Ein winziges Insekt bringt Europas Weinwelt an den Rand des Zusammenbruchs: In dieser Folge erzählen wir die Geschichte der Reblaus (Phylloxera). Es geht um wissenschaftlichen Aufbruch, globale Pflanzenreisen, Verleugnung und bizarre Rettungsversuche – bis die Lösung ausgerechnet dort gefunden wird, wo auch der Schädling herkam: in Amerika. Im Glas: Weine aus Yecla von Barahonda und La Rioja von Exopto (Dealer de Vin).
Descubre la historia de Bodegas Barahonda, en Yecla, donde la Monastrell y nuestra tierra inspiran cada vino. De la tradición en el campo a la innovación en la bodega, celebramos nuestras raíces mientras brindamos por el futuro.
Hintergrund zur Folge: Geschichte der Reblaus (Phylloxera)
Ein winziges Insekt aus Amerika vernichtete im 19. Jahrhundert beinahe die gesamte europäische Weinwelt – und niemand sah es kommen. Die Geschichte der Reblaus ist nicht nur eine Agrarkatastrophe, sondern ein Lehrstück über Wissenschaft, Verleugnung, Globalisierung und die Frage, was geschieht, wenn Organismen, die sich über sehr lange Zeiträume gemeinsam entwickelt haben, plötzlich in eine neue ökologische Umgebung versetzt werden.
Darwin, Dampfschiffe und blinde Passagiere
Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter des wissenschaftlichen Aufbruchs. Charles Darwins „On the Origin of Species“ (1859) hatte die Natur neu beschreibbar gemacht: nicht als stabile, gottgegebene Ordnung, sondern als einen Raum ständiger Konkurrenz, Anpassung und Ko-Evolution. Ein fortwährender Kampf ums Dasein, in dem sich Organismen über Jahrtausende anpassen und verändern. Was noch niemand ahnte: Die Natur war gerade dabei, ein Experiment zu starten, das Darwins Theorie in Echtzeit beweisen würde. Und der Schauplatz dieses Experiments war der Weinberg.
Gleichzeitig erschloss eine neue Infrastruktur aus Dampfschiffen und Eisenbahnen den Globus wie nie zuvor. Für Botaniker und Naturforscher war die Welt ein riesiger pflanzlicher Vorrat, den man systematisch erschließen konnte. Ermöglicht wurde dieser globale Pflanzenverkehr durch eine unscheinbare Erfindung: den Ward’schen Kasten, ein luftdicht verglastes Behältnis, in dem Pflanzen lange Überfahrten über den Atlantik problemlos überstehen konnten. Der Effekt war ein globaler Pflanzenverkehr in nie dagewesenem Ausmaß – und, entscheidend, ohne jede Kontrolle, ohne jede Quarantäne.
Amerikanische Reben gelangten so in wachsender Zahl nach Europa – als botanische Kuriositäten, als Versuchsobjekte, als potenzielle Lösung gegen den Echten Mehltau, der bereits in den 1840er Jahren die europäischen Weinberge heimgesucht hatte. Dieser erste große Pflanzenschock hatte bereits ein wichtiges Muster sichtbar gemacht: Die amerikanischen Reben blieben von dem Pilz verschont, die europäischen nicht. Wer Darwin gelesen hatte, hätte verstehen können, warum: Der Pilz stammte ebenfalls aus Amerika, und amerikanische Reben hatten Jahrtausende mit ihm zusammengelebt. Sie hatten eine Abwehr entwickelt. Die europäischen Reben kannten ihn nicht – und waren schutzlos. Das Muster war klar, aber niemand zog die naheliegende Konsequenz: dass die nächste eingeschleppte Bedrohung genauso funktionieren könnte. Die Heimat der Reblaus war Amerika, und sie reiste mit – eingepackt in Ward’sche Kästen, unsichtbar, unbemerkt, und mit verheerenden Folgen.
Was ist die Reblaus und wie funktioniert ihr Lebenszyklus?
Die Reblaus, wissenschaftlich Daktulosphaira vitifoliae, früher auch unter dem Namen Phylloxera vastatrix bekannt, ist ein mit den Blattläusen verwandtes Insekt, das ausschließlich Weinreben befällt. Entdeckt wurde sie 1868 vom französischen Botaniker Jules-Émile Planchon, als er an den Wurzeln sterbender Reben im Rhône-Tal unter der Lupe ein Gewimmel gelblicher Punkte fand: Massen kleiner Insekten, kaum größer als Staubkörner, die die Feinwurzeln regelrecht übersät hatten. er Name war schnell gefunden: Phylloxera aus dem Griechischen (sinngemäß) „blattaustrocknend“, vastatrix aus dem Lateinischen für „die Verwüsterin“. Wie sieht eine Reblaus aus? Gelblich, oval, mit sechs Beinen und so klein, dass sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen ist.
Wer aber verstehen will, warum die Reblaus so verheerend wirkte, muss ihren Lebenszyklus betrachten – und das evolutionäre Prinzip dahinter. Dieser ist von beinahe unheimlicher biologischer Präzision. Eine einzige Gründerin (fundatrix), die aus einem Winterei schlüpft, beginnt die Population ohne Männchen fortzusetzen. Durch Parthenogenese, also eingeschlechtlicher Vermehrung. In rascher Folge entstehen Hunderte Nachkommen, die selbst wieder durch Parthenogenese weitere Hunderte hervorbringen und so weiter, in einer fast unaufhaltsamen Kaskade des Wachstums.
Diese Vermehrung geschieht auf amerikanischen Reben vor allem sichtbar an den Blättern. Die Tiere stechen in die Blätter und lösen dort die Bildung kleiner Brutkammern aus, sogenannter Gallen. Das sind auffällige, sichtbare Strukturen aus umprogrammiertem Pflanzengewebe.
Ein Teil dieser Tiere verlässt irgendwann das Blatt. Sie lassen sich fallen, krabbeln den Stamm hinunter, verschwinden im Boden. Und dort beginnt die eigentliche Katastrophe. Dort injiziert die Reblaus Speichel, der die Wurzelzellen anschwellen lässt, Wucherungen bildet (sog. Nodositäten) und offene Stellen erzeugt. Pilze und andere Schädlinge dringen ein. Die Rebe stirbt so nicht direkt durch den Biss, sondern weil sie zunehmend keine Nährstoffe mehr aufnehmen kann.
Amerikanische Wildreben, mit denen die Reblaus über Jahrtausende ko-evolviert ist, sind auf diesen Angriff vorbereitet. Sie reagieren auf die Einstiche mit einer korkartigen Zellschicht, die Einstichstellen verschließt, und setzt biochemische Stoffe frei, die die Larven abstoßen. Ein Gleichgewicht hat sich eingespielt: die Rebe überlebt, der Parasit ernährt sich, tötet aber nicht. Das ist, evolutionär betrachtet, der Idealzustand eines Parasiten. Die europäischen Reben dagegen sind diesem Angriff schutzlos ausgeliefert. Das bedeutet: Genau dort, wo die Reblaus am meisten Schaden anrichten kann, hat sie die besten Bedingungen. Hier gibt es die meisten Nährstoffe. Hier wird sie nicht gestoppt. Auf europäischen Reben verlagert sich der Befall daher fast vollständig unter die Erde, wo man ihn nicht sehen kann. Keine auffälligen Gallen. Keine Insekten auf den Blättern. Nur Rebstöcke, die scheinbar grundlos schwächer werden und irgendwann absterben.
Und irgendwann entwickelt die Reblaus schließlich auch noch eine geflügelte Form. Jetzt kann sie fliegen. Von Rebe zu Rebe, von Weinberg zu Weinberg. Damit ist das Problem nicht mehr lokal, sondern überall (wobei der Wind auch die ungeflügelte Form über weite Strecken tragen kann).
Und ganz am Ende dieses Kreislaufs tauchen dann doch noch Männchen auf. Kurzlebig und auf eine einzige Aufgabe reduziert: die „echte“, geschlechtliche Paarung mit dem Ziel, ein einziges Ei zu produzieren. Das Winterei.
Und dann beginnt alles von vorn.
Quelle: Institut für Biologie, Humboldt Universität Berlin, 1882
Die Reblauskatastrophe: Ausbreitung und Verleugnung
Was als lokales Rätsel im Rhône-Tal begann, entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zur schwersten Katastrophe der Weinbaugeschichte. Die Reblauskrise erfasste schließlich nahezu ganz Europa und breitete sich später über weite Teile der Weinwelt aus. Frankreich traf sie jedoch zuerst mit voller Wucht: Rund 1,7 Millionen Hektar Rebfläche wurde zerstört, ein großer Teil der gesamten französischen Weinproduktion.
Und die Ausbreitung folgte einem Muster, das immer auch von Verleugnung begleitet wurde …
Niemand wollte öffentlich zugeben, dass die eigenen Weinberge bedroht waren. Für Bordeaux, Burgund oder die Champagne war Wein nicht bloß ein Produkt, sondern ein Stück nationaler Identität. Offizielle Stellen zweifelte, relativierten, sprachen von übertriebenen Berichten. Andere erklärten das Rebsterben mit schlechtem Rebschnitt, Klimaschwankungen oder der bizarren These der „Degeneration“: Jahrelange vegetative Vermehrung habe die „männliche Vitalität“ aus den Pflanzen herausgezüchtet. In Burgund kursierten gar Verschwörungstheorien, die Reblaus sei von politischen Gegnern absichtlich eingeschleppt worden und staatliche Inspektionen seien ein Komplott der Chemie- und Eisenbahnindustrie.
Mittel gegen die Reblaus – ein Wettlauf der Hilflosigkeit
Die französische Regierung setzte 300.000 Francs als Preisgeld aus für jeden, der ein wirksames Mittel gegen die Reblaus findet. Über 600 Vorschläge gingen ein. Planchon, der sie sichten musste, kommentierte trocken: „Die Durchsicht dieser Sammlung von Unsinn wirft ein trauriges Licht auf den Geisteszustand der Öffentlichkeit.“ Aus Neapel trafen zwei Tonnen Vulkanasche aus Pompeji ein, in der Hoffnung, der historische Staub würde das Insekt verwirren. Andere schlugen Dynamitsprengungen vor, um den Boden aufzulockern, oder Musikkapellen, die die Läuse heraustrommeln sollten.
Bei den ernsthafteren Versuchen war Schwefelkohlenstoff das wirkungsvollste chemische Mittel gegen die Reblaus: in den Boden injiziert, tötete es die Insekten, aber oft auch die Reben selbst, und die Kosten überstiegen häufig den Wert des geretteten Weins. Ein Winzer namens Louis Faucon überflutete seinen Weinberg wochenlang mit 25 Zentimeter Wasserstand und erzielte Erfolge, doch ein flächendeckendes Netz aus Kanälen und Bewässerungssystemen blieb wirtschaftlich unrealistisch.
Und dann war da noch der Sand. Winzer bemerkten, dass Reben auf sandigen Böden weitgehend verschont blieben. Im lockeren Sand kann sich die Reblaus nur schlecht fortbewegen. Stabile Gänge und Hohlräume brechen immer wieder zusammen, die Wurzeln bleiben für die Tiere schwer erreichbar. In manchen Küstenregionen begann deshalb ein regelrechter Wettlauf um Dünengelände. Doch schon geringe Beimischungen von Lehm oder Ton reichten aus, um den Schutz zunichtezumachen.
Keine dieser Methoden taugte daher als flächendeckende Lösung. Die eigentliche Antwort lag woanders.
Rettung aus Spanien, Lösung aus Amerika
Während Frankreich noch nach einer Lösung suchte, richtete sich der Blick auf die Nachbarn. Spanien lieferte genau das, was Frankreich dringend brauchte: Wein mit hohem Alkoholgehalt und intensiver Farbe – Rohstoff zum Verschneiden und Strecken der eigenen, durch die Reblauskatastrophe drastisch geschrumpften Produktion. Zwischen 1860 und 1888 wuchs die spanische Rebfläche um rund 40 Prozent. Der Exportanteil am gesamten spanischen Wein stieg bis 1891 auf 47 Prozent — ein Wert, der erst 2010 wieder überschritten wurde. 1877 schlossen Frankreich und Spanien einen Handelsvertrag, der die Zölle auf spanischen Wein deutlich senkte. Wein wurde so zum wichtigsten Exportgut Spaniens und machte zeitweise über 30 Prozent des gesamten Exportwertes aus.
Besonders die Rioja erlebte in dieser Zeit eine tiefgreifende Transformation. Bereits während der Mehltau-Krise einige Jahre zuvor hatten Händler und Winzer aus dem Bordelais, als sie in Frankreich keinen Wein mehr produzieren könnten, die Pyrenäen überquert und Bodegas nach dem Châteaux-Modell geründet – eine Entwicklung, die sich während der Reblauskrise fortsetzte. Sie brachten Barrique-Ausbau, das Entrappen der Trauben und jahrelange Kellerlagerung mit in eine Region, die das zuvor kaum kannte. Die Seele der Rioja, sagt man manchmal, ist bordelaise.
Ein zweites Weinbaugebiet, das besonders von der Krise profitierte war Jumilla in der Region Murcia – aber auf ganz andere Weise. Diese heiße, trockene Gegend mit ihrer Hauptrebsorte Monastrell blieb im 19. Jahrhundert vollständig von der Reblaus verschont. Der Grund: ihr Boden. Der Sandboden in Jumilla verhinderte die Bewegung der Insekten im Boden. Was den südfranzösischen Winzern als glückliche Ausnahme auf einzelnen Parzellen auffiel, war in Jumilla die Geologie der gesamten Region.
Die Reblaus erreichte letztlich Spanien und verwüstete auch hier große Teile der Ernte, aber Jumilla blieb verschont. Erst 1989, nachdem moderne Bewässerungssysteme die Bodenstruktur verändert hatten, traf die Reblaus auch diese Region hart.
Die Lösung: Propfung (Veredelung)
Die eigentliche und einzige dauerhaft wirksame Lösung kam aber aus Amerika, also von genau dort, wo die Ursache lag. Und sie folgte derselben evolutionären Logik, die das Problem erst erklärbar gemacht hatte: die Pfropfung. Europäische Edelreben werden dabei auf resistente amerikanische Wurzelstöcke gesetzt. Der Vorgang ist biologisch faszinierend: Man verbindet einen Triebsteckling der gewünschten Rebsorte mit einem Steckling einer robusten amerikanischen Unterlage. Entscheidend ist, dass das Kambium beider Teile – eine hauchdünne Schicht teilungsfähiger Zellen direkt unter der Rinde – exakt aufeinanderliegt. Dort bildet sich ein sogenannter Kallus, eine schwammartige Zellmasse, die den Spalt schließt. Innerhalb weniger Wochen wachsen die beiden Teile buchstäblich zusammen, Wasser und Nährstoffe fließen durch, als wäre es immer eine einzige Pflanze gewesen, ohne dass der Geschmack der aufgepfropften Sorte sich verändert.
Unter der Erde übernehmen die amerikanischen Wurzeln die Abwehr gegen die Reblaus, über der Erde wächst die vertraute Vitis vinifera weiter. Der Wein bleibt französisch, spanisch, deutsch oder italienisch. Nur seine Wurzeln sind es nicht mehr. Heute wachsen rund 85 Prozent aller Weinreben weltweit auf amerikanischen Unterlagsreben. Das ist die direkte Konsequenz der Reblauskatastrophe und ein stiller Triumph der Evolutionstheorie: Die einzige Antwort auf ein Problem, das durch das Aufeinanderprallen zweier nicht aneinander angepasster Ökosysteme entstanden war, war selbst eine evolutionäre. Nicht kämpfen, nicht chemisch überwältigen, sondern anpassen.
Die Wurzel des Problems war amerikanisch. Die Wurzel der Lösung auch.
Veredelte Rebe: Das dunklere Edelreis (Rebsorte) oben, die hellere Unterlage unten Quelle: Wikimedia, Riccardo Pastore
Die verkosteten Weine
Dass in dieser Folge spanischer Wein im Glas landet und kein französischer, ist kein Zufall – sondern eine direkte Konsequenz der Geschichte. Frankreich traf die Reblauskatastrophe früh und hart. Spanien füllte die Lücke. Und zwei Regionen, die dabei besonders prägend waren, stehen heute im Mittelpunkt: Yecla in Murcia und La Rioja im Norden
Yecla – sandige Böden gegen die Reblaus
Im Geschichtsteil war bereits von Jumilla die Rede, der Weinregion, die dank ihrer sandreichen Böden von der Reblauskrise zunächst verschont blieb. Jumilla und Yecla sind beide Denominaciones de Origen in der Region Murcia. Und auch für Yecla gilt: Die lockeren Sandböden erschwerten der Reblaus die Ausbreitung erheblich, sodass die Region im Vergleich zu vielen anderen europäischen Weinbaugebieten nur wenig unter der Reblauskatastrophe litt.
Yecla liegt im Südosten Spaniens, in der Region Murcia, eingebettet zwischen Bergen, die ein eigenes Mikroklima erzeugen. Die Denominación de Origen Protegida Yecla ist eine der kleineren und weniger bekannten spanischen Weinregionen – was ihren Charakter aber eher unterstreicht als schmälert. Die Weinberge liegen auf 530 bis 870 Metern Höhe. Die Winter sind kalt, die Sommer extrem heiß, der Regen rar. Nur robuste Reben überleben hier.
Ergänzt werden die Sandböden durch Kalkstein als Wasserspeicher, der für Frische und Struktur in den Weinen sorgt. Zusammen mit der Höhenlage und dem extremen Klima ist das die Grundlage, die Yecla zu einem Kraftzentrum für dunkle, strukturstarke Weine macht.
Monastrell, die Königin von Murcia
Keine Rebsorte prägt Yecla – und ganz Murcia – so sehr wie die Monastrell. Sie ist Spaniens fünftwichtigste Rotweinsorte mit rund 40.000 Hektar Anbaufläche, verbreitet vor allem in Murcia, Valencia, La Mancha und Katalonien. Außerhalb Spaniens ist sie als Mourvèdre bekannt, etwa im Châteauneuf-du-Pape und entlang der Rhône, in den USA trägt sie den Namen Mataro.
Die Monastrell ist eine autochthone spanische Rebsorte, deren Ursprung in der Region Valencia liegt, genauer in der Stadt Murviedro. Ihr Name leitet sich vom (vulgär)lateinischen monasteriellu ab und deutet auf den frühen Anbau in Klöstern hin. Erste urkundliche Erwähnungen stammen aus dem 14. Jahrhundert, die eigentliche Einführung auf die Iberische Halbinsel geht aber vermutlich schon auf die Phönizier im 5. Jahrhundert zurück.
Als Rebsorte braucht Monastrell Wärme, und zwar viel davon. Sie reift sehr spät, oft bis weit in den Oktober, und zieht ihr Wasser aus Kalkstein statt aus dem Regen. Was sie produziert, ist charakterstark: tiefblaue bis schwarze Farbe, reife schwarze Früchte, Brombeeren, Würze, Lakritz, Schokolade, Pfeffer. In der Jugend zeigt sie oft einen erdigen, leicht animalischen Ton. Mit hohem Alkohol und kräftigen Tanninen gibt sie Cuvées Rückgrat und Struktur. Als Solist, auf alten Wurzeln, ist sie eine der faszinierendsten Rebsorten der Weinwelt.
Bodegas Barahonda: Weine aus wurzelechten Reben
Die Geschichte von Bodegas Barahonda beginnt 1850, als Pedro Candela erstmals Wein in Yecla produzierte. Heute führen Antonio und Alfredo Candela das Gut in vierter Generation, seit 2006 unter dem Namen Bodegas Barahonda. Mit 150 eigenen Hektar und weiteren 600 Hektar von Partnerwinzern bewirtschaftet Barahonda fast ein Sechstel der gesamten Anbaufläche Yeclas. Das Weingut liegt inmitten typischer südspanischer Landschaft, umgeben von Bergen und Windrädern, mit einem modernen Gebäude, das sich in die Landschaft einbettet – und seit 2026 sogar einem Michelin-Stern im Hausrestaurant unter Koch Alejandro Ibáñez.
Das Besondere an Barahonda ist passend zum Thema unserer heutigen Folge der Bestand an sogenannten Pie Franco-Reben: wurzelechte Rebstöcke, die nie auf amerikanische Unterlagsreben gepfropft wurden, Möglich ist das eben wegen der schützenden Sandböden Yeclas. Einige dieser Reben sind bis zu 100 Jahre alt, klein und gedrungen, mit tief verwurzeltem Charakter.
Bodegas Barahonda ist für Marcel so etwas wie ein verlässlicher Evergreen, ein Weingut, das er einfach immer wieder gerne im Glas hat. Umso mehr hat es ihn gefreut, es auch mal zu einer Folge mitbringen zu können.
Zum Einstieg trinken wir den Barahonda Crianza 2022, eine Cuvée aus Monastrell, Syrah und Petit Verdot von bis zu 50 Jahre alten Reben in 500 bis 900 Metern Höhe. Der Wein reift zwölf Monate in amerikanischen und französischen Barriques („Crianza“ leitet sich vom spanischen criar ab, also „erziehen“ oder „großziehen“, und verweist auf den Ausbau im Fass). Das Ergebnis: fruchtig, kirschig, mit feiner Säure und angenehmer Würze, für knapp elf Euro einer der verlässlichsten Alltagsweine aus der Region.
Danach der Barahonda Summum 2022: 100 Prozent Monastrell, von handselektierten Trauben wurzelechter Reben auf 700 bis 900 Metern Höhe. 16 Monate Ausbau, davon 90 Prozent in amerikanischer und 10 Prozent in französischer Eiche. Das Ergebnis ist eine andere Liga. Tiefdunkel, warm, Sandelholz, Brombeere, mit einer Frische, die bei 15 Prozent Alkohol überrascht und einem langen, strukturreichen Abgang. 93 Punkte von James Suckling, 18,90 Euro.
Rioja – Spaniens bedeutendstes Weinanbaugebiet und sein französisches Erbe
Die DOCa La Rioja ist wohl die bekannteste Weinregion Spaniens und trägt mit der Denominación de Origen Calificada die höchste Qualitätsstufe des Landes, die neben der Rioja nur noch der Priorat hält. Die Region liegt im Norden Spaniens, Nachbar von Baskenland und Navarra, und ist nach dem Fluss Oja benannt, einem Nebenfluss des Ebro. Der Ebro selbst prägt die Landschaft ähnlich wie die Gironde in Bordeaux: Er teilt das Anbaugebiet in unterschiedliche Subregionen. Insgesamt umfasst das Anbaugebiet rund 65.000 Hektar Rebfläche, das entspricht etwa zwei Drittel der gesamten Rebfläche Deutschlands.
Dass die Rioja heute ist, was sie ist, verdankt sie zu einem großen Teil dem Unglück ihrer französischen Nachbarn. Wie oben bereits im Geschichtsteil erwähnt, kamen viele Winzer aus Frankreich zunächst während der Mehltaukrise, später auch während Reblauskatastrophe, nach La Rioja und brachten ihr Know how mit.
Kalkstein in der Rioja Alta und Alavesa sorgt für elegantere, frischere, strukturiertere Weine, Lehm in der Rioja Oriental für fette, vollreife, wuchtige. Die wichtigste Rebsorte ist mit rund 80 Prozent Anteil der Tempranillo – mittelkräftig, Kirschen, Leder, Tabak, der Name leitet sich von temprano ab, „früh“, weil er früher reift als andere. Daneben spielen Garnacha für Körper und Reife sowie Graciano für Säure, Würze und Langlebigkeit eine wichtige Rolle. Das Reifesystem ist klar geregelt:
Crianza bedeutet zwei Jahre, davon mindestens ein Jahr im Barrique
Reserva drei Jahre mit mindestens einem Jahr Holz
Gran Reserva fünf Jahre mit mindestens zwei Jahren im Fass.
