vier CL bekommen.
Heiko
1:08:56
Ich hätte gedacht, das wäre so ein Doppelter eigentlich.
Theresa
1:08:59
Also da ist irgendwie normal, zumindest in den Kneipen, wo ich bisher war.In Süddeutschland kenne ich eher so zwei CL.Die Schwaben, die Spanen. In Berlin kenne ich das auch.
Heiko
1:09:09
Zwei CL. Die anderen zwei CL braucht man, um in den Schnuller reinzutunken.Aber ja genau, Gin wurde aber nicht nur in Geschäften verkauft,sondern Händler boten wirklich auf Ständen an, aus Schubkarren,aus Dachkammern und Kellern.Einfach ganze Straßenzüge, die lebten im Prinzip vom Verkauf dieses aromatisierten Brandweins.Und ich sagte zwar Händler, aber ich hätte wahrscheinlich sogar sagen sollen Händlerinnen.Wir hatten das ja eben, ich habe es schon angekündigt, denn die Gin-Epidemiehatte eigentlich ein Gesicht und das Gesicht war weiblich tatsächlich.Gin war so ein bisschen die erste in Anführungsstrichen Droge in der englischenGeschichte, die nicht männlich kodiert war.Natürlich haben Frauen auch vorher getrunken, so Bier, Cider, Ale, sowas.Das war lange Zeit ja wie ein Grundnahrungsmittel, aber die wurden anders getrunkenund waren auch weniger sichtbar. Das war mehr so ein.Ja, einfach kein Genussmittel, sondern ein Grundnahrungsmittel.Als Genussmittel wiederum war Bier auch vor allem Teil der männlichen Welt des Wirtshauses.Es war so überwiegend männliche Enklave, männliche Stunden nach der Arbeit.So alles war sehr, sehr männlich.Gin war anders. Es wurde eben in Krämerleiden verkauft, auf Straßenständen,in kleinen Hinterzimmern, Orten, so an den Frauen ohnehin unterwegs waren.So beim Einkaufen, bei Besorgungen, so bei der Arbeit. Überall wo die waren,wurde auch Gin verkauft.Und so entstanden quasi neue soziale Räume des Trinkens eigentlich.Und Zeitgenossen berichten wirklich von Dienstmädchen und Marktfrauen,die mehrmals täglich unter irgendeinem Vorwand nochmal einen Laden aufsuchen.So, ich habe hier, weiß ich nicht, die Taschentücher vergessen.Genau, Taschentücher sozusagen vergessen, nur um nochmal so ein kleines Gläschen,so ein Dram Gin sich zu genehmen.Und für viele Frauen hatte Gin eben diesen Konsum, aber eben auch noch eineandere Bedeutung. Er war wirklich ein Geschäft.Am unteren Ende des Gin-Handels wirklich, also wirklich am alleruntersten Ende,da standen tausende von Verkäuferinnen. Denn meistens waren das unverheiratete,junge Frauen, die auch erst kürzlich nach London gezogen waren.Und der Verkauf von Jim hatte einfach für diese Frauen, die da mit Hoffnungaus dem Land, wir hatten es vorhin auch nach London gekommen sind,einige Vorteile. Er fordert eben kaum Startkapital.Jeder kann das irgendwie ein bisschen machen. Es braucht nicht eine Mitgliedschaftin der Zunft, es braucht keine wirkliche Ausbildung, du brauchst nicht wirklich eine Lizenz.Das heißt, es war wirklich einer der wenigen Möglichkeiten für Frauen dieserZeit, überhaupt Geld zu verdienen.Besonders für viele arme Frauen, die eben jung, unverheiratet,neu in der Stadt, kein Ehemann, ohne soziales Netz und so weiter war,da war es einfach wirklich wirtschaftliches Überleben, entweder halt ihren Körperzu verkaufen, Prostitution ist da nicht auch ein großes Thema gewesen in derZeit, oder eben Gin zu verkaufen.Und genau diese Sichtbarkeit von Frauen wiederum erschreckte viele Zeitgenossenund Beobachter, denn hier traten Frauen vielleicht zum ersten Mal in der Geschichtewirklich als eigenständige Trinkerinnen einfach hervor.Sie tranken allein, sie tranken mit anderen Frauen, oh Gott,und sie tranken fast vielleicht noch schlimmer mit Männern, die sie gerade erstkennengelernt haben, oh Gott, oh Gott. Und für eine Gesellschaft,die einfach an klare Hierarchien zwischen Männern und Frauen gewöhnt war,war das ein Schock. Und ihr erkennt vielleicht langsam System.Ich habe das vorhin erwähnt, ihr solltet euch das ein bisschen merken mit dieseralten Ordnung, die ins Wanken geraten.Hier passiert was, was in Augen von Traditionalisten einfach gegen so eine gottgewollteOrdnung irgendwie verstößt.Ein Kritiker schrieb zum Beispiel, Zitat, sie betrinken sich am helllichtenTag und rennen danach durch die Straßen, fluchend, schimpfend und Obszönitätenredend wie lauter Teufel.Ja, sie sind in ihrer Bosheit so weit gegangen, dass sie gewissermaßen Unzuchtauf offener Straße begehen.Junge Geschöpfe, Mädchen von 12 und 13 Jahren machen sich untauglich für einLeben in ehrbaren Familien.Dieser verfluchte, betörende Trank macht sie schamlos und sie reden so,dass es einem Mann schaudern lässt.also das ist schon, also da wird ein entsprechendes Bild gezeichnet,aber und das muss ich auch sagen, es ist wichtig zu sagen, alles was wir imPrinzip über diese Gin-Epidemie und diesen.Craze, diesen Gin-Rausch wissen, das stammt fast ausschließlich von den Stimmenderjenigen, die ihn eben fürchten oder kritisieren.Also die Armen von St. Giles und Co., die haben natürlich nicht wirklich selberschriftliche Zeugnisse hinterlassen.Das heißt, die Geschichte dieser Londoner,Gosse, kann man vielleicht sagen, oder dieser Elendsviertel,dieser Slums, die sehen wir meist nur durch die Augen von den Kritikern.Das muss man so ein bisschen im Hinterkopf behalten.
Theresa
1:13:09
Aus einer männlichen Perspektive.
Heiko
1:13:10
Das auch noch, aus einer männlichen Perspektive, all das im Hinterkopf behalten.Und deswegen mag es vielleicht hier und da vielleicht auch ein bisschen übertriebenworden sein, was aber nicht heißt, das hattest du ja auch gesagt,dass es nicht wirklich ein Problem war. Und es zeigen auch wirklich harte Zahlenund auch zeigen echte, nachweisbare Schicksale und Ereignisse.Besonders dann eben ein Verbrechen im Jahr 1734, das zum Symbol eigentlich dieserGin-Epidemie wurde, nämlich der Fall Judith the Four.Ich glaube, das hattest du vielleicht vorhin auch gemeint, als du meintest,wir kommen da bestimmt noch mit der Mutter drauf.Aber ich würde auch sagen, bevor wir jetzt uns den Fall Judith the Four anhören,trinken wir den nächsten Gin mit schlechtem Gewissen nach diesem Geschehen.
Theresa
1:13:50
Ja, welches ist denn der nächste Gin?
Marcel
1:13:52
Wir trinken jetzt den Brookmans und das ist jetzt quasi das Gegenteil von dem Buff Tube Gin.Der nennt sich nämlich Intensely Smooth Gin und ist tatsächlich jetzt mal auchein Gegenteil von dem, was wir jetzt als erstes getrunken haben.Also wir bleiben jetzt erstmal noch in England, aber wir sind jetzt ein bisschenweiter weg von diesem traditionellen London Dry.
Theresa
1:14:11
Ich finde, geschmacklich passt er jetzt nicht ganz in die Reihenfolge von Ginzortenbiel.Ich hätte ihn als letztes genommen, aber ich finde es auch spannend,so wie du es jetzt ausgewählt hast und zu sagen, hier geschmacklich bleiben.
Marcel
1:14:24
Ich wollte quasi noch in England bleiben, das war jetzt so ein bisschen mein Name.
Theresa
1:14:27
Nee, ist doch gut. Also nach dem würde ich dann doch empfehlen,einen Schluck Wasser zu trinken vor dem nächsten.
Marcel
1:14:32
Okay, sehr gut.
Heiko
1:14:34
Das ist gut.
Marcel
1:14:35
Genau, er nennt sich nämlich Properly Improper Gin.
Heiko
1:14:40
Hat auch einfach gefühlt die Hälfte an Umdrehungen.Also die Hälfte ist ja nur 40 Prozent statt 57. Das ist ja schon wirklich intensivsmooth wahrscheinlich.
Marcel
1:14:50
Und es ist halt, also ich meine, die Flasche kann man ja gleich nochmal,also die ist ja auch ein bisschen besonders. Du hattest, glaube ich,vorhin schon mal einen Kommentar dazu.
Heiko
1:14:59
Achso, sie ist bunt. Und in dem ersten Moment, als ich reinkam und die gesehenhabe, mich hat es so ein bisschen an so diese typischen eher Wodka-Flaschenaus dem Club oder so erinnert. Das stimmt.
Theresa
1:15:09
Also das hier ist auch eine Special Edition, also der hat, hast du schon denNamen gesagt? Ich erinnere mich gerade nicht.Der Brockman Gin ist, der ist normalerweise in einer dunklen Flasche,also ich weiß nicht, ob ganz schwarz, aber das finde ich auch ganz spannend, weil geschmacklich,ja, werden wir ja gleich testen, in welche Richtung der geht,aber so natürlich, die Optik zieht da natürlich auch nochmal andere Personenan, als vielleicht der Geschmack vermuten lässt.Ja. Und würdest du ihn, also wolltest du ihn noch einordnen,weil den Gin könnte man jetzt auch in, also das ist.
Marcel
1:15:49
Können wir gerne, also ich hätte es mit eingeordnet, also wir können auch gernekurz nochmal über die Gin-Arten sprechen, weil das wäre jetzt einer,der nicht diese klassische.
Theresa
1:15:58
Wacholdernote im Vordergrund stehen.
Marcel
1:16:00
Genau, sondern wir haben jetzt hier prinzipiell Vertreter eigentlich erstmal von Distilled Gin.Wir haben ja jetzt davor eigentlich von diesem, ihr habt ja von dem ganz einfachenGin gesprochen, gibt es ja nach wie vor auch.Ich weiß nicht, ob du schon mal einen getrunken hast in den Compound-Gin,wo du eigentlich nur die Botanicals im Nachhinein, also machst du einen Wodkaund dann mischst du die Botanicals im Nachhinein rein, dass du quasi diesenGeschmack wie Sirup einrührst.Heute haben wir davon keinen, sondern das ist ja eigentlich alles destillierter Gin,wo man dann nochmal die Botanicals mit destilliert und dann wird der Geschmackeigentlich durch den Dampf mehr oder weniger oder durch den Alkoholgeist extra extrahiert.
Theresa
1:16:39
Viele haben auch beides, also was, worauf ich hinaus wollte,ich wollte es nicht vorwegnehmen. Also das wäre dann ein ganz klassischer New Western Dry Gin.
Marcel
1:16:46
Genau, das wäre jetzt, ich wollte gerade rüberleiten, der, genau,aber gerne gesagt, du warst ein New Western Dry Gin.
Theresa
1:16:51
Also ein New Western Dry Gin hat eben nicht den Wacholder-Geschmack,muss nicht den Wacholder-Geschmack im Vordergrund haben, sondern ein andererGeschmack, darf gleichwertig vorhanden sein oder sogar überwiegen.
Heiko
1:17:01
Aber das heißt, Wacholder ist zwar drin, aber wahrscheinlich jetzt gar nicht so dominant.
Theresa
1:17:05
Ja, genau.
Marcel
1:17:06
Das kam jetzt eher so als Anfang der 2000er mehr hoch.Also dann sind das alles so Vertreter eigentlich, woher so eine neue Gin-Hochphase sozusagen.
Theresa
1:17:14
Ja, also manche Leute, aber ich finde das auch ein bisschen negativ.Es wird von auch so einem Gin-Hype gesprochen,der eben so Anfang der 2000er auch gerade hier mit dem Hendrix-Gin,den ihr wahrscheinlich kennt und bis dahin kannte man Gin Tonic eher mit Citrusim Glas getrunken und der Hendrix-Gin,bei dem im Nachhinein eben auch noch Gurkenextrakt zugefügt wird und Rose.Das war ganz neu für viele, den auch mit einer Gurkenscheibe im Glas zu trinken.wie ich finde, auch gar nicht verkehrt ist, also so ins Glas zu schmeißen,was man eben selbst für passend empfindet.Oder auch Gin Mare, ein berühmter spanischer Gin, wo man angefangen hat,mediterrane Gin-Sorten zu entdecken, also Gin dann mit Rosmarin und Grapefruit.
Heiko
1:18:02
Ja, das war, also ich kenne nicht super mit Gin aus, aber Gin Mare zusammenmit diesem auch mediterranen Fevertree, fand ich, habe ich vor ein paar Jahrenmal entdeckt. War eine supergeile Kombination.
Theresa
1:18:14
Ja, das ist so ein Klassiker. Also den würde ich auch in der Bar,wenn es nicht explizit gewünscht ist, nie anders servieren, weil die Leute dasso kennen und auch dann auch so erwarten oder ein Hendrix würde ich auch,ich fände es nicht falsch, ein Hendrix-Gin ohne Gurke zu servieren,aber da sind dann die Erwartungen doch da.Also wenn, dann würde ich nachhaken oder ja, wenn die Leute sich das anderswünschen, anders servieren.
Marcel
1:18:40
Genau und also die waren zumindest ein klassischer Vertreter davon,dass sie meinen Gin anders machen wollten, Und dementsprechend hier andere Botanicalsim Vordergrund stehen, wie du schon gesagt hast, was ja so den New Western Dry Gin auszeichnet.Aber lass uns das doch direkt im Glas erkunden.
Heiko
1:18:56
Okay.
Marcel
1:18:58
Dann gieß ich rein.
Theresa
1:19:02
Ich war mir jetzt unsicher, ob ihr eure Gläser auswaschen wollt.
Heiko
1:19:05
Du hast ja gesagt, erst danach sollten wir aus. Du meintest hier danach erst. Ui.
Marcel
1:19:12
Also ich glaube, irgendwann wird es sehr intensiv, aber das ist okay.Wir müssen, wir trinken halt kein Wein, das passt.
Heiko
1:19:19
So? Okay, bei dir komme ich gar nicht. Und schon direkt daneben, Gossen, ein bisschen.
Marcel
1:19:26
So? Ja.
Heiko
1:19:27
Passt.
Marcel
1:19:30
Also wir haben jetzt wieder einen klaren, durchsichtigen Gin nach wie vor,was glaube ich auch die typischste Variante überhaupt ist.
Theresa
1:19:36
Oh, ich muss nicht mehr dran riechen.
Marcel
1:19:37
Nee, man muss, man hat ja schon aus.
Heiko
1:19:40
Cheers.
Theresa
1:19:41
Cheers.
Marcel
1:19:45
Ja, der ist schon krass, ne?
Theresa
1:19:47
Ui.
Marcel
1:19:50
Ich glaube, das Ding ist, ich hatte den, glaube ich, wir hätten ja auch schonmal ganz kurz drüber gesprochen. Ich war unter anderem auch in Motel One.Wir haben ja überall auch Gin barben. Wir waren ja auch öfters,glaube ich, schon mal unterwegs.
Heiko
1:20:01
Das stimmt, da habe ich tatsächlich auch einen Gin Mare mit dem Börschen bestellt.Und dann hatten sie dummerweise den falschen gemacht und den Tonic schon aufgemacht.Normalerweise bin ich nie jemand, der irgendwas zurückgibt oder so.Und mich hat auch ein Schächs gewissen. Aber in dem Fall habe ich wirklich explizitdiese Kombination gewünscht.Tut mir leid, aber ich hätte gerne wirklich einen anderen Tonic.
Theresa
1:20:19
Ich finde das in Ordnung. Also ich finde auch, das hatten wir auch über das Motel One gesprochen.Weil ich finde, die haben das wirklich ganz süß gemacht und verbessern das auchstetig eben diese Chin-Karte, wo das nochmal richtig schön kurz beschriebenist, so ein bisschen was über Chin generell.Und dann auch, wie sie das aufgezogen haben, über jede Chin-Sorte ein bisschen was zu schreiben.Was mich dort allerdings stört, das hatte ich dir ja erzählt,dass eben zu jedem Chin ein passendes Tonic empfohlen wird.und ja, ich entscheide gerne selbst oder wenn ich einen Gin das erste Mal mit einem Tonic trinke,also als erstes probiere ich den pur und dann probiere ich ihn am liebsten mitmeinem Classy Tonic, was ich irgendwie, was für mich am neutralsten ist.
Marcel
1:20:58
Was? Classy?
Theresa
1:20:59
Classy. Also für mich mein klassisches Tonic, aber es ist jetzt nicht…Also für mich ist das Shreppest Dry.Ich will gar nicht zu große Werbung machen, die Marke ist schon groß genug,aber ich mag das am liebsten so im Durchschnitt dann zu und ich finde,das passt zu fast jedem Chin.
Heiko
1:21:21
Aber das heißt, was dich quasi in Anführungsstrichen stört an dem Konzept vonMotor One-Hit-Stern ist vielleicht auch ein falsches Wort, dass man quasi dieindividuellen Geschmäcker vielleicht nicht ganz so berücksichtigt,weil man den eigentlich schon aufdrängt,welcher Gin zu welchem Tonic passt?
Theresa
1:21:36
Das stört mich noch nicht mal, weil ich glaube, das funktioniert ganz gut,weil ich denke, dass viele auch überfordert sind, dann nochmal zu wählen unddann eher davon absehen.Deswegen denke ich, das Konzept funktioniert ganz wunderbar und die machen das ganz toll so.was mich vielleicht stört daran ist das Bild, das vermittelt wird so ist es richtig,und ich finde also ja, was dir schmeckt ist einfach richtig,so sehe ich das also klar ist es wie auch beim Würzen irgendwann hat man soeinen Dreh raus, also wenn man kocht vielleicht, ah das passt ganz gut da mitzusammen und zu Spinat, ein bisschen Muskat oder,also da weiß man irgendwie so die Tricks und Kniffe Und so ist es,finde ich, auch beim Gin Tonic.Also wenn man sich ein bisschen auskennt, kann man dann schon sagen,ja, zu dem Gin so generell würde ich empfehlen jetzt einen Dry Tonic,weil bei dem passiert schon so viel, also ein Tonic mit weniger Zucker.Oder zu dem Gin, der ist sehr trocken und wirklich eine Wucht hier wie der Sipsmith,der Navy, den wir vorhin hatten.Wenn die Person jetzt nicht sagt, ich möchte meinen Gin Tonic furztrocken,dann empfehle ich eher einen Indian Tonic, was so eine leichte Citrusnote hat,um das so ein bisschen aufzubrechen, damit es sich in der Mitte trifft.Aber im Endeffekt, finde ich, ist der persönliche Geschmack das Richtige.So würde ich die Sache angehen, aber ich finde, ja, also ich denke auch mitden Leuten im Motto One kann man sprechen und sich eventuell auch ein anderes Tonic wünschen.
Heiko
1:22:56
Wahrscheinlich.
Marcel
1:22:57
Da habe ich gleich Bock auf einen Tonic. Also ich hatte, den hatte ich haltirgendwie dargetrunken.Für mich war der so ein bisschen in dem Sinne offenbar, aber ich habe jetztnoch gar nicht gesagt, wie der riecht, ne?
Theresa
1:23:07
Ich finde, der riecht nach Kaugummi.
Heiko
1:23:09
Ich bin wirklich froh, dass ihr das sagt, weil ich hatte auch erst Angst,dass ihr mich jetzt gleich fragt, na, wonach denkst du, riechst du?Und ich hatte Angst, Kaugummi sagen zu wissen, weil das Es ist der erste Geruch.
Theresa
1:23:20
Also auch sehr artificial, sehr künstlich.
Marcel
1:23:22
Ja, finde ich auch.
Theresa
1:23:23
Ja, so Kindheit, Kaugummi, Huba-Buba.
Heiko
1:23:27
Genau, an Huba-Buba musste ich denken.
Theresa
1:23:29
Skittel.
Marcel
1:23:30
Also aber die Beeren-Variante davon.
Theresa
1:23:33
Ja, also die New Western Dry Gin-Sorten ist vielleicht auch ganz,also ist noch zu erwähnen, es sind oft geprägt von sehr fruchtigen oder zitrischen Aromen.Also es sind oft Gin-Sorten, die eben Heidelbeere, Himbeere,Blaubeere, Erdbeere Grapefruit, Orange.
Marcel
1:23:51
Zitrone Das sind tatsächlich auch die Sachen die jetzt hier im Vordergrund stehen,wir haben Blaubeeren tatsächlich,Botanicals, genau Brombeeren Trink mir? Ja, wir trinken Ah.
Theresa
1:24:03
Ich hab’s schon, sorry,Also er schmeckt besser als er riecht,Das stimmt.
Heiko
1:24:12
Brennt weniger, aber das ist jetzt auch wenig überraschend bei so 20% fast weniger an Umdrehungen.