Bodegas Exopto: Bordeaux trifft Rioja
Tom Puyaubert ist im Südwesten Frankreichs geboren und in Bordeaux aufgewachsen. Er studierte Agrarwissenschaften in Toulouse, arbeitete 1996 auf einem kleinen Weingut in Virginia und kam Anfang der 2000er Jahre als Vertreter einer französischen Fassbinderei in die Rioja. Was er dort vorfand, ließ ihn bleiben. 2003 gründete er Bodegas Exopto , benannt nach dem lateinischen exopto, was so viel heißt wie „sehnsüchtiges Entgegenblicken“ oder „freudiges Hinfiebern“. Sein Ziel war es, alte Weinberge an den Hängen der Sierra Cantabria wiederherzustellen.
Heute bewirtschaftet Exopto 22 Hektar auf mehr als 30 Parzellen, die meisten Rebstöcke sind über 60 Jahre alt – eine Struktur, die bewusst an das burgundische Lagenprinzip erinnert. Tom arbeitet biodynamisch, pflügt mit Pferden und erledigt nahezu alles von Hand. Er gehört zu „Rioja’n’Roll“, einem Zusammenschluss junger Winzerprojekte, die die traditionelle Rioja neu interpretieren. Seine wichtigsten Rebsorten sind Garnacha für Frucht und Fülle, Graciano für Frische und Struktur sowie Tempranillo als Rückgrat der Weine. Wäre Tom König der Rioja, sagte er mal in einem Interview, würde er ein dem Burgund ähnliches Lagensystem einführen und die Region zugunsten eines klareren Qualitätsfokus verkleinern.
Der Bozeto de Exopto 2024 ist der Einstiegswein des Hauses, eine Cuvée aus Garnacha, Tempranillo und Graciano von 40 bis 80 Jahre alten Reben, vergoren in Betontanks, sechs Monate Reife in Zement und Stahl. Das Ergebnis ist beerig, kirschig, mit angenehmer Säure und einer Leichtigkeit, die fast an Chianti oder Burgund erinnert. Für 9,90 Euro zählt er zu den spannendsten Preis-Leistungs-Weinen der Rioja.
Das Aushängeschild ist der Exopto Expresión de Graciano 2021: Graciano im Vordergrund, ergänzt durch Tempranillo und Garnacha, von Reben zwischen 30 und 80 Jahren auf Lehm, Kalk, Kies und Sand. 18 Monate in gebrauchten und neuen französischen Eichenfässern. Fast schwarz im Glas, Brombeere, dunkle Schokolade, Kraft und gleichzeitig elegante Struktur, anhaltende Tannine. 94 Parker-Punkte, rund 5.000 Flaschen Produktion, 29,90 Euro.
Transkript zu Die Reblaus-Katastrophe | Im Glas: Weine von Barahonda & Exopto
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Marcel
0:01:40
Moin Moin oder Salü.
Heiko
0:01:43
Salü. Ja, Salü oder auch Buenos Dias.
Marcel
0:01:48
Oder Buenos Dias.
Heiko
0:01:48
Je nachdem. Auf jeden Fall wie immer herzlich willkommen bei einer neuen Folge Geschichte im Glas.Heute widmen wir uns einem kleinen Insekt, das in den zurückliegenden Episodentatsächlich immer wieder kurz am Rande aufgetaucht ist.Die Rebplaus. Und deswegen dachte ich, das wäre vielleicht mal ganz gut,sich intensiver mit diesem Insekt auseinanderzusetzen. Die hat im 19.Jahrhundert, also die Reblaus, tatsächlich weltweit, aber vor allem in Europa,der Weinwelt wirklich existenzbedrohenden Schaden zugefügt.Und mit am frühesten und auch am schwersten war Frankreich getroffen.Deswegen vielleicht auch Salut am Anfang der Folge. Daher werden wir uns heuteauch thematischen Fokus auf Frankreich erlegen.Aber aus einem Grund, den wir im Laufe der Folge erfahren werden,trinken wir heute keinen französischen Wein, sondern spanischen.Deswegen passt er auch Buenos Dias am Anfang.Was trinken wir denn, Marcel? Was hast du mitgebracht?
Marcel
0:02:38
Du hast mir ja zwei Keywords gegeben. Einmal Musir und Rioja.Das ist soweit richtig, oder? Da habe ich es nicht falsch verstanden.
Heiko
0:02:49
Morcia und La Rioja, genau.
Marcel
0:02:51
Ja. Und normalerweise haben wir bisher ja immer eigentlich ausschließlich neueWeine im Programm gehabt, sage ich mal, so außerhalb dessen,was ich eigentlich schon kenne und schätze.Ja, aber diesmal hat es tatsächlich auch ein Favorit mit reingepackt in dieSendung geschafft, den ich schon länger gerne trinke oder öfters auch einfach da habe.
Heiko
0:03:09
Also wirklich wie so eine Art Lieblingswein, den du eh hast und trotzdem kenne ich den noch nicht.
Marcel
0:03:13
Das ist tatsächlich witzig, ne?
Heiko
0:03:16
So, so. Was soll dir das sagen? Das wird dein Lieblingswein einfach nicht sein.
Marcel
0:03:20
Ich würde ja immer, du hast mich ja eh schon mal über einen Lieblingswein gekreift.Ich würde jetzt nicht sagen, das ist mein Lieblingswein.Das ist aber einer, den ich auf jeden Fall oftmals da habe. Einfach,weil es so ein schöner Standard ist.
Heiko
0:03:31
Aber nicht deinen Gästen oder zumindest nicht mir anbietest, verstehe.
Marcel
0:03:33
Ja, du Sonnen gedruckt. Jedenfalls, wie du schon richtig sagst,sind wir heute in Spanien, in der Weinwelt.Und Spanien ist Flächenweltmeister, was den Weinbau angeht. mit 960.000 Hektardie größte Rebfläche der Welt.
Heiko
0:03:48
Also wirklich nicht nur prozentual im Vergleich zur Gesamtlandesfläche,sondern wirklich absolut, was die Hektarzahl angeht.Selbst auch Kalifornien und so weiter, nochmal ein Rückgriff, dann ist nicht so weit.
Marcel
0:04:00
Wir haben ja jetzt öfter schon gesprochen, wer ist an erster Stelle und so weiter.Wir waren jetzt auch in vorherigen Episoden in anderen Ländern.Was denkst du, im Gegensatz dazu steht das Thema Produktion,also wie viel Wein wird tatsächlich produziert, wo Spanien dasteht,Falls du dich erinnerst aus den letzten Sendungen, wer da vorne war.
Heiko
0:04:16
Vorne war auf jeden Fall Italien.Jetzt überlege ich danach, kam durch Frankreich und Kalifornien.Oder war Spanien vorher? Dritter oder vierter?
Marcel
0:04:24
Dritter.Dementsprechend, wo ich nur darauf hinausweite, ist Spanien super vielfältig,natürlich ähnlich wie die anderen großen Regionen.Und wir werden sicherlich nicht das einzige Mal nach Spanien.
Heiko
0:04:38
Darf ich da kurz direkt was fragen? Ich bin hier auch gerade doof.Aber die haben die größte Anbaufläche, aber nicht die meisten Produktionen.Was passiert mit dem Rest des Weins, den die nicht produzieren?Oder meinst du, wird es dann exportiert?
Marcel
0:04:50
Du kannst ja auch weniger Wein auf der gleichen Fläche anbauen.
Heiko
0:04:54
Ah, es geht wirklich nur, ah, die Fläche. Verstehe, verstehe.Ah ja, doch, siehste, hätte ich mir nicht gefragt.Du hast natürlich recht. Also es geht gar nicht um, also nicht eng an eng,sondern einfach wirklich faktisch das Land, was bebaut wird.Und man kann weniger Rebsorten darauf machen. Okay.
Marcel
0:05:05
Genau, wir hatten ja auch dieses Thema Qualität.
Heiko
0:05:08
Verstehe.
Marcel
0:05:09
Ja, wir haben heute, und da würde ich dich direkt bitten, das erste Bild aufzumachen,um einmal eine Karte von Spanien zu sehen.Dort siehst du mehrere Regionen verzeichnet, die Weinregionen und zwei sindmarkiert und aus diesen beiden werden wir heute Wein trinken.Das ist einmal Jäkla.Also Jekla beziehungsweise Mosier. Da haben wir das Weingut Barra Onda.
Heiko
0:05:36
Also erklärst du später dann noch, warum Jekla ein Teil von Mosier ist das König?
Marcel
0:05:42
Der Wein kommt aus der Ecke. Wir hatten ja gesagt, so rund um Mosier.Das ist einfach eine spezielle Region. Und ich werde nachher nochmal was Genaues dazu sagen.Und dann haben wir nochmal zwei Rotweine aus Rioja vom Weingut Exopto.Ich glaube, beide Weingüter hast du ja gesagt, kennst du noch nicht.Aber Regionen kennst du wahrscheinlich zumindest Rioja.
Heiko
0:06:03
Also ich kenne beide und ich habe auch schon aus beiden was getrunken.Also in Spanien war ja jetzt auch häufiger schon in Spanien. Das kenne ich schon.Aber natürlich ist Rioja, rein als Begriff natürlich, das steht für spanischen Wein eigentlich.Wenn man spanischen Wein nennt, meint man meistens oder häufig erstmal Rioja.Aber es ist natürlich auch Mocia, La Mancha, also es gibt dann so ein paar andereRegionen, die wir bestimmt in anderen Folgen dann hoffentlich auch nochmal,Da geht, glaube ich, auf jeden Fall noch was.
Marcel
0:06:30
Weil, genau, wer sich wundert, wo muss hier, es ist in der Nähe von Valenciaund da willst du ja öfters mal.
Heiko
0:06:35
Genau, dadurch, dass meine Freundin da auch einen sehr, sehr starken Bezug nachValencia hat, war ich dann da jetzt auch schon häufiger. Und deswegen kenneich natürlich auch die Weine.Also nicht die, die du heute mitgebracht hast, aber grundsätzlich Weine aus dieser Region.
Marcel
0:06:46
Wir haben tatsächlich diesmal Weine ab 10 Euro dabei.Sprich, ja, wir werden so einmal einen günstigeren Wein gegenüber einen höherpreisigeren,also aber wir bleiben heute unter 20 Euro auf jeden Fall, gegenüberstellen.Um mal so ein bisschen Unterschied zu sehen von einem Weingut,das ist vielleicht auch nicht schlecht, machen wir ja nicht so häufig.Und wir haben das Ganze heute von Dila Devon, der vielleicht dir auch noch wassagt aus der Florenz-Folge.
Heiko
0:07:10
Also ich wusste, dass wir da auf jeden Fall ich wusste jetzt nicht mehr,welche Folge. Ah, okay, war das die Florenz-Folge sogar?
Marcel
0:07:15
Genau. Und da war nämlich unser Favorit Tenuta de Calione. Gibt es dort nämlichauch bei diesem Weinen-Shop.Also insofern, wenn ihr bestellen wollt, lohnt es sich diesmal besonders,weil man dann gleich nochmal die Weinhausel…
Heiko
0:07:28
Direkt den aus Florenz auch nochmal mitbestellen, eine Großbestellung machen, sehr gut.
Marcel
0:07:32
Genau, das ist dealadevant.com Ich wollte mal so kurz sagen,wer das so ist, das ist ein kleines Frankfurter Team, also ein Weinshop ausFrankfurt, wie gesagt, gibt auch den Online-Shop.Da ist Angelina, Winzerin und die macht die Weinauswahl schon lange.Da ist Veronique, die macht Netzwerk und Einkauf und Phil in der Logistik.Und sie haben im Shop nur Sachen, die sie auch selbst trinken und gut findenund liegen eigentlich Fokus auf feine kleine Weingüter.Also es ist jetzt kein Spanien-Spezialist, sondern eigene Perspektive auf die Weine.Und was vielleicht noch spannend ist, dass Veronique selbst in Bordeaux geborenist. Da ist so ein bisschen der Frankreich-Bezug vielleicht heute auch zu unserer Sendung nochmal.Sie ist dort nämlich geboren und aufgewachsen und hat auch dort in der Weinindustrieangefangen zu arbeiten.Und ja, dementsprechend besser könnte es vielleicht gar nicht passen und ichselbst bestelle da auch schon länger.Und deswegen wollte ich mal diesen kleinen, feinen Weinshop heute mal ausschließlichsozusagen nehmen, weil sonst haben wir ja oftmals Sachen auch gemischt.
Heiko
0:08:31
Okay, also wirklich alle vier Weine, das heißt beide Weingüter sind von dort diesmal?
Marcel
0:08:35
Genau. Links sind wie immer auch, also ich erwähne ja gar nicht so häufig,natürlich in den Shownotes, aber auch in den Kapitelmarken kann man direkt drauf klicken.
Heiko
0:08:42
Okay, da bin ich schon sehr gespannt. Würde aber erstmal thematisch einsteigen,also wieder ein bisschen weg erstmal von Spanien. Wie gesagt,da kommen wir später dann nochmal drauf.Ich fange an im Jahr 1859.Da erschien in London nämlich, also jetzt erstmal in England,jetzt bin ich gar nicht in Frankreich und nicht in Spanien, sondern in London.Da erscheint ein Buch, das die Welt erklären wollte und damit aber eigentlichdie Welt veränderte und ohne dich damit jetzt direkt überfallen zu wollen undes doch ja irgendwie zu tun.Aber hast du so ad hoc vielleicht eine Idee, worauf ich hier anspiele?
Marcel
0:09:16
Nein.
Heiko
0:09:17
Okay, das ist auch ein bisschen fies. Aber wenn ich es dir sage,dann wirst du gleich sagen, na klar, On the Origin of Species von niemandemgeringerem als Charles Darwin natürlich.Oder was heißt natürlich, aber das meine ich. Das war nichts weniger als einAngriff auf die alte Vorstellung, dass die Welt in einer stabilen,von Gott oder Natur ein für alle Mal geordneten Form existiert.Darwin beschrieb die Natur eben als einen Raum ständiger Konkurrenz,ständiger Anpassung, eben eines fortwährenden Kampfes ums Dasein,also the struggle for existence, wie er es ja nannte.Die Reaktion, die war geteilt in England etwa durchaus Faszination,aber auch Empörung, aber immerhin Debatte.In Frankreich eher eine weitgehende Ablehnung, Darwin galt hier so als ein Engländermit einer Theorie, die Gott aus der Natur vertrieb, das passte vielen natürlich nicht in dieser.Und was noch niemand ahnte, die Natur selbst war quasi gerade dabei,ein Experiment zu starten, in Anführungsstrichen, das Darwins Theorie in Echtzeit beweisen würde.Und der Schauplatz dieses Experiments, das war der Weinberg.Denn die Reblaus-Krise, um die es heute ja gehen soll, oder Katastrophe,die war eben nicht nur eine Agrarkrise, eine Agrarkatastrophe,sie war auch ein Lehrstück darüber, was geschieht, wenn Organismen,die sich über sehr, sehr lange Zeiträume gemeinsam entwickelt haben,plötzlich in eine neue ökologische Umgebung versetzt werden.Und gleichzeitig war die Krise selbst ein Produkt jener Welt,die man wie Darwin überhaupt erst denkbar gemacht hatte oder hervorbringen konnte,nämlich einer Welt des wissenschaftlichen Aufbruchs, des Klassifizierens,des Sammelns, Vergleichens und Experimentierens.Das 19. Jahrhundert, das war das Zeitalter der Industrialisierung,aber eben auch in diesem Zuge das Zeitalter, in dem auch Botaniker und Naturforschermit so einem wirklich neuen Ehrgeiz auf die Pflanzenwelt blickten.Der Planet, der erschien wie ein riesiger vegetativer Vorrat,den man systematisch erschließen konnte und sollte eigentlich.Pflanzen zirkulierten nun in wirklich wachsender Zahl über Kontinenten hinweg,möglich gemacht durch neue Technologien, Dampfschiffe zum Beispiel,Eisenbahnen, aber in jedem Fall vor allem auch die sogenannten Wardian Cases,also der Watsche-Kasten.Davon habe ich mal Wart, also nach Ward benannt.Davon habe ich mal Zeichnungen mitgebracht. Nicht selber gezeichnet, sondern von damals.Das ist das nächste Bild in unserer Galerie. Ja, auf Instagram und auch in denShownotes jetzt wieder.Vielleicht kannst du kurz beschreiben, ein bisschen für alle,die es jetzt nicht sehen.
Marcel
0:11:34
Ich gebe mir auch mal Mühe, ja. Ich bin gleich in die Details.
Heiko
0:11:37
Es ist kein Hund zu sehen.
Marcel
0:11:39
Es sind einfach Tische, wo dann so eine Art Aquarium drauf ist,wo Pflanzen drin sind. Da sind verschiedene Arten und Weisen.Oder nicht Terrain. Aber wie so ein Aquarium für Pflanzen, ich weiß nicht, wie man es nennt.
Heiko
0:11:51
Wahrscheinlich schon eher Terrarium, wenn du schon das Wort nennst.
Marcel
0:11:54
Aber Terrarium ist, ich dachte, es wäre für Reptilien.
Heiko
0:11:56
Ja, auch, aber ich hätte jetzt dann, dadurch, dass zumindest Pflanzen und Pflanzen,wenn du das schon irgendwie vergleichen willst, dann eher das, aber ja.
Marcel
0:12:03
Ja, und da sind verschiedene Formen, also von eckig bis rund oder wie so eine Glocke.
Heiko
0:12:08
Genau, also im Prinzip waren das wirklich einfach kleine, luftdicht verglasteTransportbehälter. Also eigentlich wirklich im Prinzip Mini-Gewächshäuser eigentlich,vielleicht das Wort, was man besser als Aquarium oder Terrarium.
Marcel
0:12:20
Stimmt, Gewächshäuser ist eigentlich auch ein ganz gängiger Begriff.
Heiko
0:12:22
Absolut, deswegen musste ich ein bisschen grinsen, aber ich wollte es noch nicht.Ich wollte erstmal gucken, wohin du gehst.Also es sind im Prinzip Mini-Gewächshäuser, in denen Pflanzen eben die Überfahrtüber den Atlantik zum Beispiel problemlos überstehen konnten.Die Folge, die war nun ein globaler Pflanzenverkehr, wie es ihn eigentlich niezuvor gegeben hatte und das ist jetzt entscheidend. Natürlich ohne jede Kontrolle,ohne irgendwie Quarantäne oder so.Niemand dachte daran, dass Pflanzen möglicherweise blinde Passagiere sozusagenmitführen könnten, die in Anführungsstrichen neue Welt, wie man das damals janannte, war für europäische Botaniker und Winzer eh schon lange ein Ort besonderer Faszination.So seit der frühen Neuzeit gelangten immer wieder amerikanische Reben nach Europa,zunächst aber eher so als botanische Kuriositäten.Sie schmückten Gärten, sie wurden studiert, sie lieferten aber aus europäischerSicht keinen besonders reizvollen oder leckeren Wein.Und umgekehrt, und das ist auch interessant, scheiterten europäische Reben inNordamerika bemerkenswert häufig.Kolonisten, die brachten natürlich Rebsorten aus Europa mit,aber die Vitis vinifera, das ist die europäische Weinrebe, die wollte dort einfachnicht gedeihen und starb meistens nach wenigen Jahren oder blieb kümmerlich,ohne dass man zu diesem Zeitpunkt die Ursache verstand.Gleichzeitig zeigten sich aber die verschiedenen amerikanischen Arten als wirklichausgesprochen robust Und man begann daher zu experimentieren und versuchte soHybride zu schaffen, nicht nur aus wissenschaftlichem Interesse,sondern tatsächlich auch aus einem ganz praktischen.Denn Europa erlebte gerade den ersten großen Pflanzenschock noch vor der Reblaus,auf die wir ja eben gleich noch zu sprechen kommen.Denn bereits in den 1840er Jahren war eine neue Krankheit über die Weinbergedes Kontinents hereingefallen.Auch den haben wir schon sicherlich in den letzten Folgen hin und wieder gehört.
Marcel
0:13:58
Ich weiß das glaube ich. Das ist ja Mehltau.
Heiko
0:14:00
Genau. Und zwar der echte Mehltau heißt das tatsächlich in dem Fall auch.Das ist eine Pilzinfektion.Das ist so ein weißlicher Belag auf Blättern und Trauben, der sich mehr oderweniger schnell ausbreitete und Ernten wirklich vernichtete.Und was aufmerksamer Beobachter dabei aber auch schon bemerkten,die amerikanischen Reben, die man so versuchsweise hier und da angepflanzt hatte,die blieben verschont. Das ist ein Muster, das sich dann zwei Jahrzehnte spätereben auch bei der Reblaus-Krise zeigen sollte.Und Achtung, Spoiler-Alarm jetzt zur Lösung des Reblaus-Problems,aber wer uns in den vergangenen Folgen ja zugehört hat, weiß das eh schon.Denn tatsächlich hatte man hier, also bei der Mehltau-Krise,schon damit experimentiert, europäische Reben auf amerikanische Wurzelstöcke zu tropfen. Aber…Das blieb tatsächlich eher so eine wissenschaftliche Randnotiz,weil man ein einfaches, recht effektives Mittel gegen den Mehltau hatte.
Marcel
0:14:46
Ach, das hat da schon geholfen?
Heiko
0:14:48
Genau, also man hat damit schon implementiert und das so ein bisschen in dieRichtung überlegt, aber das hat sich nicht verbreitet, weil eben Schwefel einfachgenutzt hat und geholfen hat.Das heißt, man musste dann nicht groß weiter experimentieren,aber rein biologisch, rein von einem Experiment, hatte man das damals schonso ein bisschen auf dem Schirm gehabt, ich sag mal in einem wissenschaftlichen Kontext.
Marcel
0:15:06
Aber nicht als Antwort oder auch schon als Antwort auf den Mehltau?
Heiko
0:15:09
Genau, also deswegen hat man das so ein bisschen experimentiert,aber man hat es nicht einsetzen müssen oder hat es da nicht eingesetzt,weil man eben recht effektiv mit Schwefel den bekämpfen konnte.Man spritzte oder bestäubte einfach die befallene Pflanze und der Pilz starb daraufhin ab.Deswegen brauchte man, ja weiß nicht, irgendwelchen wissenschaftlichen Hokuspokusmit amerikanischen Reben irgendwie nicht.Nein, nein, nein, was soll ich da irgendwie groß rumhantieren,wenn ich da einfach Schwefel, fight fire with fire sozusagen,das hat da halt noch geklappt.Was man hier aber noch nicht verstanden hatte, der Pilz selbst,den hatte man sich auch aus Amerika eingeschleppt mit diesen ganzen Pflanzentransportenund Experimenten, die ich eben so erzählt habe.Und das war wiederum überhaupt erst der Grund, warum die amerikanischen Rebendavon verschont blieben.Darwin, Anpassung, Co-Evolution. Die amerikanischen Reben, die hatten Jahrtausendemit diesem Pilz schon gelebt und eine Art Abwehr entwickelt.Die europäischen Reben kannten den Pilz nicht und waren dann schutzlos,als man den eingeschleppt hat. Ganz genauso, wie es dann eben kurz darauf ging,über einem noch viel tödlicheren Killer sein sollte, sozusagen eben der Reblaus.
Marcel
0:16:08
Kennt man ja prinzipiell eigentlich auch aus anderen Kontexten,wenn die Europäer nach Südamerika gegangen sind und dafür nach Nordamerika undviele Menschen einfach an Grippe und Co. gestorben sind.
Heiko
0:16:18
Exakt, genau das ist der gleiche Mechanismus.Aber ja, ich glaube, bevor wir uns jetzt mit der Reblaus dann wirklich auseinandersetzen,würde ich sagen, stärken wir uns deinen ersten Schluck Wein.Ja, das habe ich bewusst gesagt, denke ich, weil wir hatten ja auch in den letztenFolgen immer wieder das Wein und so gerne mal auch für Re-Konvaleszenten,wie ich immer mal sagen will, genutzt wurde.Also lass uns den stärkenden Rotwein gerne probieren.Aus, jetzt weiß ich nicht, welchen wir zuerst trinken.
Marcel
0:16:50
Genau, wir gehen in die Region Morshier, genau gesagt nach Jekla und du wirstja später noch drüber sprechen, aber während in Frankreich die Reblaus wütete,ist Jekla quasi so weit von den Naturgegebenheiten vorbereitet gewesen,dass die Reblaus das Biest quasi sogar förmlich erstickte in den Böden.
Heiko
0:17:15
Jetzt hast du ein bisschen gespoilert schon sozusagen. Aber das lässt sich wahrscheinlichnicht verhindern, wenn du für den Wein recherchierst.
Marcel
0:17:23
Ja, und Monastree als Rebsorte wurde tatsächlich quasi zur Königin.Also wir hatten in Jäkla so eine Art biologischen Bodyguard im Boden.Denn wir haben sandige Böden in Südostspanien und dementsprechend blieb dieRegion lange einfach auch von der Reblaus verschont,weil die Reblaus kann sich in Sandibögen nicht fortbewegen und ich sehe dichdie ganze Zeit nicken, deswegen gehen wir da nachher wahrscheinlich nochmal kurz drauf ein.Weil sie halt Gänge zu den Wurzeln gräbt und wenn das immer sofort wieder zusammenstürzt,dann wird sie quasi förmlich ersticken.Und ja, dementsprechend haben wir eine Region, wo es halt auch heute noch vielewurzelächte Rebstöcke gibt oder zumindest heute, was wir auch im Glas haben.Also wir haben auf jeden Fall, wie gesagt, diese Sandböden. Auf der anderenSeite, jetzt weintechnisch, ist es vielleicht dann nicht nur der Sandboden,der eine Rolle spielt, sondern tatsächlich auch ein Gegenspiel,das ist nämlich die Kalksteinböden oder einen englischen Limestone,der wiederum als Wasserspeicher sorgt und dann den Wein auch so eine gewisseFrische und Säure bietet.Wir sind in Jekla auf ein bisschen Höhe, also 500 bis 800, 900 Meter ungefähr.Wir haben dort durch die Höhe auch, sagen wir mal, kalte Winter,also teilweise auch mal bis minus 6 Grad.Aber auch heiße Sommer und das kennst du ja sicherlich dann auch,wenn du, glaube ich, auch im Sommer da warst. Ich war zumindest auch in der Region da.Das kann dann schon mal super warm werden bis 40 Grad oder ich glaube mittlerweilewahrscheinlich sogar auch mal mehr.
Heiko
0:18:58
Durch Klimawandel und so weiter.
Marcel
0:19:00
Und wir haben wenig Regen. Also dementsprechend haben wir hier so eine relativextreme und, ja, sage ich mal, harte Reben überleben hier.Und dementsprechend haben wir jetzt…Weine im Glas, die auf der Rebsorte Monastree beruhen.Und da werde ich gleich nochmal was zu erzählen. Aber zuerst starten wir mitdem ersten Wein. Das ist Barahonda Creanza von 2022.Und das ist das erste Glas, was vor dir steht. Und das ist tatsächlich einerdieser Evergreens, die wir noch nie zusammen getrunken haben.
Heiko
0:19:35
Also von dir sozusagen einer deiner Evergreens.
Marcel
0:19:38
Ja, genau.
Heiko
0:19:39
Ich finde es nur schon spannend, bevor wir trinken, weil ich gerade auf dasIntiquette auch schaue. aber ich weiß nicht, ob das wahrscheinlich sogar mitAbsicht, das ist also sehr schlicht, aber man sieht so eine schemenhafte Weinflasche,die quasi so auswurzelt, als wäre die Wein.Also was natürlich irgendwie gerade Richtung, wenn du sagst,so ein Reblaus und wurzelecht und so weiter, vielleicht auch eine bewusste Anspielung darauf ist.
Marcel
0:19:57
Also wir haben ja tatsächlich wirklich Rebstöcke ohne amerikanische Wurzeln.
Heiko
0:20:00
Ja genau, deswegen ist es wahrscheinlich eine Anspielung auf dem Etikett,dass die Flasche so wirklich die Wurzeln schlägt, finde ich interessant.
Marcel
0:20:06
Ist das so genau, wenn ich mal drauf gucke?
Heiko
0:20:08
Du trinkst nur, ich gucke mir auch die Etiketten an. Ich kaufe ja auch meistensWein nur nach Etiketten und nicht nach Geschmack.
Marcel
0:20:14
Dann lass uns doch mal gleich reinriechen.
Heiko
0:20:17
Ich weiß auch gar nicht, ob ich so mit Monastree schon so viel…Also ich bin jetzt nicht bewusst auseinandergesetzt, bevor du mich fragst.
Marcel
0:20:28
Ja, der riecht ganz lecker.
Heiko
0:20:30
Intensiv, aber auch wirklich lecker.
Marcel
0:20:33
Also wir haben ein bisschen Frucht.Wenn ja ein bisschen Glas ist, kommt die Frucht ein bisschen mehr durch.
Heiko
0:20:41
Also ich finde ja schon Frucht, also nicht Süßfrucht, aber jetzt eher Richtung rote Beere.
Marcel
0:20:48
Ja, man merkt schon, wir haben mittlerweile schon zehn Episoden zusammen gemacht. Es wird.Und was ich auf jeden Fall auch habe, ist Vanille.
Heiko
0:20:57
Was ja wieder in so amerikanische Eiche greift.
Marcel
0:21:01
Ja.
Heiko
0:21:03
Ja, ja. Das war jetzt nicht das Erste, was mir die Sonne so manchmal erschlägt.Also nicht das Erste, was mir in die Nase gab.
Marcel
0:21:09
Aber jetzt was sagt. Also es ist nicht super krass, ne? Aber ich meine,wir haben ja hier auch einen Kreanzer im Glas. Ich weiß nicht, ob du weißt, was…
Heiko
0:21:18
Ne, das sagt mir nichts.
Marcel
0:21:19
Also es ist ein sehr typisches Wort. Ich komme später auch nochmal zu den ganzen Ausbausorten.Aber prinzipiell heißt es so viel wie, also jetzt frei übersetzt so Ausbau.Und wenn man es jetzt wörtlich übersetzt, heißt es kommt das von Crea,was erziehen oder großziehen heißt, also der Wein wird im Fass erzogen.Dementsprechend haben wir hier einen Wein, der im Fass war und bei einem Creanza,haben wir mindestens zwei Jahre Reifung also übergreifend und davon mindestensin Jekla jetzt gesprochen, sechs Monate Parique.Der hat aber tatsächlich sogar zwölf Monate gesehen und vor allen Dingen amerikanisch,aber auch ein bisschen französisch.
Heiko
0:21:55
Man muss zur Farbe vielleicht noch, aber heute ist es ein bisschen dunkel, man sieht nichts mehr.
Marcel
0:21:59
Aber es ist schon auch sehr dunkel.
Heiko
0:22:00
Kräftig.Ui.Würzig. Also lecker, aber tatsächlich sogar intensiver noch,als ich gedacht hätte. Obwohl er eigentlich schon intensiver ist,aber irgendwie doch hat er schon zumindest der erste Schluck.Der ist schon kräftig, aber so ein bisschen würzig.
Marcel
0:22:21
Der ist so ganz gut ausbalanciert. Der hat ein bisschen Säure.Der hat aber auch so ein bisschen irgendwie eine Süße. Das ist ein trockener Wein natürlich.
Heiko
0:22:35
Ja, also ja, der hat auch schon hinten so ein bisschen was auf der Zunge wieder, aber nicht zu.
Marcel
0:22:41
Man hat auf jeden Fall den Holzeinschlag.
Heiko
0:22:46
Ja,ganz lecker.
Marcel
0:22:50
Deswegen, wir sind hier bei 10,90 Euro im Glas, also ja, irgendwie ein ganzsolider, leckerer Wein, finde ich.
Heiko
0:22:59
Ja, ja.
Marcel
0:23:03
Und von den Rebsorten ist es tatsächlich eine Cuvée, also es ist kein rein sortiger Monastree.Da ist auch ein Syrah und ein Petit Verdot mit drin.Und wir haben 14,5 Prozent Alkohol, also natürlich spanisch etwas höher alkoholisch.Wobei man das jetzt, finde ich, auch gar nicht so merkt. Also nicht im Geschmack.
Heiko
0:23:25
Wer weiß, man sieht immer nicht schnell, der in den Kopf steigt.
Marcel
0:23:27
Aber rein vom Geschmack.
Heiko
0:23:28
Der wirkt jetzt nicht so super krass alkoholisch. gut ausbalanciert,wie du meintest. Deswegen merkt man das, glaube ich, auch nicht so schön.
Marcel
0:23:36
Und das ist ein Wein von der Bodega Spararonda. Wie gesagt, wir sind wiederbei Spanischen und wir sind halt nicht in Deutschland.Dementsprechend, du darfst wieder mich gerne zwischendurch auch korrigieren.Und tatsächlich, dieses Weingut oder die Bodega gibt es schon relativ lange.Also wir haben jetzt mal wieder hier so ein klassisches, familiengeführtes Unternehmen.Der Petro Candela hat 1850 schon mit wein angefangen also wirklich fast alsonicht 200 jahre aber geht schon in die richtung 200 jahre fast,und 1925 also genau vor fast 100 jahren wurde dann das weingut und keller offiziellsozusagen gegründet und mittlerweile sind wir in der vierten generation heuteführt das antonio und alfredo candela und seit 2006 vom filmieren so unter dennamen bodegas barraonda,Wir sind in Jekla, wie ich schon sagte, in einer Region, die so umgeben ist,auch von Bergen, also nochmal von höheren Bergen.Sprich, es ist wie so eine isolierte Lage, wo wir so ein eigenes Mikroklima haben.
Heiko
0:24:38
Ja, man kann da auch tatsächlich sehr gut wandern, auch um Valencia herum und so.
Marcel
0:24:42
Wie gesagt, da war ich, also ich war in Valencia, aber in der Umgebung zum Beispielwar ich noch gar nicht so gut.
Heiko
0:24:47
Gerade, weil du gehst ja eigentlich auch gerne mal so ein bisschen raus in dieNatur. gibt es ein paar schöne Hiking-Strecken, in Anführungszeichen, also Möglichkeiten.
Marcel
0:24:55
Wir haben, wenn man so die Bilder sieht, ein paar Windräder auf den Bergen,klar ist es irgendwie an der Küste, wir haben im Mittelmeer sehr nah.Wir haben die typische südspanische Architektur dort natürlich,also sieht natürlich auch ganz nett aus.Wir haben alte Reben, die teilweise 100 Jahre alt sind. Die sind eher so einbisschen kleiner und gedrungener, also schon so ein bisschen fette Wurzeln,aber sind irgendwie, das ist wiederum im Vergleich zu den großen italienischenReben, die wir gesehen haben.
Heiko
0:25:20
Stimmt, das hattest du aus der Neapel herum, da hat sie auch ein Foto mitgebracht.
Marcel
0:25:24
Genau, sind die halt wirklich super klein und gedrungen. Und hier haben wirdann auch genau die Wurze echten Reben, die Pied Franco, die man Pied Franco nennt.Und die Bodega Bacher Honda ist prinzipiell auch so ein modernes Gebäude,was in der Landschaft dort steht oder eingebettet ist.Und relativ groß tatsächlich,also wir haben ja sonst oftmals unsere kleineren Weingüter, hier sprechen wiraber tatsächlich von insgesamt 750 Hektar,das heißt wir sind schon relativ groß, davon haben sie 150 Hektar selber und600 Hektar werden von Partnerweinbauern bewirtschaftet.Und so von der Größe her, wenn man sich das so vorstellt, einfach nochmal sozweimal das Tempelhofer Feld, wer aus Berlin kommt.Also es ist auf jeden Fall schon, also da steht überall dann wirklich Wein.
Heiko
0:26:15
Hatten wir das Tempelhofer Feld schon mal? Wir haben ja echt zu Zipin,Alster oder den Tiger. Heute mal dann noch was Neues dazu.
Marcel
0:26:21
Weil wir letztes Mal oder auch mal unterwegs waren in bitterster Kälte,da fühlte sich das Tempelhofer Feld auf jeden Fall sehr groß an. Genau.Die Bodega Baronda hat auch ein Restaurant, was so ein, ja, jetzt im 2026 einenMichelin-Stern bekommen hat.Und wenn ich so Restaurant sage und Sterneküche, also oder beziehungsweise einbisschen Fine Dining, ich habe sofort Vibes gehabt von Feudy de San Gregorioaus der Goethe-Folge. Goethe 2, genau.Also irgendwie so auch mit dieser modernen Architektur und so weiter.Da ist für mich sofort die Erinnerung da, auch mit der Größe und auch mit denPartnerweinbauern und so.Irgendwie hat das so einen ähnlichen Vibe. Wir sind auch wiederum in so einereher armen, rustikalen Region und stellen da so gegen ein bisschen dieses avagadistische,ich glaube, einzige Sternerestaurant da in der Ecke.Ich kann auf jeden Fall einige andere Weine auch von diesem Weingut empfehlen.Es gibt sogar noch mal einen, der ein bisschen günstiger einsteigt,ist der Organic Barricade, der sehr lecker auch schmeckt. Der hat so eine Biene auf dem Cover.Der hat ein bisschen mehr Holz. Oder es gibt noch einen fruchtigeren Bicho,der auch sehr lecker ist.Heute nicht in die Sendung mitgenommen wurde, aber sonst müssten wir wiederauf einmal eine Rüste, die wir erschrecken, wenn wir acht Weine trinken.Geht natürlich alles. Und vielleicht noch ein interessanter Fakt,weil es ja tatsächlich auch nicht immer so gegeben ist bei den Weinen,die wir trinken, dass alle Weine von diesem Weingut auch vegan sind. Tatsächlich, also,Die Hopdreht-Sorte, wie ich ja schon verraten habe, ist Monastree.Aber sie haben halt, wie auch hier in der Cuvée, dann den Syrah,Petit, Verdot, Cabernet, Sauvignon Blanc, Verdechro.Also das sind so alles Rebsorten, die sie anbauen. Aber wie gesagt,zum großen Teil tatsächlich Monastree. Und deswegen wollte ich zu der Rebsortenoch ein bisschen was erzählen.Das ist, wie man sich schon denken kann, bei diesem Klima dort unten eine wärmeliebendeRebsorte, die auch sehr dunkle Trauben, aber es sind Beeren, natürlich hat.Und ja, eher eine kräftige Rebsorte, die auch Cuvées ein bisschen Struktur gibt.In Spanien, ich weiß nicht, du hast sie jetzt noch nicht so gehört,du kennst sicherlich andere, aber es ist tatsächlich einer der fünf wichtigsten Trauben.
Heiko
0:28:45
Nee, Monastrey kenne ich natürlich. Und auch, wie gesagt, wenn ich da in Morsi…Du hast dich auch nicht mit beschäftigt. Genau, genau. Also natürlich,gerade wenn ich da unten, wenn man da in der Ecke Wein trinkt,ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass da ein Monastrey dabei ist einfach,weil das schon, glaube ich, ich wollte nur bei dir zu vorkommen.Ich habe mich jetzt nicht bewusst mal auseinandergesetzt und irgendwie michda irgendwie mit beschäftigt.
Marcel
0:29:05
Die hat tatsächlich auch einen relativ großen Anteil an Hektar.Also 40.000 Hektar war es ja fast die Hälfte. Also 40 Prozent von Deutschlandist schon, es wird schon ziemlich viel angebaut.Vor allen Dingen dann in die Region, wo wir jetzt gerade sind,in Jekla oder auch Jumelia, also alles rund um Morsier und La Mancha und auchValencia, Katalonien. Dort wird die vor allen Dingen angebaut.Man kennt die Rebsorte auch unter anderen Namen. In Frankreich heißt die wiederum Mourvetre.Hast du vielleicht aber auch schon mal gehört, zumindest wenn ich dir sage, Chatun Neuf du Pap.
Heiko
0:29:36
Ja, es gehört ja zu den ganz großen Bekannten.
Marcel
0:29:39
In den USA wird die Rebsorte Mataro genannt. Die hatten wir tatsächlich auchschon mal getrunken oder ich habe die auch erwähnt.Falls du dich ganz blass erinnerst, war das in Weingut Ridge oder in der WineryRidge. Ganz blass erinnert.
Heiko
0:29:53
Du tust, als wäre das jetzt Jahre her. Das ist irgendwie die vorletzte Folge gewesen.
Marcel
0:29:57
Ja, aber ich meine das…
Heiko
0:29:58
Nee, nicht ganz ein Ding.
Marcel
0:30:00
Es ging ja um Sinfandel, aber Mataro war quasi da.
Heiko
0:30:05
Aber ja, ich hätte mich jetzt nicht erinnert an die Rebsorte, zugegebenermaßen.
Marcel
0:30:08
Das ist tatsächlich auch eine Rebsorte, die aus Spanien stammt.Dementsprechend auch eine orthoktone Rebsorte. Also auch wenn die in Frankreichso groß geworden ist, stammt sie eigentlich aus Spanien.Tatsächlich auch aus der Region Valencia. Aus der Stadt Movetro.Wie wiederum der Name dann natürlich in Frankreich wiederum ähnlich ist.Der, also lateinisch Monasterio oder heißt so viel wie Klösterchen.Und damit kann man eigentlich sagen, dass es so ein bisschen darauf hindeutet,dass auch Mönche das damit schon angebaut haben.Und das wurde auch bereits im 14. Jahrhundert erwähnt. Also es gibt so belegte Quellen.Tatsächlich kam es aber eigentlich auch nicht, also es kam eigentlich mit denPhönizern wohl, also wird vermutet, im 5. Jahrhundert nach Spanien.
Heiko
0:30:54
Also eigentlich der gesamte Weinbau im Mittelmeerraum ist Das geht wahrscheinlichirgendwie auf die Phönizierin zurück und dann übernommen von Griechen und Römern, weitergetragen.
Marcel
0:31:03
Das ist wahrscheinlich auch nochmal ein Kapitel, wo wir dann nochmal gucken können.Zum Klima nochmal zu sprechen, hatte ich gesagt, die mögen das sehr warm.Also Mittelmeerklima ist dafür so gut.Also haben wir ja auch in Frankreich, wo die Rebsorte gerne wächst.Die reift sehr spät, bis in den Oktober rein.Und ja, wie gesagt, trockene Regionen kommt sie auch mit klar,wenn sie halt ein bisschen Wasser aus tiefliegenden Kalksteinen bekommt.Im Geschmack sind wir jetzt eher wirklich normalerweise, wenn wir so,sage ich mal, jetzt haben wir eine Cuvée, aber die ist schon sehr tiefdunkel,sind schon so eher reife schwarze Früchte.
Heiko
0:31:39
Ach, schwarze. Ach nee, in der Nase waren das auch eher die roten Früchte.
Marcel
0:31:44
Vielleicht Brombeeren, Schokolade, Pfeffer und so weiter. In der Jugend sinddie vielleicht eher noch so erdig, leicht animalisch teilweise.
Heiko
0:31:54
Animalisch.
Marcel
0:31:54
Ja. Und wir haben halt hier auch viel Alkohol und hohe Tannine.In Cuvées wird die Rebsonne Gärte genutzt, um den Wein Struktur zu geben.Ja. Und wenn ich schon so viel über Monastree spreche, dachte ich,probieren wir direkt einen zweiten Wein vom gleichen Weingut.Nämlich Decimum. von 2022. Und das ist tatsächlich jetzt im Gegensatz zum erstenein reinsortiger Monastree.
Heiko
0:32:24
Der ist auch die Farbe schon, der ist ja fast schwarz, wie Öl schon im Glas.
Marcel
0:32:29
Der erste war dann schon noch ein bisschen, wenn man von oben guckt,so ein kleines bisschen durchsichtig noch.
Heiko
0:32:34
Also der ist wirklich tief. Also schwarz ist jetzt übertrieben natürlich.
Marcel
0:32:38
Aber passt prinzipiell auch zur Traube oder zur Biere, die ja selbst sehr, sehr dunkel ist.Ja, dann lass uns doch mal schnuppern.
Heiko
0:32:46
Also jetzt bin ich wirklich gespannt, weil ich fand alles, was du jetzt ebengesagt hast, war ein bisschen, aber da ich vielleicht wirklich,weil es ein Cuvée war, habe ich zumindest im ersten Glas noch gar nicht so krass gehabt.Also das Holz ja und ich meinte ja auch so hinten auf der Zunge,also die Tannine schon, aber ich fand den jetzt, man hat scheinbar bei dem Cuvéedie anderen doch noch auch gut rausriechen können, deswegen bin ich jetzt sehrgespannt auf die reinsortigen Monasterie.
Marcel
0:33:07
Ja. Der riecht auf jeden Fall jetzt ein bisschen dunkler, ne?Also wir haben, ich finde auch, wir haben wieder was Beeriges,aber eher würde ich eher sagen, so eine richtig dunkle Beere.
Heiko
0:33:18
Jetzt bin ich, also vielleicht hast du mich auch wieder nur genutscht,aber das ist schon Brombeere. Auch, ist das auch, also Wandle?
Marcel
0:33:25
Ja, ich finde auch, genau, es ist so Holz, es ist vielleicht sogar so ein Sandelholz.Und wir haben hier auch wieder die…
Heiko
0:33:34
Gut.
Marcel
0:33:34
Ja. Also wenn er so schmeckt.
Heiko
0:33:35
Wie er riecht, da freue ich mich schon.
Marcel
0:33:37
Wir haben jetzt auch wieder die amerikanische Eiche zu 90% amerikanische Eiche,aber auch 10% französische.
Heiko
0:33:41
Okay, aber die riecht, das ist dieses Wandel, die habe ich fand,die erste Nase war dominant, sehr, sehr wandelig noch.Das geht gerade so ein bisschen flüchtig irgendwie, aber so im ersten Momenthabe ich schon in die Wandel gekommen.
Marcel
0:33:52
Ja, lass es mal probieren.
Heiko
0:34:00
Ui, der kann auch was. Ui.
Marcel
0:34:04
Der hat halt weniger diese Frucht, ne?
Heiko
0:34:07
Ja, der ist sehr beerig einfach und heultig nach das Schmeckstisch schon.
Marcel
0:34:11
Ich hab gerade gesagt, er hat weniger. Ich find auch, der hat Beere,aber der hat weniger Frucht, als der davor.
Heiko
0:34:16
Ja, also nicht Beere im Sinne von, nicht das fruchtige, wo ich vorhin meinte,ist der eher so roh, sondern,Ich glaube, da meinen wir was anderes mit fruchtig. Also für dich ist ein Beereauch Frucht. Ich meine, den anderen schmeckt halt fruchtiger.
Marcel
0:34:30
Ja, der ist halt auch sehr, also ich finde den sehr tief.Hat aber auch irgendwie, also trotzdem ist der jetzt nicht irgendwie so,also er ist sehr trocken, aberman hat auch trotzdem eine Säure oder eine Frische auch da, finde ich.
Heiko
0:34:45
Voll, aber das ist jetzt nicht so, ich weiß nicht, ob ich dazu einen leichtenSalat essen würde. Also es hat schon was Schönes.
Marcel
0:34:53
Also wir essen jetzt beide kein Fleisch, aber wahrscheinlich so wild kann man auch sein.
Heiko
0:34:57
Ja, das würde dazu wahrscheinlich passen, das stimmt.
Marcel
0:35:00
Der bleibt auf jeden Fall auch auf der Zunge, finde ich.Der andere ist mehr easygoing, der ist jetzt schon Ja.
Heiko
0:35:09
Der ist ein bisschen verkopft, dass vielleicht falsch war, der ist ein bisschen fordernder.Aber deswegen vielleicht auch sogar, also ich will nicht sagen besser,aber schon auch vielleicht spannender oder ein bisschen komplexer,aber vielleicht ist es auch doch, aber Beide können was.
Marcel
0:35:25
Der hat jetzt auch wieder 50% Alkohol. Wir sind jetzt preislich ein kleines bisschen höher.Wir sind jetzt bei 18,90 Euro. Aberfür was man jetzt wieder hier im Glas bekommt, richtig gut, finde ich.