Marcel
1:24:19
Ja, das ist halt schon so dieses beerige, aber auch trotzdem ist es so artificialso. Es ist schon irgendwie…
Heiko
1:24:27
Ich finde auch trotzdem, vielleicht auch nur, weil man weiß,gleichzeitig riecht, trotzdem auch das Kaugummimäh ist nicht ganz so schlimm,aber ich finde, es ist schon auch irgendwie da.
Theresa
1:24:35
Was irgendwie auch voll das Ding ist, also vor allem eher im Ausland,aber was sehr viel bestellt wird und für alle und für jeden,ist das irgendwie unterschiedlich, Pink-Chin.Und es gibt viele Chin-Sorten, die sind pink, aber die sind total kräuterigund eher herbe im Geschmack.Und mein Eindruck ist, dass die meisten Menschen mit Pink-Chin wirklich einenChin meinen, der so schmeckt wie dieser hier.Und das dann eben auch oft, wenn jetzt so, vor allem wenn Leute unsere Bar betreten,die jetzt vielleicht eher so,klassischere Rollenbilder pflegen, also wo man ganz, ja, also wo der Mann ganzklassisch die Frau ausführt und auch zahlt, dass dann oft so irgendwie für dieFrau vielleicht auch bestellt wird und ein Pinkchen oder so.Und vor allem dieser Brockman, weil die Flasche vielleicht nicht ganz so feminingelesen ist, zumindest die…
Marcel
1:25:22
Die Originale.
Theresa
1:25:23
Ja, die Originale oder hier auch, ihr habt ja schon gesagt, erinnert eher soan so eine Wodkaflasche, vielleicht auch so ein Ticken Prollig.
Marcel
1:25:30
Ja, Ticken Prollig ist ein gutes Begriff. Ich finde, von der Optik würde ich es egal.
Theresa
1:25:36
Der spricht total viele Männer an, was ich ganz spannend finde,obwohl er vom Geschmack her, finde ich für mich, wie ich es oft erfahre,ein typischer Pink Gin ist, zumindest was erwartet wird, ist mein Eindruck, ja.
Heiko
1:25:49
Ja, vielleicht auch wirklich, weil es so ein bisschen, es sieht specialmäßigeraus durch dieses Prollige und das will man dann irgendwie als Mann in einemklassischen Rollenverständnis vielleicht irgendwie zeigen, wenn man das irgendwiekauft oder kaufen kann oder, ja.
Theresa
1:26:02
Ja, aber ich finde es super, also es ist ja dann auch gut, dass es auch durchaus sowas gibt.Und zugänglich ist, weil es schmeckt ja, wie gesagt, ich würde sagen,der Geschmack ist sehr persönlich und dieser Gin schmeckt sehr vielen Männern.Gut, dass sie da die passende Flasche gefunden haben.
Heiko
1:26:20
Ja, was ich jetzt, also wenn ich jetzt werten soll, ich fand ja den anderenpur super alkoholisch und den nicht, der smoother, deswegen habe ich eigentlicherwartet, dass der mir besser gefällt. aber ich glaube, dass der doch durchdieses Künstler, also rein geschmacklich bin ich trotzdem eher bei dem davor, muss ich gestehen.Bei dem klassischen. Aber wir hatten das ja auch bei Wein, dass ich eher die klassischen Weine mag.
Marcel
1:26:39
Naja, ich bin gespannt. Also ich hatte den halt, wie gesagt,ich bin ja so ein Bären-Fan, weißt du ja.
Heiko
1:26:45
Vor allem konzentrierte Bären.
Marcel
1:26:46
Konzentrierte Bären. Und deswegen fand ich, wo ich mich vorher mit beschäftigthatte, bin ich auf die Art und Weise, die New Western Dry Gens, gar nicht so gestoßen.Deswegen fand ich es als erstes Ding so interessant, weil das einfach so gesessen hat.Ich hatte irgendwie zwei Sachen bestellt und da habe ich gedacht,ja, auf jeden Fall, den nehme ich irgendwie.
Theresa
1:27:04
Ja, also ist auch mit einer der bekanntesten Vertretern, jetzt was so diesenfruchtigen, bärigen Geschmack angeht.Und wenn das einem schmeckt, dann kann man den auch wirklich in vielen Barsoder Hotelbars finden und dann auch weiterempfehlen.Und die Leute freuen sich, die den noch nicht kennen, weil es für sie dann so mal was Neues ist.Aber ich muss sagen, dass ich so, wenn man eben diese bärigen Geschichten mag,dass es doch auch sehr viele auch kleinere Distillerien gibt,die finde ich bessere, also für mich bessere Varianten herstellen.Aber ich glaube auch dieses, dieser künstliche, artifische Geschmack,es gibt wirklich viele Leute, die genau darauf stehen. Und manchmal mag ich das auch total gerne.
Heiko
1:27:40
Ich meine, also auch sowas wie Bubble Tea und so, ist ja eh ein bisschen imTrend, so dieses sehr künstliche.
Theresa
1:27:45
Es hat doch schon wieder nachgelassen. Es war wieder und dann ist wieder.
Marcel
1:27:49
Ich habe damit gerechnet, dass das nicht dein Favorite heute wird.
Heiko
1:27:54
Aber ich finde es trotzdem spannend insofern, also deswegen hast du ja wahrscheinlichausgewählt, weil es ja wirklich zeigt, wie unterschiedlich Gin auch einfachschmecken kann und nicht kennst alle so zu sein.
Marcel
1:28:03
Und wir sind noch in England. Das war mir jetzt auch schon wichtig,dass wir nicht nur in Deutschland oder woanders oder so weiter sind.
Theresa
1:28:12
Wir sind überhaupt nicht in Deutschland.
Marcel
1:28:14
Wir sind heute überhaupt nicht. Aber bewusst, ich habe keine Ahnung,Ich wollte da schließlich mal…Nicht auf die deutschen Gyns, aber es gibt auch gute und so weiter.Es gibt auch gute Berliner Gyns.
Heiko
1:28:25
Ja, es ist generell so Deutschland und auch so eine große Gyn,nicht Community, aber halt eine Gyn.
Theresa
1:28:30
Also so Spanien und Deutschland, ich glaube, die wechseln sich so ein bisschenab, was die Herstellung angeht.Klar, England, da kommt die meiste Gyn her und im Süden von Deutschland wirdsehr viel Gyn produziert.
Heiko
1:28:40
So Monkey-Gyn kennt man, das ist nicht so aus dem Schwarzwald.
Marcel
1:28:43
Sehr bekannt.
Heiko
1:28:44
Das ist der typische deutsche Gyn.
Theresa
1:28:47
Ja, die haben auch vieles sehr gut gemacht. Also die Flasche,diese Medizinflasche und das Design vom Etikett, das ist saugut.
Heiko
1:28:55
Also Marketing, was Marcel vorhin schon meinte.
Marcel
1:28:57
Viel Marketing.
Theresa
1:28:58
Viel Marketing, die haben es auf den Punkt getroffen, wird auch zahlreich kopiert, würde ich sagen.Ich weiß nicht, wie nah dran kopiert werden darf, aber es wird definitiv,haben die einen Trend gesetzt damit.Und ja, also der Gin ist auf jeden Fall, es ist ein guter Gin, also was soll man sagen?
Marcel
1:29:17
Du hattest einen besseren Empettung, glaube ich, dem ich schon gesagt habe, angelegt hat.
Theresa
1:29:21
Was heißt einen besseren? Einen anderen.
Heiko
1:29:25
Vielleicht machen wir dann nochmal irgendwann eine Folge nur über Deutschen.
Theresa
1:29:28
Und es kommt auch sehr viel zu Hannover bis auch immer. Also im Süden von Deutschlandgibt es ja auch viel Weinherstellung und das hat auch ein bisschen damit zu tun.Und generell vielleicht weil Süden wirtschafts stärker ist.
Heiko
1:29:43
Ich meine auch, weil du sagst Hannover, ist Elephant Gin, glaube ich,auch irgendwie zwischen Berlin und Hamburg, glaube ich, meine ich.
Theresa
1:29:51
Aber Elephant Chin ist auch sehr, ganz stimmt. Oder Chin’s Hool.Der ist ja auch aus Hamburg. Mit den portugiesischen.
Marcel
1:29:58
Das war nämlich zum Beispiel einer meiner Favorites gewesen vorher.Und die haben aber jetzt irgendwie fünf oder sechs verschiedene.Chin’s Hool ist deutsch.
Heiko
1:30:05
Okay. Gibt es nicht auch noch irgendwie so…Knut Hansen oder so? Das klingt auch deutsch. Das ist auch Hamburg oder so.Aber ich weiß nicht. Aber ja, wir schweifen.
Theresa
1:30:14
Ist das nicht sogar ein Berliner?
Heiko
1:30:17
Ah, ist das sogar Berliner? Okay, also es ist auf jeden Fall so ein Hipster drauf.
Theresa
1:30:20
Also meine, jetzt nochmal Werbung hier für meine liebsten Berliner Chinsortenist auf jeden Fall von Freitag Concrete Jungle und Riot Chin,das auch mit 50 Prozent, gerade so Navy.
Marcel
1:30:32
Ja.
Heiko
1:30:34
Das sind auch die Freitag, wenn ich es vorhin richtig verstanden habe,sind auch die, die bei euch, die mit den ihr da kooperiert für den Botanical Affairs-Gin, ne?
Theresa
1:30:40
Ja, ich finde also, das ist unser Rezept, was wir mit den beiden Jungs ausgetüftelt haben.Aber ich finde, man kann, vielleicht ist das jetzt so blöd zu sagen,aber ich finde, die haben eine Handschrift, eine sehr schöne,die man in jeder von ihren Spirituosen rausschmecken kann.Also man schmeckt, dass die wirklich sehr viel Erfahrung und Talent haben.Und ja, die zwei sind witzig. Also ich weiß noch einmal, schon länger her,da kamen die vorbei und haben dann irgendwie den Gin mitgebracht und irgendwienoch so ein Hibiskus-Likör.und die haben einfach Lust rum zu experimentieren und ja, also wenn ich richtigliege, haben die glaube ich auch als Köche gearbeitet und machen jetzt ebenSpirituosenherstellungen.Die sind cool drauf und machen extrem gute Spirituosen.
Marcel
1:31:20
Also lohnt sich. Also gibt es auf jeden Fall nochmal Potenzial da wahrscheinlich.
Heiko
1:31:25
Und dann vielleicht so deutschen Gin oder so.
Marcel
1:31:27
Wollt ihr nochmal Background haben zu Brockmans?
Theresa
1:31:29
Ja, sehr gerne, natürlich.
Marcel
1:31:32
Genau, die wurden nämlich auch 2007 gegründet und da sind wieder vier Männerinvolviert und zwar vier Freunde.Die Story bleibt, glaube ich, etwas ähnlich. Das ist nämlich,nee, nicht die drei Fragezeichen, aber Neil, Bob, David und Matthew.Die haben auch keine eigene Distiller. Ich meine, die sind relativ groß,aber die brennen in der Langley Distillery in Birminghamund die sind gestartet, weil sie eigentlich einen völlig neuen Gin machen wollten,weil es war halt nicht so üblich, also es war halt, Wacholder war zu der Zeitdann schon noch dominant.Und die wollten irgendwas, was man quasi unfassbar weich machen kann,was man irgendwie so pur oder auf Eis trinken kann.Ein Gin like no other. Was witzig ist, weil das relativ viele sagen.Also ich habe das jetzt, ich glaube wir haben das nachher nochmal.Aber Gin like no other ist quasi so ein bisschen, ja, die Mission ist klar.Die hatten 2008 den ersten Gin gelauncht, aber das ist so gefloppt.Und dann haben sie mit der Flasche tatsächlich, also diese schwarze Flascheoder diese dunkle Flasche,die kamen dann mit dem Relaunch, haben sie es nochmal probiert,2010 und damit dann hat es geklappt und zwar in UK und in Spanien,denn das passt ja wiederum auch, dass die dann in Spanien da auch schön affin sind.Und das Gesicht vom Brockman ist, ist der Neil.Der ist heute 65 Jahre alt und hat auch schon lange in der Getränkeindustrie gearbeitet.Unter anderem bei Pernod Ricard. Was ich nur sagen wollte, weil Plymouth wurdevon Pernod Ricard zum Beispiel gekauft.Also einfach so eine große Spiritosenkonzern.Der Typ hat irgendwie wohl, da gibt es auch Interviews, immer so am Poster-Syndromgelitten, dass er eigentlich nichts kann und immer durchschaut wird.Und so, ich meine, auch eine typische Story, die man, glaube ich,auch in der Marketing-Welt oder wie auch immer öfters mal hört.Was jetzt aber so ein bisschen die Brücke ist, zu dem Gin, wie der jetzt sogemacht wird, ist, dass der Urgroßvater von ihnen eine Obstfarben hatte in Cambridgeshire,was so ein bisschen auf dem Land ist.Und dementsprechend ist der Nil aufgewachsen, so mit Obstbäumen,mit Pflaumen und Beeren.Und das so ein bisschen die, also er hat da früher auch dann so Bären geklautund so, also hat dann die so früher gesnackt.
Heiko
1:33:48
Offensichtlich keine Wacholder-Bären, oder war es?
Marcel
1:33:50
Nein, nein, die Heidelbären und Pommesbären und so weiter.
Theresa
1:33:53
Die Heidelbär-Zapfen.
Heiko
1:33:54
Die Heidel-Zapfen.
Marcel
1:33:57
Und damals gab es dann, also die Freunde haben dann überlegt,wie könnten wir einen Gin machen, der irgendwie anders ist und so.Und dann hat er dann irgendwie gefragt, wie wäre es denn mit Bären als Referenz zu seiner Kindheit.Soweit die Marketing-Story, ne? Das ist ja immer dann auch, ja.
Heiko
1:34:10
Ich finde dafür, dass du ja hauptberuflich, wenn du nicht gerade Podcasts machst,im Marketing arbeitest, hast du heute schon ein sehr, sehr negatives Bild von Marketing.
Marcel
1:34:18
Was du hier vermittelt. Ja, okay.
Theresa
1:34:20
Bist du kritisch, aber ist ja gut.
Heiko
1:34:22
Ja, an sich schon.
Theresa
1:34:23
Ich finde,den Sachen, die man selbst betreibt, kritisch gegenüber zu stehen,ich finde, das zeichnet auch aus.Und was ich noch zufügen wollte, ist…
Marcel
1:34:35
Okay, jetzt kommt der Beichte.
Theresa
1:34:38
Nein, nein, nein. Also mich wundert gar nicht, dass der gut in Spanien ankommt,weil ich war total überrascht, als ich das erste Mal Gin Tonic in Spanien getrunken habe.Es ist schon eine gute Weile her und ich dachte,ich bestelle was, was so ganz klassisch und simpel und dann habe ich Gin Tonicbestellt und dann kam so ein riesen Ballonglas mit so einem Obstsalat drin undich war so überrascht und dachte,was ist das denn? Und das ist überhaupt nicht einfach und simpel.Und das ist halt auch, wie auch Gin Tonic getrunken werden kann und wie es vorallem auch in Spanien sehr gerne getrunken wird, in großen Ballongläsern undalles Mögliche an Frucht.
Heiko
1:35:16
Wie so ein Sangria eigentlich.
Theresa
1:35:18
Ja, ja, genau. Also ich kann es mir gut vorstellen.Also so die fruchtigere Variante.
Marcel
1:35:27
Der Name ist natürlich auch wieder ausgedacht und hat natürlich auch wiederso eine Referenz im Sinne von, Also die ist jetzt vielleicht nicht so deep wiebei Sipsmith, deep, aber irgendwie so witzig.Brookman ist jemand, der den Wasserfluss verwaltet, dass es immer fließt.Company selber, also wir hatten es beim Wein erwähnen, war es relativ häufigimmer, dass die sind jetzt nicht Bio, sondern sind B-Corp zertifiziert,also quasi so nachhaltig zumindest bemüht.Also wenn du dich zertifizieren lässt, musstest du bestimmte Sachen zum Beispiel machen.Und eine Sache davon ist, und das ist glaube ich in der Gin-Welt tatsächlichdeine Schwierigkeit, die Flasche muss besonders leicht sein,also damit du nicht super schwere Flaschen durch die Welt schipperst,so aus Nachhaltigkeitsaspekten.Also die ist, glaube ich, wahrscheinlich sogar auch die leichteste heute,würde ich fast behaupten, weil die anderen sind alle sehr viel massiver.
Theresa
1:36:19
Stimmt. An den Flaschen kann man auch oft schon so ein bisschen das Land erkennen, tatsächlich.Also in Deutschland sind sehr viele Flaschen gleich und unterschiedlich bedruckt.Und also so Italien ist auch dann öfter so ein bisschen größer und pompöser.Oder Frankreich ist mein Eindruck auch oft so ein bisschen mit so,ja, mehr Ausschmückungen hier und da. oder unterschiedlicher.Also so manchmal habe ich das Gefühl, man kann auch so ein bisschen das Landan der Flasche erkennen.
Marcel
1:36:48
Es ist so Flaschenmarketing. An sich ist es, also okay.Aber again, also ich wollte es nämlich nochmal sagen, prinzipiell ist es halteine Marke, die etabliert wurde über letzte Zeit.Da wird auch Geld reingebuttert. Sie haben jetzt irgendwie jüngst eine Kampagnegemacht, wo sie drei Millionen in eine Kampagne packen, um Marketing dafür zumachen, damit der Gin noch weltweitverkauft wird. Der wird jetzt mittlerweile in 55 Ländern verkauft.Vor allen Dingen auch in Europa. Also die sind halt schon auf Expansion.Also es ist nicht die kleine Mikrodistillery, sondern die wollen schon auch Umsatz machen.Aber auch der Background der Leute, die kommen ja aus der Getränke-Industrie.Also es ist halt schon eine Vermarktungs-Thematik. Ich meine, nicht falsch da dran, aber…
Theresa
1:37:31
Voll, aber so ist ja, also so ist es leider, aber so ist es ja fast überall.
Heiko
1:37:38
Ich finde es jetzt auch nicht, also komplett, wenn du so ein Getränk machst,willst du es im Idealfall auch verkaufen.Deswegen glaube ich ganz gut, wenn du auch ein bisschen Marketing mitdenkst.
Theresa
1:37:48
Ja, aber so eben auch, so deine Kritik, die ich rausgehört habe,das ist ja so ein patriarchales Problem, was es ja nicht nur in diesem Bereichgibt, sondern so generell auf der Welt und generell vielleicht auch im Marketingbereich.
Marcel
1:38:03
Ja, ich habe jetzt nochmal, also ursprünglich wollte ich jetzt nur über Gin-Artensprechen, aber wir haben jetzt ja ein bisschen vorweg gegriffen.Ich habe vielleicht ein oder zwei noch, die vielleicht wieder zurückleiten,was vielleicht, ich weiß nicht, ob du diesen Gin nochmal aufgreifst,aber du hattest mir nämlich davon auch erzählt an dem Abend in der Bar und zwar den Old Tom Gin.
Theresa
1:38:23
Ja, aber der passt besser nach deinem, nach dem nächsten Part von Haiku.
Marcel
1:38:29
Okay. Den können wir nochmal kurz über den Eutom. Wir trinken heute keinen Eutom-Gin.
Theresa
1:38:33
Aber Das ist voll okay.
Heiko
1:38:36
Okay, das heißt, wir machen erstmal mit dem Fall Judith Defour weiter und reden über den nächsten.
Marcel
1:38:41
Okay, okay.
Heiko
1:38:42
Also da klingelt es bei mir ehrlicherweise nicht. Also da bin ich jetzt nichtdrüber geschaltet, deswegen ergänzen wir uns.
Theresa
1:38:46
Ich hab extra nichts gesagt.
Heiko
1:38:47
Voll gut. Also das finde ich eh, also wir hatten dir das ja vorher gesagt,dass wir uns eigentlich nicht vorher abstimmen. Er weiß nicht,was ich sage und ich weiß nicht, was wir trinken.
Theresa
1:38:56
Du wolltest ja noch den Punkt und dann 1751 und danach wird das passen.
Heiko
1:39:01
Okay, sehr gut. Weil ich bin dann immer froh, wenn wir uns eigentlich dann nichtergänzen, weil wir, wie gesagt, dadurch, dass wir uns meistens vorher nichtabstimmen, kann es aber auch mal sein, dass das irgendwas nicht passt.Aber so passt es doch super.Deswegen erstmal weiter, würde ich sagen. London war also wirklich eine Stadt im Umbruch.Eine riesige, chaotische Stadt,ja, voller Hoffnung, Armut, aber auch sozialer Spannung und so weiter.Gin war billig, überall verfügbar und besonders eben in armen Vierteln wurdees zum festen Bestandteil des Alltags, wo er eben, das haben wir auch gehört,zunehmend von Frauen getrunken, aber eben auch verkauft wurde.Für viele Zeitgenossen wurde dieser Rausch zum Symbol eben eines moralischenund sozialen Verfalls und genau in diesem Umfeld ereignet sich jetzt 1734 ebendas angesprochene schreckliche Verbrechen.eine Frau namens Judith Defur, die holte eines Tages ihre kleine Tochter Maryaus einer armen Unterkunft im Londoner Stadtteil Bethnal Green ab und das Kindhatte dort gerade erst von der Gemeinde neue Kleidung bekommen.
Marcel
1:39:54
Also das, also ich frage jetzt nicht wie eine Kita, sondern sie wurde eingekleidet in der Armunter, oder?