Heiko
0:35:36
Voll.
Marcel
0:35:37
Also beweist ja auch wieder.
Heiko
0:35:38
Dass man nicht 150 Euro oder 500 Euro immer nur ausgeben muss.
Marcel
0:35:41
Wir haben solche Weine schon viel mehr getrunken.
Heiko
0:35:44
Exakt. Auf jeden Fall. Und wir haben auch schon Weine getrunken,die teurer waren, die weniger geschwenkt haben. Also am Ende ist ja eh subjektiv klar, aber.
Marcel
0:35:53
Ja, der hat irgendwie eine richtig geile,Reife schon.
Heiko
0:35:58
Ja, ich finde auch, also es ist wahrscheinlich blöd bei Wein zu sagen,weil man kriegt ja nicht ohne, aber Reife finde ich gerade, wo du es sagst,irgendwie ein passendes Wort, das es ganz gut umschreibt, wie es schmeckt.Auch wenn jetzt niemand da draußen, der das gerade nicht im Glas hat,weiß, was das heißen soll.Aber ich finde tatsächlich, jetzt wo ich so schmecke, irgendwie schmeckt der reif.Wir hatten es ja manchmal irgendwie elegant oder so oder rund,aber nee, der schmeckt einfach reif. Ich finde, es trifft es gut.
Marcel
0:36:21
Ich kann den zweiten noch mal kurzer Genehmen halten.
Heiko
0:36:23
Also den ersten?
Marcel
0:36:24
Den ersten, genau.
Heiko
0:36:29
Hast du schon einen Unterschied?
Marcel
0:36:30
Ja, ne?
Heiko
0:36:31
Also die schmecken einfach wirklich anders.
Marcel
0:36:33
Und dagegen ist der andere, ich finde, man muss jetzt eigentlich zwischendurchWasser trinken, weil der andere vom Holz so…
Heiko
0:36:37
Ja, der geht ja völlig unter jetzt, der erste, der schmeckt ja fast schon flach,wenn man danach den anderen gerade wirklich…
Marcel
0:36:43
Obwohl es auch ein Crianza ist.
Heiko
0:36:45
Ja, und der schmeckt auch eben, ja, nicht ganz so flach, aber so im direkten Vergleich.
Marcel
0:36:53
Wir hatten ja auch in Kalifornien Weine, die ein bisschen mehr Holz gesehenhaben. Ich erinnere mich an McManus, den mochtest du ja auch.Da fand ich jetzt, um das nochmal einzuordnen, da fand ich das Holz schon krassdolle, mir zu dominant. Das finde ich jetzt zum Beispiel hier nicht.
Heiko
0:37:09
Ich mag das ja. Deswegen ist es nicht so.
Marcel
0:37:13
Dass es dich sofort erschlägt mit dem Holz.
Heiko
0:37:16
Also ich finde gar nichts dort in diesem Weine. Also sie sind schwer,beide und der andere der zweite sowieso, aber nichts, was einen irgendwie füreine Wucht so irgendwie umklatscht.Ja.
Marcel
0:37:27
Ja.Ich habe noch ein bisschen was im Glas, was ich… Ich habe mehr eingegossen.
Heiko
0:37:35
Ja, ich habe schon mal ausgerechnet, weil ich dachte, bevor du mir später danngleich noch für den nächsten Wein was eingießen willst.
Marcel
0:37:41
Ja, damit war es unsere erste Weinrunde.
Heiko
0:37:45
Du darfst gerne weitergehen. So lecker. Wobei aber auch, also ich weiß nochnicht, ob wir irgendwann eine Folge haben werden, wo du mir einen Wein kredienst,wo ich sage, der ist ja furchtbar. Das kann ich mir jetzt nicht vorstellen.
Marcel
0:37:58
Naja, ich meine, wir haben schon deckende Geschmäcker.Ich glaube, es gibt schon, ihr habt ja mitbekommen aus den letzten Episoden,den einen oder anderen Unterschied.Naturweine sind immer so ein Punkt, wo…
Heiko
0:38:08
Und offensichtlich Holz darf bei mir ruhig nochmal mehr sein.Und ich glaube, du magst, das hatten wir, glaube ich, auch, gerade bei der Österreich-Folge,immer so dieses bisschen funkier, das ist ein bisschen Experimentelle,liegt hier mehr, sage ich mal, als mir. Da muss ich mich erst mal ein bisschen mehr drauf einlassen.
Marcel
0:38:23
Ja.
Heiko
0:38:24
Okay, dann erst mal weiter. Also Mitte des 19. Jahrhunderts,da befand sich die Welt also im wissenschaftlichen Aufbruch.Neue Theorien, wie die von Darwin, stellten die Natur als dynamisches Systemdar, während gleichzeitig Pflanzen eben in nie dagewesenem Ausmaß rund um denGlobus transportiert wurden.
Marcel
0:38:41
Da wollte ich vorhin schon reingehen, weil ich erinnere mich,oder ich hatte mal, es gibt so ein ganz cooles Buch, was war immer die ganzeWissenschaftshistorie so wie Aneinanderreit, eine Geschichte von fast allem oder so hieß das.
Heiko
0:38:54
Also beim Titel klingelt gerade was, ja.
Marcel
0:38:58
Wo ich gerade so diesen Vibe, wo du es eingeleitet hast mit Darwin und alsoes waren ja eigentlich auch, also es waren ja auch viele Menschen,weil ich weiß nicht, ob es derzeit auch noch so war, die ja schon so eher Universalgenies waren.Also es war ja jetzt nicht, man lernt das und dann ist man wie heute dann nur Spezialexpert.
Heiko
0:39:14
Also es gibt natürlich Sputaniker und so weiter, aber klar, man hat viel mehrja, generalistisch in der Naturwissenschaft und überhaupt.Das hatten wir ja auch selbst bei Goethe noch, der alles mögliche gemacht hat,also auch im kulturellen Bereich plus Naturwissenschaft hat er ja auch noch gemacht.Da gab es ja auch, wenn du studiert hast, so eine Handvoll Fächer,die eigentlich immer grundsätzlich schon mal dazugehörten.Die großen Künste.Genau, erste Krisen wie der echte Mehltau, die hatten bereits gezeigt,wie anfällig die europäischen Reben eben für fremde Organismus waren.Doch was nun in den Weinbergen Südfrankreichs beginnt, sollte alles bisherigein den Schatten stellen.Anfang der 1860er Jahre begann in den Weinbergen bei Pugeot in der Nähe vonMontpellier Reben auf merkwürdige Weise einzugehen.Die Blätter verfärbten sich, die Pflanzen schienen wirklich in so einen verfrühtenHerbst zu fallen, obwohl kein offensichtlicher Angreifer sichtbar war.Anders als beim Mehltau gab es keinen weißlichen Belag, keinen klaren äußeren Feind.
Marcel
0:40:15
Und Peugeot, das ist einfach eine Stadt und die Automarke wurde nach dem Auto… Nee.
Heiko
0:40:21
Das hat gar nichts, das wird auch andersgeschrieben, das wird nur genauso ausgesprochen. Das wird P-U-J-A-U-T.
Marcel
0:40:26
Ah, okay. Ich habe mich gerade schon gewohnt. Ich dachte, wir sind ja gerade in der Zeit gesprungen.
Heiko
0:40:30
Mit dem Auto nichts zu tun. Im Winter, als die Krankheit nachlässt,hofft man kurz so ein bisschen der Spuk sei vorbei, aber dann im Frühjahr kehrtdas Sterben zurück und breitet sich dann auch rasch aus und das Muster erscheint fast unheimlich.Es gibt immer so ein Zentrum, von dem dann die Krankheit so konzentrisch ausstrahlt.Wie so ein Ölfleck, der sich langsam so auf einer Pfütze ausbreitet,wird das wirklich auch damals beschrieben.Wenn man abgestorbene Reben ausgrub, fand man so geschwärzte,zerfallene Wurzeln, ein Bild von Fäulnis.Man sprach daher auch von Puride, also Wurzelfäule.So ein blasser Pilz galt vielleicht als mögliche Ursache, aber das war wirklichein klassischer Irrtum der Frühphase.Man sah halt eben nur den Verfall, aber man sah nicht den Auslöser.Denn natürlich gruben sie damals erstmal nur tote Pflanzen aus.Man sieht keinen Anlass, so Pflanzen auszubuddeln, die auf den ersten Blickunbetroffen wirken. Ja, warum auch?Lange Zeit wird es auch generell von der französischen Regierung noch mehr oder weniger ignoriert.Man sieht das irgendwie so als ein lokal begrenztes Problem,halt irgendeine Krankheit, die man da im Süden schon in den Griff kriegt,wenn man gewohnte Mittel einsetzt, Schwefel, wie man hat ja in den Mehltau schließlichauch irgendwie in den Griff bekommen.Aber nach einigen Jahren, 1868 eben, ist die Lage dann wirklich so ernst,dass die französische Regierung eine offizielle Untersuchungskommission einrichtet.Eine der zentralen Figuren dieses Moments war Jules-Émile Planchon,das ist ein Botaniker in Montpellier, international erfahren und auch wirklichmit den zeitgenössischen Debatten der Naturwissenschaft einfach vertraut.Im Juli untersucht Planchon dann einen Weinberg im Rontal, der wirkt wie einFriedhof, einfach abgestorbene Reben in allen verschiedenen Stadien des Verfalls.Das Ausbreitungsmuster ist klar, es kommt von irgendwoher und es bewegt sich irgendwie.Das deutet eben auf einen lebenden Erreger hin und nicht irgendwie auf Klima,nicht auf Bodenmüdigkeit, nicht irgendwie auf falschen Rebenschnitt oder sowas.
Marcel
0:42:15
Also wie so eine Heuschrecke, die sich hier dann auch…
Heiko
0:42:18
Genau, das ist so ein bisschen so die Idee. Also er hat schon das Gefühl,das kann ja nicht, sonst würde es überall gleichzeitig sein,aber man merkt, dass da ist irgendwie ein System sozusagen dahinter.Und dann eben der entscheidende Moment, Planchon lässt eine noch nicht ganzabgestorbene Rebe ausgraben Und an den Wurzeln, zwischen diesen feinen Haarwurzeln,wirklich kaum sichtbar ohne Lupe, entdeckt er winzige gelbliche Punkte.Und unter dem Vergrößerungsglas entdeckt er dann wirklich Massen von kleinen Insekten.Blattlausartig, aber unterirdisch, in wirklich kaum vorstellbaren Mengen.Damit war der Täter gefunden, aber das Rätsel war noch nicht richtig gelöst.Planchant schickt die Proben dann an Victor Signoret in Paris,das ist so der führende Entomologe Frankreichs.Signoret stellt auch Verbindungen zu so bereits bekannten Blattlausformen anEichen her. und schlägt daher auch vor, das Tier unter dem Namen Phylloxera zu führen.Das ist so ein altgriechisches Kunstwort für trockenes Blatt oder Blatt austrocknend.
Marcel
0:43:10
Okay, also war der Name direkt schon gefunden. Also ich meine,wir sagen jetzt immer noch Phylloxera.
Heiko
0:43:14
Genau, genau. Und weil das Ausmaß der Verwüstung so stark war,fündt Planchon ein zweites Wort hinzu, nämlich Vastartrix.Das Latein für die Verwüsterin.
Marcel
0:43:25
Okay, das habe ich tatsächlich noch nicht gehört.
Heiko
0:43:26
Ja, so heißt das glaube ich auch offiziell. Damals war dann erstmal PhylloxeraVastartrex, also da ist nicht die,trockende Verwüsterin sozusagen. Und an dieser Stelle, dann müssen wir uns daher,glaube ich, mal den genauen Lebenszyklus der Reblaus anschauen.Bisschen eklig für alle, die eine Insektenphobie haben.Also vielleicht kurze Warnung, kurz ein bis zwei Minuten vorspielen,wer sich das gar nicht anhören kann. Tut mir leid, Marcel.
Marcel
0:43:52
Du nicht. Ich meine, das hättest du ja im Intro schon mal sagen können.Also es ist okay mit Insekten. Also ich finde es jetzt gar nicht so schlimm,aber wo du vorhin gesagt hast, dass sich da alles bewegt, Also es ist schon etwas, ja.
Heiko
0:44:05
Ja, deswegen, also wer es wirklich gar nicht angehört, vielleicht kurz gebenwir mal, Marcel, du musst dir das jetzt geben. Aber also, eklig ist eh das falsche Wort.Also es ist auch wirklich einfach gleichzeitig unfassbar faszinierend,ehrlicherweise, was die Natur so hervorbringen kann.Und eben wichtig, um zu verstehen, was es an den europäischen Reben für Schadenangerichtet hat und warum das bei amerikanischen eben nicht der Fall ist.Kaum ein anderes Insekt hat seinen Lebenszyklus wirklich so komplex an einebestimmte Pflanzengattung angepasst. und sie kennt eigentlich auch nur eineneinzigen Wirt, das ist die Rebe.Und alles beginnt mit einem einzigen Ei, winzig, kaum größer als ein Staubkornund das klebt so geschützt in einer Rindenspalte und wartet dann den Winter ab.Deswegen hat man im Winter auch zwischendurch gedacht, ja ist vielleicht vorbeiund dann kommt es im Frühjahr wieder.Es wartet den Winter ab und im Frühjahr schlüpft daraus kein normales Insekt,sondern eine Art Urmutter, die sogenannte Fundatrix.
Marcel
0:44:59
Fundatrix, ja. Das ist ein bisschen wie bei der Biene, die…
Heiko
0:45:03
Sozusagen.
Marcel
0:45:04
Und sie ist auch erstmal allein. Wie heißt sie?
Heiko
0:45:05
Königin.Sie ist auch allein und sie braucht auch kein Männchen. Sie krabbelt auf einfrisches, junges Blatt.
Marcel
0:45:15
Selbstbefruchtung.
Heiko
0:45:16
Sticht hinein und zwingt die Pflanze, sich dann um sie herum zu verformen.Das Blatt wächst plötzlich quasi nicht mehr einfach so normal weiter,sondern wölbt sich an verschiedenen Punkten.So eine kleine Kammer entsteht, so eine sogenannte Galle.Quasi ein lebendiges Haus gebaut aus Pflanzenzellen, die sie selbst umprogrammierthat. Und darin beginnt etwas, das man fast schon so als biologische Eskalation bezeichnen kann.Diese Fundatrix, die legt jetzt Eier, und zwar nicht nur ein paar,sondern wirklich 100, 200, vielleicht mehr.
Marcel
0:45:43
In den Blättern aber.
Heiko
0:45:44
Genau, in dieser Galle.
Marcel
0:45:45
Aber in denen nicht.
Heiko
0:45:48
Genau, das kommt noch gleich. Und aus diesen Eiern schlüpfen wieder nur Weibchen,die auch keine Männchen brauchen, die sofort weitermachen, die wieder stechen,wieder Gallen bilden, wieder Eier legen und so weiter, ohne Pause,ohne Paarung, so im Prinzip so eine Art Klonen.Und wie sie diese Gallen auf diesen Blättern aussehen, das könnt ihr euch aufdem nächsten Bild anschauen ich weiß nicht, ob du was dazu sagen willst.
Marcel
0:46:09
Ansonsten es hat, also ich weiß nicht, also es sind jetzt diese Nester,also quasi diese Gallen, diese Nester, wo die rauskommen, das sieht ja irgendwiean, also ich kenne das von der Blattlaus auf,Chilis, das sieht anders aus auf jeden Fall, das sieht hier sehr viel also gut,das ist ein bisschen vergrößert, größert aus im Grün und ich glaube bei derBlattlaus war es immer so weiß oder so,Und das sind schon einige und das sieht auch irgendwie ein bisschen größer aus.Sehr viele auf diesem Blatt auch.
Heiko
0:46:37
Sehr viele, das ist richtig. Und innerhalb jeder dieser vielen Gallen sind ganz,ganz viele Eier, aus denen wieder weitere schlüpfen.Und während dann oben eben auf den Blättern diese kleinen Brutkammern eigentlichentstehen, passiert im Verborgenen etwas noch Entscheidenderes.Ein Teil dieser Tiere, die verlässt irgendwann das Blatt. Und sie lassen sichfallen, krabbeln den Stamm hinunter, wie auch immer. Sie verschwinden jedenfalls im Boden.Und dort beginnt dann die eigentliche Katastrophe an den Wurzeln.Die Reblaus sticht in die Wurzelrinde, injiziert Speichel und der Speichel lässtdie Zellen anschwellen, bildet Wucherungen, diese sogenannten Nodositäten undes entstehen dann vielleicht auch noch Risse auf den Stellen und so weiter.Auch von diesen Nodositäten habe ich noch ein Bild mitgebracht.Das ist das nächste in der Galerie.
Marcel
0:47:18
Sieht aus wie Schnee auf einer Wurzel.
Heiko
0:47:19
Genau. Aber, und das ist jetzt das Entscheidende, die amerikanische Rebe,die ist darauf vorbereitet.Über Jahrtausende der Evolution entwickelte sie Mechanismen,um den Angreifer in Schach zu halten.Nämlich eine Korkartige Zellschicht, die die Einstichstelle relativ schnellverschließt und das Insekt so von Nährstoffen abschneidet, sowie auch so biochemischeAbwehrstoffe noch aussendet, um die Larven abzustoßen und zu töten.Die europäischen Reben, also Vitis minifera, die sind diesem Angriff schutzlos ausgeliefert.Die Wunden heilen nicht, die Infektionen breiten sich aus, diese Verletzungenund Deformationen beeinträchtigen dann die Aufnahme von Wasser und Nährstoffenund tragen so dann zum Niedergang der Rebe bei.Zusätzlich beschleunigen dann Pilze und andere Insekten, Milben und so weiterden Zerfall der Wurzeln. Also nicht eigentlich sozusagen die Rehblos tötet dieRehbe am Ende, sondern die Rehblos macht sie dann anfällig für andere Schädlinge,die am Ende dann fürs Ende sorgen.Und plus halt so ein bisschen Nährstoffe machen.
Marcel
0:48:14
Also wenn es vertrocknet.
Heiko
0:48:15
Genau, genau.
Marcel
0:48:16
Ich wollte nur mal also fragen, weil du hast ja wahrscheinlich dann auch jetzt Kontext dazu.Das tritt ja schon in den USA oder in Amerika auch auf. Also es gibt schon auchPflanzen, die dann, also obwohl die.
Heiko
0:48:28
Genau, es wird halt, aber die haben sich quasi aneinander angepasst.Das tritt auf, aber die Rebsorte wird dadurch nicht getötet.
Marcel
0:48:35
So ein bisschen wie mit irgendwelchen Covid, keine Ahnung, am Anfang,niemand hat irgendwie Abwehrkräfte gehabt, aber mit der Zeit baut man das auf.Das heißt, das wird dann normal, dann bekommt man das mal. Es ist nicht so schlimm,dass man gleich stirbt sozusagen.
Heiko
0:48:49
Ja, genau, genau. Und dadurch ist es einfach wie so ein Wirt-Parasit-Verhalten,wo der Wirt aber nicht getötet wird, was ja eigentlich der Idealzustand eigentlichist. Und als wäre das aber jetzt nicht genug, produziert die Reblaus irgendwanndann doch noch eine geflügelte Form.Jetzt kann sie fliegen, von Rebe zu Rebe, von Weinberg zu Weinberg.Und plötzlich ist das Problem eben nicht mehr lokal, sondern überall.Wobei man ein bisschen auch sagen muss, selbst die nicht geflügelte Form wirdso ein bisschen durch Wind zum Beispiel oder auch hier weitergetragen.Das ist auch schon vorher verbreitbar.Und irgendwo, so ganz am Ende dieses ganzen Kreislaufs,tauchen dann plötzlich doch noch ein Männchen auf. Ziemlich kurzlebig,mit genau einer einzigen Aufgabe, nämlich jetzt doch nochmal eine richtige Paarungmit dem Ziel, ein einziges Ei zu produzieren.Und zwar das Winterei, was den Winter überlebt, um am Ende die Fondartricksim Frühjahr wieder schlüpfen zu lassen und das Ganze wieder von vorne beginnen zu lassen.Ein Ei, eine Gründerin und die ganze nächste Populationsexplosion.Und jetzt noch der ganz große Twist.Das hast du dich vielleicht auch schon gefragt. Dieser gesamte Zyklus,also inklusive Blattbefall, Der ist dabei meist nur auf den amerikanischen Reben zu beobachten.Auf europäischen Reben verlagert sich der Befall fast vollständig unter dieErde, an die Wurzeln. Und das bedeutet, man sieht eben nichts.Deswegen hat man ja lange Zeit es nicht verstanden, sonst hätte man das vielleichtja schon auf den Blättern erkennen können.Aber auf den europäischen Reben gibt es keine auffallenden Gallen,keine Insekten auf den Blättern.Nur so Rebstöcke, die eben scheinbar grundlos schwächer werden,irgendwann absterben. Denn die europäische Rebe, die hat keinen wirksamen Abwehrmechanismusan den Wurzeln. Das bedeutet, genau dort, wo die Reblaus am meisten Schadenanrichten kann, hat sie die besten Bedingungen.Hier gibt es natürlich die meisten Nährstoffe, hier wird sie nicht gestopptund so verlagert sich der gesamte Zyklus irgendwie immer stärker in den Untergrund.Deswegen, also keine Ahnung, was für ein Genie Charles Darwin doch war,als er die Welt in sieben Tagen erschaffen hat oder so. Keine Ahnung.Der amerikanische Entomologe Charles Reilly, der die Lage auf beiden Seitendes Atlantiks verfolgte und dabei explizit auf Darwin verwies,hat es 1871 so formuliert.Die Widerstandsfähigkeit amerikanischer Reben lasse sich leicht verstehen vonjenen, die die darwinistische Entwicklungshypothese zu Recht glauben,dass sich das Leben langsam verändert, so wie es sich seit seinem Bestehen aufder Erde stets verändert hat.Also deswegen, man muss nochmal sagen, wir sind in einer Zeit,heute ist das ja, wenn man jetzt nicht gerade bei irgendwelchen,wir heißen ja so irgendwelchen Evangelikalen in den USA oder so ist,heute ist ja die Evolutionstheorie mehr oder weniger anerkannt,aber damals ist die neu, das heißt ja natürlich noch eher nicht so durchgesetztoder so, das ist einfach noch eine Hypothese, die sich dann dadurch ein bisschen bestätigt sieht.
Marcel
0:51:23
Das ist ja eigentlich gar nicht so lange, also 150 Jahre.
Heiko
0:51:32
Koevolution, seitdem 150 Jahre weitere Koevolution. Weiß nicht,ob wir uns viel besser angepasst haben. Ah ja, die amerikanischen Reben unddie Reblos hatten eben Jahrtausende miteinander gelebt.Ein Gleichgewicht hatte sich einfach eingespielt. Das ist das,was du eben auch angesprochen hast. Die Rebe überlebt, der Parasin ernährt sich, aber tötet eben nicht.Das ist, wie gesagt, evolutionär betrachtet ja irgendwie der Idealzustand einesParasiten. Sein Wirt am Leben einfach zu halten.Und die Ironie an der Sache, die Wissenschaft, die so enthusiastisch ja amerikanischeReben auch nach Europa geholt hatte, aus Neugier, aber eben auch aus dem Wunsch,vielleicht den Mehltau zu besiegen, die hat dabei eben die Ursache der nächstenweit schlimmeren Katastrophe eigentlich mitgeliefert.Eingepackt in diese Wortschen Kästen, die wir anfangs hatten,umwickelt in Ölpapier, reißten einfach so erste Rebläuse sozusagen von Missourinach Südfrankreich, um sich dann eben von da an dieses Ölfleck artig über ganz Europa auszubreiten.So klein, dass niemand sie sah, aber so verheerend eben, dass Europa beinaheseine gesamte Weinkultur verlor.Aber es sollte dann eben auch die Wissenschaft sein, die letztlich die Lösungdafür finden sollte, auch wenn sie nicht von Anfang an von allen gehört werdenwollte. Auch das kennt man ja von heute.So sollte es deswegen auch erstmal allerhand Blödsinn geben und allerhand Blödsinnsollte versucht werden, bis man einsehen würde, die Lösung liegt genauso wiedie Ursache in Amerika, deren Reben eben nicht betroffen wurde.Und gerade in Frankreich war die Abwehrhaltung aber wirklich sehr,sehr stark, zunächst amerikanische Reben einzusetzen. Kannst du dir vorstellen, warum?
Marcel
0:52:55
Weil, wenn man zu stolz war?
Heiko
0:52:58
Exakt, genau das ist es tatsächlich. Es ging ja nicht nur um Landwirtschaft,sondern es geht um etwas, das man für einen Kern der eigenen Zivilisation hielt eigentlich.Französischer Wein, der war ja nicht einfach nur ein Produkt unter vielen.Das war wirklich das Symbol einer Kultur und der gesamten Nation.Die Vorstellung, dass ausgerechnet amerikanische Reben, also jene botanischenFremdlinge, die man auch lang als grob, als vulgär, vielleicht mal kurios irgendwiebetrachtet hatte, dass die nun die Rettung bringen sollten.
Marcel
0:53:21
Sehr lange eigentlich. Ich meine, wir hatten ja letztes Mal das Judgment vonParis, das war ja dann, also einfach 100 Jahre später, war ja immer noch diegleiche Haltung, da muss man ja sagen.
Heiko
0:53:32
Genau, und deswegen galt das einfach ein bisschen als Zumutung,so in der polemischen Zuspitzung dieser Zeit, da standen quasi nicht nur nützlichePflanzen vor der Tür, sondern wirklich Barbaren, ja, fremde Gewächse,die den heiligen Boden von Bordeaux, Burgund oder Champagner einfach entweinenwürden, diese Mischung aus…Ja, Überheblichkeit, aber auch Angst ist wichtig, weil sie ihm erklärt,warum man so lange an Ersatzlösungen festhielt, obwohl die Lage sich längstzuspitzte. Und dann war auch noch die Geschmacksfrage.Also noch bevor es dann so richtig ans Popfen und so weiter ging und die Frageim Raum stand, ob man jetzt vielleicht auch generell amerikanische Reben irgendwiein Europa pflanzen muss, musste man sich irgendwie fragen, kann man daraus überhauptvernünftigen Wein machen?Und um das zu klären, verkostete man amerikanische Weine.Aber das Ergebnis fiel im französischen Umfeld überwiegend vernichtend aus natürlich.Was verkostet wurde, schmeckte medizinisch, schmeckte seltsam, schmeckte bitter.Man hatte sogar einen Begriff gefunden, man nannte es Goudrena,also so ein Fuchsgeschmack. Es hat irgendwie fuchsig geschmeckt.
Marcel
0:54:23
Fuchsgeschmack, also ich kenne ja den Begriff, also ich nutze ja auch,aber eher bei Bier, der letzte Stück. Fuchspisse.
Heiko
0:54:29
Ja, vielleicht in diese Richtung. Die Rebe konnte also noch so robust sein,wenn der Wein daraus nicht so in den Augen der Verkoster eigentlich nicht genießbar war.
Marcel
0:54:36
Ich nehme mal an, dass sie nicht blind verkostet haben dann wahrscheinlich.
Heiko
0:54:41
Wahrscheinlich nicht, weil man ja wirklich sehr dediziert das testen wollte.Aber, kleine Side-Note, weil du es auch gerade schon erwähnt hast mit Verweisauf unsere Fleetwood Mac-Folge.Kalifornische Weine, die schnitten bei der Verkostung noch, ich sag mal,zumindest am wenigsten schlecht ab.Also noch weit weg vom Judgment of Paris Sieg entfernt, aber vielleicht so ein kleines Omen.Und auch Planchon hatte, das fand ich sehr, sehr interessant,bei einer Reise in den USA fast schon prophetisch das Potenzial erkannt.Und er hatte gesagt, Zitat, die Vereinigten Staaten könnten eines Tages vielleichteine Industrie besitzen, die mit der Frankreichs konkurrieren kann.
Marcel
0:55:12
Tja, da hat der schon weit voraus geschaut.
Heiko
0:55:13
Ja, das fand ich tatsächlich auch spannend. Deswegen wollte ich das nochmalzumindest kurz hier mitnehmen.Aber zurück nach Frankreich und der Suche nach einer Lösung.Denn hinzu kam, dass die Unsichtbarkeit des Feindes…Weiterhin viele blind machte, selbst nachdem Planchon und andere die Reblausauch an den Wurzeln nachgewiesen hatten, kursierten für harmlosen oder auchschlicht falsche Erklärungen.Manche meinten, Ameisen würden die Blattläuse schon fressen und das Problem damit erledigen.
Marcel
0:55:36
Das ist tatsächlich ja wiederum witzig, weil eigentlich, also jetzt beim,wie gesagt, ich referenziere immer auf die Blattläuse, wenn ich Schillis oderNormalen pflanzen, da sind ja gerade die Ameisen, die die Blattläuse ja eigentlich melken.Melken. Also wenn dann Ameisen da sind, dann halten die Blattläuse am Leben,weil sie quasi dann die…
Heiko
0:55:56
Achso, also die davon eher profitieren, wenn die da so guten Ärzten sind.
Marcel
0:55:59
Genau, also ich glaube, der Kot ist irgendwie so süßlich oder irgendwie malZucker und das quasi melken die dann.Und deswegen, wenn du Ameisen dann auch hast, werden die dafür sorgen,dass die Blattläuse überleben.
Heiko
0:56:11
Ach, spannend. Nee, das war mir auch noch nicht bewusst. Aber man sieht eben,also das weiß man alles heute.Damals war das halt alles, wie gesagt, wir sind gerade in dieser Zeit,dieses überhaupt erst wissenschaftlichen Aufbruchs.Ja, auch wie gesagt, andere Theorien erklärten irgendwie die Krankheit zu eineralten, eigentlich eh längst bekannten Erscheinung, die man nur irgendwie dramatisierenwürde unter neuem Namen.Wieder andere sahen die Ursache in einem schlechten Rebschnitt,in Überbeanspruchung der Pflanzen, im Klima, in schlechter Luft teilweise.Und dann gab es auch noch eine besonders bizarre Theorie, die sogenannte Degeneration.Jahrelange vegetative Vermehrung hätte die männliche Vitalität aus den Rebenherausgezüchtet. Die Pflanzen seien schlicht erschöpft von sich selbst dies ist.
Marcel
0:56:46
Die männliche Vitalität.
Heiko
0:56:48
Ja genau, die männliche Vitalität. Also Planchon, der diese Erklärung auch einfachnicht ertragen konnte, der antwortete auch recht scharf, Zitat,wie kann man glauben, dass gleichzeitig an verschiedenen Orten in ganz Europadie kräftigsten ebenso wie die empfindlichsten Reben plötzlich degeneriert sein sollen.Wenn ein Wolf ein Schaf frisst oder eine Raupe einen Kohl, wird auch niemandbehaupten, das Schaf oder der Kohlhätten plötzlich eine besondere Neigung entwickelt, gefressen zu werden.Also auch sehr treffend. Dazu kam aber auch ein handfester wirtschaftlicherGrund für die Verleugnung.Niemand wollte auch so richtig öffentlich zugeben, dass die eigenen Weinberge bedroht waren.So ein öffentliches und offenes Eingeständnis hätte Preise vielleicht beschädigt,Händler erschreckt, das Ansehen einfach einer ganzen Region beschädigt.Gerade in Bordeaux, wo sich der Befall dann ausbreitete, reagierten Behördenund Händler deswegen auch auffällend ungerührt.Man bestritt nicht zwar alles offen, aber man zweifelte ein bisschen relativierteBesten, man hielt Berichte für übertrieben und so weiter. So wie immer bei Krisen erstmal.
Marcel
0:57:42
Ja, also ich meine, da kommen jetzt gerade wieder die Vibes von der Österreich-Folgedurch, wo man ja auch erstmal, ach,Ist alles nicht so schlimm. Lass uns das mal gucken.
Heiko
0:57:53
Ich muss auch an alles mögliche denken. Ich muss auch an Corona irgendwie denken.Und auch da passenderweise, wie immer in Krisen gab es auch damals dann Verschwörungstheorientatsächlich, die das erklären wollten.So in Burgund kursierte das Gerücht, die Reblaus sei von Reaktionären nach demrepublikanischen Wahlsieg absichtlich eingeschleppt worden.Und die bonapartistische Zeitung Bien Public aus Dijon behauptet,Inspektionen und Zwangsbehandlungen seien ein Komplott bürgerlicher Großgrundbesitzer,um einfache Leute zu enteignen.Staatliche Eingriffe, so die Theorie, seien eine Maske für die Profitgier vonChemiefabriken, die halt ihre vermeintlichen Mittel irgendwie an den Mann bringenwollten und von Eisenbahngesellschaften und betrügerischen Baumschulen.
Marcel
0:58:31
Das Gleiche, wie die chinesischen Labore.
Heiko
0:58:34
Genau, irgendwas muss man immer irgendjemandem, denen irgendwie eine Verschwörungfindet und irgendjemandem die Schuld zuschieben.Und ja, auch in anderen Ländern, zum Beispiel in Portugal, später auch in Deutschlandund so weiter. Also eigentlich, wie gesagt, verbreitet sich dann irgendwann in Europa.Da zeigen sich, wie gesagt, mittlerweile erste befallene Reben,aber eigentlich sind die Reaktionen tatsächlich im Prinzip sehr, sehr ähnlich.Alles immer erstmal, alles halb so wild. Man versucht so ein bisschen zu relativieren,bis man dann irgendwie doch merkt,da ist was Schlimmes dran, aber ohne, ich will jetzt gar nicht auf ganz Europa,weil der Fokus ein bisschen heute auf Frankreich liegt, also GetränketechnischSpanien, da kommen wir gleich drauf, aber,man profitiert dann aber so ein bisschen davon, also die Reaktionen am Anfangsind fast überall gleich und ähnlich und dann profitiert man aber davon,dass dann das doch in Frankreich einfach schon am ehesten,befallen gewesen war, sodass man dann so, Als dann die Lösung kommt,das relativ schnell auch in den anderen Ländern annehmen kann.Als es dann aber auch wirklich nicht mehr zu leugnen ist, was dann ein Problemist, da beginnt dann auch wirklich eines der faszinierendsten Kapitel eigentlichin der Geschichte, ja, kollektiver Hilflosigkeit, will ich meinen.Die französische Regierung, die setzt einen Preis von 300.000 Fr.Aus für jeden, der ein wirksames Heilmittel gegen die Rebels findet und über600 Vorschläge trudeln dann auch beim Landwirtschaftsministerium ein,aus Frankreich, aus Brasilien, aus Boston, Birmingham, aus überall, aus der ganzen Welt.Und Planchon, der die auch sichten muss, der kommentiert trocken,die Durchsicht dieser Sammlung von Unsinn wirft ein trauriges Licht auf denGeisteszustand der Öffentlichkeit.
Marcel
0:59:56
Auch das klingt sehr familiar. Du wirst wahrscheinlich nochmal auf die Auswirkungenkommen eventuell oder was?Also ich wollte eigentlich mal so zwei Sachen.Einmal diese zeitliche Dimension, also bis quasi die Einsicht kam.Wie lange hat das so gedauert und wie hart musste man sozusagen die Konsequenzenspüren, bis man gesagt hat, man reagiert jetzt?Könntest du das einordnen oder erzählst du das gleich noch?
Heiko
1:00:23
Nee, also ich habe jetzt keine Zahlen im Sinne von x Hektar oder x Liter sindverdorben gewesen, aber es war schon so,dass das irgendwann nicht mehr zu leugnen war, weil wirklich fast ganze Landstricheund Rebsau wirklich an Existenz bedroht waren und gar nichts mehr hergestellt werden konnte.
Marcel
1:00:41
Und weißt du die Zeit?
Heiko
1:00:43
Also wir bewegen uns grundsätzlich so im Zeitraum von 20 Jahren,so zwischen 1860 und dann Ende 1870er, also 1860er, 1870er Jahre sind es so die Hochphase.
Marcel
1:00:52
Mhm.
Heiko
1:00:54
Genau, es werden in dieser Zeit dann eben dann auch irgendwann auf einem staatlichenVersuchsgut, so bei Montpellier, 136 Methoden auch wirklich systematisch getestet,alle möglichen Flüssigkeiten, Pulver, chemische Dämpfe,tierischer, pflanzlicher und mineralischer Herkunft, Kuhurin wird probiert,ja Kupfersulfat, Tabak,Walnussblätter, wirklich alles aus Neapel, so ein kleiner Rückblick auf unsere Italien-Folge,da werden zwei Tonnen Vulkanasche aus den Ausgabungen von Pompeji nach Marseillegeschickt, zur kostenlosen Abholung für jeden Interessierten in der Hoffnung,dass der historische Staub, kein Witz, das Insekt einfach verwirren würde. Das war so die Idee.Jemand anderes schlägt vor, Dynamitsprengungen durchzuführen,um den Boden aufzulockern, wo du ja auch deine Rebsorten würdest mit in die Luft jagen.Jemand anderes empfiehlt wirklich Musikkapellen, die die Läuse aus dem Bodenheraustrommeln sollen. So ein bisschen Rattenfänger von Hameln-mäßig.Es gab aber durchaus auch ernsthafte Versuche. Der Baron Paul Tenard,oder ja, Paul Tenard, Chemiker und eben auch selbst Weinbergbesitzer,der experimentiert mit Schwefelkohlenstoff.Er gießt sie so in Gräben um befallene Rebstöcke herum und die Läuse sterbenauch, aber eben auch die Hälfte der Reben. Das Experiment wird deswegen auchals Katastrophe beurteilt.Spätere Versuche mit so geringeren Mengen, die liefern bessere Ergebnisse.Man entwickelt auch wirklich spezielle Geräte, so eine Art riesige Bodenspritze,um die Chemikalie tief in die Erde zu injizieren, ohne die Rebe selbst zu vergiften.Wie man sich das vorzustellen hat, könnt ihr auf dem nächsten Bild mal sehen.Auch wenn das Gemälde jetzt aus Deutschland und auch vom Anfang des 20.Jahrhunderts stammt. Also ist jetzt nicht genau passend, aber so ungefähr hat man das dann gemacht.
Marcel
1:02:25
Das sieht aus wie diese wirklich überdimensionale Spritze, also wie so Spritzen mal 100.
Heiko
1:02:31
Genau und so entstehen dann tatsächlich auch so in Marseille,Lyon, Brondeau wirklich Insektenfabriken.Das ganze Material wird dann mit Eisenbahnen überall hintransportiert.Es wird ganz viel gespritzt und baut sich eine richtige Industrie wirklich umdieses toxische Mittel auf.Und es hilft auch tatsächlich ein bisschen.
Marcel
1:02:48
Okay, und was war jetzt in diesem Mittel drin?
Heiko
1:02:50
Das ist eine Art Form von Schwefel, also so ein bisschen Schwefelkohlenstoff.Aber also wie genau das, also welche Zusammensetzung, jetzt weiß ich jetzt nichtgenau, aber quasi eine feinere Form von Schwefelkohlenstoff.
Marcel
1:03:05
Mhm.
Heiko
1:03:05
Und an sich hilft es durchaus. Das Problem ist extrem teuer und für so ein großesChateau mit teurem Wein vielleicht tragbar, aber für so Kleinbauern ist es eigentlich der finanzielle Ruin.Und auch selbst wenn man sich das leisten konnte, die Reblaus kehrte dann irgendwann wieder zurück.Also das ist nicht mal so, dass man sie ewig behältet. Das hat man halt fürden Moment irgendwie geschafft.Aber im nächsten Frühjahr war sie dann trotzdem wieder da und der ProfessorMouillet-Fair, der die Methode auch selbst entwickelt hatte,rechnete dann auch in einem Fasch-Gendal-Malkül vor, dass die Kosten der Behandlungden Wert des geretteten Weins einfach überstiegen, was dann natürlich wirtschaftlichgesehen einfach sinnlos war.
Marcel
1:03:38
Und das wird ja wahrscheinlich, also keine Ahnung, aber es wird ja wahrscheinlichauch negative Effekte auf den Boden vielleicht langfristig.
Heiko
1:03:44
Wahrscheinlich, ja. Also weiß man jetzt dann, oder wusste man damals noch nicht,aber kann ich mir auch vorstellen.Deswegen hat dann auch ein Winzer namens Louis Faucon eine ganz andere Methode noch entwickelt.Er überflutete seinen Weinberg einfach wochenlang mit so 25 Zentimeter Wasserstandund die Rebe, aus dem Boden lebte, sollte so ertrinken.Und auch das funktionierte tatsächlich. Also sie ist ja wirklich ertrunken.Und auch die Rebe erholte sich. Die Erträge steigen wieder auf 60 Prozent desursprünglichen Niveaus.Und er träumte dann so von einem riesigen Kanalsystem, das Wasser aus der Rhoneso in alle Weinbaugebiete leiten soll. Es wird politisch diskutiert,aber auch nie vollständig umgesetzt. Auch das ist einfach zu teuer, viel zu komplex.Auch nur auf bestimmten, sehr flachen Böden möglich.Also das ist nichts, was wirklich flächendeckend einsetzbar ist.Und dann, jetzt kommt das Spannende, weil es du ja auch schon mal angesprochenhast, gibt es auch noch Sand.Winzer beobachten nämlich etwas Seltsames. Reben auf sandigen Boden bleibengesund, während die Nachbarn eben auf Lehmboden sterben.Und spätere Experimente deuten eben darauf hin, dass, wie du schon gesagt hast,dass die Insekten im Boden sich dadurch eben nicht mehr so bewegen können unddeswegen nicht an die Wurzeln rankommen.In den Küstenregionen entsteht so auch wirklich so ein,regelrechter Run auf so Dünengebiete. Küstensand wird sehr, sehr wertvoll.Alte Weinberge im Inland verlieren an Wert. So Winzer ziehen buchstäblich ans Meer.Allerdings machen es schon und auch deswegen ist es nicht wirklich zielführend.So kleinste Mengen Lehm machen den Sand eigentlich schon wirkungslos und sotaugt dann das auch nicht wirklich für einen massenhaften Einsatz.Also du kannst nicht plötzlich überall komplett reinen Sand irgendwie aufschütten.Während man in Frankreich also weiter nach einer Lösung gegen die Rehplaus suchte,musste man eben längst noch ein anderes Problem lösen.Der Ausfall des Weins selbst, was du eben auch schon angesprochen hattest.Die Krise vernichtete eben nicht nur Rebstöcker, sondern dadurch ganze Ernten,das Einkommen, Handelsströme und so weiter.Und selbst dort, wo chemische Mittel, Überflutung oder von mir aus Sandbödenirgendwie gewisse Erfolge brachten, rettete das Frankreich eben nicht im großen Maßstab.Der Wein fehlte und zwar im Sand selbst, aber vor allem auch für den Exportund für die ganzen Verschnitte, mit denen man eben viele Märkte weiter bediente.Und genau das ist auch der Grund.Jetzt kommt das so lange Vorrede sozusagen, warum wir uns heute eben entschiedenhaben, nicht das Nahliegende zu trinken, also französischen Wein, sondern spanischen.Denn weil die Katastrophe jedenfalls zunächst nicht überall in Europa gleichheftig zuschlug, richtete sich der Blick dann in Frankreich fast zwangsläufigerstmal so auf die Nachbarn, vor allem immer auf ein Land, das geografisch sehr nahe lag,über große Rebflächen, du hast es schon gesagt, verfügte und genau den Weinliefern konnte, den in Frankreich man jetzt dringend gebraucht hat, die Spanien.Daher würde ich sagen, bevor wir uns angucken, wie Spanien quasi den französischenWein retten sollte, trinken wir jetzt auch erstmal den nächsten.
Marcel
1:06:20
Und es könnte nicht besser passen. Ich meine, das ist ja immer ein bisschenschwierig, tatsächlich abzuschätzen.Und ich glaube, wir hatten ja in der letzten Folge, hatte Therese gesagt,nee, warte mal noch, weil sie kannte quasi ja beide Aspekte schon von vornherein.Also einfach, weil sie ja die Gin-Workshops macht. Aber ich glaube jetzt tatsächlich,weil die Überleitung hätte jetzt nicht besser sein können, zufällig.
Heiko
1:06:42
Okay, da habe ich ja geschmeckt.
Marcel
1:06:43
Während Frankreich litt, profitierte vor allen Dingen Rioja.Ja, es war prinzipiell wirklich die Not von Frankreich, die letztendlich diegrößte Weinregion in Spanien quasi formte und auch so Bedingungen schuf,die heute wiederum Auswirkungen haben.Und auch da wird gleich drüber sprechen, wer schon das Gesicht so verzieht.
Heiko
1:07:07
Ich verziehe nicht das Gesicht. Ich sehe euch. Es kann halt sein,dass wir uns jetzt, es ist ja mal die Gefahr natürlich, dadurch,dass wir jeweils nicht genau wissen, was der andere uns erzählt.Es ist natürlich die Gefahr oder das Risiko, dass wir uns vielleicht dann dochmal überschneiden. Das hat meistens ganz gut geklappt, deswegen vielleicht ergänzenwir uns auch heute wieder ganz gut.
Marcel
1:07:22
Ja, also das französische Erbe und wie Bordeaux Rioja zu dem machte, was es ist.Also wir hatten ja schon gelernt, Spannendheit hat die größte Rebfläche derWelt, hast du ja gerade auch nochmal gesagt.Und Rioja, muss man ja auch sagen, ist prinzipiell auch auf so Weinkarten ganz gut vertreten.Also kennt man auch einfach und ist einfach auch auf kleineren Weinkarten,ist es glaube ich öfters mal irgendwie präsent.Und wie du schon gesagt hast, durch diese Unglücke und du hast vorhin schonden Mehltau erwähnt, also soweit ich das gesehen habe, ist das damals auch schon passiert.
Heiko
1:07:54
Genau, da geht das nämlich dann los.
Marcel
1:07:55
Ja, genau. Dass zu dem Moment sozusagen Rioja zum Backup wurde für Weinreben sozusagen.Und es hat auch Auswirkungen auf die Weine an sich in dem Bereich.Wir hatten ja eben schon auch Holz gehabt, aber auch zum Beispiel das Barriqueist zu der Zeit dann auch nach Spanien gekommen.Das Thema Cuvées haben wir jetzt auch gleich im Glas. Auch das ist was,was dadurch mit nach Spanien gekommen ist oder zumindest hat es mit geprägt auf jeden Fall.Und um ein bisschen die Brücke zu schlagen und ich glaube, deswegen passt derWein jetzt vielleicht auch ganz gut inhaltlich.Es ist tatsächlich ein Winzer, der in Bordeaux aufgewachsen ist und Rioja jetztdann tatsächlich arbeitet.Das ist der Franzose Tom Puyobert.Genau, er macht Wein im Rioja.Also er ist nicht in Bordeaux geboren, ich erzähle gleich noch was zu ihm,aber er ist zumindest dort aufgewachsen.
Heiko
1:08:51
Achso, ich dachte, du meintest, glaube ich, gerade geboren. Dann hast du dich,oder habe ich das mal nicht gehört?
Marcel
1:08:54
Okay, dann habe ich es vielleicht falsch gesagt, genau. Und er ist dort aufgewachsen,genau. Und zwar trinken wir den Wein Nummer 3, das ist Exopto.Das ist ein bisschen kompliziert. Eigentlich ist es, also der Wein hieß früher Boseto de Exopto.Mittlerweile heißt er nur noch Exopto, aber weil er es sowieso umgestellt hat,aber prinzipiell ist es so der Einstiegswein von Tom Puyobert.Und ich würde sagen, den können wir mal auch wiederum verkosten. kosten.