Heiko
1:39:59
Genau, also das war wirklich extra dafür da. Das ist keine Kita,sondern das ist wirklich um armen Kindern sozusagen.Dann ist es wie so ein, nicht wie ein Kinderheim, weil die Mutter ja noch existiert,aber da kann das irgendwie erstmal abgegeben werden.Und am Abend erscheint Judith dann allein erstmal zur Arbeit,angetrunken wie so oft und das Kind hatte sie nicht zurückgebracht,wie sie eigentlich hätte machen sollen in dieser armen Unterkunft und sie konnteund wollte zunächst auch nicht sagen, wo es war.Schließlich bricht sie aber zusammen und führt dann zwei Kolleginnen hinausin die eisige Januernacht, wo sie eben das Kind tot in einem Graben finden,nackt und mit einem Leintuch fest, so um den Hals gebunden.Judith, das gibt sie dann zu, hatte das Kind abgeholt und dann mit einer bekannten Gin getrunken.Als das Geld ausgegangen war, beschlossen beide, Marys neue Kleidung eben zuverkaufen, für so einen Schilling und vier Pens, Mantel, Unterrück,Strumpfe, wirklich alles. Haben sie einfach die Kleidung verkauft, die neue.Und für das Geld kauften sie natürlich was.
Marcel
1:40:54
Gin.
Heiko
1:40:55
Korrekt. Als das Mädchen dann vor lauter Kälte und Hunger natürlich weinte,banden sie ihr dann noch so ein Tuch um den Hals, vermeintlich um sie zum Schweigenzu bringen, aber das Kind stirbt dann.Und Judith wird auch relativ schnell schuldig gesprochen und ingerichtet dafür.Und für Reformer wurde dieser Fall natürlich wirklich zu so einem Fanal, zu einem Symbol.Es schien wirklich alles zu bestätigen, wovor sie eigentlich immer gewarnt hatten.Eine Suchtgewalt, der Tod eines unschuldigen Kindes, so ein Monstrum,das der Djinn eigentlich erschaffen hatte, wurde Judith Defoe so stigmatisiert und stilisiert.Und natürlich ist Judiths Verhalten mit absolut gar nichts zu entschuldigen,das will ich jetzt hier gar nicht anfangen.Aber die Ursachen waren natürlich deutlich komplexer.Judith Defoe war eine arme Frau ohne Perspektive aus den Elendsvierteln Londons.Sie nur als Monster zu sehen ist natürlich einfach, sie aber irgendwie als Produktgesellschaftlicher Verhältnisse zu betrachten ist ja deutlich unbequemer.Und ja, das hatten wir auch schon gesagt, natürlich kämpfen die Reformer tatsächlichgegen großes Elend an, aber ihre Motive waren nicht wirklich die,die wir jetzt vielleicht erwarten würden.Weil sonst hätten sie vielleicht über Sozialreformen gesprochen,über Armut, über eine wachsende Schere zwischen Arm und Reich,über Bedingungen, unter denen Menschen in London lebten. Aber das interessierte sie gar nicht.Ihr Blick war geprägt von den wirtschaftlichen und moralischen Vorstellungen ihrer Zeit.Viele von ihnen dachten in den Kategorien des Merkantilismus.Ich weiß nicht, ob ihr den Begriff aus dem Geschichtsunterricht oder jemanden kennt.
Marcel
1:42:15
Doch, den habe ich mir gemerkt.
Heiko
1:42:16
Hast du den gemerkt? Ich nicht.
Marcel
1:42:19
Das war so Handarbeit, ne? Also so nur in Reihe geschaltete Handarbeit sozusagen.
Heiko
1:42:24
Ne, das Mercantilismus war im Prinzip die vorherrschende wirtschaftspolitischeVorstellung, nach der Reichtum einer Nation vor allem aus Handel,Export und so einer disziplinierten Arbeiterschaft mit möglichst niedrigen Löhnen entstehen sollte.Ziel war so eine positive Handelsbilanz, um eben zum Beispiel die Armeen oderstaatliche Prestigeprojekte eines Staates zu finanzieren.Handelsdefizierte, die galten als Zeichen der Schwäche und wurden mit Zöllenund anderen Handelsbarrieren bekämpft.Kommt uns vielleicht heute von bestimmten Politikern seltsam bekannt vor wieder,aber das enden wir am Ende.
Marcel
1:42:57
Ich glaube, es gab nur so ein, ich kenne diesen Begriff, da weil wir uns relativviel drüber lustig, also immer wenn es irgendwas ähnliches war,war das wie ein Merkantilismus.Aber das war einfach so ein Bild, was ich glaube ich noch im Kopf habe.aber dann hat das eine größere…
Heiko
1:43:09
Ja, also es hat halt diese eher wirtschaftspolitische Dimension dann auch.Die Armen, die sollten arbeiten, die sollten Kinder bekommen und sich eben ihrengesellschaftlichen Vorgesetzten einfach unterordnen.Harte Arbeit zu niedrigen Löhnen erfüllte zwei Zwecke.Sie senkte die Kosten englischer Exportwarn und sie hielt die Armen einfach an ihrem Platz.Die Reformer, die wollten keine bessere Gesellschaft mit ihrer Kampagne gegenDjin. Sie wollten eigentlich die alte zurück.Und das traf allerdings auf eine Welt, die sich einfach grundlegend gerade veränderte.Zum ersten Mal kauften Menschen aller Schichten auch so neue Waren,probierten neue Tränke und Produkte aus.Rum, Kaffee, Tee, Schokolade, aber eben auch Gin. Das ist so im Prinzip dieZeit, in der wirklich der konsumierende Mensch, wie wir ihn heute kennen,eigentlich erst entstand.Und für die Reformer war das eben eigentlich ein Graus.Die Arbeiter sollen arbeiten, nicht konsumieren und schon gar nicht so trinken wie ein Gentleman.Denn natürlich, wir reden hier über die Gin als Armen Getränk,aber Gin wurde und auch anderer Schnaps auch von Reichen getrunken,aber das erschien so zumindest in den moralischen Pamphleten der Zeit Wunderviel weniger problematisch. Der Djinn störte mehr,Er störte nicht nur die öffentliche Ordnung, er störte eigentlich so ein gesamtesgesellschaftliches Weltbild eigentlich für diese fast schon reaktionären Männer.
Theresa
1:44:23
Das ist keine schöne Geschichte, aber es ist so schön, das mal so gut ausgedrückt zu hören.
Heiko
1:44:29
Ich freue mich.
Theresa
1:44:30
Vor allem, wenn ich diese Geschichte erzähle, viel kürzer zusammengefasst imChin-Workshop, dann oftmals lachen die Leute und glauben mir gar nicht,aber du hast die passenden Worte.Das ist sehr, sehr toll.
Heiko
1:44:45
Das freut mich. Ich dachte gerade kurz, das war so ein Wink mit dem Zaun,weil du sagst viel kürzer. Nein, ich bin es komplett überzeugend.
Theresa
1:44:52
Ich finde es auch super spannend. Das Bild wird auch noch vervollständigt. Super.
Heiko
1:44:58
Okay, das freut mich. Und das haben wir eben auch. Er brachte eben Frauen auchin Räume, in denen sie vorher nicht gewesen waren.Eine Frau, die öffentlich trank, die Geschäfte macht, die Geld ausgibt oderSchulden macht. Das stellt einfach so die gesellschaftliche Ordnung viel grundsätzlicherin Frage als jeder betrunkene, randalierende Mann.Also diese trinkenden Frauen waren noch zusätzlich eben dieses Problem.Das heißt in einer Gesellschaft, die auf klaren Hierarchien beruhte,wir hatten das zwischen Arm und Reich, Herr und Knecht, aber eben auch Mannund Frau, da war jede Grenzüberschreitung einfach bedrohlich.Und Gin war für die Reformer dadurch eben nicht nur ein Getränk oder nicht nureine Droge, es war wirklich ein Symbol von Kontrollverlust über die Armen,über die Frauen und einfach über die gesamte Gesellschaft.Und diese Verbindung von Gin und weiblichem Verfall wird dann eben auch so stark,dass das Getränk ja später auch noch einen Spitznamen bekommt,nämlich Mother’s Ruin, der Ruin der Mutter sozusagen.Denn in den Augen vieler Kritiker bedroht Gin eben nicht nur die Moral,sondern eben vor allem die Zukunft der Nation.Weil auch das, also es wird so sich aufgeregt über die Mütter,die dann trinken und so weiter.Und man denkt ja, ist ja auch richtig so. Das ist ja auch irgendwie nicht gut,wenn dann Kinder verwahrlosen und Frauen verwahrlosen. Aber auch da waren die Motive nicht.Wie Nächstenliebe oder so, sondern das Problem war, wenn Frauen trinken,so fürchtet ein Mann, würden weniger Kinder geboren oder schwächere Kinder geborenund damit könnten auch nächste Generationen von Soldaten, von Seeleuten undeben fleißigen Niedriglohnsektorarbeitern gefährdet sein.Also das war wirklich, also ja, natürlich Elend und so weiter,das will ich nicht leugnen, aber viele der Motive dieser Anti-Gin-Bewegung wareneben eigentlich eher reaktionär und deswegen musste natürlich was getan werden.Und um was zu tun, braucht es zunächst eine Katastrophe, um London gegen denDjinn aufzubringen. Genauer gesagt zwei.Die erste kennen wir schon. 1720 bricht eben die.South Sea Bubble zusammen. Und dann, als wäre das nicht noch genug,bricht kurz darauf in Marseille die Pest aus.In London werden Quarantänemaßnahmen angeordnet. Die Seuche kommt am Ende zwarnicht, also ein bisschen Glückgehabt, aber die Angst davor hat bereits eigentlich Früchte getragen.Für religiöse Eiferer ist die Botschaft eindeutig. Gott bestraft die Sündendes Zeitalters. London hat es verdient.Also die Blase platzt, die Pest kommt.Und der Londoner Magistrat Sir John Gonson, der legt dann einen Bericht vor,der London wirklich als Stadt im moralischen Ausnahmezustand darstellt.Die Stadt ist außer Kontrolle geraten.Schlafhäuser, Trinkhöhlen, Prostituierte, anonyme Slums. Niemand kennt mehrdie alten Regeln oder schert sich drum.Also Ganten ist natürlich ganz schlimm. Und über allem steht natürlich,jetzt könnt ihr das euch denken, das ist keine Überraschung,Gin, unsere geliebte Madame Geneva sozusagen.30 Jahre lang im Prinzip hatte sie so in den Elendsvierteln freie Hand gehabtund jetzt im Schatten der Pest und des Börsencrashs wird sie zur Wurzel allenÜbels eigentlich erklärt.
Theresa
1:47:48
Mutter erwürgen ihre Kinder.
Heiko
1:47:50
Genau, alles. Und Sir John Gonson hatte damit einfach den idealen Sündenbockfür eigentlich alles gefunden.
Marcel
1:47:57
30 Jahre war jetzt gar nicht so lange sozusagen diese Zeit dann.
Heiko
1:48:00
Ja, also kurz, aber offensichtlich sehr intensiv.
Marcel
1:48:03
Ja, ich meine, ich glaube, es war in heutigen Verhältnissen dann schon wiedersuper lang, weil so eine Bubble wird es ja mittlerweile schneller, glaube ich.Also 30 Jahre bis zum Platz in der Bubble sozusagen.
Heiko
1:48:11
Achso, nee, 30 Jahre lang hatte man halt zugeschaut, also seit quasi Djinn soangefangen hat, mega zu überschwemmen, also seit quasi, also wir sprechen quasi 1688,Glorious Revolution und jetzt sind wir in den 1720ern, wo dann die Blase platzt,wo die Pest kommt und so weiter und in dieser Zeit ist halt diese Djinn-Crazeoder diese Djinn-Epidemie gewütet,ohne dass man so das Groß ein bisschen beobachtet hat und jetzt und dieser,Zustände, die jetzt gekommen sind, guckt man mal hin und denkt,ah ja, also vielleicht muss man mal was gegen Djinn machen.
Marcel
1:48:39
Und es ist anders, weil ich meine, also ich kenne jetzt so historisch diesesAnti-Kannabis, alles was mit Kommunismus ist und so weiter, war ja auch quasieine Verteufelung einer Droge ausso einer Angst heraus, dass es irgendwie gesellschaftlich was verändert.Das ist prinzipiell jetzt hier auch, also wo man ja jetzt nicht im Alkohol ansich unterstellen würde jetzt so, man würde jetzt so, aber das ist ja das gleiche Motiv.
Heiko
1:49:02
Genau, also komme ich zum Ende und schlage ich so ein bisschen den Bogen aus.Was ist eigentlich Ursache und was ist eigentlich Symptom und so weiter.Deswegen, das würde ich ein bisschen ausklammern, weil ich glaube,das ganz gut einen Bogen am Abschluss spannt. Aber grundsätzlich hast du natürlich recht.Aber ja, deswegen muss auch jetzt eben was getan werden, denkt man.Aber moralische Empörung allein hätte im Parlament tatsächlich sehr,sehr wenig bewirkt. Warum? Das britische Parlament, das war…Wahrscheinlich heute vielleicht auch noch nicht, aber damals noch viel wenigerkein Organ sozialer Reformpolitik.Es hatte eigentlich wirklich gar kein Interesse an den Armen und was das Parlamentaber verstand, beziehungsweise wofür man sich natürlich begeistert,das ist Geld, finanzielle Mittel. Und hier kommt jetzt Premierminister Robert Walpole ins Spiel.Walpole, der war gar kein Moralist, interessiert ja nicht, ob da in den Airlines-Viertelnirgendwelche Frauen ihre Kinder verwahrlosen, aber er war ein Pragmatiker mit einem Kassenproblem.England führte seit Jahrzehnten teure Kriege, die Staatsverschuldung wächst,der König braucht neues Geld, viel davon und als Walpole dann erkennt,dass eine neue Steuer auf Gin beachtliche Einnahmen versprechen würde,da war dann seine Unterstützung für so den ersten Gin Act dann gesichert unddas Gesetz von 1729, das ist der erste Gin Act, der erhöht dann eben die Abgabenauf aromatisierten Brandwein und führt eine Lizenzpflicht für Schankwürte ein.Aber das Gesetz, das scheitert schneller, als die buchstäbliche Tinte trocknenkönnte. Es fehlt nämlich was Entscheidendes. Könnt ihr euch vorstellen, was?
Marcel
1:50:25
Keine Ahnung.
Heiko
1:50:26
Eine Polizei. Die wird nämlich erst exakt 100 Jahre… Es gibt keine Polizei.Es wird erst 100 Jahre später, wirklich buchstäblich 1829 wird die MetropolitanPolice als erste moderne Polizei gegründet. In dieser Zeit gibt es sowas wie eine Polizei nicht.Was es gab, waren sogenannte Constables.Das waren aber unbezahlte Ehrenbeamte, die zum einen kaum gegen alle vorgehenkönnen und zum anderen oft Nachbarn einfach auch waren, von denen,die sie auch verfolgen sollten, also auch niemanden verhaften würden.
Marcel
1:50:52
Den sie eigentlich kennen.
Heiko
1:50:53
Ja, nee, eher wirklich so wie so ein Amt, das ist keine wirkliche Bürgerwehr,das sind so wirklich einfach einzelne Beamte, die da irgendwie dann Unbezahlt.Die sind auch unbezahlt, genau.Und außerdem waren die, das so als Randnotiz in manchen Fällen auch einfachim Spiritusenhandel auch selbst tätig, also die hatten auch da kein so großes Interesse.Außerdem waren auch die Londoner sehr erfinderisch und fanden schnell einenziemlich einfachen Ausweg, um das Gesetz zu umgehen.Denn, ich hatte es ja gesagt, es wurde eine Abgabe auf aromatisierten Brandwein.eingeführt. Was machten sie? Sie verkauften statt Gin erstmal nur den Rohbrand ohne Wacholder.Technisch gesehen also kein aromatisierter Brandwein und damit nicht verboten.Und sie gaben dem Parlament auch noch einen doppelten Mittelfinger mit.Sie nannten das Ganze nämlich Parliamentary Brandy.Also den Parlament Brandwein. Das Gesetz wurde damit im Prinzip wirkungslosund verlor auch in den folgenden Jahren an Bedeutung.Aber dann eben im Jahr 1734 passiert das, was die Anti-Gin-Kampagne wirklich nochmal neu befeuert.Der Fall Judith Lefour, den wir gerade gehört haben, der Er schlug Wellen,auf denen dann die Bewegung eben reitet sozusagen und 1736 wirklich ein neuesGesetz einbrachte und diesmal war es kein halbherziger Versuch,was dieses Gesetz machte und wie erfolgreich das wiederum war.Seht ihr nach der Werbung? Nein, das hören wir gleich nach dem nächsten Gin, würde ich sagen.
Theresa
1:52:08
Ah.Jetzt waren wir aber immer noch nicht beim…
Heiko
1:52:12
Nee. Na gut, na gut.
Marcel
1:52:15
Okay, warten wir nochmal mit dem Oitom-Nem sozusagen, oder was?
Theresa
1:52:18
Ja, wir müssen uns gedulden. Welchen Gin gibt es denn?
Heiko
1:52:22
Ich kann leider, dadurch, dass ich nicht weiß, was ihr mir sagen wollt,kann ich dir auch nicht sagen, Mann.
Theresa
1:52:25
Ach du, alles gut. Ich meine, die nächsten Gin-Sorten haben auch gar nichtsdamit zu tun, deswegen, also ich freue mich einfach, den nächsten Gin zu kosten.Welches ist denn der nächste?
Marcel
1:52:34
Der nächste wäre quasi der Saigon bei Gur.
Theresa
1:52:38
Super.
Marcel
1:52:39
Genau, der Premium Dry Gin. Ich weiß auch nicht. Ich würde komplett verunsichern,ob es in der richtigen Stelle ist.
Theresa
1:52:44
Natürlich. Wie gesagt, das ist Geschmackssache. Und wenn wir schmecken,es ist Zeit für den nächsten Gin, dann ist es richtig.
Marcel
1:52:51
Ich dachte, wir gehen jetzt weg aus England.
Theresa
1:52:52
Super.
Marcel
1:52:53
Und wir kommen ja nochmal zurück zu Niederländer nachher. Weil es war ja malso Niederländisch und Britisch.Und jetzt gehen wir mal Richtung Global und gehen nach Vietnam tatsächlich.und Bier in den, also genau, das ist aus Ho Chi Minh City, was früher Saigon war.
Heiko
1:53:08
Früher Saigon, ach, deswegen heißt der noch so.
Marcel
1:53:11
Genau, dann lass uns den mal eingießen.
Theresa
1:53:13
Wollt ihr euer Glas noch irgendwie?
Marcel
1:53:15
Ich hab den ausgespült.
Heiko
1:53:15
Ich hab schon auch ausgespült.
Theresa
1:53:17
Ja, ich nicht.
Marcel
1:53:19
Wenn ich Gin koste.
Theresa
1:53:21
Dann rutscht der Kopfhörer immer runter.
Marcel
1:53:23
Wenn du Gin kostest…
Theresa
1:53:24
Also wenn ich es so am Glas, wenn ich meinen Kopf zurücknehme,dann rutscht der Kopfhörer runter. Soll ich…
Heiko
1:53:29
Ja, vielleicht kannst du das übernehmen.
Marcel
1:53:31
Naja, vielleicht können wir was sagen. Die Flasche ist besonders.
Theresa
1:53:35
Sieht irgendwie aus wie so ein Igel.
Heiko
1:53:37
Ich habe an irgendwie eine Frucht gedacht. Ananas oder die Drachenfrucht. Ah, stimmt.
Marcel
1:53:43
Also es soll ein Drachenei sein.
Heiko
1:53:45
Drachenei sogar, okay.
Theresa
1:53:48
Eindeutig. Klassisches Drachenei, würde ich sagen.
Heiko
1:53:52
Game of Thrones Gin.
Marcel
1:53:54
Also wir haben jetzt wieder einen Dry Gin. Wir haben glaube ich,dadurch, dass wir die Gin-Arten übersprungen haben, haben wir gar nicht gesagtso richtig, was ein Dry Gin ist.Aber ein Dry Gin ist relativ easy, wie auch beim Wein haben wir hier möglichst wenig Zucker.Und dry ist es, wenn es unter 0,1 Gramm ist.
Theresa
1:54:11
Ja, also was nochmal spannender ist, zu sagen, was ein London Dry Chin ist,weil ein London Dry Chin, wolltest du das noch?
Marcel
1:54:18
Nö, sag das.
Theresa
1:54:18
Das bedeutet nicht, dass der aus London kommen muss, Monkey 47,da haben wir ja vorhin kurz schon mal drüber gesprochen, die haben zum Beispielin ihrem Namen, ich nehme mal an, als Wort wird es Schwarzwald Dry Chin stehenund da gibt es die engsten Regularien beim London Dry Chin, also da…,Ja, also es ist jetzt eh, Gin ist nicht wie, ich glaube, das haben wir schonmitbekommen, nicht wie ein Champagner oder Wein.Also da ist es relativ einfach, vielleicht einen Gin herzustellen und auch Ginzu nennen, vielleicht einen guten.Da braucht man vielleicht dann doch mehr können oder es muss sich dann dochein bisschen mehr reinfuchsen.Und dieser London Dry muss eben eben dieses Mindestalkoholgehalt einhalten.Allerdings auch die anderen Gin-Sorten, die meisten nehme ich an.Und die Zutaten müssen alle zum gleichen Zeitpunkt Destillationsprozess hinzugefügtwerden. Und beim London Dry ist nicht im Nachhinein noch eine Mazeration,also das ist eben so eine sehr typische und traditionelle Art Gin einzulegen, gerade im 18.Jahrhundert, wo wir uns ja gerade geschichtlich befinden, dass man eben dieZutaten alle in einen Zuber wirft und ordentlich durchziehen lässt.Und ja, also genau, also bei einem Blunden Dry Gin ist eine Maceration im Nachgang nicht erlaubt.Und der Zuckergehalt darf 0,5 Gramm pro Liter nicht überschreiten.Keine künstlichen Aromen sind erlaubt.
Marcel
1:55:38
Genau, keine künstlichen und auch keine Zusatzstoffe, eigentlich nur Wasser,mit Wasser verdünnen darf man es dann auch.
Theresa
1:55:46
Beim Dry Gin ist es nochmal ein bisschen lockerer wieder.
Marcel
1:55:52
Beim New Western, den wir davor hatten und jetzt ja auch, kann man dann quasiein bisschen mehr rumspielen und auch danach noch aromatisieren.
Theresa
1:56:00
Aber es ist tatsächlich gar nicht so leicht rauszufinden, wie die Chinsotteneinzuordnen sind beim Tonic Water.Aber das ist nochmal auch eineganz eigentlich auch geschichtlich sehr spannende eigene Story für sich.und aber es ist, ja, also manchmal habe ich auch das Gefühl,ah, wir haben hier ein sehr gutes Tonic, einen sehr guten Chin und bin mir nichtsicher, ob die Hersteller vielleicht selbst ihr Produkt richtig einordnen,was auch nicht schlimm ist, aber was ist natürlich, wenn es einen interessiert,das endverbrauchende Person irgendwie ein bisschen, ja, ist ein Fragezeichen hinterlässt.
Marcel
1:56:32
Ja, wollen wir mal probieren?
Theresa
1:56:34
Ja, gerne.
Marcel
1:56:35
Also ich glaube, ich wollte eigentlich noch mal fragen, was auch spricht,aber Chukmung oder so heißt das auf vietnamesisch.
Theresa
1:56:42
Das wusste ich nicht.
Heiko
1:56:43
Du guckst mich so fragend an.Ui, der riecht intensiv.
Theresa
1:56:49
Ich freue mich, dass du den genommen hast. Das ist einer, den wollte ich ganz lange probieren.Und im Motel One gab es den eben nur mit Feverdreamer, der Tyrion,glaube ich. Aber ich habe ihn dort dann pur.
Heiko
1:56:59
Achso, das wollte ich gerade fragen. Die zwingen dich ja nicht, den Tonic da zu nehmen.
Theresa
1:57:02
Nee, das stimmt. Und ich habe den tatsächlich dieses Jahr in der Weihnachtszeitim Motel One das erste Mal probiert.
Heiko
1:57:08
Der riecht sehr angenehm. Ich finde den wirklich schöner.
Marcel
1:57:11
Der riecht super würzig. Ich habe, jetzt wo ich den zuerst gerochen habe,habe ich gedacht, so Garam Masala, was wir auch schon mal gemacht haben,also so ein indisches Gewürz, wo du Koriander, grünen, schwarzer Kardamom mit dabei hast.
Heiko
1:57:24
Das stimmt, so ein bisschen Kardamom. Also bei Koriander ist es tatsächlich auch drin.
Marcel
1:57:27
Bei Kardamom nicht so raus. In den Botanicals haben wir auch Kardamom dabei.Schwarz und grün, aber ich glaube nicht, dass du den so intensiv rausschmecken wirst.
Heiko
1:57:35
Achso, schmecken.
Theresa
1:57:37
Der hat auf mich gerade total die Zitrusnote, aber ich finde,das ist eh spannend mit Geschmack.
Marcel
1:57:42
Dann lass uns doch das nächste Bild mal anschauen, wenn du gerade sagst.Und zwar, da sieht man nämlich eine Frucht, die drin ist.Und zwar ist das die Frucht Buddhas Hand.
Theresa
1:57:52
Also das sieht aus wie ein Kunstwerk.
Marcel
1:57:54
Das ist crazy Frucht, ne?
Heiko
1:57:56
Ist das KI generiert?
Marcel
1:57:58
Das ist tatsächlich eine Frucht.
Theresa
1:58:00
Kann nicht echt sein.
Heiko
1:58:01
Achso, wie immer natürlich auch dieses Bild, das nächste in unserer Galerieauf Instagram und in den Shownotes.
Marcel
1:58:06
Ich hätte mich aussprachentechnisch informieren, hatte ich sogar vor,habe ich aber einfach vergessen zu unserem Pizzabend.Fatou, das ist glaube ich, also, wie heißt das? Das ist prinzipiell eine Zitratzitrone,also auch eher eine Zitrone, die keinen Saft hat, eigentlich sondern von derSchale und dem Mark lebt und super intensiv ist.Die wird gerne auch als Opfergabe für Ahnen in Tempeln vergeben.Also jedenfalls ist die drin, also diese Gin, was den Gin besonders macht,ist, dass die neben ein paar klassischen Sachen sehr viel lokal aus der Gegend sozusagen nehmen.Also wir haben auch drin, das riecht man jetzt, finde ich, nicht,also wo ich den zuerst getrunken habe.
Theresa
1:58:47
Zimt vielleicht.
Marcel
1:58:48
Zimt ist drin.
Heiko
1:58:49
Stimmt.
Marcel
1:58:49
Das riecht man.
Heiko
1:58:51
Ja, voll.
Marcel
1:58:53
Ja, Simt ist auf jeden Fall auch drin.
Theresa
1:58:55
Ich finde, der ist vom Geruch, also er ist total nah an den Bobbys,wo ich hier diesen Myrest mitgebracht habe.
Marcel
1:59:02
Mal nachlegen. Was auch drin ist, was besonders ist, was ich jetzt nicht rieche, ist Lotusblüte.
Heiko
1:59:08
Da weiß ich auch ehrlicherweise gerade gar nicht, wie Lotusblüte riecht.
Marcel
1:59:11
Also man kennt es.
Theresa
1:59:12
Das meintest du am Freitag schon beim Telefonat.
Marcel
1:59:16
Ich hatte es nämlich so gerochen und so weiter, auch im Botanical-Feld.Da ist so Lotusblüte drin. Und ich dachte so, fuck, wie riecht Lotusblüte?
Theresa
1:59:25
Du hattest Lotusblüte irgendwo drin?
Marcel
1:59:28
Nee, hat er gesagt gehabt, das riecht so nach Lotusblüte oder Lotusblüte ist da drin und so.Und ich dachte so, ich habe noch nie eigentlich Lotusblüte.
Theresa
1:59:37
Ah, okay.
Marcel
1:59:37
Genau. Prinzipiell ist das so eine Seerosenart, ne?
Heiko
1:59:44
Okay, er schmeckt anders, als er riecht. Aber ich finde, er schmeckt…
Marcel
1:59:47
Lass mich probieren.
Heiko
1:59:48
Achso, ich dachte… Sorry, sorry.
Theresa
1:59:50
Ich habe vorhin auch als Erste.
Marcel
1:59:51
Ja, passt.
Heiko
1:59:52
Ich finde, beim Geschmack kommt die Zitrusflüchte stärker raus als das Kardamom.
Marcel
1:59:58
Ich finde, der schmeckt richtig gut.
Heiko
2:00:01
Lecker. Den kann man wirklich gut pur trinken.
Theresa
2:00:04
Ich finde, der hat echt so eine ganz tolle Vielschichtigkeit.Und was ich bei dem auch ganz toll finde, dass er im Geschmack viel markanterist, finde ich nochmal, als im Geruch.Also ich bin ganz froh, die Citrusaromen sind da, aber sie überwiegen nicht.Also ich finde ihn im Geschmack viel würziger und auch pfeffriger.
Heiko
2:00:21
Ja, aber es schmeckt trotzdem schon die Citrus raus, finde ich.Aber es überlagert nicht alles.
Theresa
2:00:26
Ja, total.
Marcel
2:00:29
Und im weitesten Sinne, glaube ich, auch so ein bisschen floral,kann man schon sagen, wobei ich mich schwer tun würde, da jetzt eine spezifische…
Heiko
2:00:36
Lotusblüte.
Theresa
2:00:36
Aber es ist auch immer die Frage, also auch wenn wir jetzt in der Bar die Leutebedienen und dann eben versuchen den passenden Gin, das passende Tonic zu wählen,es gehört auch ganz viel Feingespür dazu und man hat natürlich auch,es ist auch immer abhängig davon, was ist los, wie viel Zeit hat man,aber in welchem Spektrum befinden sich die Leute, auch geschmacklich,weil jetzt hier auch in einem Landen-Try-Bereich, da gibt es ein riesen Spektruman Geschmacksnuancen, Aber wenn dein Spektrum eher so New Western Dry mäßigCitrus meint, also volle Kanne,dann kannst du da nicht mit einem London Dry Gin um die Ecke kommen,weil da, klar, in jedem London Dry Gin ist auch Citrus drin in unterschiedlicher Ausprägung.Also es ist gar nicht so easy immer zu wissen, wo man die Leute abholen kann,also geschmacklich und was sie sich wünschen.
Marcel
2:01:28
Also ich hatte nur die eine Anekdote, wo ich, also es gab auch mehrere von denen,wo ich jetzt in den Gin Bars war, das war nicht eher so…Ich will einfach einen Gin. Mach einfach irgendwas. Hopps, das knallt.Hast du das gesagt? Nein, das war tatsächlich daneben kam irgendwie so eineGruppe von ein paar Männern, die einfach irgendwas haben, was irgendwie,oder in der anderen Bar war das einfach so wie ist das eine Ginbar,ich kriege jetzt kein Bier. Dann macht man einfach irgendwas.
Heiko
2:01:58
Generell, also das wollte ich vorhin auch schon einmal, ja, hier ist es natürlichirgendwie so handwerklich und dann vielleicht da noch und so.Aber es gibt ja auch, also für mich, nicht für mich persönlich,aber so für mich, wie ich es wahrnehme, auch so ist Gin Tonic auch mittlerweileso ein typisches Partygetränk geworden, was du auf einer Homeparty,in einer WG-Party wurde es dann halt einfach nur irgendein Gin mit dem,irgendeinem Ding ist und dann geht’s dann,ja ich trinke einen Gin Tonic, aber das ist auch wirklich dann auch egal,ob es am nächsten Tag Kopfschmerzen gibt und wie er schmeckt.
Theresa
2:02:23
Ja, aber das funktioniert ja auch voll gut und ich finde auch trotzdem selbst,und das muss auch noch erwähnt sein, weil ich finde auch billiger Gin,ich finde ihn trotzdem nicht schlecht.
Heiko
2:02:33
Ich wollte auch generell auch das nicht despektieren, ich wollte Weil jetztauch niemanden, der jetzt Gin Tonic nur deswegen trinkt, irgendwie despektiert ist es für sich.
Theresa
2:02:40
Das ist mir so aufgefallen. Es kann durchaus funktionieren, jetzt im Gegensatzzu einem billigen Whisky.Also das finde ich, schmeckt man sofort, dass das irgendwie nicht ganz passt und ganz stimmen kann.
Heiko
2:02:53
Beim Geschmack würde ich dir zustimmen. Ansonsten finde ich schon,wenn ich dann mal auf so einer WK Party oder so auch wirklich so den…oder halt einfach so diesen, ich sag mal, Massen-Supermarkt-Gin da getrunkenhabe. Ich merke es am nächsten Tag halt mehr, so im Kopfschmerz oder so.Ich weiß nicht, ob da mehr irgendwie diese Fuselstoffe…
Theresa
2:03:09
Ich finde, das ist das Tonic oftmals. Das billige Tonic.Damit habe ich ein Problem. Also so die No-Names aus dem Supermarkt.Aber ich finde auch, der billige Gin, der hat halt meistens eine total krasseWacholdernote und jetzt nicht irgendwie ein feines Geschmackskonstrukt,würde ich mal so behaupten.Aber ich finde, eignet sich auch gut, Wenn man jetzt zum Beispiel zu Hause sagt,ich möchte gern den Gin noch einlegen,also so mache ich das auch oft, dass ich mir so einen wirklich sehr günstigenGin hole und dann da irgendwie mit Basilikum und dann mache ich halt Gin-Basis-Smash zu Hause, weil klar,man kann auch einen besonderen Gin nehmen und auch jetzt gerade mit dem,den wir gerade trinken, das wäre bestimmt schmackhaft, aber ich finde es dannauch schon teilweise wieder ein bisschen zu schade,da noch eins draufsetzen zu wollen.Habe ich schon alles ausprobiert und finde ich auch gut, teilweise auch besser,aber ja, ich würde da eher einen Gin nehmen, wo es jetzt nicht,ja, ich möchte da nicht dran rumfuschen an einem tollen Gin eigentlich.
Marcel
2:04:10
Ich habe den als Sour getrunken und fand den richtig gut.Also da kam zumindest ein eigener, also für mich war das der,du hast ja manchmal auch so Superlative, aber für mich war das vom Sour so der Beste,also der Beste mit Beste, weil der einfach, da kam die eigene Note schon irgendwiemit durch und ich fand den Sour nicht richtig besonders nochmal. mal.Also wir kommen gleich nochmal zum anderen, der war auch besonders.
Theresa
2:04:38
Ja, ich bin sehr überrascht, dass du, weil ich mich, das meintest du glaubeich am Freitag auch kurz im Telefonat, dass du den als sauer getrunken hast,weil ich kann mich gar nicht daran erinnern.Ich erinnere mich immer, also ich erinnere mich schlecht an Namen und Gesichter,aber ich erinnere mich eigentlich immer an das, was Leute getrunken haben,aber vielleicht, weil ich mal nicht gearbeitet habe.
Heiko
2:04:55
Ah, das hast du aber auch dort getrunken oder hast du das vielleicht.
Marcel
2:04:57
Verwechselst du es gerade, du hast in einer anderen Bar getrunken.Ich habe den da getrunken. Nein, ich glaube, da warst du kurz weg gewesen.Natürlich.
Theresa
2:05:04
Es passiert Doch äußerst selten, also dass ich an der Bar bin und nicht arbeite.Also so, das war total kurios. Das habe ich irgendwie seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht.Vor allem in der Bar, in der ich, also so gerade bin ich in zwei Bars so ein bisschen nebenher.Und dass ich da mal hingehe, auch wenn ich die mag und dann natürlich,dass irgendwie auch ein Zuhause ist, aber dann an der Bar sitzen ohne zu arbeiten,es ist ganz, ganz komisch.
Marcel
2:05:28
Du konntest es ja auch nicht. Du hast ja auch ein bisschen mitgearbeitet.
Theresa
2:05:31
Ich habe ganz, ganz ein bisschen abgewaschen.
Marcel
2:05:35
Aber jetzt war genau die Zeit, als er gerade den Sauer… Zum Gin zurück.Also Lotus oder so, weiß ich nicht, oder? Keine Ahnung, oder was Florales.Ich tue mich selber immer schwer, ehrlicherweise, mit so floralen Noten.Also, dass ich es festmachen könnte. Mir geht es auch so mit wie dir.Ich weiß nicht, wie Lotus richtig. Ich habe auch mal geguckt,ob man es irgendwo bekommen kann.
Heiko
2:05:54
Aber ich finde schon, also das Florale, ja. Und ich habe das Gefühl,also es erinnert einen schon.Ich weiß nicht, ob es Lotusblüte oder was auch immer ist. Aber es erinnert einen schon so an…Asien irgendwas. Also so Asien-Backpacken irgendwie, ob es jetzt Vietnam oderThailand, also ohne dass ich das greifbar machen kann.Vielleicht ist es die Lotusblüte. Aber irgendwie muss ich da wirklich an soein Buddha-Tempel oder so denken bei dem Geschmack.
Marcel
2:06:17
Das Witzige ist, Lotusblüte hat man ja auch was Positives so gleich oder diesenLotus-Effekt und so im Kopf.Aber generell ist das ja eher eine Pflanze, die im dreckigen, trüben Wasser wächst.Also so ist es halt so wie so eine Art Seerose. Sieht super schön aus.Aber man isst eigentlich auch diese Wurzeln und so von Lotusblüte,das kennt man wiederum Japanen.Wollen wir kurz noch zu der Story von Saigam Baigur kurz sprechen.Und zwar wurde das gegründet von.
Theresa
2:06:46
Männern?
Marcel
2:06:47
Genau, zwei Männern.
Heiko
2:06:49
Ich finde das wirklich spannend, dass quasi die Historie, die wir erzählen,super weiblich geprägt ist und jetzt heute aber die ganzen Gins,die wir trinken, super männlich geprägt sind.
Marcel
2:06:57
Es gibt auch Gins, es gibt auch welche auf jeden Fall, die von Frauen,aber es ist irgendwie sehr überraschend, weil wir haben sonst von den beideneigentlich immer sehr viel gemischte Storys oder man kommt auch darüber undes gibt irgendwie die Winzerin.Hier ist zumindest bei denen jetzt sehr dominant und der ist tatsächlich auchsehr jung, Wurde 2020 gegründet, also wirklich noch sehr frisch von zwei Niederländern,was wiederum dann natürlich auch historisch jetzt wieder noch eine kleine Votel schlägt.Von Jochem Lisser und Florian Dreismar.
Heiko
2:07:26
Darf ich ganz kurz einen Haken nur fragen? Wahrscheinlich ist es dann ja wirklich,wahrscheinlich war es generell bei Brand und so nicht relevant.Wir haben bei Wein oder auch beim Whisky oder so, da sprechen wir ja schon auchvon Lagerzeit und von Jahren oder so, dass hier bei so einem Brand wahrscheinlichgar nicht, spielt keine Rolle, weil jetzt gerade die Firma ist jung, aber jetzt nicht die.
Marcel
2:07:41
Nicht unbedingt, kommen wirglaube ich noch zu, aber auf jeden Fall nicht wie bei Wein und Whisky, ja.Die wurde, also sind zwei Niederländer, aber wurde gegründet in Ho Chi Minh Stadt.Und so der Background war, dass es da prinzipiell noch keinen Gin gab,der vorher dort gemacht worden ist.Das ist also der erste, also man weiß jetzt natürlich nicht aus der Perspektive der erste.Vielleicht gab es auch einen, der nur einfach nicht so bekannt war.Und es dauerte irgendwie zwei Jahre und über 50 Experimente, bis das Rezept stand.und wurde von den beiden inspiriert, weil die mit dem Motorrad,Auch so Backpacking-mäßig, aber mit Motorrad. Ich wollte es ehrlicherweise.
Heiko
2:08:18
Ich wollte kein so ein Stereotyp machen, aber ja, also, weil ich war,du weißt das nicht, aber ich bin auch, ich war in Asien Backpacking,aber auch in Südamerika für mehrere Monate und habe eigentlich wirklich sehr,sehr viel, also Deutsche trifft man sehr viel,aber man trifft nach den Deutschen am meisten Niederländer tatsächlich.Ich habe wirklich sehr viele Niederländer kennengelernt.Deswegen habe ich irgendwie gedacht, als du gesagt hast, die sind da in Vietnam,zwei Niederländer, ich habe es mir irgendwie gedacht, dass das so Backpackersind, die da irgendwie dann in Anführungsstrichen hängen geblieben sind, um Gin zu machen. Passt.
Marcel
2:08:44
Also genau, die Botanicals… Ach.
Theresa
2:08:46
Sind die auch wirklich dort hängen geblieben, weißt du das?
Marcel
2:08:48
Ja, sind hängen geblieben, genau. Die sind dann… Das klingt jetzt wieder sonegativ. Also sie hängen geblieben sind ausgewandert.
Theresa
2:08:56
Sie sind ausgewandert.
Marcel
2:08:57
Tatsächlich, ja. Ah, spannend. Diese Motorradtrips haben sie dann in verschiedeneEcken von Vietnam sozusagen geführt und daher jetzt auch dann die Boddashan, die Lotusblüte.Es gibt halt die ganzen Botanicals, die jetzt nicht aufgezählt haben,haben halt irgendwie einen Background-Richtung, kommt aus der Ecke,kommt aus der Ecke und so weiter. Also so ein bisschen die Marketing-Story wieder.Der Jochim selber war vorher, also der quasi das Gesicht wiederum auch für denGin, war vorher im Boot-Business gewesen in Utrecht, ist dann 2002 nach Vietnam als Expat.Und seitdem auch tatsächlich in Vietnam. Also er ist dann nicht nur, also schon länger da.Er hat verschiedene Sachen gemacht dort. Ich habe auf LinkedIn auf den Profilgeguckt, kann man das so sehen.Er hat irgendwie so eine Food-Plattform gestartet. Er ist irgendwie involviertbei der Saigon Boat Company, also kam er ja vorher, ist er dann irgendwie da auch wieder drin.Und der andere Florian hatte vorher Operations gemacht und ist mittlerweileaber wieder raus, ist wieder zurück in Niederland und macht da irgendwie wasin Software-as-a-Service-Business.Der Name selbst vom Jin kommt natürlich von Saigon, der Stadt Ho Chi Minh,so ein bisschen der historische Name, hatten wir schon gesagt.Und bei Gua war die erste bekannte Siedlung in der Gegend sozusagen,so ein Außenhandel für Fisch und Gewürze.Und deswegen das so ein bisschen der Background vom Namen ist.Und der Djinn selber wird auch tatsächlich in Ho Chi Minh Stadt destilliert.Hätte jetzt auch sein können, dass sie einfach nur die Sachen überschicken.Nee, wird da und zwar im Wilden Osten von Ho Chi Minh Stadt.Ich weiß aber jetzt auch noch nicht da, du wahrscheinlich auch noch nicht.