Heiko
1:09:23
Achso, also erzählst du danach mir noch was von Rebsorten? Oder rate ich jetzt?
Marcel
1:09:28
Also ich kann, also es ist Garnascha, Tempranillo und Graziano.
Heiko
1:09:36
Hätte ich natürlich gleich auch nach dem ersten Schluck direkt in der Tüte gezogen.
Marcel
1:09:41
Also zumindest ist es ein Cuvée und wir haben auch eine der größeren Rebsortenin Tempranillo mit im Glas. Aber es ist tatsächlich jetzt gar nicht schon…
Heiko
1:09:50
Riecht so ein bisschen… Also erstmal von der Farbe her wieder dunkel.Jetzt nicht so super tiefschwarz wie der letzte, aber schon auch sehr dunkel.Und Geruch, ich fand das erst so ein bisschen rauch, also tabakig rauchig fand ich.
Marcel
1:10:04
Witzig. Der ist jetzt schon ein bisschen im Glas, aber es ist…
Heiko
1:10:07
Was ist das Leder? Also ich kann es immer noch nicht so…
Marcel
1:10:10
Ja, finde ich auch. Ich hatte tatsächlich… Aber der hat tatsächlich ein bisschen,verändert den Eindruck. Aber ich finde, man hat immer noch ein bisschen wasSüßes und was Mandeliges schon auch noch ein bisschen.
Heiko
1:10:27
Also Mandelrichtung, aber jetzt nicht die Nuss, sondern schon so ein bisschen das Süßliche.
Marcel
1:10:31
Ja, genau.
Heiko
1:10:31
Ich weiß, was du meinst.
Marcel
1:10:32
Und auch so ein bisschen was Beeriges und für mich waren oder sind die Vibesso Richtung, also ich hatte es beim Chianti tatsächlich öfters mal,aber auch in Burgund so eine,also es hat mich einfach daran erinnert, wo ich das erste Mal gerochen habe,ich war auf jeden Fall nicht jetzt unbedingt, also ich war jetzt nicht in Riau.
Heiko
1:10:53
Beerer finde ich gar nicht so intensiv nicht mehr bei mir Nee.
Marcel
1:10:55
Ist ein bisschen zurückgegangen,Probier mal Ja.Oh, im Glas schon, aber hallo.
Heiko
1:11:09
Also aber da merkst du sofort.
Marcel
1:11:11
Wir haben auch, also es ist auf jeden Fall nicht mehr das Holz so dominant.Wir sind jetzt irgendwie sehr viel fruchtiger wieder.
Heiko
1:11:17
Also ich bin gerade super, nicht irritiert, das ist das zweite Wort.Aber mit dem Geruch hatte ich es nicht so, aber der erste Schluck war schon sehr berig.Und das Holz dann gar nicht mehr, wo ich es fast schon im Geruch ein bisschen gerochen habe.
Marcel
1:11:29
Auch hier haben wir wieder so eine, also wir haben was Frisches.Also man merkt eine Säure, aber die ist auf jeden Fall nicht so dominant.Die ist so super angenehm.
Heiko
1:11:38
Also der wirkt, also ich bin fast schon überrascht, aber vielleicht auch,weil wir jetzt schon zwei andere hatten.Bei Rioja verbindet man schon immer mit sehr schweren Weinen irgendwie.Ich finde den jetzt gar nicht so schwer.
Marcel
1:11:48
Erzähl ich gleich nochmal, glaube ich, was dazu. Ich meine, Rioja ist eine sehr große Region.Wir haben jetzt einen Winzer, der aus Frankreich nach Rioja kommt und in einer bestimmten Region ist.
Heiko
1:11:57
Ja, genau, das war auch Vorteil oder so. Und ich hatte, glaube ich,auch schon mal irgendwo in Rioja, wo ich fast schon überrascht war,dass der ein bisschen leichter war. Aber so das meiste, was man irgendwo auchbei einem Restaurant oder so als Rioja kennt, ist häufig schon ein bisschen schwerer, oder?
Marcel
1:12:09
Ja, würde ich auch sagen. Es ist wirklich leicht frisch-fruchtig,obwohl wir hier auch wieder 14,5 Prozent Alkohol haben, was wiederum eigentlich heavy ist.Und wo man jetzt mehr Schwere erwartet, ist der wirklich sehr gut…Einfach trinkbar. Wir sind jetzt tatsächlich auch bei 9,90 Euro.Was glaube ich ein mega guter Preis- oder Preis-Genuss-Verhältnis ist.
Heiko
1:12:32
Voll. Also ich finde es auch wirklich mal angenehm, wenn ich überlege,also Kalifornien haben ja 75 Euro Weine.Das ist wirklich auch mal gut zu sehen, dass man wirklich auch unter 10 Eurowirklich guten Weine einfach kriegen kann.
Marcel
1:12:44
Auch hier sind die Trauben wieder aus Weinbergen, die relativ alte Reben haben.Also ein bisschen gemixt zwischen 40 und 80 Jahre. Also haben auf jeden Fall wieder alte Reben.Wir haben in dem Falle wirklich auch gar kein Holz mit dabei,sondern wir haben im ersten Schritt wurden die wieder in Betontanks vergorenund haben dann auch gereift in Zement und Stahl.Also tatsächlich wirklich auch gar kein Holz und dementsprechend merkt man dasnatürlich auch nicht hier und hat jetzt auch nicht das Typische,was man jetzt so erwartet, ne?Ja, hier sind 70.000 Flaschen, vielleicht nur am Rand, weil wir gleich nochmalzu dem anderen später kommen, da sind wesentlich weniger Flaschen.Und ich hatte es vorhin gar nicht erwähnt, aber auch beide Weine kriegen tatsächlichrichtig gute Bewertungen.Also wir hatten glaube ich bei den zweiten Folgen, also eigentlich scheiß aufBewertungen, aber beim Summum hatten wir glaube ich,93 Punkte gehabt von James Suckling.
Heiko
1:13:45
Hast du das meint mit Bewertungen?
Marcel
1:13:47
Jetzt nicht so Kumpelbewerb.
Heiko
1:13:47
Sondern wirklich die von den so Weintests.
Marcel
1:13:50
Wir haben jetzt hier einen Wein, der irgendwann mal von Parker auch 92 Punktebekommen hat. Was für 9,90 Euro.
Heiko
1:13:55
Ich wollte gerade sagen, ich bin fast schon überrascht. Ich dachte,die gucken sich gar keine Weine unter 200 Euro an.
Marcel
1:14:00
Eigentlich auch nicht. Deswegen, es gab zumindest ein paar Shops, wo das erwähnt wurde.Genau. Sprechen wir über die Bodegas Exopto. Weißt du eventuell, was der Name heißt?
Heiko
1:14:13
Nee, das wüsste ich jetzt nicht.
Marcel
1:14:15
Also es ist auf jeden Fall Lateinisch.
Heiko
1:14:17
Also irgendwas mit raus, aus, Optik, ja ne, kann ich jetzt tatsächlich.
Marcel
1:14:21
Weißt du, so ein bisschen wie sehnsüchtiges Entgegenblicken,freudig hinfiebern, wenn man jetzt jemanden wieder nach langer Zeit sieht oder so?
Heiko
1:14:29
Ja, genau, also durch dieses Expectation und so kommt auch, hätte ich jetzt,nö, das kenne ich nicht, das Wort.Okay. Dachte erst, das wäre so, hat mich schon gewundert, weil das in Riojaja nicht, das war ex opto, somitX ist auch so im Katalan und im Valenciano-Spanischen sehr, sehr üblich.Deswegen habe ich schon gedacht, es wäre eher in die Richtung,aber es ist tatsächlich Latein, ne?
Marcel
1:14:48
Ja, das ist Latein.Ja, lecker.Wie ich schon erwähnt hatte, Tom Pouillard-Ber macht den Wein.Er ist im Südwesten von Frankreich geboren und ist dann in Bordeaux als Jugendlicher aufgewachsen.Er hat in Toulouse Agrarwissenschaften studiert.Okay. Und ist dann, wir hatten ja eben gerade, ich finde es ganz witzig,weil du gerade nochmal, du hast gerade den anderen Wein schon gemacht.
Heiko
1:15:15
Also damit leuten sich nicht wundern, warum ich lache. Ich habe versehentlichdas falsche Glas geguckt und habe den zweiten Wein und wollte gerade sagen,dass der richtig lecker ist und dass der sich nochmal verändert hat nach dem Glas stehen.Ich habe festgestellt, dass die zwei… Sorry, sorry, sorry.
Marcel
1:15:33
Genau, wir hatten ja eben gerade, du hattest schon USA erwähnt und Kalifornien und so weiter.Hier auch, auch hier haben wir jetzt gerade nochmal eine Brücke und zwar warder Tom, oder ist innerhalb des Studiums der Agrarwissenschaften dann nach USAgegangen, hat dort ein Weingut sozusagen besucht und dort gearbeitet.Und zwar war aber nicht in Kalifornien, sondern in Virginia,was auch wiederum ungewöhnlich ist.Und wenn ich mich gerade richtig erinnere, hast du gerade gemeint,dass die amerikanischen Reben als verpönt wurden, aber Kalifornien schon…
Heiko
1:16:05
Also zumindest das, was man da getrunken hat, die Kalifornien waren noch am wenigsten schlimm.
Marcel
1:16:10
Also jedenfalls hat er da auf einem kleinen Familienweingut gearbeitet,was sich Rockbridge nennt und nicht in Napa Valley gegangen ist,weil man da vielleicht auch noch mal ein bisschen mehr lernt.Zumindest hat er gelernt, wie man so einen familiengeführten Betrieb.Nach Rioja ist er dann Anfang der 2000er Jahre noch, also er ist ja nochmalzurück und hat dann tatsächlich so für so französische Fassbindereien gearbeitet,um da eher als Vertriebler dann in Rioja zu arbeiten.Das waren so die ersten Berührungspunkte mit und hat dann, nachdem er da alsVertriebsvertreter unterwegs war, irgendwann entschieden, dass er da ein Weingut gründet.Das war dann 2003, also insofern sehr viel jünger, als was eben hatten.Und sein Ziel war es, so alte Weinberge wieder herzustellen.Haben wir auch öfters schon mal so Storys gehabt tatsächlich,wo man mit so einer Mission reingeht und zwar an den Hängen der Sierra-Kantabria,was so ein bisschen Richtung Baskenland sozusagen ist.Heute hat das Weingut 22 Hektar und wir sind dann wiederum, glaube ich,da, wo wir sehr häufig sind in europäischen Gefilden.Das ist so ein bisschen das Standardweingutgröße sozusagen.Generell, da er auch irgendwie so alte Weinberge wiederherstellt,haben wir ja auch wirklich eher ältere Rebstöcke.Also vieles ist über 60 Jahre alt und er hat sich tatsächlich das Burgund alsVorbild genommen und hat dann auch einfach die 22 Hektar auf über 30 Parzellen verteilt.Also wirklich mini kleine Parzellen. Hat mich auch so ein bisschen erinnertan Cantina de Matrone, der ja auch so winzig kleine Parzellen hatte am Vesuv.Und Tom macht dann tatsächlich im Gegensatz zu, wie man vielleicht Rioja erwarteteher modernen Terroirwein, was ja auch vielleicht erklärt er kommt aus Frankreich,nimmt sich Burgund als Vorbild,dementsprechend ist da irgendwie so eine andere Motivation, eine andere Artund Weise Wein zu machen gleichzeitig,obwohl er so modernen Terroirwein macht, hat er dann wiederum traditionelleMethoden, also er hat tatsächlich Pferdeflüge, um den Boden zu bearbeiten.Also geht wirklich dann wiederum sehr zurück und macht die Arbeiten im Weinbergtatsächlich auch alles per Hand.
Heiko
1:18:27
Das kannst du ja dann auch nicht in einem riesigen Stil machen.
Marcel
1:18:30
Ja, und du brauchst halt schon auch ein Team. Er macht auch biodynamischen Weinbauund ist Teil der Gruppe Rioja & Roll,also was so ein Zusammenschluss von aufstrebenden jungen Winzern Projekten ist, die das,ultratraditionelle oder urtraditionelle Rioja ein bisschen anders denken.Merkt man jetzt auch schon im Glas offensichtlich so.Er arbeitet oft mit Cuvées, also hat halt genau die Rebsorten,die wir jetzt auch schon hatten.Ganascha, was eher so reich an Früchten ist. Für Tom so die eigentliche Königin.Den Graziano, der eher so frisch ist und Säure und Struktur bringt Und Tempranillo,den man ja auf jeden Fall kennt für Spanien, der ist ja sehr bekannt,der eher so verantwortlich für die Struktur im Weinen ist.Und ich hatte ein Interview gehört mit ihm, wenn Tom König von Rioja wäre,was würde er eigentlich anders machen?Er würde ein Cru-System einführen wie in Burgund, was es jetzt offensichtlichnicht gibt, weil es gerade das Thema Terroir vielleicht nicht,also es gibt eine Strömung, aber es ist halt nicht das Hauptthema natürlich wie in Burgund.
Heiko
1:19:44
Das heißt, er würde es aber auch wie in, wir haben ja schon mal festgestellt,dass das Grand Cru-System zum Beispiel in Bordeaux anders ist als in Burgund.Er würde es wie in Burgund machen, wo es wirklich auf die Parzelle geht,auf das Terroir, während es in, wenn ich mich richtig erinnere,in Bordeaux wirklich auf die Chateaus sozusagen gemünzt ist.Aber klar, wenn er diesen Burgund-Background hat und dann erklärt es auch,warum das da in Rioja durch das Terroir nicht ganz so ist.
Marcel
1:20:11
Und er würde die Region auch nochmal verkleinern, also die Anbaufläche mit Qualitätsfokus.Kommen wir vielleicht auch mal zu der Region, der Doca La Rioja oder auch,ja man sagt ja die Rioja auch im Deutschen dann.
Heiko
1:20:28
Genau, also ja genau, ich glaube die Region selber heißt La Rioja,aber mein Wein bestellt, ich bestelle einen Rioja und nicht einen Lari.
Marcel
1:20:37
Ja, es ist vermutlich die bekannteste Weinregion in Spanien.Wir werden sicherlich hier vielleicht nochmal zurückkommen an späterer Stelle,weil wir ja natürlich jetzt hier nur ein Beispiel mal nehmen und nicht jetztin die unterschiedlichen Nuancen und Facetten so reindippen.Generell ist es eine, also hat ja gerade schon gesagt, so ein Docker.Jetzt wird es natürlich wieder in der Aussprache schwierig, aber Denomination,die Origin Qualificata.
Heiko
1:21:05
Naja, jetzt hast du es auch ein bisschen französisch eher ausgesprochen.
Marcel
1:21:09
Okay, aber gut.
Heiko
1:21:10
Demonation und nicht… Aber ja, also man weiß ja, was zu sagen.Und Origen ist mehr Spannung.
Marcel
1:21:17
Origen, okay. Genau, die hat tatsächlich auch, also gibt es sehr selten in Spanien,es hat nur Rioja seit 1991 und Priorat.Ja, das hat tatsächlich wirklich eine höhere Qualifikation.Denn Rioja an sich, wenn man es jetzt nicht vor Augen hat, liegt eher im Nordenvon Spanien und hat also dementsprechend auch näher an Frankreich und Bordeauxdran. Das bietet sich halt an.
Heiko
1:21:42
Also im Prinzip sind die Pyrenäen dazwischen und sonst wirklich Frankreich undSpanien mit den Pyrenäen.
Marcel
1:21:47
Ja und vor allen Dingen, was auch quasi nochmal zwischen dem Atlantik steht,ist das Baskenland mit einem Gebirge und Navarra als weitere Pyrenäen.Weitere Regionen. Der Name leitet sich ab von Rio, der Fluss sozusagen.Und Ocha, der ist ein Nebenfluss vom Ebro. Also jetzt könntest du auch die Kartemal aufmachen. Ebro ist ein…
Heiko
1:22:14
Das ist die gleiche Karte wie vorhin? Also es ist ein neues Bild.Ah ja, jetzt sehe ich gerade. Also das nächste Bild in unserer Galerie.
Marcel
1:22:21
Genau. Da sieht man mal die La Rioja-Region aufgeteilt. mit dem Fluss, der durchführt.Also der Ebro ist ja quasi diese Weißlinie, der durchgeht. Das ist der Hauptfluss.Der Oja ist jetzt mal nicht eingezeichnet, aber der ist weiter oben im Norden bei Haro.Und wir haben halt ähnlich wie in Bordeaux eigentlich wieder so einen Fluss,der die Region teilt in links und rechts.Also man sieht das so ganz grob. Auf der linken Seite haben wir zwei Regionen.Das ist nämlich einmal Rioja Alta und Rioja Oriental, was früher Bacha hieß.Das sind die Regionen links von Ebro und rechts vom Ebro haben wir die Rioja Alavesa.Und die Region gehört tatsächlich auch zum Baskenland.Also ist halt auch politisch quasi eine andere Region. Also Baskenland hat jadann auch schon mal eine besondere Bedeutung in Spanien.Und auch der Wein jetzt hier ist aus der Region Alavesa.Rioja an sich ist eine mega große Region eigentlich für sich genommen schon wieder.Es sind 65.000 Hektar, die angebaut werden, also zwei Drittel von Deutschland prinzipiell.Also dementsprechend kann man sich ja vorstellen, wie vielfältig an sich dieRegion dann schon nochmal ist.Ich habe mich vor unserem Podcast auch schon mal miteinander gesetzt gehabtund einfach gezielt versucht, ein bisschen zu verstehen und mehrere Weine zu trinken.Ja, wie gesagt, das machen wir vielleicht nochmal an anderer Stelle.Und dementsprechend kann man jetzt auch nicht sagen, die Region ist jetzt genau so.Also ich würde jetzt nur einfach mal sagen, so ganz grob gesehen haben wir hierein gemäßigteres Klima als im Süden.Also wir waren ja in Jäkla eher sehr warm und ein bisschen trockener und hiersind wir nicht so extrem heiß wie in Südspanien.Wir haben hier oben im Norden die Berge im Baskenland, die so ein bisschen alsSchutzwall gegenüber den kalten Atlantikwind sozusagen schützen.Und wir sind hier auch wiederum ein bisschen, wir haben ein bisschen Höhe wieder,so 300 bis 800 Meter, also im Prinzip ja eigentlich kühler, als man denkt vielleicht für Spanien.Und wir haben auch ganz grob jetzt nur zwei verschiedene Böden,so als quasi einfache Faustriegel.Wir haben einmal den eher Kalkstein, Rioja Alta und Alavesa,also wo wir jetzt den Wein jetzt auch her haben.Spricht eher so für elegantere, frischere Weine.Und dann haben wir eher einen Lebenboden, den du ja eben auch schon mal erwähnthast, wo sich die Reblos dann auch wohler fühlt.Oder eher noch, also Kalk glaube ich auch.
Heiko
1:24:52
Also zumindest nicht Sand.
Marcel
1:24:53
Ja, Rioja-Oriental, wo wir eher fettere, wuchtigere, vollreifere Weine haben sozusagen.
Heiko
1:24:59
Wahrscheinlich so ein bisschen das, was ich jetzt in meinem Kopf so ein bisscheneher mit Rioja verbinde.
Marcel
1:25:04
Geschichtlich spannend und da kommen wir glaube ich jetzt eher wieder zu denSachen zurück, die du gleich nochmal ansprichst, beziehungsweise wo auch herkommen.Also, dass nicht nur die Reblaus der Region Aufwind gab, sondern tatsächlichwirklich auch mit dem Mehltau schon.Das war einfach so das erste Mal Bordeaux-Exil hier in der Region.Und vermutlich kommst du auch zu den Eisenbahnen noch.
Heiko
1:25:27
Genau, also ich erwähne es auch nur mit einem Satz, dass das maßgeblich dannauch dafür war, weil das sind auch in der Zeit die Verbindungen zwischen Frankreich und…
Marcel
1:25:34
Also vorher war, glaube ich, die Region sehr isoliert, dann wurde Eisenbahngebaut und deswegen gibt es auch viele Bodegas in der Nähe von Bahnhöfen jetzt mittlerweile.Und auch die Barriques kamen halt so her, wie ich am Anfang schon erwähnte,also die Barriques Bordelaisers.Also das Witzige ist nur, dass ja eigentlich das französische Eiche sein mussDeswegen den historischen Background kenne ich wiederum nicht,ich weiß nicht, ob du den kennst.Aber wir haben jetzt ja hier dann trotzdem amerikanische Eiche,auch wenn wir tatsächlich die Barriques auch mit genau diesen,also wir hatten ja schon über den Unterschied zwischen Bordeaux und Burgundin den leichten Literzahlen unterschieden.Das ist wirklich ja auch das Bordeaux-Barrique, was hier tatsächlich dann verbreitetist von der Größe, also die kleinen 225 Liter Fässer.Die roten Rebsorten hier so typischerweise angebaut werden und das ist schon,sage ich mal, überwiegend rot.Wir haben auch tatsächlich weiße Rioche, das wäre sicherlich auch mal spannend, da reinzugehen.Aber die roten Rebsorten sind so typischerweise Tempranillo, den kennt man.Das ist eher wirklich auch so ein mittelkräftiger, kirschiger Rotwein,der auch mal so Tabak oder Ledernoten hat, wie war es? Reuen?Es war zwar kein Tempranillo.
Heiko
1:26:43
Nee, das war doch hier drin. Das war doch in dem Jetzt, den wir vorher getrunkenhaben, da hatten wir dieses ein bisschen ledrig Tabak.
Marcel
1:26:50
War das schon okay?
Heiko
1:26:51
Das war der, und da ist schon ein Tempranillo drin gewesen in dem Quillen.
Marcel
1:26:54
Der Name vom Tempranillo kommt von Temprano, was so viel heißt wie früh, früher reif.Das ist ein bisschen der Unterschied zum Monastree, der eher wirklich sehr spätreift und mit dem Klimawandel gut eigentlich zurechtkommt, weil der erst dann,später so die, sag ich mal, also reift und dann auch die Tannine.Der Tempranillo ist eher früherreif, das heißt, der hat ein bisschen mehr Probleme auch mit Klimawandel.Der ist super dominant, auch mit 80% Anbau in der Region.Also insgesamt, das schon wirklich krass dominierend.Dann haben wir ja noch den Ganascha, der eher so wärmeliebend ist und den Wein gern mehr Körper gibt,so eine Cuvée gern mal abrundet und aber auch mal als Solist tatsächlich soein Compact feiert und nicht nur Cuvées vorkommt.Und wir haben den Graziano, der eher so einen frische Kick gibt,der gar nicht so häufig angebaut wird, aber auch gern in so einem Blend,in so einer Kivé mal benutzt wird.
Heiko
1:27:53
Und es sind ja im Prinzip auch alle, die du gerade aufgezählt hast,in dem letzten, den wir getrunken haben, sind genau die in Kivé.
Marcel
1:27:59
Genau.Es gibt halt noch mehr rote und weiße Rebsorten dort. Ich habe jetzt die dreirausgegriffen, weil die auch mit am häufigsten vorkommen.Vielleicht nochmal zu den typischen, also wir haben ja vorhin schon so Crianzaund so weiter gehabt, also zu den Ausbaustufen, die es so gibt.Es gibt immer, ja jetzt weiß ich natürlich nicht so richtig,Joven oder es sind so die junge Weine, die eigentlich keine großen Vorschriftenhaben, also entweder jung sind oder die Weine sind, die keine Vorschriften haben.Also in dem Fall haben wir jetzt hier auch kein Crianza getrunken oder irgendwiesowas, sondern tatsächlich einfach ein Wein, wo jetzt nichts draufsteht.Ein bisschen wie in Italien ja auch, da hatten wir auch quasi so eine Kategorie,wo es nicht so viele Vorschriften gab und wenn man experimentiert,dann ist man eher in dem Bereich unterwegs.Ich habe gesagt, Crianza hatten wir eben schon mal, also diese zwei Jahre Reifung,wobei man in Griocha dann mindestens ein Jahr das im Bereich lässt,während man das andere region auch mal gerne nur sechs monate lässt dann denhast du bestimmt auch schon mal gehört reserva er hat dann drei jahre reifungalso nach drei jahren kommt er dann erst wird er erst verkauft also wiederumvolle jahre wobei dann auch wiederum ein jahr mindestens im barrik davon stattfindenmuss der rest kann natürlich in der flasche sein.Und wir haben den Gran Reserva, den du vielleicht auch schon mal gehört hast.Und der hat dann fünf Jahre Reife und mindestens zwei Jahre Barrique.Und fünf Jahre, glaube ich, erinnert uns vielleicht auch an dem,wir hatten in der Florenz-Folge auch einen Wein, der mindestens fünf Jahre reifen musste.Heute haben wir ja in Rioja über 15.000 Weinbauern, wobei nicht alle dann wirklichanbauen, sondern es gibt ja, wie wir es davor ja auch schon hatten,einfach Leute, die Wein anbauen, aber nicht unbedingt ausbauen.Also es sind so ungefähr 500 Bodegas.Und traditionell, und jetzt komme ich vielleicht nochmal zu diesen quasi unterschiedlichenLagern, die es gibt im Rioja.Wir haben so die Traditionalisten, und daher kennt man, glaube ich, Rioja auch.Das sind diese vanilligen Rotweine, die einfach so klassisch aufhören.Ja die halt da ist einfach das fass nur diese amerikanische eiche vielleichtauch wirklich so neue fässer nicht gebrauchte fässer das hat wirklich super dominant,Dann haben wir die Modernisten, also es gibt ja noch mal ein anderes Gebiet,Ribera del Duero. Der Duero, ja.
Heiko
1:30:31
Auch sehr gut. Wir haben auch schon viele gute Weine davon getrunken.
Marcel
1:30:34
Die sind ja auch sehr kraftvoll und dunkel und ein bisschen konzentrierter.
Heiko
1:30:37
Duero, das glaube ich. Ribera del Duero.
Marcel
1:30:40
Also da gab es auch in den 80er, 90er Jahren so eine Orientierung dahin,weil das ja auch ein Gebiet ist, was irgendwie international eine Anerkennung bekommen hat.Also da gibt es auch irgendwie so eine Gruppe, die im Rioja ähnliche Weine machen.Und dann haben wir die Terroristen.
Heiko
1:30:58
Ist das der offizielle Begriff oder hast du die Begriff gesagt? Terroristen.
Marcel
1:31:04
Also ich mag ja Wortwitzel.
Heiko
1:31:06
Das ist lustig, aber ich kann mir nicht so richtig vorstellen,dass das so offiziell ist.
Marcel
1:31:10
Wo es dann eher wirklich um so ein bisschen die Herkunft geht und vielleichtauch mehr um eine frische, vielleicht gar nicht so eine Holzbetont,sondern eher wirklich, man will die Lage so in den Vordergrund stellen.Und sagen wir mal so, Exopto oder den Tom kann man sicherlich am ehesten indas Lager sozusagen setzen, obwohl er natürlich auch mit diesen traditionellenMethoden dann wiederum…Ein bisschen Richtung Traditionen auch wieder geht. Genau, und deswegen würdeich sagen, lasst uns doch nochmal den vierten Wein probieren, den du schon probierst.
Heiko
1:31:43
Den ich natürlich noch gar nicht probiere. Aber ich habe auch wirklich nur,ich habe relativ schnell gemerkt, dass es sich richtig, deswegen habe ich nochgar nicht so in den Nuancen rausgeschmackt.Ich kann dir nur schon mal jetzt sagen, ich fand ihn sehr lecker.Aber ja, lass uns jetzt nochmal, aber jetzt stand der natürlich ne,weil der kann sein, dass er jetzt mal, ich bin gespannt, ob er noch Geruch.
Marcel
1:31:58
Und der heißt wiederum auch, also auf dem Etikett, das hatten wir jetzt nochgar nicht angeguckt, aber da steht jetzt eigentlich auch nur wieder drauf, Exopto?
Heiko
1:32:06
Ja, die sind schlicht.
Marcel
1:32:09
Ja, prinzipiell heißt der auch einfach so, aber durch diese Umbenennung,weil der Einstiegswein ja auch eigentlich jetzt so heißt, heißt der jetzt Expression,jetzt vielleicht wieder Französisch.
Heiko
1:32:18
Aber ich meine, an sich passt esauch, wir sprechen ja die ganze Zeit vom französischen Vorgänger, aber…
Marcel
1:32:24
Die Graziano. Also die, jetzt ist Graziano als Rebsorte mehr im Vordergrund.Also wir haben wieder eine Cuvée, aber diesmal ist der Graziano als Haupttrieb-Sortedrin und haben wir noch den Tempranier und den Kanascha auch wieder.
Heiko
1:32:40
Ah, das heißt eigentlich die gleichen, aber in einer anderen prozentualen Verteilung?
Marcel
1:32:43
Genau.
Heiko
1:32:44
Ach, spannend. Oh, das finde ich wirklich spannend.
Marcel
1:32:46
Wie gesagt, das ist ja eher ein Wein, den man jetzt nicht so ganz häufig anbaut.Der riecht auf jeden Fall anders.
Heiko
1:32:55
Voll. Ich bin aber generell überrascht, dass der doch noch, auch immer nocheinigermaßen intensiv riecht, obwohl der ja jetzt schon eine Weile hier auchoffen im Glas steht, aber der ist schon auch und riecht schon noch.
Marcel
1:33:03
Der ist stabil. Also ich finde, der riecht immer noch, also man hat was Brombeerigesdrin und man hat auch eine Schuhsohle, so ein Leder.
Heiko
1:33:12
Achso, Schuhsohle, ich habe jetzt irgendwie wieder einen Käsefuß oder so gedacht,aber nee, stimmt, Schuhsohle, also so ein Lederig, da gehe ich auch ein bisschenmit, aber Beere ist auch dominanter, ja.
Marcel
1:33:21
Ja.
Heiko
1:33:23
Okay, probieren wir?
Marcel
1:33:24
Ja.
Heiko
1:33:24
Zum allerersten Mal heute für mich.
Marcel
1:33:25
Ja.
Heiko
1:33:34
Ich hatte es ja eben schon gemerkt, wo ich kurz auch überrasche,weil der anders schmeckt. Der trifft schon sehr meinen Geschmack.Der schmeckt wirklich gut.
Marcel
1:33:42
Ja, der hat auf jeden Fall auch wieder sowas, also dunkelbeeriges.Man merkt auf jeden Fall die Säure hier ein bisschen.
Heiko
1:33:49
Genau, ja, das wollte ich, habe ich fast schon bereut, was ich eben gesagt habe,weil so einen zweiten Schluck habe ich die Säure ein bisschen mehr gemerkt.Nicht, dass sie stören, aber doch schon.
Marcel
1:34:01
Ich meine aber, ich hatte ja gerade so die Rebsorten so aufgezählt das ist jaso, also der bringt ja auch ein bisschen mehr so die Frische und die Säure rein,hat ja eher auch diese wirklich dunklere Bärenstruktur und ist auch so würzig Achso.
Heiko
1:34:15
Geht jetzt nicht Ich hatte dummerweise den ersten schon ausgetrunken,jetzt wollte ich den eigentlich im Vergleich nochmal.
Marcel
1:34:20
Wenn du das füllen Ich.
Heiko
1:34:23
Kann das nicht füllen mit deinem komischen Gerät, das fahre ich nicht mehr an,Ja, passt. Dann kann ich das nochmal direkt in…
Marcel
1:34:36
Sorry.
Heiko
1:34:38
Überall gespritzt, außer ins Glas.
Marcel
1:34:42
Nochmal gegenhalten.
Heiko
1:34:44
Genau. Welchen hast du jetzt nochmal zuerst? Den davor?
Marcel
1:34:50
Also jetzt hatte ich gerade den auch nochmal…Aber jetzt, wenn du den ersten nochmal riechst, der hat, also mich dieses Burgundoder dieses Düße, ne, Mandelige Geruch auf jeden Fall und auch das irgendwieändert mich da vielmehr.
Heiko
1:35:09
Also ich finde es wirklich spannend, es ist jetzt nicht wie Tag und Nacht,aber schon, obwohl es derselbe Winzer,dieselbe Region und im Prinzip dieselben Rebsorten, aber halt in einer anderenVerteilung so und man schmeckt und riecht einen Unterschied.Das finde ich schon interessant.Und trotzdem irgendwie eine Farbe. Also man merkt schon, dass das von irgendwieeine Parallel, das ist jetzt nicht Tag und Nacht, aber schon ist nicht derselbe Wein.Also wäre jetzt auch komisch, wenn die das ist. Aber du weißt, was ich meine.
Marcel
1:35:39
Der hat auch ein bisschen mehr Tannine. Der ist wie gesagt so dunkler.Hat schon fast so, geht so Richtung ja, also ich bin noch nicht so schokoladig klingt jetzt.
Heiko
1:35:48
Also ich finde nicht schokoladig, aber ich finde Wein, der gut zu einer dunklen Schokolade.Es gibt ja so kräftige, dunkle Weine, die einfach richtig gut zu so einem StückZartbitterschokolade passen. Und das ist so einer.
Marcel
1:36:01
Der hat auf jeden Fall im Vergleich zum ersten Holz gesehen.Sprich, der war aber nicht in amerikanischen Holzfässern, würde man vielleichtauch merken, sondern der hatte 18 Monate in gebrauchten und neuen französischenEichenfässern gelagert.Gibt auch gar nicht so viel…
Heiko
1:36:17
Deswegen ist da auch nicht so dieses Vanillige oder so.
Marcel
1:36:19
Ne? Ja, genau. Also es ist eher… Da merkt man, dass es… Mehr Bordeaux als Tröcher, ne?
Heiko
1:36:24
Also da merkt man, dass dieses Vanillige wirklich aus so einer amerikanischeneigentlich einfach kommt. Weil wenn der auch so viel Holz gingeht und trotzdem nicht so…
Marcel
1:36:29
Ja, relativ lange. Also 18 Monate. Also es war auf jeden Fall jetzt der längste, meine ich.
Heiko
1:36:34
Aber jetzt schon, jetzt muss ich ein paar Stück näher, hat er schon Säure, ne?
Marcel
1:36:37
Mhm. Ja, also ich meine, das sind wieder auch… Wir haben ja irgendwie so einenkalkhaltigen Boden, wo an der Oberfläche wieder so Sand, was ja…
Heiko
1:36:45
Es tut mich echt schwer zu sagen, wenn ich ihn nicht besser finde.Aber wir sind ja noch nicht mehr im Fazit, zum Glück.
Marcel
1:36:50
Ja, generell, wir hatten ja gerade die Flaschen, hatte ich gesagt,70.000, von denen gibt es nur 5.000, der ist ein bisschen teurer auch dementsprechendund hatte auch von Parkern relativ gute Bewertung bekommen.
Heiko
1:36:59
Und du meinst doch alle eigentlich unter 20 diesmal, oder?
Marcel
1:37:01
Habe ich das vorhin? Ah, dann habe ich, also der kostet tatsächlich 29,90.
Heiko
1:37:05
Aber vielleicht hast du auch unter 30 gesagt?
Marcel
1:37:07
Ich dachte, du hast vorhin unter 20. Könnte sein, dass ich das erwähnt hatte. Ich glaube…
Heiko
1:37:10
Also der ist dann doch schon mal noch mal eine andere Preisklasse. Verstehe, okay.Also kann schon sein, dass man das merkt, aber ich finde jetzt ein Unterschiedzu, der eine kostet 9 Euro und der andere 9, also ein Unterschied von 20 Eurorein jetzt, weiß ich nicht, ob ich das jetzt so sagen würde,weil die sind anders, aber beide auf ihre Weise irgendwie auch ganz lecker.Okay, also, nachdem, ich versuche keine Überleitung, beziehungsweise ich könntesogar, weil wir jetzt gleich über Spanien reden, aber nachdem die Reblaus alsoals Ursache erkannt war, begann in Europa eben eine lange Phase erstmal der Verleugnung,Fehldeutung und auch der verzweifelten Gegenmaßnahmen.Wissenschaftler und Winzer experimentierten mit allem möglichen,von Chemikalien über Überflutung bis hin eben zu absurden Ideen.Doch keine Lösung funktionierte erstmal im großen Maßstab.Währenddessen breitete sich die Reblaus unaufhaltsam weiter aus und zerstörteeben ganze Weinlandschaften.Am Ende stand nicht nur eine ökologische, sondern auch wirklich eine wirtschaftliche Krise.Der Wein wurde knapp, zunächst vor allem insbesondere in Frankreich,wo man eben mit als erstes und auch wirklich am schwersten getroffen war.Auftritt Spanien. Spanien war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstmalnoch nicht wirklich ein Schwergewicht.Warum lachst du, weil ich gerade so 19. Jahrhunderts ein bisschen geleilt habe?Habe ich auch gemerkt. Also Spanien war in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts kein Schwergewicht. Also man muss ja auch sagen,wir kriegen bestimmt wieder Feedback, so ja, hat man schon gemerkt.Jetzt haben wir schon nur vier Weine, aber die sind auch alle so um die 15 Prozent,das darf man nicht vergessen.Also ich setze nochmal an.Spanien war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kein Schwergewicht iminternationalen Weinhandel.
Marcel
1:38:53
War ja eigentlich nur Frankreich, muss man ja auch sagen.
Heiko
1:38:54
Ja, das stimmt auch, das stimmt auch. Sherry hatte man schon und ging so einbisschen nach England und auch so ein wenig Tafelwein, so nach Kuba und Südamerika,so ein bisschen die Kolonie.Aber auf dem europäischen Festland spielte Spanien eben kaum eine Rolle.Das ändert sich jetzt eben schlagartig. Frankreich brauchte Wein,Frankreich brauchte dringend Wein und Frankreich brauchte dringend Wein in riesigen Mengen.Nicht unbedingt hochwertigen Wein, sondern vor allem solchen mit hohem Alkoholgehaltund intensiver Farbe. Was beides absolut zu heute passt.
Marcel
1:39:24
Wir haben eine sehr.
Heiko
1:39:24
Sehr dunkle Farbe und wir haben eben, wie wir eben schon festgestellt haben, hohen Alkoholgehalt.Denn dieser eignete sich nämlich dann als Rohstoff einfach zum Verschneiden,um die eigene durch Krisen geschrumpfte Produktion zu strecken und Exportniveauseben aufrechtzuerhalten.Zwischen 1860 und 1888 wuchs die spanische Rebfläche um rund 40 Prozent.Der Exportanteil am gesamten spanischen Wein stieg bis 1891 auf 47 Prozent.Also ein Wert, der erst 2010 wieder überschritten wurde.
Marcel
1:39:52
Also der, was Spanien exportierte.
Heiko
1:39:56
Genau, also bis 1891 hat man fast die Hälfte des Weins, den man angebaut hat, dann exportiert.Und nicht nur inländisch, also in Spanien getrunken.
Marcel
1:40:05
Also aber Kuba ist nicht in Spanien, das ist dann auch exportiert.
Heiko
1:40:09
Das ist eine gute Frage. Ich hätte jetzt tatsächlich gesagt,das gilt als Export. auch wenn es natürlich eine Kolonie ist.
Marcel
1:40:14
Also aus der Pisco-Folge wissen wir ja, dass das die Exportverbote heißt jadann auch wahrscheinlich.
Heiko
1:40:20
Deswegen gehe ich davon jetzt auch mal aus.1877 schlossen auch Frankreich und Spanien einen Handelsvertrag,der die Zölle auf spanischen Wein deutlich senkte und Wein wurde so zum wirklichwichtigsten Exportgut Spaniens, machte zeitweise über 30% des gesamten Exportwertesaus und das Timing, wenn man so will, war ideal.Das hattest du nämlich eben auch schon angesprochen, die Eisenbahn erschloss,nämlich genau in den 1860er und 1870er Jahren Regionen, die eben vorher geografischim Prinzip abgeschnitten waren.In diesem gesamten Ebro-Tal, also Aragon, Navarra und La Rioja,entstanden Verbindungen, die eben direkt nach Frankreich auch führten.Also einmal untereinander wurde es natürlich nicht mehr so isoliert,aber dann führten die Eisenbahnverbindungen auch wirklich direkt nach Frankreich.So konnte ein spanischer Wein eben schnell und effizient dorthin gelangen, wo er gebraucht wurde.Doch Rioja lieferte eben nicht nur Wein, die Krise veränderte die Region grundlegend.Bereits der Mehltau, hattest du auch schon angesprochen, das wo wir uns jetztein bisschen überschneiden, hatte diese Umbrüche ausgelöst, aber durch die Reblauswurde das eben nochmal verstärkt sozusagen. Das ist nochmal so ein Katalysator.Denn als man in Bordeaux eben mit dem Mehltau zu kämpfen hatte,begannen einige, so sag ich mal, vorausschauende Händler und Winzer aus demBordeaux sich auch nach Alternativen umzusehen.Und eben jenseits der Pyrenäen lag eben eine Region mit geeigneten Böden,passendem Klima und entscheidend eben auch in dieser neuen Eisenbahnverbindung,die dann Logroño in La Rioja eben mit der französischen Grenze verbannt.Und? Das ist auch so ein bisschen das, was du schon hast anklingen lassen.Die Franzosen, die kamen jetzt natürlich nicht irgendwie nur mit Koffern oderso oder nicht mit leeren Weinfässern, sondern eben vor allem mit Wissen undganz viel Wein-Know-how.Was sie mitbrachten beim Kern, so die Bordeaux-Methode tatsächlich,vielleicht ein bisschen auch begrenzt, aber eigentlich im Kern hast du ja auchschon ein bisschen angesagt, war die Bordeaux-Methode, also auch tatsächlich,ich glaube das hattest du jetzt noch nicht gesagt, so ein bisschen das Entrappender Trauben vor der Gärung, der Ausbau eben in kleinen Eichenfässern,diese Barriques, das hattest du gesagt und oft auch so eine mehrjährige Lagerung.Das war ein bisschen selbstverständlich, was schon für uns ist,das war in Rioja eigentlich noch kaum verbreitet vorher.Und so brachten sie eben Kapital mit, technisches Know-how und auch einfachWillen, so Bodegas nach dem Modell der Bordeaux-Chateaus zu errichten dort.Und mit ihnen kamen dann eben auch Begriffe und auch Qualitätsvorstellungen.In der Zeit finden sich so auf Etiketten so Bezeichnungen wie Methode,Medoc, also nach der Methode Medoc, also in Bordeaux hergestellt oder auch QuepaBorgogna, also so burgundischer Rebstock oder auch Quepa Sauternes,das hatten wir ja auch als kleine Region schon, die so Süßwein in Bordeaux herstellt.Also da merkt man so ein bisschen dieses französische, nenne ich Erbe,aber wirklich die französische Vorlage eigentlich.
Marcel
1:42:54
Deswegen war eben die Karte, die wir gesehen haben mit diesem rechts und links.Also ich meine, das ist genau ja auch in Bordeaux so. Mit den Unterschiedenzwischen links und rechts.Also ja, auf Flussseiten.
Heiko
1:43:05
Meistens ist links und rechts unterschiedlich. Aber ja, wir wissen, was du meinst.Und tatsächlich auch Weingüter, die heute jetzt zu den bekanntesten in Riojazählen. Das ist ja heute nicht dabei gewesen, aber sowas wie wohl Marquez deRiscal, Lopez de Heredia und Marquez de Morieta.Die gelten so ein bisschen auch heute noch als sehr, sehr bekannte Rioja-Bordegas.Die entstanden einfach in dieser Phase auch wirklich durch den Bordeaux-Einfluss.Als dann die Reblaus Bordeaux erfasste, verstärkte sich noch der Strom.Ja so Dutzende von Negotiants, also so großen Beinhänden, aber auch Winzernüberwiegend eben aus Bordeaux überqueren jetzt die Pyrenäen und gründen in derRioja ihren eigenen Bodegas.In Frankreich konnte man einfach nicht mehr produzieren oder waren einfach sehr,sehr gefährdet durch die Reblaus.Hier aber mit ihren eigenen Methoden konnte man quasi einfach weitermachen.Deswegen sagt man heute wohl noch, teilweise die Seele der Rioja ist Bordelais,also quasi wirklich aus dem Bordeaux.Eine Region, die also zuvor, sage ich mal, ohne das jetzt irgendwie abwertendzu meinen, eher ein bisschen provinzieller geprägt war,die entwickelte sich so dann innerhalb weniger Jahrzehnte wirklich zur eigentlichbedeutendsten Weinregion Spaniens, das hattest du auch gesagt,eben nicht trotz der Reblaus-Krise oder trotz der Mehltau-Krise,sondern wirklich gerade wegen dieses ganzen Investitionsbooms,den das eigentlich auslöste.Und als die Reblaus natürlich auch irgendwann Spanien erreichte,also was heißt natürlich, aber sie erreichte dann halt ja auch irgendwann Spanien,ich meinte ja in Frankreich war es nur als erstes, aber dann über ganz Europa,da war man zumindest ein bisschen besser vorbereitet, weil in Frankreich ebenbereits intensiv geforscht und experimentiert worden war.Ein zweites Weinbaugebiet, das insbesondere von dieser Krise profitierte,war tatsächlich Jumia in der Region Murcia.Deswegen hatten wir heute ja auch einen Wein aus Murcia.
Marcel
1:44:42
Ich finde immer sehr schön, wie du die Aussprache hast.
Heiko
1:44:47
Und selbst das wahrscheinlich nicht völlig korrekt. Naja, das ist auch,das hattest du vorhin schon erwähnt, wirklich eine heiße, trockene Gegend,geprägt von eben der Rebsorte Monastrey.Ideal einfach, um wirklich auch diese alkoholreichen, wirklich farbintensivenWeine herzustellen, die für den Verschnitt in Frankreich notwendig waren.Auch das hatten wir vorhin. Das war ja fast tiefschwarz, was wir da im Glas hatten.
Marcel
1:45:07
Mein Kontext war, dass das eigentlich eher nicht die hochqualitativen,das war eher nur so, wie du sagst, Farbe und hochalkohol.
Heiko
1:45:15
Genau, nur deswegen hat man das gut gebraucht für Frankreich,weil die haben ja nicht den Wein gekauft und da einfach Bordeaux raufgeklatscht,aber man hat das einfach für den Verschnitt gebraucht, weil die einfach vielAlkohol, viel Farbe und so weiter und Aroma hatten.Tatsächlich ist eben Chumia, also zumindest im 19.Jahrhundert, komplett von der Reblaus verschont geblieben. Ich wollte dich ander Stelle eigentlich fragen, ob du dir vorstellen kannst, warum,aber das hast du jetzt natürlich vorhin auch schon gesagt, dass der Sand,ganz klar, also diese sandigen Böden,wir hatten das vorhin, Winzer im Südfrankreich hatten eben schon auch selbstbemerkt, wie bestimmte Parzellen so auf sandigem Untergrund Und eben der Replostrotzten und während ringsum in ganz Europa eben alles starb.War Romier aufgrund dieser, oder generell Murcia, aber in dem Fall jetzt auch Romier,wirklich mehr oder weniger davon verschont geblieben, weil das da eben keinlokales Phänomen wurde, dass da mal so ein paar Zellen mit sandlich waren,sondern eigentlich die gesamte Region geologisch eben von sandigen Böden geprägt war.Aber die Reblaus, die erreichte Spanien durchaus, wir hatten das jetzt und sieverfüstete auch so tatsächlich in den 1890er Jahren, also immer so ein bisschenmit Verzögerung nach Frankreich,wirklich auch große Teile, auch Kataloniens, Andalusiens, also auch wirklichauch Südspaniens und breitete sich langsam und unaufhaltsam auch über die gesamteiberische Halbinsel aus.Aber Jomir blieb eben verschont aufgrund der sandigen Böden und deswegen ebenauch lange Zeit ein guter Exportpartner, oder Importpartner in dem Fall ausPerspektive Frankreichs.Bis tatsächlich, das nur so am Rande, das soll uns heute jetzt nicht beschäftigen,Frankreich gemerkt hat, dass man in Algerien auch ganz guten Wein herstellen und importieren kann.Und Algerien als französische Kolonie aufgrund anderer Handelsvorgaben,deswegen keine Zölle und so weiter, das natürlich auch einfacher war.Aber bis dahin, man hat dann irgendwann angefangen, statt Spanien eher in Algerienden Wein zu importieren.