Theresa
2:10:34
Wird der Osten dort Wilder Osten genannt?
Marcel
2:10:37
Ja, White East. District 9 ist so der White East.
Heiko
2:10:41
Ich habe mich auch über den Begriff gerade gewohnt.
Marcel
2:10:44
Wird auch in so einer Kupferbrennblase, die hatten wir jetzt auch häufiger schongehabt, die aus Europa importiert worden ist.Also da gibt es wahrscheinlich auch nochmal, da kann man sicherlich auch reingehen,wie dieses Distillen in Europa oder in Deutschland hergestellt wird.Der den Gin macht selber, ist etwas quasi unbekannter. Also da gibt es nicht so viel Infos.Ich kann es jetzt wahrscheinlich ganz schlecht aussprechen. Puh, ein Gin?Bitte was. Aber er, also er ist auf jeden Fall jemand local,der da auch die Gin-Produktion macht.Er ist Master Distiller und ist so ein bisschen der Unsung Hero.Also er wird, wenn man jetzt auf TripAdvisor guckt, wird er schon genannt sozusagen.Er macht auch die Führung lokal, aber es ist jetzt nicht so,dass man super viele Infos von ihm jetzt gerade rausbekommt,im Rahmen meiner Recherche.Bei der Flasche, du hast ja gerade nochmal eine Hand, das ist für mich jetzt bei Gin sehr auffällig.Ich weiß nicht, ob das in anderen Spiritosen auch so besonders ist,dass es wirklich sehr viel Aufwand in die Flaschen formen und wie macht man den.und es ist einfach ein Thema, ich habe auf mich mehrere Podcasts gehört,wo es denn darum ging, wie findet man den richtigen Flaschenproduzent,um dann seinen Gin zu machen, um dann ihn besonders zu machen.Es ist halt dieses Drachenei und das hat in der vietnamesischen Mythologie wiejedenfalls auch wieder so ein Symbol für Stärke und Wohlstand und bringt Regen.Und die sagen selber zu sich, du präsentierst das so schön, dass sie auch ein Sin Like No Other sind.Also da haben wir das. Ja, ich habe es gerade hier hinten drauf gelesen.Ja, genau, auf der Flasche.Und wird mittlerweile auch gut exportiert, also auch in 50 verschiedene Länderund kam, glaube ich, so die letzten zwei, drei Jahre dann.
Theresa
2:12:20
Ja, der war plötzlich da und dann habe ich ihn öfters mal gesehen und er ist ja auch sehr auffällig.Und was ich immer für mich spannend finde, also ich probiere eh gerne alles,was ich noch nicht kenne, aber auch irgendwie eine Ländervielfalt.Also wenn ich vor allem Schinsorten, die dann aus einem Land kommen,wo ich nicht so viel kenne, das finde ich dann irgendwie toll zu haben im Sammelsurium.
Marcel
2:12:43
Genau, damit wir nicht super eskalieren, würde ich sagen, gehen wir zurück in die Geschichte.
Theresa
2:12:49
Ich wollte jetzt noch die Gelegenheit nutzen, bevor es mit dem geschichtlichen Part weitergeht.Hier, das ist auch wirklich, es ist peinlich, die Flasche ist dunkel.Ich wollte euch kurz den Bobbys Gin zeigen, weil der einfach geschmacklich sehr spannend ist.Er ist auch gar nicht unbekannt und der passt eben sehr gut zu dem viannamesischenGin, den wir jetzt davor getrunken haben. Und zwar der Bobbies ist ein Gin ausden Niederlanden und das Rezept ist ein indonesisches Rezept.Da drin ist sowohl Zitronengras, Koriander, Pfeffer,Gewürznake, Zimt und es hört sich alles ziemlich viel und nach starken Geschmäckernan, aber alles zusammen ist irgendwie dann doch bunt und sehr markant und esist auch ein sehr beliebter Gin.
Heiko
2:13:31
Ich finde es spannend, weil ich gerade sehe, auf der Flasche steht Shidam DryGin und Shidam, das habe ich jetzt hier nicht mit drin, aber es ist im Prinzipja wirklich die Region oder die Stadt gewesen, wo es die ganze niederländischeGin-Produktion im 16.1700 so richtig losging und Fuß gefasst hat.Ah, ich reichte mal mein Glas. Vielen Dank.Da tropft es richtig raus wie in der Destelle.
Theresa
2:13:49
Ja, ich glaube, es ist echt nicht viel. Es ist das Fiese mit so dunklen Flaschen.
Marcel
2:13:56
Stimmt, man sieht nichts.
Heiko
2:13:57
Von meinem Glas, bei Marcel noch mal.
Theresa
2:13:59
Ja, es ist wirklich nicht viel. Das hat sich total gelohnt, die Flasche mitzuschleppen.Also die Flasche ist nicht besonders leicht.
Marcel
2:14:06
Achso, Vorsicht, dein Laptop.
Heiko
2:14:09
Hast du jetzt noch was?
Theresa
2:14:11
Also wenn ich direkt aus der Flasche trinke.
Marcel
2:14:13
Dann… Dann bräuchte ich jetzt auch mal ein Foto.
Theresa
2:14:19
Ich probiere gleich, ob da was rein gegangen ist. Nein, nein,mach kein Foto. Fotos verwirren nicht.
Marcel
2:14:25
Da werde ich schüchtern. Dann Tiers, also was ist in Niederländisch? Ich habe vergessen.
Heiko
2:14:33
Niederländisch?
Marcel
2:14:34
Ja. Er riecht aber super zitrisch, ne?
Theresa
2:14:37
Ja, ich finde auch, also es werden unterschiedliche Sachen gesagt,aber ich finde das Zitronengras sehr markant.
Marcel
2:14:43
Ja, voll.
Heiko
2:14:43
Oh ja.
Theresa
2:14:44
Also ich finde es, ja, also auch diese Frucht, diese Zitrische im Baigur,den wir da vorgetrunken haben, also geruchlich fand ich den schon sehr nah an dem, wie er schmeckt.
Heiko
2:14:57
Also ich habe jetzt schon einen Schluck genommen, ne? Ja, super.Aber ich verstehe quasi, warum du gesagt hast, der passt jetzt. Also man merkt schon.
Theresa
2:15:05
Also irgendwie haben die eine Ähnlichkeit.
Heiko
2:15:06
Vielleicht ist es irgendwie dieses asiatische Florale.
Theresa
2:15:10
Also ich finde den bei Gou nochmal markanter und würziger.
Marcel
2:15:14
Würziger, genau. Aber der hat auch so dieses Simtige, aber hat noch ein bisschenvorne dieses wirklich, wie du sagst, Citronengras.Ich meine, beim Kochen wird ja das Citronengras auch so benutzt,dass man das irgendwie reinhängt und so weiter dementsprechend.
Heiko
2:15:28
Dann wieder einfach rausnehmen. Ja, zu einem Curry oder so.
Theresa
2:15:33
Also ich habe eine Kollegin, die sagt dazu, nimm zwei Chin.Kennt ihr diese Nimm zwei Kaubonbons? Manchmal knackt das immer so drauf.
Heiko
2:15:42
Und dann ist da drin dieses Weiche.
Theresa
2:15:44
Ja, ich finde, es ist gar nicht so verkehrt und sauer mit den Bobbys.Schmeckt sehr gut, also kommt auch gut an.
Heiko
2:15:54
Ja, cool.
Theresa
2:15:56
So, jetzt ist er schon leer nach drei Tropfen.
Heiko
2:16:00
Es ist Tropfen wie so aus so einer Distillationsblase tropfte es noch daraus,das passt doch eigentlich für einen kleinen Eindruck,Schön. Ja, wo waren wir vorher? In der aufgeheizten Stimmung nach Börsencrashund Pestangst wurde Djinn eben zum Sündenbock für die Krisen der Stadt.Politiker, Moralreformer und eben auch Teile der Öffentlichkeit,die erklärten jetzt Djinn offen den Krieg.Der Mordfall Judith de Four, die würde für die Gegner des Dschins eben wirklichzum Symbol einer ganzen Epoche, wenn man so will, für sie schien ja zu beweisen,dass eben der billige Schnaps die Armen Londons moralisch und sozial zugrunde richtet.Und im Parlament begann nun der Versuch, wirklich den Dschin ein für alle Malunter Kontrolle zu bringen.Denn das, was 1736 dann verabschiedet wurde, das kam wirklich faktisch einemVerbot gleich, wirklich Prohibition.Eine Einzelhandelslizenz für Spirituosen, die kostete fortan 50 Pfund im Jahr.Zum Vergleich zum Einkommen von etwa 20 Pfund, galt damals bereits als Existenzminimum.Und viele qualifizierte Handwerker und Angehörige der beginnenden Mittelschicht,die lebten mit etwa 40 bis 50 Pfund.Also das, was da wirklich eine Schanklizenz kostet. Dazu kam dann auch eineSteuer von 20 Schilling pro Gallone Gin im Einzelhandel,also pro 4,5 Liter, wenn also jetzt ein Händler eine Lizenz kaufen muss unddie Steuer dann und beides irgendwie auf den Preis aufschlägt,was ja gemacht werden muss, sonst machst du ja keinen Gewinn,dann kommt man schon sehr nah an das für so ein Dram,was dann ein armer Mann oder eine arme Frau für eine Woche Unterkunft ausgeben musste.Also das heißt, das kannst du dir eigentlich nicht mehr leisten.Und William Pulteney, zwar einer der wenigen Abgeordneten im Parlament,denen diese Ungerechtigkeit auffiel, also so eine Ungerechtigkeit,dass jetzt quasi so ein reiches, wohlhabendes Parlament die Gewohnheiten derArmen beschneiden wollte.Er sprach das offen aus, er zitat, er sagte, Ein armer Geselle oder Tagelöhnersoll keinen Dram mehr trinken dürfen, während ein Mann, der reich genug ist,8 oder 10 Schilling auf einmal auszugeben, so viel trinken darf, wie er will.Aber er war der Einzige, der das erkannte und so redete. Das Gesetz wird verabschiedet.Poultenay nannte es eines der kühnsten politischen Experimente,das je in einem freien Land gewagt wurde.Als wolle man prüfen, wie weit sich unser Volk fügen und gehorchen werde.Und diese Prüfung sollte interessant werden. Am Vorabend des Inkrafttretensfüllten sich die Gin-Läden vermeintlich ein letztes Mal. Scheingräber wurden ausgehoben.Trauerprozessionen zogen durch die Straßen und Fackeln in den Händen.Madame Geneva wurde wirklich symbolisch zu Grabe getragen.Ich habe auch davon ein Bild mitgebracht. Das könnt ihr euch in der Galerieals nächstes anschauen.Das ist ein satirischer Kupferstrich, der eben eine solche Prozession in St.Charles zeigt. Vielleicht könnt ihr gerne nochmal versuchen zu beschreiben, was ihr seht.Für alle, die das vielleicht gerade nicht sehen können.
Marcel
2:18:44
Es gibt so eine Armee im Zentrum des Bildes. Ist das eine Armee?
Heiko
2:18:48
Das ist keine Armee, sondern das sind Männer mit Schürzen, also wahrscheinlich Wirte.
Marcel
2:18:52
Wirte, okay. die so armeemäßig auftreten.
Theresa
2:18:56
Aber der Schritt ist nicht so zackig oder also es ist nicht so ein Stechschrittwie bei einer Armee, würde ich sagen.
Marcel
2:19:04
Davor kloppen sich oder davor gibt es ein bisschen Gewusel.
Heiko
2:19:08
Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht Theresa beschreiben lassen möchte. Es war wirklich…
Theresa
2:19:13
Also es ist…Wird hier auch, ist das?
Marcel
2:19:17
Ein Hund, das Hund.
Theresa
2:19:19
Es gibt mehrere Hunde. Ist das der Sarg?
Heiko
2:19:23
Genau, ganz vorne ist der Sarg.
Theresa
2:19:25
Das ist der Sarg und dahinter, das verstehe ich nicht ganz, die Person,so eine halbnackte Person, die aber auch direkt hinter dem Sarg einen Trauerzug anführt.Und das ist ein Spektakel, also die Leute nehmen das ernst, es gibt eben diesenTrauerzug und es wird auch von den Balkonen runtergeschaut. Die Kinder sindextra so einen Torbogen hochgeklettert, um vielleicht noch was sehen zu können davon.Und auch die, die schon auf dem Boden rumlungern und liegen,weil sie zu viel Chin verköstigt haben, schauen da so ein bisschen rüber.Also es ist schon so das Spektakel der Stadt.
Heiko
2:20:02
Absolut, absolut, genau. Man sieht wirklich im Vordergrund auch wieder so einbisschen Elend und Verwahrlosung, auch bei Frauen, die übereinander herfallen.Also da erkennt man wieder dieses Muster.Man erkennt zum Beispiel auch, das hattet ihr jetzt nicht gesehen,direkt unterhalb des Sarges, also es ist dieser Sarg von Madame Geneva,man sieht auch oben so ein Glas und ein Krug noch so draufstehen und das wirdgerade in den Friedhof geführt und diese Prozension von Wirten geht halt hinterher dran.Aber direkt unterhalb des Sarges, das fand ich wieder sehr bezeichnend,gießt sich eine Frau und das ist wieder offenbar eine Mutter mit so einem Kindam Bein, noch so ein Glas Gin noch schnell ein.Also auch hier, wir finden wieder dieses Motiv von dieser trinkenden Frau,auch wirklich von Mother’s Ruin, auch in diesem Kupferstich.
Theresa
2:20:37
Ja, es sind auch irgendwie nur Frauen, glaube ich, die da betrunken auf demBoden rumliegen. Es gibt einfach nur junge Frauen oder verdorbene Frauen.
Heiko
2:20:46
Also das ist, also man erkennt wieder wirklich was, vor allem auch wer da vielleichtda was aufzeigen wollte.Genau, also das Gesetz tritt also in Kraft. Madame Geneva wird,wie man sieht, zu Grabe getragen. Was passiert dann?Was glaubt ihr?
Theresa
2:21:02
Na ja, die Leute sind ja schlau und finden Wege.
Heiko
2:21:06
Exakt, im Prinzip genau wie vorher. Missachtung. Also eigentlich passiert erstmal nicht viel.Von den schätzungsweise 10.000 Gin-Verkäufern und Verkäufern in London kaufengenau zwei die neue Lizenz.Alle anderen verkaufen einfach illegal weiter.
Theresa
2:21:20
Das ist super, dieses große Spektakel und dann geht es genauso weiter wie davor.
Heiko
2:21:23
Gin verschwindet nicht, es geht einfach in den Untergrund. Dazu trugen auchMänner wie Captain Dudley Bradstreet bei. Das war so ein ehemaliger Soldat,aber auch eher so ein Hochstapler, chronisch verschuldet.Und als die Prohibition eben kam, fitterte er seine Chance. Er bietet sich einHaus in der Blue Anchor Alley, besorgt ein Schild mit einer Katze und nagelt es ans Fenster.Und unter die Pfote der Katze ließ er ein Rohr anbringen.
Marcel
2:21:46
Okay, verstehe.
Heiko
2:21:47
Der Kunde legt Geld ins Maul der Katze und sagt dann, pass, give me two pence worth of Gin.Also Katze, gib mir zwei pence wert von Gin. Im Inneren des Hauses gießt dannder Händler Gin in einen Trichter, der durch das Rohr nach draußen floss.Das wurde dann so als Pass-and-Mew-Maschine, also wie so ein Gin-Automat,dann relativ schnell verbreitet in der ganzen Stadt.
Theresa
2:22:09
Das ist der Eutom-Sorte.
Heiko
2:22:12
Da kommt das jetzt.
Theresa
2:22:13
Da ist der Einschub. Also es ist, finde ich, auch nicht ganz,es wird auch teilweise als eigene Gin-Sorte bezeichnet, aber es ist vor allem,denke ich auch, weil sich eben jetzt so über die letzten 10,20 Jahre wieder mehr Leute für Gin und auch Geschichte von Gin interessieren.Gibt es eben so ein Aufleben, dassauch manche Gin-Sorten Old Tom oder Old Tom-Ka-Gin bezeichnet werden und,genau eben so dieses, dass man eben, also der hat ja ein Ticken mehr Zucker,weil eben dieser, es war ein Fusel zu der Zeit, in der man sich da über denSchlauch und durch die Katze irgendwie abzapfen konnte.Und es hat auch oft nicht geschmeckt. Und was die Leute gemacht haben,sie haben so ein bisschen mehr Zucker genommen, um über den schlechten Geschmack hinweg zu täuschen.Also hat der Old Tom, Old Tom Cat, Black Cat, Gin, ein bisschen mehr Zucker.Obwohl ich auch das teilweise bezeifele. Ich glaube auch manche Gin-Sorten nennensich teilweise nur so und funktionieren aber nach anderen, nach den normalenLanden-Dry-Chain-Regularien.
Heiko
2:23:12
Marketing.
Theresa
2:23:13
Ja.
Marcel
2:23:14
Du hast das mit der Münze erwähnt. Ich hatte irgendwie, das fand ich noch soein lustiges Detail, dass der Wirt dann das in so einem Rohr gegossen hat,dann kam es aus den Pfoten raus.
Theresa
2:23:24
Also ich kenne es so, dass man in die Pfote irgendwie die Pennies…
Heiko
2:23:27
Genau, in den Mund hat man die Münze gelegt und aus der Pfote kam,warum auch immer, eigentlich wer andersrum fiel, was stimmt.Aber tatsächlich war es offensichtlich so, jetzt würde es sagen,eigentlich wer andersrum war.
Marcel
2:23:37
Aber da konnte man sich ja dann ranhängen mehr.
Theresa
2:23:40
Es gibt auch so Teekannen. Ich habe erst…
Heiko
2:23:42
Ich glaube auch, das ist ein Beispiel.
Theresa
2:23:45
So Katzen und das kommt aus der Prote oder Hunden.
Heiko
2:23:48
Da wird es einige Varianten zugegeben haben. Also man sieht einfach…So oder so, dass das Parlament zwar Gesetze beschließen kann,aber London eben seinen Geschmack davon sich nicht verbieten lässt.Ganz im Gegenteil tatsächlich, Gin-Drinken hatte jetzt nämlich auch was vonProtest gegen die Reichen. Naja, es wurde eigentlich noch attraktiver dadurch.Der Konsum steigt eher, als er abnimmt tatsächlich.Aber, und auch das hattest du auch schon gesagt, Theresa, die Qualität des Ginsverschlechtert sich eigentlich.Und das zwar teilweise sogar dramatisch, denn jetzt würzen so kleine illegaleProduzenten teilweise eben Rohalkohol mit dem, was sie haben,teilweise mit Terpentin, Schwefelsäure, Bittermandel.Und angeblich sollen auch manchmal Tierknochen verbrannt worden sein,um so den Geschmack so ein bisschen zu verändern.Also das sind so Anekdoten, die man noch so findet.Also das Verbot, das sieht man, das hat eigentlich eine paradoxe Wirkung.Die Menschen, die tranken nicht weniger Gin, sondern mehr und schlechteren und ungesünderen.Außerdem trank man jetzt Gin auch unter anderem Namen, Uncle Tom,aber auch Blue Ruin, Flashes of Lightning,was auch so Blitze vor den Augen zeigt auch schon, wo die Reise hingeht,White Satin, Bob Makeshift,Killgrief habe ich auch noch gefunden, Comfort oder auch manchmal einfach Poverty, also Armut.Also ich sag mal, wenn der Name die Rebellion schmackhafter machte,dann war es offensichtlich umso besser.Währenddessen aber eskaliert die situation auf der straße dennich hatte ja schon gesagt es gab keine polizei im modernensinne also ja wann waren die constables und auch magistrate alsohöhere beamte die waren auf informanten angewiesen wer einen jinn verkäuferanzeigte der bekam die hälfte der strafe strafe war zehn pfund also bekam manwenn man ihn anzeigte fünf pfund das war ungefähr die jahresmiete einer armenfamilie das klang für die obrigkeit nach einer lösung weil dann kriegst du jaauf jeden fall informationen aber stellt sich heraus eine völlige katastropheInformanten und Gin-Verkäufer stammt nämlich aus derselben sozialen Schicht,aus denselben Vierteln, oft sogar aus denselben Häusern und wer dann seinenNachbarn anzeigte, der wurde als Verräter betrachtet und wirklich entsprechend behandelt.Ein einfacher Ruf auf der Straße, so irgendwie mit dem Finger drauf gezeigt,Informers, das genügte so, um so einen Mob wirklich zu mobilisieren.Informanten wurden durch die Gassen geschleift, in Brunnen getaucht,mit Steinen beworfen, geteert, gefedert.Eine Informantin in St. Jals, die beginnt Selbstmord, woraufhin die Nachbarndie Leiche wieder auskrummen, um mir noch so einen Pfahl durchs Herz zu rammen,um das nochmal irgendwie zu zeigen.
Theresa
2:26:05
Ja, spannend, wenn man schon weiß, dass auch getötet wurde schon,um an ein paar Pennies für Chin zu kommen.