Marcel
1:46:55
Noch nie was von gehört.
Heiko
1:46:56
Ich weiß auch nicht, ob es heute jetzt irgendwie noch so ein großes Thema war.Aber damals hat man in Algerien, also quasi das, was man in Spanien gefundenhat, hat man dann aus Algerien eher importiert. Aber…Um jetzt wieder zurück zu Spanien zu kommen. Paradoxerweise wurde eigentlichgenau das, also dass da diese sandigen Böden sind und deswegen man von der Reblausverschont blieb, wurde später zum Problem.Denn während in ganz Europa jetzt Reben auf resistente amerikanische Böden danngepropft, gepropft, gepropft, gepropft.Da bestand in Jumia eben lange kein Bedarf dafür. Du hast ja gesagt,du hattest ja auch eben in dem Wein von uns aus Jäkla war das.Ich war fast schon überrascht, dass du mir das gesagt hast, dass die sogar heutenoch wurzel-echt sind. Aber so war das dann tatsächlich auch in Jumia ganz, ganz lange.Bis 1989 dann auch hier wirklich die Reblaus angekommen ist und auch alles gestört hat.Denn man muss dazu sagen, so in den 1970er und 80er Jahren waren so moderneBewässerungssysteme eingeführt worden und die zuvor eben extrem trockenen,sehr, sehr lockeren Sandböden, die veränderten sich dadurch natürlich und sofeuchtere Bedingungen erleichterten dann auch dann der Reblaus,das Überleben und auch die Ausbreitung und gleichzeitig begünstigte auch sodie zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft,ihre Einschlimmung mit Maschinen und Fahrzeuge, die transportierten dann vielleichtinfizierte Erde oder so aus anderen Regionen ein und so weiter.So war dann als in Europa oder generell fast ganz Europa eben schon überalldas aufgepfropft war, da eben nicht und plötzlich war man da auch schutzlos,ausgeliefert und dann große Teile zerstört worden in Romier,aber halt mit 100 Jahre Verzögerung spannender oder paradoxerweise,aber um diesen Spanien ausständig ganz so negativ ausklingen zu lassen und weil das auch irgendwie,Ich finde irgendwie zu unserem Podcast passt, weil mich das an vergangene Folgenan und so ein bisschen zum Beispiel Österreich, die ja auch aus der Krise eherso qualitativ gestärkt hervorgehoben ist.Du meinst ja vorhin auch schon eher so Massenwein damals und so weiter.Die Krise wurde eigentlich, also die Krise in den 1980er Jahren dann,die wurde eigentlich langfristig zur Chance.Der Befall war zwar wirklich natürlich eine Katastrophe, ist klar,aber rettete Romier vielleicht langfristig vor so ein bisschen der Bedeutungslosigkeit.Denn vorher war das eben primär eben billige Massenweine, die da produziertwurden. sehr, sehr hoher Alkoholgehalt und so weiter, jetzt nicht irgendwiequalitativ anspruchsvoll.Und so die erzwungene Neupflanzung dann, die ermöglicht einfach den Wechselzu mehr Qualitätsweinanbau.Auch wenn wir jetzt, glaube ich, heute nicht Rumier, sondern hier gleich,ich weiß jetzt, wahrscheinlich eine andere. Aber genau, deswegen.Passt das glaube ich trotzdem ganz gut. Tja und während Spanien eben noch vondiesem Boom getragen wurde,begann sich die Lage auf der anderen Seite der Pyrenäen bereits auch wiederzu verändern, denn in Frankreich setzte sich nun langsam, endlich möchte manmeinen, aber auch immer noch widerwillig, aber zunehmend ja unumkehrbar, sage ich mal,genau jene Lösung durch, die eben lange bekannt gewesen war.Ich hatte es dir schon erzählt, man hat das eigentlich schon beim Mehltau damitexperimentiert, aber man hatte eben lange das eben abgelehnt,aber jetzt kommen wir eben endlich dazu, die Propfung.Europäische Reben wurden auf amerikanische Wurzeln gepropft.Das ist wirklich ein fieses Wort, also auch ohne vorher den Wein getrunken zu haben.Unter der Erde übernahmen jetzt quasi die widerstandsfähigen Wurzeln die Abwehr gegen die Reblaus.Über der Erde wuchs weiterhin die vertraute Vitis Vinifera, also die europäische Rebe.Der Wein blieb französisch oder deutsch oder italienisch oder später weltweiteigentlich auch chilenisch und australisch und so weiter. Überall hat man das dann ja gemacht.Haben wir jetzt noch heute den europäischen Fokus. Aber die Wurzeln waren eseben nicht mehr. Ich habe da nochmal ein Bild mitgebracht, auf dem das glaubeich ganz, ganz gut zu erkennen ist.So oben sieht man, also das muss ich jetzt nicht beschreiben tatsächlich,aber oben ist der sogenannte Edelreis, so nennt man die Rebsorte,die darauf gepfropft wird.Das ist so quasi dieses, man sieht es hier ein bisschen, das dunklere Holz undunten die hellere sogenannte Unterlagsrebe.Und während ihr euch das jetzt mal anschaut, kann ich vielleicht ganz grob erklären,wie das genau gemacht wird.Ich finde das wieder ähnlich wie vorhin mit dem Lebenszyklus,ich finde das biologisch gesehen auch wieder total faszinierend, was da möglich ist.Also man nimmt quasi so einen Triebstäckling, dieser robusten amerikanischenRebe und setzt ihn dann mit einer europäischen Sorte zusammen.Man muss wirklich nur schauen, dass so die Schnittstellen beide,also man schneidet das Beil entsprechend ab und die müssen wirklich mehr oderweniger exakt zusammenpassen.Dann gibt es da das sogenannte Cambium, das ist so eine dünne Schicht teilungsfähigerZellen direkt unter der Rinde auf so einer Pflanze.Das muss sich wirklich direkt berühren und bildet dann den sogenannten Kalus.Das ist so eine schwammartige Masse aus Zellen, die dann den Spalt zwischeneben dieser sogenannten Unterlage, also der robusten Wurzel und dem Edelreis,eben dieser gewünschten Weinrebe, wirklich schließt.Also die beiden Teile, die wachsen buchstäblich einfach zusammen innerhalb von einigen Wochen.Und danach fließen quasi Wasser und Nährstoffe einfach durch,als wäre das immer eine Pflanze sozusagen gewesen.Ohne dass das wirklich Auswirkungen auf den Geschmack der aufgepropften Rebehatte. Also da hatte man natürlich am Anfang irgendwie, gerade in Bordeaux,deswegen war man immer noch sehr, sehr ablehnt und sagt, oh ja,jetzt kommt ja die amerikanische Wurzel. Aber der Geschmack kommt weiterhin von oben.Es ist nur wirklich einfach, dass die Wurzel, diese amerikanische Wurzel einfachgegen die Reblaus-immun in Anführungsstrichen ist. Das finde ich schon mega spannend.
Marcel
1:51:58
Ja, ja.
Heiko
1:51:59
Also heute läuft das natürlich irgendwie in der Regel industriell ab. Das ist auch klar.Also man macht das ja heute auch weiter. Also man muss das ja weiterhin machen.Also das wird wirklich flächendeckend global mehr oder weniger eingesetzt.Die Schnittstellen werden maschinell auf so einen Millimeter genau gefräst.Ja, dann die Teile einfach zusammengesteckt. Und dann kommen quasi die Rebenin so beheizte Wärmekammern.Circa 28 Grad wohl. Hohe Luftwürchtigkeit, wo sie dann in zwei bis drei Wochen zusammenwachsen.Und danach werden sie dann noch in so Rebschulen im Freien vorgezogen.Und dann, bevor sie dann eben als fertige Jungpflanze einfach erst überhaupt in den Weinberg kommen.
Marcel
1:52:31
Ja, schon krass, ne? So wie…160 Jahre oder ja, 150, 160 Jahre her und man muss es immer noch so machen.Ich meine, wenn man jetzt mit Leuten spricht, die so gar keine Weinberührung haben,wie erklärst du so ein einschneidendes Erlebnis, was uns jetzt über die ganzenFolgen schon begleitet, weil das ja irgendwie so prägend war für die ganze Weingeschichte?
Heiko
1:53:02
Und gleichzeitig finde ich das, also das finde ich ja das Spannende,dass, also ja, wie erklärst du es, aber theoretisch musst du es halt auch nicht erklären, also klar,weil das keinen Einfluss, also das fand ich so spannend, das hat ja auch wirklichkeinen Einfluss, wahrscheinlich offensichtlich auf den Geschmack,weil die Wurzel und also oben ist trotzdem die Rebsorte und also kann sein,also ich habe natürlich jetzt keinen Wein von vor der Opfer mal getrunken.
Marcel
1:53:20
Also ich meine, wir hatten, ich musste die ganze Zeit, man wollte es schon vorhererwähnen, an Rich und das Zitat denken, wo er ja ein Weiden von 1860 getrunkenhat, wo es ja vor dem, also es war ja 1860 war er noch davor,muss ja davor gewesen ein Weiden sein.
Heiko
1:53:37
Dass ich diese Lösung durchsetzte.
Marcel
1:53:38
Vielleicht war es auch das.
Heiko
1:53:42
Seit der Aufropfung schmeckst du nicht mehr so gut, nein, Quatsch.Dass ich die Lösung durchsetzte, war dann auch wirklich einzelnen Persönlichkeitenzu verdanken, unter ihnen etwa die Dutesse de Fitzjames, die ich an der Stellekurz hervorheben möchte.Sie gehörte zu den frühen und auch wirklich einflussreichsten Unterstützerinnender Tropfung und trug eigentlich auch entscheidend dazu, bei ihrer Akzeptanz zu verbreiten.In einer Zeit, in der wissenschaftliche und auch agrarische Debatten ausschließlichvon Männern dominiert wurden, finde ich das irgendwie bemerkenswert und wahrscheinlichauch viel zu oft übersehen. Deswegen war mir das irgendwie wichtig,das nochmal irgendwie hervorzuheben.Sie war nämlich selbst Weinbergbesitzerin und wurde auch wirklich zu einer aktivenVerfechterin dieser Lösung.Sie organisierte richtig Demonstrationen, sie ließ so Pflanzungen anlegen,die besichtigt werden konnten, damit man irgendwie sehen konnte,wie das funktioniert, vielleicht probieren kann und so weiter.Man merkt so, ja, das können wir schon irgendwie machen.Genau, exakt darum geht es. Und das so argumentierte sie dann auch einfach öffentlichund ihr Argument war dann auch recht pragmatisch.Er hat gesagt, ganz ehrlich, großflächige, so chemische Behandlung ist einfachnur maximal, das hatten wir vorhin für kapitalstarke Güter, tragbar,für so einen normalen Winzer ist die Propfung einfach wirklich die einzig skalierbare Lösung.
Marcel
1:54:47
Und das ist ja auch die biologische, also die funktioniert.
Heiko
1:54:51
Genau, es funktioniert, du brauchst keine Chemie, es ist die natürliche,also auch, was heißt natürlich, aber es wundert einen auch nicht,Gerade Bordeaux und Burgund hält sich der Widerstand noch so ein bisschen am längsten.Aber schließlich sieht man auch hier irgendwie ein, dass es keine andere Möglichkeit gibt.Und ja, heute wachsen tatsächlich etwa 85 Prozent aller Weinreben der Welt aufamerikanischen Wurzelstöcken.Das finde ich eigentlich super spannend, dass wir heute dann auch noch eineder wenigen, die noch wurzelrecht sind, getrunken haben.Das heißt, man trinkt Wein aus Frankreich, man trinkt Wein aus Spanien,Australien, Chile, Neuseeland, Südafrika. Und die Wurzel, auf der diese Rewegewachsen ist, kommt eben aus, keine Ahnung, Missouri oder Virginia oder Texas.Wahrscheinlich hätte Darwin das, glaube ich zumindest, sehr zufrieden wahrgenommen. So ein Insekt.Das Jahrtausende damit verbracht hatte, sich an amerikanische Reben anzupassen,traf auf eine europäische Pflanzenwelt ohne jede Abwehr.Und die Menschen, die das zunächst nicht verstehen wollten, die verstanden irgendwieam Ende, dass die einzige Antwort ebenfalls eigentlich evolutionärer Natur war.Also nicht kämpfen, sondern eigentlich anpassen. Nicht die Pflanze ersetzen,die nicht funktioniert, sondern sie mit einer anderen verbinden, die es tut.Das finde ich nicht nur faszinierend, sondern auch irgendwie,keine Ahnung, zufriedenstellen.
Marcel
1:56:10
Ich glaube, da haben wir halt irgendwie wieder was dazugelernt.
Heiko
1:56:14
Das hoffe ich doch, deswegen sitzen wir ja hier.
Marcel
1:56:18
Wollen wir nochmal?
Heiko
1:56:19
Also ich würde, jetzt müssen wir natürlich auch nochmal ein Weinfazit ziehen,nachdem wir jetzt hier schon so ein kleines evolutionäres Fazit ziehen.
Marcel
1:56:25
Also ich meine, vielleicht nochmal thematisch. Ich fand tatsächlich,also ich habe vorher überhaupt gar keinen, also mir war es überhaupt gar nichtso bewusst, dass Rioja als Weinregion so stark von Bordeaux zum Beispiel geprägt hat?
Heiko
1:56:37
Ich auch nicht, das fand ich auch mega spannend. Deswegen fand ich es auch wirklichirgendwie, also der eigentliche Punkt war ja, wir hatten immer wieder die Rehplausin den Folgen, deswegen dachte ich, wollte ich mal eine Rehplaus-Folge machenund habe dann in der Recherche relativ schnell festgestellt,klar ist sie zwar global und irgendwie in ganz Europa und auf der ganzen Weltirgendwie Schadler angerichtet, aber der Fuchs irgendwie Frankreich.Und dann dachte ich, wir hatten ja irgendwie gerade erst eine Frankreich-Folge.Und deswegen fand ich es irgendwie echt mega cool und spannend,dass mit Rioja, aber auch Romia dieser spanische Twist drin war,ohne dass man sagen müsste, ja in Spanien hat die Riplaus auch gewühlt,sondern wirklich das, vor allem was du sagst, in Rioja,Mehltau und Reblaus verursacht sozusagen eher diesen Boom, dass das so ein bisschen,also nicht nur im Export, sondern wirklich qualitativ, also wirklich was denWeinbau angeht. Megaspannend.
Marcel
1:57:24
Und der andere Aspekt, der männliche Stolz.
Heiko
1:57:28
Der männliche Stolz?
Marcel
1:57:29
Naja, du hast ja gerade nochmal als Beispiel, es waren ja dann scheinbar aucheher Männer, die die Nase gerümpft haben vor der amerikanischen Eiche und machen wir nicht.Und obwohl es wahrscheinlich, wenn man da früher etwas offener gewesen wäre,sicherlich weniger Effekte oder man hätte wahrscheinlich viel schneller.
Heiko
1:57:48
Also wenn du überlegst, dass wenn du das schon bei Mehltau gemacht hättest,dann wäre die Replaus einfach gar nicht gekommen.Also dann wäre sie gekommen, aber sie wäre ja nicht.
Marcel
1:57:57
Bestimmt.
Heiko
1:57:57
Also dann hätte sie nicht so einen Schaden angerichtet. Wer weiß, ob dann…Obwohl, nee, man hatte ja auch schon beim Mehltau Rioja. Ich wollte gerade sagen,wer weiß, ob wir heute Rioja getrunken hätten, wenn das so gewesen wäre.Das hatten wir auch schon im Mehltau.Aber ja, irgendwie. Und dann hatten wir bestimmt männlicher Stolz.Wir hatten auch die männliche Vitalität, die auch ja vorhin mal so kurz alsabsurde Theorie in den Raum gestellt wurde.Von den, wahrscheinlich auch Männern.
Marcel
1:58:22
Ja.
Heiko
1:58:23
Und dann musste eine Frau kommen, die sagt, Leute, schau euch das mal an. Lass uns das mal machen.
Marcel
1:58:29
Welchen Wein wollen wir noch mal probieren?
Heiko
1:58:32
Also wir haben ja jetzt immer zwei Weine gegenübergestellt von einem Weingut.Jetzt würde ich vielleicht nochmal zwei gegeneinander stellen,aber jeweils ein aus dem und ein aus dem.
Marcel
1:58:42
Ja.
Heiko
1:58:43
Und ich würde, glaube ich, den reinen Monastrey und den letzten.
Marcel
1:58:52
Ja, okay. Die beiden, die für sich stehen sozusagen.
Heiko
1:58:56
Ist es vorhersehbar?
Marcel
1:58:58
Dachte ich mir.
Heiko
1:58:59
Dann möchte ich natürlich stattdessen jetzt. Hätte ich gerne einen aus Bordeauxund Pogun. Kannst du da nochmal?Ich warte mal nochmal ganz kurz einen Schluck Wasser rein zum ausspülen.Zumindest bei dem. Ach nee, ich hab hier noch Wein drin.
Marcel
1:59:12
Genau.
Heiko
1:59:13
Okay. Ich geh in Deckung, weil das ist ja nicht wieder in alle Richtungen eingestellt.Ach du auch, ja? So, so.
Marcel
1:59:23
Klar.
Heiko
1:59:24
Ja, ja, mir erst mal so. Wir haben vorher zu baden und dann machst du das gleiche.
Marcel
1:59:28
Naja, also ich hätte es jetzt auch gemacht, deswegen sag ich es.
Heiko
1:59:30
Ach so.
Marcel
1:59:32
So.
Heiko
1:59:34
Dann…
Marcel
1:59:35
Gucken wir uns die nochmal an.
Heiko
1:59:37
Also gucken wir uns die an.
Marcel
1:59:39
Farblich sind die glaube ich sogar fast…
Heiko
1:59:41
Farblich sind die sehr, sehr ähnlich.
Marcel
1:59:42
Ja, weil die beide sehr, also ich meine sowohl Graziano als auch Monastrey sind doch eher sehr dunkel.So unblickdurchsichtig, nicht durchsichtig.Und halt der erste natürlich, man merkt es, Holz…
Heiko
1:59:56
Holzvolle Kanne, Holz. Also das schon, zumindest in der Nase. Und der andere…
Marcel
2:00:03
Jetzt kommt aber, der war ja gerade frisch, da kommt ein bisschen fast wie das stallige.
Heiko
2:00:08
Also ja, so ein bisschen muffig wollte ich sagen, aber das ist ja auch das,was du glaube ich als stallig meinst.Ja, den hatte ich nämlich vorhin nicht so, aber da stand eine Beale.Jetzt wo er frisch im Glas ist, riecht man das nochmal.Oh ja, hier voll Holz.
Marcel
2:00:26
Oh, der ist einfach, der ist wirklich gut.
Heiko
2:00:30
Der Monacelle, den hatten wir jetzt gerade und jetzt direkt im Gegenvergleich nochmal den.
Marcel
2:00:39
Frischer, ne?Auch frischer und der hat, ja.
Heiko
2:00:44
Aber ich könnte jetzt nicht, ich tue mich schwer, also wenn ich sagen muss,was mir noch besser gefallen ist, tendiere ich gerade fast noch zu dem Monastree.Also zu dem ersten von den beiden, aber zu dem zweiten insgesamt.Aber das ist schwierig, weil die jetzt jetzt auch die sind beide einfach richtig gut.Also die waren alle auch wirklich gut, aber das hat jetzt einen Grund,warum wir die beiden ausgewählt haben.Aber sag ich mal, wenn ich jetzt entscheiden müsste, ist es fürchtlich,also was heißt fürchtlich, ist es wahrscheinlich auch das Holz.Es ist ein System, ich mag offensichtlich einfach das Holz und das ist da schon auch deutlich.
Marcel
2:01:20
Ja, wir werden ja irgendwann sicherlich nochmal so eine Top-Tierlist machenvon unseren Favorites, Wein und so weiter.
Heiko
2:01:28
Auf jeden Fall, auf jeden Fall.
Marcel
2:01:29
Ja, aber es hat ja auch einen Grund, warum ich heute den mal mitbringen wollte.
Heiko
2:01:34
Was war denn jetzt von dir? Du musst jetzt natürlich auch noch mal kurz…
Marcel
2:01:37
Naja, ich meine dadurch, dass ich jetzt den Baraonda schon sehr… Den ersten, ne?Also generell auch das… Also ich meine von dem Weingut habe ich nicht nurden Wein, sondern auch andere Weine regelmäßig getrunken.Insofern und das ist so ein, sagen wir mal so, man trifft sich mit irgendjemandemund der ist vielleicht auch nicht so into, also nicht so verkauft in Wein oder irgendwie sowas.Ich glaube, den kann man einfach immer mitnehmen, wenn man irgendwo hingeht.Also jetzt den ersten von denen, also jetzt nicht den, den wir zuletzt hatten.
Heiko
2:02:08
Achso, ich dachte, meinst du die Personen, die nicht so…
Marcel
2:02:11
Nee, ich meine, aber ich glaube, das ist ein Wein, den kann man immer gut mitbringenund der wird einfach auch jeden schmecken. So, finde ich. Der erste.
Heiko
2:02:18
Achso, der erste, also nicht jetzt, ja, ja, also den Crianza noch, ne?
Marcel
2:02:23
Also jetzt nicht von denen.
Heiko
2:02:23
Die wir jetzt eben getrunken haben, weil ich dachte, ich mir schon mal,jetzt eben den Monastrey, der ist schon ein bisschen, der muss man schon mögen.
Marcel
2:02:29
Ja.
Heiko
2:02:30
Okay, verstehe.Okay.Dann würde ich sagen, war das unser heutiger Schluck aus der Geschichte.Wir wollen noch nicht komplett verraten, worum es in der nächsten Folge geht,aber nur so viel sei gesagt.Marcel wird nach Japan fliegen, um dort zu recherchieren. Vielleicht kann sichder eine oder andere dann vielleicht denken, worum es gehen wird.
Marcel
2:02:56
Jetzt muss ich ja nur.Let’s see.
Heiko
2:03:00
Deswegen vielen Dank, wenn ihr wie immer bis hierhin zugehört habt.Lasst uns wie immer, wenn noch nicht geschehen, einen Kommentar,äh nicht einen Kommentar natürlich, sondern eine Bewertung und ein Abonnement.
Marcel
2:03:10
Es kamen ein paar dazu, insofern freuen wir uns und gerne, wer zuhört, einfach auf 5 Sterne.
Heiko
2:03:16
Genau, in der App eures Vertrauens. Und dann würde ich sagen, mehr Geschichte.
Marcel
2:03:21
Ja genau, das haben wir heute noch gar nicht gemacht.
Heiko
2:03:25
Wir haben noch nicht angestoßen heute?
Marcel
2:03:26
Nee.
Heiko
2:03:27
Oh je.Dann stoße ich direkt nochmal an.
Marcel
2:03:33
Wir sehen uns, bis bald und einen schönen Frühsommer euch.
Heiko
2:03:38
Frühsommer? Prost.
Marcel
2:03:41
Ciao, ciao.Was sagt man? Spannend Tschüss.
Heiko
2:03:47
Adios.
Marcel
2:03:48
Adios. Bis bald.
Heiko
2:04:14
Das war schon gut los, dass wir nicht live sind. Spanien war in der zweiten Hälfte des neunten.
Marcel
2:04:28
Selten, selten.
Heiko
2:04:31
Was ist da, Lobi? Vielleicht waren wir zu entspannt vorher. Vielen Dank.
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