Heiko
2:26:11
Absolut.
Theresa
2:26:12
Und auch, was ich ganz spannend finde, ist, also ich habe gehört und auch irgendwogelesen, die Jahressteuer nach eben 50 Pfund,also wer Chin verkaufen wollte auf legale Weise, genau, die Lizenz,50 Pfund pro Jahr und wenn du jetzt sagst, 10 Pfund ist schon.
Heiko
2:26:27
Ich strafe dann, ja.
Theresa
2:26:28
Also ist, was meintest du, kann man ein ganzes Jahr lang die Miete?
Heiko
2:26:31
Ja, also 5 Pfund sind ungefähr so eine Jahresmiete von 10 Pfund,kann sich eh die meisten nicht leisten.Die wurden, außen die sie es nicht leisten konnten, wurden auch ins Gefängniszur Zuchtarbeit gesteckt. Und auch hier tatsächlich spielten Frauen wieder eine zentrale Rolle.Und zwar auf beiden Seiten tatsächlich. Also als Informantinnen,die sich so als Kundinnen ausgaben und als Anführerinnen auch von Mobs,die diese Informantinnen durch die Straßen jagten. nämlich, wie ich anfangsschon sagte, waren vor allem Frauen,die auch den Gin-Verkauf einfach zum wirtschaftlichen Überleben brauchten.Und wer die Strafe eben nicht zahlen konnte, du hast es ja eben auch schon gesagt,gerade das ist ja super viel und die meisten konnten das eben nicht.Einmal 50 Pfund für eine Lizenz sowieso nicht, aber auch 10 Pfund Strafe fürden illegalen Verkauf war für die meisten viel zu hoch.Der kam eben ins Gefängnis und zur Zwangsarbeit und ein Großteil der Verurteilten waren Frauen.Sie trugen wirklich die Last der Prohibition im Prinzip und die meisten derin den Akten verzeichneten Frauen, Die wurden ohne Berufsangabe und ohne Ehemann aufgeführt,was meistens dann so ein Hinweis darauf ist, dass sie eben zu dieser großenZahl junger, unverheirateter Frauen gehören, die wir am Anfang auch ein bisschengehört haben, die eben mit so einer Hoffnung auf Veränderung oder mehr Selbstbestimmungin die Hauptstadt einfach gekommen sind und da dann aber eben…Gin verkauft haben, um überhaupt zu überleben und dann aber unter dem Gesetzbesonders gelitten haben.
Marcel
2:27:43
Aber so rein regulatisch.
Theresa
2:27:46
Regulatisch.
Marcel
2:27:50
Regulierungstechnisch macht es doch eigentlich keinen Sinn, dass die Lizenzteurer ist als die Strafe. Das ist ja normalerweise andersrum.
Heiko
2:27:58
Es war sowieso, also das ganze Ding war total nicht durchdacht,weil vor allem auch die, die beiden, die einzigen beiden, die die Lizenz gekaufthaben, wurden tatsächlich auch angezeigt, weil das Problem ist,Und die, die die Lizenz gekauft haben, waren auch die einzigen,wo die Konzepte das wussten.Plus auch die ganzen so Apotheker und so, die haben auch am Anfang gab es soVersuche, das zu umgehen.Dann haben sie das einfach alle Gins, so ein bisschen wie manche Gins,als Medizin verkauft, bis sie da auch das Gesetz gesagt hat,nee, nee, das zählt schon so.Und im Prinzip waren die, die man greifen konnte so ein bisschen am Anfang,waren eher die, die ist fast schon legal oder eher die Größeren,weil da man einfach wusste,die Frau an der Straße, die mal eben ganz schnell mit der Schubkarte wiederums Eck war, war eh davon kaum greifbar, bis dann eben, deswegen hat man ebendiese Lösung gefunden, ja mit Informanten und dann aber ist das Problem,dass diese Informanten, das wurde richtig ein Geschäft,teilweise hat dann so ein Constable irgendwie gesagt, ich kriege 90% deinerStrafe, wenn du mir einfach irgendwie nennst und dann wurde nicht mal geprüft,ob die überhaupt Gin verkauft haben, also das wurde dann, also es hat einfach,Und so entsteht dann eben auch dieses Chaos wirklich auf den Straßen.
Marcel
2:28:54
Aber im Prinzip ja, also du sagst die ganze Zeit Informanten,aber das ist ja eigentlich das Denunzianten.
Heiko
2:28:58
Ja genau, aber es ist offiziell der Begriff, aber tatsächlich Informanten,aber ja auch Denunzianten.Und man könnte ja meinen, okay, die Politik kriegt mit, das funktioniert nichtund ich habe eine Einsicht.Aber was auf dieses Chaos folgt, ist erstmal noch mehr Härte.Denn das Parlament reagiert jetzt mit mehr Strenge und nicht weniger.Denn es ging eigentlich jetzt plötzlich nicht mehr nur um Gin.Jetzt geht es plötzlich um Autorität. Plötzlich sind da Leute,die einfach nicht akzeptieren, was die Obrigkeit ihnen sagt,die einfach sich nicht an die Regeln halten.Das ist völlig Chaos, jetzt muss ich da erst recht. Es werden Leute gehängt und so weiter.Wer Strafen nicht bezahlen konnte, wurde jetzt auch nicht nur zur Zwangsarbeitins Gefängnis gesteckt, sondern auch ausgepeitscht, bevor er dann noch hin wurde.Informanten bekamen jetzt die 5-Fund-Belohnung nicht mehr nur,wenn jemand die Strafe zahlte. Sonst war es ja so, wenn ich mal 10 Pfund zahlenkonnte, hat der Informant 5 Pfund bekommen.Jetzt bekomme ich einfach grundsätzlich, wenn ich irgendjemand anderen zeige,egal ob ich einen Beweis anbringe, einfach 5 Pfund. Also es ist einfach wirklichnicht durchdacht, weil man denkt, irgendwie müssen wir das ja irgendwie,diesen Gin-Verkauf unter Kontrolle bringen, irgendwie müssen wir diese Prohibitioneinfach auf Teufel komm raus durchzwingen.Aber die Zahlen zeigen einfach weiterhin den Widerstand der Londoner sozusagen.Als im November 1737 die Verbrauchsteuerstatistik veröffentlicht wurde,stellt sich heraus, in den drei Monaten zuvor war im Prinzip mehr Alkohol gebranntworden als jemals zuvor.Also mit der Prohibition steigt einfach alles noch weiter an.Die Gefängnisse führen sich zwar, aber eben auch die Brennblasen sozusagen weiter.Wirtschaftlich lohnt sich das auch nicht. Die Prohibition kostet plötzlich mehr, als sie einbringt.Denn ich habe es schon gesagt, fast alle Einnahmen aus den Strafen,vor allem wenn sie die Strafen nicht mal bezahlen, sondern trotzdem fünf Pfund,werden an Prämien ausgegeben an ihren Informanten.Also eigentlich dieser Grundgedanke, klar, es gab diese Moralperformer,aber die, die im Parlament waren, haben ja viele das eigentlich aus wirtschaftlichenGründen gemacht, weil sie sagen, dann kriegen wir ja wenigstens irgendwie Strafen,Lizenzen, Steuern und so weiter,aber es lohnt sich nicht, es kostet plötzlich einfach mehr und irgendwann warendann auch die Magistrate einfach müde, die Constables, die verweigerten dieZusammenarbeit, weil sie sagten, was sollen wir machen, wir kriegen das nichthin, im Prinzip war dieses…Das frühneuzeitliche Justizsystem hat sich einfach selbst erschöpft.Es war einfach nicht durchsetzbar.Und dieses kühnste Experiment, das je in einem freien Land gewagt wurde,wie William Pulteney es ja auch nach der Ratifizierung genannt hatte,das war einfach gescheitert. Also hat sich nicht durchsetzen lassen.Denn der Gin-Egg war auch einfach, oder unterschied einfach zu deutlich zwischenArm und Reich und vertiefte dadurch eben auch diese gesellschaftlichen Gremienund förderte eben eher diesen Aufstandscharakter.erfasst schon, das hat auch schon das London Magazine relativ früh gewarnt,die hat nämlich geschrieben, Zitat, die soziale Tugend und Freiheit des Volkesmuss stets auf gegenseitigem Vertrauen beruhen, zwischen Reich und Arm,zwischen Obrigkeit und Untertan.Wenn jedoch ein Gesetz nur die Armen an einer bestimmten Form der Trunkenheithindere, die bei den Reichen ebenso verwerflich ist, was sollen die Armen davon halten?Hat das London Magazine geschrieben und ich meine, ich denke,die Armen, die haben ziemlich deutlich gezeigt, was sie davon gehalten haben.Also formell sollte es tatsächlich eigentlich noch fünf Jahre dauern,bis das Gesetz wirklich aufgehoben wurde, aber lange zuvor hatte man die Durchsetzungeinfach praktisch aufgegeben und einfach aufgegeben.
Marcel
2:31:57
Kann ich kurz mal eingrätchen, weil dann ist das, ich habe jetzt,wie ja vorhin drüber gesprochen, dass da das Destillationsverbot quasi aufgehobenworden ist, aber es hat sich ja eh niemand dran gehalten.Deswegen ist das eigentlich auch nur eine Story, die ganz witzig ist,aber gar nicht so viel ausvergubt. Ja, also.
Heiko
2:32:14
Ob oder wie man diese Epidemie schließlich in den Griff bekam hat,würde ich sagen, also da komme ich gleich nochmal drauf, so ein bisschen alsAbschluss, aber vielleicht trinken wir erstmal noch einen Gin.Erstmal zelebrieren wir noch ein bisschen die Gin-Epidemie.
Theresa
2:32:27
Bevor wir sie zum Ende führen. Zum Glück haben wir keinen Old Tom Gin.
Heiko
2:32:31
Ich hoffe, da ist nirgendwo Terpentine oder so drin.
Theresa
2:32:34
Er trägt niemand von uns eine Brille. Also es sind noch viele Leute erblendet.
Marcel
2:32:40
Aber da habe ich gehört, das liegt ja eher an den Ausgangszutaten sozusagen.Nicht, dass beim Brennen an sich was schief geht, sondern dass du deine Maische,die du vorher hast, wir haben heute gar nicht über die Gin-Produktion bishergesprochen gehabt, aber dass du eher in der Maische einen Stoff hast,der nicht so sauber ist und dann,kriegst du in der Distillation auch nur Dreck raus.Also Shit kommt in und kommt out.
Theresa
2:33:03
Ah, okay. Ja, nee, ich dachte beim Old Tom wurde im Nachhinein Dann den Zucker reingemacht.
Marcel
2:33:09
Ne?
Theresa
2:33:09
Ja, ja, ja. Gestreckt und…
Marcel
2:33:11
Ah ja, okay. Also mit Stoffen gestreckt im Nachhinein, um dann…Ah ja, okay. Ja. Verstehe.
Theresa
2:33:18
Und, ah ja, genau. Aber ja, gerne trinken.
Marcel
2:33:22
Wir trinken jetzt keinen gestreckten Stoff. Keinen gestreckten Stoff.
Heiko
2:33:24
Dann bin ich beruhigt, nachdem man es hier gerade so erzählt.
Theresa
2:33:27
Du selbst hast ja auch davon erzählt.
Marcel
2:33:29
Wir gehen jetzt nach Norwegen, nein, Finnland. Und zwar trinken wir jetzt den fünften Gin. Kyro…Und das ist der Dark Gin aus Finnland, also jetzt von den Tropen in den kalten Norden.Und dennoch wird der jetzt, glaube ich, nochmal in eine andere Richtung gehenvom ganzen Geschmack, weil wir haben jetzt einen Gin, der auch etwas Holz gesehen hat.
Heiko
2:33:51
Oha.
Marcel
2:33:51
Wir werden jetzt vielleicht so ein bisschen eine Referenz zurück machen zu Piscooder zu Wein, weil der Ganze jetzt so einen Einschlag hat.Und das sieht man, glaube ich, jetzt schon an der Farbe, dass wir hier so eine leichte…
Heiko
2:34:03
Der sieht ja von hier zumindest fast schon aus wie ein Whisky eher.
Theresa
2:34:06
Also ich finde das auch, also generell ganz Skandinavien, also auch Norwegen,Schweden, Dänemark, darf man nicht vergessen.Finnland vor allem, ich finde die haben sehr, sehr tolle und leckere Gin-Sorten.Der ist ein sehr bekannter finnischer Gin, den man auch in vielen Supermärktentatsächlich schon finden kann.In Finnland selbst ist er gar nicht so bekannt wie im Ausland.Das finde ich irgendwie ganz witzig. Ich habe schon sehr viele gute finnische Gin-Sorten getrunken.Und bei irgendeiner Olympiade wurde das auch so das It-Getränk dort mit Grapefruit.Und das gibt es auch in Dosen zu kaufen, Gin mit Grapefruit.
Heiko
2:34:42
Okay.
Theresa
2:34:42
So ein Nationalgetränk geworden auf eine Art. Es schmeckt besser als unser Gin-Tonic aus der Dose.
Marcel
2:34:49
Den hatten wir in Sauer probiert?
Theresa
2:34:52
Ja, meinst du den?
Marcel
2:34:54
Ja, ja.
Theresa
2:34:54
Ja, aber auch gemixt mit anderen schönen Sorten und gestößelten Kaffeebohnen und das.
Marcel
2:35:00
Der war jedenfalls insofern, ich trinke einen, bin jetzt kein Whisky-Fan,vielleicht noch nicht, also jetzt mittlerweile so viel.
Heiko
2:35:07
So viel Whisky gehört das schon.
Marcel
2:35:09
Genau, weil der geht jetzt fast in die Richtung, also zumindest jetzt mein Empfindenwar das meine erste Assoziation, als ich dem Problem habe, ich gedacht,das ist Whisky. Das ist deutlich milder.
Theresa
2:35:19
Ja, also ich schenke schon mal einen.
Heiko
2:35:20
Ja, vielen Dank.
Theresa
2:35:22
So, jetzt mache ich die Gläser ganz voll.
Marcel
2:35:25
Wir haben jetzt hier drin zwölf klassische und dann nochmal fünf lokale Botanicals.Und die lokalen sind irgendwie Sanddorn, Moosbeere, Birkenblätter und Wiesensüßklee.Also ich tue mich jetzt schwer, die irgendwie rauszuschmecken,weil ich glaube, was man hier rausschmeckt, ist ein bisschen eher das Holz vermutlich.Und was den Gin noch besonders macht, ist, dass wir jetzt hier keine Gerst oderWeizen oder wie auch immer haben, sondern das ist ein Vollkornroggen-Destillat sozusagen.
Theresa
2:35:53
Was vielleicht auch noch spannend ist zu sagen, also diese Veredelung oder dieFasslagerung ist jetzt nichts zwangsweise Gin-typisches, sondern das ist einfachgenerell was, was in der spirituosen Herstellung seit einiger Zeit schon bekannt und auch beliebt ist.Also kann man auch bei Wodka, ich habe auch schon fast gelagerten Korn erlebt.Also es passiert einfach generell und ich finde, das ist auch eine gute Sache,weil da kommen schöne Geschichten raus.Allerdings gibt es doch vielleicht eine ganz gerne eine Brücke,die man erschlagen könnte zu Geneva, weil der ganz traditionell auch in Fässernteilweise gelagert wurde und da dann vielleicht noch nachgezogen hat.Aber es ist jetzt keine spezielle Gin-Sorte oder es ist nicht nur Gin zuzuschreiben,diese Fasslagerung, diese Veredelung.
Marcel
2:36:37
Du darfst gerne mal raten, was für eine Art von Eiche gelagert wurde.
Heiko
2:36:43
Amerikanische Eiche.
Marcel
2:36:44
Richtig.
Heiko
2:36:45
Hab ich direkt rausgebrochen.
Marcel
2:36:52
Ja, also wegen die Vanilligen, ne?
Heiko
2:36:55
Ich hab noch gar nicht gerochen, weil es ist einfach so, wir hatten das in vergangenenFolgen immer wieder mal so ein bisschen amerikanische Eiche,aber das war jetzt einfach ich hatte da noch gar nicht groß gerochen dran,das war nicht ganz ernst gemeint.Aber ich weiß es ehrlicherweise nicht, ich glaube, ich hätte es jetzt nicht am Geruch erraten.
Marcel
2:37:11
Ich finde bei dem Pisco, den hatten wir ja auch, der hatte ja auch amerikanischeEiche gehabt, der war auch super vanillig gewesen.
Heiko
2:37:16
Ja genau, aber ich finde, du merkst auch bei Wein oder auch bei mir merkst dues mehr, aber ich finde dadurch, dass das hier diese ganzen Botanicals ja schonauch drin sind, habe ich das zumindest in den Nuancen nicht so dominant.Bei den anderen, die ja nicht so mit Gewürzen arbeiten, riechst du,finde ich, das Fass eher raus.
Marcel
2:37:32
Also man hat auf jeden Fall, also ich tue mich ein bisschen schwer mit den Botanicals,aber so das Zitrische finde ich…
Heiko
2:37:37
Zitrus ist trotzdem drin, ne? Irgendwie schon…
Marcel
2:37:39
Ein bisschen würzig schon auch, aber nicht so krass wie jetzt davor jetzt, auf jeden Fall.
Theresa
2:37:44
Ich… Ihr habt noch nicht probiert, ne?
Heiko
2:37:47
Wir sind noch am Riechen.
Marcel
2:37:51
Wie sagt man? Kippes. Und Finish.
Heiko
2:37:57
Oh, der gefällt mir.
Marcel
2:38:00
Der ist angenehm. Der ist kalkuliert, der ist kalkuliert, Heiko.
Heiko
2:38:03
Das schmeckt richtig gut.
Theresa
2:38:05
Ja, den hat er sich nicht nehmen lassen, weil ich meinte ja,ah, nehmen die und die Gin-Sorten, das ist vielleicht dann auch geschichtlich spannend.Und ja, ich finde den geschmacklich super, also so die Fassgelagerten generell, aber geschichtlich.
Marcel
2:38:18
Das ist so super häufig ist das nicht beim Gin, oder?
Theresa
2:38:22
Also es passiert schon immer mehr und da gibt es auch ein sehr schönes Spektrum.Aber, und ich würde auch sagen, obwohl, nee, also beim Sipsmith kenne ich jetztnoch keinen fast gelagerten, aber was man durchaus beobachten kann, wenn es läuft,dass dann irgendwie dann doch noch zum Gin auch noch ein Tonic Water rausgebrachtwird, was auch oft gut ist, weil das dann auch ein gutes Tonic Water sein kann.Bei einem Gin finde ich sogar das Tonic Water besser als den Gin oder das dann noch eine,also wie, weiß nicht, es hat mit einer Gin-Sorte gestartet und plötzlich werdendas mehr, dann kommt noch ein Navy raus, dann kommt noch ein Slow Gin,ein traditioneller Gin-Likör raus, dann kommt noch ein…Ja, passgelagerter mit dazu.
Marcel
2:39:03
Bevor ich gleich nochmal über Pyro kurz rede, aber ich hatte Slow Gin bei mirauch noch mit drauf gehabt als eine spezielle Art von Gin.Möchtest du dazu nochmal kurz erzählen?
Theresa
2:39:15
Ich weiß nicht, ob es geschichtlich passt, aber ich könnte es noch kurz erwähnen,weil wir den jetzt eh nicht da haben.
Marcel
2:39:20
Genau, haben wir nicht da, aber es gibt den ganz häufig sozusagen auch als eine Variante.Also das ist ja Slow Gin, wie immer. Es hat nichts mit Slow zu tun, sondern mit S-L-O-E.
Theresa
2:39:31
Es ist Schleen-Gin und das ist sozusagen der traditionelle Gin-Likör.Ursprünglich war der anscheinend auch vom Alkoholvolumen einzuordnen wie ein normaler Dry-Gin.Mittlerweile sind die doch deutlich niedriger vom Alkoholgehalt,dass die meisten so um die, würde ich sagen, 20 bis 30 Prozent Alkoholvolumen haben.Und anscheinend haben wir diesen Slow-Gin, also den traditionellen Gin-Likör.es gibt inzwischen viele Chin-Liköre, auch Queen Anne zu verdanken,die eben eine absolute Chin-Liebhaberin war.Und hier hat sie sich doch gewünscht, hallo, ich hätte gerne etwas Fruchtigeres,so am besten am Morgen, passend zum Frühstück.Und man hat dann eben Schlehen genommen, die sind überall gewachsen und hatnicht viel gekostet und hat eben dann mit den Schlehen ein Chin-Likör hergestellt.Also perfekt fürs Frühstück.
Marcel
2:40:21
Okay, verstehe. nochmal zurück zu Kyro ich würde kurz fragen was denkt ihr werdiesen Männer und du warst fast zu Finnland.
Heiko
2:40:34
Finnische Männer.
Marcel
2:40:37
Sauna.
Heiko
2:40:37
Achso.
Theresa
2:40:38
Ja.
Marcel
2:40:39
Genau. Die Story dahinter, also die offizielle Story dahinter ist,eine Gruppe von Freunden ging in die Sauna, trank einen amerikanischen Roggen Whisky.Also tatsächlich geht es auch der Rye Whisky.
Heiko
2:40:50
Ja, ich muss also Rye gesagt, da musste ich da auch dran denken.
Theresa
2:40:53
Und die finnischen Saunen sind anscheinend noch viel heißer als jetzt in Norwegenoder Schweden. Also das muss man auch wissen.
Marcel
2:41:00
Und die ist auch dry. Die haben sich jetzt gewundert, warum ist kein finnischen,kein finnischen Whisky gab. Also der Beginn ist tatsächlich hier gar kein Gin,sondern eigentlich die Leute Whisky machen.Die wurden auch wieder, wir haben heute alles junge Gins, 2012 gegründet in Südwestfinland.Wie gesagt, vier Freunde, Männer, Mika, Kalle, Miko und Juni, also fünf, sorry.Und die haben tatsächlich im Gegensatz zu den anderen Gins vorher keine Erfahrunggehabt in der Getränkeindustrie,sondern die haben ganz klassisch so Mikro-Brennereien-Distilleries besucht,um zu schauen, wie woanders in Europa quasi Whisky und Gin gemacht wird.Und nur so viel, eigentlich will ich gar nicht so viel darüber erzählen,weil es gibt auch gar nicht so viel zu erzählen, wie du schon meintest.Dass die eigentlich Whisky produzieren wollten, wie ich sagte.Und dann haben sie den Gin eigentlich nur als Cashflow-Variante produziert,weil der Whisky ja viel länger Zeit braucht als jetzt ein Gin.Also der ist jetzt drei bis zwölf Monate, glaube ich, generell.Oder die Reifung findet so drei bis zwölf Monate statt in der amerikanischen Eiche.Und das ist ja auch ein besonderer, der erste, der rauskam, von dem ist eigentlichein ganz klassischer Gin,aber der wurde auch irgendwie halt alle prämiert, wobei ich nicht weiß,du hast ja vorhin gesagt, die werden dann pur getrunken und prämiert,aber eigentlich sind doch so eine, wie immer,so eine Wettbewerbe vermutlich auch irgendwie, muss man sich anmelden mit irgendeinerGebühr oder so, das ist doch wahrscheinlich nicht alles so,man wird doch nicht ausgesucht als du bist der beste Gin, sondern man muss sichdoch wahrscheinlich da auch ein bisschen für einkaufen, oder?Das weiß ich gar nicht genau. Okay.Also zumindest in anderen Kontexten. Ich weiß auch nicht genau dafür,aber es wäre jetzt so ein bisschen mein…
Theresa
2:42:47
Dann müssen wir uns überlegen, ein Gin herzustellen, weil es gibt viele,die tatsächlich gar nicht aus dem spirituosen Bereich kommen und Gin hergestellthaben und damit einen Knaller gesetzt haben.Also so, da gibt es einige Gin-Sorten, die quasi von Wehr-Einsteigern hergestelltwurden und sehr gut funktionieren.Ich weiß jetzt aber auch nicht, wie viel Geld dahinter steckt und was für einStartkapital die hatten.
Heiko
2:43:09
Ja, wahrscheinlich brauchst du das schon, aber mich wundert es auch nicht,weil so nach dem, was ihr mir jetzt zumindest auch erzählt habt,ist ja Gin offensichtlich auch zumindest deutlich liberaler sozusagen,was meine Handwerkskunst angeht.Es ist nicht so wie Wein oder so, super streng reguliert oder so.Ich kann mit dem ein bisschen experimentieren, ein bisschen mit dem experimentieren.Es gibt jetzt nicht so ein Reinheitsgebot oder solche Sachen.Das heißt, das bietet sich ja geradezu an, ein bisschen irgendwie was zu machen einfach damit.
Theresa
2:43:32
Was auch schön ist, weil es eben viele Leute Gefallen dran finden und vielleichteröffnen sich die Türen von den Wettbewerben und mit ihren Regularien,ob anmelden oder nicht, erst wenn man da drin steckt.Oder meine Recherche war nicht ausreichend im Bereich bisher.
Marcel
2:43:48
Was dich noch freuen wird, die machen nicht nur Whisky und machen nicht nurGin, die machen auch Wodka.Aber die machen, die haben auch… Was dich freut ist, dass sie während Covidauch in die Produktion von Hand des Evisions ein bisschen angestiegen sind.
Heiko
2:44:04
Ja, okay, weil sie dachten, das ist auch quasi, wenn wir schon 40-prozentigenGin machen, können wir auch 100-prozentigen Ethanol-Alkohol für die Hände machen.
Marcel
2:44:11
Es gab, glaube ich, einfach einen engen Pass davon und die sind dann einfach supported.
Theresa
2:44:15
Naja, bevor sie ihren Schill runterreguliert haben, nehme ich an,wurde es gleich einfach als Desinfektion.
Heiko
2:44:26
Also ich finde den tatsächlich wirklich gut. Ich finde den irgendwie rund.Ehrlicherweise tue ich mich schwer, irgendwelche ganz spezifischen Sachen rauszuschmecken.Deswegen ist es vielleicht rund auch das falsche Wort. Aber deswegen sage ichjetzt rund, weil es ist jetzt nicht so, ich merke jetzt nicht,und das schmeckt jetzt besonders nach Zitus oder Wachold. Ich merke auch ehrlicherweisedie Wacholder hier nicht mehr wirklich.Aber es ist einfach ein ganzer, runder, rundes Getränk. Und ich muss ein bisschendran denken, deswegen finde ich es gut und witzig, dass du sowohl Vanille als auch Pisco gesagt hast.Also ja, ich finde, man schmeckt die Vanille, aber es schmeckt wieder wie dieseVanillebonbons, wie wir auch mal diesen einen Pisco hatten, wenn du dich erinnerst.
Marcel
2:44:56
Genau, der nach dem also Pudding.
Heiko
2:44:59
Dieser Vanille-Pudding-Bonbon-Ding, genau. War das der chilenisch oder so?An das erinnert er mich tatsächlich.
Marcel
2:45:03
Genau, das war der mit Paso.
Heiko
2:45:05
Ja, das radikale Gin-Gesetz von 1736, das sollte den Konsum ja eigentlich stoppen.Doch in der Praxis haben wir gesehen, erreichte es fast das Gegenteil oder gehört, besser gesagt.Kaum jemand zahlte die teure Lizenz. Gin wurde einfach illegal weiterverkauftund in den Armenvierteln entwickelte sich der Handel eben teilweise zu einemoffenen Akt des Widerstands sozusagen gegen die Obrigkeit.Informanten wurden dann aber von wütenden Menschenmengen angegriffen,Gefängnisse füllten sich, während gleichzeitig aber einfach immer weiter undimmer mehr Dschinn gebrannt wurde.Und am Ende musste eben selbst die Regierung einsehen, dass dieses ja günsteExperiment gescheitert war und dass man einen anderen Weg finden musste,um mit dem Problem umzugehen.1743 brauchte man daher einen neuen Ansatz und wieder war es vor allem das Geldweniger die Sorge um die Armen, dass es den Ausschlag gab.Denn England war jetzt in den österreichischen Erbfolgekrieg hineingezogen worden.Truppen waren auf dem Kontinent, Kriegskredite, wachsende Schulden.Der neue Staatssekretär John Carteret, der brauchte eben neue Einnahmen.Und Gin, wenn man ihn jetzt richtig besteuerte, konnte das ja eben liefern.Das Gesetz von 1743 hob also.Starke Besteuerung, also quasi Prohibition offiziell auf.Lizenzgebühren, die sanken jetzt von 50 auf einen Pfund im Jahr und die Steuerauf Spirituosen wurde nur moderat erhöht, also niedrig genug,dass sich eben die Händler beteiligen würden, aber immer noch hoch genug,um beachtliche Einnahmen zu erzielen.Also man hat einfach erkannt, ganz ganz viel teure Lizenz kümmert sich keinerdrum, aber wenn die wenig genug ist, dann kaufen die Leute auch die Lizenz,weil man will ja irgendwie vielleicht legal sein und sie ist wenig genug,dass man sie zahlen kann oder niedrig genug, aber dadurch, dass das eh so vielesind, haben wir trotzdem sehr, sehr hohe Einnahmen.Also man könnte, es ist gar nicht so doof. Also statt wirklich das Angebot einfachzu unterdrücken, legalisierte man es jetzt und regulierte es und kassierte dabei einfach.Die Logik war also marktwirtschaftlich diesmal und nicht moralisch.Wenn legal zugänglich und erschwinglich war, verlor der Schwarzmarkt einfach seinen Vorteil.
Marcel
2:46:58
Ja, man hatte ja den Vorteil, dass man da nicht gehängt oder gepeitscht wurde.
Heiko
2:47:03
Das Ganze mit Erfolg. Und vor allem auch, genau, und dadurch,Und dadurch diese legalen Läden, die aber auch nicht so super teuer waren,hatte man das dann auch ein bisschen im Griff, dass dann eben nicht mehr nurjeder an der Ecke sozusagen auch das irgendwie verkaufen wollte,weil da blieb die Strafe natürlich.Aber du musstest das ja auch dann nicht mehr machen und du musstest da nichtkaufen, weil es günstig genug war in den offiziellen Laden, weil die jetzt nichtmega teuer irgendwie auf den Preis aufschlagen mussten. Und das Ganze hatte Erfolg.Über 20.000 Lizenzen wurden landesweit vergeben. Insgesamt nahm der Staat dannpro Jahr 90.000 Pfund ein.zum Vergleich die Steuer von diesen 20 Schillingen pro Gallone unter dieserProvision, also als die Provision war, die hatte weniger als 40 Pfund pro Jahreingebracht, weil es einfach eh niemand gezahlt hat, also wirklich im Prinzipgar nichts eingebracht und jetzt haben wir 90.000 Pfund.Es gab nochmal so einen kleinen.Aufschwung oder Abschwung, also so ein Aufschwung der Anti-Gin-Bewegung in denJahren nach 1748, denn als der Krieg auf dem Kontinent zu Ende war,kamen so Soldaten wieder zurück, hatten keine Arbeit und so weiter,so eine Kriminalitätswelle schwappte durch Londonstraßen,und da meldeten sich dann eben diese Eiferer erneut zu Wort und in dieser Zeitwird dann eben auch, was wir vorhin gesehen haben, die berühmten Drucke,diese Gin Lane und die Beer Street von William Hogarth veröffentlicht.Deswegen gibt es 1751 tatsächlich nochmal einen neuen Gin Act,der das verschärft, allerdings wirklich auch nur moderat. Es gibt etwas höhereVerbrauchsteuern, etwas strengere Lizenzregeln.In Gefängnissen wird der Verkauf jetzt verboten. Das war offensichtlich vorher nicht.Und diesmal sank der Konsum tatsächlich. 1752 fällt die versteuerte Spiritus-Produktiontatsächlich erstmals seit 20 Jahren und zwar von über 31 Millionen Liter aufunter 20 Millionen Liter. Und …Diese Reformer reklamieren diesen Erfolg zwar für sich, die sagen,ja guck mal, was wir Tolles erreicht haben,ist aber die Frage, ob das wirklich ihr Verdienst war, denn,also vielleicht ein bisschen und vielleicht nur zum Teil, aber man muss einfachsagen, in dieser Zeit fällt einfach auch eine grundsätzliche Veränderung Londons zusammen.
Marcel
2:49:00
Das klingt eher so, als wenn das irgendwie anderweitig passiert.
Heiko
2:49:03
Genau, wir sehen wirklich in der Zeit so ein bisschen den Aufstieg des Mittelstandes.Es gibt eine veränderte Einkommenssituation, es gibt veränderte Freizeitformen.Statt sich irgendwo mit Gin zu besaufen, wird plötzlich Cricket interessant,Tee trinken, Spaziergänge.Das Stadtbild, die ganze Infrastruktur wird auch verbessert.Eine Straßenbeleuchtung wird in dieser Zeit eingeführt, generell so Straßenbauprojekteumgesetzt und so weiter.Die Stadt wird also einfach so ein bisschen bürgerlicher und geordneter, kann man sagen.Und gleichzeitig entsteht in dieser Zeit wirklich auch so eine neue Vorstellung von Wohlfahrt.Ja, so Findelkinder, Arme, aber auch so diese sogenannten gefallenen Frauenin Anführungsstrichen, die wurden jetzt doch eher als Opfer gesehen sozusagen,denen man irgendwie helfen muss.Und nicht nur so als moralisches Problem oder als Ursache von Elend.Es gibt so Institutionen wie das Founding Hospital, was in dieser Zeit so Ausdruckdieses einfach neuen Denkens wird.Man kann also wahrscheinlich einfach sagen, der Zeitgeist verändert sich tatsächlicheinfach, Sodass wahrscheinlich ein bisschen was zusammenkommt.So ein genereller gesellschaftlicher Wandel, bessere städtische Strukturen,aber eben auch dann ein bisschen pragmatischerer Umgang einfach mit Dschinn.Also nicht mehr einfach so eifernde Prohibitionen, nicht einfach nur alles Böse,alles verbieten, sondern einfach ein bisschen Regulierung und das zusammenzusetzen.bringt dann einfach diese Gin-Epidemie und diesen Gin-Craze mehr oder weniger unter Kontrolle.Es kam zwar 1757 tatsächlich nochmal zu einem vollständigen Bann,aber aus einem ganz anderen Grund.Ja, aber wirklich ein ganz anderer Grund. Eine Missernte ließ Getreidepreiseexplodieren. Also es gab einfach nicht genug Getreide.Das Parlament verbot deswegen vorübergehend das Brennen von Spirituosen,weil man einfach Angst vor der hungernden Bevölkerung braucht.Man braucht das Getreide für Brot.Wenn du Brot brauchst, dann ist es blöd, wenn du das Getreide,was du hast, für Gin aufgibst.Der Bann dauert auch vier Jahre.wurde dann aber eben aufgehoben und es wurde zwar genutzt, diese Möglichkeit,als dann die Destillation wieder erlaubt wurde, indem man so ein bisschen nochmalso kleinere Verschärfungen gemacht hat, aber im Prinzip ging das dann einfach so weiter.Aber als diese Destillation wieder erlaubt wurde, hat sich die Branche auch einfach verändert.Diese ganzen kleinen Händler und auch so Kellerdestillateure,die hatten das Ganze einfach nicht überlebt, diese vier Jahre,wenn das komplett verbindet, wenn du keinen Korn mehr bekriegst,was bleibt übrig? große Londoner Destillerien, große kapitalkräftige Häuser,die einfach den Markt dominieren.Namen wie Booth, Burnett, Gordon, später auch Tanqueray, also einfach so Teilsnamen,die man ja wirklich bis heute mit Gin verbindet, die jetzt einfach dann da alseinzige quasi groß genug sind, um auf so einen Bann einfach zu überstehen unddeswegen dann nach den Markt zu dominieren.
Theresa
2:51:29
Also sah es wirtschaftlich besser aus oder also so ab dem Zeitpunkt 1751 oderworan lag das? dass auch im Mittelstand wohlhabender wurde.
Heiko
2:51:39
Ja genau, also es scheint einfach so generell wahrscheinlich diese Zeit zu sein,wo das, was sich schon vorher angekündigt hat, diese Veränderungen der Weltund dass man eben nicht mehr nur die armen Kleinheiten will,auch dieser Merkantilismus-Gedanke, das überlebt sich einfach so langsam wieder.Die Jobs werden besser bezahlt, wie gesagt, Wohlfahrt kommt und so weiter und so entsteht,einfach so eine Art Mittelstand, der das so ein bisschen auffangen kann.Ich glaube tatsächlich auch gerade, also das sind so selbst einfache Maßnahmen,wie auch wirklich eine Straßenbeleuchtung, kann euch tatsächlich was ausmachen,wenn da nachts irgendwie Licht ist.
Theresa
2:52:13
Total, also ich glaube, das ist ja ein Riesenereignis, aber so gerade wenn dannin so Stadtstruktur und Ausarbeitung Geld gesteckt wird, frage ich mich,also dann muss es ja irgendwie laufen.
Heiko
2:52:25
Ja genau, also wie gesagt, Krieg war dann erstmal ein bisschen mehr,das heißt man hat natürlich auch vielleicht ein bisschen auch als Staat mehr Mittel solche Sachen.Also da kommt vieles zusammen einfach in dieser Zeit. Zumindest in England oder in Europa.
Marcel
2:52:36
Du hast gerade Gordons erwähnt. Ich glaube, das ist der erste Ding,aber was hättest du davon gesagt?
Theresa
2:52:43
Also Dosen-Gintonic mäßig ist das meine erste Wahl.
Marcel
2:52:48
Dosen-Gintonic?
Theresa
2:52:49
Ja, mach ich auch.
Marcel
2:52:50
Weißt du, was ist Dosen-Gintonic?
Theresa
2:52:51
Naja, gehst du in den Spätkauf. Ja, Gin-Tonic aus der Dose.
Marcel
2:52:55
Also es gibt Gordons.
Theresa
2:52:56
Das ist so mit der bekannteste das Problem ist das Tonic Water.Das ist nicht besonders gut, aber ich finde auch, das ist, also es ist vollkommen in Ordnung, wenn,dir danach ist und du hast das Gefühl so, ich will jetzt gar nicht irgendworumsitzen, sondern ich will hier im Park sein oder und es ist anders nicht möglich,dann kaufst du dir einfach einen Dosen-Gintonic und ziehst los. Ist auch okay.Also man muss nicht immer das, ja. Manchmal können auch solche Sachen sehr feinsein zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort.
Heiko
2:53:29
Ja.Ja, was man aber, glaube ich, gut an dieser Geschichte sehen kann und damit komme ich zum Ende.Aus ihr wurde offensichtlich erstaunlich wenig gelernt, wie so häufig.Die Logik taucht ja immer wieder auf.Du hattest das vorhin auch kurz angesprochen, aber allein schon auch die amerikanischeProhibition, die ist mir sofort eingefallen. Also in den 20er oder 30er Jahren,die scheitert im Prinzip aus denselben Gründen wie der Gin Act von 1736.Es lässt sich nicht, hat sich nicht verbieten lassen und erzeugt dabei stattdesseneher so diese organisierte Kriminalität, Al Capone und so, was man so kennt,die sie ja angeblich vermeintlich bekämpfen wollte.Aber auch in den 80ern, so der War on Drugs unter Reagan, das folgt denselben Prinzipien.Die Droge ist einfach die Ursache von Problemen und die Strafe ist die Lösung für alles.Aber auch heute noch, wenn wir über Drogenprobleme in so Großstädten sprechen,natürlich geht es mir jetzt nicht darum, Fentanyl zu legalisieren und zu besteuernoder so, aber auch heute ist es sehr politisch bequemer, einfach Drogen alsUrsache für die Probleme von einer Gesellschaft irgendwie zu benennen,als irgendwie stattdessen vielleicht über Armut, soziale Ungleichheit,Ausgrenzung, fehlende Perspektiven und so weiter zu sprechen.Auch damals war Jin ja nicht der Ursprung des Elends irgendwie in St.Charles, sondern Jin war einSymptom des Elends und vielleicht liegt daran aber auch so ein bisschen…Ja, so eine Ironie unserer heutigen Geschichte im Glas.Gin hat am Ende überlebt, obwohl Madame Geneva zwischendurch kurz begraben wurde.Aber es ist ja irgendwie aus den Gassen und den Spelunken so langsam in dieClubs und Bars, sage ich mal, der feineren Gesellschaft aufgestiegen.
Theresa
2:54:55
Darf ich noch kurz zufügen? Mirfällt gerade erst dein Sticker auf deinem Laptop auf. Es ist eine Katze.Ah, stimmt. Hier ist ein Sticker mit einer Katze.
Heiko
2:55:06
Das passt natürlich besonders gut zuunserem Pass in Mew und zu unserem Nicht-Onkel-Tom, will ich wieder sagen.
Theresa
2:55:12
Ich finde, es hat perfekt gepasst zu dem, was du gesagt hast und zu der Moral.
Heiko
2:55:17
Ja, weil heute, also absolut, weil heute steht er eben, das haben wir ja heutewirklich gemerkt, bei dem ganzen, worüber wir so gesprochen haben,Heute steht es eben nicht mehr irgendwie für den billigen Rausch,sondern für Handwerk, für Botanicals, für Eleganz vielleicht,so ein bisschen eine Bar mit Messing, gedämpftem Licht und so weiter.Also die Droge der Armen in Anführungsstrichen ist einfach so ein Lifestyle-Getränkfür mindestens die Mittelklasse geworden, sodass wir das ja wirklich in unseremPodcast hier auch ohne schlechtes Gewissen genießen dürfen. Und trotzdem oderauch gerade deswegen ist vielleicht zum Prinzip so eine Geschichte über Klasse, wenn man so will.Denn so von diesem Drunk for a Penny aus unserem Cold Opener sind wir angekommenbei 18 Euro für einen Gin Tonic in einer coolen Berliner Bar.Und deswegen würde ich fast sagen, jetzt haben wir so viel puren Gin getrunken.Ist ja eigentlich Zeit für einen Gin Tonic.
Marcel
2:56:02
Auf jeden Fall.
Theresa
2:56:05
Yes.
Marcel
2:56:05
Dann werden wir uns jetzt mal ein Eis, werden wir uns Eis schnappen und einenTonic auswählen und genau, können wir mal überlegen, was jeder so für eine Kombi haben möchte.
Theresa
2:56:17
Und auch Gin auswählen.
Marcel
2:56:18
Gin, genau.
Heiko
2:56:19
Das stimmt. Ich tue mich schwer, das zu entscheiden. Ja.
Marcel
2:56:26
Ehrlicherweise hätte ich jetzt den niederländischen. Den fand ich nämlich auch sehr gut.
Theresa
2:56:31
Da war fast nichts mehr drin.
Marcel
2:56:33
Es tut mir leid.
Theresa
2:56:34
Ich hätte ihn nicht mitbringen sollen.
Marcel
2:56:35
Ich fand den sehr lecker. Ich würde den zeigen.
Theresa
2:56:39
Was dachte ich?
Heiko
2:56:40
Ich habe auch tatsächlich dazu tendiert. Ich habe das Gefühl,der letzte ist für mich ein Purtrinker.Den, den wir hatten, der schmeckt so pur gut, den will ich gar nicht mischen.
Marcel
2:56:52
Ich habe den, glaube ich, zweimal schon gemischt. Also einmal in dem Sour unddann nochmal in einem anderen. Der ist schon auch speziell. Was denkst du dazu?
Theresa
2:56:58
Der Kyru Dark. Ja, total. Also ich hatte mit dem, ich habe den ganz lange getrunken.Ich glaube, ich hatte mit fast keinem Chin eine Phase, dass ich so lange irgendwieimmer einen und ich habe den sehr gerne immer mit Shepist Dry Tonic getrunken.
Heiko
2:57:10
Okay, dann vielleicht muss ich den doch, wenn du sagst, also ich hätte gedacht,weil der so pur allein schmeckt, was soll ich den mischen? Aber wenn du sagst,kann man schon gut mischen.
Theresa
2:57:19
Ja, das habe ich auch schon öfters gehört. Ich habe auch tatsächlich,ich war diesen Winter in Weimar und war bei einem Gin-Tasting.Das hat mir meine Eltern geschenkt. Und die produzieren auch ihren eigenen Ginund auch fast gelagerten Gin. Und die stellen aber auch Whisky her.Da gab es Kombinationen, die waren verboten.Sonst war den fast gelagerten Gin nicht pur zu trinken.Weil eine Frau, ich war dann auch ganz froh, dass ich nicht gefragt habe,weil man so verurteilt wurde dafür.Eine Frau wollte den gerne mit Tonic Water trinken. Und er meinte, nee, der ist zu schade.schade, dass das zu schade ist. Aber gut.
Heiko
2:57:58
Aber das heißt, du würdest schon sagen, dass man den gut ein bisschen kann?
Theresa
2:58:01
Natürlich.
Heiko
2:58:01
Dann probiere ich den einfach mal.
Theresa
2:58:04
Wenn du sagst, dass du hier mit dem Baigur so einen tollen Sauer hattest,du hast mir ja ein Foto geschickt. Du hast auch selbst gemacht einen,Zuckersirup?
Marcel
2:58:11
Ja.
Theresa
2:58:12
Es ist für dich total cool. Ich könnte auch sagen.
Marcel
2:58:14
Ich mache hier… Ich habe auch Limetten noch da.
Theresa
2:58:15
Ich kann hier mit einem Sour machen, also und den auf drei aufteilen, dann ist auch…
Marcel
2:58:20
Dann würde ich, dann bin ich, dann trinken wir einen Gin Tonic und einen Sour,finde ich eigentlich einen ganz guten Abschluss.
Heiko
2:58:24
Ja, das ist doch eigentlich gut, dann haben wir den Gin Tonic mit dem und einen Sour mit dem.Also, weil keiner sieht, auf welche, ich zeige die und so. Wir machen den GinTonic mit dem Finishing und den Sour mit dem Saigon. Das wird dann…
Theresa
2:58:39
Ist das eine Idee?
Heiko
2:58:40
Das ist eine super Idee.
Theresa
2:58:41
Also sauer dann mit Elementen.
Marcel
2:58:43
Ja, machen wir.
Theresa
2:58:45
Ja, super.
Marcel
2:58:45
Dann sehen wir uns gleich wieder.Hallo, da sind wir wieder.
Heiko
2:58:52
Das hat gut geklappt. Wir schneiden das Mixen raus, damit die wahrscheinlicheh schon sehr lang gewordene Folge nicht noch übermäßig lang wird.Auf Social Media, auf Instagram könnt ihr sehen, wie toll unsere Cocktails aussehen.Was ihr nicht sehen könnt, ist wahrscheinlich, wie toll sie schmecken werden,aber das probieren wir jetzt, würde ich sagen.Nochmal zur Erinnerung, wir haben einen Gin Sour und zwar mit dem Saigon.
Theresa
2:59:17
Saigon, genau, auf Eis geschakt und ohne Eis serviert mit Marcel mit einem tollen,selbstgemachten Zuckersirup.
Heiko
2:59:27
Und dann haben wir noch einen Gin Tonic und zwar mit dem Pyrodark.
Theresa
2:59:32
Dem finnischen, fast gelagerten Gin.
Heiko
2:59:34
Genau, und ihr beide habt den Dry Tonic und ich habe den Fevertree Mediterranean Tonic dazugenommen.Und jetzt würde ich sagen, stoßen wir an.
Marcel
2:59:46
Und damit sind wir jetzt in der Gin Cocktail Drink Welt angekommen.Ich finde, der riecht auch durch, der Gin, durch den Sour, oder?
Heiko
3:00:01
Das riecht lecker. Mit Sour kannst du mich auch.
Marcel
3:00:04
Ich auch. Ich finde, den schmeckt man durch. Ich glaube, den würde ich raus.
Theresa
3:00:10
Also kommt es ran an den, den du im Botanical der Bar hattest.
Marcel
3:00:16
Ich bin einfach auch Fan davon.
Heiko
3:00:18
Von dem Sour oder von diesem speziellen Gin?
Marcel
3:00:20
Sour im Generellen, aber in der Kombi mit dem finde ich es richtig gut.
Theresa
3:00:24
Ja, finde ich auch. Also ich finde, der verliert gar nicht seinen Charakter.Er tut es dem gut, auch noch so Zitrus dazuzubekommen.
Heiko
3:00:31
Ich glaube, es passt. Der war ja auch so ein bisschen Zitrofloral.Das wird dadurch Jungwissen aktiviert.
Marcel
3:00:36
Ah, schön.
Theresa
3:00:36
Also das finde ich ist auch immer eine gute Option. Mache ich auch sehr gerne,wenn ich einen neuen Gin habe, den ich auch gerne mag, den auch immer als sauer auszuprobieren.Weil das teilweise dann nochmal total unterstützt und bestätigt, was man eh schon hatte.Oder nochmal eine ganz neue Welt eröffnet. Also teilweise geht das dann auchnochmal in eine ganz andere Richtung, was auch spannend sein kann.
Marcel
3:00:57
Also ich habe ja entdeckt, jetzt durch den Podcast bin ich erst daran wiedergekommen, weil ich da vorher irgendwie weit weg von war.Ich war vorher überhaupt gar nicht so Cocktail-Springs und jetzt bin ich richtig hyped sozusagen.
Theresa
3:01:12
Ja, voll gut. Ich glaube, man hat auch so Phasen, also auch Geschmacksphasen.oder wo man unterschiedlich offen ist, aber ich finde auch jahreszeitabhängig oder länderabhängig.Ich finde, also ich glaube, davon hatten wir es kurz in der Bar.Also wenn ich was gefragt habe, ob ich die und die Bar kenne und dann meinteich, nee, es ist bei mir eher so, wenn ich woanders bin, wenn ich im Urlaubbin, dann gehe ich, dann trinke ich gerne und dann trinke ich auch gern so,was es eben dort lokal gibt, weil ich finde, das passt dann auch meistens irgendwiezum Klima und dem Land oder der Ortschaft, wo man ist.Es macht irgendwie Sinn oftmals.Und ja, also über Spirituosen lernt man auch oft viel übers Land.
Marcel
3:01:54
Mhm.Ja, absolut. Lokal, kulturell.
Heiko
3:01:59
Und auch gerade Pisco und so weiter.
Theresa
3:02:03
Ja, voll.
Heiko
3:02:03
Da steckt ja viel, auch kulturelle Historie dann und hinter und wirklich,Lebenswandel, Lebensstil, Kultur.
Marcel
3:02:11
Wird dann Sour häufig getrunken? Also ist das beliebt so?
Theresa
3:02:17
Ja, klar. Also mit allen Spirituosen.
Heiko
3:02:20
Ich kannte ihn ehrlicherweise mit Gin gar nicht.
Marcel
3:02:22
Ich auch.
Heiko
3:02:23
Ich bin völlig überrascht, dass es Gin ein Sour gibt. Also es ergibt total Sinn,warum sollte ich nicht ein Sour mit jedem, aber ich habe einfach nie drüber nachgedacht.Ich habe Whisky-Sour kenn ich, Pisco-Sour, selbst ein Mescal-Sour,aber so an Gin-Sour habe ich einfach gar nicht gedacht. Gin ist so in meinem Kopf mit Tonic.
Marcel
3:02:38
Gin-Tonic programmiert.
Theresa
3:02:39
Ja, für viele. Aber es gibt ja mit jeder, also auch Rum-Sour.
Heiko
3:02:42
Das ergibt total Sinn, da ich jetzt wirklich nicht auf dem Schirm gehabt habe.Aber Gin-Tonic, ich würde sagen, wir trinken einmal jetzt nochmal kurz auch den Gin-Tonic dazu.
Theresa
3:02:50
Was bekannter ist bei Gin, ist Gin-Fiss oder Tom Collins. Also es ist ein Sour Tim Collins, stimmt.
Heiko
3:02:56
Den kenne ich.
Marcel
3:02:57
Tom Collins?
Theresa
3:02:58
Ja, beides richtig. Tom Collins oder Chin Fizz.
Marcel
3:03:03
Chin Fizz ist aber auch mit Soda, oder?
Theresa
3:03:05
Beides ein Sauercocktail mit Soda-Wasser verlängert. In einem Long-Drink-Glas.
Marcel
3:03:10
Den habe ich tatsächlich auch probiert, aber nicht den Tom Collins.Den habe ich noch gar nicht gehört vorher.
Theresa
3:03:15
Ist auch unterschiedlich gängig, dass man den dann auch Tom Collins nennt.Also das ist dann so die Bezeichnung, also oftmals als unter Chin Fizz.
Heiko
3:03:23
Ah, das ist das Gleiche. Ah, okay, das wusste ich auch nicht.Okay, dann wirklich ein abschließendes Cheers mit dem Gin Tonic.Du darfst natürlich gerne lieber deinen Sour trinken.
Theresa
3:03:35
Stößchen.
Heiko
3:03:36
Vielen Dank, Theresa, dass du da warst, dass du den Schabernack mit uns hier mitgemacht hast.
Marcel
3:03:41
Wir müssen jetzt hier nochmal ein Fazit ziehen, oder? Im Sinne von, was ist jetzt…
Theresa
3:03:44
Ja, mich hat es auf jeden Fall voll gefreut.
Heiko
3:03:50
Fazit im Sinne von, was unser Favorit war. Ich glaube, das habe ich,also ich habe schon deutlich gemacht, dass ich glaube ich den finischen,das hat einfach schon sehr mein getroffen.Aber ansonsten bin ich bei dem, ja eigentlich die beiden, die wir jetzt auchfür den Cocktail ehrlicherweise genutzt haben.Die sind für meine Farid bei den ersten, den Sips. Ich fand den lecker vom Wacholdrigenher, aber mir einen Ticken zu alkoholisch, um ihn pur zu trinken.Vielleicht funktioniert er super in einem Gin Tonic.
Marcel
3:04:16
Der funktioniert glaube ich ganz gut in einem Gin Tonic.
Theresa
3:04:17
Ja, auch als Martini Dry Cocktail.
Marcel
3:04:19
Oh, Martini stimmt. Martini war ja auch, also man kann so viel zu…
Theresa
3:04:23
Aber da, das ist auf jeden Fall…
Marcel
3:04:25
Eine eigene Story.
Theresa
3:04:26
Ja, oder was heißt eine eigene Story, ist auch ein sehr starker Drink und da bitte ich jetzt…
Heiko
3:04:30
Okay.
Theresa
3:04:31
Ja, wir haben ja jetzt schon zu viel auf dem Tisch.
Heiko
3:04:34
Ja, das stimmt. Und ansonsten muss ich sagen, den Brockmanns,den fand ich also zwar interessant, aber mir war ja zu Bubblegummi.
Marcel
3:04:41
Ja.
Heiko
3:04:41
Also fair enough, dass es Leute gibt, die das mögen und freut mich,dass sie das finden und an sich spannend, dass es das gibt, aber ist nicht meins.
Theresa
3:04:49
Ja, da zieht man viele Leute mit ins Boot, denen vielleicht auch so Wacholderein bisschen zu bitter ist oder Tonic Water,Kienerinde, die eben Tonic Water ist, hat eben auch diesen bitteren Geschmackund über diese New Western Dry Geschichten, über diese fruchtdicken Chin-Sottenkriegt man auch viele Leute mit ins Boot,die man sonst nicht dabei hätte.Das kann man dann gut empfehlen, wenn eine Person sagt, nee,ist mir alles zu bitter, ist nicht so meins und dann kann man,wenn es den Brockman gibt, sagen, hey, probier doch mal den.
Marcel
3:05:19
Mein Favorit war, ist ja Saigon, hatte ich ja schon gesagt, glaube ich.Und der Sipsmith fand ich, mag ich einfach dann doch als klassischen,habe ich gemerkt wieder.Ich glaube, dass dann auch wieder, wenn man in die andere Richtung probiert,dann wieder zurückzugehen zu klassischen, das ist, glaube ich, an sich auch ganz cool.Und der, den du mitgebracht hattest, der war tatsächlich der…
Heiko
3:05:38
Der Saigon ist ja auch dein Favorit und der ging ja in eine ähnliche Richtung.Den hatte ich jetzt gerade gar nicht mehr auf dem Schirm, der war natürlich auch super.
Theresa
3:05:48
Stell die leere Flasche immer wieder auf.
Marcel
3:05:52
Was ist dein generell Favorite persönlich? Also jetzt nicht mal,was hier steht, sondern wo du sagst, es ist dein…
Theresa
3:05:58
Es ändert sich tatsächlich. Also es gibt so ein paar Klassiker,wo ich sagen würde, das sind Klassiker für mich auch so generell.Also den Saigon finde ich wirklich toll. Den kenne ich ja auch noch nicht so lange.Welchen ich auch ganz gerne mag und immer wieder trinken muss,ist Bertas Revenge. Weiß der Gin?Der ist ein irischer Gin und der ist mit Molke destilliert.Und weil wir es vorhin hatten von so Bezeichnungen und du warst dir nicht sicher,ob du das sagen kannst, dass es so nach Bubblegum riecht.Also bei dem sagen manche, vor allem ein ehemaliger Kollege von mir hat gesagt,der schmeckt nach Käsefuß und ich habe auch gar keinen Käsefuß-Fetisch oder Wuss-Fetisch.Aber ich finde, er hat recht.Ich verstehe, dass es in so eine Richtung gehen könnte.
Heiko
3:06:49
Ich kann das total nachvollziehen. Wir hatten irgendwann mal einen Wein,da hast du mich ganz komisch angeschaut, weil ich meinte, der riecht wie Käsefuß.Also ich kann es auf jeden Fall nachvollziehen.
Theresa
3:06:57
Aber also den finde ich irgendwie auch sehr besonders. Es gibt einige.Also ich finde, wie gesagt, es muss zur Stimmung, zum Wetter, zur Situation passen.
Marcel
3:07:06
Ja, dann wiederum, wie es auch eigentlich bei Weinen recht ist.
Theresa
3:07:11
Ja, es kann gut sein.
Heiko
3:07:12
Absolut. Immer ein bisschen tagesformabhängig.
Theresa
3:07:14
Ich glaube nicht, dass Gin vielfältiger ist als Wein, weil ihr das ja so amAnfang vielleicht mal so gesagt habt.Aber ja, ich glaube, es ist schwer zu vergleichen.
Marcel
3:07:26
Und den Tonic, also ich weiß, so wird es abmoderiert.Aber dazu haben wir jetzt noch gar nichts gesagt. Spezieller, ne?
Heiko
3:07:37
Ja, ich glaube, also meine Skepsis muss ich gestehen, dass der,der mir pur besonders gut schmeckt, ob ich den wirklich mischen will,bleibt bei mir ein bisschen. Ich glaube, ich würde ihn pur bevorzugen.
Theresa
3:07:47
Das ist vollkommen fein.
Heiko
3:07:48
Weil ich finde, tatsächlich durch diesen, vielleicht ist auch das falsche TonicWater, ich habe jetzt natürlich anders als ihr nicht den Dry,sondern den Mediterranean.Aber ich finde dadurch irgendwie aktiviert er dieses Vanillige nochmal krass,das jetzt schmeckt es wirklich wie diese Vanillepudding aus der Pürschen Folge.Ist mir fast schon ein Ticken too much.
Theresa
3:08:07
Ja, verstehe ich. Nee, vielleicht wäre auch das Dry Tonic.
Heiko
3:08:10
Ja, hättet ihr mich mal beredet.
Theresa
3:08:12
Ja. Ich finde das immer, ich finde es okay.Also du musst einfach dem nochmal eine Chance geben und ihn dann nochmal mitdem Dry Tonic probieren.
Heiko
3:08:22
Mache ich bei Gelegenheit oder bleib auch einfach dabei, den wirklich leckerpur zu trinken. Ich fand ihn wirklich überzeugend, pur, muss ich gestehen.
Marcel
3:08:29
Du hast mich auf jeden Fall bekehrt im Sinne von, also wir haben manchmal jamit dem Punkt, wir reden über Wein und so weiter und dann hat Heiko so einenRespekt vor dem Wein sozusagen, was man dazu sagen kann oder auch in welche Richtung der geht.Ich glaube, mir ging es jetzt ein bisschen auch mit dem Gin und Tonic Kombinationso, weil ich dann auch irgendwie so einen Respekt davor habe und du hast javorhin darüber gesprochen,dass das quasi eigentlich ein sehr viel mehr persönlicher Geschmack ist unddass man da auch ein bisschen rumprobieren muss und dass es wie in der Kücheist und so weiter, dass man halt mit der Erfahrung kommt, dann weiß man,was dann irgendwie passt.Insofern ist das die Message, die ich mitgenommen habe für Gin Tonic sozusagen,dass man da sehr viel freier,mit umgehen darf und das nicht alles so ein Stein gemeißelt sehen muss.
Theresa
3:09:18
Voll, also ja. Also ich finde aber auch generell ist das was,was man sich merken kann.Also ich finde, es ist irgendwie wichtig für sich selbst irgendwie offen zubleiben, auch Neues zu probieren, weil es einfach mehr Spaß macht.Muss man nicht. Also es ist nur ein Ratschlag irgendwie das Leben zu genießenin der Fülle, die es halt gibt.Und dann auch auf sich selbst zu vertrauen, also was einem schmeckt und auch das ändert sich.Und deswegen finde ich, ist es gut, neugierig zu bleiben und sich immer malwieder auf was Neues einzulassen, weil man weiß ja auch, was einem schmeckt,aber manchmal ändert das sich.Und man bemerkt selbst nicht, weil man von sich weiß, ich bin die Person,der das schmeckt. Aber irgendwann ist es vielleicht was anderes, was dann besser wird.
Heiko
3:09:58
Und vielleicht ist es dann doch der Gordon Gin Tonic aus der Dose mal, kann natürlich sein.
Theresa
3:10:01
Und ich finde, das ist eigentlich jetzt nicht nur auf Spirituosen, so ist es doch generell.Dass man einfach platzlässt, sich selbst überraschen zu können und zuzulassen,dass man halt mehrere Facetten hat.
Heiko
3:10:14
Ich finde das ein total weises und schönes Schlusswort.
Marcel
3:10:18
Jetzt wirklich, ich weiß.
Heiko
3:10:19
Also ich möchte jetzt gar nicht das hier abhören, aber ich finde das wirklichein schönes Schlusswort. Jetzt traue ich mich aber, dich nicht nochmal zu bedanken.Ich müsste Marcel sich jetzt vielleicht bedanken.
Marcel
3:10:28
Danke, Theresa, dass du da warst.
Theresa
3:10:29
Ja, danke euch.
Heiko
3:10:31
Ich hoffe, es hat dir auch ein bisschen Spaß gemacht. Ich hoffe,du hast auch ein bisschen was gelernt.Wenn nicht, dann, wir hatten auf jeden Fall, glaube ich, Spaß.Und auch für deine Expertise.
Theresa
3:10:39
Gemütlich und schön mit euch. Also, ja, wirklich.
Heiko
3:10:43
Und, ja, mehr Geschichte.
Theresa
3:10:45
Als ob wir hier jede Woche sitzen. Dabei kennen wir uns noch gar nicht lang.
Heiko
3:10:50
Und wir trinken jetzt noch den Cocktail hier gemütlich aus, schnacken noch einbisschen über verschiedene Geschmäcker und Lebensweisheiten.Vielen Dank, dass ihr bis hierhin zugehört habt bei, ich habe das Gefühl,fünfeinhalb Stunden. Und ich bin froh und freue mich, wenn ihr das nächste Mal wieder zuschaltet.
Marcel
3:11:05
In dem Sinne, das Leben genießen und wir sehen uns das nächste Mal.
Heiko
3:11:11
Prost.
Marcel
3:11:11
Prost. Stimmt.Prost.
Theresa
3:11:38
Es ist jetzt auf jeden Fall wild, aber so ist es halt. Gin Tonic ist ja auch wild.
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